Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Wie hältst du’s mit dem Globalen Süden, lieber Westen? (mit Magdalena Kirchner)
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- 0:00Wir müssen natürlich bei dieser Diskussion Globaler Süden, Globaler Norden oder auch
- 0:04BRICS und der Rest uns dahingehend einmal ehrlich machen, dass wir soweit voneinander nicht
- 0:09sind.
- 0:10Also die meisten BRICS-Staaten sind Mitglieder der G20.
- 0:12Die wirtschaftliche Integration gerade zwischen Europa und den BRICS-Staaten ist extrem
- 0:17hoch.
- 0:18Eine neue Folge von Pod und die Welt mit mir, Martin Bialecki, Chefredakteur der Zeitschrift
- 0:24"Internationale Politik" und mir Katharina Peetz, freie Journalistin.
- 0:27Wir sprechen wieder über Außenpolitik und wir versuchen gemeinsam mit unserem Gast die
- 0:31Frage zu beantworten: Was hat die eigentlich mit unser aller Leben zu tun?
- 0:35Genau, und heute soll es um das Verhältnis des Westens zum sogenannten Globalen Süden
- 0:40gehen.
- 0:41Anlass dafür ist der nahende Gipfel der BRICS-Staaten.
- 0:43Diese BRICS-Gruppe bestand ursprünglich aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika,
- 0:48daher der Name.
- 0:49Und seit Januar 2024, da hat sie vier neue Mitglieder.
- 0:52Das sind Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate.
- 0:57Jetzt gibt es verschiedene Ansichten darüber:
- 0:59Was sind die BRICS eigentlich?
- 1:01Was wollen sie sein?
- 1:02Manche sagen, es ist einfach nur einloser Zusammenschluss einer Staatengruppe.
- 1:05Andere sagen, es sei ein gezielt anti-westliches Bündnis.
- 1:08Einige BRICS-Staaten sind Demokratien, andere werden autoritär regiert.
- 1:12Einige sind in der Tat anti-westlich eingestellt.
- 1:15Andere arbeiten lange und gut schon mit westlichen Staaten zusammen.
- 1:18Wenn das Ziel der BRICS also ist, dem Westen seine Vormachtstellung streitig zu machen, dann
- 1:22agieren die BRICS-Staaten zumindest ziemlich ambivalent.
- 1:25Der Gipfel dieser BRICS-Staaten findet vom 22. bis 24. Oktober im russischen Kazan statt.
- 1:31Und wir wollen heute darüber sprechen, warum dieses Treffen bedeutend ist für die Welt
- 1:34der Außenpolitik und für uns alle.
- 1:37Dahinter steht eine der großen Gretchenfragen dieser Zeit.
- 1:40Wie, lieber Westen, hältst du es mit dem Globalen Süden?
- 1:43Auf einer abstrakten Ebene geht es dabei also um Fragen der Weltordnung beim Thema BRICS.
- 1:48Wir finden es wichtig, darüber zu sprechen, weil in der Welt im Wandel Deutschland neue
- 1:51Partner braucht.
- 1:52Denn mit den USA, mit Frankreich oder auch im Verhältnis zu Russland natürlich, da hat
- 1:56sich sehr, sehr vieles verändert.
- 1:58Und das hat Folgen für unser Leben, nicht nur für die Außenpolitik allgemein, sondern
- 2:02auch ganz konkret für Energiekosten, Arbeitsplätze, Fragen des Fortschritts, der Gerechtigkeit
- 2:06und vieles mehr.
- 2:07Und wir freuen uns sehr, dass wir über all diese Themen heute mit Magdalena Kirchner
- 2:10sprechen können.
- 2:11Sie leitet den Europapereich bei der Stiftung Mercator.
- 2:14Hallo Frau Kirchner.
- 2:15Hallo Frau Peetz.
- 2:17Vielleicht gehen wir zu Beginn nochmal ganz kurz einen Schritt zurück und fangen mit
- 2:23dem Globalen Süden insgesamt an.
- 2:25Dieser Begriff, damit sind viele schon unglücklich.
- 2:28Wie stehen Sie dazu, was soll er beschreiben?
