Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #21 Folge 4: Deine Worte sind Waffen? So werden sie zu Schlüsseln (CRAFT-Mindset 4/14)
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserer heutigen Besprechung.
- 0:04Ich freue mich riesig, dass du heute wieder eingeschaltet hast,
- 0:06um dir Zeit für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:10Hallo auch von mir. Wir schauen uns heute ja wieder
- 0:12Material von nilix Berlin an. Konkret geht es um positive
- 0:17Kommunikation. Genau, und zwar speziell für
- 0:19Angehörige von Menschen mit Suchtproblemen.
- 0:22Das Ganze basiert auf dem vierten Teil der Serie, das
- 0:25Craft Mindset Manifest, geschrieben von Gabriel.
- 0:28Richtig. Und Gabriel gibt direkt am
- 0:30Anfang ne Art Triggerwarnung. Ja, er schreibt, dass der Inhalt
- 0:34dazu anregen könnte, die eigene Kommunikation wirklich radikal
- 0:38zu hinterfragen. Es geht nicht so sehr darum, was
- 0:41du sagst, sondern vielmehr, wie du es sagst.
- 0:44Das ist die Kernbotschaft. Und bevor wir da richtig
- 0:47eintauchen, vielleicht noch n. Wichtiger Hinweis zu Gabriel
- 0:50selbst, dem Autor hinter Nilix Berlin.
- 0:52Er teilt ja auf seiner Seite sehr offen, dass er selbst von
- 0:56sucht und auch von psychischen Themen betroffen ist oder war.
- 0:59Das ist wichtig zu wissen, ja. Seine Perspektive kommt also
- 1:02nicht aus der reinen Theorie. Genau, es ist aus eigener
- 1:05Erfahrung gespeist und er möchte damit, so schreibt er, eine
- 1:08authentische Verbindung zu dir aufbauen, zum Zuhörer.
- 1:11Und eben zeigen, Hey, du bist nicht alleine damit.
- 1:14Das gibt dem Ganzen natürlich eine andere Tiefe, eine andere
- 1:17Glaubwürdigkeit. Es sind Strategien, die er
- 1:19selbst reflektiert hat. Absolut.
- 1:22Lass uns mal starten mit dem was er die Falle der üblichen
- 1:25Kommunikation nennt. Oh ja, er beschreibt sehr
- 1:27eindrücklich, wie dieser Satz Wir müssen reden sich für ihn
- 1:31damals angefühlt hat wie eine Kriegserklärung, sagt er.
- 1:35Ja, und für die Angehörige war es ja wahrscheinlich ein
- 1:37Versuch, irgendwie durchzudringen.
- 1:40Aber bei ihm kam es als Signal an.
- 1:42Achtung, Gegenangriff. Und das beschreibt ja ein
- 1:44Muster, das wahrscheinlich viele kennen oder auf der einen Seite
- 1:48Vorwürfe, oft auch mit Tränen, eine lange Liste von Dingen, die
- 1:51falsch laufen. Und auf der anderen Seite dann
- 1:54auf seiner damaligen Sicht als Süchtiger eben gegenlisten
- 1:57Rechtfertigungen, oft auch mit dieser Kälte, dieser Abwehr, die
- 2:01zur Sucht dazugehören kann. Das Ergebnis ist dann meistens
- 2:04ja eine Sackgasse. Genau.
- 2:07Verletzungen auf beiden Seiten die Distanz wird immer größer.
- 2:10Und die Sucht? Die lacht sich ins Fäustchen,
- 2:13sozusagen. Sie profitiert ja von dieser
- 2:15Zerrüttung. Gabriel nennt das Rückblicken,
- 2:17ziemlich treffend einen Austausch von verbal verpackten
- 2:20Wunden. Eben keine echte Kommunikation.
- 2:23Nein, unterliegt oft ein Irrglaube bei Angehörigen,
- 2:26schreibt er. Dass man mit rationalen
- 2:29Argumenten irgendwie durchdringen müsse.
