Latest / MOMENTUM - kevinkellermazza / Politik mit Herz und Verstand - Perparims inspirierende Einblicke
Transcript
- 0:00Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge von «Momentum». Deinem Podcast, der inspirierende Gäste inspirierende Geschichten erzählt. Mein heutiger Gast ist Berd Barim. Er ist jemand, der nicht nur über Veränderung spricht, sondern er lebt Veränderung. Er ist ein FDP-Politiker, Unternehmer und ein «Waschachter Zürcher». Und er ist bekannt für seine klaren und zielgerichteten Worte.
- 0:22Und genau das liebe ich. Und genau das habe ich an diesem Podcast so geliebt. In diesem Gespräch mit ihm haben wir über ganz viele Themen gesprochen. Über seine Vergangenheit, wie er als Secondo aufgewachsen ist. Mit dieser Spaltung von seinen Eltern und der Gesellschaft. Wie er seine Lehrstelle abbrechen musste. Wie er Karriere gefunden hat in der Bank. Und jetzt ein Politiker ist. Und zwar ein Politiker, der für das Volk da ist. Mit Herzblut. Und das merkt man so stark bei ihm.
- 0:52Ich bin mir sicher, ich könnte ganz, ganz viele Nuggets aus diesem Podcast rausziehen. Aber jetzt, bevor wir weitermachen, Intro ab. Wenn Zürich ein Mensch wäre, wie würdest du ihn beschreiben? So wie mich. Immer gut gelaunt, auch der Blick für die Menschen, die um sich herum haben. Aber doch nach Grösse schreien. Auch wenn er Basler ist.
- 1:12Du hast etwas vom Elf. Ja, wirklich. Ich lege den Fuss raus. Die Identitätsauseinandersetzung mit mir selber ist auch immer... Ich habe nicht verstanden, warum ich mich fügen muss. Ich bin doch ein normaler Mensch wie der auch. Nach dieser Geschichte mit der Lehre stand ich zuerst mal hier.
- 1:30wie ein Trottel. Ich habe das Gefühl, ich habe jetzt völlig abgelost. Eine Sache von der Perspektive, wie man das anschaut. Konzentriert man sich auf all die Menschen, die einem etwas schlecht tun wollten, die einem schaden wollten, oder konzentriert man sich auf die, die einen Erfolg sehen wollen? Ich finde genau, es ist eine persönliche Entscheidung, die man wählen muss. Jeder Mensch ist genug, du bist mit sich selbst beschäftigt. So viel Mitleid wirst du dann auch nicht bekommen. Freiheit bedeutet aber auch auf der anderen Seite, dass wir ein wirtschaftliches System haben, um die Freiheit und Unabhängigkeit eines Menschen zu ermöglichen.
- 1:56Nur dann, wenn ein Mensch mit seinem persönlichen Einsatz davon leben kann, also eben in einem guten wirtschaftlichen System, dann können wir sicherstellen, dass der Mensch auch unabhängig und frei sein kann. Wie kann man dich jetzt auf deinem Weg am besten unterstützen? Ja, indem wir am 8. März alle gemeinsam wählen. Man hat den Eindruck in der Stadt Zürich, dass es ein Naturgesetz ist. Der nächste Stadtpräsident der SP muss einfach mit der Sonne gasen. Wir leben immer noch in einem demokratischen System. Und am Schluss entscheiden die Wählerinnen und Wähler, am 8. März werde der nächste Stadtpräsident.
- 2:22Deiner Zuschauerinnen und Zuschauern möchte ich vor allem das sagen und nachknüpfen, was wir am Anfang gestartet haben, dass wir gesagt haben, Glück ist nicht etwas, was auf einen wartet, sondern wo man sich suchen muss. Ganz kleine Sachen, sehr vieles kann bewegen. Und zwar indem man am politischen Prozess teilnimmt und gerade wählt und nicht nur selbst macht, sondern sein Umfeld auch darauf anspricht.
- 2:45Wäre mega cool, dass es geklappt hat. Wir haben uns jetzt für das erste Mal gesehen. Wir haben uns noch nicht kennengelernt bis jetzt. Darum für mich etwas Neues, weil du bist der erste Politiker in diesem Podcast. Oh, okay. Danke für die Einladung. Herzlich willkommen. Für die, die dich vielleicht noch nicht kennen, wahrscheinlich haben dich ein paar schon auf Social Media gesehen, wo du relativ viel Arbeit leistest. Aber wer bist du? Was machst du? Was definiert dich?
- 3:10Mich definiert schon etwas mehr als nur Politiker sein. Ich bin der Pärperin, Pärpern Mavtili aus Zürich-Alstetten, Alpesrieden. Ich bin im Kreis 9 aufgewachsen. Stadtzürcher, 38 Jahre alt. Und bin als Baby in die Schweiz mit meiner Familie eingewandert.
- 3:31als Saisonnier in die Schweiz gekommen. Wie viele damals in den frühen 80er Jahren. So sind wir dann auch mit der Mutter und den Geschwistern ebenfalls in die Schweiz gekommen. Dann eben in Zürialstetten aufgewachsen. Wie alt bist du, als du in die Schweiz gekommen bist? Das Baby irgendwie...
- 3:46Neun, zehn, elf Monate. Ich kann mich nicht an etwas erinnern. Ich kam in heutiger Nordmazedonien auf die Welt. Nordmazedonien? Genau. Teil der albanischen Bevölkerungsgruppe. Und bin in Zürich aufgewachsen.
- 4:03Ich wohne immer noch im Kreis 9. Das ist ja schön. Es hat sich unglaublich viel getan. Unglaublich viel. Altstädter gehört zu diesen Quartieren und Kreisen. Mit dem Kreis 9 im Gesamten.
- 4:19stärkste weiterentwickelt haben. Natürlich gab es auch immer negative Nebengeräusche in dieser ganzen Entwicklung. Oder die Verdrängung von vielen Leuten, die keine Wohnung gefunden haben, weil man es erneuern musste. Das ist für mich auch ein wichtiges politisches Thema. Die ganze Wohnbaupolitik. Aber vielleicht kommen wir ja dann noch dazu. Definitiv, ja.
- 4:37Ja, und dann Dede Juhl ganz normal und dann eine Lehre ursprünglich mal angefangen und die ist dann nicht erfolgreich zu Ende gegangen. Ich habe eine Fahrzeugelektrikerlehre angefangen. Also warte, Fahrzeugelektriker, ich habe nämlich Automonteur gelernt. Ah, siehst du. Und dann hat es den Automechaniker gegeben, der hat mehr Elektronik auch gehabt. Und jetzt gibt es so ein Fahrzeug. Der hat es damals aber auch gegeben, ja.
- 5:01Hat es auch gegeben? Was hast du für ein Jahr gegangen? 90er Ja, müsste es eigentlich doch auch gekämpft haben. Fahrzeug Elektriker Es gab auch Monteur, Mechaniker und Elektriker. Es gab Elektriker. Heute heissen die aber anders unterdessen. Mechatroniker. Mechatroniker unterdessen glaube ich. Aber früher gab es wirklich Fahrzeug Elektriker. Spannend. Das ist der, der die elektronischen Sachen vor allem gemacht hat. Die ganzen Steuergeräte. Diagnostik. Diagnostik gemacht, genau. Wobei es eben auch ein bisschen eine Überschneidung mit den Mechanikern war.
- 5:26Ich war dort mehr als zwei Jahre unterwegs und dann die Lehre aufgelöst. Mit diversen Schwierigkeiten, dann auch zu kämpfen. Es war ein sehr prägendes Erlebnis für mich. Die Erfahrung mit der ganzen Lehre, mit der Situation vorher, bis man überhaupt eine Lehre gefunden hat als 15-Jähriger, war sehr schwierig.
- 5:50Man hat auch als Teenager ständig in diesen zwei Welten gelebt. Was ist man jetzt? Ist man Albaner? Ist man Schweizer? In Zürich ist man doch «sie ist diehei» und hat aber noch keinen Schweizerpass gehabt. Ich habe mich dann mit 16 Jahren auch erst einbürgern lassen.
- 6:08Nach dieser Lehre ging es für mich so weiter, dass ich einfach gearbeitet habe, um Geld zu verdienen. Ich habe verschiedene Jobs gemacht, auch eine sehr spannende Erfahrung.
- 6:24Als Böstler in der Stadt Zürich Päckchen verteilen. Bin schon viel rumgeklingelt an den Türen. Nicht zum Wahlkampf machen, sondern Päckchen verteilen. Jetzt machst du es auch für den Wahlkampf. Genau, jetzt stelle ich mich einfach anders vor. Und dann bin ich auf jeden Fall ins Kaufmännische reingekommen. Ich dachte, ich muss jetzt auf jeden Fall eine Kaufmännische Ausbildung machen.
- 6:42und dann die berufliche Erfahrung gemeinsam mit der KMU gemeinsam mit der KMU in der Nahrungsmittelbranche, Salatproduktionsfirma in Däniken machen durfte.
- 7:00Im Anschluss, über viele Umwege, landete ich in der CS-Branche. Dort machte ich dann vor allem Karriere. CS, UBS und dann schliesslich Swisscanto. Wie alt warst du, als du bei der CS begannst? Mit knapp 21 bin ich dann in die CS gekommen. Dort ging für mich die berufliche Karriere los.
- 7:24Vorher mit den schwierigen Situationen, in denen ich zu kämpfen hatte. Mich neu wiederfinden zu müssen, was es vielleicht auch einen Moment gebraucht hat, bis es vielleicht nochmal klick gemacht hat. Eine gewisse Motivation aber auch aufzukommen, dass ich es nicht zulassen darf, dass andere über mein Leben bestimmen, sondern dass ich selber mein Schicksal in die Hand nehmen muss. Egal wie schwierig das ist.
- 7:47Am Ende des Tages fragt niemand, wer es nicht zugelassen hat und wer schuld ist, sondern man will ja selber für seinen positiven Abschluss im Tag verantwortlich sein. Und dann auch die Weiterbildung, ein Studium gemacht als Bidak hat, Bank und Finanzen, Bank and Finance, der Bankwirtschaftsleiter, genüsslich HF, dann abgeschlossen, eben ein bisschen Karriere gemacht, Teamleiter, Abteilungsleiter, dann eine Grossbank und dann in das Fiskanto ZKB.
- 8:13Parallel habe ich dann auch mit der Politik bereits angefangen. Gleichzeitig bin ich aber beruflich dann weg von der Finanzbranche, der Bankenbranche, immer noch im Finance geblieben. Als Finanzverantwortlicher für diverse Firmen, dann extern, also auf Modalsbasis gearbeitet. Und so dann, ich habe heute einen aktuellen Job gelandet bei der LIPS.
