Latest / Augstein & Blome / Leihmutter in den USA: darf Spahn das?
Transcript
- 0:02Hallo Ivy, heilu, Blome, vor dem Intro, ganz kurz, ich bin immer noch in den
- 0:06Ferien, hier ist Jakob Augstein, Sie sind bei Augstein und Blome,
- 0:08dem intergalaktischen Podcast.
- 0:10Bevor wir das Intro spielen, Blome, will ich Ihnen sagen, am Ende unseres Podcasts
- 0:15haben Sie und ich den Auftrag auf das Community-Tool Campfire.
- 0:21Ivy, erinnerst du uns daran, wenn wir es vergessen, Blome, denken Sie daran,
- 0:24Campfire, Stichwort Campfire, okay?
- 0:26Das mache ich sehr gerne. Als guter Konservativer, auch leicht immer aus der
- 0:31Zeit gefallen, mit dem Neuen so spät wie möglich, mit dem Alten so lange wie
- 0:36möglich, hier spricht Blume, was ist ein Community-Tool?
- 0:40Okay, das erkläre ich Ihnen dann nach dem Entwurf.
- 1:06Also dann, lieber Augstein, hier spricht Nikolaus Blobe.
- 1:10Stelle ich Ihnen mal eine Frage. Eigentlich müssten wir dafür die Hörer mal
- 1:15kurz aus der Sendung rausbitten, weil es schon eine intime Frage ist,
- 1:18auch eine sehr private. Sie kennen mich schon lange, ich kenne Sie schon lange.
- 1:24Manche Menschen denken, die sind so oft gemeinsam irgendwo, das ist bestimmt ein Ehepaar.
- 1:31Also, Augstein und Blobe auch als Ehepaar denkbar.
- 1:35Und wenn dem so wäre und wir hätten Kinderwunsch, wie würden wir das anstellen, Rockstein?
- 1:40Ich frage mit Hintergrund, Jens Spahn sah sich vor so eine Frage gestellt und
- 1:44hat sie beantwortet dieser Tage.
- 1:45Blume, da haben Sie aber ein heikles Thema gleich, wie soll ich sagen.
- 1:50Ziemlich witzig so am Schopf gepackt.
- 1:53Was viele Hörerinnen und Hörer vielleicht wissen ist, dass Sie verheiratet sind
- 1:57und ich bin auch verheiratet. Wir sind aber nicht miteinander verheiratet und
- 2:00ich möchte Ihnen auch da nicht zu viel Hoffnung machen, dass sich das in diesem
- 2:04Leben noch ändert und fürs nächste Leben kann ich nicht sprechen.
- 2:07Sie spielen auf Jens Spahn an, der mit seinem Ehemann, Herrn Funke,
- 2:13ein Kind bekommen hat in den USA über eine Leihmutter.
- 2:18Herr Funke ist der leibliche Vater dieses Kindes jetzt mit einer Leihmutter in den USA.
- 2:23Warum in den USA? Weil es in Deutschland verboten ist.
- 2:26Das heißt, wir haben jetzt die kuriose Situation, dass, ich möchte sagen,
- 2:30ein hochrangiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland etwas doch sehr sehr
- 2:35Zentrales im Ausland vornehmen lässt, weil es im Inland verboten ist. Ich meine.
- 2:43Und allein deswegen ist es schon irgendwie komisch, oder finden Sie nicht?
- 2:47Augstein, sagen wir mal so, jetzt rekurrieren Sie ja auf die Vorbildfunktion
- 2:54beziehungsweise die Pflicht zur Vorbildfunktion von insbesondere hochrangigen Politikern.
- 3:00Die dürfen also nicht machen, was andere dürfen.
- 3:04Denn legal ist es ja, was das Ehepaar Spahn-Funke gemacht hat.
- 3:09Sie haben keinerlei Gesetz gebrochen.
- 3:12Aber ist es eben auch legitim als Politiker, noch dazu als CDU-Politiker,
- 3:16die haben eine ganz klare Linie zu Leihmutterschaften, Leihmutterschaften, die sagen Nein dazu,
- 3:21trotzdem für sich persönlich ganz individuell zu entscheiden,
- 3:23ich mache das auf legalem Wege und darum umlaufe ich, wenn man so will,
- 3:27den Geltungsbereich des deutschen Verbotes.
- 3:31Dass jetzt der Vorbildcharakter eines Politikers, und er hat eine Pflicht zum
- 3:36Vorbild, damit massiv beschädigt wurde, kann ich nicht erkennen.
- 3:39Ich kann viele, viele andere Argumente nachvollziehen, die gegen Leihmutterschaft
- 3:44sprechen, aber das finde ich eher das Schwächere.
- 3:49Hä? Ich verstehe sie nicht. Er ist der Fraktionsvorsitzende der CDU.
- 3:52Ich meine, wir haben uns hier letzte Woche über Alice Weidel unterhalten,
- 3:56die in einer lesbischen Beziehung lebt. Ich glaube auch mit Adoptivkindern, keine Ahnung.
- 4:01Und in einer Partei ist, in der das traditionelle Vater-Mutter-Kind-Modell propagiert
- 4:08wird und sie im Prinzip nicht dazugehörten. Als man sie dazu gefragt hat,
- 4:12hat sie gesagt, ja, die können machen, was sie wollen und so.
- 4:14Ich lebe aber mein Leben so, wie ich will.
- 4:16Und darüber haben sie sich aufgeregt und fanden das irgendwie komisch.
- 4:18Jetzt bei Jens Spahn, der macht genau das Gleiche. Es ist genau das Gleiche. Nee, stopp.
- 4:22Die Partei, für die er Fraktionsvorsitzender im Bundestag ist,
- 4:26hat eine klare Haltung zu diesem Thema.
- 4:29Und er sagt, ja, ich bin der Fraktionsvorsitzende, aber privat mache ich was anderes.