- 2:31Der Gedanke, wenn er oder sie doch nur verstehen würde, wie
- 2:34sehr das alles schmerzt. Ja, aber dieser Zugang, der ist
- 2:37oft einfach blockiert, oder? Genau, das Gehirn funktioniert
- 2:42in diesem Zustand anders. Vereinfacht gesagt, der Teil,
- 2:46der für Logik zuständig ist. Der präfrontale Kortex, der ist
- 2:50oft, na ja. Offline, offline und
- 2:52stattdessen. Stattdessen übernimmt das
- 2:54emotionale Zentrum die Amygdala. Die reagiert dann mit
- 2:59überlebensstrategien, Angriff, Flucht oder Erstarrung, das
- 3:02Totstellen. Und da kommen dann Appelle an
- 3:05die Vernunft einfach nicht an. Richtig, da prallt das ab.
- 3:08Das erklärt natürlich viel von dieser Frustration, die man als
- 3:11Angehöriger erleben kann. Das Ziel der Strategien, die wir
- 3:14uns jetzt anschauen, ist also, diese Blockade irgendwie zu
- 3:17umgehen. Genau das.
- 3:19Worte eben nicht mehr als Waffen zu benutzen, sondern als präzise
- 3:23Werkzeuge. Eine Art Revolution der
- 3:26Kommunikation, wie Gabriel es nennt.
- 3:28Nach dem craft Ansatz. OK, und dieser Ansatz zerlegt
- 3:32Kommunikation in 7 Bausteine, die Säulen wie ein neues
- 3:36Werkzeugset, das man lernen kann.
- 3:38Exakt. Gut, dann schauen wir uns diese
- 3:417 Säulen mal an. Die erste kurz und bündig.
- 3:45Was heißt das genau? Ein Redanke pro Satz.
- 3:48Wirklich keine langen Monologe, keine Vorträge.
- 3:52Das Gehirn des Gegenübers ist in solchen Stresssituationen
- 3:55schnell überfordert. OK, lange reden führen dann oft
- 3:58dazu, dass der andere abschaltet oder sich noch mehr angegriffen
- 4:01fühlt, also klar, prägnant auf den Punkt.
- 4:04Verstehe weniger, ist mehr sozusagen Säule 2, positiv und
- 4:09lösungsorientiert. Wie setzt man das um?
- 4:12Indem du sagst, was du willst. Nicht nur, was du nicht willst.
- 4:16Das ist ein wichtiger Shift. Beispiel?
- 4:18Also statt hör endlich auf, immer so lange wegzubleiben, was
- 4:22ja ein klarer Vorwurf ist. Lieber, ich würde mich riesig
- 4:26freuen, wenn wir heute Abend vielleicht zusammen essen
- 4:29könnten. Das malt ein positives Zielbild,
- 4:32das lädt eher zur Kooperation ein.
- 4:35Ah ja, den Fokus auf das legen, was man sich wünscht, das
- 4:38leuchtet ein dritte Säule konkret sein, warum ist das
- 4:43wichtig? Weil Verallgemeinerungen, wie
- 4:45immer machst du oder nie hörst du zu fast zwangsläufig Abwehr
- 4:50provozieren. Ja, das stimmt, fühlt sich
- 4:52unfair an. Genau, sie sind ja auch selten
- 4:55zu 100% wahr. Viel besser ist es, ein ganz
- 4:58spezifisches Verhalten zu beschreiben.
- 5:01Nicht du bist immer so aggressiv, sondern als du
- 5:04gestern die Tür so zugeschlagen hast, da hat mich das
- 5:07erschreckt. Das macht den Punkt
- 5:09nachvollziehbarer und es ist weniger ein Angriff auf die
- 5:12ganze Person. Richtig, es geht um das
- 5:14Verhalten, nicht um den Charakter.
- 5:16OK, also beobachtbares Verhalten ansprechen, keine pauschalen
- 5:20Urteile führt uns zur vierten Säule, Gefühle benennen.
- 5:25Da geht es um ich. Botschaften nehme ich an.
- 5:27Ganz genau, das ist der Kern. Statt du machst mich wahnsinnig,
- 5:31was ja eine klare Anklage ist. Und wahrscheinlich auch nicht.