- 8:36Zuerst als Externer und unterdessen auch mit einem Pensum von 70% als CFO Finanzleiter der LIPS. LIPS ist eine Berufsbildungsunternehmung. Als Verein zwar organisiert, aber privatwirtschaftlich finanziert. Wir bilden Lernende im industriellen Berufssektor aus. Traditionell vor allem, heute aber weit darüber hinaus.
- 8:571500 Länder in 19 verschiedenen Berufen. An mehreren Standorten, in Baden, in Zürich, in Herbruck, Rapperswil. Für 160 verschiedene Firmen, von A wie ABB bis Z wie Zweifel. Alles namhafte, bekannte Brands.
- 9:14Für mich eine sehr sinnstiftende Arbeit, weil ich jetzt, nach 20 Jahren unterdessen, wieder mein berufliches Engagement in die Berufsbildung einbringen darf. Und junge Menschen dabei unterstützen, dass sie über eine Berufsbildung, von der ich sehr viel davon halte, über unser duales Bildungssystem,
- 9:35dass sie auch etwas mit ihrer Zukunft machen können. Dass sie sich bestens vorbereitet auf ihre berufliche Zukunft. Das ist etwas, was ich selbst aus Erfahrung gemacht habe. Vielleicht eine weniger gute, aber jetzt auch, wie gesagt, mein berufliches Engagement in diesem Bereich bringen kann.
- 9:51Ja. Das ist mein beruflicher Engagement. Unglaublich. Der Podcast ist fertig. Nein, sag ich. Hey, also, wenn ich es einfach rekapitulieren darf. Also, du hast 15 Jahre deine Lehre angefangen als Auto... ...Elektriker. Fahrzeugelektriker. Das hieß es damals. Das hast du zwei Jahre gemacht, Schwierigkeiten gehabt. Du hast drei, vier Mal die Schwierigkeiten angesprochen, aber bist nicht wirklich auf die Schwierigkeiten eingegangen. Was waren das für Schwierigkeiten?
- 10:18In verschiedensten Formen. Ich meine, ich war teilweise auch nicht gut behandelt worden. Ich war ein junger Mensch, der ständig... Also es war eine Kombination aus schlecht behandelt worden beim Arbeitsplatz, teilweise auch Diskriminierungserfahrungen machen musste und auf der anderen Seite war ich ein sehr unreifer, lebendiger Mensch, der ständig nach Ablenkungen gesucht hat. Und diese Kombination hat dazu geführt, dass auch die Leistung völlig runtergefallen ist
- 10:48nicht darum gekümmert hat. Ich erlebe das heute gerade bei den Lips, wenn mir die Leistung abgibt und wie man mit diesem jungen Menschen umgehen sollte. Im Nachhinein kann man schon sagen, dass man mit mir damals schlecht und falsch umgegangen ist. Zuhause bei meinem Vater hat es immer geheiss,
- 11:07«Du musst dich dann fügen. Sie haben das Recht, dir zu sagen, was richtig und was falsch ist. Oder weil mein Vater es nicht anders kannte, logischerweise. Natürlich. Als er in die Schweiz kam und war einfach froh, dass er irgendwo arbeiten konnte, ging runter und hat sich teilweise auch Sachen gefangen lassen, die er nicht fügen konnte. Genau. Und du siehst ja, dass es in deinen Kindern wie ein Eintrichter geworden ist, dass es so sein muss. Aber hast du dann wie innerlichen Konflikt gehabt, dass es eigentlich nicht richtig ist?
- 11:37Und deshalb hast du dich nicht fügen wollen und dann sind halt diese Leistungsschwankungen passiert, oder? Ja, weil... In dieser ganzen Identitäts-Auseinandersetzung mit mir selber ist auch immer... ...hab ich nicht verstanden, warum ich mich fügen muss. Weil ich bin doch ein normaler Mensch wie er auch. Ich bin doch ein ebenbürtiger Bürger. Natürlich ist er mein Chef vielleicht und so, aber ich muss mir doch trotzdem nicht alles gefallen lassen.
- 12:05Nicht mal, wenn es nur ein Chef ist, sondern sonst jemand. Ich habe immer gefunden, dass es nicht nur sein kann, weil ich einen anderen Pass oder einen anderen Ausprung habe, dass ich mir jetzt Sachen gefallen lassen muss. Das ging in meinem Kopf nicht, weil Zürich ja mein Zuhause war. Wieso muss ich mich jetzt anders verhalten? Ich bin ja kein Gast hier, sondern ich bin in meinem Zuhause.
- 12:23Das ist natürlich für meinen Vater aus einer anderen Generation völlig anders. Ein anderes Verständnis auch von der persönlichen Identifikation gegenüber der Gesamtgesellschaft. Ich glaube, so geht es ja vielen Zweitgenerationen und dann ist es auch Drittgenerationen. Wobei ich hoffe, dass bei der Drittgeneration die Problematik nicht mehr da ist. Jetzt teilweise aber immer noch.
- 12:43Das war für mich eine wichtige Prägung für die politische Bildung von mir. In der Frage, wer bin ich, was bin ich und was ist meine Aufgabe innerhalb dieser Gesellschaft? Und was muss ich dafür machen, dass man nicht mehr selber die Erfahrung macht oder auch andere die Erfahrung machen müssen? Das bedeutet auch für mich in erster Linie, dass man selber auch Verantwortung übernimmt. Natürlich Probleme angehen, ansprechen.
- 13:13über Probleme offen zu sprechen und diese zu bekämpfen. Aber auf der anderen Seite auch Verantwortung übernehmen. Also nicht nur sagen, was falsch läuft, sondern auch selber die Verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen. Und das hat mich bis heute geprägt und ist für mich bis heute ein wichtiger Aspekt in allem, was ich mache, dass man selbst abhacken tut.
- 13:31Das heisst, von 17 bis 21, bis du zur Bank kamst und deine Karriere gemacht hast, oder der Startschuss deiner Karriere, hast du relativ viel gearbeitet. Du bist Posten ausgetragen, hast wirklich verschiedene Sachen gemacht. Sind das alles, aus heutiger Sicht, so rückblickend, Jobs, die notwendig waren, um heute den Erfolg zu haben, den du hast?
- 14:01Ich glaube schon. Wichtig ist schon, warum...
- 14:05Nach der Geschichte mit der Lehre stand ich zuerst mal hier, wie ein Trottel. Ich hatte das Gefühl, ich habe völlig abgelost. Alle meine Kollegen erzählen von ihren coolen Stellen, Lehrplätzen, wo sie in diesen Lehren unterwegs waren. Ich bin wie ein Trottel hier und es funktioniert. Ich habe die Lehre aufgegeben. Es wurde aufgelöst, wie immer, aus welchen Gründen auch immer.
- 14:31Er war unglaublich endlos enttäuscht. Er enttäuschte auch darüber, dass er sich so fest für uns Kinder eingesetzt hat. Ich habe noch drei Geschwister, die sich unglaublich für uns eingesetzt haben. Alles dafür gemacht, dass es uns einigermassen gut geht. Mein Vater arbeitete den ganzen Tag als LKW-Schaffer. Am Abend ging er zusätzlich auch noch Büros putzen. Einfach, dass es irgendwie reicht, dass man über die Runden kommt.
- 14:55Einerseits für die Familie da zu sorgen, andererseits aber auch, wie das auch für viele so ist, Geld hinzuschicken zu den Verwandten, die man versucht hat zu unterstützen und, und, und. Und die Mutter genauso sich um den Haushalt kümmert und dann auch, wenn die Zeit da war, auch das Büro putzen.
- 15:20einfach auch Geld verdienen und dann hast du irgendwie einen Sohn, der eigentlich doch alles gehabt hätte, oder, aus ihrer Sicht und es doch nicht hinbekommt, einfach mal durchzubeissen. Und da bist du natürlich schon, stehst schon ein bisschen als Loser da und so habe ich mich in dieser Situation auch gefühlt. Und es hat extrem viel gebraucht mit mir selber, um nachher nochmal zu sagen, hey, nein, das akzeptiere ich jetzt nicht und
- 15:39Was mir geblieben ist, ist die grosse Enttäuschung, die ich von meinen Eltern erfahren habe. Ich habe mir gesagt, dass das nie mehr passieren darf.
- 15:54Nicht nur meine Eltern enttäuschen mich, das nimmt man einerseits mit, aber auch, dass ich mich selber in so einer Situation manövriere, ohne dass ich mich dafür aktiv eingesetzt habe, dass ich etwas aktiv dafür gemacht habe, um es zu verhindern. Vielleicht habe ich das etwas zu wenig gemacht. Bist du selbst von dir enttäuscht? Ja, selbstverständlich, absolut. Die grosse Enttäuschung hat bei mir selbst natürlich angefangen.
- 16:15Klar, im Nachhinein war ich ein junger Mensch, ohne Fahrradfahrer. Oh, 100%. Natürlich, aber das nimmt, oder weil du gefragt hast, was nimmt es? Also das realisierst du ja in dem Moment ja nicht. Nein, nein, überhaupt nicht. Aber es fängt an, nachher hat es ja schon angefangen. Und darum habe ich mir gedacht, so und jetzt...
- 16:32Finger aus dem Arsch, sorry für den Ausdruck. Ja, ähm, was... Und jetzt müssen wir etwas machen. Jetzt kann ich nicht einfach sitzen bleiben, Fernsehen schauen, gamen, was auch immer. Sondern jetzt muss ich zuerst mal rausgehen, arbeiten. Und ähm... Und unterwegs sein überhaupt. Weil erst dann passiert etwas. Weil von zu Hause unten sitzen wird nie etwas passieren. Auch wenn es sich vielleicht nicht gerade lohnt. Ich meine, ich habe irgendwie für ganz wenig Geld gearbeitet. Keinen super Lohn gehabt. Aber es war völlig egal. Wichtig ist, dass man überhaupt unterwegs ist.
- 17:00das flüssende Wasser ist trinkbar, sagt man so schön. Darum habe ich gedacht, ich muss jetzt auch unterwegs sein. Obwohl ich etwas gemacht habe, etwas probiert habe, hat nicht alles immer auf einmal funktioniert. Aber es hat gezeigt, dass man sich jedes Mal weiterentwickeln konnte. Neue Erfahrungen gesammelt hat, neue Leute kennengelernt hat. Mein Leben besteht aus sehr vielen negativen Erfahrungen mit Menschen, die mir vielleicht schaden,
- 17:29angerichtet haben oder mitverantwortlich waren für sehr schlechte Erfahrungen einerseits. Andererseits besteht aber in meinem Leben auch sehr viel eine Begegnung mit Menschen, die zur richtigen Zeit mir dann die richtige Tür geöffnet haben, damit ich meinen nächsten Schritt machen kann. Und dafür bin ich auch unglaublich dankbar. Aber das kann man auch nur machen, wenn man das Glück herausfordert. Oder wenn man eben unterwegs ist. Wenn man rausgeht, versucht, arbeitet, nochmals auf die Fresse fällt und dann wieder aufsteht und macht.
