Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #19 Folge 1: Rückfall nach 10 Jahren: Der Weg zurück aus der Scham (Tabu-Thema)
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich willkommen zu dieser heutigen Besprechung.
- 0:02Ich freu mich wirklich riesig, dass du heute wieder da bist,
- 0:05dass du dir Zeit nimmst für dich und deine Themen.
- 0:07Heute haben wir ein Thema, das, na ja, ziemlich schwierig ist,
- 0:11aber eben auch wichtig der Rückfall nach vielen, vielen
- 0:14Jahren Abstinenz. Wir stützen uns dabei auf einen,
- 0:17wie ich finde, sehr ehrlichen Artikel von Gabriel auf nielix
- 0:21Berlin, der ist aus seiner Serie nach dem Rausch und der Titel
- 0:24sagt eigentlich schon alles, Rückfall nach 10 Jahren clean
- 0:27warum Abstinenz keine Heilung ist Puh und bevor wir starten
- 0:32eine kleine Anmerkung, die auch Gabriel wichtig ist.
- 0:35Wir reden hier über Rückfall, klar, aber auch über Scham,
- 0:38Selbstzufriedenheit, die chronische Seite der sucht, das
- 0:41kann schon mal triggern, also bitte pass gut auf dich auf, ja,
- 0:44und vielleicht noch ganz kurz zu Gabriel selbst, dem Kopf hinter
- 0:48nilix Berlin, das ist wichtig zu verstehen, denn nicht einfach
- 0:51so, sondern um ja eine ehrliche Verbindung zu dir aufzubauen,
- 0:56dir zu zeigen, Hey, du bist nicht allein mit solchen
- 0:58Kämpfen. Seine Sicht kommt halt direkt
- 1:01aus dem Erlebten, nicht nur aus Büchern.
- 1:04Das macht so echt gut. Was wollen wir heute, wir wollen
- 1:08verstehen, warum das passiert, diese späten Rückfälle, warum
- 1:11das eben kein moralisches Versagen ist, auch wenn es sich
- 1:14vielleicht so anfühlt und ganz wichtig, wie findet man den Weg
- 1:18zurück, wenn es passiert ist? OK, packen wir es an, Gabriel
- 1:22fängt ja gleich ziemlich entwaffnend an.
- 1:25Er sagt, nach 28 Jahren sucht und Recovery ist seine größte
- 1:29Angst nicht mal der Suchtdruck, wenn es ihm schlecht geht.
- 1:32Nee, viel schlimmer findet er diese Selbstzufriedenheit, wenn
- 1:35alles gut läuft kennst du das diese leise stimme nach 1515
- 1:40Jahren Hey du hast das doch geschafft, komm ein einziges
- 1:44Mal. Ja, genau, die Stimme.
- 1:46Und er hat eben gesehen, wie Leute, die Superstabil wirken,
- 1:49genau daran zerbrochen sind. Das ist ein ganz zentraler
- 1:53Punkt. Diese Selbstzufriedenheit,
- 1:56dieser Gedanke. Ich bin drüber weg, das ist ne
- 1:58echte Falle. Gabriel sagt ja auch, dass späte
- 2:01Rückfälle so ein Tabu sind. Man feiert die Jahreschips klar,
- 2:05aber wenn jemand nach langer Zeit fällt, wird oft
- 2:07geschwiegen. Stimmt, und das verstärkt die
- 2:10Scham natürlich ungemein. Gabriels Kernaussage ist ja, der
- 2:15Rückfall beweist nicht, dass die Recovery eine Lüge war.
- 2:19Sondern dass sucht chronisch ist und dass reine Abstinenz ohne
- 2:24persönliches Wachstum gefährlich sein kann.
- 2:27Lass uns das mal mit ein paar Fakten unterfüttern.
- 2:29Du sagtest ja, ein Rückfall ist medizinisch nicht moralisch zu
- 2:32sehen. Genau zahlen helfen da manchmal,
- 2:35die Perspektive zu rücken. Das nieder, also das US Institut
- 2:40für Drogenmissbrauch, gibt Rückfallquoten bei, sucht so
- 2:43zwischen 40 und 60% an. Viel.