- 4:33Ja Moment, aber ich habe ja nicht
- 4:36Frau Weidel vorgeworfen, dass sie einen homosexuellen Lebensplan verfolgt,
- 4:42sondern ich habe der Partei vorgeworfen, dass sie das für anormal oder abnormal hält.
- 4:51Und dann da ein Widerspruch entsteht zwischen dem Lebensweg der Parteichefin
- 4:55und der Programmatik der Partei, das stimmt, aber das würde ich jetzt nicht
- 4:58der Frau umhängen, also nicht Frau Weidel umhängen, sondern dann eher der Partei umhängen.
- 5:03Mein Punkt ist ein anderer, also ich habe viele Bedenken gegen Leihmutterschaft.
- 5:07Und finde das irgendwie eskapistisch auf eine Art, ohne dass ich den Einzelnen,
- 5:12die das so entschieden haben, dann persönlich zu nahe treten will.
- 5:15Aber ich habe das Gefühl, naja, warum haben die kein Kind adoptiert? Ganz banale Frage.
- 5:22Die finde ich viel stärker als jetzt die Umwegargumentation,
- 5:26oh guck mal, du stellst dich in deinem privaten Lebenswandel gegen dein Parteiprogramm.
- 5:31Und dazu muss man übrigens eins hinzufügen, Jens Spahn ist jetzt nicht derjenige,
- 5:34der diesen Teil des Parteiprogramms jeden Tag im Mund führt und jeden Tag also
- 5:39gegen Leihmutterschaften wettert und es dann privat selber macht.
- 5:41Dann gäbe es vielleicht wirklich einen Widerspruch.
- 5:44Aber das Thema hat doch im Fall Jens Spahn zwei Aspekte. Es hat den politischen
- 5:50Aspekt, weil es halt Jens Spahn ist.
- 5:53Und dann hat es den Aspekt, den es immer hätte sozusagen.
- 5:57Bei jedem Menschen, der es macht. Und wir sind im Moment noch bei dem politischen
- 6:00und kommen dann gerne noch zu dem anderen.
- 6:02Und beim politischen Aspekt wundert es mich, dass sie jetzt so leichtfertig darüber hinweggehen.
- 6:06Denn für die CDU waren solche Themen, Familie, Alles, was so mit Nachkommenschaft
- 6:12zu tun hat, Elternschaft, letztlich auch Verantwortung gegenüber dem ungeborenen Leben und so.
- 6:20Das waren ja aus der katholischen Tradition heraus alles mal ganz,
- 6:23ganz zentrale Themenfelder der CDU.
- 6:26Das sind ja hier keine Lässlichkeiten. Ich rede jetzt ja nicht irgendwie darüber,
- 6:29ob er einen Mofaführerschein im Urlaub gemacht hat, der in Deutschland nicht
- 6:33anerkannt wird oder so, sondern das ist ja auf einem anderen Level.
- 6:36Und da stellt er sich sozusagen zentral gegen eine wichtige Rolle.
- 6:42Die familienpolitische, gesellschaftspolitische Grundposition der Partei.
- 6:45Ich finde das nicht so ganz ohne.
- 6:48Und es wundert mich, dass sie es ohne finden. Man könnte auch sagen,
- 6:51mit seiner Funktion in der Partei verträgt es sich nicht, wenn er diese private Linie fährt.
- 6:56Man könnte auch sagen, wenn er das machen will, müsste er vielleicht dann seine
- 6:59Funktion in dieser Partei aufgeben oder in eine andere Partei eintreten.
- 7:03In der FDP zum Beispiel wäre das vermutlich gar kein Problem,
- 7:06weil die sind halt liberal eingestellt und da kann halt jeder machen, was er will.
- 7:09In der CDU nicht. Oder habe ich da irgendwas falsch verstanden?
- 7:12Naja, ich würde das pragmatisch anschauen und sagen, wie wichtig und zentral
- 7:16ist dieser Punkt, Nein zur Leihmutterschaft, in der Programmatik der CDU.
- 7:22Und wenn er riesengroß und super,
- 7:23super wichtig ist, dann wird es immer schwieriger für einen prominenten,
- 7:28Parteivertreter, und das ist natürlich Jens Spahn als Fraktionschef von CDU,
- 7:32CSU und Deutschen Bundestag, immer schwieriger für so einen prominenten Vertreter,
- 7:35dem zuwiderzuhandeln im eigenen Lebenslauf.
- 7:39Aber jetzt drehen Sie doch die Frage mal um. Also Sie meinen,
- 7:42Jens Spahn müsste die CDU verlassen, weil er an der Stelle,
- 7:46seinen privaten Lebenswandel auf legale Weise, wohlgemerkt, auf legale Art und
- 7:50Weise etwas von der Programmatik seiner Partei abkoppelt.
- 7:54Meinen Sie das ernst? Nein, das meine ich natürlich nicht ernst.
- 7:57Ich finde, es zeigt aber, dass er sozusagen im Prinzip eine unglaubwürdige Figur
- 8:01ist. Weil ich finde, man kann nicht in so einer Partei sein.
- 8:05Sie wollen ihm Doppelmoral vorwerfen. Das kann man auch. Also es könnte ein
- 8:08krasser Fall von Doppelmoral sein. Es ist ein Exempel für Doppelmoral. Ja, aber...
- 8:12Weil es gilt für ihn etwas anderes, als er unterschrieben hat,
- 8:16dass sozusagen für alle anderen Parteimitglieder gelten soll oder wofür seine Partei kämpft.
- 8:21Das genau meint man mit Doppelmoral und das ist mir wichtig,
- 8:24denn ich finde, es passt zur Gesamtfigur Jens Spahn.
- 8:27Ich glaube sowieso, dass Jens Spahn ein doppelmoralischer Kollege ist und hier
- 8:31kann man es richtig schön sehen.
- 8:33Und das wird dann verkauft in der Bild-Zeitung als große Boulevardgeschichte.
