Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #6 Folge 17: Die Escitalopram-Lüge: Vom Süchtigen zum "ewigen Patienten"
Transcript
- 0:00Hallo und Willkommen zu unserer heutigen Vertiefung.
- 0:03Schön, dass du wieder dabei bist, um mit uns gemeinsam in
- 0:06ein ja wirklich wichtiges und oft diskutiertes Thema
- 0:10einzutauchen. Hallo, auch von meiner Seite.
- 0:13Heute nehmen wir uns ne ziemlich kritische Perspektive auf
- 0:16Antidepressiva vor. Speziell geht es um die
- 0:19sogenannten SSRISS Citalo pram ist da ja ein ganz bekanntes
- 0:23Beispiel. Unsere Quelle dafür ist ein
- 0:27Artikel von einem Autor namens Gabriel, der auf seiner
- 0:30Plattform Nielix Berlin schreibt und allein der Titel ist schon
- 0:34ne Ansage, finde ich. Die escitalopram Lüge wie
- 0:38Antidepressiva deine Symptome betäuben und dich zum ewigen
- 0:42Patienten machen. Puh, das klingt erst mal ja
- 0:45provokant. Das ist es auch.
- 0:47Und das soll es wahrscheinlich auch sein.
- 0:49Wichtig ist aber direkt zu Beginn, wir schauen uns heute
- 0:52Gabriels Sichtweise an, seine persönliche kritische
- 0:56Auseinandersetzung, die auf seinen eigenen Recherchen und
- 0:59wohl auch Erfahrungen basiert, genau unsere Aufgabe hier ist
- 1:03es, seine Argumente mal zu beleuchten.
- 1:06Nachzuvollziehen, was er meint und zu verstehen, was hinter
- 1:10dieser ja falle des ewigen Patienten steckt, von der er da
- 1:13spricht. Absolut.
- 1:14Und bevor wir da jetzt richtig einsteigen, muss ein Hinweis
- 1:17direkt an den Anfang, den platziert Gabriel selbst auch
- 1:19ganz vorne fast. Wieso eine Art Triggerwarnung?
- 1:22Ja, das ist wichtig. Was wir hier besprechen, das ist
- 1:26keine medizinische Beratung. Auf gar keinen Fall eine
- 1:28Aufforderung, irgendwie Medikamente selbst zu verändern
- 1:31oder abzusetzen. Das ist Gabriel Standpunkt, und
- 1:35das ist auch unser Standpunkt, sprich immer zuerst mit deinem
- 1:38Arzt oder deiner Ärztin, wenn du fragen zu deiner Medikation
- 1:41hast. Das ist absolut nicht
- 1:44verhandelbar. Ganz genau.
- 1:46Und vielleicht noch ein Wort zu Gabriel selbst.
- 1:49Um seine Perspektive ein bisschen besser einzuordnen.
- 1:52Er macht das ja auch transparent auf seiner Seite.
- 1:54Er ist selbst von sucht und psychischen Themen betroffen.
- 1:58Oder war es zumindest stark. Er teilt seine Erfahrungen da
- 2:02sehr offen, nicht um Mitweit zu erregen, sondern so wirkt es, um
- 2:06ne Verbindung aufzubauen um zu zeigen, Hey du bist mit solchen
- 2:09Kämpfen nicht allein und das ist so ein bisschen der Hintergrund,
- 2:12vor dem seine Kritik wächst. OK, aber jetzt lass uns mal
- 2:15schauen wie er seine Argumentation aufbaut.
- 2:18Er fängt mit einem Szenario an, dass sich sicher einige
- 2:21vorstellen können. Vielleicht hast du es selbst
- 2:23erlebt. Du hast es geschafft bis clean
- 2:25von Drogen Riesenschritt, ja. Absolut.
- 2:28Aber dieser innere Schmerz, diese Leere, die Angst, die
- 2:32vielleicht schon vorher da war oder durch die Sucht erst
- 2:34richtig hochkam, die ist immer noch da.
- 2:37So, du gehst zum Arzt, bist ehrlich, sagst vielleicht sogar,
- 2:41mir geht es einfach beschissen. Ein verletzlicher Moment, klar.
- 2:46Und laut Gabriels Darstellung passiert dann oft was ziemlich
- 2:48standardisiertes im System kurzes Gespräch und Zack Rezept.
