Latest / IT ohne Drama – der kjello-Podcast / Offboarding: Was am letzten Arbeitstag passieren muss
Transcript
- 0:04Lena: Abschiede laufen in vielen Firmen gleich: Blumen, Kuchen, eine Karte.
- 0:08Lena: Und erst eine Woche später fragt jemand, ob die Kollegin eigentlich noch an ihre Mails kommt.
- 0:14Jonas: Genau da beginnt das Thema Offboarding, also der geregelte Austritt.
- 0:18Jonas: Der Mensch geht, aber sein Konto, sein Laptop und seine Zugänge bleiben oft einfach stehen.
- 0:23Jonas: Kurz vorweg: Alles, was wir heute sagen, hat die Redaktion von kjello recherchiert und geprüft.
- 0:28Lena: Dann bitte gleich konkret.
- 0:30Lena: Was riskiere ich als Geschäftsführung, wenn das liegen bleibt?
- 0:34Jonas: Vier Dinge.
- 0:34Jonas: Erstens können Daten abfließen, weil ein altes Konto noch funktioniert.
- 0:39Jonas: Zweitens zahlen Sie weiter Lizenzen für jemanden, der nicht mehr da ist.
- 0:42Jonas: Drittens gehen Kundenmails ins Leere oder landen bei niemandem.
- 0:46Jonas: Viertens haben Sie Pflichten zum Aufbewahren und zum Löschen.
- 0:49Jonas: Und für die steht am Ende die Geschäftsführung gerade, nicht die IT.
- 0:53Lena: Und was nehme ich aus dieser Folge mit?
- 0:55Jonas: Drei typische Fälle, an denen es im Alltag hakt.
- 0:57Jonas: Und am Ende eine Abfolge mit klarer Zuständigkeit für Personal, Führungskraft und IT, die Sie so übernehmen können.
- 1:04Lena: Fangen wir beim Konto an.
- 1:05Lena: Wie sieht der typische Fehler aus?
- 1:08Jonas: Ein typischer Fall: Ein Vertriebsmitarbeiter kündigt, sein letzter Tag ist ein Freitag.
- 1:13Jonas: Das Personal weiß es seit Wochen, die IT erfährt es am Montag danach, eher zufällig.
- 1:17Jonas: Übers Wochenende konnte er sich weiter anmelden.
- 1:20Jonas: Vom Handy, vom Laptop zu Hause, aus jedem beliebigen Browser.
- 1:23Lena: Jetzt mal ehrlich: Die meisten gehen doch im Guten.
- 1:26Lena: Ist das nicht sehr theoretisch?
- 1:29Jonas: Meistens gehen sie im Guten, ja.
- 1:30Jonas: Aber für den Schaden braucht es keine böse Absicht.
- 1:33Jonas: Es reicht, dass die Kundenliste weiter auf den privaten Rechner synchronisiert.
- 1:37Jonas: Oder dass ein Fremder das alte Kennwort kennt und ein Konto benutzt, auf das niemand mehr achtet.
- 1:42Lena: Gut.
- 1:42Lena: Was genau muss also am letzten Tag passieren, und wann?
- 1:47Jonas: Am letzten Arbeitstag, nach Dienstschluss, wird das Kennwort zurückgesetzt.
- 1:51Jonas: Danach wird die Person aus allen laufenden Sitzungen abgemeldet.
- 1:54Jonas: Microsoft beschreibt genau das als ersten Schritt, wenn jemand das Unternehmen verlässt.
- 1:58Jonas: Wichtig für Ihre Planung sind dabei zwei Zeiten.
- 2:01Jonas: Nach dem Abmelden kann es bis zu einer Stunde dauern, bis wirklich jede Sitzung zu ist.
- 2:06Jonas: Eine reine Sperre des Kontos kann sogar bis zu vierundzwanzig Stunden brauchen.
- 2:10Lena: Also nicht am Montag mal eben sperren und denken, damit ist es erledigt.
- 2:14Jonas: Richtig.
- 2:15Jonas: Die Sperre allein wirkt zu spät, deshalb kommt zuerst das neue Kennwort.
- 2:19Lena: Und wenn es nicht im Guten endet?
- 2:21Lena: Bei einer fristlosen Kündigung habe ich keinen geplanten letzten Tag.
- 2:26Jonas: Dann dreht sich die Reihenfolge um.
- 2:28Jonas: Die IT setzt das Kennwort zurück und beendet die Sitzungen, während das Gespräch läuft, nicht danach.
