Latest / STAR FM Rocktalk / Itchy: Mut zur Lücke
Transcript
- 0:00Hi, ich bin Simon und willkommen beim StarFM Rock Talk.
- 0:04Hier bei uns im Sender haben wir ständig Bands und Künstler zu Gast,
- 0:06die wir natürlich selbstverständlich sofort ausfragen. Und da kann es dann um alles gehen.
- 0:11Krasse Geschichten, neue Platten, aber auch Zukunftsvisionen.
- 0:15Und dieses Mal, da war ein Itchy zu Gast. Und zwar am Erscheinungstag ihres
- 0:19neuen Albums Happy Little Accidents.
- 0:21Nach 25 Jahren Bandgeschichte sind die drei aber anscheinend immer noch so ein
- 0:24bisschen nervös an solchen Tagen.
- 0:26Oder einfach nur verdammt gut drauf. Wir sprechen darüber, wie die tiefenentspannte
- 0:30Pinsellegende Bob Ross zum Albumtitel beigetragen hat, wie aus einem schlechten
- 0:34Refrain am Ende doch noch eine Single wird und welcher Song ihm am meisten am Herzen liegt.
- 0:39Ach ja, und am Ende, da erzählen sie mir noch von einer Vinylplatte,
- 0:42auf der tatsächlich ein Song fehlt. Entdeckt von jemandem, der nicht mal einen
- 0:45Plattenspieler besitzt.
- 0:47Also, viel Spaß beim Rocktalk mit Itchy.
- 0:56Dann, Ichi, herzlich willkommen beim Starfm Rock Talk. Schön,
- 0:59dass ihr gekommen seid. Ja, vielen Dank. Danke fürs Einladen.
- 1:03Naja, heute ist ja auch ein ganz besonderer Tag für euch, weil ihr bringt ja
- 1:07euer neues Album Happy Little Accidents raus.
- 1:10Heute? Das ist krass. Das ist wirklich verrückt. Da arbeitet man ewig an so
- 1:13einem Album, schreibt Songs, produziert Demos, geht ins Studio,
- 1:17diskutiert, prügelt sich untereinander und irgendwann ist es soweit und heute ist der große Tag.
- 1:21Da sitzt man bei Starfm da und bringt das Album raus. Ja, wie fühlt sich das an?
- 1:26Also, es ist ja ein großer Anders. Man arbeitet ja schon auch eine gewisse Zeit
- 1:29an so einer Platte irgendwie. Ihr habt es ja schon gesagt, da ist viel Arbeit dahinter.
- 1:33Diesen Release mit neuer Arbeit irgendwie zu feiern, oder?
- 1:36Eigentlich will man doch dann lieber zu Hause sein und einfach froh sein,
- 1:39die Scheiße ist jetzt vorbei und die Leute kaufen das Ding jetzt.
- 1:42Aber nee, ihr müsst um 8.30 Uhr hier irgendwie zu einem Radiosender und endlos
- 1:46über diese Platte reden. Wir dürfen, wir dürfen. Wir machen das ja gerne.
- 1:49Wir wollen den Leuten jetzt ja erzählen, guck mal, hör mal, das ist jetzt da, hör es dir bitte an.
- 1:54Und dann macht das total viel Spaß. Ja, ich finde es wirklich spannend,
- 1:57auch was so für Fragen kommen und so, also wir haben uns ja jetzt da nicht Gedanken
- 2:01gemacht und Antworten vorbereitet, sondern das kommt dann spontan und es ist spannend, macht Spaß.
- 2:07Wir sind echt immer noch nach 25 Jahren und 10 Alben immer noch aufgeregt,
- 2:11wie beim ersten Mal, muss man echt sagen. Also wir sind auch ständig am hier
- 2:14Kommentare checken, was sagen die Leute und finden sie es gut,
- 2:17finden sie es auch so gut wie wir oder gibt es Kritik?
- 2:21Wie findet es Mutti? Meine Mutter hat vorgestern angerufen, die durfte es natürlich
- 2:24schon hören, und hat aus dem Nichtraus gesagt, übrigens, bestes Album ever.
- 2:29Okay. Das ist der größte Ritterschlag. Und was hat sie beim letzten gesagt?
- 2:34Save to save, oder? Sie freut sich dann aufs nächste, hat sie gesagt.
- 2:39Ja, das war hatten gelohnt. Also ihr checkt dann schon regelmäßig so Instagram
- 2:44und YouTube und sowas, wo die Sachen auch irgendwie hochgeladen werden,
- 2:48was die Leute dazu sagen?
- 2:49Oder seid ihr da so ein bisschen vorsichtig? Manchmal hat man ja auch das Gefühl,
- 2:52ich will diese Büchse der Pandora gar nicht öffnen.
- 2:55Doch, doch, da muss man drauf schauen. und wir checken wirklich täglich die Nachrichten.
- 2:59Gerade auch heute Morgen kam schon so viel rein von den Leuten,
- 3:01die die Platte irgendwie in die Kamera halten und sich freuen und ihre Plattenspieler
- 3:06zeigen, wie die Platte rotiert. Und das ist einfach krass, wenn man so lange
- 3:09dran gearbeitet hat und auf einmal können es die Leute hören. Total schön.
- 3:13Ist es auch ein Gefühl der Erleichterung, dass man es jetzt geschafft hat?
- 3:17Ja, ist schon so. Also die Vorbereitung ist schon auch so ein bisschen so.
- 3:20Haben wir alles? Was haben wir vergessen? Haben wir was vergessen? Ist alles am Start?
- 3:24Sind alle Lieder drauf. Sind alle Lieder drauf. Ich wollte gerade sagen,
- 3:26was kann man denn bitte schön vergessen?
- 3:28Also einiges. Ich weiß nicht, ob wir noch auf unsere Vergangenheit kommen,
- 3:31aber man kann auch Songs auf Veröffentlichungen vergessen. Das geht.
- 3:35Da müsst ihr mich unbedingt nachher nochmal dran erinnern. Das darf ich auf keinen Fall vergessen.
- 3:41Ja, ist ein bisschen wie Weihnachten heute. Ist wunderschön.
- 3:44Na dann lass uns mal ein bisschen über das Album reden. Also Happy Little Accidents,
- 3:47da denke ich und vermutlich jeder, der ein bisschen medial geprägt ist,
- 3:52an Bob Ross. Ja, das ist gut beobachtet.