- 2:53Oft eben für so ein SSRI ne selektiver Serotonin
- 2:57wiederaufnahmehemmer. Escitalopram ist da halt so ein
- 3:00Klassiker, Gabriel nennt das ein bisschen zugespitzt die Pille
- 3:04für alles. Und genau da setzt seine
- 3:07Hauptkritik an. Er sagt ja nicht, dass die Pille
- 3:09gar nichts macht. Nee, das nicht.
- 3:11Er beschreibt das eher bildlich, fand ich ganz treffend.
- 3:14Sie legt so ne Art warme taube Decke über das ganze Chaos im
- 3:18Inneren. Die Symptome, die scharfen
- 3:21Kanten, die werden gedämpft, man fühlt sich vielleicht erst mal
- 3:24weniger überwältigt. Aber, und das ist der Kern
- 3:27seiner Lüge, These, wie er es nennt, diese Dämpfung ist eben
- 3:30keine Heilung, also nicht an der Ursache, sondern primäre
- 3:34Betäubung vom Symptom. Genau, der Schmerz, der
- 3:37vielleicht n wichtiges Signal ist.
- 3:39Hey, hier stimmt was tiefer liegend nicht, der wird einfach
- 3:42leiser gedreht. Und was passiert dann oft, wenn
- 3:45die Wirkung nachlässt oder die Probleme halt komplexer sind?
- 3:48Na ja, dann beschreibt Gabriel so einen typischen Verlauf.
- 3:50Oft wird erst mal die Dosis erhöht, wenn das auch nichts
- 3:53bringt, wird vielleicht auf ein anderes Mittel gewechselt, Mhm,
- 3:56und wenn dann Nebenwirkungen dazu kommen, die gibt es ja bei
- 3:59SSA Eis durchaus so quälende innere Unruhe oder
- 4:03Schlafstörungen zum Beispiel, ja.
- 4:06Ja, dann kommt laut Gabriel manchmal noch eine zweite Art
- 4:08von Medikament dazu, so ein sogenannter Dauner.
- 4:12Oft niedrig dosierte Neuroleptika wie Quetiapin.
- 4:16Die kommen eigentlich aus einer ganz anderen Ecke, werden aber
- 4:18eingesetzt, um diese Unruhe oder Schlaflosigkeit, die das SSRI
- 4:22vielleicht mitverursacht, wieder runterzufahren, also chemisch
- 4:26gegensteuern quasi. Und das führt ihn zu einem
- 4:29Vergleich, der schon ja aufhorchen lässt.
- 4:32Er sagt, man tauscht im Grunde den Dealer auf der Straße gegen
- 4:34den Arzt im Kittel. Harte Worte.
- 4:37Ja, schon krass, aber er meint damit wohl dieses Prinzip.
- 4:41Unangenehme Zustände oder Gefühle werden primär chemisch
- 4:44reguliert, anstatt dass man lernt, damit umzugehen oder die
- 4:47Ursachen sucht. Und so wird man in seiner
- 4:49Formulierung vom vielleicht ehemalig Süchtigen zum ewigen
- 4:53Patienten. Wobei man fairerweise sagen
- 4:55muss, er differenziert das schon.
- 4:57Das sagtest du ja auch, er verteufelt diese Medikamente
- 4:59nicht pauschal, er sagt nur richtig, er sagt ja selbst in
- 5:04akuten Krisen, bei wirklich schweren Depressionen, da können
- 5:07die absolut notwendig sein, lebensrettend sogar.
- 5:11Eine wichtige Krücke seine Kritik zielt eher auf die Fälle,
- 5:15wo diese Krücke dann fälschlicherweise zur
- 5:17Dauerlösung wird oder sogar als Heilung verkauft wird, wenn die
- 5:21Betäubung des Symptoms, also Schmerz, Angst verhindert, dass
- 5:25man sich dem eigentlichen Problem der Ursache widmet.
- 5:28Um das zu Untermeuern, führt er ja auch ein paar Zahlen und
- 5:31Beobachtungen an. Dinge, die seiner Meinung nach
- 5:34auf so ne problematische Entwicklung hindeuten.
- 5:37So ne Art Pille für alles Mentalität.
- 5:40Er verweist auf den kontinuierlichen Anstieg der
- 5:42Verordnungszahlen von Antidepressiva in Deutschland.
- 5:46Das ist ja erst mal nur ne Zahl, aber er interpretiert sie halt
- 5:49in diesem Kontext. Genau.