- 8:37Wir sind Vater geworden. Unser Sohn heißt nach meinem Vater Georg und alles ist so tränendrüsig.
- 8:44Ich finde, das ist doppelmoralisch und es ist natürlich ehrlich gesagt auch
- 8:48ein Klassenproblem. Ich meine, es kostet einfach schweinemäßig viel Geld, was er da gemacht hat.
- 8:53Das kann sich auch gar nicht jeder leisten, sozusagen. Er kauft sich also frei.
- 8:57Also der CDU-Politiker umgeht Regeln, für die er eigentlich in Deutschland stehen
- 9:01müsste, nur weil er sich das leisten kann in Amerika und kauft sich da einen
- 9:06Frauenkörper, um da sein Kind austragen zu lassen.
- 9:09Da kommen wir natürlich jetzt dann in den anderen Bereich, der mich eigentlich
- 9:12auch stört an diesem Thema.
- 9:14Naja, also okay, vielleicht kommen wir am Ende in einen anderen Bereich von
- 9:17größerer Moral. Dann könnte es sich herausstellen, dass wir durchaus einer Meinung
- 9:21sind an dem Ende der Skala.
- 9:23Aber den Zwischenbereich, den Sie jetzt schnell durchlaufen haben,
- 9:26das ist ja nun der nackte Neid.
- 9:28Tut mir leid. Also als Argument gegen diesen Vorgang, gegen diese Vaterschaft,
- 9:35gegen dieses Kind anzuführen, das kann sich aber nur ein Wohlhabender leisten
- 9:39und andere können sich das nicht leisten, ist nun das Schwächste von allen.
- 9:42Dann könnten sie auch sagen, das mit dem großen Haus, das ist aber auch unmoralisch,
- 9:47weil das kann sich halt auch nicht jeder leisten. Oder aber das größere Auto,
- 9:51das ich weiß nicht was, die schönere Luxusreise, whatever.
- 9:54Das ist jetzt der Unterschied zwischen.
- 9:57Der sozialen Staffelung von Einkommen und Wohlstand. Wenn Sie das jetzt noch
- 10:01zum Argument gegen diesen Vorgang machen, dann können Sie irgendwie gleich alles anführen.
- 10:06Das finde ich jetzt noch weniger überzeugend. Also eigentlich,
- 10:09Augstein, das Witzige an diesem Gespräch ist, eigentlich bin ich Ihrer Meinung,
- 10:12auch ich finde, insbesondere wenn man auf die etwas höhere Meter,
- 10:16Halbmeter Ebene geht, finde ich,
- 10:20Leihmutterschaft macht Kind und Mutter und Mutterbauche zur Ware.
- 10:25Und das gefällt mir auch nicht. Ist übrigens fast ein Zitat aus dem CDU-Programm.
- 10:30Aber das macht mir ein ungutes Gefühl und ich glaube auch Jens Spahn hat dieses
- 10:34ungute Gefühl zumindest eine Zeit lang auch mal gehabt, so hat er sich zumindest
- 10:38mal in einem Interview eingelassen, dass diese, wie soll man sagen, Verdinglichung,
- 10:44Mietbarkeit von so grundsätzlichen Dingen irgendwie seltsam ist.
- 10:49Da bin ich total bei Ihnen. Und deshalb bin ich unter dem Strich auch eher ein
- 10:53Gegner von Leihmutterschaft. Ich habe nur das Gefühl, dass diese Diskussion,
- 10:57die man in aller Ruhe führen kann.
- 11:01Überlagert wird von dem Umstand, dass Jens Spahn halt sofort immer echt sehr
- 11:07negative Gefühle triggert. Warum auch immer.
- 11:10Und zwar bei ganz vielen Leuten, die finden den halt doof. Und darum finden
- 11:13die das jetzt auch doof. Und das ist zu einfach für mich.
- 11:16Die Idee der Leihmutterschaft, die ich auch ablehne, weil sie den Körper der
- 11:22Frau zu so einer Art Brutkasten macht, den man sich eben kaufen kann,
- 11:25das finde ich eine sehr unangenehme und irgendwie unwürdige Vorstellung.
- 11:30Diese Idee gehört zu einem Denkkonzept, dass der menschliche Körper eigentlich
- 11:38etwas ist, mit dem man auch nach so Effizienz- und Kapitalismuskriterien verfahren kann.
- 11:43Den muss man optimieren, den kann man kaufen, den kann man verkaufen und so weiter.
- 11:49Ich bin tatsächlich kein Katholik, aber fühle mich da sozusagen einem katholischen
- 11:55Denken nahe, dass er sagen würde,
- 11:58wir müssen diesem Ding mit einer gewissen Demut begegnen und mit einer gewissen
- 12:02Ehrfurcht und sollten sozusagen den Körper nicht zur Ware machen, auf diese Art und Weise.
- 12:08Also das finde ich, außerdem finde ich es auch eine Horrorvorstellung,
- 12:10weil wenn man selber Kinder hat, kann man sich ungefähr vorstellen,
- 12:12was das für eine Frau bedeutet.
- 12:14Ungefähr, sage ich als Mann betont, ja, nicht genau, sondern ungefähr,
- 12:18was es für eine Frau bedeutet, ein Kind auszutragen und sich dann von dem Kind sofort zu trennen.
- 12:22Ich finde es einfach eine höllische, absonderliche Idee.
- 12:26Aber mir ist schon klar, dass man zu all diesen Sachen auch eine andere Haltung
- 12:30haben kann. Ich finde aber, und deshalb runde ich das damit jetzt nochmal ab,
- 12:33ich finde, das gehört nicht in die CDU. Ich finde, es ist eine Haltung, die man in der FDP hat.
- 12:37Ich finde, es ist keine CDU-Haltung. Und wenn das die CDU-Haltung ist,
- 12:41dann wundert mich das ehrlich gesagt nicht, dass die CDU auch ein bisschen in
- 12:45die Krise gekommen ist. Denn das ist kontrechör.