- 2:30Also der Begriff ist in der Tat unglücklich, weil er aus allen Seiten kritisiert werden
- 2:37kann.
- 2:38Aber trotzdem benutzt wird, weil es bisher noch keine wirklich gute Alternative gibt.
- 2:43Für mich persönlich beschreibt er eigentlich zwei Dynamiken.
- 2:47Eine wirtschaftliche, die eigentlich zeigen soll eben historisch, auch vor dem Erbe der
- 2:52Kolonialisierung, dass es immer noch einen Nachteil gibt für Staaten, die eben außerhalb
- 2:58der Welt der Industriestaaten ihren Weg in die wirtschaftliche Entwicklung finden müssen,
- 3:03die weiterhin strukturell benachteiligt werden.
- 3:06Und das andere ist aber natürlich unsere aktuelle Diskussion, wo wir auch uns vielleicht
- 3:11geopolitisch in unterschiedlichen Lagern finden und politische Gegensätze haben.
- 3:16Und diese beiden Konzepte gehen miteinander durcheinander sehr oft.
- 3:20Sie werden auch von den jeweiligen Akteuren unterschiedlich und gezielt und auch politisch
- 3:25benutzt.
- 3:26Aber sie zeigen eben eine Herausforderung, die wir haben, unsere Beziehungen heutzutage
- 3:30weltweit zu definieren.
- 3:32Ist das denn, Frau Kirchner, ein einloser Club, diese BRICS-Staaten?
- 3:36Wie müssen wir das einsortieren?
- 3:37Vielleicht können Sie uns dabei ein bisschen helfen.
- 3:39Ist das ein loser Club?
- 3:40Ist das eine feste Vereinbarung?
- 3:42Ist das ein richtig anti-westliches Bündnis oder wie müssen wir uns das vorstellen?
- 3:46Ein loser Club ist es, weil es hat keinen Generalsekretariat, es hat keine Grundakte,
- 3:52es gibt keine Institutionalisierung.
- 3:54Man kann das, glaube ich, ganz gut mit den G20 vergleichend, da rotiert die Präsidentschaft.
- 3:59Es gibt also sozusagen noch keine wirklich feste Adresse und keine klaren Regeln.
- 4:04Aber es ist kein loser Club, denn die Eintritts- und die Zugangswege, die sind schon ziemlich
- 4:10deutlich.
- 4:11Es ist ein Club, der von innen nach außen gesteuert wird, gerade jetzt eben in der Diskussion
- 4:15auch der Erweiterung.
- 4:16Und es gibt eben ein starkes Interesse auch von denen, die dazu gehören, auch zu kommunizieren,
- 4:21dass sie teils dessen und sich eben als Teil einer gemeinsamen Gruppe verstehen.
- 4:26Von daher ist das, glaube ich, am besten mit den G20 zu vergleichen.
- 4:29Man hat die Idee einer gemeinsamen Vision, einer gemeinsamen Vorgehensweise, aber es ist
- 4:34keineswegs eine fest institutionalisierte Organisation.
- 4:38Wenn wir mal darauf schauen, wie die BRICS sich entwickelt haben.
- 4:46Man hatte so 2022, 2023 so das Gefühl, da ist wirklich was im Aufwind, da kann wirklich
- 4:51was passieren.
- 4:52Die starten richtig durch, auch jetzt nach dieser Beschluss der Erweiterung.
- 4:55Wie schätzen Sie, dass aktuell ein ist, davon nicht mehr viel geblieben?
- 4:58Ich denke, das werden wir eben jetzt sehen.
- 5:01Wir haben sehr viel Musik in den BRICS.
- 5:03Ich glaube, das ist schon mal sehr deutlich.
- 5:05Es gibt sehr viel Aufmerksamkeit und es gibt zwei Strömungen, die aber dem Instrument
- 5:09der Aufmerksamkeitserregung eigentlich dienen.
- 5:12Wir haben die einen, allen voran natürlich China, aber auch Russland und jetzt natürlich
- 5:16auch Iran.
