Latest / ntv Wirtschaft / China gegen Deutschland: Verlieren wir im Handels-Duell an Boden?
Transcript
- 0:05Deutschlands Exportserie reißt und das China-Geschäft verliert an Fahrt.
- 0:09Und das, während China mit E-Autos, Batterien und Solarzellen immer stärker
- 0:14auf die Weltmärkte drängt und den Druck auf die deutsche Industrie erhöht.
- 0:19Außerdem machen die hohen Ölpreise und Zinssorgen Anleger vorsichtig.
- 0:24Und Donald Trump verschärft den Handelsstreit mit Kanada. Diesmal geht es gegen
- 0:28den Flugzeugbauer Bombardier. Hallo.
- 0:31In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:35die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:41Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:45Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:50geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:56Es ist eine Folge der Handelskonflikte. Und wir starten mit dem Duell Deutschland gegen China.
- 1:02Die Erfolgsserie der deutschen Exporteure ist gerissen. Nach fünf Anstiegen
- 1:07in Folge sanken die Ausfuhren im Juli überraschend, wenn auch leicht,
- 1:12auf 138 Milliarden Euro, so das Statistische Bundesamt.
- 1:17Die meisten Exporte gingen weiter in die USA. Hier legte der Handel sogar um fast ein Fünftel zu.
- 1:23Schlechter lief es innerhalb der EU. Und das China-Geschäft brach geradezu ein und knapp 10 Prozent.
- 1:31Nicht gerade ein Brustlöser für unsere Unternehmen. Denn China selbst legt bei
- 1:35seinen Ausfuhren nach eigenen Angaben kräftig zu.
- 1:39Im August stiegen die chinesischen Exporte um ein Viertel.
- 1:43Das stützt zwar Chinas Wirtschaft, verschärft aber auch die Handelskonflikte mit dem Westen.
- 1:48Was heißt das also für den deutschen Außenhandel?
- 1:52Mara Bergmann hat mit Dirk Jandura gesprochen, dem Präsidenten des Bundesverbands
- 1:57Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen.
- 2:00Herr Jandura, wie blicken denn Sie auf dieses Export-Minus im Juli?
- 2:04Ja, mit gemischten Gefühlen. Also natürlich hatten wir festgestellt,
- 2:09dass wir in den letzten Monaten eigentlich im Export relativ gut unterwegs waren.
- 2:12Wir haben immer davor gewarnt, gesagt, das ist noch kein Aufschwung,
- 2:14das ist noch keine Trendwende.
- 2:17Jetzt im Juli brechen die Zahlen wieder ein bisschen ein. und das ist just der
- 2:20Moment, wo ich hier jetzt Anfang September sagen muss, naja,
- 2:24aber nun gibt es schon leichte Zeichen dafür, dass wir Neurodarm kriegen in Deutschland.
- 2:28Also im Großheimen sieht es in manchen Branchen schon wieder ganz gut aus,
- 2:31was den Auftragseingang angeht.
- 2:33Es ist noch nicht die Breite, aber zumindest sind die Signale deutlich besser
- 2:38als vorher, wo wir doch eher negativ gestimmt waren.
- 2:40Also insofern würde ich jetzt umgekehrt argumentieren und sagen,
- 2:43ich würde diesen Exporteinbruch nicht unbedingt überbewerten.
- 2:47China ist eine andere Geschichte.
- 2:49China ist ein Thema, da lohnt es sich genauer hinzuschauen. Wir sehen nämlich
- 2:52gerade satte Exportzuwächse in China, plus 10 Prozent nach Deutschland übrigens,
- 2:58allerdings minus 10 Prozent aus Deutschland nach China. Wie sehr besorgt Sie das?
- 3:03Man muss jetzt einfach vielleicht mal den Chinesen Respekt zäulen und sagen,
- 3:08sie haben hart gearbeitet über Jahrzehnte, um diese Position zu erreichen.
- 3:11Das respektiere ich, das respektieren wir. Ja, natürlich stimmt es etwas bedenklich,
- 3:17wenn nun dieser Außenhandelsüberschuss, wie es mit China passiert ist,
- 3:22sich innerhalb von relativ wenigen Jahren so dreht.
- 3:25Und wir inzwischen, ich glaube im ersten Halbjahr, um die 90 Milliarden Euro bereits im Minus sind.
- 3:33Aber lassen Sie mich das so sagen.
- 3:39Der Anstieg der chinesischen Importe ist ja letztlich darauf zurückzuführen,
- 3:44dass wir relativ günstige Waren aus China beziehen können.