- 17:59Es ist eine Sache der Perspektive, wie man das anschaut. Konzentriert man sich auf all die Menschen, die einem etwas Schlechtes tun wollten, die einem schaden wollten, oder konzentriert man sich auf die, die das nicht wollten, sondern dich ins Gute rücken wollten, dich vorwärts bringen wollten und deinen Erfolg gesehen haben wollten.
- 18:20Man kann sich immer entscheiden, für welche Seite man reingeht. Ich finde genau, es ist ein persönlicher Entscheid, den man wählen und treffen muss. Und ich erlebe heute sehr viele Menschen, die sich sehr stark auf die negativen Erfahrungen konzentrieren.
- 18:34Natürlich ist es immer individuell. Jeder Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen. Es gibt teilweise Schicksalsschläge, die einfach so brutal schmerzhaft sind und das nicht einfach so wettmachen kannst. Auf der anderen Seite ist es immer trotzdem eine Einstellungssache, wie man Sachen angeht. Und man akzeptiert, dass negative Erfahrungen werden kommen und man sich trotzdem darauf fokussiert, was man als Positives für sich rausholen kann. Und sich nur mit Leuten begibt, die einem gut tun. Und nicht immer nur wieder im gleichen Fahrwasser unterwegs ist, die einem schlecht tun,
- 19:04Ja, wenn du dich in die Top-Rolle stellen willst, dann hast du... Und sich in die Top-Rolle stellen, genau. Dann hast du definitiv genug Anhaltspunkte oder genug Situationen, wo du das machen kannst. Die Frage ist einfach, wie viel bringt dir das wirklich etwas? Und dir selber bringt es einfach nichts. Null. Also wenn man Mitleid will, vielleicht von ein paar Leuten, aber jeder Mensch ist genug fest mit sich selber beschäftigt. So viel Mitleid wirst du dann auch nicht bekommen. Das ist das andere noch, ja. Ja, es ist doch einfach so. Und wir leben übrigens auch in einem Staat und in einem System, wo du...
- 19:30Du kannst dann auch persönlich daraus herauskommen, vielleicht nicht immer, es gibt schon auch Defizite, glaube ich, politische wie wir mit Fehlerkultur beispielsweise umgehen. In der Schule zum Beispiel oder wo Fehlerkultur? Allgemein. Ja, grundsätzlich, also als Gesellschaft, wie man Menschen verurteilt, wenn sie mal gescheitert sind.
- 19:50Natürlich kann man sie verurteilen, aber man sollte vor allem auch Chancenkultur schaffen und die haben wir aber trotzdem. Wir haben doch ein politisches, wirtschaftliches System und wir haben trotzdem, wenn man schlau ist und bereit ist, etwas zu leisten, dass man nachher aus seinem Leben etwas machen kann.
- 20:13Du hast vorhin etwas ganz Schönes angesprochen und ich möchte kurz darauf eingehen, weil es hat genau mit dem zu tun, was du jetzt gerade am erzählen bist. Und zwar, du hast vorhin Glück angesprochen, du hast Glück herausfordern müssen. Jetzt ist meine Frage an dich, was heisst für dich Glück und glaubst du an Glück?
- 20:32Wenn ich von Glück spreche, meine ich natürlich Begegnungen, die man vielleicht nicht immer aktiv beeinflussen kann. Okay. Dass man Menschen kennen... Das ist so ein hochkomplexes Leben. Das geht jetzt in tiefphilosophische Diskussionen. Was ist Glück? Und wie beeinflusst das einem das Leben? Oder ist es einfach auch Zufall? Es gibt ein schönes albanisches Bericht, das heisst, Zufall ist der König der Welt. Wie geht es im Albanischen? «Rastia »s'mbreti bot»
- 21:01Ich finde es immer schön, dass es von der Grundidee dahinter steht, dass es ein bisschen bedeutet, dass Zufall auch von einem König gesteuert wird. Dass es eine Art Schicksal gibt.
- 21:17Ich glaube, unabhängig davon, ob es das gibt oder nicht, was mir schon aufgezeigt hat, meine letzten 20 Jahre, es gibt Menschen, die haben viel mehr Erfahrung, auch mit Glück und Unglück machen können, aber doch, meine bescheidene Erfahrung, die ich machen konnte, zeigt auf, dass schon habe ich gesagt, Glück bedeutet, die richtigen Leute zu treffen, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit zu sein. Aber man muss es eben schliesslich auch herausfordern, darum habe ich gesagt.
- 21:45Wenn du zuhause sitzt, wirst du kein Glück haben. Sondern du musst es irgendwo suchen. Mit dem Risiko, dass es auch Unglück geben kann. Natürlich, dass nicht alles läuft. Von dem haben sehr viele Menschen auch Angst. Darum traut man sich, gewisse Sachen nochmals nicht zu machen. Aber es ist wie bei jedem Unternehmer. Wenn der aufwagt, ein Risiko auf sich zu nehmen, mit Kapital, mit Arbeitsleistung, mit einer Idee, mit einer Erfindung,
- 22:15dann kann er natürlich scheitern. Selbstverständlich. Wie ein Schatz bist du immer. Aber er hat einen Versuch gestartet, dass er auch eine Folge abschliessen kann. Das ist mein Lebensgrundsatz. Ich finde das mega. Ich denke dir genau gleich. Ich glaube, du hast Glück. Das ist eine hochphilosophische...
- 22:33Angelegenheit und man kann stundenlang über das reden. Aber ich glaube auch, du kannst Glück herausfordern und musst Glück herausfordern. Im Sinne von, mach etwas. Ein Unternehmer ist etwas, das etwas unternimmt. Du musst etwas unternehmen, damit etwas funktionieren kann. Die Chance, dass es nicht funktioniert, ist da. Wie viele Mal sind die Sachen schon gescheitert? Auf jeden Fall. Ich habe mal einen Unternehmer, einen hohen Unternehmer, der ein grosses Exit gemacht hat, im Podcast.
- 23:00Er hat 51 Firmen in den Sand gesetzt, an die Wand gefahren. Und die 52. oder vielleicht die 51. hat dann geklappt. Und mit der hat er sich sein Leben finanziert. Und er sagt, es ist gut. Es ist okay jetzt. Jetzt kann er anderen helfen. Das heisst, du musst es herausfordern. Du musst immer wieder begegnen und wollen. Und mit einem guten Mindset an das Ganze herangehen. Und
- 23:28wieso ich so lange über deine Vergangenheit spreche, ist, mich nimmt es wirklich wunder, wie du dann in die Politik gekommen bist, wieso du in die Politik gekommen bist, was dein Grundgedanken ist, was du bewirken möchtest und dafür wollte ich dich einfach besser kennenlernen, wie du denkst, wie du auf Sachen schaust und es machen mir ganz viel, die Sachen werden mir ja klar. Sehr schön, ja. Ja, also in der Politik bin ich
- 23:59Aus den Erfahrungen, die ich erzählt habe, die man gemacht hat, die einen sehr stark persönlich prägen. Politik ist ein Mittel, das man aus den eigenen Erfahrungen, aus einer eigenen Wertehaltung und Vorstellung, Ideen, die man hat, sich einbringen möchte. Was schliesslich in einer politischen Meinung mündet. In Kombination aber auch damit, dass ich...
- 24:22aus einem Haushalt kommen, der sicher auch politische Prägen hatte. Jetzt nicht stark parteipolitisch im konkreten Schweizer Bezug. Auch hier, meine Eltern sind mit 30, 35 eingewandert. Sie hatten schon eine politische Meinung. Am Kuchentisch von der AfD-List wurde schon ab und zu über Politik gesprochen, aber sehr oft über Politik im Balkan, im Kosovo.
- 24:46Was war das? In den 90er Jahren? Ja, in den 90er Jahren, im ganzen Krieg, hat man ständig im Fernsehen geschaut, und geschaut, was passiert ist dort. Und die brutalen Erlebnisse vor allem mitgenommen. Man kommt auch aus einer politischen Erfahrung dort, wo man sich mit repressiven Unterdrückungssystemen auseinandersetzen musste. Gerade auch als albanische Bevölkerungsgruppe im Damanl-Jugoslawien, wo man sehr wenig Recht hatte und, und, und. Also diese politische Erfahrung, die man mitnimmt,
- 25:16Dann auch eine rein systematisch-politische Erfahrung, wie Kommunismus und Sozialismus mit dem Menschen umgehen. Und dem Menschen auch, ich weiss auch nicht.
- 25:28das Recht und die Fähigkeit wegnimmt, etwas selber machen zu können, sondern der Staat ja immer alles vorgeben sollte. Und auch die Erfahrung, dass man nicht mehr das Privatsleben führen kann. Eine weitere Unterdrückung sozusagen. Ja, in einer anderen Form. Also eine politisch-systematische Unterdrückung. Andererseits auch Repression gegenüber der albanischen Minderheit in Jugoslawien mit all diesen verschiedenen Erfahrungen. Und dann die Erfahrung mit der Migration, wo man...
- 25:54auch wieder irgendwie bei Null muss anfangen und loslegen. Also das Schicksal übrigens von ganz vielen Menschen in der Schweiz ist ja nicht nur das Schicksal meiner Familie, überhaupt nicht. Und es ist jetzt auch nicht irgendwie... Also es gibt Schicksale, die viel brutaler sind, oder? Zum Glück ist am Schluss auch alles gut gekommen, für sehr viele Menschen. Danke eben auch der Schweiz, die ja all diese Leute auch aufgenommen hat, aus einer humanitären Sicht einerseits, aber auch aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, weil man halt auch Leute gebraucht hat, weil es...
- 26:19weil sich die Wirtschaft im positiven Sinne entwickelt hat, weil man für die Schaffung des Wohlstands Arbeitskräfte gebraucht hat und die Arbeitskräfte natürlich auch gerne aus dem Süden von Europa gekommen sind. Und die ganze Erfahrung mit einer persönlichen Sicht, was man jetzt ist, die Identitätsfrage, hat mich natürlich schon sehr stark politisiert.
- 26:47Ich war schon immer ein Typ, das hat sich dann auch bemerkbar gemacht, jemand, der eine Initiative ist, jemand, der machen tut, ob er sein Glück vielleicht selbst herausfordert, nicht immer alles sauber gemacht hat, durchaus. Ich habe ganz viel Seich gemacht in der Schule, das haben wir alle gemacht. Part of the game. Nicht alle, aber part of the game, genau.