- 2:33Jonas: Dafür muss die IT vorher Bescheid wissen, mit Uhrzeit.
- 2:36Jonas: Das ist der eine Fall, in dem die Geschäftsführung selbst anruft.
- 2:40Lena: Und damit ist der Mensch draußen?
- 2:42Jonas: Aus Microsoft 365, ja.
- 2:43Jonas: Aber fast jede Firma hat Zugänge daneben: das Lieferantenportal, das Konto beim Onlineshop, die Seite in den sozialen Medien, manchmal das Onlinebanking.
- 2:54Jonas: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik nennt genau das als Schwachstelle.
- 2:58Jonas: Liegen Zugänge verstreut, lassen sie sich beim Ausscheiden nicht in einem Arbeitsschritt sperren.
- 3:03Lena: Wer soll diese Liste denn kennen?
- 3:04Lena: Ich weiß selbst nicht, wo mein Einkauf überall angemeldet ist.
- 3:07Jonas: Das weiß die Führungskraft am besten, nicht die IT.
- 3:10Jonas: Deshalb gehört die Frage, wo die Person überall angemeldet ist, in das erste Gespräch nach der Kündigung.
- 3:16Jonas: Und wo mehrere sich ein Kennwort teilen, etwa beim Konto im Onlineshop, wird dieses Kennwort am letzten Tag geändert.
- 3:22Jonas: Sonst hat die Person den Zugang einfach im Kopf mitgenommen.
- 3:26Jonas: Dasselbe gilt für alles Körperliche: Schlüssel, Zutrittskarte, der Code der Alarmanlage.
- 3:31Jonas: Wer den Code kennt, kann die Anlage sonst auch nach dem Austritt ausschalten.
- 3:36Lena: Und wer ist wofür zuständig?
- 3:38Jonas: Das Personal meldet das Austrittsdatum an Führungskraft und IT, sobald es feststeht.
- 3:42Jonas: Die Führungskraft liefert die Liste der Zugänge, die IT setzt am letzten Tag alles um.
- 3:48Jonas: Der IT-Grundschutz des Bundesamts sieht ausdrücklich vor, dass alle betroffenen Stellen vom Ausscheiden erfahren, auch die IT.
- 3:55Jonas: Und er empfiehlt eine feste Ansprechperson im Personal, die den Austritt begleitet.
- 4:00Lena: Zweiter Punkt, und da wird es für mich heikel: das Postfach.
- 4:05Lena: Die Kunden schreiben ja weiter an die alte Adresse.
- 4:09Jonas: Ein typischer Fall: Eine Projektleiterin geht, ihr Konto wird am nächsten Tag gelöscht.
- 4:14Jonas: Drei Wochen später fragt ein Kunde nach, warum auf seine Anfrage niemand reagiert hat.
- 4:19Jonas: Seine Mail ist nie angekommen.
- 4:20Jonas: Microsoft schreibt dazu klar: Ist das Konto gelöscht, werden Mails an diese Adresse nicht mehr empfangen.
- 4:27Lena: Also nicht löschen.
- 4:28Lena: Sondern was?
- 4:29Jonas: Es gibt zwei Wege.
- 4:30Jonas: Der erste ist eine Weiterleitung, dann gehen neue Mails an die alte Adresse direkt an die Nachfolge.
- 4:36Jonas: Das gilt aber nur für neue Mails, nicht für die alten.
- 4:39Jonas: Der zweite Weg ist ein gemeinsames Postfach, dann sehen mehrere Personen auch die alten Mails und Termine.
- 4:45Lena: Und was kostet mich das?
- 4:47Jonas: Ein gemeinsames Postfach braucht bei Microsoft keine eigene Lizenz, solange es kleiner als fünfzig Gigabyte ist.
- 4:53Jonas: Ist es größer, braucht es wieder eine.
- 4:55Jonas: Für beide Wege gilt: Das Konto selbst muss bestehen bleiben.
- 4:58Jonas: Erst das Konto hält die Weiterleitung oder das gemeinsame Postfach zusammen.
- 5:02Lena: Moment, darf ich als Arbeitgeber überhaupt in das Postfach einer Ausgeschiedenen schauen?
- 5:07Lena: Da liegen doch auch private Mails.
- 5:10Jonas: Die Datenschutzaufsicht von Bund und Ländern hat dazu zweitausendsechzehn eine Orientierungshilfe veröffentlicht.
- 5:16Jonas: Danach dürfen Sie auf betriebliche Mails zugreifen, soweit es für betriebliche Zwecke erforderlich ist.