- 3:56Das ist, also wir sind ja Kinder der 80er und da kennen wir natürlich Bob Ross.
- 4:01Also wie oft haben wir nachts vielleicht auch mal betrunken,
- 4:04in einem betrunkenen Zustand. Aber mein ganzes Leben kann ich mich an Bob Ross
- 4:07erinnern. Der war einfach immer da, das ist eine Konstante.
- 4:11Absolut. Und ich habe im letzten Jahr, der läuft tatsächlich immer noch nachts
- 4:13ab 1 Uhr und wenn ich schlecht schlafen kann, was in letzter Zeit irgendwie
- 4:16oft vorkommt, dann schaue ich immer Bob Ross zum Einschlafen.
- 4:19Das bringt mich runter und der hat eben diesen Satz geprägt,
- 4:22Happy Little Accidents, der sagt, es gibt keine Fehler, das sind einfach fröhliche
- 4:26kleine Unfälle und dann macht man da was Schönes draus.
- 4:28Und wir sind halt eine Band, die viele fröhliche Unfälle hat.
- 4:32Genau und versucht das Beste draus zu machen. Also sowohl auf der Bühne,
- 4:35wir vergessen manchmal den Text, wir spielen auch mal einen falschen Akkord rein.
- 4:38Es ist nicht so von Perfektion geprägt, aber dafür strotzt alles voller Leidenschaft,
- 4:42Schweiß und Tränen. Ich glaube, deswegen passt es einfach ganz perfekt zu unserer
- 4:47Band und vor allem auch zu dieser Platte.
- 4:50Bob Ross ist ja auch so ein entspannter Typ. Der geht ja mit so einer Art Aura an die Arbeit ran.
- 4:57Deswegen funktioniert es, glaube ich, auch so gut gerade so im Abendprogramm,
- 4:59weil man da so ein bisschen runterkommt. Ist das so eine Arbeitsweise,
- 5:02die bei euch auch Anklang findet? Geht ihr auch so an eine Platte ran?
- 5:06Die würde großen Anklang finden, aber wir schaffen es nicht,
- 5:08weil wir viel zu aufgeregt und viel zu energetisch da rangehen und eher das
- 5:12Gegenteil sind, glaube ich, würde ich sagen.
- 5:15Deswegen würden wir Bob Ross eher als Inspiration nehmen. Absolut.
- 5:18Also die Bereiche sind da auch ein bisschen anders. Ich würde mal behaupten,
- 5:21es tut uns schon gut, wenn wir ein bisschen energetischer sind als er.
- 5:24Also er hat Maximum Aura, aber bei uns muss schon ein bisschen mehr Energie
- 5:29ran. Also ein bisschen lauter, ein bisschen körperlicher ist das Ganze.
- 5:32Aber ja, Bob Ross, the goat.
- 5:35Vor allem in puncto Frisur.
- 5:39Hier versuchen wir noch nachzuarbeiten. Das ist schwierig. Dabei du ja schon
- 5:42auf einem Level, auf einem selben coolen Level bist wie Bob Ross.
- 5:46Naja, aber diese Locken sind, glaube ich, nochmal ein ganz anderes Level,
- 5:49die hinzukriegen. Also da habe ich nicht die Struktur. Allein das hier,
- 5:52was ihr schon seht, sind 45 Minuten Arbeit. Ehrlich?
- 5:55Mich würde interessieren, ob Bob Ross da, ob der aufsteht und so aussieht.
- 6:00Oder ob der wirklich eine Stunde braucht, um so auszusehen.
- 6:03Es gibt doch diese Satin-Hauben, die man sich so zum Schlafen überzieht,
- 6:08oder? Ich wette, der hat so einen Teil gehabt. Boah, ich stelle mir Ihnen gerade
- 6:10vor, wie er seine Haube aufzieht und ins Bett geht.
- 6:13Das ist so geil. Der braucht ja gar kein Kissen. Stimmt ja. Mega gut zum Krämpfen
- 6:17oder sowas. Ja. Bei Festivals. Genau, bei Festivals.
- 6:21Giesen Vorteil, ja. Was waren denn jetzt in der Entstehungsgeschichte von exakt
- 6:25dieser Platte? So ein paar glückliche Fehler, Unglücke, die die Platte so ein
- 6:32bisschen geformt haben.
- 6:33Ich erzähle mal eine Geschichte. Also Sibi und ich sind ja so die Hauptsongwriter.
- 6:37Also wir kommen mit Songideen an, wir haben Demos dabei. Und Max ist eher immer
- 6:42der Typ, der sich das Ganze dann anhört.
- 6:44Und dann die kleinen Unfälle, die passiert sind in unserem Songwriting aus Merz,
- 6:50indem er sagt, okay, guter Song, die Strophe ist super, das Riff ist super,
- 6:54der Refrain ist völlig scheiße.
- 6:56Und dann löschen wir tatsächlich, manchmal kommt es vor, wir löschen dann anschließend
- 7:01den Refrain und schreiben zusammen einen neuen.
- 7:03Und das ist tatsächlich beim Song Oh Boy passiert. Und so haben wir einen Unfall,
- 7:08also einen Refrain, der vielleicht nicht ganz so gut war. Das stimmt übrigens
- 7:11gar nicht, das ist bei Kill the Party passiert.
- 7:14Bei Oh Boy war es der Text. Ja, stimmt. Ja, du hast recht. Kill the Party war
- 7:17der Song. Entschuldigung, kurz verwechselt.
- 7:19Aber kein Fehler, es war ein Happy Little Exit.
- 7:22Vielen Dank für die Toleranz. Genau, aber dann haben wir eben einen neuen Referent
- 7:26zusammen dafür geschrieben und dann war es auf einmal ein Song,
- 7:30der jetzt ein Single geworden ist und für mich einer der besten Tracks des Albums geworden ist.
- 7:35Aber ist das ein richtiger Unfall? Das klingt ja eigentlich mehr wie so eine
- 7:37ganz klassische Art von Teamwork, also.
- 7:39Ja, mach halt alles kaputt, was du hier jetzt sagst. Ey, ich bin kritischer
- 7:43Journalist. Ach so, das stimmt. Ist auch richtig so. Der ganze Pille-Palle-Radio-Kram,
- 7:47den habt ihr ja schon hinter euch. Jetzt wird's ernst.