- 5:33Stimmt rein faktisch. Eben sprichst du von dir selbst.
- 5:37Ich fühle mich ängstlich oder ich bin überfordert oder ich bin
- 5:41frustriert, wenn x passiert. Das zeigt deine eigene Reaktion,
- 5:45deine Verletzlichkeit. Ohne den anderen direkt
- 5:48anzugreifen. Ja.
- 5:50Es ist n Riesenunterschied ob ich sage, du bist rücksichtslos
- 5:53oder ob ich sage, ich fühle mich übergangen.
- 5:55Als du das entschieden hast. Das braucht aber sicher Übung
- 5:58oder diese ich Perspektive konsequent beizubehalten.
- 6:01Gerade wenn man emotional ist. Oh ja, absolut.
- 6:04Das ist nicht leicht. Kommen wir zur Säule 5, die
- 6:07Gabriel als besonders mächtig beschreibt, Verständnis zeigen.
- 6:11Verständnis zeigen was genau ist damit gemeint?
- 6:15Verständnis zu signalisieren ist ein unglaublich starker
- 6:19Deeskalator. Aber, und das ist ganz wichtig,
- 6:23es geht darum zu zeigen, dass du die Perspektive des anderen
- 6:26Wahrnimmst. Nicht, dass du sie gut heißt
- 6:29oder teilst. Okay das ist eine wichtige
- 6:31Unterscheidung. Enorm wichtig.
- 6:33Ein Beispiel wäre, ich kann verstehen, dass du nach der
- 6:37Arbeit total gestresst bist. Das signalisiert Empathie und.
- 6:40Das senkt die Abwehr. Es heißt aber nicht.
- 6:43Es heißt eben nicht, ich finde es gut, dass du gestresst bist
- 6:46und deshalb jetzt vielleicht trinkst, sondern nur ich sehe
- 6:49deinen Stress. Ich nehme wahr, wie es dir
- 6:51gerade geht. Puh, das stelle ich mir aber
- 6:54schwierig vor, gerade wenn man innerlich kocht vor Wut oder
- 6:57Sorge. Und das ist es auch.
- 6:59Ähnlich anspruchsvoll ist Säule 6.
- 7:01Teilverantwortung übernehmen. Teilverantwortung, wie soll das
- 7:05denn gehen, wenn man sich doch klar im Recht fühlt?
- 7:08Oft ist es ja auch so. Ja, das ist einer der
- 7:10Herausforderndsten, aber oft auch wirkungsvollsten Punkte.
- 7:15Es geht darum, einen winzigen Aspekt zu finden, der vielleicht
- 7:18doch in deiner Verantwortung lag.
- 7:20Und wenn es nur der Zeitpunkt war.
- 7:22Genau, selbst wenn es nur der ungünstige Zeitpunkt des
- 7:25Gesprächs war, zum Beispiel. Vielleicht hätte ich das Thema
- 7:28nicht ansprechen sollen, als wir beide schon so müde waren, das
- 7:32durchbricht sofort dieses Muster der reinen Schuldzuweisung.
- 7:35Stimmt. Es zeigt Selbstreflexion.
- 7:38Und es kann die Spannung oft ganz enorm reduzieren.
- 7:41Es nimmt dem anderen den Wind aus den Segeln, wenn er merkt,
- 7:44du bist nicht nur auf Angriff aus.
- 7:47Ein kleiner Satz mit potenziell großer Wirkung zur Deeskalation.
- 7:51OK, und dann die siebte Säule, Hilfe anbieten, ja.
- 7:57Statt nur das Problem zu beklagen, ein konkretes
- 8:00Hilfsangebot machen. Also nicht nur du kommst ja doch
- 8:04wieder zu spät, sondern vielleicht wie kann ich dich
- 8:07denn unterstützen, damit du morgen pünktlich loskommst?
- 8:10Ah OK, das signalisiert Kooperation statt Konfrontation.
- 8:14Genau das zeigt, ich will nicht nur meckern, ich will eine
- 8:17Lösung finden zusammen mit dir. Wenn man diese 7 Werkzeuge jetzt
- 8:21mal zusammennimmt, das Ziel ist also immer erst irgendwie eine
- 8:25Verbindung herzustellen, bevor man das eigentliche Problem
- 8:28anspricht. So eine Art.