- 5:51Er sieht darin eben nicht nur ne bessere Versorgung, was ja auch
- 5:56n Faktor sein kann, sondern auch ne Tendenz zur ja vielleicht
- 6:01überverschreibung. Er spricht diesen Off Label Use
- 6:04an. Was heißt das genau?
- 6:06Dass Medikamente wie Ecitalopram, die ja eigentlich
- 6:09für klar definierte Krankheiten wie Depressionen oder
- 6:12Angststörungen zugelassen sind, im Alltag oft auch bei
- 6:16diffuseren Beschwerden gegeben werden, so allgemeine Unruhe,
- 6:20Stress, Antriebslosigkeit. Symptome, die, so argumentiert
- 6:25Gabriel, manchmal vielleicht auch Ausdruck von was ganz
- 6:28anderem sein könnten. Unentdeckte sucht, ungesunder
- 6:32Lebensstil, was auch immer. Und ein anderer Punkt, den er
- 6:34sehr stark macht, ist dieses SSRI Absetzsyndrom.
- 6:37Er nennt das ja echt drastisch die Absetzhülle.
- 6:39Mhm. Ja, und er zitiert da wohl
- 6:41Studien, die sagen, dass echt ein großer Teil der Leute in den
- 6:44Zahlen bis zu 56% beim Absetzen massive Probleme kriegen, und
- 6:48zwar längerfristig. Das können körperliche Sachen
- 6:51sein, Schwindel, übel. Krankheit, aber eben auch
- 6:55psychische wie krasse Angstzustände oder diese
- 6:58komischen Brainseps, wie er sie nennt.
- 7:01Was sind Brainseps? Das beschreiben Betroffene oft,
- 7:04wieso kurze elektrische Schläge im Kopf ziemlich unangenehm und
- 7:08irritierend, ja. OK.
- 7:10Und das Tückische daran ist, sagt Gabriel, diese
- 7:13Absetzsymptome, die fühlen sich oft an wie einen Rückfall in die
- 7:17Depression. Ah, verstehe, und dann denken
- 7:19Patient und manchmal wohl auch Arzt.
- 7:22En Mist. Es geht wieder los, schnell
- 7:24wieder die Pille nehmen und Zack sitzt man wieder drin im
- 7:27Kreislauf. Das ist genau das, was er mit
- 7:30ewiger Patient meint, der Ausstieg wird super schwer
- 7:33gemacht. Und dann kommt noch dazu, dass
- 7:35er auch die grundsätzliche Wirksamkeit in Frage stellt.
- 7:39Zumindest in Teilen. Er beruft sich da auf neuere
- 7:42Metaanalysen, also so große Überblicksstudien, ja, die wohl
- 7:46zeigen, dass bei leichten bis mittelschweren Depressionen der
- 7:50Unterschied zu einem Placebo oft erstaunlich gering ist.
- 7:54Die eigentliche Überlegenheit der Medikamente zeige sich vor
- 7:57allem bei den schweren Fällen. Was natürlich die Frage
- 8:00aufwirft, ob bei leichteren Formen nicht andere Dinge viel
- 8:03wichtiger wären. Therapie, lebensstiländerung und
- 8:06so weiter. Genau.
- 8:08Zusammengenommen zeichnen diese Punkte für Gabriele eben das
- 8:11Bild eines Systems, das vielleicht zu schnell zur Pille
- 8:13greift. Die Kehrseiten wie
- 8:15Nebenwirkungen und Absetzprobleme unterschätzt und
- 8:18damit Leute in eine Langzeitabhängigkeit führen
- 8:20kann, ohne die eigentlichen Probleme zu lösen.
- 8:23Das ist schon ne ziemliche Systemkritik, die er da äußert.
- 8:27Er verdichtet das hier auch in diesem Modell, das er nennt dein
- 8:30Gehirn auf legalen Drogen. Klingt auch wieder provokant.
- 8:34Ja, er beschreibt das als so einen 2 Phasen Prozess, der
- 8:38seiner Meinung nach unbewusst so ne Suchtlogik widerspiegelt.
- 8:43Zustände chemisch herbeiführen statt Gefühle auszuhalten und zu
- 8:47verarbeiten. Phase 1 ist der legale Upper,
- 8:50wie er es. Nennt genau Problem,
- 8:52Antriebslosigkeit, Depression, die Lösung vom System, oft SSRI,
- 8:57Eskitalopram. Soll dich künstlich hochfahren,
- 9:01damit du wieder funktionierst. Okay, aber das kann eben diese
- 9:03Nebenwirkungen haben, von denen wir sprachen.