- 5:17Staaten, die vielleicht eher isoliert sind oder sich vielleicht dem Vorwurf aussetzen
- 5:22müssen, dass sie isoliert sind, die dadurch zeigen und demonstrieren können: Hey, wir
- 5:26haben viele Freunde, die sind auch mächtig und wir sind hier Teil einer starken Bewegung.
- 5:30Und dann gibt es da eine andere Gruppe, beispielsweise Indien, Brasilien, Südafrika und vielleicht
- 5:35auch die Türkei, wenn sie es schafft sozusagen, diesem Club beizutreten, die dadurch eigentlich
- 5:39auch an ihre bisherigen Partner signalisieren: Hey, wir haben Alternativen, wir haben auch
- 5:44andere Optionen, wir sind sozusagen vorbereitet, vielleicht auch auch eine Verschärfung der
- 5:48geopolitischen Lage.
- 5:50Beides führt dazu, dass sehr viel über BRICS gesprochen wird.
- 5:53Beides führt aber auch dazu, dass institutionell nicht so viel passiert, weil die schwierigen
- 5:58Aushandlungsprozesse so eben auch vermieden werden können.
- 6:01Stichwort Aushandlungsprozesse: Nun waren Sie kürzlich in China, sind gerade zurückgekehrt.
- 6:05Wie groß ist denn die Dominanz von China innerhalb dieser BRICS-Gruppe und im Globalen Süden
- 6:11generell?
- 6:12Also das ist natürlich ein Vorwurf, den man China machen kann, dass sie zwar BRICS
- 6:17vorantreiben und sagen, das ist eine völlig neue Organisation, aber wenn man das mit USA
- 6:22geführten Bündnissen vergleicht, wie beispielsweise der NATO, ist der chinesische Fußabdruck in
- 6:27den BRICS schon sehr, sehr stark und auch gewollt.
- 6:30China ist der größte Player in den BRICS, 70 Prozent der Wirtschaftsleistung des Verbundes
- 6:35kommt allein aus China.
- 6:36China ist für alle Beteiligten der wichtigste Handelspartner und ist auch dominant in den
- 6:41internen Verhandlungen.
- 6:43Allein auch in dieser Frage, eben die Erweiterung, zeigt sich eben auch, dass ähnlich wie beispielsweise
- 6:48die USA das früher auch gemacht haben, gezielt China versucht eben möglichst starten mit
- 6:55in den Club zu holen, die die Verhandlungsmasse von China weltweit stärken.
- 6:59Also die Dominanz von China ist einerseits ein wichtiger Anziehungspunkt für BRICS,
- 7:04aber eben auch eine schwere Last für die Organisation, weil die versprochene Gleichwertigkeit
- 7:09eben auch nicht eingehalten werden kann.
- 7:12Und China ist ja auch einer der größten Kreditgeber.
- 7:15Welche Rolle spielt die Schuldenkrise?
- 7:17Viele Staaten des Globalen Südens sind massiv überschuldet.
- 7:20Welche Perspektiven sehen Sie da?
- 7:22Also auch das ist natürlich um zurückzukommen auf diese große Grundfrage Globaler Süden,
- 7:26Globaler Norden.
- 7:27Das ist eigentlich ein Problem zwischen dem Norden und dem Süden, die Verschuldung,
- 7:32vor allem eben durch Kreditegeber aus dem Norden und die Schuldenlast im Süden, aber
- 7:37auch hier hat sich eben das Spiel auch ein bisschen gewandelt.
- 7:40Gerade in Afrika, ächzen Staaten wie beispielsweise Kenia unter einer chinesischen Schuldenlast
- 7:46und die Konditionen sind keineswegs freundlicher als sie von westlichen Gebern zu erwarten werden.
- 7:51Auch hier ist eine große Erwartung, glaube ich, an die BRICS, dass sie dieses Thema
- 7:55Schulden angehen.
- 7:57Aber die muss man natürlich dahingehend managen, dass China sich sehr oft in diesen Diskussionen
- 8:01auch auf der anderen, einer G7-Rolle vergleichbaren Position wiederfindet.
- 8:06Wenn wir, Frau Kirchner, ein bisschen schauen auf den Globalen Süden als ein Player in der
- 8:15Weltordnung, da muss man natürlich auch auf den Nahostkonflikt gucken.