- 5:21Jonas: Sobald eine Mail erkennbar privat ist, dürfen Sie sie nicht weiter lesen.
- 5:25Jonas: Und bei Abwesenheit gilt dort eine Abwesenheitsnotiz als das mildere Mittel gegenüber einer Weiterleitung.
- 5:31Lena: Das klingt nach Juristerei.
- 5:32Lena: Wie löse ich das praktisch?
- 5:34Jonas: Indem die Person vor ihrem letzten Tag die privaten Mails selbst entfernt.
- 5:38Jonas: So sieht es das Muster der Aufsicht vor, mit angemessener Zeit dafür.
- 5:42Lena: Und was steht in so einer Abwesenheitsnotiz?
- 5:45Jonas: Drei Dinge: dass die Person nicht mehr im Haus ist, wer jetzt zuständig ist, und wie man diese Person erreicht.
- 5:51Jonas: Mehr braucht es nicht.
- 5:52Jonas: Rechtlich offen ist ein Punkt: der Fall, dass private Nutzung erlaubt war.
- 5:56Jonas: Einige Aufsichtsbehörden sehen den Arbeitgeber dann nicht mehr ans Fernmeldegeheimnis gebunden, ein höchstes Gericht hat das aber nicht geklärt.
- 6:04Lena: Fernmeldegeheimnis, das ist das Briefgeheimnis für Telefon und Mail?
- 6:08Jonas: Genau.
- 6:08Jonas: Die Datenschutzregeln gelten aber in jedem Fall, ein Blick ins Postfach braucht also immer einen betrieblichen Grund.
- 6:15Jonas: Deshalb gehört die Privatnutzung in eine schriftliche Regelung oder Betriebsvereinbarung.
- 6:20Jonas: Fehlt die, holen Sie Ihre Datenschutzberatung dazu, bevor jemand das Postfach öffnet.
- 6:25Lena: Dann die andere Richtung: Kann ich das Postfach nicht einfach ganz löschen?
- 6:29Lena: Datenschutz heißt doch Daten weg.
- 6:32Jonas: Nicht ganz.
- 6:32Jonas: Die DSGVO verlangt Löschen, wenn der Zweck entfallen ist, macht aber eine Ausnahme für gesetzliche Pflichten zum Aufbewahren.
- 6:39Jonas: Und die gibt es.
- 6:40Jonas: Nach Handelsgesetzbuch und Abgabenordnung heben Sie empfangene und abgesandte Geschäftsbriefe sechs Jahre auf, und eine Mail, die ein Geschäft betrifft, zählt dazu.
- 6:48Jonas: Buchungsbelege haben seit zweitausendfünfundzwanzig acht Jahre, Bücher und Jahresabschlüsse zehn.
- 6:53Jonas: Die Frist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem der Brief kam oder rausging.
- 6:58Lena: Das heißt, wer das Postfach vorschnell löscht, vernichtet womöglich Unterlagen, die er aufheben muss.
- 7:05Jonas: Richtig, und das geht schneller, als man denkt.
- 7:08Jonas: Nimmt man nur die Lizenz weg, hält Microsoft Mails, Kontakte und Kalender dreißig Tage vor, danach sind sie endgültig weg.
- 7:15Lena: Und die Dateien der Person, also das, was in OneDrive liegt?
- 7:18Jonas: Die gehören ebenfalls vorher übergeben.
- 7:20Jonas: Microsoft rät, der Nachfolge den Zugriff zu geben, bevor das Konto gelöscht wird, denn danach bleiben nur dreißig Tage.
- 7:27Jonas: Ein kleiner Punkt, der oft vergessen wird: offene Termine absagen.
- 7:31Jonas: Hat die Person Besprechungsräume gebucht, bleiben die sonst blockiert.
- 7:36Lena: Dritter Fall: Laptop und Handy.
- 7:38Lena: Da höre ich oft den Satz, den Laptop bringe ich nächste Woche vorbei.
- 7:43Jonas: Ein typischer Fall: Der Laptop kommt drei Wochen später, das Diensthandy gar nicht.
- 7:48Jonas: Auf beiden liegen Firmenmails, Kundendaten und gespeicherte Kennwörter.
- 7:52Jonas: Der IT-Grundschutz des Bundesamts sieht vor, dass beim Ausscheiden alle Unterlagen, Schlüssel, Geräte, Ausweise und Zutrittsrechte eingezogen werden.
- 8:00Jonas: Und rechtlich kann der Eigentümer die Herausgabe seiner Sache verlangen.
- 8:04Lena: Und wenn das Handy privat ist?
