Latest / ntv Wirtschaft / Günstiger essen? Warum die Steuersenkung in der Gastro nicht auf dem Teller landet
Transcript
- 0:07Obi verliert vor dem Bundesgerichtshof den Streit um sein Orange.
- 0:12In den USA erhöht die Notenbank gegen den Wunsch von Donald Trump die Zinsen.
- 0:18Außerdem zeigt eine neue Studie, von der Steuersenkung in der Gastronomie kommt
- 0:23bei den Gästen offenbar kaum etwas an. Hallo!
- 0:28In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:32die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:38Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:42Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:47geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:53Orange gehört zu Obi. Könnte man zumindest denken.
- 0:57Rechtlich sieht das jetzt anders aus. Der Bundesgerichtshof hat entschieden,
- 1:01die Baumarktkette bekommt keinen Markenschutz für ihren speziellen hellrot-orange Ton.
- 1:07Damit endet ein jahrelanger Streit mit den Konkurrenten Hornbach und Globus.
- 1:12Die Richter sagen, Orange weist eher allgemein auf einen Baumarkt hin,
- 1:17aber eben nicht eindeutig auf Obi.
- 1:20Grundsätzlich können Unternehmen Farben durchaus schützen lassen,
- 1:23aber nur für bestimmte Branchen.
- 1:26Die Telekom hat zum Beispiel ihr Magenta, Milka ein spezielles Lila und Nivea ein markantes Blau.
- 1:33Wie wichtig ist so eine Farbe eigentlich für die Wiedererkennbarkeit einer Marke?
- 1:38Darüber hat Nancy Lanzendörfer mit dem Markenexperten John Christoph Berndt
- 1:43von Brand Amazing gesprochen.
- 1:45Herr Berndt, ist das ein Rückschlag für Obi?
- 1:48Ach, das ist ein Rückschlagchen. Das ist natürlich total wichtig.
- 1:51Und die Rechtsabteilungen, die wollen natürlich auch Recht haben und gehen in den Battle. Warum?
- 1:57Natürlich auch, damit wir heute darüber sprechen. Es ist ja jetzt schon viele
- 2:00hunderttausend Euro wert, das heute durch die Medien geht. OBI hat in diesem
- 2:04Streit verloren. Ah, am Samstag gehe ich zum Baumarkt. Da gehe ich doch mal
- 2:07zu dem, der jetzt so in den Medien war.
- 2:09Also ich will es nicht kleinreden, aber auch nicht zu großreden.
- 2:12Natürlich sind viele Menschen, wenn es um Marken geht, total farbgeprägt und
- 2:17farbgesteuert, unterbewusst.
- 2:19Aber das ist das eine. Auch bei Baumärkten geht es zum Schluss um die Servicekompetenz,
- 2:23die Beratung, die Preise und die Qualität. Da ist die Farbe ein Dings in dem ganzen Bums.
- 2:29In Berufung kann OBI ja jetzt ohnehin nicht gehen. Da frage ich mich, und jetzt?
- 2:34Naja, irgendwann ist es ja auch mal gut. Und jetzt ist es so,
- 2:37dass morgen dieses Thema schon wieder von gestern ist.
- 2:39Und dann wird es neue Battlegrounds geben, also Kampfplätze um Farben,
- 2:45Umformen, all das, was heutzutage so ein kostbares Gut ist.
- 2:49Wir Markenexpertinnen und Experten sagen ja auch, naja, die Farben sind irgendwie
- 2:53jetzt alle schon verteilt, die Buchstaben sind verteilt.
- 2:56Es gibt kaum noch Namen, die schützenswert sind, wo das Patent- und Markenamt
- 3:00sagt, oh ja, für diesen neuen Namen, für deine neue Firma gewähren wir dir einen Schutz.
- 3:05Das war ja in den 50er Jahren ganz anders. Und es ist alles verteilt.