- 2:49Ja, klingt viel, aber jetzt kommt der Vergleich.
- 2:52Bei Diabetes Typ 1, also Schwierigkeiten, den Blutzucker
- 2:56stabil zu halten, was ja auch eine Art Rückfall im
- 2:59Krankheitsmanagement ist, liegen die Quoten bei 30 bis 50% ah
- 3:04okay und bei Bluthochdruck, wo Leute ihre Medikamente nicht
- 3:07nehmen oder ihren Lebensstil nicht anpassen, sind es sogar 50
- 3:10bis 70%. Wow, das heißt ja, rein
- 3:14statistisch ist ein Suchtrückfall.
- 3:17Na ja, fast schon im normalen Bereich chronischer Krankheiten.
- 3:20Das nimmt dem Ganzen doch schon mal diese moralische Keule,
- 3:23oder? Exakt darum geht es.
- 3:25Es soll die Sucht nicht verharmlosen, auf keinen Fall,
- 3:29aber es soll helfen, diese furchtbare, lähmende Scham zu
- 3:32reduzieren. Sucht hinterlässt Spuren im
- 3:34Gehirn das ist eine Tatsache. Und wie bei anderen chronischen
- 3:38Leiden kann es eben Rückschläge geben.
- 3:40Und die Auslöser für späte Rückfälle sind oft andere,
- 3:43sagtest du. Na ja, das ist interessant.
- 3:45Es ist seltener dieser akute Heißhunger, das Craving,
- 3:49häufiger sind es unbemerkte psychische Probleme, ne
- 3:53schleichende Depression, vielleicht alte Traumata, die
- 3:56hochkommen, oder auch große Lebensumbrüche und da Achtung,
- 4:00auch positive, ne Beförderung, Heirat, Kinder.
- 4:04Das kann enormen Stress bedeuten, der dann wieder alte
- 4:07Muster triggert, verstehe und dann eben diese
- 4:10Selbstzufriedenheit, von der Gabriel spricht.
- 4:12Dieser Stillstand in der persönlichen Entwicklung, man
- 4:16hört auf, aktiv an sich zu arbeiten, Meetings zu besuchen,
- 4:20zu reflektieren, man verwaltet nur noch.
- 4:23Und die Scham, die muss ja nach nem späten Rückfall doch mal
- 4:26ganz anders reinhauen, oder? Man hat ja jahrelang
- 4:29funktioniert. Immens.
- 4:31Das ist diese Schammauer. Man fühlt sich wie ein
- 4:33Hochstapler, hat Angst vor der Enttäuschung der anderen,
- 4:37vielleicht sogar Angst, sich in der eigenen Selbsthilfegruppe zu
- 4:40zeigen. Oh ja, und dieses Gefühl,
- 4:42komplett versagt zu haben, hält viele davon ab, sofort Hilfe zu
- 4:47holen, was aber das allerwichtigste wäre.
- 4:50Aber es gibt doch eine Chance. Darin, sagtest du.
- 4:53Ja, paradoxerweise. Viele berichten, dass ihre
- 4:56Recovery nach dem Überwinden eines späten Rückfalls irgendwie
- 5:00tiefer wurde. Ehrlicher, demütiger.
- 5:03Das erinnert an dieses Konzept von posttraumatischem Wachstum
- 5:07aus der tiefsten Krise kann tatsächlich etwas Stärkeres
- 5:10erwachsen. Posttraumatisches Wachstum nach
- 5:13einem Rückfall starker Gedanke, aber lass uns noch mal kurz
- 5:16zurückgehen. Wie trickst uns das Gehirn nach
- 5:19so langer Zeit aus? Da gibt es ja Mechanismen.
- 5:22Gabriel nennt den Euphoric Recall.