- 12:49Alle Grundüberzeugungen, für die diese Partei eigentlich mal stand.
- 12:52Jetzt lösen Sie sich doch mal bei diesem blödsinnigen parteipolitischen Blick.
- 12:58Sie haben ja ein paar richtige Worte gesagt. Demut kommen wir sicherlich gleich nochmal drauf.
- 13:03Ich habe eben, weil Sie ja nicht da sind, mit Jörg Thaddeus.
- 13:08Der Radiolegende, möchte ich sagen, und Kommentatorenlegende,
- 13:13hier in Berlin Auto gefahren, also unser kleines Format für RTL und NTV,
- 13:16im Gegenverkehr gemacht, auch das Thema.
- 13:19Und er hatte ein Argument, er ist nämlich ein Befürworter von Leihmutterschaft,
- 13:23er hatte ein Argument, das fand ich interessant, weil es nicht so leicht aus
- 13:27dem Feld zu schlagen ist.
- 13:30Ja, da verkauft jemand etwas, wo wir beide vielleicht sogar ein Störgefühl haben,
- 13:35dass man so etwas verkauft, also zu Geld macht.
- 13:39Und der sagte aber, Jörg Tadeus, naja, jetzt stellen Sie sich doch mal vor, diese Leihmutter.
- 13:44Schafft es mit diesem Geld, ein ganz anderes, besseres Leben für sich und ihre
- 13:49leiblichen Kinder meinetwegen, aber auch nur für sich hinzukriegen,
- 13:52als sie das ohne hingekriegt hätte.
- 13:55Also sie macht etwas und verändert ihr Leben zum fundamental Besseren.
- 14:01Hat sie nicht das Recht dazu? Ich finde nicht, dass man den Körper und die Reproduktion,
- 14:05das Kinderkriegen zum Mittel für irgendeinen Zweck machen sollte.
- 14:08Völlig egal, welcher Zweck das
- 14:09ist, Blume. Das ist die Antwort für Herrn Thaddeus. Das können Sie sagen.
- 14:13Egal, was die Frau danach mit dem Geld macht. Sie sollte sozusagen das Gebären
- 14:17eines Kindes nicht als Mittel zum Zweck einsetzen. Ja, finde ich tatsächlich.
- 14:21Aber ich sage nochmal, da sind wir sehr, sehr grundsätzlich fast schon eben
- 14:26christlich irgendwie fundiert in der Argumentation.
- 14:30Und wenn Sie das rein utilitaristisch sehen, wenn Sie sagen,
- 14:32wieso, die hat nur ein Leben, die hat nur einen Körper, wenn sie Geld verdienen,
- 14:35soll sie nur machen, was sie will, blablabla und so, ja, dann ist halt nicht
- 14:39meine Art von Räsornement.
- 14:41Ja, wobei die Position schon was hat. Er zitierte dann sogar noch eine britische Philosophin, die...
- 14:49Entlang derselben Strecke argumentierte. Das könnte man sogar so weit treiben zu sagen,
- 14:57wenn da jemand eine Niere verkauft von seinen zwei, also Organspende,
- 15:02und das zum Geld macht für sich selbst, ist das im Prinzip auch okay.
- 15:09Noch einmal, das Störgefühl wird immer größer, gar keine Frage.
- 15:11Kein Wunder, dass Sie da eine britische Philosophin, und ich habe eben gesagt
- 15:14utilitaristisch, der Utilitarismus ist eine englische Philosophie,
- 15:19das Ganze ist eine durch und durch liberalistische Ideologie, die da vertreten wird.
- 15:24Kein Wunder, dass das in einigen Bundesstaaten in Amerika erlaubt ist und eben
- 15:28in Europa, wo tatsächlich, finde ich, eine Art christliches Menschenbild noch hochgehalten wird.
- 15:35Nicht so wie J.D. Vance oder Pete Hexeth das machen, diese fundamentalistischen Irren in Amerika.
- 15:41Bei uns ist das halt nicht erlaubt. So, ja, keine Ahnung, jetzt dreht sich dann
- 15:45die Maus im Kreis irgendwie. Ich finde, Jens Spahn verliert an Glaubwürdigkeit.
- 15:49Naja, ich komme nochmal auf einen Begriff.
- 15:52Mich interessiert das total dieses Thema. Und zwar nicht nur aus so Voyeurismus
- 15:55und Hechel-Hechel-Vip-Journalismus. Aber schon auch deswegen.
- 16:00Sie hatten eben den Begriff von Demut zumindest irgendwie erwähnt.
- 16:04Und noch einmal ein Zitat aus einem Interview, das Jens Spahn zum selben Thema,
- 16:08denn das treibt ihn offenkundig schon länger um, gegeben hat,
- 16:11vor zehn Jahren glaube ich ungefähr.
- 16:13Da sagt er, ja, er hätte eben auch ein Problem mit Leihmütterschaft,
- 16:16das findet er irgendwie.
- 16:18Aber schob er danach, also quasi nächster Satz so ungefähr,
- 16:23aber ihm sei eben auch bewusst, dass der Verzicht auf Vaterschaft seinerseits
- 16:29ein ganz großes Maß an Demut,
- 16:32wenn man so will, Schicksalsergebenheit oder wie man das immer nennen will,
- 16:35Demut, hat er gesagt, erfordere und er sei sich nicht sicher, ob er sein ganzes Leben.
- 16:42Stark genug sei, diese Demut zu haben. Das fand ich auch einen interessanten
- 16:47Gedanken. Jetzt wissen wir, dass er das offensichtlich nicht ist.
- 16:50Es ist egal. Aber wissen Sie was? Völlig egal.
- 16:53Denn das ist das eine Zitat von Herrn Funke, Jens Spahns Mann,
- 16:57was ja stimmt. Der große Franz Beckenbauer hat gesagt, der liebe Gott freut sich über jedes Kind.
