Latest / pnn Podcast / ADHS im Erwachsenenalter: Nicht nur Defizite, sondern auch Stärken
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- 0:09Speaker 1: Herzlich willkommen zur neuen Episode unseres Podcasts für die Apotheke.
- 0:14Speaker 1: Mein Name ist Helmut, wir blicken heute auf das diesjährige Pharma-Keypunkt CH Frühlings Symposium zurück, dass im März twenty-sixundzwanzig in der Bernexpo Bern stattfand!
- 0:26Speaker 1: Das Leidthema lautete Kopf und Krise Facetten neurologischer und psychischer Gesundheit.
- 0:33Speaker 1: Ein Vortrag hat für besonders viel Gesprächsstoff gesorgt Das Referat von Frau Professor Dominik Eich zum Thema ADHS im Erwachsenenalter.
- 0:42Speaker 1: Nicht nur Defizite, sondern auch Stärken!
- 0:45Speaker 1: Meine Kollegin Carla hat den Vortrag live mitverfolgt.
- 0:49Speaker 0: Genau und ich kann schon vorwegnehmen der vortrag hat mich besonders angesprochen.
- 0:55Speaker 0: Die Stimmung in der neuen Location der Bernexpo war hervorragend und Professor Eich hat das Thema ADHS im Erwachsenenalter aus einer ganz besonderen Perspektive beleuchtet.
- 1:07Speaker 1: Kommen wir direkt zum wissenschaftlichen Kern, ADHS wird in der Öffentlichkeit oft als reine Kinder- oder Jugenddiagnose wahrgenommen.
- 1:15Speaker 1: Wie sieht die epidemiologische Realität bei Erwachsenden aus?
- 1:20Speaker 0: Das ist ein ganz zentraler Punkt.
- 1:22Speaker 0: ADHS ist eine Lebenszeiterkrankung.
- 1:26Speaker 0: Die Wissenschaft zeigt uns, dass die Symptomatik bei etwa fünfzig Prozent der betroffenen Kinder bis ins Erwachsenenalter hineinpersistiert.
- 1:35Speaker 0: Für die Schweiz bedeutet das konkret – die Prävalenz von ADHS liegt bei etwa vier Prozent der erwachsenen Bevölkerung.
- 1:44Speaker 1: Interessant!
- 1:45Speaker 1: Dies unterstreicht die hohe Relevanz des Themas ADHS.
- 1:49Speaker 1: Der Titel des Vortrags von Professor Eich betont explizit, dass ADHS nicht nur aus Defiziten besteht.
- 1:57Speaker 1: Wie lassen sich die Defizite mit den Stärken ausbalancieren?
- 2:01Speaker 0: Das war der faszinierendste Teil des Vortsrags!
- 2:04Speaker 0: Prof.
- 2:05Speaker 0: Eich hat die sieben klassischen Symptomkategorien der ADHS analysiert und jedem Defizit eine handfeste klinische Stärke gegenübergestellt.
- 2:15Speaker 0: Nehmen wir die klassische Aufmerksamkeitsstörung.
- 2:18Speaker 0: Betroffene haben zwar immense Mühe mit der Daueraufmerksamkeit und eine hohe Ablenkbarkeit bei uninteressanten Vorgängen.
- 2:26Speaker 0: Demgegenüber steht aber die Fähigkeit zur Hyperfokussierung – wenn sie ein Thema wirklich fasziniert, entwickeln Sie eine unglaubliche tiefe Konzentration!
- 2:36Speaker 0: Bei der motorischen Hyperaktivität also der inneren Rastlosigkeit und Unfähigkeit zu Entspannung resultiert daraus eine enorme Lebensenergie.
- 2:46Speaker 0: Eich zitierte hierzu schmunzelt ein aktuelles Beispiel aus den Medien, in dem Heidi Klum diese Energie als ihre persönliche Superpower bezeichnete.
- 2:56Speaker 1: Ein prägnantes Beispiel – wie sieht es bei den emotionalen Kategorien aus?
- 3:01Speaker 0: Bei der mangelhaften Effektkontrolle neigen Betroffene zwar zu Stressintoleranz, Ungeduld und Wutausbrüchen aber dieselbe Eigenschaft bedingt auch eine tiefe Leidenschaft mit der sie sich Projekten widmen.