- 3:48Wir haben Umlenkeffekte. Dadurch, dass die USA eine sehr erotische Zollpolitik
- 3:52machen, treffen viel, viel mehr Waren jetzt in der EU ein.
- 3:56Und insofern gibt es da manchfeilige Effekte, die zusammenspielen.
- 4:01Vielleicht können wir noch mal schauen auf diesen Abwärtstrend der Exporte nach
- 4:04China, also bei dem, was an Waren aus Deutschland in die Volksrepublik geht.
- 4:08Warum hier dieser Abwärtstrend und wie bewerten Sie das?
- 4:11Ja, also wir haben da einen klaren Abwärtstrend, auch im zweistelligen Bereich.
- 4:15Und die Gründe sind auch eben vielfältig. Also zum einen hat es damit zu tun,
- 4:19dass in China selbst eine konjunkturelle Delle gerade herrscht.
- 4:23Das heißt, es gibt da weniger Binnennachfrage. Auch da sind die Konsumenten
- 4:26etwas verunsichert. Es gibt dort eine Immobilienkrise, ein bisschen Deflationsängste.
- 4:31Also deshalb ist dort die Nachfrage erst mal am Binnenmarkt,
- 4:33der sehr groß ist und sehr attraktiv ist, ist schon mal geschwächt.
- 4:37Dann haben die Chinesen ja zur Strategie erklärt, mehr Wertschöpfung nach Hause
- 4:40zu holen, also mehr heimische Produktion anzukurbeln. Das ist der nächste Effekt.
- 4:45Und zuletzt darf man auf die Exportzahlen auch nicht ganz so,
- 4:49fokussiert schauen, denn es gibt viele deutsche, viele europäische Unternehmen,
- 4:52die in China vor Ort fertigen, sodass sich diese Zahlen eben nicht mehr mit
- 4:56den Exporten widerspiegeln, sondern da muss man eigentlich eher auf die Kapitalrückflüsse
- 5:00der Kapitalverkehr. erst Bilanzgruppen.
- 5:02Also auch da wieder eine eher komplexe Situation. Ja.
- 5:07Schauen wir auf das Krisenkind Autoindustrie. Da gibt es ja große Sorgenfalten
- 5:11bei uns in Deutschland, während China bei Autoexporten einen enormen Boom verzeichnet.
- 5:16Eine Steigerung von gut 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
- 5:20Das ist enorm. Was macht denn China richtig bzw.
- 5:24Was macht Deutschland falsch? Ich bin zwar kein Automobilexperte,
- 5:28aber aus der Draubsicht würde ich sagen, sie haben sehr, sehr schnelle Innovationszyklen
- 5:33und sie haben Sky-Effekte.
- 5:34Das heißt, sie stellen sehr, sehr günstig her und damit gibt es eben eine Schwemme.
- 5:38Wenn natürlich noch Wettbewerbsverzerrung dazutritt, also wenn diese Autos subventioniert
- 5:42werden, dann wird es natürlich ganz gefährlich für die deutsche Automobilindustrie.
- 5:46Und ich muss auch hier sagen, wenn ich auf unsere deutschen Zahlen gucke,
- 5:49im Großhandel, dann ist alles, was mit Automotive zu tun hat,
- 5:52immer noch sehr, sehr zurückhaltend leider. Also das ist leider eine sehr,
- 5:56sehr kritische Entwicklung.
- 5:58Wir müssen aufpassen, wenn es da um Subventionen geht, wenn es eine Wettbewerbsverzerrung
- 6:02gibt, dann muss hier die Uhr auch einschreiten. Das ist nicht okay.
- 6:05Sagt Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. Dankeschön.
- 6:10Ich danke Ihnen. Tschüss.
- 6:13Jetzt kurz ab an die Börse. Da belasten gerade wieder die hohen Ölpreise und
- 6:17Zinssorgen die Anleger. Umso genauer schauen Experten jetzt auf Konjunktursignale,
- 6:23und auf die Notenbanken.
- 6:25Wo müssen Anleger denn jetzt besonders aufpassen? Corinna Wohlfeil hat mit dem
- 6:29Anlagestrategen Maximilian Kunkel von der UBS gesprochen.
- 6:33Am Ölmarkt fällt auf, dass immer mehr große Investmenthäuser auch ihre Ölprognosen
- 6:37anheben. Ich weiß nicht, wie das bei Ihnen aussieht. Bei der OBS,
- 6:40was sagen Sie zum Ölmarkt? Und vor allen Dingen stelle ich mir natürlich auch
- 6:42die Frage, steigende, dauerhaft steigende Ölpreise, Inflationssorgen.
- 6:47Also müssen wir uns nicht einmählich von Aktien trennen?