- 7:50Stimmt, aber wir bleiben trotzdem bei der Antwort. Unfälle gab's,
- 7:53glaube ich, so nicht wirklich, oder? Wir haben eigentlich ganz so ordentlich,
- 7:56durchgearbeitet und gut durchgezogen.
- 7:58Wir hätten uns, glaube ich, für diese Situation noch Geschichten überlegen sollen.
- 8:02Das merke ich jetzt gerade, während wir im Interview sitzen.
- 8:04Wäre aber auch clever gewesen, weil klar, dass die Frage auf Happy Little Accidents
- 8:07kommt und Und was waren denn für Happy Little Accidents in deinem Leben kürzlich?
- 8:10Hätten wir uns eigentlich doch vorbereiten können. Ja, haben wir aber nicht.
- 8:13Wir kommen in der E-Belt. Jetzt sitzen wir da und stottern blöd rum.
- 8:17Naja. Was ist ja, ob das denn anders heißt. Da habe ich vorher gedacht,
- 8:21wenn die Songs nur um diesen Titel rumgeschrieben. Ich höre gerade schon das
- 8:24Telefon klingeln, wenn unsere Managerin anruft, wenn sie es gehört hat. Ihr Trottel!
- 8:31Vielleicht fassen wir es mal ein bisschen genereller zusammen.
- 8:33Wenn ihr diese Platte jetzt definieren müsstet als Album. Also was definiert
- 8:38es für euch als Itchy-Album?
- 8:41Für mich ist das so ein Quintessenz-Itchy-Album, weil es wirklich alles hat,
- 8:45was unsere Band ausmacht.
- 8:47Ich bin mir sicher, dass Fans der ersten Stunde total auf ihre Kosten kommen,
- 8:51weil es sind auch so Songs drauf, die wir vielleicht auch hätten vor 20 Jahren
- 8:56schon schreiben können, die diesen Punkrock-Vibe aufgreifen,
- 8:59wo wir einfach herkommen.
- 9:01Und trotzdem gibt es dann auch Songs, die total aus der Schublade fallen,
- 9:05wie Oh Boy, der einfach ziemlich ruhig ist und einem verstorbenen sehr guten
- 9:09Freund von uns gewidmet ist oder ein Song wie Kill the Party eben schon erwähnt,
- 9:13der eher so einen Indie-Vibe hat.
- 9:15Und ja, also ich würde uns schon als Punkrock-Band definieren,
- 9:18aber wir schauen auch gerne über den Tellerrand hinaus, weil wir auch ganz unterschiedlich
- 9:22Musik hören und uns gerne von anderen Sachen inspirieren lassen.
- 9:26Und ja, ich glaube wirklich, dass die Leute, die Itchy bisher gehört haben,
- 9:31die Platte lieben werden.
- 9:33Macht ihr noch Musik so richtig, auch um neue Fans zu gewinnen?
- 9:36Also ist jetzt natürlich eine dumme Frage. Ja, wahrscheinlich schon.
- 9:39Aber ist das was, was, wenn ihr so an Songwriting rangeht, schon was,
- 9:43was ihr im Hinterkopf habt, dass ihr noch neue Leute für Itch begeistern wollt,
- 9:48die eigentlich noch nicht von euch gehört haben, beziehungsweise eure Musik
- 9:51noch nicht gehört haben?
- 9:52Ich glaube, sowas kann man nicht planen. Wenn man sowas plant,
- 9:55dann wird es nicht aufgehen. Es wäre dann ein Happy Little Accident, nämlich mal.
- 9:58Ja, es wäre dann ein Forced Little Accident, also das, dann möchte man ja,
- 10:02dann schreibt man ja mit irgendwas im Hinterkopf, was man erreichen möchte,
- 10:05was in der Kunst eh nicht vorhersehbar ist, deswegen.
- 10:09Tun wir das nicht, natürlich freuen wir uns, wenn wir neue Leute erreichen,
- 10:12das ist natürlich immer ein Ziel, dass man, oder ein Wunsch,
- 10:15man freut sich drüber, aber planen kann man sowas nicht, genau wie man nicht
- 10:18planen kann, ob es den Alten wirklich gefällt, also das muss ja einfach dann,
- 10:21die Connection muss dann da sein.
- 10:23Zu den Songs, zu deiner Musik und wir können einfach, das was wir machen können
- 10:27ist authentische Musik zu machen, die wir gut finden und wenn,
- 10:31ich glaube die Leute merken, dass wenn wir,
- 10:33Sachen machen, die wir gut finden, sei es jetzt auf der Platte oder auf der
- 10:37Bühne, dann wird der Funke überspringen.
- 10:40Ich glaube wirklich, das ist wirklich der größte Schlüssel zu versuchen,
- 10:44es eigentlich niemand recht zu machen.
- 10:45Also wenn du anfängst, dir zu überlegen, wie findet Person XY das,
- 10:50dann wird es irgendwann schwierig. Man muss einfach das machen,
- 10:52worauf man Bock hat und ich glaube, das funktioniert dann auch am besten.
- 10:56Wie geht ihr da generell ran an so ein Album? Also schreibt ihr immer so nebenbei
- 10:59oder sammelt Ideen oder habt ihr dann so einen gewissen Zeitpunkt,
- 11:02wo ihr denkt, so alles klar, jetzt sind zwei Jahre rum, jetzt setzen wir uns
- 11:05hin und machen ein Album.
- 11:07Also ich glaube, was wir immer machen, ist so Ideen mal kurz ins Handy reinbrabbeln.
- 11:11Ich habe wirklich tausende Sprachnachrichten an mich selbst auf meinem Handy,
- 11:16in denen einfach ganz kurz ein Gitarren-Lick aufgenommen ist oder manchmal auch
- 11:21blabber ich einfach nur eine Textseile rein, die mir gerade eingefallen ist
- 11:24und dann wenn wir sagen, okay, wir machen eine neue Platte, dann setzt zumindest
- 11:28ich mich hin und höre mir eine ganze Scheiße nochmal durch, denke mir bei 99
- 11:31Prozent der Sachen. Alter, was sollte das denn?
- 11:33Also manchmal denke ich mir wirklich, was soll das denn? Also ich check's,
- 11:36manchmal ich mach das genau gleich. Manchmal check ich gar nicht,
- 11:39was ich eigentlich wollte.
- 11:41Ich weiß weder, was das für Töne sein sollen, noch, ich weiß gar nichts.