- 5:25Genau die verklärte Erinnerung. Stell dir vor, die ganzen
- 5:28schlimmen Sachen, die Verzweiflung, der körperliche
- 5:31Entzug, die kaputten Beziehungen, das verblasst über
- 5:34die Jahre, das Gehirn schützt uns ja auch n Stück weit davor.
- 5:37Macht Sinn. Aber gleichzeitig erinnert es
- 5:40sich oft übertrieben gut an die vermeintlich guten Momente des
- 5:44Konsums. Die erste Wirkung, die
- 5:47Entspannung, die Euphorie. Die Droge wird rückblickend fast
- 5:51ja romantisiert. Und gleichzeitig geht die Angst
- 5:54verloren, der Respekt vor dem Zeug.
- 5:57Richtig Verlust der gesunden Angst am Anfang hat man ja oft
- 6:01noch diesen heillosen Respekt, vielleicht sogar Panik vor der
- 6:04Substanz. Das ist ein Schutz, aber nach
- 6:06Jahren denkt man, ach, das war damals, ich bin jetzt anders,
- 6:10stärker. Hm.
- 6:12Und plötzlich wirkt das erste Glas Wein oder die erste Lein
- 6:16nicht mehr wie ne Bedrohung, sondern wie was beherrschbares.
- 6:20Ein fataler Trugschluss. Und dann war da noch dieser
- 6:23Punkt. Emotionale oder spirituelle
- 6:25Stagnation. Was heißt das genau?
- 6:27Das ist oft ganz subtil. Das heißt nicht nur, dass man
- 6:30keine Meetings mehr besucht, es kann auch heißen, dass man
- 6:33aufhört, sich innerlich weiterzuentwickeln.
- 6:36Keine neuen Herausforderungen, keine Auseinandersetzung mehr
- 6:39mit eigenen Mustern. Man ruht sich aus.
- 6:41Ja, man verwaltet nur noch die Nüchternheit, aber innerlich
- 6:45stagniert es. Und in diese Lehre, diese
- 6:48Unzufriedenheit, die da entstehen kann, da schleicht
- 6:51sich dann die alte Lösung, die sucht wieder ein, ganz leise
- 6:54oft. Und dann gibt es noch diesen
- 6:56Begriff, der schon so gefährlich klingt.
- 6:58Terminal Unicnes tödliche Einzigartigkeit.
- 7:02Ja, das ist die Stimme des Egos, die dir nach langer Zeit
- 7:05zuflüstert, Ach komm, du bist doch anders.
- 7:09Die Regeln, die Meetings, die Vorsicht, das ist für die
- 7:11anderen, aber du, du hast es doch kapiert, du bist die
- 7:15Ausnahme, du kannst das jetzt kontrollieren, diese
- 7:19Überzeugung, besonders zu sein, immun gegen die Gesetze der
- 7:22sucht, die ist extrem gefährlich, das ist quasi die
- 7:26Einladung für den ersten Konsum. Okay das sind echt fiese
- 7:29Fallstricke. Das bringt uns zu der wichtigen
- 7:32Unterscheidung, die Gabriel macht.
- 7:34Ausrutscher, also Slip versus Rückfall, Relapse, der erste
- 7:39Konsum nach langer Zeit ist, wieso n.
- 7:41Funke und die Reaktion entscheidet, ob es n Strohfeuer
- 7:44bleibt oder n Flächenbrand wird. Absolut entscheidend also ein
- 7:48Ausrutscher, ein Slip, das ist meist ein einmaliger oder sehr
- 7:52kurzer Konsum. Das Wichtigste ist die Reaktion
- 7:55danach. Sofortige Reue, Angst, dieser
- 7:58Gedanke, Oh Gott, was hab ich getan, Fehler OK und das führt
- 8:01im Idealfall zu sofortiger radikaler Ehrlichkeit, anrufen,
- 8:05beichten, Hilfe holen, der Ausrutscher wird dann zum
- 8:08Weckruf, schmerzhaft ja, aber man nutzt ihn um die Recovery zu
- 8:12checken und zu stärken. Und der Rückfall der Relapse.
