Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - Zarathustra's Vorrede - 5
Transcript
- 0:00Vorrede unter Kapitel 5. Der letzte Mensch und das Ende
- 0:04der Sehnsucht in diesem Abschnitt ändert Zarathustra
- 0:09seine Strategie. Zuvor hatte er versucht, den
- 0:11Menschen seine Vision vom Übermenschen einer höheren,
- 0:14verbesserten Form des Menschseins nahezubringen, aber
- 0:18niemand wollte ihm zuhören. Nun versucht er es auf eine
- 0:21andere Weise zarathustras Erkenntnis über die Zuhörer
- 0:26Zarathustra schaut das Volk auf dem Marktplatz an.
- 0:29Er bemerkt, dass sie ihn nicht verstehen und über ihn lachen.
- 0:33Er denkt bei sich, ich bin nicht der Mund für diese Ohren, das
- 0:37bedeutet, dass seine Art zu reden nicht zu der Art passt,
- 0:40wie diese Menschen zuhören. Er fragt sich, ob man den
- 0:44Menschen erst weh tun oder sie laut anschreien muss, die Ohren
- 0:47zerschlagen oder rasseln wie Pauken, damit sie etwas Neues
- 0:51lernen. Er erkennt, dass die Menschen
- 0:54auf eine Sache besonders stolz sind, ihre Bildung Erklärung.
- 0:59Mit Bildung meint Nietzsche hier nicht nur Schulwissen, sondern
- 1:02die moderne Zivilisation, Wissenschaft und Kultur, auf die
- 1:05sich die Menschen etwas einbilden.
- 1:08Sie glauben, dadurch besser zu sein als einfache Leute, die
- 1:11Ziegenhirten, weil sie so stolz sind, mögen sie es nicht, wenn
- 1:15Zarathustra verächtlich über sie spricht.
- 1:18Deshalb beschließt Zarathustra, ihren Stolz anzusprechen, er
- 1:22will ihnen das Gegenteil von dem zeigen, was Sie anstreben
- 1:25sollten. Er will Ihnen das Schlimmste und
- 1:27Erbärmlichste zeigen, was aus dem Menschen werden kann.
- 1:31Er nennt dies den letzten Menschen, die Warnung vor dem
- 1:35Verlust der Ziele Zarathustra spricht nun wieder laut zum
- 1:39Volk, er warnt sie eindringlich, er sagt, es ist Zeit, dass die
- 1:44Menschen sich ein großes Ziel setzen, noch ist der Boden der
- 1:47Menschheit reich genug dafür, aber bald wird er arm und
- 1:51kraftlos sein, dann wird kein hoher Baum.
- 1:54Kein großes Ziel oder genialer Mensch mehr darauf wachsen
- 1:57können. Er warnt davor, dass die Zeit
- 2:00kommt, in der der Mensch keine Sehnsucht mehr hat.
- 2:03Erklärung Sehnsucht ist für Nietzsche der Antrieb, sich zu
- 2:06verbessern und über sich hinaus zu wachsen, wenn die Sehnsucht
- 2:10fehlt, bleibt der Mensch stehen und entwickelt sich nicht
- 2:13weiter. Das Tanzende Chaos Zarathustra
- 2:17sagt einen seiner berühmtesten Sätze, Man muss noch Chaos in
- 2:20sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.
- 2:24Erklärung mit Chaos meint er wilde Energie, Leidenschaft,
- 2:29Unordnung und Kreativität im Inneren eines Menschen.
- 2:33Nur wer dieses wilde Potential in sich trägt, kann etwas
- 2:36Wunderschönes und Neues erschaffen, den tanzenden Stern
- 2:40wer innerlich komplett geordnet, brav und langweilig ist, kann
- 2:44nichts Großes mehr leisten. Zarathustra sagt den Leuten, ihr
- 2:48habt noch Chaos in euch, aber er warnt, dass die Zeit kommt, wo
- 2:52das vorbei ist. Dann kommt der letzte Mensch.
- 2:56Das ist der Mensch, der sich selbst nicht mehr verachten
- 2:59kann. Das heißt, er ist so zufrieden
- 3:02mit sich selbst, dass er gar kein Bedürfnis mehr hat, besser
- 3:05zu werden. Die Beschreibung des letzten
- 3:08Menschen Zarathustra beschreibt nun, wie diese letzten Menschen
- 3:12leben und denken, es ist ein erschreckendes Bild einer
- 3:16langweiligen Zukunft, Verlust von Tiefe, die letzten Menschen
- 3:20fragen, was ist Liebe, was ist Schöpfung.
- 3:23Was ist Sehnsucht? Sie blinzeln dabei nur
- 3:26verständnislos, sie haben diese tiefen Gefühle verlernt.