- 11:45Aber hin und wieder ist dann halt auch so ein Ding dabei, wo du sofort wieder
- 11:49denkst, ah cool, das hat was. So, das packt mich wieder und an den Ideen lohnt
- 11:53es sich dann weiterzuarbeiten.
- 11:55Und meistens ist es dann auch so, dass das dann die Songs sind,
- 11:58die es aufs Album schaffen oder eine Single werden und so weiter.
- 12:01Ich finde das immer total spannend, also ich höre das öfter so,
- 12:04dass gerade dieses Voice-Memo-Ding so ein Ding ist, dass man mal so schnell,
- 12:07ah geil, ich hab da was, Handy raus und dann reinquatschen oder kurz reinspielen
- 12:11oder sowas, aber was ich dann immer,
- 12:13interessant bin, wie geht es danach weiter, ne, du hast dann diese Reihe an,
- 12:17Memos an dich selber, setzt du dich dann irgendwann abends hin so und hörst
- 12:21dich eh nochmal durch und denkst du, das war gut,
- 12:23das war jetzt so mittelmäßig oder zeigst du es deinen Kollegen oder,
- 12:27also ich meine, weißt du, wie arbeitet man damit?
- 12:29Also ich höre mir das, wie er es gerade schon erzählt hat, ich höre mir das
- 12:32an und dann denke ich, die Idee, die ist cool, die finde ich jetzt cool.
- 12:35Und dann nehme ich diese Idee und wir haben dann so Home-Studio-Möglichkeiten
- 12:40zu Hause, jeder bei uns. Und dann setze ich mich hin, spiele das halt dann ein,
- 12:44die Gitarre oder was auch immer war und programmiere ein Schlagzeugbeat,
- 12:47dass ich mir das vorstellen kann.
- 12:49Und so baue ich dann den Song weiter und wenn er dann irgendwann als Demo so
- 12:53für mich fertig ist, dann setzen wir uns zusammen hin, dann spiele ich denen
- 12:56den vor und dann sagen die hoffentlich, geil, das ist ja cool.
- 13:00Und manchmal sagen sie auch, der Reform ist scheiße.
- 13:06Wobei ihr scheiße selten sagt, ihr versucht es immer zu beschreiben,
- 13:08aber ich weiß, dass ihr scheiße meint.
- 13:11Nee, das ist auch ein bisschen ein heikles Thema, weil da steckt ja Arbeit drin
- 13:16und es ist so ein kleines Baby, jede Demo Und da muss man schon die Worte,
- 13:20auch wenn wir uns so gut kennen, ein bisschen weise wählen. Es ist nicht schlau
- 13:25zu sagen, das ist scheiße.
- 13:26Es kann schon vorkommen, dass ich jetzt denke, okay, das ist der beste Song,
- 13:29den ich jemals geschrieben habe. Und dann merke ich beim Vorspielen so,
- 13:32die sind jetzt eher verhalten in ihrer Reaktion.
- 13:38Ich höre sie noch, diese Tür zumachen. Hä? Bist du noch gar nicht fertig?
- 13:42Das ist schon echt immer heikel. Aber es kann auch sein, dass eine Demo...
- 13:46Vorgespielt wird und sagt, super. Und dann kommt die Demo quasi eins zu eins
- 13:51dann irgendwann aufs Album halt neu eingespielt nochmal.
- 13:54Also das ist immer ein spannender Prozess so.
- 13:56Aber geil, das heißt, ihr macht quasi schon mal den Song mehr oder weniger fertig,
- 14:00bevor ihr den anderen zeigt. Also das ist jetzt nicht so, dass ihr damit auch
- 14:02wieder hingeht. Meistens, ja.
- 14:04Also nicht mehr so, ich sag mal, schlimm wie früher, weil früher,
- 14:07da haben die Jungs so viele Songs geschrieben für ein Album zum Auswählen und
- 14:12die haben die fertig geschrieben mit Text und mit allem.
- 14:15Und das haben wir schon ein bisschen, da haben wir die Arbeitsweise,
- 14:17würde ich sagen, ein bisschen verbessert, dass dann eine Strophe und ein Refrain
- 14:20und vielleicht auch ein Fantasietext erstmal teilweise reicht,
- 14:23um das so ein bisschen zu bewerten. Weil das war wirklich verrückt.
- 14:25Wir haben so viele fertige Songs in der Schublade, die nie wieder da rauskommen
- 14:28werden. Das ist verrückt.
- 14:30Moment, Fantasietexte, das klingt schon wieder ganz spannend.
- 14:34Ja, gibt's. Also ich meine, so ein Text schreiben, das ist ja auch nicht eine
- 14:37Sache von mach ich mal kurz.
- 14:40Und ja, wenn du noch nicht weißt, ob der Song Anklang findet,
- 14:43da dann den Text komplett fertig zu schreiben.
- 14:46Dann mach mal Fantasieworte. Das hab ich bei Herbert Grönemeyer mal gesehen.
- 14:52Der hat das, glaube ich, bei Markus Glanz in der Sendung, das fand ich voll
- 14:55interessant, da hat er sich ans Klavier gesetzt und hat so einen Song da so
- 14:58geschrieben und hat dann er ist ja deutscher Sänger, also er singt auf Deutsch,
- 15:03aber englische Fantasie.
- 15:07Auf seinen Song gemacht und hat gesagt, das ist sein Prozess und so,
- 15:11er weiß dann, wie die Worte zu klingen haben, genau, und dann macht er am Ende
- 15:16den Text und ähnlich machen wir das auch, klar, weil du kannst ja nicht den
- 15:19Song anfangen zu schreiben und dann hast du sofort einen Text,
- 15:21da musst du erstmal die Melodie finden, die,
- 15:25der Text später singen könnte, also das ist ein interessanter Prozess,
- 15:28aber man kommt da auch wirklich rein, ich weiß immer,
- 15:31wenn ich anfange mit Songs schreiben für das neue Album, dann denke ich mir
- 15:34manchmal so, wie geht es Songs schreiben?
- 15:36Wie konnte ich hunderte von Songs in meinem Leben schreiben?
- 15:38Ich weiß gar nicht, wie ich das geschafft habe.
- 15:40Und dann kommt man aber rein und irgendwann floats so richtig und dann teilweise
- 15:43schreibt man zwei, drei an einem Tag.
- 15:45Krass, okay. Ja, ist spannend.
- 15:48Würde ich natürlich wahnsinnig gerne mal hören, so einen Fantasie-Text.