- 8:16Da ist die Reaktion anders. Nach dem ersten Konsum kommt
- 8:20vielleicht der Gedanke, Mist, jetzt ist eh alles egal.
- 8:24Oder man versucht es zu vertuschen, weiter zu
- 8:27kontrollieren. Das alte Spiel beginnt.
- 8:29Genau, man kehrt zurück zu alten Mustern, lügen, Isolation.
- 8:34Die Sucht übernimmt wieder das Steuer.
- 8:37Es ist nicht nur die Rückkehr zur Substanz, es ist die
- 8:40Rückkehr zur Krankheitssucht mit allem drum und dran.
- 8:43Und wie fängt man das dann ab? Gabriel skizziert da ja einen
- 8:47Weg zurück unter der Überschrift Safe for use.
- 8:49Der Weg zurück aus der Scham. Er sagt, klar ist das ein Bruch,
- 8:54aber die Reparatur kann die Recovery sogar vertiefen mit
- 8:57einem Notfallprotokoll. Das klingt sehr hilfreich in so
- 9:00einer Ausnahmesituation. Ja, total praktisch.
- 9:04Schritt 1 Fettgedruckt bei ihm bricht das Schweigen sofort,
- 9:08bevor die Scham dich lähmt, ruft die sicherste Person an, die du
- 9:12hast. Sponsor, Therapeut, Freund und
- 9:15sagt den Satz Ich bin rückfällig geworden, ich brauche Hilfe.
- 9:20Gabriel sagt, die Scham verliert ihre Macht, wenn man sie
- 9:23ausspricht, sie hasst Licht. Psychologisch absolut richtig.
- 9:28Isolation füttert die Sucht der Schritt erfordert Mut, klar.
- 9:32Aber er ist der Wichtigste überhaupt.
- 9:34Schritt 2 radikale Selbstvergebung sieh dich nicht
- 9:38als Versager, sondern als Patient.
- 9:41Der Vergleich mit dem Diabetiker, der entgleist ist,
- 9:44dem würdest du auch nicht mit Hass begegnen.
- 9:46Gnade statt Selbstzerfleischung. Ja, Selbsthass treibt oft nur
- 9:50tiefer rein. Selbstmitgefühl ist der
- 9:52Schlüssel, um wieder handlungsfähig zu werden.
- 9:54Schritt 3 schonungslose Analyse aber erst wenn du wieder ein
- 10:00bisschen stabiler bist. Was waren die Warnsignale?
- 10:03Wo bin ich selbstzufrieden geworden, welche Routinen habe
- 10:07ich schleifen lassen? Ehrlich sein, ohne Ausreden.
- 10:11Die Autopsie, wie er es nennt, nicht schön, aber nötig, um
- 10:15Muster zu erkennen. Und Schritt 4 umarme die Demut
- 10:18zurück zu den Grundlagen akzeptieren es ist wieder Tag 1.
- 10:23Jautsch ja, das tut weh, aber es ist auch ne Chance.
- 10:27Geh zu meetings, vielleicht fühlst du dich wieder wie n
- 10:29Anfänger, hör zu, lerne neu, gib die Rolle des alten Hasen mal
- 10:33ab. Diese Demut, sagt Gabriel, ist
- 10:36ein mächtiger. Schutz, das gibt echt ne klare
- 10:38Struktur und er geht ja dann noch auf diese quälenden Fragen
- 10:42ein, die nach so einem späten Rückfall kommen.
- 10:44Lass uns die mal durchgehen, so als ob ein Freund sie uns
- 10:46stellt. Super Idee.
- 10:48Die Erste, die bestimmt viele umtreibt.
- 10:51War meine ganze cleane Zeit jetzt wertlos?
- 10:53All die Jahre umsonst. Ganz, ganz klares Nein, absolut
- 10:58nicht. Das ist eine der fiesesten Lügen
- 11:01der Scham. Die Jahre, in denen du clean
- 11:03warst, die waren echt dein Leben.
- 11:06In der Zeit war echt mit allem, was dazugehört, lernen, heilen,
- 11:10Beziehungen aufbauen, Freude, Schmerz.