- 27:04Ich dachte, ich kann nicht einfach rumschauen und zuschauen, sondern ich muss selber etwas machen, damit das Wohl, das wir haben, weiterhin bestehen bleibt. Wie macht man das? Über den politischen Weg, unter anderem, welcher ein sehr gutes Mittel ist, um aktiv beizutragen, wie die Gesellschaft und die Wirtschaft organisiert sind.
- 27:26Ich bin in dieser Konstellation von Chancen und was wir für Möglichkeiten haben und wie gehen wir als Gesellschaft damit um, dass wir einerseits sicherstellen müssen, dass es den Menschen gut geht, auf der anderen Seite aber Chancen und Möglichkeiten zulassen müssen, einen Raum zulassen müssen, dass einzelne Personen mit ihrer persönlichen Leistung
- 27:45können auch erfolgreich sein. Ich komme mir in der Schweiz sehr schnell zu der Geschichte von der Willensnation, zu der Gründungsgeschichte der Schweiz als liberalen Rechtsstaat, wonach es völlig egal ist, von wo man kommt.
- 28:03Welche Sprache man spricht, was für ein Leben man hat. Damals vielleicht historisch im 19. Jahrhundert in einem kleineren Kontext, der auf die Schweiz bezogen war. Aber ein vom Grundprinzip trotzdem grösser zu denken ist, dass man zwar solidarisch mit allen Menschen umgeht, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen, dass man zueinander schaut.
- 28:27ein Sozialstaat zu schaffen, um den Leuten zu helfen. Auf der anderen Seite aber vor allem sicherstellen zu dürfen, dass Menschen mit ihrer persönlichen Leistung, mit ihrem persönlichen Engagement unternehmerisch etwas aufbauen können, das am Schluss nicht nur zu seinem persönlichen Erfolg führen wird, sondern das zum Wohl der gesamten Gesellschaft führen wird. Das ist das ideale System. Das ist für mich ein liberales System.
- 28:54die sehr schnell politisch in der FDP natürlich gemündet hat. War das für dich schon immer so etwas FDP? Oder hast du schon andere politische Parteien bevorzugt oder hatte? Aus dieser Erfahrung bin ich dann ziemlich schnell auch... Für mich war die FDP logisch Schlussfolgerung. Rein von der liberalen Grundvorstellung her, dass es die politische Ausrichtung ist, die genau dem entspricht, was ich für richtig gefunden habe.
- 29:23So war der FDP für mich der logische Entscheid. Ich wurde mit 1.22. mitgeleitet. In der Phase, in der ich durchstarten wollte. Ich wollte etwas machen. Zepter selber in die Hand nehmen.
- 29:38Und dann Mitglied geworden bei der FDP und lange als passives, inaktives Mitglied dabei gewesen. Und dann irgendwann später, vor etwa zehn Jahren, nein, unterdessen elf Jahren, wurde ich etwas aktiver, mit 5-26 so. Und dann in der Kreispartei, also im Kreis 9, wo ich übrigens, und das ist auch immer wichtig, auf Menschen begegnet bin in der Partei, die mir gegenüber sehr offen waren.
- 30:07Ich fand das natürlich auch sympathisch und dachte, das ist cool. Die nehmen mich sofort auf und wollen mit mir über politische Themen diskutieren. Ich hatte auch Möglichkeiten, sofort etwas zu tun. Ich landete dann ziemlich rasch im Vorstand der Kreispartei. Ich durfte dort ein bisschen Verantwortung übernehmen, war zuständig für ein Ämter.
- 30:27Für Standaktionen, ich habe dann eine Geschichte organisiert. Und dann das erste Mal im Jahr 2015 für den Kantonsrat kandidiert. Im Jahr 2015? Genau, das war meine erste Kandidatur für den Kantonsrat. Einfach mal eine erste Erfahrung. Es findet die Wahl statt, am 12. April 2015. «Hey Peppi, du hast Lust auf die Liste zu gehen.» «Ja voll, ich probiere es jetzt mal.»
- 30:50Ja, und dann mit dem Resultat und mit dem Wahlkampf zuerst, aber auch das Resultat, haben mich dann darin bestätigt, dass ich es erstens gerne mache und irgendwie noch gut ankomme. Offenbar, weil ich ein gutes Resultat hatte. Ich wurde fast gewählt, wegen 20, 30 Stimmen damals. Ui, wie knapp. Zu meiner Überraschung und zur Überraschung von vielen auch.
- 31:06Es hat mir aber auch Spass gemacht, die politische Botschaft zu überbringen. Ich war auch gerne unterwegs bei den Leuten. Das ist das, was mir am meisten Spass macht politisch. Im Wahlkampf unterwegs zu sein, in den Quartieren, bei den Unternehmen, bei den Organisationen. Einfach bei den Leuten unterwegs zu sein, mit ihnen zu sprechen.
- 31:23Und auch zu verstehen, was ihre Probleme sind, logisch, und diese dann politisch mit reinzutragen. Und nachdem ich dann motiviert war, habe ich dann gesagt, ich möchte jetzt weitermachen und bin Präsident der Kreispartei geworden, also FDP Kreis 9. Die FDP ist in der Stadt in so Suborganisationen, wenn man so will, organisiert. Jeder Kreis hat eine eigene Organisation.
- 31:44Ist das bei jeder Partei so? Ja, bei den meisten. Die grösseren Parteien haben sicher für jeden Kreis eine eigene Partei. Andere haben das eher zusammengefasst. Aber man tut sich schon regional... Die Stadt Zürich ist halt schon sehr gross. Und dann... Im 17. wurde ich Präsident. Im 18. kandidiere ich für den Gemeinderat. Das ist das Stadtparlament. Also du wurdest im 17. Präsident... ...von der Kreispartei.
- 32:07Und dann um 18 Uhr kandidiere ich für den Gemeinderat, das Stadtparlament von Zürich. Und dann wurde ich auf Aib gerade gewählt. Ich startete auf dem 5. Platz und kam auf den 3. Platz und wurde gerade auf Aib gewählt im Parlament. Gratuliere, Lars. Ja, danke. Ich meine, das Erlebnis war unglaublich. Ich kann mich immer noch daran erinnern. Ich wurde um 22 Jahre wiedergewählt. Aber das war nochmal eine Wiederwahl. Aber es ist anders als das erste Mal gewählt zu werden. Ich meine, ich habe das nicht für möglich gehalten.
- 32:35Jetzt ist der kleine Pepper im Aftili, der Junge aus Altstetten mit all seinen Problemen und Geschichten und was auch immer, ist jetzt Mitglied des Parlaments und vertritt den Kreis 9 und politisiert und gestaltet jetzt mit, was politisch in seiner Stadt abgehen darf. Es ist ein unglaubliches Privileg, das zu machen und eine unglaubliche Ehre.
- 33:01Als Sekundo, wo ich mit ganz vielen Struggles im Leben umgehen musste, wo ganz anders aufgewachsen ist, mit genau dem Gegenteil, was du jetzt tust, auch in die Welt zu tragen. Also eine riesen Leistung.
- 33:20Ja, das hat mich auch unglaublich stolz gemacht. Meine Eltern auch, also die Mutter vor allem. Der Vater ist eher etwas kühl unterwegs. Es ist okay. Ich bin halt ein bisschen traditionell erzogen, wo die Mutter sehr emotional ist und der Vater etwas kühl. Und was hast du bis jetzt nicht gut gemacht?
- 33:41«Wieso gibt es Dich dort? Was machst Du da?» «Was machst Du konkret dort?» Und die Mutter ist mega stolz und erzählt allen, was ich... «Mega herzig.» «Übertrieben teilweise auch und so, wie es halt ist.» «Du bist auch Bundespräsident.» «Im Nordbüro im Nordbüro.» «Genau, ja. Das sagen die immer, hey, cool.» «Aber es macht einen auch unglaublich stolz, dass man dieses Amt tragen darf, dass man diese Aufgabe annehmen darf. Und dann wächst es auch ein wenig darin, weil zuerst hast du eine sehr theoretische, ideologische Vorstellung, wie die Füsse laufen müssen.
- 34:08Und dann wirst du natürlich mit dem Parlament, mit der ganzen Kommissionsarbeit, mit all diesen Geschäften sehr konkret mit realpolitischen Verhältnissen konfrontiert. Und es ist auch mega spannend, mit verschiedensten Ideen, verschiedensten Menschen, aus verschiedensten persönlichen Erfahrungen zusammenzukommen und die Stadt politisch mitzugestalten. Was auch hier ein unglaubliches Privileg ist, dass wir das in der Schweiz machen können. Gerade auch vor dem Hintergrund, wenn man sieht, wie...
- 34:36wie andere Staaten auf diesem Planeten organisiert sind, wo die Menschen nicht so viele Möglichkeiten und Rechte haben, um sich einzubringen. Und das ist etwas, was mich nach wie vor motiviert, dass wir Menschen dafür sensibilisieren und mobilisieren, motivieren, sich an politischen Prozessen zu beteiligen und das nicht einfach als Gott gegeben und selbstverständlich hinnehmen, dass es uns gut geht. Das ist ein Resultat des Engagements vieler Menschen.
- 34:58In vielen Bereichen, nicht nur im politischen. Wir leben ja in der Schweiz, aber auch im Umland vielleicht, aber erst in der Schweiz vom Engagement unserer Gesellschaft in all diesen verschiedenen Vereinen und Organisationen, die ehrenamtlich unterwegs sind. Wir sind ein Vereinsland. Ohne die Menschen, die tagtäglich mit ihrem persönlichen Engagement im Einsatz sind,
- 35:22im Bildungsbereich ist, ob das im Fussball ist oder im Sport ist. Ich sage immer, für mich ist jeder Fussballtrainer oder Trainerin, der dreimal in der Woche Junioren geht, einfach ehrenamtlich trainieren kann am Abend, ein absoluter Held. Weil ohne ihn oder ohne sie würde das komplette System, würde die ganze Schweiz kollabieren, würde das komplett zusammenfallen.
- 35:42Darum ist es wichtig, dass man sich einbringt. Es ist verständlich, dass man ein privates Leben führt mit seiner Familie, dass man geht arbeiten, um davon zu leben. Darum ist es wichtig, dass eine gute Wirtschaft den Menschen einen guten Arbeitsplatz, einen Ausbildungsplatz bieten kann. Einen Arbeitsplatz, wo sie mit ihrer Arbeit
- 35:59können ein wundervolles Leben führen, also ein Lohn auch dahinter kommt. Aber für das braucht es eine gute Wirtschaft, die das ermöglicht. Und dann aber auch darüber hinaus, sich auch in der Gesellschaft einzubringen. Dass man sich als Teil einer Gesellschaft sieht, und nicht einfach nur verbarrikadiert in seinen eigenen vier Wänden. Würdest du sagen, die FDP steht wirklich für Freiheit?
