Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 13 - Vom höheren Menschen 12-16
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:05Unterkapitel 13 vom höheren Menschen Abschnitt 12
- 0:13Zarathustra spricht die geistig Schaffenden an, die er die
- 0:16höheren Menschen nennt. Er verwendet das Bild einer
- 0:20Schwangerschaft und einer Geburt, um zu erklären, wie es
- 0:23ist, wenn ein Mensch etwas völlig neues erschafft, zum
- 0:26Beispiel neue Werte, neue Gedanken.
- 0:29Oder große Kunstwerke. Er sagt, dass jemand, der etwas
- 0:32Neues hervorbringen muss, wie eine schwangere Frau ist.
- 0:36In dieser Zeit des Erschaffens ist man gewissermaßen krank und
- 0:39leidet, und wer sein Werk schließlich vollendet hat, wer
- 0:43also geboren hat, der ist danach unrein und erschöpft.
- 0:48Zarathustra fordert die Zuhörer auf, die Frauen zu fragen, man
- 0:51bringt kein Kind auf die Welt, weil der Vorgang selbst ein
- 0:54Vergnügen ist. Es ist mit Schmerzen verbunden.
- 0:58Genauso wie eine Henne gackert, wenn sie unter Anstrengung ein
- 1:01Ei legt, so leidet und stöhnt auch ein Dichter oder Denker,
- 1:04wenn er eine große neue Idee in die Welt setzt.
- 1:07Er erklärt den höheren Menschen, dass an ihnen noch viel Unreines
- 1:11und unfertiges ist. Und das liegt genau daran, dass
- 1:14sie wie Mütter sein mussten, um geistig etwas Neues zu
- 1:17erschaffen, mit jedem neuen Kind, also mit jeder neuen Idee
- 1:22oder Schöpfung, kommt auch neuer Schmutz und neues Chaos in die
- 1:25Welt. Nichts Neues ist von Anfang an
- 1:28perfekt. Deshalb gibt Zarathustra den
- 1:31Rat, wenn jemand den schmerzhaften und unordentlichen
- 1:33Prozess des Erschaffens hinter sich gebracht hat, soll er erst
- 1:37einmal zur Seite treten und seine Seele wieder reinwaschen.
- 1:40Das bedeutet, man muss sich nach der großen Anstrengung der
- 1:43Kreativität erholen, sich von den negativen
- 1:45Begleiterscheinungen befreien und seinen Geist wieder klären.
- 1:49Abschnitt 13. Zarathustra warnt die höheren
- 1:54Menschen davor, es mit der Tugend und der moralischen
- 1:57Reinheit zu übertreiben. Er sagt, sie sollen nicht
- 2:00versuchen, Tugendhafter zu sein, als es ihre natürlichen Kräfte
- 2:03zulassen, man soll von sich selbst nichts fordern, was gegen
- 2:07die eigene Natur und gegen jede Wahrscheinlichkeit spricht,
- 2:10errät ihnen, sich an die Verhaltensweisen ihrer Väter und
- 2:13Vorfahren zu erinnern, wenn die Vorfahren sehr von ihren
- 2:17Begierden gesteuert waren, zum Beispiel wenn sie gerne Frauen
- 2:20verführten. Viel tranken oder wilde,
- 2:22ausschweifende Leben führten, dann wäre es verrückt, wenn die
- 2:26Söhne plötzlich versuchen würden, absolut keusch und
- 2:29heilig zu leben. Wer krampfhaft versucht, der
- 2:32Erste in seiner Familie zu sein, der ein völlig fehlerfreies
- 2:35Leben führt, der läuft Gefahr, der letzte zu sein, das heißt,
- 2:40er könnte an diesem unnatürlichen Zwang zugrunde
- 2:42gehen und sich selbst zerstören. Zarathustra macht sich über
- 2:46Menschen lustig, die ihre natürlichen Triebe gewaltsam
- 2:48unterdrücken, er sagt. Selbst wenn so jemand ein
- 2:52Kloster gründet und sich der Heiligkeit verschreibt, ist das
- 2:55für Zarathustra nur eine neue Art von Dummheit.