- 8:06Lena: Viele lesen ihre Firmenmails auf dem eigenen Telefon.
- 8:10Jonas: Dann wird nur das Firmenkonto vom Gerät entfernt, nicht das ganze Telefon gelöscht.
- 8:15Jonas: Microsoft hat dafür eine eigene Variante, die nur die Daten des Kontos löscht.
- 8:19Jonas: Beim Firmenhandy werden die Firmendaten gelöscht und das Gerät gesperrt.
- 8:23Jonas: Danach kann es sich nicht mehr mit Microsoft 365 verbinden.
- 8:27Lena: Wer sorgt dafür, dass die Geräte wirklich zurückkommen?
- 8:30Jonas: Die Führungskraft, am letzten Tag, gegen Unterschrift.
- 8:33Jonas: Das Personal führt dafür eine Liste, was ausgegeben wurde und was zurückkam.
- 8:37Jonas: Fehlt ein Gerät, erfährt es die IT noch am selben Tag.
- 8:40Jonas: Dann wird es aus der Ferne gesperrt und gelöscht, statt drei Wochen zu warten.
- 8:44Lena: Und der Laptop, der zurückkommt, geht der direkt an die nächste Person?
- 8:49Jonas: Erst nachdem geprüft ist, ob darauf noch Dateien liegen, die nirgends sonst gespeichert sind.
- 8:54Jonas: Danach wird er vollständig zurückgesetzt und neu eingerichtet.
- 8:57Lena: Jetzt das Thema, bei dem ich als Kaufmännische hellhörig werde: Lizenzen.
- 9:01Jonas: Ein typischer Fall: Die IT nimmt der ausgeschiedenen Person die Lizenz weg, und alle denken, die Kostenfrage ist erledigt.
- 9:08Jonas: Das ist sie nicht.
- 9:09Jonas: Die Lizenz ist dann nur frei, aber weiter gebucht.
- 9:12Jonas: Bezahlt wird, bis jemand die Anzahl im Abo verringert oder die Lizenz einer neuen Person gibt.
- 9:17Lena: Also muss jemand aktiv entscheiden: neu besetzen oder abbestellen.
- 9:20Jonas: Genau, und das ist eine Entscheidung der Führung, nicht der IT.
- 9:24Jonas: Kommt eine Nachfolge, geht die Lizenz an sie, kommt keine, wird sie abbestellt.
- 9:29Jonas: Das gilt nicht nur für Microsoft.
- 9:31Jonas: Jedes Programm, das je Nutzer abgerechnet wird, gehört auf dieselbe Liste wie die Zugänge.
- 9:36Lena: Und das Wissen im Kopf der Person?
- 9:38Lena: Das nimmt sie ja auch mit.
- 9:40Jonas: Dafür wird die Nachfolge rechtzeitig eingewiesen, am besten von der Person selbst.
- 9:44Jonas: Geht das nicht, schreibt sie eine ausführliche Übergabe, so sieht es der IT-Grundschutz vor.
- 9:49Jonas: Und vor der Verabschiedung erinnert jemand noch einmal an die Verschwiegenheit.
- 9:53Jonas: Das ist ein Satz im Abschlussgespräch, aber er gehört dazu.
- 9:56Lena: Dann bitte zum Schluss die Abfolge.
- 9:59Lena: Was lege ich morgen im Haus fest?
- 10:03Jonas: Erstens: Sobald eine Kündigung feststeht, meldet das Personal das Datum an Führungskraft und IT.
- 10:08Jonas: Die Führungskraft liefert die Liste mit Zugängen, Geräten, Programmen und geteilten Kennwörtern.
- 10:14Jonas: Zweitens: Am letzten Tag nach Dienstschluss wird das Kennwort zurückgesetzt, jede Sitzung beendet und jedes geteilte Kennwort geändert.
- 10:22Jonas: Die Geräte kommen gegen Unterschrift zurück.
- 10:25Jonas: Drittens: Das Konto wird erst gelöscht, wenn Postfach und Dateien übergeben sind.
- 10:29Jonas: Und die Führung entscheidet, ob die Lizenz weitergegeben oder abbestellt wird.
- 10:34Lena: Das ist machbar.
- 10:34Lena: Und wenn ich das nicht selbst nachhalten will?
- 10:37Jonas: Wer mit kjello arbeitet, meldet den Austritt per Klick im Portal.
- 10:41Jonas: Dann werden sämtliche Zugänge samt Microsoft-Konto und Lizenz entzogen, und das Gerät wird zurückgeholt.