- 15:51Es gab mal tatsächlich, fällt mir gerade spontan ein, so einen italienischen,
- 15:54Rocker oder sowas in den späten 70ern.
- 15:57Da konnte ja auch in Italien auch keiner wirklich Englisch oder sowas.
- 16:01Und nur um zu zeigen, dass die Leute alles geil finden, nur weil es auf Englisch
- 16:03ist, hat er sich auch so einen totalen Gibberish ausgedacht.
- 16:06Das kenn ich, das kenn ich.
- 16:07Ja, ja, ist es nicht sogar, den kennt man doch.
- 16:12Ich komm jetzt grad nicht drauf, aber das ist krass. Der geil ist Lionel Richie All Night Long.
- 16:19Da ist so ein afrikanischer Zwischenteil. Okay.
- 16:28Ja, und das afrikanisch einfach. Und er hat es jetzt kürzlich,
- 16:33hat er zugegeben, dass er einfach afrikanisch klingende Sachen zusammengefügt hat.
- 16:40Und weil es in Afrika tausend verschiedene Dialekte und Sprachen gibt.
- 16:45Ja, und Sprachen, also es ist ein Kontinent, wenn ich das mal kurz sagen darf. Ja, aber genau,
- 16:51weil es so viele auch unter Dialekte gibt, kann quasi keiner sagen,
- 16:56ob es das nicht wirklich irgendwo gibt.
- 16:59Und das fand dann die ganze, wirklich die afrikanische Community fand das damals
- 17:02total geil, dass er das gemacht hat, dass er die so represented,
- 17:05weil die alle dachten, das ist halt irgendein unbekannte Akzent.
- 17:07Was sie auch nicht verstehen. Alle haben gedacht, ach, von irgendjemand anders. Ja, genau.
- 17:12Selbst die Afrikaner dachten, das ist irgendein Akzent. Und er hat es einfach
- 17:16nur erfunden. Ist krass. Also ich meine, das ist ja wirklich einer der größten
- 17:18Pop-Songs aller Zeiten. Genau. Dass niemandem aufgefallen ist.
- 17:21Irgendwie kenne ich niemanden, der es versteht. selbst so im afrikanischen Sprachraum.
- 17:27Könnten wir ja mal mit Schwäbisch machen. Riesenhit in Afrika dann vielleicht.
- 17:34Ja, ihr könnt mir ja vielleicht mal ein bisschen erklären, gerade beim Thema Songwriting.
- 17:38Ihr macht da ja schon auch viel mit Message, wie ihr auch gerade gesagt habt,
- 17:42so mit dem verstorbenen Bekannten.
- 17:45Aber es ist ja auch viel Spaß bei euch in der Musik drin. Ist es da schwer,
- 17:48diese Balance zu finden?
- 17:51Dass es der Spaß nicht verloren geht, aber auch trotzdem man sagt so,
- 17:55hey, wir sind auch wir haben auch ernste Texte, wir sind eine ernstzunehmende Band,
- 17:59Und meistens ergibt sich das dann, dass es so eine Balance gibt.
- 18:03Vielleicht mal auf einem Album gibt es ein bisschen mehr ernste Sachen,
- 18:06auf dem anderen viel mehr lustiger oder mit Augenzwinkern.
- 18:09Aber natürlich würden wir, wenn wir jetzt irgendwie die Songs so hätten fürs
- 18:14Album und merken, das sind jetzt nur ernste politische Songs,
- 18:17dann würden wir schon sagen, hey, das spiegelt uns jetzt nicht als komplette Band so perfekt wider.
- 18:23Da muss man schon ein Auge drauf haben, aber eigentlich ergibt sich das eigentlich
- 18:27meistens so von selbst, dass sich die Texte so abwechseln, dass es irgendwie
- 18:31einen guten Mittelwert so gibt.
- 18:33Was ich tatsächlich interessant finde bei dem Album ist, dass es wirklich einige Songs gibt mit,
- 18:39ernsten, gesellschaftskritischen und auch politischen Inhalten und trotzdem
- 18:44der Vibe von dem Album eigentlich total positiv ist und ich glaube gar nicht,
- 18:48dass wir das so bewusst forciert haben, aber.
- 18:52Der Vibe ist positiv und das ist auch unsere Haltung.
- 18:54Also wir sehen, dass ganz viel Scheiße auf unserer Welt passiert und thematisieren
- 18:58das, haben auch das Bedürfnis, darüber zu sprechen und zu singen.
- 19:02Und trotzdem ist es ein hoffnungsvolles Album, das eben nicht alles am Arsch
- 19:07ist, solange die guten Leute nicht schweigen und zusammenhalten und versuchen,
- 19:12was auf die Beine zu stellen.
- 19:13Und genau so ist es bei unseren Konzerten auch. Wir labern zwischen den Songs
- 19:17richtig viel Mist manchmal und es ist sehr witzig.
- 19:20Und dann fällt uns auf, ja scheiße, jetzt kommt ein total trauriger Song,
- 19:22jetzt müssen wir erstmal irgendwie den Bogen wieder spannen.
- 19:25Also es ist immer sehr abwechslungsreich bei uns auf jeden Fall.
- 19:29Vielleicht erzählt ihr mir ein bisschen was über die Songs, die für euch persönlich,
- 19:33so ein bisschen herausstechen. Einfach zwei, drei Nummern, die ihr so richtig
- 19:37geil findet, die ihr sagt, die repräsentieren die Platte jetzt eigentlich am meisten.
- 19:40Aha, okay. Ich dachte, die Frage geht jetzt ein bisschen anders weiter.
- 19:44Aber ich gehe einfach mal auf den vielleicht persönlichsten Song ein auf der Platte.
- 19:48Das ist Oh Boy. Diesen Song haben wir geschrieben für meinen verstorbenen besten
- 19:54Freund, welcher auch einer unserer besten Bandfreunde war und früher unser Backliner
- 19:58und so, also ein Riesentyp, Bobbes.
- 20:00Und ja, das ist jetzt einer der ernsteren Songs, aber auch da war es uns wichtig
- 20:06oder war es mir wichtig, dass da nicht so eine Grabesstimmung aufkommt,
- 20:09weil er war ein sehr, sehr, sehr, sehr positiver Mensch und das sollte sich in dem Song auch zeigen.