- 36:20Ja, absolut. Aber die Freiheit ist ja verschiedentlich definierbar. Jeder Mensch definiert sich gerne für sich selbst. Und Freiheit bedeutet ja auch, sich so zu organisieren, dass man die Freiheit gewährleisten kann. Das bedeutet, dass wir einen guten Rechtsstaat, einen funktionierenden Rechtsstaat haben, der die Freiheit gewährleistet, dass nicht irgendjemand die Freiheit von dir einschneidet.
- 36:46Freiheit bedeutet aber auch auf der anderen Seite, dass wir ein wirtschaftliches System haben, um die Freiheit und Unabhängigkeit von einem Menschen zu ermöglichen. Nur dann, wenn ein Mensch mit seinem persönlichen Einsatz davon leben kann, also eben in einem guten wirtschaftlichen System, nur dann können wir sicherstellen, dass der Mensch auch unabhängig und frei bleiben kann. Und Freiheit bedeutet auch selbstverständlich, dass wir dann einem Menschen auch, falls es mal nicht gut kommt, eben unseren Sozialstaat
- 37:15so organisiert, dass er zu diesen Menschen schaut, um ihn trotzdem würdevoll zu begleiten und zu unterstützen, damit er wieder vielleicht integriert werden kann in das Arbeitssystem. Oder überhaupt. Es gibt auch Menschen, die unterschiedliche Möglichkeiten haben.
- 37:33Chancengerechtigkeit zu ermöglichen. Und Chancengerechtigkeit ist am Ende des Tages auch ein bisschen individuell, oder? Weil Menschen mit einer körperlichen Einschränkung haben eine andere Ausgangslage als wir zwei beispielsweise.
- 37:47Ich glaube, in den letzten Jahren hat sich vor allem bei der Politik sehr viel getan, wenn es um Menschen geht, die sich politisch engagieren. Ich glaube, es wird immer jünger. Ich glaube, es gibt immer mehr junge Leute, die in die Politik gehen. Und vielleicht ist das geschuldet am Social Media, was ja ein sehr guter Effekt wäre. Für mich ist es so, wir hatten immer eine sehr politisch engagierte Familie. Die Grosseltern sind...
- 38:14SVP-Abartig, wo wir eigentlich Mami-Seite, Segondos, also ich bin jetzt ein Derso, kann man sagen, aber sie waren immer sehr stark SVP-geblieben und viele Sachen konnte ich einfach nie wirklich gut für mich annehmen oder verinnerlichen. Und für mich war es immer so, dass die Politik für die Eltern, für die Grosseltern,
- 38:38Heute sehe ich das ganz anders, vor allem seit ich mich selbstständig gemacht habe und das Unternehmen gegründet habe, ist für mich Politik immer ein wichtigeres Thema geworden. Und ich sehe den Switch der Leute, die sich politisch engagieren, die immer jünger werden. Was würdest du jetzt an jungen Personen sagen, die sagen, «Hey, Politik ist doch eh wahrscheinlich nur Show.» Ach klar, wir leben in einem Land, wo man sieht, dass Politik nicht einfach nur Show ist. Natürlich gehört...
- 39:07Menschen machen aus der Politik schon daraus heraus, weil man ja mitteilen, verkünden will, was man gemacht hat. Und so erleben wir die Politik als Teil der Show. Jeder Marketingexperte würde einem sagen, tu Gutes und rede darüber. Und das mündet dann sehr oft in Show.
- 39:27wenn man etwas Gutes gemacht hat, weil man seinen Wählerinnen und Wählern mitteilt, was sie gemacht haben. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass sie das und das bekommen. Dann wirkt das vielleicht, wie es schon wichtig ist. Ich finde es schon okay, es muss jeder für sich entscheiden. Ich finde, es verträgt, wenn im Hintergrund aber auch der Inhalt stimmt, wenn die Arbeit im Hintergrund auch stimmt, die geleistet wurde.
- 39:52Dann ist aber auch ganz wichtig, und das ist vielleicht in einer schnelllebigen Welt, die vielleicht viele Junge heute auch erleben, über die ganzen sozialen Medien, dass man auch akzeptieren muss, dass die Mühlen der Politik sehr langsam mahlen. Das hat teilweise mit einer bürokratischen Problematik zu tun, dass man unsere Verwaltungen schon so verbürokratisiert hat in den westlichen Gesellschaften und Ländern,
- 40:18Dass wir uns selber teilweise hindern, das sehe ich durchaus, gerade auch als Liberaler, dass wir ein Problem haben. Wir haben ein Staatsapparat aufgebläht, das nicht mehr effizient ist, das träge ist, das nicht mehr effizient ist.
- 40:34Unternehmer ist ein Geist, der teilweise gar nicht mehr zulässt. Das ist wirklich nicht gut. Auch neue Ideen gar nicht mehr zulässt. Wenn wir für alles 17 Millionen Gesetze und Auflagen und Regeln haben, dann kannst du nichts Neues mehr zulassen. Das ist nicht gut. Da müssen wir ein wenig aufpassen, dass es dann nicht irgendwann kippt. Ich habe das Gefühl, da sind wir langsam in einer Situation, gerade wenn wir das Nachbarland im Norden anschauen, Deutschland, das sich kaputt gewirtschaftet hat wegen dem.
- 41:02Aber es hat auch etwas mit dem politischen System zu tun. Eine gewisse Trägheit in der Politik wird es immer geben. Das führt auch zu einer Stabilität auf der anderen Seite. Das hat aber auch damit zu tun, dass wir keinen König haben in diesem Land, keinen Diktator haben.
- 41:18die eine Idee hat und sie dann sofort umsetzt, sondern dass wir einen politisch-demokratischen Prozess haben, Gewaltenteilungen haben zwischen der Regierung, dem Parlament und dem Gericht einerseits, dass wir auch in einem föderalistischen System auf drei verschiedenen Ebenen politisieren, also auf der Gemeindesebene, auf der kantonalen Ebene und auf der nationalen Ebene, dass wir so viele verschiedene Kantone haben mit verschiedenen Ansprüchen,
- 41:43verschiedenen Bedürfnissen und verschiedenen Ausgangslagen. Und das führt halt dazu, wenn man Sachen in der Schweiz vorwärts bringen will, verändern, dass du alle, wenn möglich, berücksichtigen musst oder eine grosse, breite Mehrheit von deinen Ideen überzeugen musst.
- 41:59dass du durch all diese verschiedenen Ebenen den gesamten Prozess einmal durchspielen musst. Und dafür braucht es Zeit. Und dann sind natürlich noch verschiedene Parteien mit verschiedenen politischen Interessen. Und dann musst du auch Kompromisse finden, weil keine Partei in der Schweiz, und das ist übrigens auch etwas Gutes, was wir haben, dass du keine Partei in der Schweiz hast, die alleine regiert, sondern dass du immer davon abhängig bist, mit anderen zusammenzuarbeiten. Wenn du mit anderen zusammenarbeiten musst, dann kommst du aus deiner eigenen
- 42:30Komfortzonen raus, dann musst du dich bewegen, dann musst du anfangen zu verhandeln, dann musst du vor allem Kompromisse machen. Und man hat immer das Gefühl, in einer polarisierten Auseinandersetzung, wie man sie heute erlebt, gerade auch wenn man das Ausland anschaut. Und da hast du auch ein sehr schlechtes Beispiel, weil es ist entweder oder, es ist immer die Republikaner oder die Demokraten.
- 42:54Entweder sagen die Republikaner, dass die Demokraten schlecht sind, oder die Republikaner sagen, dass die Republikaner schlecht sind. Man muss keinen Kompromiss miteinander finden. Das führt schliesslich auch nicht zu guten Lösungen. Das führt auch dazu, glaube ich, gerade über die sozialen Medien, die die jungen Menschen konsumieren, dass man das Gefühl hat, Politik ist das Mittel,
- 43:18politische Vorstellungen in der Absolution durchsetzen können, in den Maximalforderungen. Und so funktioniert Politik nicht. Politik ist ein Vehikel, wo du deine Ideen und Interessen einbringst und gemeinsam mit anderen bessere Lösungen findest, die ein bisschen für die anderen stimmen, ein bisschen für uns stimmen, aber am Schluss unser Land insgesamt vorwärts bringen muss.
- 43:39Das stört mich auch etwas in der Stadt Zürich, dass wir die Politik der Kompromissfähigkeit nicht mehr haben. Sie lebt nicht mehr aktiv. Wir erleben eine sehr starke rot-grüne Dominanz von der linken Seite. Seit ich im Parlament bin,
- 43:57Natürlich haben sie eine Mehrheit, das ist eine demokratische Legitimation. Aber wir leben auch davon, dass wir nicht nur mit einer politischen Stossrichtung Lösungen umsetzen, sondern versuchen auch andere politische Akteure mit an Bord zu holen, auch wenn man vielleicht selber eine Mehrheit hat.
- 44:14So wie es jetzt in der Stadt Zürich mit der SP Grün-AL beispielsweise ist, die untereinander eigentlich nur kleine Differenzen haben. Es sind zwar drei verschiedene Parteien, aber es ist eigentlich ein Einheitsbrei. Und wir reden nicht mehr mit uns, arbeiten nicht mehr mit uns zusammen. Und wir müssen uns wie eine Opposition verhalten, was eigentlich untypisch ist in der Schweiz. In der Schweiz gibt es eigentlich keine Opposition, weil jeder irgendwie mitbeteiligt ist an der politischen Gestaltung.
- 44:36Das führt dann zu was? Beispielsweise zu extremen Positionen wie dem Werbeverbot. Man hat in der Stadt Zürich, ich weiss nicht, ob du das mitbekommen hast, vor ein paar Monaten genau, ein Werbeverbot ausgesprochen. Jetzt hat die Stadtregierung den Auftrag vom Parlament, also von einer Mehrheit, bekommen, zu einer Vorlage umzusetzen, wonach Werbungen im öffentlichen Raum für kommerzielle Zwecke nicht mehr erlaubt sein dürfen. Man muss sich das vorstellen.