- 3:31Kleinheit, die Welt ist für sie klein geworden, auf ihr hüpft
- 3:35der letzte Mensch herum wie ein Erdfloh, das bedeutet, er ist
- 3:39klein, nervig und überall zu finden, diese Art Mensch stirbt
- 3:44nicht aus, sie vermehrt sich immer weiter, falsches Glück,
- 3:48die letzten Menschen sagen, wir haben das Glück erfunden.
- 3:52Damit meinen sie aber nur Bequemlichkeit und Komfort.
- 3:55Sie blinzeln dabei Selbstzufrieden.
- 3:57Vermeidung von Anstrengung Sie verlassen Orte, wo das Leben
- 4:01harrt und das Wetter rau ist. Sie brauchen Wärme, sie sind
- 4:06nett zu Ihren Nachbarn, aber nicht aus Liebe, sondern weil
- 4:09Streit stressig ist und sie ihre Ruhe und Wärme wollen Vorsicht
- 4:13statt Mut, krank zu werden oder misstrauisch zu sein, gilt als
- 4:17Fehler man bewegt sich extrem vorsichtig.
- 4:21Wer noch über Steine stolpert, also Risiken eingeht, gilt als
- 4:25Dummkopf. Kleine Annehmlichkeiten sie
- 4:28sorgen stets für angenehme Träume, auch ihr Lebensende
- 4:31gestalten sie sich so komfortabel wie möglich, damit
- 4:34der letzte Abschied völlig leidfrei und sanft bleibt.
- 4:37Arbeit als Unterhaltung sie arbeiten zwar noch, aber nur zur
- 4:41Unterhaltung, die Arbeit darf nicht anstrengen oder wehtun,
- 4:45keine Unterschiede mehr, es gibt keine Reichen und keine Armen
- 4:49mehr. Denn beides ist zu mühsam.
- 4:52Niemand will mehr regieren, Anführer sein und niemand will
- 4:56mehr gehorchen. Beides ist zu anstrengend, die
- 5:00Herde Zarathustra fasst es so zusammen, kein Hirt, und eine
- 5:04Herde, alle wollen das gleiche, alle sind gleich, wer anders
- 5:09fühlt oder denkt, gilt als verrückt und geht freiwillig ins
- 5:13Irrenhaus, Klugheit ohne Weisheit.
- 5:16Sie halten sich für sehr klug und wissen alles, was früher
- 5:19passiert ist. Deshalb können Sie sich immer
- 5:22über alles lustig machen. Sie streiten sich noch kurz,
- 5:25vertragen sich aber sofort wieder, weil Streit auf den
- 5:28Magen schlägt? Bescheidene Lust.
- 5:30Sie haben kleine Vergnügungen für den Tag und kleine
- 5:33Vergnügungen für die Nacht, aber das Wichtigste ist ihnen die
- 5:36Gesundheit. Am Ende rufen die letzten
- 5:39Menschen wieder, wir haben das Glück erfunden und blinzeln die
- 5:44Reaktion des Volkes. Hier endet zarathustras Rede
- 5:47über den letzten Menschen. Doch die Reaktion der Menge ist
- 5:51anders, als er gehofft hat. Anstatt schockiert zu sein und
- 5:55den letzten Menschen abzulehnen, sind die Leute begeistert, sie
- 5:59schreien, gib uns diesen letzten Menschen, o Zarathustra, mache
- 6:04uns zu diesen letzten Menschen, dann schenken wir dir den
- 6:08Übermenschen, das Volk will also genau dieses bequeme,
- 6:12Anstrengungslose leben ohne große Ziele.
- 6:16Sie machen sich über Zarathustra lustig.
- 6:18Zarathustras Traurigkeit, das Volk jubelt und Schnalzt mit der
- 6:22Zunge. Zarathustra aber wird traurig,
- 6:26er versteht nun endgültig, dass er diese Menschen nicht
- 6:29erreichen kann, er denkt bei sich, sie verstehen mich nicht,
- 6:34ich habe zu lange einsam in den Bergen gelebt und dem Wind und
- 6:36den Bäumen zugehört, jetzt rede ich für sie, als wären sie
- 6:40ziegenhirten, also zu einfach. Oder zu naturnah für diese
- 6:45Stadtmenschen? Zarathustra stellt fest, dass
- 6:48seine Seele ruhig und hell ist, wie ein Gebirge am Vormittag,
- 6:52aber die Menschen glauben, er sei herzlos und mache nur
- 6:55grausame Witze. Das Unterkapitel endet damit,
- 6:59dass die Menschen Zarathustra anstarren und lachen, aber ihr
- 7:02lachen ist nicht freundlich, es ist eiskalt, es ist Eis in ihrem
- 7:07Lachen und sie hassen ihn dafür, dass er ihren Lebensstil
- 7:10kritisiert hat.