- 8:30Diplomatische Ansatz. Exakt, man könnte es so nennen.
- 8:33Verbindung ist die absolute Voraussetzung dafür, dass
- 8:36Botschaften überhaupt ne Chance haben anzukommen.
- 8:39Sonst verhallen Sie einfach. Sie verhallen ungehört.
- 8:41Ja, egal wie logisch oder berechtigt sie sind, ohne
- 8:44Verbindung keine Kommunikation. Du hattest ja vorhin schon kurz
- 8:48angesprochen, warum unser Gehirn bei Konfrontation so blockiert.
- 8:52Der Artikel geht da ja noch tiefer rein auf die
- 8:54neurobiologische Ebene. Ja, und das ist wirklich
- 8:57erhellend, finde ich. Wenn wir uns konfrontiert
- 9:01fühlen, also angegriffen, dann übernimmt oft die Amygdala die
- 9:04Kontrolle, unser Angstzentrum sozusagen.
- 9:07Der sogenannte Amygdala Hijack. Genau.
- 9:10Die schlägt Alarm und der Teil fürs logische denken.
- 9:13Der präfrontale Kortex, der wird quasi ja heruntergefahren.
- 9:18Gedrosselt, das heißt, beide Gesprächspartner sind dann im
- 9:21reinen Überlebensmodus. Im Prinzip ja.
- 9:23Kampf, Flucht oder Erstarrung, zuhören, abwägen, Lösungen
- 9:28finden, das ist dann kaum noch möglich.
- 9:30Man ist dann buchstäblich nicht mehr auf Empfang für rationale
- 9:33Argumente. OK, das erklärt einiges.
- 9:35Und dazu kommt dann noch die Wirkung der Spiegelneuronen.
- 9:38Spiegelneuronen. Ja, das sind Nervenzellen, die
- 9:41dafür sorgen, dass wir Emotionen anderer unbewusst spiegeln.
- 9:45Negative Emotionen wie Wut oder Angst übertragen sich also oft
- 9:50unbewusst auf das Gegenüber und umgekehrt.
- 9:53Man schaukelt sich also gegenseitig hoch, ohne es
- 9:56vielleicht bewusst zu steuern. Genau das ist diese typische
- 9:59Eskalationsspirale. Und dann gibt es noch einen
- 10:02dritten Punkt, die kognitive Dissonanz.
- 10:04Kognitive Dissonanz was war das noch mal?
- 10:07Das beschreibt den inneren Konflikt, wenn man Überzeugungen
- 10:10hat, die nicht zusammenpassen oder wenn das eigene Verhalten
- 10:13nicht zu den eigenen Werten passt.
- 10:15Und bei Sucht. Menschen mit Suchtproblemen
- 10:18wissen ja oft insgeheim tief drinnen, dass ihr Verhalten
- 10:21schädlich ist für sich, für andere direkte Vorwürfe von
- 10:25außen verstärken diesen unangenehmen inneren Konflikt,
- 10:29diese Dissonanz. Und um diese Spannung
- 10:32aufzulösen, ist es für das Gehirn oft einfacher, den
- 10:35Überbringer der schlechten Nachricht abzuwerten.
- 10:38Also mich als Angehörigen, als Nörgler oder Angreifer
- 10:41abzustempeln. Genau als das eigene Verhalten
- 10:44zu ändern, was ja bei einer sucht extrem schwer ist und oft
- 10:48nicht ohne Hilfe geht. Das macht total Sinn.
- 10:50Das erklärt, warum Vorwürfe so oft nach hinten losgehen.
- 10:53Sie treiben den anderen eher noch weiter in die Verteidigung
- 10:56oder den Rückzug. Es unterstreicht wirklich diese
- 10:59Aussage von Gabriele. Deine Worte haben macht, sie
- 11:03können Mauern bauen oder Brücken, die Wahl liegt bei dir,
- 11:07willst du Krieger sein oder Brückenbauer?
- 11:09Und das führt uns ja zu diesem zentralen Punkt im Artikel.