- 45:02Man ist sich gar nicht mehr bewusst, wie stark man auch die Meinungsfreiheit einschneidet. Man will Firmen nicht mehr zulassen, ihr Produkt zu bewerben. Das ist ein Einschnitt in die Meinungsfreiheit. Dafür haben die Menschen jahrzehntelang gekämpft. Es wurde viel Blut vergossen in unserem Kontinent, bis wir zu diesen wichtigen zivilisatorischen Errungenschaften gekommen sind. Einerseits. Und auf der anderen Seite macht man eine ganze Werbebranche damit auch kaputt. Wieso wurde das gemacht?
- 45:31Aus einer politisch-ideologischen Vorstellung, weil sie das Gefühl haben, dass Werbung etwas Negatives ist, weil man den Kapitalismus, die Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes bekämpfen will. Kapitalismus, der die Schöpfe schafft, die die Arbeitsstelle schafft. Ja, aber weil man auch nicht mehr mit den Bezug... Ich meine, das ist ja die ideologische Erklärung. Aber die reale Erklärung für mich ist wirklich, weil teilweise Leute am politischen Drücker sind,
- 45:56die den Bezug zur Realität komplett verloren haben. Oder was heisst verloren? Die haben Teil des Garnierrichtigkeits. Das ist eben das Brutale. Ja. Und das führt dann schliesslich genau zu solch einer Politik. Natürlich musst du Rücksicht nehmen im öffentlichen Raum, wie wir den organisieren. Es ist ja nicht so, dass du alles zulässt. Selbstverständlich nicht. Dass du regulierst, was du... Absolut. Sicher. Natürlich wollen wir keinen faschistischen Müll auf unseren Plakaten in Zürich haben.
- 46:22Oder sexualisierte Gewalt. Um das geht es gar nicht. Dafür gibt es ja schon gesetzliche, strafrechtliche Bestimmungen. Finde ich auch richtig übrigens.
- 46:35Aber wenn du nicht mehr weisst, wie der Wohlstand, den wir geniessen, woher der wegkommt, dann läuft die Gefahr, dass wir ihn wegbringen. Das ist aktuell leider in der Stadt Zürich, so erlebe ich das, immer stärker am Zunehmen einer politischen Mentalität. Darum trete ich auch an, ich wurde ja 2022 wiedergewählt und jetzt trete ich an für den 8. März als Stadtpräsident von Zürich, damit wir Zürich endlich
- 47:05anfangen, als das zu gestalten, was sie ist, als Grossstadt, als Wirtschaftszentrum, als Kulturzentrum und als Wissenszentrum, das die Leute auch mit ihrem persönlichen Engagement in einer Vielfalt dieser Gesellschaft, wie wir sie erleben und leben, unsere Stadt gemeinsam für sie zu bringen. Ein Stadtpräsident hat wie viel Einfluss auf die Wege, die eine Stadt gehen kann?
- 47:32Du sagst selbst, es ist ein Zusammenschaffen mit allen schlussendlich. Aber wie fest ist die Beeinflussung von einem Stadtpräsidenten? Der Stadtpräsident ist natürlich nicht der König von Zürich. Das ist auch gut so. Obwohl, eine Krone würde dir schon gut stehen. Nein, als Liberaler bin ich alles andere als ein Fan von Monarchien. Aber...
- 47:54Natürlich führt der Stadtpräsident in erster Linie das Gremium des Stadtrats mit acht weiteren Stadträtinnen und Stadträten. Das ist die Regierung, sie verantwortet in der Exekutive auch die ganze Verwaltung. Auf der anderen Seite die politische Arbeit der Verwaltung, innerhalb des Ruhms und der Kompetenzen, wie sie geregelt ist mit dem kantonalen Gemeindegesetz usw.
- 48:22Auf der anderen Seite gibt es natürlich das Parlament. Natürlich ist am Schluss das Zusammenspiel wichtig, weil der Stadtpräsident allein nicht die ganze Stadt nach seiner Vorstellung umgestalten kann, was ja auch gut ist. Das bedeutet, dass der Stadtpräsident natürlich zwingend mit anderen zusammenarbeiten muss, mit dem Stadtrat einerseits, auch dort die Mehrheit suchen muss, auf das Parlament eingehen muss. Aber er hat natürlich durchaus, wenn er dann so...
- 48:50wenn man als Stadtpräsident gewählt wird, der Auftrag der Bevölkerung, um Leadership und Führungsverantwortung für die Stadt zu übernehmen und Themen-Settings zu betreiben und zu definieren, welche Themen wir prioritär angehen. Und dort habe ich auch das Gefühl, dass man teilweise die falschen Prioritäten setzt.
- 49:07Das ist für mich auch völlig klar, dass ich mich als Stadtpräsident diesen Themen nahe nehme, die wir in der Zuständigkeit einer Stadt haben und aber auch die Probleme der Bevölkerung sind.
- 49:22Es ist ja nicht ein grosses Geheimnis oder Schwierigkeit, es ist keine Rocket Science, um herauszufinden, was die Probleme der Leute in der Stadt sind. Die Probleme sind die Wohnungen, fehlender Wohnraum, fehlender bezahlbarer Wohnraum. Die Probleme sind die höhere Kosten insgesamt fürs Leben, die man als Stadt aber nicht unbedingt eingreifen kann. Das Problem ist das Verkehrschaos, das man in der Stadt angerichtet hat.
- 49:49Eine unglaubliche Belastung für alle Menschen, also ein sogenannter Dichtestress, den man mit schlauen Mitteln lösen könnte, meines Erachtens. Und das Problem sind auch die Finanzen der Stadt Zürich. Wir laufen auch dort in ein Risiko. Und im Moment hat man nicht das Gefühl, dass man sich mit diesen Problemen annimmt. Und darum, als Stadtpräsident würde ich mich direkt, ob ich jetzt in direkter Verantwortung zu diesen Themen stehe oder nicht, spielt keine Rolle. Ich würde mich diesen Problemen in der Priorität annehmen und das Wohnproblem beispielsweise nicht einfach abdelegieren,
- 50:17der Beamten oder der Verwaltung. Nicht, weil das schlechte Leute sind, aber das sind am Schluss auch nur Leute, die ausführen müssen, was die Politik ihnen in Auftrag gibt. Sondern weil ich das als klare höchste Priorität für die Stadtpolitik identifiziere. Und dann können wir auch gerne über andere Probleme reden. Dann können wir auch gerne darüber reden, wie wir miteinander kommunizieren. Wir können auch gerne darüber reden, ob wir alle Tafeln erneuern müssen, damit alle schön aussehen oder nicht. Aber zuerst, wenn wir über die wichtigen Probleme reden.
- 50:43Vor kurzem wurde ein Entscheid mit der E-Idee getroffen. Wie siehst du das, Technologien per se umzusetzen für einfachere Bürokratie?
- 50:58Ja unbedingt. Ich glaube, da ist übrigens auch etwas, wo wir krass verschlafen sind. Auch die Chancen, die wir haben. Ich glaube auch. Und zwar gerade auch für Zürich. Zürich ist ja gemeint. So wie Dielsdorf auch. Oder Wallisälen.
- 51:14Aber dadurch, dass Zürich doch eine grosse Gemeinde ist, oder ein Wirtschaftszentrum, nicht nur wegen seinem Finanzplatz, der ist zentral, der ist auch wichtig, Finanz- und Bankenplatz, sondern auch, weil es insgesamt ein Wirtschaftszentrum ist, unglaubliche wirtschaftliche Leistungen, die daraus kommen mit der Wertschöpfung,
- 51:35ein Kultur-, aber auch ein Wissenszentrum mit unseren Hochschulen, Universitäten und wichtigen kulturellen Institutionen, haben wir schon einmal eine andere Verantwortung als eine andere gemeint. Und das darf man durchaus sich bewusst sein und sich auch so positionieren. Wir als Zürich stehen im internationalen Wettbewerb auf der globalen Ebene.
- 51:58Vielleicht in einem kleineren Kontext und weit über unsere Stadtgrenze hinaus. Darum ist es auch wichtig, dass wir eine gute Anbindung zu einem Flughafen haben, auch wenn das nicht auf dem Stadtboden ist. Aber das ist im Interesse von Zürich. Und da passiert Unglaubliches. Ich war gerade in den letzten paar Wochen sehr viel unterwegs an verschiedenen Events und Summits im AI- und Crypto-Valley-Bereich.
- 52:20Gerade auch weil Zürich prädestiniert ist wegen seinem Finanzplatz und den Unis und Hochschulen, die wir haben, haben wir dort eine interessante Branche, die sich recht stark weiterentwickelt.
- 52:34aus der eigenen Kraft heraus. Ich rede jetzt nicht nur von... Natürlich sind wir auch ein Hotspot von Unternehmen, internationalen amerikanischen Unternehmen, die zu uns kommen und sich von da aus weiterentwickeln wollen. Das ist auch gut so. Aber wir haben ganz viele schlaue Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Bereich, die...
- 52:55Innovationen mit ihren Start-ups und wo wir politisch ein bisschen verschlafen. Politisch verschlafen einerseits die Wichtigkeit, um einen besseren Rahmen dafür zu schaffen, dass sie sich auch besser weiterentwickeln können. Und da kann eine Stadt Zürich lobbyieren. Natürlich ist das eine kantonale und nationale Politik. Aber als Stadt Zürich kann man dafür lobbyieren, dass man Sorge hält zu diesem Wirtschaftsflieg, der immer grösser wird. Aber eben auch, und das ist das, was du ansprichst, wie wir mit unseren Verwaltungen auch umgehen. Darum, ich würde klar dafür einstehen,
- 53:25Nicht aus einer protektionistischen Haltung, dass man nur Schweizer Produkte kaufen muss. Der Markt ist offen, soll auch so bleiben. Aber auch, wenn es gerade um Themen wie Datenschutz geht, um Sicherheit geht, dass man vielleicht auch auf die eigenen Leute, auf die eigenen Unternehmungen, die man vor Ort hat, zugeht und mit ihnen die Lösungen erarbeitet. Und Digitalisierung, jeder spricht von Digitalisierung, dass das eigentlich ein No-Brainer müsste sein.
- 53:50dass man die Verwaltung komplett dem ausrichten lässt. Natürlich auch immer Rücksicht nehmen auf all die Menschen, die vielleicht noch keinen Zugang haben oder auf ältere Menschen. Da gibt es alles Lösungen dafür. Aber dafür finden wir alles Lösungen. Und auch schon das Gefühl, dass man das teilweise verschlafen tut. Und dabei hat man so viel Know-how, so viele Leute in unserer Stadt, die man meines Erachtens ganz klar zu wenig nutzt. Okay, sehr gut.
- 54:12Unternehmertum per se, wie siehst du das aus politischer Sicht, um Unternehmertum in der Stadt Zürich oder allgemein in der Schweiz zu stärken?