- 17:01Und deshalb würde ich sagen, einfach viel Glück jetzt, Jens Spahn,
- 17:06und seine Kleinfamilie für die Zukunft. Und das meine ich vollkommen ernst.
- 17:10Das mindestens muss man ernst meinen. Das glaube ich Ihnen sogar,
- 17:12Augstein. Obwohl wir nicht verheiratet sind.
- 17:16Aber wir haben doch heute noch mehr im Kasten als nur das, oder?
- 17:19Heute ist unsere Boulevard-Sendung. Ja, wir sind bei Kindern.
- 17:24Und was enden Kinder? Zumindest meine Kinder haben es am liebsten gegessen.
- 17:27Immer wenn ich mich wirklich in die Herzen meiner drei Kinder stehlen wollte,
- 17:32wo eigentlich ja überwiegend meine Frau wohnt, also in den Herzen meiner Kinder,
- 17:37unserer Kinder, dann habe ich Fischstäbchen gemacht. Fischstäbchen.
- 17:40Fischstäbchen mit der Spezialsoße, die blommischen Spezialsoße,
- 17:45möchte ich sagen, die aus...
- 17:48Mayonnaise und Ketchup angerührt wird. Und je nachdem, wie artig die Kinder
- 17:53waren, kam auch noch Tabasco dazu.
- 17:54Also viel Tabasco nicht so artig gewesen, wenig Tabasco Fischstäbchen.
- 17:59Das ist ja voll eklig, ist ja furchtbar.
- 18:02Aber jetzt hat noch kein Mensch verstanden, warum wir darüber reden.
- 18:04Wollen Sie das einführen bitte?
- 18:06Weil Deutschland um Haaresbreite an einer Fischstäbchenkrise mithin an einer
- 18:11Kinderkrise, und wir kriegen ja eh schon viel zu wenig Kinder,
- 18:13vorbeigeschlittert ist. Und man muss fragen, ob das angemessen war oder eben
- 18:18feige. Denn worum geht es?
- 18:21Im 38. EU-Sanktionspaket hätte ein Kaufverbot, Boykott, wenn man so will,
- 18:29gegen russischen Alaska-Lachs und ähnliche Fische,
- 18:34stehen sollen, die nun wiederum zentraler Bestandteil neben ungefähr 28 Tonnen
- 18:39Panade von Fischstäbchen sind.
- 18:41Also der Fisch in den Fischstäbchen ist zum Teil von russischer Provenienz,
- 18:45das wollte man unterbinden. Und da haben die Deutschen gesagt, nee, lass mal.
- 18:48Das machen wir jetzt mal nicht. Wir sind Weltmeister in der Fischstäbchenproduktion
- 18:52und das wollen wir auch bleiben.
- 18:53Wir wollen keine Kinderkrise in unserem Land, wir haben eh schon Schwierigkeiten
- 18:56genug. Das machen wir mal nicht. Und dann war dieser Teil des Sanktionspakets Asche.
- 19:01Also ich war überrascht zu lesen, dass in den Fischstäbchen überhaupt Fisch
- 19:04drin ist, muss ich sagen. Ich hatte damit offengestanden nicht gerechnet.
- 19:08Und jetzt, wo ich das weiß, finde ich, sollte man das gar nicht mehr essen,
- 19:11weil ich meine, das ist ja schrecklich.
- 19:12Stellen Sie sich mal vor, wie viele Fischstäbchen immer gegessen werden.
- 19:14Wenn das alles wirklich gefangener Fisch ist, kein Wunder, dass die Meere dann
- 19:18leer sind. Ich dachte immer, das sei so wie in diesem Louis de Finis Film.
- 19:22Was haben Sie denn geglaubt, was das ist, Augstein? Brust oder Keule?
- 19:25Nein, wie in dem Louis-Definez-Film bei Brust oder Keule, wo in der Fabrik Tricatell
- 19:29die Hühnchen so geprägt werden, aus Plastik und dann so angemalt werden.
- 19:33Ich dachte, das sei irgend so, nein, meine ich jetzt im Ernst.
- 19:35Ich dachte, das ist irgendwas, keine Ahnung, irgendwas anderes,
- 19:38aber nicht richtiger Fisch.
- 19:40Ich meine, da stellen Sie sich mal der weite Weg von einem Fisch zu einem Fischstäbchen.
- 19:43Das ist ja furchtbar, was da unterwegs, was da alles passiert sein muss.
- 19:47Jetzt mal im Ernst für eine Sekunde, Augstein. Das Ding steht ja für etwas.
- 19:51Dass die Deutschen, die nun Milliarden, zig Milliarden beinahe pro Jahr ausgeben
- 19:57für Flüchtlinge und die militärische Unterstützung der Ukraine,
- 20:00also letztlich gegen Russland.
- 20:04Haben sich nicht bereit finden können, die Bundesregierung, diesen Fischstäbchenboykott
- 20:10mitzumachen, beziehungsweise den Fischboykott,
- 20:12der dann zu einer Fischstäbchenproduktionskrise geführt hätte.
- 20:15Ist das jetzt lächerlich oder steht das für irgendwas? Naja,
- 20:19es steht erstmal dafür, dass Viktor Orban nicht nur derjenige ist,
- 20:21der immer die ganzen Russland-Sanktionen problematisiert hat.
- 20:24Das ist ja ganz lustig. Jetzt, wo der weg ist, haben alle gedacht,
- 20:27jetzt können wir Russland so richtig klein sanktionieren. Jetzt packen wir die Sanktionskeulen aus.
- 20:33Und jetzt kommen dann die Griechen und sagen, ja, aber unsere Rede.
- 20:36Und die Österreicher kommen und sagen, wir haben da noch so eine Bank,
- 20:39die hat ein Problem. Und die Deutschen kommen und sagen, was ist eigentlich
- 20:42mit unserer Fischstäbchenindustrie?