- 11:13Das nimmt einem keiner weg. Genau, der Rückfall ist dein
- 11:16Ereignis, ein Rückschlag. Er löscht nicht die Geschichte.
- 11:20Das Fundament, das du gebaut hast, ist immer noch da.
- 11:22Du fängst nicht bei 0 an, auch wenn es sich kurz so anfühlt.
- 11:26Du fängst mit mehr Erfahrung an. OK, aber dieses Gefühl alles
- 11:29umsonst ist ja trotzdem oft da. Wie kommt man da drüber?
- 11:33Das Gefühl ist verständlich, es braucht Zeit und eben genau
- 11:37diese Schritte, Ehrlichkeit, Selbstvergebung, die Analyse,
- 11:41die Demut und sich aktiv daran erinnern, was man in der Clean
- 11:44Zeit alles gelernt und geschafft hat.
- 11:47Das Wissen ist ja nicht weg. Man muss die Perspektive ändern.
- 11:50Ja, weg von, alles verloren, hinzu OK, harte Lektion gelernt,
- 11:54Fundament wurde erschüttert, jetzt wird es verstärkt und
- 11:57weitergebaut. Verstanden?
- 11:59Nächste Frage. Wie erkläre ich das meiner
- 12:03Familie, meinen Freunden? Die dachten doch, ich bin
- 12:06geheilt. Auch hier, Ehrlichkeit und Demut
- 12:09sind der Schlüssel, aber vielleicht auch ein bisschen
- 12:12Aufklärung. Es kann helfen, das Konzept der
- 12:15chronischen Krankheit zu erklären, vielleicht sowas wie,
- 12:18hör mal, ich hatte einen Rückfall, das ist leider Teil
- 12:22meiner chronischen Erkrankung, sucht ähnlich wie bei anderen
- 12:25Krankheiten kann es Rückschläge geben.
- 12:28Das heißt nicht, dass die letzten Jahre falsch waren, aber
- 12:31es zeigt mir, dass ich meine Selbstfürsorge wieder ernster
- 12:34nehmen muss. Man übernimmt Verantwortung.
- 12:36Genau. Ich übernehme die Verantwortung
- 12:39dafür, was ich jetzt brauche, ist kein Mitleid, sondern euer
- 12:41Verständnis und eure Unterstützung auf meinem Weg,
- 12:44klare Kommunikation ohne Selbstanklage, ohne Ausreden.
- 12:48Das braucht sicher Mut, ist aber wohl der einzige Weg, vertrauen
- 12:52zurückzugewinnen. Was zur nächsten Frage führt.
- 12:55Ich hatte nur einen kleinen Ausrutscher, hat keiner gemerkt,
- 12:57muss ich das echt beichten? Gabriels Antwort ist da
- 13:00knallhart. Ja unbedingt, warum?
- 13:04Weil dieses Geheimnis wie Gift ist.
- 13:06Sucht, liebt Geheimnisse, lebt davon, wenn du es aussprichst,
- 13:09auch wenn es nur klein war, holst du es ans Licht, du nimmst
- 13:12ihm die Macht und verpflichtest dich wieder zur Ehrlichkeit, das
- 13:16ist das Fundament deiner Recovery.
- 13:18Lieber die kurze Peinlichkeit als das Risiko.
- 13:21Genau. Die kurzfristige Peinlichkeit
- 13:23ist nichts gegen die langfristige Gefahr, die so ein
- 13:25Geheimnis birgt. Es geht um dein Leben, Puh.
- 13:28Harte, aber wichtige Ansage dann die Frage, die wahrscheinlich
- 13:32immer mitschwingt, ist das Risiko für so einen späten
- 13:36Rückfall also immer da muss ich mein Leben lang aufpassen.
- 13:40Die ehrliche Antwort ist ja, das Risiko bleibt.
- 13:44Sucht ist chronisch, sie geht nicht einfach weg, aber, und das
- 13:48ist das Entscheidende. Das Risiko wird durch aktive,
- 13:52stetige Recovery Arbeit unendlich viel kleiner.