- 3:09Und damit müssen die Unternehmen und die Verantwortlichen jetzt umgehen und
- 3:12ihre Unterscheidungskraft
- 3:14eben woanders basieren und woanders sich drauf verlassen, dass die Kundinnen
- 3:19jetzt nicht sagen, ist mir egal, Baumarkt ist Baumarkt, Kreditinstitut ist Kreditinstitut,
- 3:23dass sie einen Lieblingsbaumarkt haben.
- 3:25Und dafür können die weit mehr tun, als sich nur um Farbe zu streiten.
- 3:30Und das möchte ich gerne noch mal vertiefen, das Thema. Sie hatten es schon
- 3:33kurz angesprochen. Was würden Sie sagen, wie wichtig sind Farben also für ein
- 3:37Unternehmen, für eine Marke?
- 3:39Ach, die sind total wichtig, natürlich, weil wir alle, wenn wir am Regal stehen
- 3:43und wenn wir so die deutsche Runde machen, Samstag so nach dem Aufstehen, das ist ja
- 3:47Wagenwäsche mit Felgenreinigung, Getränkeshop, Supermarkt und Baumarkt,
- 3:51dann sind wir intuitiv unterbewusst gesteuert und sagen, oh,
- 3:55habe ich schon mal gesehen.
- 3:56Tankstelle, Rot, Gelb, Blau, Baumarkt, Orange, Grün. Blau gab es ja auch mal, Praktika.
- 4:02Aber es ist eben nur ein Moment in diesem ganzen Konglomerat.
- 4:06Und wer ein konsistentes, stringentes Markenerlebnis nicht nur bei Baumärkten,
- 4:11sondern mit die Edweder Firma schaffen will, der muss die ganze Klaviatur beherrschen
- 4:15und sagen, Farbe ist das eine.
- 4:17Und die eben von mir schon genannten Aspekte und weitere auch sind das Ganze
- 4:22viele andere. Marke und Markenerlebnis macht Mühe.
- 4:25Und da können sich Verantwortliche jetzt nicht nur auf diesem verlorenen Markenstreit.
- 4:30Ausruhen und sagen dann eben nicht, sondern sie müssen sich jetzt überlegen,
- 4:33okay, wir haben Orange nicht exklusiv,
- 4:36wie können wir durch die ganzen anderen Instrumente in diesem Instrumentarium
- 4:40dafür sorgen, dass wir dennoch immer wieder bewusst ausgewählt werden von Lieblingskundinnen und Kunden,
- 4:46selbst wenn wir nicht die billigsten, sondern die preiswertesten sind. Und darum geht es.
- 4:51Der ist, in dem Fall der Baumarkt, seinen Preis wert. Fahre ich hin.
- 4:55Andere mögen billiger sein. Die Farbe möge nicht geschützt sein.
- 4:59Aber da gehe ich hin. Da werde ich so klasse bei den Schrauben beraten von der Inge.
- 5:03Und da gehe ich hin, kaufe meine Schrauben. Ist mir der Rest egal.
- 5:07Herr Bern, vielen herzlichen Dank für das Interview. Liebend gern.
- 5:12Weiter zur US-Notenbank. Die
- 5:15FED erhöht zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren wieder den Leitzins.
- 5:19Um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent.
- 5:25Der Grund ist die hartnäckig hohe Inflation.
- 5:28Vor allem die gestiegenen Energiepreise machen den Amerikanern zu schaffen.
- 5:32Für Donald Trump kommt der Zinsschritt allerdings zur Unzeit.
- 5:36Er fordert seit langem niedrigere Zinsen und wirft dem FED-Vorstand jetzt sogar politische Motive vor.
- 5:43Notenbankchef Kevin Walsh hält dagegen. Die FED müsse für stabile Preise sorgen
- 5:48und sich auf ihren Auftrag konzentrieren.
- 5:51Marktbeobachter werten den
- 5:53Schritt deshalb auch als Zeichen ihrer Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit.