- 20:14Und ja, es hat so eine gewisse Beschwingtheit und ehrlich gesagt haben wir den
- 20:20aus total egoistischen Motiven geschrieben, damit wir ihn einfach immer ein bisschen bei uns haben.
- 20:25Und ja, soweit mal zu dem persönlichsten Song. Jetzt habe ich die Stimmung wieder
- 20:29runtergedrückt. Wer holt uns wieder raus?
- 20:32Ich mache mal weiter mit Dributes Song. Das war wahrscheinlich einer der allerersten
- 20:35Songs, der für das Album geschrieben wurde.
- 20:37Ist auch der Opener des Albums, war die erste Single.
- 20:40Und der wurde inspiriert von einem anderen Lied, nämlich Where's My Mind von den Pixies.
- 20:46Ist für mich einer der besten Songs, der jemals so geschrieben wurde.
- 20:49Und ich habe diesen Song einfach immer so als Dauerurwurm. Seit ganz vielen Jahren schon und.
- 20:55Singe quasi darüber, dass dieser Song mich schon so lange begleitet und ich
- 21:00fand es dann interessant, diese Where's My Mind Textseile auch in unseren Refrain zu übernehmen,
- 21:05und ja, wir spielen den schon den ganzen Sommer auf Festivals und es ist irre
- 21:08krass, den mit den Leuten zu singen, weil ich das Gefühl habe,
- 21:11natürlich alle kennen den Song, aber alle haben auch ein Gefühl von den Song
- 21:15und das ist auf jeden Fall ein schönes Ding.
- 21:18Und ich würde da, glaube ich, Kill the Party nehmen. Max und ich sind große
- 21:22Fans von der TV-Serie Curb Your Enthusiasm und vor allem von Larry David, dem Protagonisten.
- 21:30Und der hat halt so keinen Filter. Der sagt einfach immer, was er denkt,
- 21:33tritt deswegen natürlich auch in Fettnäpfchen, aber gib deinen Scheiß da drauf.
- 21:36Weil der muss halt, er hat kann nicht anders, als einfach das zu sagen,
- 21:39was er gerade in dem Moment denkt.
- 21:41Und das ist, glaube ich, eine ganz erfrischende Sache. und wenn man das aber
- 21:45so durchziehen würde, und das merke ich an mir selbst, wenn ich auf irgendeiner
- 21:48Party oder so bin und schaue mich dann so um und denke dann,
- 21:51was bist du eigentlich für einer?
- 21:54Und das behält man ja dann eher für sich. Aber wenn man das jetzt nach außen
- 21:58kehren würde, dann würde man auf jeden Fall jede Party killen.
- 22:01Und so ist dieser Song zustande gekommen. Also ich bin ja so verdorben,
- 22:05wenn ich so wäre wie Larry David, also ungefiltert alles raus, ich wäre im Knast.
- 22:11Stimmt. kill the party, kill my life.
- 22:17Ich bin ja eher ein Fan von der deutschen Variante, Pastewka.
- 22:20Ist auch gut. Ja, ist cool. Der hat, glaube ich, sogar Lizenzrechte kaufen müssen.
- 22:24Doch, der musste quasi Kohle zahlen, weil es schon sehr angelehnt war. Ist sehr nah dran.
- 22:29Aber Larry David, da ist gut aufgekommen. Der Mann hat nur 700 Millionen mit Seinfeld verdient.
- 22:35Der braucht es. Und Pastewka ist aber auch ein cooler Typ. Also,
- 22:37muss ich sagen, finde ich auch sehr lustig.
- 22:40Weiß ich, ja spannend immer so bei Punkrock-Bands aus Deutschland finde,
- 22:45dass da so dieses Sprachding nochmal anders ist. Weil ich meine,
- 22:50wenn du Metal machst zum Beispiel, ja.
- 22:5499,5 der Bands, jungen Bands, die anfangen Metal zu machen oder Hardrock oder
- 22:59sowas, die singen auf Englisch. Ja.
- 23:02Während, ich würde mal sagen, gute 80% der Bands, die eher so im punkigen Bereich
- 23:06unterwegs sind, die singen auf Deutsch.
- 23:09Ja, ist ein guter Punkt, auf jeden Fall. Ich glaube, es geht halt im Punk noch
- 23:12mehr um Message, um Haltung zu zeigen, um klar rüberzubringen, was man sagen möchte.
- 23:17Bei uns ist aber so, dass wir eigentlich, ich glaube, als wir die Band gestartet
- 23:22haben, haben wir nicht darüber diskutiert, ah, wollen wir eigentlich Englisch
- 23:24oder Deutsch singen, sondern wir haben automatisch auf Englisch geschrieben,
- 23:29was wahrscheinlich daran lag, dass wir zu dieser Zeit.
- 23:32Größtenteils amerikanische und englische Bands gehört haben.
- 23:36Und deswegen hat uns das damals am meisten inspiriert. Wir haben dann aber viele,
- 23:40viele Jahre später haben wir uns hingesetzt und haben gesagt,
- 23:43Leute, jetzt probieren wir es mal auf Deutsch und haben ein deutschsprachiges Album rausgemacht.
- 23:48Ja, nicht schlecht. Genau, und da sind auch sehr gute Sachen drauf,
- 23:54spielen wir auch weiterhin live, aber wir haben dann trotzdem danach für uns
- 23:57festgestellt, dass wir uns im Englischen so ein bisschen wohler fühlen.
- 24:01Und genau, aber tatsächlich höre ich privat sowohl deutschsprachige als auch
- 24:06englischsprachige Bands und ich könnte da jetzt nicht sagen,
- 24:09was mir besser gefällt oder so.
- 24:11Ist es die Gewöhnung dann, dass ihr euch da einfach jetzt irgendwie mittlerweile wohler fühlt?
- 24:16Kann gut sein, aber ich habe halt, glaube ich, in meinem Leben zu 98% englischsprachige
- 24:22Musik konsumiert und gehört und geliebt, deswegen ist es in mir eher drin,
- 24:28aber wir finden oder fanden, ich habe auch ein Solo-Projekt,
- 24:31wo ich deutsche Texte mache, also ich finde es total spannend und interessant
- 24:35und wir fanden es auch damals bei dem Album Ja Als Ob richtig, ja.
- 24:40Heftig und geil, aber auch auf Deutsch zu texten, weil das was komplett anderes ist.
- 24:45Das hat uns eigentlich total umgehauen, diese Erfahrung. Hätten wir nicht damit
- 24:48gerechnet, dass es einfach eine komplett andere Art von Songwriting ist.