- 6:49Wir gehen davon aus, dass der Ölpreis erst mal sich auf den aktuellen Niveaus
- 6:52von rund 95 US-Dollar pro Barrel etablieren wird.
- 6:56Müssen wir uns von Aktien trennen? Kurze Antwort darauf ist nein.
- 6:58Aktien werden normalerweise durch zwei Dinge getrieben, Gewinnwachstum und Zinsen.
- 7:02Was wir auf der Gewinnwachstumsseite sehen, weltweit, ist eine Beschleunigung
- 7:06und auch eine Ausweitung des Gewinnwachstums.
- 7:10Und in Bezug auf Zinsen gehen wir davon aus, dass das, was die Märkte im Moment
- 7:13einpreisen, zu aggressiv ist und Zentralbanken die Zinsen nicht ganz so stark erhöhen werden.
- 7:17Aber dieses Gewinnwachstum, sehen Sie das auch in der Breite oder sehen Sie
- 7:21das gezielt bei bestimmten Branchen nicht? Ich meine, bei Techs glauben wir es mittlerweile alle.
- 7:25Wir sehen es auch in der Breite. Also wir werden jetzt gerade über die USA beispielsweise
- 7:28sprechen. Aktuelle Quartalsberichtssaison, die zu Ende geht.
- 7:3035 Prozent Gewinnwachstum ohne Einmaleffekte.
- 7:34Neun von elf Sektoren, die zweistelliges prozentuales Gewinnwachstum zeigen.
- 7:38Die Medianfirma, also wirklich die Durchschnittsfirma, wächst 14 Prozent.
- 7:41Schauen Sie sich Europa an, 22% Gewinnwachstum, 11% ist Energie.
- 7:46Aber auch außerhalb davon sehen wir, dass die meisten Sektoren kontribuieren.
- 7:49Okay, wenn wir mal in Europa bleiben, dann preist der Markt ja knapp drei Zinserhöhungen
- 7:54momentan ein. Wie sehen Sie das?
- 7:57Wir glauben, dass die EZB diese
- 7:59Woche die Zinsen erhöhen wird und wir glauben, es wird ein Fehler sein.
- 8:02Schon diese Zinserhöhung? Schon diese Zinserhöhung. Sie ist unnötig,
- 8:05weil effektiv, was wir gesehen haben, ist, dass die Inflation durch einen Einmaleffekt,
- 8:09nämlich höhere Energiepreise, hochgegangen ist.
- 8:12Aber das ist ein Einmaleffekt, wie eine Mehrwertsteuererhöhung.
- 8:14Damit die Inflation auch nachhaltig nach oben geht und wirklich Zinserhöhungen
- 8:18erzwingen würde, müssten wir Zweitrundeneffekte außerhalb von Energie sehen.
- 8:23Lohnstückkosten, die hochgehen, sehen wir nicht.
- 8:25Disproportionale Preiserhöhungen durch Unternehmen wie nach Covid, sehen wir nicht.
- 8:29D.h., was diese Zinserhöhung tun wird, ist, sie wird nicht unbedingt die Inflation
- 8:32runterbringen, aber sie wird die Eurozone eher fragiler machen.
- 8:36Aber weiß die EZB das nicht?
- 8:38Wir gehen davon aus, dass die EZB das macht, aber es geht häufig hier auch um Kredibilität.
- 8:42Und man möchte hier die Kredibilität etablieren und sagen, okay, Inflation ist höher.
- 8:46Und wir gehen davon aus, dass wir durch diese Zinserhöhungen,
- 8:49die immer noch auf einem tiefen Niveau natürlich stattfinden,
- 8:52wenigstens einen Schritt machen, um die Inflation einzudämmen.
- 8:54Aber noch schlimmer wäre es dann ja, wenn es weitergeht. Also der Markt sieht
- 8:57das dann ja anscheinend anders.
- 8:58Der erwartet sogar noch mehr Zinsschritte. Ganz richtig. Und hier haben wir
- 9:01eine andere Meinung, weil genau da glauben wir, dass die EZB auch innehalten
- 9:04wird und sagen wird, okay, wir sind jetzt noch auf einem Niveau,
- 9:07wo die Auswirkungen für das Wirtschaftswachstum nicht zu stark sind.
- 9:10Wenn Sie aber deutlich darüber hinausgehen, werden diese Auswirkungen deutlich
- 9:14stärker. Und das wird Sie unserer Meinung nach nicht tun.
- 9:16Effektiv gehen wir auch davon aus, das wird der letzte Zinsschritt sein.