- 5:58Mehrere FED-Mitglieder rechnen in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Zinserhöhung.
- 6:04Was höhere Zinsen bedeuten, merkt man spätestens dann, wenn man einen größeren
- 6:08Kredit braucht. Zum Beispiel für die eigenen vier Wände.
- 6:12Und da wird es gerade wieder deutlich teurer. Die Bauzinsen sind gestiegen.
- 6:17Für Finanzierungen mit zehn Jahren Zinsbindung liegen sie inzwischen bei rund 4,25 Prozent.
- 6:23So hoch wie seit 2011 nicht mehr.
- 6:26Das bremst den Immobilienmarkt. Das GEWOS-Institut erwartet,
- 6:30dass die Zahl der Wohnimmobilienkäufe in diesem Jahr um gut 4 Prozent zurückgeht.
- 6:36Besonders Eigenheime dürften weniger gefragt sein. Denn nicht nur Kredite werden teurer.
- 6:42Auch Baupreise und die allgemeine Teuerung ziehen wieder an.
- 6:46Dazu kommt, Banken vergeben Kredite etwas strenger.
- 6:50Und Entspannung ist erstmal nicht in Sicht.
- 6:53Experten halten sogar Bauzinsen von 4,5 Prozent für möglich.
- 6:59Teurer wird es also beim Hauskauf. Beim Restaurantbesuch sollte es hingegen
- 7:03eigentlich günstiger werden.
- 7:05Genau das scheint aber kaum passiert zu sein. Seit Januar gilt für Speisen in
- 7:09Restaurants und Cafés nur noch 7 Prozent Mehrwertsteuer statt 19 Prozent.
- 7:15Die Idee dahinter war auch, Gäste sollten entlastet werden.
- 7:19Laut einer Studie im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung, Genuss,
- 7:22Gaststätten ist davon aber kaum etwas auf den Speisekarten angekommen.
- 7:27Von mehr als 180.000 untersuchten Gerichten wurde gerade einmal 1% günstiger.
- 7:34Und auch bei den Beschäftigten ist die Stimmung angespannt.
- 7:3771% der Befragten haben den Angaben zufolge schon darüber nachgedacht,
- 7:42die Branche zu verlassen.
- 7:44Sibylle Schaar hat mit Guido Zeidler, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten,
- 7:50über Gründe gesprochen.
- 7:52Einen schönen guten Tag, Herr Zeidler. Warum sind viele Gerichte trotz dieser
- 7:56Steuersenkung eigentlich nicht billiger geworden, zum Teil ja sogar teurer?
- 8:01Die Branche hat schlicht und ergreifend die Gelegenheit nicht genutzt,
- 8:04die sie durch dieses Steuergeschenk bekommen hat.
- 8:10Diesen Preisnachlass an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterzugeben.
- 8:14Das war ja eines der politischen Ziele der Bundesregierung, die Entlastung der
- 8:18Verbraucherinnen und Verbraucher.
- 8:20Und dieses Ziel ist krachend gescheitert. Sie sagen, diese Chance wurde nicht
- 8:25genutzt. Man stellt sich als Verbraucher natürlich die Frage,
- 8:28wo ist die Steuersparnis denn hin, wenn sie nicht an uns Kunden weitergegeben wurde?
- 8:33Naja, das haben sich die Betriebe natürlich dann,
- 8:37einverleibt, um natürlich auch die steigenden Energiekosten und die Kostensituation
- 8:44für die Branche ist ja auch wie im Allgemeinen in der Wirtschaft nicht einfach,
- 8:49damit ein Stück weit gegenzusteuern.
- 8:52Aber wir haben auch immer sehr klar gesagt, das muss irgendwo auch bei den Beschäftigten ankommen.
- 8:59Wir reden darüber, dass die Branche ein großer Niedriglohnsektor ist.