- 8:18Es ist ja überhaupt noch nicht absehbar, was für Auswirkungen dieser Konflikt haben wird. Dass er massive gravierende Auswirkungen jetzt schon hat, ist klar. Aber wie das alles weitergehen wird,
- 8:22weiß man noch gar nicht. Sind die BRICS als selber, als ein neuer Player in einer Weltordnung denkbar,
- 8:28die ja von vielen als multipolar bezeichnet wird?
- 8:32Vor allem auch durch die Erweiterung sind die Positionen innerhalb der BRICS Plus ja natürlich noch diverser geworden.
- 8:38Wir haben, wenn man jetzt allein auf den Gaza-Konflikt schaut, Staaten mit sehr stabilen Beziehungen zu Israel,
- 8:44die Vereinigten Arabischen Emirate, aber natürlich auch Indien. Und wir haben mit dem Iran natürlich genau das Gegenteil auch noch in der Gruppe.
- 8:52Gleichzeitig ist mein Eindruck, dass es noch nicht den Wunsch gibt, sich überhaupt in diese Pest- und Cholera-Situation hineinzubegeben,
- 9:02wenn man es nicht muss. China ist ein sehr gutes Beispiel, Russland natürlich auch.
- 9:06Man begibt sich eher in eine Rolle des Free-Riders, also kommentiert natürlich den Konflikt
- 9:12entsprechend, ist aber nicht willig jetzt wirklich eine Initiative zu starten, wenn wir beispielsweise an die Vermittlung zwischen Saudi-Arabien und Iran denken,
- 9:22da war das chinesische Engagement eher eine Fotooperation, also wirklich politisches Gewicht und Kapital zu investieren.
- 9:30Diese Bereitschaft gibt es noch nicht, das überlässt man aktuell vor allem lieber den Staaten des Westens oder der westlichen Bündnisse,
- 9:38weil es eben nichts zu gewinnen gibt in der aktuellen Situation, es ist aber eben die Frage China, Russland sind Mitglieder Sicherheitsrates,
- 9:46ob es dann auch mehr Druck vom Westen nicht geben sollte, eben diese Staaten auch an ihre Verantwortung hier auch wirklich zu erinnern.
- 9:52Würden Sie denn grundsätzlich sagen, dass sich ein Bewusstsein gewandelt hat, dass man diesen Staaten mit mehr Augenhöhe begegnet,
- 9:59oder ist das jetzt dann, wenn Sie sagen, man hört sich zum Beispiel beim Thema Nord-Ost auch eher noch zurück, nicht gegeben?
- 10:04Ich glaube, wir müssen natürlich bei dieser Diskussion Globaler Süden, Globaler Norden oder auch BRICS und der Rest uns dahingehend einmal ehrlich machen,
- 10:12dass wir soweit voneinander nicht sind. Also die meisten BRICS-Staaten sind Mitglieder der G20.
- 10:17Die wirtschaftliche Integration gerade zwischen Europa und den BRICS-Staaten ist extrem hoch.
- 10:22Das sind mit einigen Ausnahmen wirklich wichtige Partner oder gerade erst verlorene wichtige Partner.
- 10:29Also hier ist man sich schon sehr bekannt und arbeitet auch zu vielen Fragen.
- 10:33Stichwort Klimawandel auch schon sehr vertraut miteinander.
- 10:36Also diese entteilenkünstliche neue Trennung ist etwas, was gerade wirtschaftlich die Realität gar nicht so widerspiegelt.
- 10:43Wenn man die Forderungen nach mehr Mitsprache und mehr Teilhabe,
- 10:47noch eine Demokratisierung der internationalen Wirtschaftsordnung konsequent zu Ende denkt,
- 10:51Stichwort Solidarität, die wirklich über warme Worte hinausgeht, was würde denn die Erfüllung eben dieser Forderungen ganz konkret bedeuten?
- 10:58Also ich denke in dieser Frage der globalen Solidarität müsste man sich wahrscheinlich auch von der Fokussierung auf BRICS eben ein bisschen lösen.