- 9:05Innere Unruhe, Schlafprobleme, vielleicht auch sexuelle
- 9:08Störungen. Man ist irgendwie hibbelig, aber
- 9:11nicht wirklich gut drauf, das ist dann das neue Problem.
- 9:14Und da kommt dann Phase 2 ins Spiel, der legale Dauner aha.
- 9:18Statt jetzt vielleicht das SSRI runterzufahren oder Alternativen
- 9:22zu suchen, kommt laut Gabriel oft noch ein Medikament dazu.
- 9:27Um genau diese Nebenwirkungen zu managen, oft eben niedrig
- 9:30dosiertes Quetiapin. Das Sedierend wirkt, also müde
- 9:34macht, die Unruhe dämpfen soll. Und da spitzt er es dann zu.
- 9:38Er sagt, erst ein Upper gegen die Depression, dann ein Dauner
- 9:43gegen die Unruhe, das ist nicht Heilung, das ist legaler
- 9:47Drogenkonsum auf Rezept, er sieht das also einen ärztlich
- 9:51verwalteten Cocktail, der Symptome nur verschiebt, aber
- 9:55nicht an die Wurzel geht. Das ist schon ne starke These.
- 9:58Absolut. Und die führt direkt zu seiner
- 10:00Warnung vor dieser ewiger Patientenfalle er hat da ja auch
- 10:04so ne Art Checkliste gemacht, woran man das vielleicht bei
- 10:08sich erkennen könnte. Ja, lass uns die mal durchgehen.
- 10:11Ein Punkt ist dieses Symptomhopping, also Pille a.
- 10:14Gegen das Hauptproblem löst Nebenwirkung X aus, dann kriegst
- 10:19du Pille B gegen X. Okay.
- 10:21Pille B macht aber Nebenwirkung Y.
- 10:25Also brauchst du Pille C. Man rennt quasi den Symptomen
- 10:29hinterher und behandelt am Ende hauptsächlich die Nebenwirkungen
- 10:33der Pillen. Verstehe klingt anstrengend.
- 10:39Ein anderer Punkt ist die emotionale Abstumpfung.
- 10:43Anhedonie nennt man das wohl auch.
- 10:45Genau das beschreiben ja viele. Man ist nicht mehr so tief
- 10:49unten, klar. Aber eben auch nicht mehr
- 10:52richtig oben. Freude, Begeisterung, liebe,
- 10:55Kreativität, alles wird irgendwie flach, man
- 10:57funktioniert, aber lebt in so einem grauen Nebel, wie Gabriel
- 11:01das nennt, das Leben hat keine Farbe mehr.
- 11:04Das ist krass. Dann die Dosiserhöhung die
- 11:08Wirkung lässt nach, vielleicht gewöhnt sich der Körper dran,
- 11:11statt die Strategie zu ändern, wird oft erst mal die Dosis
- 11:14erhöht, wieder ein Schritt tiefer rein, argumentiert
- 11:17Gabriel. Ja.
- 11:19Und zum Schluss dieser Absetzhorror der Wunsch ist da,
- 11:22das Zeug loszuwerden, aber es scheitert an diesen massiven
- 11:26Entzugserscheinungen, man fühlt sich gefangen, abhängig von was,
- 11:30dass man nicht mehr will, aber ohne geht es scheinbar auch
- 11:33nicht. Hui.
- 11:34Gabriel fasst das ja in diesem Bild zusammen.
- 11:36Eskitalopram gießt die Blätter, während die Wurzeln verfaulen,
- 11:40die Oberfläche wird irgendwie gepflegt, aber unten drunter
- 11:43geht es kaputt. Die Konsequenz ist dann aus
- 11:45seiner Sicht klar. Man bleibt im System abhängig
- 11:48von Medikamenten, die bringen vielleicht kurzfristig
- 11:51Linderung, ja, aber die eigentliche Heilungsarbeit, die
- 11:56Auseinandersetzung mit den Ursachen, egal ob das jetzt
- 11:59Traumata sind, Lebensstil, sinnfragen, die wird eher
- 12:03blockiert als gefördert, das ist natürlich schon eine
- 12:06beunruhigende Vorstellung, wenn man sich da wiedererkennt.