- 20:43Ich finde, wie Sie sich vielleicht denken können, wenn Sie darüber ein bisschen
- 20:47nachdenken, diese ganzen Sanktionen falsch. Ich finde die Art und Weise,
- 20:51wie die EU-Bürokratie sich einschießt auf die Russen wirklich unsinnig und auch fast lächerlich.
- 20:57Ich finde es gerade zu zwangsläufig, dass jetzt in den Ländern nach so vielen
- 21:01Jahren und so vielen Milliarden, die da sinnlos verpulvert wurden, sich so eine Art.
- 21:06Ich möchte sagen, Widerstand ist es ja noch nicht, aber so ein Unwohlsein so
- 21:10regt und sagt, so sind wir jetzt nicht langsam an eine Grenze gekommen.
- 21:13Wir geben die Deutschen jedes Jahr an Hilfen für die Ukrainer und für die Waffen
- 21:19und den ganzen Unsinn 20 Milliarden aus. 20 Milliarden.
- 21:24Und fangen jetzt überall an dem Sozialen und so zu sparen. Nein,
- 21:26nein, nein, nein. Das hängt absolut unmittelbar damit zusammen.
- 21:29Und Sie regen jetzt über die Fischstäbchen, lieber Blum, und freuen sich,
- 21:32dass die Fischstäbchen gerettet sind.
- 21:33Wir haben ganz andere Probleme wegen dieser unsinnigen Russlandsanktionen.
- 21:36Naja, Fischstäbchen sind für Kinder so wichtig wie Kindergeld,
- 21:38würde ich mal sagen. Und das soll ja nicht jetzt nur eingeschränkt, komisch und halb ernst.
- 21:44Und diese Sozialkürzungen, da würde ich sagen...
- 21:48Dieses Gegeneinander aufgerechne, für uns habt ihr nichts, sagt der Sachsen-Anhaltinische
- 21:55AfD-Wähler, aber für die Ukraine habt ihr alles, finde ich, aus der Welt gefallen.
- 22:02Entschuldigung, denn das Geld für die Ukraine ist ja nicht nutzlos verbrannt,
- 22:10sondern erfüllt einen Zweck und zwar in moralischer Kategorie wie in sehr sehr
- 22:15praktischer Kategorie gleich noch dazu. Es kauft etwas, in Anführungsstrichen.
- 22:22Was sehr viel wert ist. Und diese Sozialkürzungen, die immer in den Raum gestellt werden,
- 22:28ja, da wird jetzt ein bisschen hier und da, und wenn man ehrlich ist,
- 22:31mit der Nagelfeile an einem System gearbeitet, das eine Billion Euro und etwas
- 22:37mehr sogar pro Jahr veratmet und verstoffwechselt.
- 22:42Und jedes Mal, wenn mit der Nagelfähre Ritsche Ratsche mal was gemacht wird.
- 22:47Heißt es, jetzt geht aber der Sozialstaat unter.
- 22:50Für uns habt ihr nichts mehr und für die da in der Ukraine habt ihr alles.
- 22:54Das finde ich in ganz praktischer Natur, wie beschrieben, aber eben auch in
- 22:58so intellektueller Art und Weise wirklich, wirklich unterirdisch.
- 23:02Blume, Sie vergetten das Thema, ehrlich gesagt. Ich meine, wir können gleich
- 23:05nochmal darüber reden, wie diese Bundesregierung Familien und alleinerziehende Frauen behandelt.
- 23:09Ja, und das sind jetzt nicht irgendwie so der Schaum oben auf dem Sozialstaat,
- 23:14so nice to have, braucht man aber alles nicht und so, sondern das sind irgendwie
- 23:17alleinerziehende Mütter, denen man jetzt irgendwie die Kohle streicht. Warum letztlich?
- 23:22Weil man Milliarden in diesen vollkommen unsinnigen Krieg pumpt.
- 23:25Was ich nicht verstehe, ist, warum das in der Öffentlichkeit nicht eine viel größere Resonanz hat.
- 23:31Was ich nicht verstehe, ist, warum nur die AfD dieses Thema politisch sich nutzbar macht.
- 23:36Die Linken kauen da immer noch so auf der Zunge in der Backe rum und die Grünen
- 23:41sind sowieso die allergrößten Freunde dieses Krieges und über SPD und CDU müssen wir da gar nicht reden.
- 23:45Das heißt, die ganzen Mitte-Parteien muten ihren Wählern zu,
- 23:50zu sagen, ja Leute, klar streichen wir euch jetzt die Kohle,
- 23:53weil wir das Geld in der Ukraine in die Luft sprengen.
- 23:56Und zwar in einem Krieg, der erkennbar nirgendwo hinführt, denn er läuft seit
- 23:59zwei Jahren auf der Stelle.
- 24:00Ich finde das, und das meine ich jetzt, ich versuche jetzt mal die Emotionen
- 24:04rauszunehmen, das ist für mich unverständlich.
- 24:07Ich verstehe nicht, dass unsere Öffentlichkeit nicht in der Lage ist,
- 24:10dieses Thema anders, wie soll ich sagen, auf die Straße zu bringen,
- 24:15politisch quasi. Das ist mir echt schleierhaft.
- 24:18Ja, das erkenne ich, lieber Kollege, dass Ihnen das schleierhaft ist.
- 24:22Also nur mal zur Ergänzung, das BSW, Sarah Wagenknecht, macht das natürlich ganz genauso.
- 24:27Und die Linke, finde ich, macht das auch so. Also es sind tatsächlich die Parteien
- 24:31an den Rändern, die so argumentieren wie Sie.
- 24:35Dann sei es eben so, was Sie offenkundig nicht verstehen können,
- 24:38lieber Augstein, ist...
- 24:41Dass ihre Prämisse nicht geteilt wird. Ihre Prämisse, die da lautet,
- 24:45da wird vollkommen sinnlos Geld verbrannt.
- 24:48Da explodiert unser Geld, unser schönes Geld, das wir dann anderswo kürzen müssen.