- 3:16Speaker 0: Diese emotionale Achterbahn mit depressiven Einbrüchen und Euphorien geht oft mit einer überdurchschnittlich ausgeprägten Fantasie einher.
- 3:25Speaker 0: Und aus emotionalen Überreaktionen, und einer geringen Frustrationstoleranz erwächst auf der positiven Seite eine immense ansteckende Begeisterungsfähigkeit!
- 3:44Speaker 0: Absolut.
- 3:45Speaker 0: Die Desorganisation führt zu verpassten Terminen, chronischem Aufschieben und Chaos im Büro – aber dieses kognitive Springen generiert auch eine immense Kreativität und die Fähigkeit zum Multitasking.
- 3:59Speaker 0: Die Impulsivität schließlich, die sich in unüberlegten Entschlüssen, spontan käufen oder einer erhöhten Unfallneigung im Verkehr zeigt bringt gleichzeitig eine hohe Risikobereitschaft und ein ausgeprägtes Phänomen des Sensationseeking mit sich.
- 4:16Speaker 0: Diese Menschen trauen sich oft Dinge, vor denen andere
- 4:19Speaker 0: zurückschrecken.".
- 4:20Speaker 1: Das verändert den Blickwinkel komplett!
- 4:23Speaker 1: Dennoch ist der Leidensdruck oft hoch – und das liegt vermutlich auch an Begleiterkrankungen.
- 4:28Speaker 1: Was hatte Professor Eich dazu in ihrem Vortrag erwähnt?
- 4:32Speaker 0: Etwa achtzig Prozent der ADHS-Betroffenen leiden an mindestens einer Komorbidität.
- 4:39Speaker 0: ADHS versteckt sich regelrecht hinter diesen Erkrankungen, da sich die Symptome oft stark überschneiden.
- 4:46Speaker 0: Betroffene entwickeln im Längsverlauf Depressionen, Angst, Zwangs oder S-Störungen sowie Persönlichkeitsstörungen und Abhängigkeiten.
- 4:55Speaker 0: Besonders dramatisch ist das Risiko für Suchterkrankung.
- 4:59Speaker 0: Das Risiko für einen Alkoholmissbrauch oder eine Alkohlabhängigkeit ist bei Erwachsenen mit ADHS um das drei bis achtfache erhöht.
- 5:09Speaker 1: Kommen wir zur Behandlung, wie wird ADHS heute therapiert?
- 5:13Speaker 0: Professor Eich plädiert für einen multimodalen Ansatz.
- 5:17Speaker 0: Multimodal bedeutet im klinischen Alltag die Kombination aus Psycho-Education und evidenzbasierter Pharmakotherapie.
- 5:24Speaker 0: Eine Psychotherapie wird von erwachsenen Betroffenen erstaunlicherweise oft gar nicht gewünscht, sie ist laut Leitlinien aber spezifisch indiziert wenn schwere Störungen im Selbstwert erleben oder ausgeprägte Komorbiditäten vorliegen.
- 5:38Speaker 0: Ergänzt wird das Ganze durch langfristiges Coaching.
- 5:43Speaker 1: Schauen wir uns die Pharmakotherapie im Detail an, welcher molekulare Mechanismus liegt der Behandlung zugrunde.
- 5:51Speaker 0: Der therapeutische Ansatz basiert auf der gezielten Wiederaufnahmehemmung von Dopamin im synaptischen Spalt um den dort pathophysiologisch erniedrigten Dopaminspiegel wieder anzuheben.
- 6:02Speaker 0: das am häufigsten eingesetzte Stimulanz ist Methylphenidat.
- 6:07Speaker 0: Als alternative Stimulanzien kommen Dex-Methylphenidat, Listexamphetamin oder Dexamphetamin in Frage.
- 6:14Speaker 1: Wie sieht das konkrete therapeutische Vorgehen bei der Einstellung aus?
- 6:19Speaker 0: Erstens Die Medikation muss bei allen Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten stabil eingenommen werden bevor man die erzielten Verbesserungen verlässlich beurteilen kann.