- 12:10Soll aber ja kein Urteil sein, ne eher so ein Anstoß.
- 12:13Genau und wichtig ist, Gabriel kritisiert nicht nur, er macht
- 12:17ja auch einen Vorschlag, wie man da anders rangehen könnte, nennt
- 12:21das Safer Use Ansatz, also wie man bewusster damit umgeht oder
- 12:24vielleicht auch rauskommt. Sein erster Punkt klingt erst
- 12:27mal simpel, ist aber wohl zentral.
- 12:29Die Pille als das sehen, was sie sein kann.
- 12:32Eine temporäre Krücke. Nicht mehr, nicht weniger.
- 12:35Genau. In einer akuten Krise, wenn gar
- 12:37nichts mehr geht, kann sie total wichtig sein, um überhaupt
- 12:40wieder handlungsfähig zu werden. Aber sie ist halt ne Krücke,
- 12:43kein neues Bein, sie soll Stabilität geben, damit die
- 12:47eigentliche Arbeit losgehen kann, die Physiotherapie für die
- 12:50Seele, so nennt er das, Glaube ich.
- 12:52Das führt direkt zum zweiten Punkt.
- 12:54Werde selbst zum Ursachenforscher, nutze die
- 12:57Stabilität, die du vielleicht durch die Medis gewinnst, um zu
- 13:00gucken, was steckt denn dahinter, ist es n Trauma,
- 13:04vielleicht ne komplexe PTBS? Dann brauchst du spezielle
- 13:07Therapie. Ist es der Lebensstil,
- 13:10Ernährung, Bewegung, Schlaf, ist es das Mindset, Denkmuster,
- 13:15Glaubenssätze, Dankbarkeit vielleicht oder ist es ne
- 13:19Sinnkrise, dann helfen vielleicht andere Ansätze,
- 13:22logotherapie nennt er, es geht um Eigenverantwortung.
- 13:26Drittens, und das kann man echt nicht oft genug sagen.
- 13:30Plane den Ausstieg immer zusammen mit dem Arzt, niemals
- 13:34allein. Ja, das betont er extrem.
- 13:36Er warnt da eindringlich vor Abruptem absetzen.
- 13:39Das Stichwort ist Tapering, also das Medikament extrem langsam
- 13:44ausschleichen, über Wochen, oft Monate, in winzigen Schritten.
- 13:49Nur so kann sich das Gehirn anpassen und die Absetzsymptome
- 13:52bleiben im Rahmen. Und viertens schlägt er vor,
- 13:55sucht die echte Upper. Also lernen, deine Stimmung auf
- 13:59natürliche Weise zu beeinflussen.
- 14:01Er nennt da Beispiele wie Sport, Kälteexposition nach Wimhoff
- 14:05oder Flohzustände suchen, also Dinge, bei denen der Körper
- 14:09selbst die guten Botenstoffe ausschüttet.
- 14:11Das ist im Grunde ein Plädoyer für Selbstermächtigung, oder?
- 14:16Medikamente nicht verteufeln, aber sie als Werkzeug sehen ein
- 14:20Werkzeug, dessen Einsatz gut überlegt sein will, aber die
- 14:24Verantwortung für die Heilung, für die Ursachenforschung, die
- 14:28sieht er letztlich bei jedem selbst.
- 14:30Gabriel geht ja in seinem Artikel auch auf häufig
- 14:32gestellte Fragen ein. FA.
- 14:34Qs, lass uns da mal ein paar Rausgreifen, die vielleicht auch
- 14:37dich interessieren. Eine ganz zentrale Frage ist ja
- 14:40oft, sind diese SSR is wie S cita Lobram denn jetzt
- 14:44eigentlich Drogen? Seine Antwort darauf ist
- 14:47ziemlich differenziert. Er sagt, Na ja, im klassischen
- 14:50Sinn wie Heroin oder Alkohol eher nicht.
- 14:53Man kriegt normalerweise kein Rausch und diese typische
- 14:56Toleranzentwicklung immer mehr brauchen für den gleichen Effekt
- 15:00ist nicht so stark ausgeprägt, aber aber, und das ist sein
- 15:04Punkt. Sie können eine sehr starke
- 15:07körperliche Abhängigkeit machen. Das sieht man ja am
- 15:10Absetzsyndrom und er argumentiert weiter, wenn
- 15:14irgendeine Substanz, egal ob legal oder illegal,
- 15:17hauptsächlich dazu dient, unangenehme Gefühle wegzudrücken
- 15:21oder zu betäuben, dann ist die Funktion doch sehr ähnlich wie
- 15:25bei einer Droge. Die Grenze ist also fließend,
- 15:27meint er. Bestehe.