- 24:53Es fühlt sich anders an. Natürlich kann man sich auch hinter keinem Wort verstecken,
- 24:57weil jedes muss halt sitzen, weil man alles natürlich sofort versteht.
- 25:00Wir selbst haben unsere Demos, die wir gemacht haben, haben wir ganz anders angehört.
- 25:04Weil du dann hörst, du hörst erstmal nur auf den Text. Und dann erst,
- 25:07was ist eigentlich mit der Musik so am Start? Und wenn wir englische Songs hören,
- 25:11dann ist eigentlich eher so der Fokus erstmal auf die Musik und dann auf den Text beim Hören.
- 25:17Also es war voll interessant für uns, aber auch eine coole Erfahrung,
- 25:20weil wir einfach, wir wollten damals auch frischen Wind so reinbringen und uns
- 25:23nicht langweilen oder einfach auch selber herausfordern.
- 25:26Deswegen, ja, also es ist auch nicht
- 25:28gesagt, dass wir nie wieder mal einen deutschen Song schreiben werden.
- 25:32Sag niemals nie da. Es ist spannend, da kommen wir wieder in dieses Sprachthema rein.
- 25:35Das ist auch interessant, was du sagst, dass man da ja mehr auf die Musik achtet als auf die Texte.
- 25:41Also wenn man jetzt einen englischen Song hört, klar hörst du die Lyrics irgendwie
- 25:47so, aber du achtest da jetzt nicht so drauf. Die gleich passen sich dann irgendwie
- 25:50so an das Songkonstrukt. Du merkst, es geht jetzt irgendwie um was Düsteres
- 25:54und du hast ja den Songtitel gelesen.
- 25:56Also kannst du schon ungefähr abschätzen, worum es geht, aber auf Deutsch bist du da nackig.
- 26:00Also da kannst du, wenn es totaler Käse ist, den du da verzapfst,
- 26:03hört das jeder, zumindest in Deutschland.
- 26:05Das ist wirklich so. Ich habe auch festgestellt bei mir, in meinem Leben,
- 26:08da gab es Songs, englischsprachige Songs, die ich schon ganz lange gehört habe
- 26:12und natürlich auch kannte, teilweise auch eine Reform mitsingen konnte und dann
- 26:16erst viele Jahre später festgestellt habe, ah, da geht es um das und das Thema.
- 26:20Teilweise auch was ganz anderes, als ich mir eigentlich gedacht hatte,
- 26:23was der Song von der Stimmung suggeriert und das ist schon spannend.
- 26:27Das geht im Deutschen natürlich nicht.
- 26:29Ja, das ist ein bisschen traurig, dass man irgendwann so zehn Jahre nach seinem
- 26:33musikalischen Erwachen merkt, 50% der Sachen, die ich gerne höre,
- 26:36gehen irgendwie ums Pimpern.
- 26:40Und du hast dir früher damals gedacht, Mann, das ist so tief,
- 26:42das klingt so geil und irgendwie, das musst du auch irgendwie eine Message haben
- 26:45und dann, nee, Boy meets Girl und so geht's weiter.
- 26:49Man hat auch früher so teilweise nur so Fantasietexte mitgesungen oder man musste
- 26:53nicht genau, was der Star singt und dann hat man halt irgendwas mitgesungen.
- 26:57Das würde im Deutschen nicht passieren. Das mache ich immer noch auf Konzerten tatsächlich.
- 27:00Wenn ich auf irgendeinem großen Konzert bin, wo sie glaube ich.
- 27:02Wir finden es ja total interessant von der Bühne aus, weil es gibt wirklich,
- 27:06also es gibt ein paar Leute, die singen jedes Wort mit, kennen aber keinen einzigen Text.
- 27:14Bist du so einer? So einer bin ich. Und ich finde es so, manchmal schaue ich
- 27:17da minutenlang nur auf die Person während unserer Show, weil ich so,
- 27:21also ich habe gerade eine Person im Kopf. Ich weiß genau, wie er aussieht.
- 27:25Der hat einen Bart, aber mehr erzähle ich nicht.
- 27:28Und der singt jeden Text mit und kennt kein einziges Wort.
- 27:32Supergeil, aber dann kennt er wahrscheinlich trotzdem noch mehr von unseren Texten als du.
- 27:38Aber ich finde es geil, weil der ist happy. Und singt mit voller Lautstärke. Ich finde das gut.
- 27:43Es macht was mit einem, wenn du in so einer Konzertatmosphäre bist und.
- 27:48Ich kann dann persönlich jetzt nicht einfach nur dastehen, mir das so angucken,
- 27:50also vielleicht wenn ich stocknüchtern bin oder sowas, aber halt dann nach drei
- 27:53Bier oder sowas und du guckst dir irgendwie eine geile Show an,
- 27:56da musst du einfach irgendwie auch laut mit sein. Um gegen diese Lautstärke anzukämpfen.
- 28:00Und dann gucke ich so, wie bewegen sich die Lippen von den anderen her.
- 28:04Das passt schon irgendwie.
- 28:06Ihr wolltet mir noch eine kleine Geschichte erzählen von einem Happy Little
- 28:10Accident, wo ihr was vergessen habt. Mensch, er hat es nicht vergessen.
- 28:15Ja, also wir haben mal eine Reissue-Vinyl rausgebracht von einem vergangenen Album.
- 28:22Und da haben wir auch, wie üblich, eine Testpressung bekommen.
- 28:24Die hat Panzer sehr gewissenhaft durchgehört und hat es freigegeben.
- 28:30Und dann haben wir die gepresst und dann haben wir die rausgebracht und die
- 28:34war dann bei den Leuten. Und ein paar Tage später passierte Folgendes.
- 28:38Hat mich mein Vater angerufen, der hat gar keinen Plattenspieler zu Hause,
- 28:41aber er sammelt die trotzdem, weil er unterstützt seinen Sohn natürlich.
- 28:45Und der hat dann gesagt, hey, vielen Dank für das Album. Und dann fragte er
- 28:49so, sag mal, die Rillen, die einzelnen Rillen, das sind ja die Lieder, oder? Ich so, ja.
- 28:52Und er sagte halt, ja, weil die Rillen, die Anzahl der Rillen stimmt nicht mit
- 28:57den Songs, die hinten auf dem Cover draufstehen, überein. Ich so,
- 29:00nee, das kann nicht sein. Hast du falsch gezählt.