- 9:03Und diese Chance, die die Branche jetzt hat, um die Einkommenssituation der
- 9:08Beschäftigten zu verbessern, die wird leider Gottes momentan auch noch nicht
- 9:12genutzt. Das heißt, aktuell bleibt das Geld in den Betrieben.
- 9:16Sie haben die Beschäftigten gerade schon angesprochen und deren Frust.
- 9:21Ich würde da gerne nochmal nachhaken. Sie haben das Stichwort Löhne schon gegeben,
- 9:24aber vielleicht können Sie uns insgesamt nochmal einen Einblick geben,
- 9:27warum sind so viele Mitarbeiter in Restaurants oder auch Hotels unzufrieden
- 9:32und denken eben darüber nach, die Branche zu verlassen?
- 9:35Da gibt es im Wesentlichen zwei Punkte, die wir ansprechen müssen.
- 9:39Das eine ist das Einkommen.
- 9:43Jeder Zweite arbeitet in der Branche unterhalb der Niedriglohnschwelle.
- 9:47Das sind 14,32 pro Stunde.
- 9:51Das ist sicherlich ein Faktor, der ganz, ganz wichtig ist.
- 9:56Gerade auch vor dem Hintergrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten,
- 9:59Mieten und dergleichen mehr, fällt es immer mehr Menschen schwer,
- 10:04überhaupt noch das Leben zu finanzieren und im Gastgewerbe zu arbeiten.
- 10:08Und der zweite wesentliche Punkt ist die tatsächliche Arbeitsbelastung,
- 10:13also die ganz konkrete Situation.
- 10:15Wir haben eine Branche, die hat einen Fach- und Arbeitskräftemangel und das
- 10:20führt oft dazu, dass fehlendes Personal durch die kompensiert werden muss,
- 10:25die halt vor Ort sind, durch Überstunden, durch lange Arbeitszeiten.
- 10:30Und das führt dazu, dass immer mehr überlegen, aus der Branche rauszugehen.
- 10:35Und all diese Probleme und Schwierigkeiten, die Sie gerade geschildert haben,
- 10:39die lassen sich natürlich auch nicht einfach so abstellen.
- 10:42Dennoch die Frage, können Restaurants denn nur überleben, wenn Mitarbeiter eben
- 10:47zu so niedrigen Löhnen und auch unter sehr hohem Druck arbeiten?
- 10:50Also was ist die Alternative?
- 10:52Also das kann natürlich kein Geschäftsmodell sein, dass Restaurants oder Betriebe
- 10:57nur dann existieren, wenn sie ausbeuterische Löhne oder schlechte Löhne bezahlen.
- 11:02Ziel muss doch sein, gute Arbeit zu ermöglichen, gute Produkte für die Gäste,
- 11:09zur Verfügung zu stellen, die von Fachleuten produziert werden.
- 11:13Und allen ein einkömmliches oder auskömmliches Einkommen ermöglicht.
- 11:18Das muss doch die Zielsetzung sein.
- 11:19Und deswegen ist ja momentan auch eine historische Chance eigentlich da.
- 11:24Vier Milliarden macht in etwa diese Mehrwertsteuerreduzierung,
- 11:28dieses Mehrwertsteuergeschenk der Bundesregierung aus.
- 11:30Und dieses Geld kann man ganz gezielt genau für diese Punkte ja auch einsetzen.
- 11:35Zum einen, wie schaffe ich es, die Nachfrage in den Betrieben zu stärken?
- 11:40Und wie schaffe ich es, auf der anderen Seite diesen finanziellen Spielraum
- 11:44zu nutzen, um die Entgelt-Situation für die Menschen zu verbessern?
- 11:48Ganz herzlichen Dank für all diese wichtigen Hintergründe und Ihre Einordnung
- 11:53an Gitu Zeidler. Ihnen noch einen schönen Tag.
- 11:56Vielen Dank. Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 12:02Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.