- 15:29Dann die nächste heikle Frage. Mein Arzt sagt, ich muss die
- 15:33Tabletten mein Leben lang nehmen, das hört man ja wirklich
- 15:36manchmal. Was sagt Gabriel dazu?
- 15:38Erkennt die Aussage. Er meint Okay in Fällen von sehr
- 15:41schweren chronischen Depressionen, die immer wieder
- 15:44kommen, mag das vielleicht sogar stimmen, aber er hat den
- 15:48Verdacht, dass das oft auch aus ner gewissen Hilflosigkeit
- 15:50herausgesagt wird. Oder weil die eigentliche
- 15:53Ursache vielleicht ein Trauma, nie richtig angeschaut und
- 15:56behandelt wurde. Also was rät er?
- 15:58Ganz klar Zweitmeinung. Meinungen unbedingt am besten
- 16:01von jemandem, der auch Ahnung von Traumafolgestörungen hat.
- 16:04OK, dann diese emotionale Abstumpfung, das Zombiegefühl
- 16:09ich nehme äskita lopram und fühle mich wie betäubt.
- 16:12Ist das normal? Da sagt Gabriel ja, leider ist
- 16:16das eine sehr häufige Nebenwirkung.
- 16:19Das Problem ist, teilt die Pillen kappen oft nicht nur die
- 16:22Tiefs, sondern eben auch die Hochs Freude, liebe,
- 16:26Leidenschaft, Kreativität, alles wird flacher, man funktioniert,
- 16:30aber dieses Gefühl, wirklich lebendig zu sein, das geht
- 16:33verloren. Er sieht darin ja sogar ne
- 16:34Gefahr für Rückfälle in alte Süchte, oder?
- 16:37Genau, weil er sagt, manche würden dann lieber den Schmerz
- 16:40der Sucht wieder spüren als diese lähmende Lehre
- 16:43auszuhalten. Krass.
- 16:44Noch ne kurze Klärung. Was ist dieses Quetiapin, das er
- 16:48als Dauner bezeichnet? Bezeichnet Seruquil heißt das ja
- 16:51auch oft. Gabriel erklärt das so.
- 16:53Quetiapin ist eigentlich ein Neuroleptikum, also ein Mittel
- 16:57gegen Psychosen in ganz niedriger Dosis wird es aber
- 17:01super oft off Label benutzt, also außerhalb der eigentlichen
- 17:05Zulassung, und zwar als Beruhigungs und Schlafmittel,
- 17:09oft eben um die Unruhe oder Schlafstörungen zu bekämpfen,
- 17:12die durch SSRS oder auch durch den Entzug davon ausgelöst
- 17:16werden. Es macht halt müde, löst aber
- 17:18nicht das Grundproblem, warum man unruhig ist.
- 17:21Verstehe und die vielleicht wichtigste Frage für viele am
- 17:24Ende, wie werde ich die Dinger wieder los?
- 17:27Hier ist Gabriels Botschaft wirklich unmissverständlich und
- 17:31Fett gedruckt, sozusagen niemals auf eigene Faust.
- 17:35OK, das SSRI Absetzsyndrom ist real.
- 17:38Das ist keine Einbildung und das kann brutal sein.
- 17:41Sprich mit deinem Arzt, deiner Ärztin bestehe auf einem
- 17:45individuellen, ganz langsamen Ausschleichplan dieses Tapering.
- 17:50Die Dosis muss über Wochen, manchmal Monate in winzigen
- 17:54Schritten runtergefahren werden, das braucht Geduld, aber es ist
- 17:57der einzige Weg, um die Entzugssymptome einigermaßen im
- 18:01Griff zu behalten. Gut fassen wir Gabriels Position
- 18:04vielleicht noch mal zusammen. Er ist nicht grundsätzlich gegen
- 18:07Antidepressiva, das ist wichtig, nein, sie können in bestimmten
- 18:10Situationen ne wichtige, vielleicht sogar lebensrettende
- 18:12Krücke sein, sie können die Luft verschaffen, die man braucht, um
- 18:15wieder auf die Beine zu kommen. Seine Kernkritik ist aber, dass
- 18:18diese Krücke zu oft als Dauerlösung missverstanden oder
- 18:22sogar verkauft wird. Als das neue gesunde Bein
- 18:26sozusagen. Und er äußert eben den Verdacht,
- 18:28dass das System vielleicht auch unbewusst davon profitiert.