- 54:26Ich habe gesagt, wichtig ist, dass wir ein wirtschaftliches System schaffen, das im Dienst der Gesellschaft steht. Das ist für mich auch wichtig. Wirtschaft muss im Dienst der Gesellschaft stehen. Aber die Wirtschaft, das ist ein dehnbarer Oberbegriff, aber die Wirtschaft muss in einem Rahmen organisiert werden, dass, wenn man will, dass sie im Dienst der Gesellschaft steht, dass sie auch funktioniert.
- 54:53Arbeitsplätze ermöglichen, wo die Menschen mit ihrer Arbeit ein wiedervolles Leben führen können. Und dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, damit die Wirtschaft etwas leisten kann.
- 55:04dass sie investieren können, dass sie auch Gewinn erwirtschaften können. Oft führt man eine Debatte darüber, ob das gut ist oder schlecht ist, wenn ein Unternehmen Gewinn erwirtschaftet. Das ist eine völlig absurde Diskussion. Ein Unternehmen, das keinen Gewinn erwirtschaftet, ist nachher kein Unternehmen mehr. Das macht dann zu. Das ist eine ganz einfache Geschichte. Ein Unternehmen, das keinen Gewinn erwirtschaftet, kann gar keine Investitionen tätigen.
- 55:27Man kann nicht in Ausbildungsplätze investieren, nicht in die Infrastruktur investieren, nicht in die Forschung und Entwicklung von weiteren neuen Ideen und Innovationen arbeiten. Das ist für viele Leute klar, aber oftmals stellt man fest, dass auch dort die Leute andere Meinungen haben.
- 55:42Ich finde, das ist keine Meinung. Das ist ein physikalisches Naturgesetz. Das ist keine Frage einer Meinung. Aber gewisse Leute sind einfach weit weg von der Realität, dass man sich das einfach nicht bewusst ist. Und darum braucht es gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
- 55:59Eine vielfältige Wirtschaft, dass man auch... Natürlich ist Zürich sehr konzentriert auf den Banken- und Finanzplätzen, aber wir haben beispielsweise einen Industrieplatz bei uns vor Ort, den man oftmals vergibt, also eine Schwereindustrie, mit verschiedenen Unternehmen, ein Mischweissplatz einerseits in Oerlikon, in Altstetten, die ebenfalls relevant sind für unsere Stadt, dass man auch Berücksichtigung tut.
- 56:24In einer Wirtschaftsstadt Zürich gehört dazu, dass ein Sattelschlepper dort eine Ware anliefern muss und die Ware wieder heraus tragen, um sie neu auszuliefern, wo auch immer auf dieser Welt, wo sie dann halt bestellt wird, weil auch das schafft Wertschöpfung an Arbeitsplätzen und Ausbildungsplätzen.
- 56:41Das Steuerthema ist nur eines von vielen. Die Steuerbelastung für die Unternehmigen. Es braucht natürlich auch andere Rahmenbedingungen. Es braucht Rahmenbedingungen für die Unternehmigen, dass sie auch die Arbeitsplätze können. Und wenn es in Zürich arbeitet, dass man attraktiv ist, um dort zu leben und zu arbeiten.
- 57:01Ein gutes ÖV-Netz hat beispielsweise eine gute Infrastruktur vor Ort, eine angemessene Steuerbelastung, eine nicht überbordende Bürokratie, effiziente Verwaltungsprozesse und, und, und. Und das ist etwas, was sich in der Stadt vor allem annehmen kann. Ich glaube, wir müssen immer darüber reden, oder?
- 57:21ich in meiner Funktion, darüber sprechen, was wir aus der Stadt heraus machen können. Nicht, was jetzt gerade global passiert. Das, was global passiert, müssen wir immer berücksichtigen und ummünzen auf die Herausforderungen, die wir aber am Ende des Tages in der Stadt haben. Und da gibt es ganz viele Herausforderungen,
- 57:38Auch gerade für das kleine Gewerbe beispielsweise. Wir haben teilweise wirklich ein Läderchen sterben. Nicht nur in dieser Stadt, sondern auch in den Quartieren. Gerade wegen der Verkehrspolitik. Oder beispielsweise das Thema Auto am Parkplatz. Natürlich kann die Stadt nicht so gestaltet werden, dass jeder mit dem Auto durch die Stadt fahren muss. Das ist ja gar nicht erstrebenswert, meines Erachtens. Das wäre völlig ineffizient von den Ressourcen. Und darum braucht es ein gutes ÖV-Netz, meines Erachtens. Die Grossstadt lebt davon, dass wir ein gut funktionierendes, effizientes ÖV-Netz haben.
- 58:08Aber es wird nach wie vor Menschen brauchen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Ich sage das für die persönliche Arbeit einerseits, oder aber auch das Gewerbe, das darauf angewiesen ist, dass man eine Anbindung hat zum motorisierten Individualverkehr.
- 58:29Hey, ultra spannend. Es fliessen so viele Sachen ineinander rein, dass man das oft gar nicht vor dem Kopf, vor den Augen hat, was das alles für Themen sind, die miteinander verzwickt sind, um etwas wirklich zum Laufen zu bringen.
- 58:45Ja, ich finde, du bist seit... wie viele Jahre sind das? 15 Jahre in der Politik? Ja, so richtig aktiv 10 Jahre, oder? Ja, 10, 11, 12 Jahre. So ein bisschen aktiver, genau. Und jetzt seit 18 im Parlament vor allem, ja. Und da kommen wir natürlich schon, das ist ein riesiger Rucksack an Erfahrungen, die da zusammenkommen. Wie kann man dich jetzt auf deinem Weg am besten unterstützen?
- 59:08Ja, indem wir am 8. März alle gemeinsam wählen. Und vor allem, was mir auch wichtig ist, ist, dass man den Eindruck hat in der Stadt Zürich, dass es ein Naturgesetz ist, dass der nächste Stadtpräsident von der SP muss kommen. Weil man die SP als sehr dominierende, starke Partei erlebt. Und dass die Stadt Zürich eine Erdmonarchie ist, wo die aktuellen Stadtpräsidenten entscheiden, wer der nächste Stadtpräsident ist.
- 59:33So einfach geht es nicht. Wir leben immer noch in einem demokratischen System. Am Schluss entscheiden die Wähler, wer der nächste Stadtpräsident ist. Ich glaube, wir erleben im Moment ein Sättigungsgefühl, politisch auf der einen Seite, wo man nicht mehr weitere Ideen hat, wie man unsere Stadt weiterbringen kann.
- 59:53die aktuelle grosse Herausforderung und Probleme anpackt. Im Wohnen oder im Verkehr, über das wir gerade gesprochen haben. Aber auch die Herausforderung der Finanzen mit der Verschuldung, die immer mehr zunimmt in unserer Stadt. Da braucht es neuen politischen frischen Wind. Da braucht es neue politische Ideen von jemandem, der die Stadt gut kennt. Ich bin in Zürich-Altstedt aufgewachsen, in einem Arbeiterviertel.
- 1:00:17hat mich insofern geprägt, als dass ich die Bevölkerung verstanden habe. Die Bevölkerung in seiner Vielfalt aber auch verstanden, gerade auch vielleicht, weil ich doch auch andere Wurzeln habe. Und Stadtschule lebt ja davon, dass wir eine vielfältige Bevölkerung sind, mit all seinen verschiedenen Quartieren.
- 1:00:35Mein Rucksack, den ich mitnehme, auch aus meiner beruflichen Erfahrung, mit meinem persönlichen Werdegang, glaube ich, zeichnet mich dann dafür aus, dass ich diese Verantwortung und Aufgabe meistern kann, damit wir ab dem 8. März einen neuen politischen frischen Wind haben, damit wir ab dem 8. März eine neue Stapel für Zürich haben. Mein Ziel ist es, darum auch ganz viele Menschen zu mobilisieren und zu sensibilisieren für die Politik, die vielleicht bis jetzt gar nicht den Glauben hatten, dass man etwas verändern kann.
- 1:01:05Und dort appelliere ich an die Leute, mit eurer Stimme können wir etwas machen. Mit eurer Stimme habt ihr auch eine Vertretung am 8. März. Das habt ihr heute schon bereits im Parlament mit mir selbstverständlich, mit ganz vielen anderen Leuten. Aber mit eurer Stimme können wir sicherstellen, dass wir die Stadt Zürich nicht mehr nur verwalten, sondern auch aktiv gestalten, ganz im Sinne dieser grossen, vielfältigen Stadt, wie sie ist.
- 1:01:28Du hast es schon angesprochen, möglichst viele sollten wählen gehen, egal was für eine Partei, was für ein Politiker. Wie kann man das aber erreichen, dass mehr Leute abstimmen können? Ich meine, ich sehe es in vielen anderen Ländern, digitale Abstimmungen sind schon möglich. Sind wir da auch schon ein bisschen am Schlafen oder gibt es da auch schon Lösungsansätze, wo man sagen kann, hey, das wäre doch ein Step zum Gehen?
- 1:01:57Ich glaube, ein Mittel ist, darüber zu reden, ein Mittel ist, indem man Politik zum Thema macht und Politiker an Podcasts einlädt, so wie du das jetzt machst. Herzlich willkommen. Oder Menschen, die Politik machen, Podcasts einlädt. Und das ist wirklich wichtig, weil du hast nochmal eine völlig andere Zielgruppe, die du ansprechen kannst, wo wir über diesen Weg jetzt Menschen vielleicht auch sensibilisieren können, um an diesem politischen Prozess teilzunehmen. Ja.
- 1:02:26Du hast das E-Voting angesprochen, da bin ich etwas geteilter Meinung. Einerseits schlägt mein Herz vom effizienten digitalen Prozess, bei dem ich absolut bei dir bin. Auf der anderen Seite haben wir auch ein Risiko von Wahlfälschungen, die dadurch erhöht werden, weil es keine absolute Sicherheit über diesen Weg gibt. Dass man auch systematisch, auch über aktuelle Prozesse mit dem Stimmzettel, der nach Hause geschickt wird, welchen man wälschen kann. Aber nicht systematisch zumindest. Da können einzelne Fälschungen passieren oder Fehler oder was auch immer.
- 1:02:55Aber auf dem anderen Weg kann man wirklich systematisch, man erlebt ja gerade weltweit, was die verschiedenen Staaten für Angriffe starten, auf andere Systeme. Und dort sehe ich die Gefahr des Vertrauens, das in die Institutionen und in die Demokratie schwindet. Also da bin ich ein bisschen unschlüssig. Du merkst, im Klinsch zwischen diesen zwei Systemen
- 1:03:18Sichtweise. Ich glaube, bevor wir weiter über die Themen sprechen, die es für die Zukunft braucht, müssen wir schon den Versuch starten, die Menschen zu erreichen, und zwar dort, wo sie sind, logischerweise. Und auch zu akzeptieren, dass wir verschiedene Bevölkerungsgruppen in unserer Stadt haben.