- 9:19Und dann in der zweiten Jahreshälfte, 2027, werden wir wieder Zinssenkungen
- 9:23sehen. Okay, damit habe ich Ihre Argumentation verstanden, warum wir uns noch
- 9:26nicht von Aktien trennen sollten.
- 9:28Wo würden Sie denn am liebsten investiert sein in Aktien? In Europa?
- 9:31Wir haben über Europa gesprochen. Oder in den USA?
- 9:35In beiden sehen wir gerade gute Opportunitäten und vor allem eher in zyklischen
- 9:38Bereichen. Also natürlich, Technologie wollen sie weiterhin haben.
- 9:41Fokus hier vor allem auf Halbleiter und diese großen Hyperscaler in den USA.
- 9:45Aber dann auch Bereiche, die eher von diesem zyklischen Aufschwung,
- 9:48den wir im Moment gerade sehen, profitieren. Industrie ist ein Thema.
- 9:51Und das zweite sind Banken, die uns sowohl in den USA als auch in Europa gefallen.
- 9:55Okay, ganz kurz zum Schluss. Wenn ich etwas Sicherheit ins Depot bringen möchte,
- 9:58ich habe das Gefühl, der Anleihemarkt ist es aktuell nicht, ist es dann Gold?
- 10:01Es ist eher Gold. Wir gehen davon aus, dass Gold von hier auch wieder steigen sollte.
- 10:05Dollar sollte nach und nach runterkommen, reale Zinsen sollten ihren Höhepunkt erreichen.
- 10:09Und sie sehen mittlerweile, dass beispielsweise China wieder stark golf und
- 10:13Diversifikation zu erreichen.
- 10:14Also Aktien in Europa, in den USA und ein bisschen Gold vielleicht dazu,
- 10:19die Meinung von Maximilian Kunkel. Vielen Dank.
- 10:22Ja und zum Schluss schauen wir nach Nordamerika. Denn da ist nochmal ein Handelsstreit
- 10:27der ganz anderen Art im Gange.
- 10:29Donald Trump verschärft nämlich seinen Disput mit Kanada.
- 10:34Der US-Präsident droht dem kanadischen Flugzeugbauer Bombardier mit einem Verkaufsverbot in den USA.
- 10:41Wenn der Konzern in den US-Markt wolle, müsse er auch da fertigen, so Trumps Linie.
- 10:47Die Flugzeugimporte aus Kanada hat er schon länger im Blick.
- 10:50Er stört sich vor allem daran, wie Kanada mit dem US-Konkurrenten Gulfstream umgegangen sei.
- 10:56Da geht es zum Beispiel um ausgebliebene Betriebserlaubnisse.
- 11:00Wir haben mal nachgefragt, beim Luftfahrtexperten Michael Santo.
- 11:05Er schätzt den neuen Schritt im Handelsstreit so ein. Bombardier stand sehr
- 11:10lange als ein großes Mobilitätsunternehmen im Fokus, ein sehr großes kanadisches
- 11:15Unternehmen. Von daher passt es perfekt in die Symbolpolitik von Herrn Trump.
- 11:19Heute ist Bombardier ein Geschäftsreiseflugzeughersteller und Special Mission
- 11:23Aircraft-Hersteller mit dem direkten Wettbewerber Gulfstream.
- 11:27Beide in dem High-End-Sektor positioniert, beide Wettbewerb auf Augenhöhe.
- 11:32Sowohl Bombardier wie auch Gulfstream sind perfekt integriert in die amerikanische
- 11:37Gesellschaft und auch in die amerikanischen Luftverkehrsunternehmen.
- 11:41Beide haben einen starken Footprint auch in militärischen Produktionen und was
- 11:45man nicht vergessen darf, 3100 von den 18.000 Mitarbeitern von Bombardier arbeiten
- 11:50in den USA und sind dort beschäftigt. Das sind direkte Mitarbeiter.
- 11:53Da sehen wir noch gar nicht die gesamte Supply Chain, die dahinter steckt,
- 11:56die natürlich auch stark amerikanisch dominiert ist.
- 12:00Im Endeffekt ist es ein Schnitt ins eigene Fleisch, wenn ich Bombaldi schwäche.
- 12:03Ach ja, Kanada übrigens hat jetzt milliardenschwere Gegenzölle auf US-Produkte in Kraft gesetzt.
- 12:10Betroffen sind da unter anderem Stahl und Aluminium, Haushaltsgeräte,
- 12:14landwirtschaftliche Ausrüstung, Papier und Elektronik.
- 12:18Also, ein Ende in diesem Handelsstreit ist gerade noch überhaupt nicht in Sicht.
- 12:24Wir aber beenden damit unseren Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft.
- 12:28Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.