- 29:02Und irgendwas im Hinterkopf von mir hat schon gesagt, ich muss das sofort überprüfen.
- 29:08Weil er hat gesagt, ich bin bei Itchy, da muss ich das nochmal ran.
- 29:11Also es passieren ja wirklich ein paar Unfälle bei uns und dann habe ich das
- 29:14angehört und wir haben einfach bei dieser Wiederbelebung dieses Albums,
- 29:19bei der Wiederauflage der Vinyl einen Song vergessen, der fehlt.
- 29:23Aber ist auf dem Cover, hinten drauf steht alles drauf und ist halt nicht da.
- 29:26Die Oberhärte ist, das war wirklich ein, zwei Wochen, nachdem die Platte bei allen Leuten schon war.
- 29:32Er war der Erste, der überhaupt aufgefahren ist. Es hat niemand geschrieben.
- 29:36Ich glaube halt, wenn man das so, so eine Platte, legst du ja auf und hörst
- 29:39die wirklich am Stück durch. Das heißt, es kommt automatisch immer der nächste
- 29:42Song und dann ist es wahrscheinlich nicht.
- 29:44Du wartest jetzt auf den Song, aber gleich kommt er und dann kommt er gar nicht.
- 29:48Aber spannend, weil dein Vater hat dieses Ding ja gar nicht gehört.
- 29:51Also der muss ja wirklich dann das Ding wirklich unter die Lupe genommen haben.
- 29:54Warum hat er das gemacht? Und da drauf gestarrt und dann so.
- 30:00Dann nochmal die Hülle in die Hand genommen, nochmal auf die Platte geguckt,
- 30:03wieder auf die Hülle geguckt und dann nachgezählt und dann, nee.
- 30:06Aber dass das überhaupt gezählt hat, dass er überhaupt angefangen hat,
- 30:09es zu zählen, warum macht man so? Können wir nicht deinem Vater jetzt immer
- 30:12alles, was so kontrolliert und abgesegnet werden muss, schicken,
- 30:14dass er mal drüber guckt? Ich glaube, der muss mal die Stolzpressung mal machen.
- 30:19Ich sage ihm Bescheid. Meinst du, er freut sich gerade, dass er im Radio die
- 30:23ganze Zeit genannt wird?
- 30:24Ich weiß gar nicht, wie schlau das ist, dass wir diese Geschichte die ganze Zeit erzählen.
- 30:28Ich finde ja, es macht uns total sympathisch. Ja, bis die erste Klage kommt,
- 30:33was wir verkauft haben, was gar nicht so ist. Irgendeine Mogelpackung.
- 30:35Gibt es da nicht auch so einen Preis für die Mogelpackung? Der goldene Windbeutel
- 30:39oder so? Doch klar, stimmt.
- 30:41Bitte, liebe Plattenkäufer, bitte akzeptiert es einfach.
- 30:44Es ist ein Unikal und bestimmt viel mehr wert als die normale Version.
- 30:49In ein paar Jahren, ja. Also gibt der Sache noch 20 Jahre Eigenleben so und
- 30:52dann könnt ihr damit vielleicht nochmal ein bisschen Asche rausholen.
- 30:55Genau. Habt ihr das danach publik gemacht oder wie ging's dann?
- 30:58Habt ihr einfach geguckt, ah, drauf geschissen, wenn's jetzt nur...
- 31:00Also wir haben's in der Zwischenzeit in vielen Interviews schon erzählt.
- 31:05Es ist publik. Wir haben's nicht verheimlich, wie du gerade merkst.
- 31:09Wir haben's sogar in unserem eigenen Podcast erzählt, glaube ich.
- 31:12Also wir sind schon wirklich absolute Profis in allen Bereichen.
- 31:16Es sei ja auch Profis im Thema Freundschaft. Damit können wir ja vielleicht
- 31:18das ganze das Ding nochmal schön zusammenfassen. 25 Jahre zusammen,
- 31:22Ich glaube, ich gebe euch mal noch eine Sekunde. Wir haben gerade wirklich reflektiert.
- 31:27Zimmi und ich, kurzer Moment der Reflexion, was hier eigentlich los ist bei uns. Alles super.
- 31:32Das passt ja super zu meiner abschließenden Frage eigentlich.
- 31:34Wie schafft man es 25 Jahre zusammen als Bad auf so engen Raum?
- 31:38Also ich meine, ihr sitzt ja jetzt gerade in so einer blöden Situation.
- 31:41Sehr auf engem Raum. Extrem eng zusammen.
- 31:43Wie schafft man das so, sich immer noch danach so zu mögen? Durch solche Storys.
- 31:48Genau so, was wir gerade gesehen haben. Dass wir uns einfach über sowas den Arsch ablachen können.
- 31:53Wir nehmen uns einfach nicht so ernst und ja, trotzdem ernst,
- 31:57wir respektieren uns halt, wir kennen uns sehr, sehr gut, wir wissen,
- 32:01den lasse ich jetzt mal kurz in Ruhe, dem sage ich jetzt mal,
- 32:03jetzt ist mal gut und dann wird es auch akzeptiert.
- 32:05Also die meiste Zeit kriegen wir es wirklich so rum und mit viel Humor.
- 32:08Und wir freuen uns alle über dieselben Sachen, dass wir jetzt unser Album rausbringen
- 32:12können, dass wir auf Tour fahren dürfen.
- 32:15Es wird nach 25 Jahren die größte Tour, die wir immer jetzt gespielt haben werden.
- 32:19Also solche Sachen machen uns halt völlig happy und deswegen funktioniert das
- 32:24alles echt gut und wir lachen über dieselben Dinge, wie du merkst.
- 32:30Dann danke euch, dass ihr die Zeit genommen habt, heute an eurem Releasetag
- 32:34ein wenig Finger weg von dem Mikrofon, die sind teuer.
- 32:38An eurem Releasetag, Schluss.
- 32:43Dass ihr euch die Zeit genommen habt, hier vorbeizuschauen und ein bisschen
- 32:45mit mir zu plaudern. Ich wünsche euch natürlich nur das Beste mit eurem Album. Vielen Dank.
- 32:50Wow, das war krass synchron gerade bei euch. Das klingt richtig gut auf den
- 32:53Kopf. Wenn die auf der Bühne mal so wären.
- 32:56Das finden wir dann raus bei eurer Tour.