- 1:03:35Wir haben verschiedene Anspruchsgruppen. Die Jungen interessieren andere Themen, wie die Eltern vielleicht. Interessieren Frauen diese Themen und Männer diese Themen? Dann gibt es Themen, die vielleicht eher anspricht als nicht. Und dort muss man versuchen, mit verschiedensten Mitteln möglichst viele Leute zu erreichen. Und das ist das, was ich vor allem auch immer gemacht habe in der Vergangenheit und auch weiter möchte machen. Menschen für Politik begeistern ist vielleicht das falsche Wort. Zumindest sensibilisieren, dass sie am politischen Prozess teilnehmen.
- 1:04:03die vielleicht in der Vergangenheit bis jetzt wie niemanden hatten, womit sie sich identifizieren konnten. Und ich mit meiner Kandidatur ihnen eine Stimme geben möchte und sagen, ich bin einer von euch, ich bin Stadtzürcher. Und schlussendlich ist Politik fürs Volk und nicht für sein eigenes Ego. Vielleicht nutzen die Leute das für sein eigenes Ego, aber schlussendlich ist Politik fürs Volk da. Und daran sollte man etwas andocken.
- 1:04:32Unbedingt. Wir sind noch nicht ganz fertig. Auf jeden Fall, stimmen unbedingt. Wir erwähnen es auf jeden Fall. 8. März ist Stichtag, oder? Genau. Aber wir haben jetzt noch eine Schnellfeuerrunde für dich. Oh. Unvorbereitet. Genau so soll es sein.
- 1:04:49Das soll ja die Idee sein. Genau, richtig. Wir haben 10 Fragen für dich. Vielleicht etwas humorvoll, vielleicht weniger. Du kannst antworten, wie du willst. Es gibt keine Richtigkeit, keine Falschheit. Möglichst nicht lange überlegen. Bist du ready? Ja. Das war schon die erste Frage. Was ist das Peinlichste, was dir je in der Öffentlichkeit passiert ist?
- 1:05:17Das Peinlichste? Ähm... puh. Da ist ein Seichel rausgelaufen, der nicht gestimmt hat. An einer FDP-Veranstaltung habe ich mal jemanden begrüsst. Habe ich aber noch nie erzählt. Wo... Ja, es war schon ein bisschen peinlich. Ich habe einen Gast begrüsst und mich offenbar nicht gut vorbereitet. Und dann ihn falsch vorgestellt.
- 1:05:47Und wie viele Leute waren da vorne? Es waren schon etwa 100 Leute vor Ort. Ein, zwei Leute haben es dann schon geschnallt und haben mich nachher im Aperol darauf angesprochen. Da dachte ich mir, das war jetzt ein bisschen doof. Und als Präsident der FDP war das sicher peinlich, aber sonst, ich weiss nicht, es gab vielleicht auch sonst mal Situationen.
- 1:06:11Ich gehe da sehr unbeschwert mit mir selbst rum. Das ist gut. Das macht es auch einfacher. Ja, man kann auch nicht so viel peinlich sein. Genau. Das stimmt. Also, wenn Zürich ein Mensch wäre, wie würdest du ihn beschreiben?
- 1:06:28So wie mich. Schön! So wie du. Also würdest du dich beschreiben? Immer gut gelaunt. Schön. Immer auch der Blick auf die Menschen um sich herum zu haben. Aber doch nach grösserem Leben. Nach grösserem Leben? Ja. Schön. Wunderbar. Was nervt dich an der Schweizer Politik am meisten?
- 1:06:58Die Engstirnigkeit und ein kleines Karrieredenken, dass wir teilweise den Mut nicht haben für die grossen politischen Würfe. Danke. Wen würdest du lieber auf einen Kaffee einladen? Roger Federer oder Elon Musk?
- 1:07:19Früher hatte ich noch ein wenig Schwierigkeiten damit. Aber ich glaube unterdessen, so wie Elon Musk abgedriftet ist, klar Roger Federer, auch wenn er ein Basler ist. Aber es sind unglaubliche Legenden. Und was Elon Musk geschaffen hat, ist doch auch unglaublich faszinierend. Unglaublich. Wie er sich politisch entwickelt hat, ist einfach...
- 1:07:45Genau, so unglaublich. Ja, das stimmt. Aber das sind halt wahrscheinlich... Zwei unglaubliche Geschichten. Es sind so Leute eben so drauf, oder? So unglaubliche Persönlichkeiten, ja. Dass sie immer die Extremen suchen. Das trifft es, glaube ich, am meisten zu. Die Extremen, ja. Definitiv. Dann eine Sache, die deine Freunde immer zum Lachen bringt.
- 1:08:12Ich bin immer ein bisschen für das Eichthaben. Bist du immer ein bisschen für das Eichthaben? Ja, natürlich hat sich das heute ein bisschen normalisiert mit dem Alter.
- 1:08:25Das geben wir dann off-camera auf. Damit wir nicht dich symbolisieren. Aber mit mir kann man schon rumbleibeln. Also du bist einer, mit dir kann man Pferd schalen? Ja, definitiv. Schön, sehr schön. Ein ganzer Stall. Ein ganzer Stall, super. Dann ein Song, den du immer mitsingst.
- 1:08:48Ähm, ja da gibt es ganz viele Songs. Ich bin Red Hot Chili Peppers Fan. Sehr gut. Ja, das sind gute Sachen. Oder, also, und dann ganz viele Songs halt. «Can't Stop» finde ich ganz lässig. Das ist einer, der mich auch ein wenig motiviert. Oder ein Elvis Presleys Song «In the Ghetto», den ich ganz, ganz mag.
- 1:09:11Du hast etwas vom Elbis. Du hast etwas vom Elbis. Wegen der Frisur. Stimmt einfach nicht. Aber es ist ein toller Song. Die Geschichte ist unglaublich. Dann ein perfekter Sonntag für dich. Wie sieht der aus?
- 1:09:30Am Morgen aufstehen, die NZZ am Sonntag holen, mit meiner Partnerin zusammen zu Morgen machen. Das ist immer eine Tradition bei uns. Sie macht immer Sauteigbrot, feines. Und ich mache immer Eivor. Kennst du Eivor?
- 1:09:51Das ist ja fast so ein Zürcher Gericht geworden. Ich liebe Einwahr. Bei mir gibt es immer Einwahr. Und dann mache ich immer am Morgen mit Einwahr und Ei und verschiedensten, also mixe teilweise auch allmögliche Sachen. Dann gehen wir zusammen zwirgeln und dann so starten wir. Das wäre mein perfekter Sonntag, um so zusammen zu starten.
- 1:10:12Und dann schaut man, was man gerade machen will. Aber sicher etwas unternehmen. Ja, etwas unternehmen. Nicht einfach zuhause faul rumliegen. Sehr schön. Wunderbar. Ein wahr von dir. Perfekt. Dann die letzte Frage. Werden Schweizer Politiker unbedingt in einer Reality-TV-Show sollen? In einer Reality-TV-Show? Also in so einem Big Brother oder so? Formatmässig, ja.
- 1:10:41Ja gut, das ist die Frage, wer würde man sich wünschen? Das wäre noch die andere Frage, ja. Ich habe das im Fall, ich weiss gar nicht. Es wäre lustig, einen Bundesrat zu schicken. Irgendjemand mit einem Stock im Arsch, das wäre doch lustig, oder? Das wäre sehr lustig. Ja. Welcher Bundesrat hat den grössten Stock im Arsch? Ich weiss es nicht.
- 1:11:04Ich finde es jetzt doof, wenn ich das jetzt erwähnen würde. Aber es gibt viele Leute, die das wahrscheinlich gut tun, um sich auch mal durchzuschütteln in so einer Show. Also kannst du dich angesprochen fühlen, wenn du den grossen Stock im Arsch hältst? Dann nimmst du die TV schon und wartet auf dich.
- 1:11:22Ehrlich? Love it. Das waren unsere 10 Fragen. Es hat mich extrem gefreut. Bevor wir fertig sind, ist deine Kamera. Wenn du etwas direkt am Publikum sagen möchtest, deinen Zuhörern, deinen Zuschauern, dann ist das jetzt die Begegnung.
- 1:11:38Ja, danke vielmals. Deinen Zuschauern möchte ich vor allem sagen und nachknüpfen, was wir am Anfang gesagt haben. Glück ist nicht etwas, das auf einen wartet, sondern das, worauf man sich suchen muss. Und so ist es auch das Gleiche in der Politik. Wenn man sein politisches Glück suchen möchte und es muss etwas Besseres passieren, dann muss man auch dafür etwas machen. Und in der Schweiz haben wir tatsächlich das grosse Glück,
- 1:12:07dass man mit ganz kleinen Sachen sehr vieles bewegen kann. Und zwar, indem man am politischen Prozess teilnimmt und wählen geht. Und nicht nur selber macht, sondern sein Umfeld auch darauf anspricht. Sehr schön. Ich danke dir vielmals. Ich danke dir vor allem auch für deine Zeit. Du hast sehr viel zu tun. Du bist überall viel unterwegs. Man sieht dich an Galas. Man sieht dich auf Social Media. Du bist überall wirklich sehr engagiert. Danke für deine Arbeit, die du leistest. Auch für Zürich vor allem.
- 1:12:35Und für alle, die hier zugesagt haben, danke vielmals, dass du wieder dabei warst bei «Momentum», deinem Podcast, der inspirierende Persönlichkeiten inspirierende Geschichten erzählt. Heute mit Berparim. Er ist ein Politiker mit Herz für Zürich. Darum, 8. März kann man für ihn wählen gehen. Verpasst das nicht. Spricht vor allem auch euren Mitmenschen darauf an, wie wichtig die Wahlen sind. Wir leben alle in dieser Schweiz. Wir leben alle in diesem wunderschönen Land.
- 1:13:03Ich sage es jedes Mal immer wieder, es gibt wunderschöne Orte der Welt, es gibt schöne Orte am Meer, es gibt schöne Orte an den Bergen. Aber wir in der Schweiz, wir können ein riesiges Glück haben, dass wir hier sind. Das sieht man auch in der ganzen Politik, vor allem wie viele Menschen vom Ausland hierher kommen, weil sie in die Schweiz kommen und das Land geniessen wollen. Darum, wir können von Glück haben, dass wir hier sind. Danke vielmals, dass du eingeschaltet hast. Alles Gute und bis bald.
- 1:13:33It's a wrap. Schön abgeschlossen. Danke vielmals. Das ist eben genau so, wie du es auch sagst.