- 6:31Speaker 0: Zweitens Die Entscheidung zwischen kurz- und langwirksamen Galeniken muss streng Patienten individuell erfolgen.
- 6:40Speaker 0: Ein riesiger therapeutischer Vorteil der kurzwirksamen unretardierten Ritalin-Tabletten liegt beispielsweise darin, dass sie eine definierte Wirkdauer von etwa vier Stunden aufweisen.
- 6:52Speaker 0: Professor Eich betonte das dies eine Einnahme am Abend ermöglicht – ideal für Erwachsene die beispielsweise neben dem Beruf noch eine Abendschule besuchen!
- 7:03Speaker 0: Drittens.
- 7:04Speaker 0: Bei ADHS-Betroffenen mit gleichzeitigem Substanzkonsum gilt die strikte Leitlinienempfehlung, langwirksame Stimulanzchen zu bevorzugen oder auf alternative Arzneistoffe wie Atomoxidin auszuweichen um das Missbrauchspotenzial zu minimieren.
- 7:21Speaker 1: Das leuchtet ein!
- 7:22Speaker 1: Gibt es wissenschaftliche Evidenz für komplementär medizinische Ansätze nach denen wir in der Apotheke ja sehr häufig gefragt werden?
- 7:31Speaker 0: Für die meisten komplementären Ansätze ist die Evidenz sehr dünn.
- 7:35Speaker 0: Professor Eich empfiehlt im Alltag jedoch explizit die flankierende Supplementierung von Vitamin D und Omega-III Fettsäuren in Kombination mit regelmäßiger körperlicher Aktivität, warum?
- 7:48Speaker 0: Weil dadurch nachweislich oft signifikant niedrigere Erhaltungsdosen an Methylphenidat ausreichen um die Symptome stabil zu kontrollieren.
- 7:56Speaker 1: Das ist ein hervorragender Beratungshinweis für die Offizien.
- 8:00Speaker 1: Abschließend, wo liegen die größten Hürden in der langfristigen Behandlungskontinuität und welche Rolle spielen wir als Apotheker dabei?
- 8:09Speaker 0: Die größte Hürde ist die Transition – also der Übergang vom Jugend in das Erwachsenenalter.
- 8:15Speaker 0: Das ist eine hochgradig vulnerable Phase!
- 8:18Speaker 0: Die gesetzliche Volljährigkeit korreliert leider nicht mit einer abgeschlossenen Hirnreifung.
- 8:24Speaker 0: In dieser Phase des Umbruchs, bedingt durch den Auszug aus dem Elternhaus oder einen Ortswechsel, bricht die Kooperation oft ein.
- 8:33Speaker 0: Der zwingende Wechsel der ärztlichen Zuständigkeit vom Kinderpsychiater oder Pediater hin zu erwachsenen Psychiatern und Hausärzten führt oft zu einem fatalen Phänomen.
- 8:43Speaker 0: Er wird von den jungen Erwachsenen als willkommener Anlass genutzt, die bisherige eigentlich wirksame Therapie komplett zu beenden.
- 8:51Speaker 0: Die Apotheke kann dabei eine wichtige Rolle einnehmen.
- 8:54Speaker 0: Wenn wir beim Einlösen der Rezepte aufmerksam zuhören – die Adherenz aktiv begleiten und den Transitionsprozess im Blick behalten – können wir massiv dazu beitragen, Therapieabbrüche zu
- 9:06Speaker 0: verhindern.".
- 9:10Speaker 1: An alle Zuhörerinnen und Zuhöhrer.
- 9:16Speaker 1: Den vollständigen Vortrag finden Sie auf der Webseite von farmaki.ch im On-Demand-Angebot vom Frühlingssymposium in den letzten Jahren.
- 9:26Speaker 1: Ergänzend mit der dazugehörigen Lernkontrolle ist dieses Bildungsangebot mit fünfzig FPH-Punkten akkreditiert als Fortbildung für Offizienfarmazi, Fähigkeitsausweis FPHA an Amnese in der Grundversorgung, Spitalpharmazie und klinische Pharmazie.
- 9:43Speaker 1: Bis zum nächsten Mal!