- 24:53Diese Prämisse sehen viele, viele andere anders. Und das müssten Sie jetzt mal
- 24:57zur Kenntnis nehmen, damit wir überhaupt in ein Gespräch kommen.
- 25:00Und zweitens finde ich indiskutabel Ihr Framing.
- 25:03Da werden jetzt massenweise Gelder gestrichen bei zum Beispiel Alleinerziehenden.
- 25:09Sie meinen den Unterhaltsvorschuss, der mal vor einigen Jahren drastisch ausgeweitet wurde,
- 25:16übrigens vom Bund beschlossen, aber zu zahlen von den Kommunen,
- 25:22ganz schön dreist, der lief bis zum Alter von zwölf Jahren der Kinder und wurde
- 25:26erhöht auf das Alter von 18 Jahren der Kinder.
- 25:29Die Ausgaben haben sich vervierfacht, weil offenkundig sich immer mehr Väter
- 25:33aus dem Wind drehen. Und das ist die eigentliche Sauerei.
- 25:36Zurückgenommen wird es jetzt auf das Alter von 16 Jahren.
- 25:40Das mag im Einzelfall irgendwie eine Härte sein, aber dass jetzt der Sozialstaat
- 25:43zusammenbricht, stimmt einfach nicht.
- 25:45Dass alle Alleinerziehenden jetzt in die, ich weiß nicht was,
- 25:49fallen, stimmt nicht. Man sollte natürlich wesentlich mehr Druck auf die Väter,
- 25:52die säumigen Zahler, die zum Teil ja zahlen könnten, ausüben. Bin ich sofort dabei.
- 25:58Wirklich, stellt sich an den Pranger, macht sonst was. Aber.
- 26:04Sie negieren die Möglichkeit, dass dieser Krieg sinnvoll investiertes Geld sein
- 26:09könnte, um zu argumentieren, da wird ja Geld verbrannt.
- 26:14Das ist Quatsch, das ist zu einfach. Ich bin der Meinung, dass dieser Krieg,
- 26:17nachdem er seit zwei Jahren sich dort nichts mehr geändert hat,
- 26:20was den Fronten angeht, auf diplomatischem Wege gelöst werden muss,
- 26:24auf die eine oder andere Weise.
- 26:26Davon sind wir offenbar Lichtjahre entfernt und das liegt nicht nur an den Russen,
- 26:29sondern auch an den Europäern, die versuchen ein Sanktionspaket nach dem anderen
- 26:33zu schneidern, statt dort Leute hinzuschicken, um mit den Russen mal zu reden.
- 26:37Und übrigens jeder, der dorthin fährt, macht sich dann hier gleich verdächtig,
- 26:41als Kolonne Moskaus zu sein, weil Diplomatie hier in Deutschland inzwischen
- 26:44als Defetismus verschrien ist. Das halte ich für ein echtes Problem.
- 26:47Und was Sie eben gesagt haben, ich sage nicht, dass der ganze Sozialstaat abgebaut wird. Was soll das?
- 26:52Dafür kennen wir uns lange genug. Das sind so polemische Unsinnigkeiten in der Diskussion.
- 26:56Aber wenn Sie sich die Themen angucken, Elterngeldreform, Unterhaltsvorschuss.
- 27:01Entgelttransparenzrichtlinie europäische, die in Deutschland nicht umgesetzt
- 27:04wird, wo es um die Gleichheit von Gehalt von Männern und Frauen geht.
- 27:08Die gesamte Familienpolitik dieser unionsgeführten Regierung ist eine,
- 27:13die auf Kürzungen ausgerichtet ist. Und dann nennt man es immer Reform,
- 27:17aber in Wahrheit ist es immer Kürzung.
- 27:19Familien, Frauen, insbesondere alleinerziehende Frauen, zahlen drauf.
- 27:23Und letztlich ist das aber leider ein Nullsummenspiel, weil sie können halt
- 27:26jeden Euro nur einmal ausgeben, lieber Kollege Blome.
- 27:29Und die Frage ist, geben sie es für alleinerziehende Mütter aus oder geben sie
- 27:32es für irgendwelche Bomben in der Ukraine aus? Und ich sage ja nur,
- 27:35meine Meinung dazu kennen sie sowieso.
- 27:37Ich wundere mich aber, dass die Menschen im Land, wir können das anders drehen,
- 27:42wenn die Leute im Land ihrer Meinung sind und sagen, ja, dieser Krieg ist tatsächlich
- 27:45notwendig, das muss sein, dann sollen sie aufhören, sich darüber zu beklagen,
- 27:49dass man den alleinerziehenden Müttern das Geld wegnimmt.
- 27:51Weil dann muss man sagen, ja Mutti, hast halt Pech gehabt, aber du findest ja,
- 27:54dass der Krieg in der Ukraine so wichtig ist, dass dein Geld geht jetzt leider
- 27:57in die Ukraine. Dann ist das halt so. Das ist Demokratie, ist okay.
- 28:00Wenn sie meinen, dass die Leute das wirklich finden.
- 28:02Augstein, das ist jetzt wirklich, seien Sie mir nicht böse, aber das ist jetzt
- 28:05wirklich die billigste Polemik, die ich diese Woche gehört habe. Als wäre es...
- 28:10Nur möglich beim Krieg, bei der Unterstützung der Ukraine zu streichen oder
- 28:16aber beim Unterhaltsvorschuss.
- 28:19Also es gäbe überhaupt nichts anderes, was man machen könnte.
- 28:21Natürlich könnte man noch ganz andere Dinge machen, die dann aber wiederum von
- 28:24anderen Kräften irgendwie verhindert wird.
- 28:26Und es ist nicht ein Nullsummenspiel.
- 28:30Schon gar nicht, wenn man eine Billion Euro Schulden aufgenommen hat,
- 28:33dann ist es eben kein Nullsummenspiel mehr.
- 28:35Sondern die Frage ist doch nur, was ist sinnvoll? Und was ist sinnvoller als etwas anderes?