- 18:31Der ewige Patient ist halt auch ein dauerhafter Kunde.
- 18:34Das ist seine zugespitzte, systemkritische Sicht.
- 18:37Die echte Heilung, da ist er überzeugt, liegt eben nicht in
- 18:40der Pille allein, nicht in der reinen Symptombekämpfung.
- 18:43Sondern. Sondern in der
- 18:45Auseinandersetzung mit den Ursachen, im Lernen, wie man mit
- 18:48Gefühlen umgeht in einem gesunden Lebensstil und oft auch
- 18:53in der Frage nach dem Sinn im Leben.
- 18:55Er verweist da ja auch auf sein ebook, dieses Craft Mindset
- 18:58Manifest, wo er das vertieft, das ist für ihn der Weg raus aus
- 19:01dieser Falle. Es ist letztlich ein Appell, die
- 19:04Verantwortung für den eigenen Weg wieder mehr zu übernehmen,
- 19:07nicht nur Symptome zu managen, sondern Ursachen anzugehen.
- 19:10Gabriel erwähnt auf seiner Seite nielix Berlin auch und das finde
- 19:14ich, gehört zur Transparenz dazu, dass er das Projekt
- 19:17komplett allein macht, finanziell und inhaltlich.
- 19:21Und wenn du jetzt sagst, diese kritische, aber ja auch
- 19:24lösungsorientierte Perspektive, die wir versucht haben
- 19:26darzustellen, wenn du das wertvoll findest und seine
- 19:29Arbeit unterstützen möchtest, dann freut er sich darüber.
- 19:32Er schreibt, man kann ihm helfen, indem man seine Beiträge
- 19:34auf Social Media teilt oder seinen Podcast, also sein
- 19:38eigenes Projekt Nilex Berlin auf Spotify oder Apple Podcasts
- 19:42bewertet und Like. Jede Unterstützung hilft ihm
- 19:44wohl, das Projekt weiterzumachen.
- 19:46Das ja für ihn selbst auch Teil seines Weges ist und
- 19:49gleichzeitig anderen eine Stimme geben soll.
- 19:52Er teilt auch sein persönliches Motto, was ihn antreibt, aus all
- 19:55dem schlechten, dass ihm passiert ist, etwas Gutes zu
- 19:57machen. Das erklärt vielleicht auch
- 19:59einiges von der Energie dahinter.
- 20:00Ja, OK, das war wirklich ein intensiver Einblick in Gabriels
- 20:05kritische Sicht auf Antidepressiva wie Escitalopram
- 20:09und seine Warnung vor der ewiger Patientenfalle.
- 20:13Eine Perspektive, die sicher aneckt, die zur Diskussion
- 20:16anregt. Auf jeden Fall.
- 20:18Und vielleicht noch ein Gedanke zum Mitnehmen für dich, der sich
- 20:21daraus ergibt. Gabriel unterscheidet ja sehr
- 20:23stark zwischen diesem Reinen funktionieren, das Medikamente
- 20:27vielleicht ermöglichen und dem wirklichen Leben mit allen Höhen
- 20:31und Tiefen, das durch diese emotionale Abstumpfung verloren
- 20:34gehen kann, das wirft ja eine ganz grundsätzliche Frage auf,
- 20:38die über Medikamente hinausgeht. Wo auf diesem Spektrum zwischen
- 20:42Funktionieren und lebendig sein, siehst du dich denn gerade?
- 20:46Und was bedeutet lebendig sein für dich ganz persönlich,
- 20:50jenseits davon, einfach nur keine Schmerzen oder Symptome zu
- 20:54haben. Ein guter Gedanke zum Schluss.
- 20:56Ja, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für diese
- 20:59doch recht dichte Auseinandersetzung.
- 21:02Wir hoffen es waren ein paar hilfreiche Impulse für dich
- 21:05dabei. Pass gut auf dich auf und bis
- 21:07zum nächsten Mal hier bei the Deep Dive.
- 21:08Mach es gut.