- 11:05Denn der Grund, warum Staaten in BRICS Mitglied sind, ist eben ihre wirtschaftliche Stärke.
- 11:10Sie haben sozusagen innerhalb des Globalen Südens eine Machtposition, die sie auch ausspielen in Konflikten oder Auseinandersetzungen mit Staaten,
- 11:18die beispielsweise nicht in diesen Club aufgenommen werden können.
- 11:21Auch alle BRICS Staaten sind nicht unbestritten in ihrem Führungsanspruch in ihren eigenen Regionen, in ihrer eigenen Nachbarschaft.
- 11:29Das heißt, mein Ratschlag wäre natürlich sich auf die strukturellen Fragen erstmal zu fokussieren,
- 11:34denn dann eben auch Staaten, die vielleicht noch nicht so bedeutend sind für unsere wirtschaftlichen Interessen,
- 11:40die aber natürlich von den Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung, von die Risking, aber auch von unserem Nichthandeln gegen den Klimawandel,
- 11:48betroffen sind, ich denke, das wäre gerade für ein deutsches Bekenntnis von Multilateralismus wichtig, sich darauf zu fokussieren
- 11:54und nicht sozusagen auf die Nächstmächtigen zu springen und eben versuchen, hier kurzfristige Allianzen zu schmieden.
- 12:00Jetzt ist ja in unserem Podcast der Anspruch auch darüber zu sprechen, was hat das alles mit unser aller Leben zu tun?
- 12:09Wir haben jetzt so sehr auf der Metaebene gesprochen, Allianzen knüpfen.
- 12:13Was würden Sie sagen, warum sollten sich in Anführungszeichen normale Menschen mit zum Thema wie BRICS beschäftigen?
- 12:19Normale Menschen in Anführungszeichen oder Interessierte, die interessierte Öffentlichkeit,
- 12:24sollte sich mit den BRICS-Staaten, mit den Entwicklungen dort befassen aus zwei Gründen.
- 12:29Erstens, die wirtschaftliche Integration ist enorm, die Bedeutung gerade für die großen Zukunftsfragen,
- 12:34Ressourcen, Migrationen, Klima, aber auch die Fortsetzung unseres Wohlstandsmodells.
- 12:39Da sind Staaten wie Indienstaaten wie China natürlich extrem relevant
- 12:43und es ist sehr wichtig, die auch gut zu verstehen und ihre Motivation zu verstehen.
- 12:47Zweitens, gerade so etwas wie BRICS oder das Aufkommen von anti-westlicher Stimmung oder Haltung
- 12:54haben auch viel, etwas damit zu tun, wie es in diesen Ländern aussieht.
- 12:57Verschuldung, das Abnehmen von Investitionen in den öffentlichen Raum, Arbeitslosigkeit,
- 13:02das sind extrem große Zukunftsthemen, die uns in Europa ja auch nicht fremd sind
- 13:07und hier auch nicht unbedingt Bündnisse zu schaffen, aber eben auch ein Verständnis dafür zu bekommen,
- 13:12was die Folgen von Wirtschaftspolitik sind, wo wir eben systematisch zusammen angreifen können.
- 13:17Das ist glaube ich auch ganz wichtig, um zu verstehen, welche Lösungskonzepte es geben kann.
- 13:21Es wird ja derzeit sehr viel gesprochen über Themen wie Kolonialismus, kulturelle Analgnerausbeutung, etc.
- 13:27Manchmal ist es das Gefühl, dass die Diskussion erst so richtig losgeht, was ja gut wäre,
- 13:31dass sie richtig aufbricht, dass aber andererseits viele Menschen davon schon wieder total genervt sind.
- 13:36Wir wollen, dass diese Debatte am besten überhaupt nicht weitergeht,
- 13:39die gehe schon zu lang und führe irgendwie nicht weiter, etc.
- 13:42Wie nehmen Sie das wahr, diese Debatte?
- 13:44Also ich nehme in der Tat eine Ungeduld wahr und vor allem auch in den letzten Monaten
- 13:51ja eben auch weniger Motivation, sich auch mit der Situation außerhalb Deutschlands, außerhalb Europas zu befassen.