- 28:40In einer langen Reihe von sehr sinnvollen und nicht ganz so sinnvollen Dingen.
- 28:45In einer besseren, schöneren Welt ohne Wladimir Putin müssten wir das Geld für
- 28:48die Ukraine nicht ausgeben.
- 28:50Dann könnte man ganz andere Dinge mit dem Geld machen oder es sparen,
- 28:53damit man nicht so viele Zinsen später auf die Schulden zahlen muss etc.
- 28:56Es geht darum, was ist sinnvoll und was ist sinnvoller, auch langfristig, als etwas anderes.
- 29:04Und einfach nur zuzugucken, wie die Kosten für eine bestimmte Sozialleistung
- 29:07sich vervierfacht haben Und zu sagen, das ist aber jetzt einmal so beschlossen
- 29:10worden, das muss jetzt immer so weitergehen. Das ist doch nicht sinnvoll.
- 29:14Also ich finde, wer vom Krieg schweigt, soll über den Sozialabbau sich nicht
- 29:19beklagen. Und dieses Zitat habe ich aus der Wochenzeitung, der Freitag.
- 29:24Und da muss ich wirklich sagen, da haben die Kollegen es besser auf den Punkt
- 29:27gebracht, als ich das hätte tun können.
- 29:28Lieber Augstein, lieber Blume, aber um nochmal wirklich auf das Grundsätzliche
- 29:32zurückzukommen, das Fischstäbchenproblem.
- 29:35Kleiner Vorschlag, was, wenn wir einfach auf vegane Fischstäbchen umsteigen?
- 29:40Die werden nämlich hauptsächlich in Deutschland und Europa produziert.
- 29:43Und da werden jetzt die Kommentare wieder heiß glühen.
- 29:45Ja, die Veganerin wieder bin ich übrigens gar nicht. Ich esse auch Fleisch und
- 29:48Fisch und gerne auch Fischstäbchen.
- 29:50Aber das wäre ja eine Lösung. Und um diese Kommentare dazulassen, Stichwort Campfire.
- 29:56Ich finde das eine gute Idee. Ich finde das eine gute Idee mit den veganen Fischstäbchen,
- 30:00weil ich bin kein Veganer und esse keine Fischstäbchen. und deshalb ist es mir
- 30:03sehr, sehr recht, wenn die Fischstäbchen künftig aus Soja gemacht werden.
- 30:06Ich finde das eine super Vorstellung.
- 30:09Also ich glaube, ich persönlich, lieber Kollege Augstein, glaube, dass.
- 30:17Dass Wladimir Putin ein guter Mensch wird, bevor ich ein veganes Fischstäbchen esse. Okay, was all weh.
- 30:24Das ist auch eine Geschichte und auch eine Tradition und das hat auch mit Kindheit,
- 30:28auch mit meiner eigenen Kindheit zu tun.
- 30:30Ich kann doch jetzt nicht einfach ein veganes Fischstäbchen essen.
- 30:32Mann, dann esse ich halt gar keine Fischstäbchen mehr.
- 30:35Aber Blume, Sie verfehlen doch den Punkt. Der Punkt ist, ich wollte einfach
- 30:39überleiten zu Campfire. Sehr gut.
- 30:41Ach so. Augstein, erklären Sie mal, was Campfire ist.
- 30:44Campfire ist eine Plattform, auf der Leute ihre Kommentare zu dem ablassen können,
- 30:51was wir hier beim Podcast machen und wo wir dann reagieren.
- 30:54Das heißt, Sie, Blome, werden in Ihrem hohen Alter jetzt in die direkte Konfrontation
- 31:00mit den Hörerinnen und Hörern treten auf campfire.fm.
- 31:04Da sind wir nämlich jetzt mit diesem Podcast präsent und Blome wird von morgens
- 31:08bis abends Kommentare lesen und auch darauf antworten. Ich freue mich jedenfalls
- 31:13auf dieses Experiment und ich habe damit schon ein bisschen Erfahrung gemacht.
- 31:19Campfire FM ist wie Lagerfeuer FM.
- 31:23Campfire FM ist also das Ding, wo man uns antreffen kann, das stimmt.
- 31:28Wobei ich Ihnen nicht vorenthalten möchte, Sie waren ja auch mal im Printjournalismus
- 31:32tätig. Ivy, ich glaube, du nicht. Du hast Printjournalismus noch nie gemacht?
- 31:35Also beim Stern war ich, aber ich habe nur online geschrieben.
- 31:38Also Printjournalismus, du auch da, genau.
- 31:41Also früher in den guten alten Holzzeiten in jeder Hinsicht,
- 31:45als als ich quasi angefangen habe, Journalist zu sein, da hieß es immer,
- 31:49Journalismus wäre so schön, wenn es die Leser nicht gäbe.
- 31:53Aber das war so eine zynische Betrachtung, weil man sagte, man wollte auch nicht
- 31:55gestört werden von irgendwelchen Leserbriefen, die man dann beantworten musste.
- 31:59Andererseits sagte ein sehr kluger, und an den habe ich mich immer gehalten,
- 32:03Chefrelateur, unter dem ich mal arbeiten durfte, sagte.
- 32:07Ein Leserbrief, der beantwortet ist, hält diesen Leser für zehn Jahre treu bei
- 32:13dem Produkt, bei der Marke.
- 32:14Insofern Augstein, jeden einzelnen.
- 32:18Den Sie jetzt bei Campfire quasi einer Antwort bedenken, den haben wir für zehn Jahre dabei.
- 32:25Für zehn Jahre Augstein und Blume.
- 32:27Insofern bin ich auch dabei. Ich mache da mit. Mir macht das Spaß.
- 32:30Okay, ich freue mich jedenfalls auf die Auseinandersetzung bei Campfire und
- 32:33auf den nächsten Podcast nächste Woche. Danke Ivy, danke Blume und Tschüss.