- 13:55Also meetings, Therapie, Selbstreflexion.
- 13:58Genau. Und die Akzeptanz dieser
- 14:00Tatsache ist nicht belastend, sondern paradoxerweise
- 14:04befreiend. Sie hält dich wachsam, demütig
- 14:07und schützt dich vor genau dieser gefährlichen
- 14:10Selbstzufriedenheit. Wie der Diabetiker, der auch
- 14:12immer aufpassen muss. Eben das Wissen darum ist ein
- 14:16Schutz. Keine Fessel.
- 14:18Letzte Frage, die sicher brennt, kann ich nach einem Rückfall
- 14:21jemals wieder Vertrauen zurückgewinnen?
- 14:23Mein eigenes und das der anderen, ja.
- 14:26Absolut. Aber Vertrauen gewinnt man durch
- 14:29Taten zurück, nicht durch Worte. Es braucht Zeit, es braucht
- 14:32Beständigkeit, sichtbare Anstrengung.
- 14:34Man muss es zeigen. Ja, indem du den Rückfall
- 14:37ehrlich aufarbeitest. Diese Schritte des
- 14:39Notfallprotokolls gehst dich wieder deinem Programm Widmest.
- 14:42Damit zeigst du dir selbst und anderen, du meinst es ernst.
- 14:46Vertrauenswürdigkeit kommt nicht von Perfektion, sondern davon,
- 14:50wie ehrlich und verantwortlich du mit deiner eigenen
- 14:52Unvollkommenheit umgehst. Das ist wahre Stärke und das
- 14:55spüren andere auch. Das sind echt intensive, aber
- 14:58ich find auch sehr hoffnungsvolle Gedanken.
- 15:00Gabriel fasst es ja gut zusammen, die Vergangenheit,
- 15:03auch der Rückfall ist nicht das Ende, sondern ne Lektion.
- 15:07Selbstzufriedenheit ist die größte Gefahr.
- 15:09Demut, dieses Wissen, vielleicht immer nur einen Drink von der
- 15:13Gosse entfernt zu sein, das ist der Schutz.
- 15:15Genau ein später Rückfall ist keine Schande, sondern eine
- 15:20verdammt harte Lektion, und er löscht die Jahre davor nicht
- 15:25aus, das ist das Fundament. Vielleicht kann man sagen, ein
- 15:29später Rückfall zerstört die Illusion, irgendwann geheilt
- 15:32oder fertig zu sein, aber er ersetzt sie durch ne tiefere
- 15:36Wahrheit. Dass Recovery ein lebenslanger
- 15:38Prozess ist, eine tägliche, bewusste Entscheidung zu wachsen
- 15:43und für dich, der du vielleicht gerade zuhörst und gefallen
- 15:45bist. Hör nicht auf die Lügen der
- 15:47Scham. Deine cleane Zeit war
- 15:49unglaublich wertvoll. Steh auf, hol dir Hilfe jetzt,
- 15:53lerne daraus, du bist dadurch nicht schwächer geworden, du
- 15:56bist jetzt weiser, nutze diese Weisheit.
- 15:59Wenn du ihn unterstützt, du kannst ihm helfen, indem du
- 16:02diesen Beitrag vielleicht auf Social Media teilst.
- 16:05Oder uns hier auf Spotify oder Apple Podcast bewertest und
- 16:08Likest. Das hilft wirklich, das ganze
- 16:10Projekt Neelix Berlin wird komplett von Gabriel allein
- 16:13finanziert und gemacht, jede Unterstützung hilft ihm
- 16:17weiterzumachen, für sich selbst und für andere Betroffene.
- 16:21Sein Motto, das ihn antreibt, ist ja aus allem schlechten in
- 16:24seinem Leben etwas Gutes machen, so das war es für heute.
- 16:27Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast zuzuhören,
- 16:30war intensiv, aber hoffentlich auch hilfreich.
- 16:33Pass gut auf dich auf und bis zum nächsten Mal tschüss.