- 2:58Wenn man sich in die Einsamkeit zurückzieht, um seine Triebe zu
- 3:01bekämpfen, wächst in dieser Einsamkeit nur das innere Tier
- 3:05heran, die Begierden verschwinden nicht, sie werden
- 3:08nur kränker und heimtückischer, er fragt rhetorisch, ob es auf
- 3:12der Erde jemals etwas schmutzigeres gab als jene
- 3:15extremen Heiligen, die als Einsiedler in der Wüste lebten,
- 3:18um Versuchungen zu entgehen. Um diese Männer herum war nicht
- 3:22nur der Teufel los, sondern auch das Schwein.
- 3:25Das Haus Schwein steht bei Nietzsche für die unterdrückten
- 3:28schmutzigen Fantasien und Triebe, die gerade wegen der
- 3:31strengen Unterdrückung immer stärker und unkontrollierbarer
- 3:34werden. Abschnitt 14 Zarathustra
- 3:40beobachtet das Verhalten der höheren Menschen, wenn ihnen
- 3:42etwas nicht gelingt, er vergleicht sie mit einem Tiger,
- 3:46der einen großen Sprung auf seine Beute gemacht hat.
- 3:49Aber daneben gesprungen ist genau wie dieser Tiger
- 3:52schleichen die höheren Menschen dann scheu, beschämt und
- 3:54ungeschickt davon, wenn ihnen ein großer Plan oder ein
- 3:57wichtiges Werk misslungen ist. Ein Wurf ist ihnen nicht
- 4:01geglückt, aber Zarathustra nennt sie würfelspieler und ruft ihnen
- 4:05zu, dass das überhaupt nicht schlimm ist.
- 4:07Das Leben ist wie ein Spiel und sie haben einfach noch nicht
- 4:10gelernt, richtig zu spielen und vor allem über sich selbst zu
- 4:13spotten und zu lachen, wenn sie einen Fehler machen.
- 4:17Er stellt Ihnen eine wichtige Frage.
- 4:19Nur weil euch etwas Großes misslungen ist, seid ihr deshalb
- 4:22gleich selbst völlig missraten und wertlos.
- 4:26Und selbst wenn ihr als Individuen fehlschlagt, ist
- 4:28deshalb gleich die ganze Menschheit ein Fehler.
- 4:31Die Antwort ist für ihn klar, Nein, wenn ein Projekt oder gar
- 4:36ein Mensch scheitert, dann ist das eben so, man soll sich davon
- 4:40nicht unterkriegen lassen, Zarathustra feuert sie an, mutig
- 4:44zu bleiben, aufzustehen und fröhlich weiterzumachen.
- 4:48Scheitern gehört zum großen Spiel des Lebens zwingend dazu.
- 4:52Abschnitt 15 Zarathustra erklärt ein Grundprinzip je wertvoller
- 4:58und höher entwickelt eine Sache ist, desto seltener gelingt sie
- 5:01perfekt, weil die höheren Menschen nach den höchsten
- 5:04Zielen streben, ist es völlig normal, dass sie nicht perfekt
- 5:07sind. Er fragt sie provokant, ob sie
- 5:10nicht alle in gewisser Weise missraten oder fehlerhaft sind,
- 5:14aber er fordert sie auf, guten Mutes zu sein.
- 5:17Denn das macht gar nichts. Es gibt immer noch so viele
- 5:20Möglichkeiten für sie. Das Wichtigste ist, dass sie
- 5:23lernen, über sich selbst zu lachen, so wie man lachen
- 5:26sollte, wenn man das Leben bejaht.
- 5:29Es ist kein Wunder, sagt er, dass sie nur zur Hälfte gelungen
- 5:33und halb zerbrochen sind. Der Grund für diese innere
- 5:36Zerrissenheit ist, dass die ganze Zukunft des Menschen in
- 5:39ihnen drängt und stößt mit der Zukunft des Menschen meint
- 5:43Nietzsche den Übermenschen. Das ist der Mensch der Zukunft,
- 5:47der sich selbst überwunden hat, der frei von alten Ängsten und
- 5:51falscher Moral ist und das Leben voll und ganz liebt.