- 13:58Wir sehen das natürlich in der Diskussion um die Ukraine-Unterstützung, die Radwege in Peru.
- 14:02Dass es sozusagen ein Gefühl gibt, man ist sich selbst der nächste, man muss jetzt erstmal gucken.
- 14:06Und diese Diskussion über beispielsweise globale Gerechtigkeit, das ist für bessere Tage und für bessere Zeiten.
- 14:13Ich kann das ganz persönlich beschreiben.
- 14:15Ich bin im Dezember aus Jordanien wieder nach Deutschland gezogen,
- 14:18wo eben der Krieg in Gaza die Menschen wirklich in einen kollektiven Zustand der Depression,
- 14:24Hilflosigkeit und Verzweiflung gebracht hat.
- 14:27Und kam dann nach Deutschland und hier waren die Traktoren auf der Straße.
- 14:30Und ich glaube, das ist eine sehr gefährliche, nachzuvollziehen, aber natürlich gefährliche und kurzsichtige Entwicklung,
- 14:37der wir, so wie wir das können, auch gegensteuern müssen, weil diese fehlende Empathie uns natürlich dann,
- 14:42wenn es später wieder darum geht, auf andere zu setzen und zu Kooperationen zusammenzukommen,
- 14:47uns natürlich dann um die Ohren fliegen kann, zumindest aber kein Vertrauen schaffen kann.
- 14:52Vielen Dank.
- 14:53Wir haben gesprochen mit Magdalena Kirchner von der Stiftung Mercator über die BRICS-Staaten und den Globalen Süden.
- 14:59Vielen Dank.
- 15:00Zum Ende der Folge wollen wir immer noch kurz rekapitulieren.
- 15:07Ich habe ganz viel mitgenommen aus diesem Gespräch.
- 15:09Ich finde einerseits nochmal wichtig, sich vor Augen zu führen, dass eben auch die BRICS-Plus-Starten
- 15:13durchaus eine Ambivalenz aufweisen, dass es da nicht einheitliche Positionen zu allem gibt,
- 15:18gerade auch beim Thema Nahost eigentlich nichts zu gewinnen, indem man sich da gerade positioniert.
- 15:23Aber auch nochmal diesen Bezug, warum hat das eigentlich auch für uns eine Relevanz,
- 15:26warum sollten wir uns damit beschäftigen, weil es eben Themen sind wie Migration, Klima,
- 15:30die natürlich auch bei uns ein Thema sind und noch viel mehr werden.
- 15:34Und das Gefühl von globale Gerechtigkeit ist was für bessere Zeiten, das fand ich sehr pointiert nochmal zu sagen.
- 15:41Und dass uns das womöglich aber auf die Füße fallen will, so eine Ansicht.
- 15:44Ja, ich nehme mit aus dieser Folge zwei Stichworte: Empathie und Komplexität.
- 15:49Das eine ist: Also wie sehr, und das beschäftigt uns in der IP, in der Zeitschrift
- 15:53ja auch die ganze Zeit, wie übersetzen wir denn globale Fragen
- 15:57so für Menschen hier in Deutschland, dass klar wird, wie vernetzt und wie komplex diese Welt ist
- 16:02und dass eben auch solche Fragen wie BRICS-Plus ganz konkret was mit dem eigenen Leben zu tun haben
- 16:06und dass ich mich doch bitte schön dafür nicht nur interessieren möge, das wäre schon viel,
- 16:11sondern auch verstehe, dass alles so miteinander zusammenhängt, dass man vielleicht selber
- 16:14auch so ein bisschen zurücktritt aus den eigenen Interessen.
- 16:17Und diese Komplexität, die versuchen wir auch in der nächsten Folge von Pod und die Welt
- 16:21wieder ein bisschen genauer zu erklären, die erscheint in zwei Wochen am 1. November.
- 16:25Das war's für heute. Wir freuen uns, wenn wir uns beim nächsten Mal wiederhören werden.
- 16:29Ich bin Martin Bialecki.
- 16:31Und ich bin Katharina Peetz. Danke fürs Zuhören. Tschüss.