- 5:55Da diese gewaltige neue Kraft in den höheren Menschen erst noch
- 5:58entstehen und ausbrechen will, sind sie wie Gefäße, die unter
- 6:01einem enormen Druck stehen und dabei Risse bekommen, um diese
- 6:05innere Anspannung und das Leiden an der eigenen Unvollkommenheit
- 6:08zu lindern, gibt Saratustra ihnen einen praktischen Rat.
- 6:12Sie sollen sich mit kleinen, guten und vollkommenen Dingen
- 6:15umgeben. Das können schöne Gegenstände,
- 6:18kleine Freuden oder gelungene Kunstwerke sein.
- 6:22Die makellose Schönheit dieser kleinen Dinge heilt das unruhige
- 6:26Herz, wenn man etwas vollkommenes sieht, lernt man
- 6:29wieder zu hoffen, dass auch das große Ziel eines Tages gelingen
- 6:32kann. Abschnitt 16.
- 6:38Zarathustra stellt die Frage, was bisher die größte Sünde,
- 6:41also das schlimmste Vergehen auf der Erde war.
- 6:44Er antwortet selbst, dass es die Lehre derer war, die sagten,
- 6:47Wehe denen, die hier lachen, das ist eine direkte Kritik an
- 6:51bestimmten religiösen Lehren, insbesondere dem Christentum,
- 6:55das oft das irdische Leben als ein Jammertal ansieht und das
- 6:58wahre Glück erst nach dem Tod im Himmel verspricht.
- 7:02Zarathustra meint, Wer auf dieser Welt keinen Grund zum
- 7:04Lachen findet, der hat einfach nur schlecht gesucht.
- 7:08Selbst ein Kind kann Gründe finden, um fröhlich zu sein.
- 7:11Jemand, der das Lachen und die Freude verflucht, der hat
- 7:15einfach nicht genug geliebt, wenn diese Menschen wirklich
- 7:18Liebe in sich hätten, dann würden sie auch diejenigen
- 7:21lieben, die Lachen und das Leben auf der Erde genießen, anstatt
- 7:26zu lieben, bringen sie den fröhlichen Menschen nur Hass,
- 7:29heulen und Zähneklappern entgegen.
- 7:32Zarathustra sagt, dass es ein Zeichen von schlechtem Geschmack
- 7:34ist, sofort alles zu verfluchen, was man nicht liebt.
- 7:39Er erklärt, dass diese Leute, die alles bedingungslos ablehnen
- 7:42und starre Regeln aufstellen, vom Pöbel abstammen.
- 7:46Der Begriff Pöbel steht bei Nietzsche nicht einfach für arme
- 7:49Leute, sondern für die unreflektierte Masse, für die
- 7:52Herdenmentalität es sind Menschen, die nicht
- 7:55selbstständig denken, sondern aus Neid und Schwäche das Leben
- 7:58verneinen und allen anderen ihre Freude verbieten wollen.
- 8:02Er warnt die höheren Menschen eindringlich davor, diesen
- 8:04absoluten und freudlosen Leuten aus dem Weg zu gehen.
- 8:08Deren Art ist Arm und krank, sie betrachten das Leben mit einem
- 8:13bösen Blick, sie haben schwere Füße und schwüle, bedrückte
- 8:17Herzen, sie wissen nicht, wie man tanzt, das Tanzen ist bei
- 8:21Nietzsche ein sehr wichtiges Symbol, es steht für eine
- 8:24leichte, Bejahende und schwungvolle Art zu leben, wer
- 8:28tanzen kann, der nimmt das Leben mit all seinen Herausforderungen
- 8:31an. Und meistert es mit Leichtigkeit
- 8:33und Freude. Wer das Lachen verbietet, macht
- 8:36die Erde für sich und andere nur schwer und erträglich.