- 11:11Der wichtigste Wechsel im Kopf, Weg vom Recht haben wollen.
- 11:16Ja, hin zum Verbindung herstellen wollen.
- 11:18Gabriel stellt ja diese provokante Frage.
- 11:21Was hat dir dein Recht haben bisher eigentlich gebracht?
- 11:24Und wenn man ehrlich ist, wahrscheinlich wenig
- 11:28konstruktives. Man hat vielleicht den Streit
- 11:30gewonnen, aber die Beziehung hat Risse bekommen.
- 11:34Die Distanz ist gewachsen. Eben deshalb diese
- 11:37Neuausrichtung. Das Ziel ist nicht mehr, den
- 11:41Kampf zu gewinnen, sondern eine Verbindung zu schaffen, die
- 11:44vielleicht Veränderung überhaupt erst ermöglicht.
- 11:47Der Artikel beleuchtet das ja aus 3 Perspektiven.
- 11:51Logik, Seele und Realität. Lass uns das kurz durchgehen.
- 11:56Die Logik von Craft hatten wir ja schon fast.
- 11:59Genau, die Logik ist das primäre Ziel ist es, die Abwehr des
- 12:04anderen zu senken, damit er überhaupt zuhören kann.
- 12:08Und da ist Verständnis zeigen. Säule 5 eben kein Zeichen von
- 12:13Schwäche. Sondern.
- 12:14Sondern ein strategisch kluger Zug, der die Tür ein Spaltbreit
- 12:18öffnet. Okay.
- 12:20Und die Perspektive der Seele, das Mindset dahinter.
- 12:23Hier geht es darum, aus welcher Haltung heraus du kommunizierst.
- 12:27Kommunizierst du aus deinem Verletzten Ego heraus, das Recht
- 12:31haben will, das eine Entschuldigung fordert, oder
- 12:34oder kommunizierst du aus einem weiseren Liebevolleren Teil
- 12:38deines selbst, aus dem Wunsch nach Heilung, nach Verbindung?
- 12:42Die innere Frage verschiebt sich dann.
- 12:44Von wie gewinne ich diesen Streit zu?
- 12:46Zu. Was ist jetzt der Liebevollste
- 12:49und gleichzeitig effektivste Weg, um hier einen Kanal zu
- 12:54öffnen? Liebevoll und effektiv, das ist
- 12:56ne gute Kombination und die Realitätsebene Gabriels eigene
- 13:00Erfahrung. Er beschreibt ja, wie Tausende
- 13:02von Argumenten, Vorwürfen, bitten, einfach an ihm
- 13:05abgeprallt sind. Aber dann kam dieser eine Satz
- 13:09einer Angehörigen, so was wie. Es muss furchtbar sein, sich so
- 13:13zu fühlen. Und der hat gewirkt.
- 13:14Der hat die Frontlinie durchbrochen, sagt er.
- 13:18Nicht, weil er sofort alles geändert hätte, das nicht, aber
- 13:22er hat etwas ausgelöst. Er hat gezeigt, da sieht mich
- 13:26jemand als Mensch, nicht nur als Problemfall.
- 13:28Das hat ihn zum Nachdenken angeregt.
- 13:30Genau das ist ein starkes Bild, finde ich.
- 13:33Hör auf wie wild gegen verschlossene Türen zu hämmern,
- 13:36Versuch lieber den passenden Schlüssel zu finden und der
- 13:40heißt fast immer. Verständnis.
- 13:42Okay, aber das klingt alles nach viel Arbeit und viel Übung.
- 13:48Absolut. Deshalb schlägt Gabriel ja auch
- 13:50eine ganz kleine Startübung vor, um den Druck rauszunehmen.
- 13:55Er nennt sie die Einsatzrevolution.
- 13:58Die Einsatzrevolution was ist die Mission?
- 14:01Die Mission für die nächste Woche oder die nächsten Tage?
- 14:05Finde einen einzigen Moment, in dem du normalerweise kritisieren
- 14:10oder streiten würdest, nur einen.
- 14:12Okay. Und dann?
- 14:13Und dann statt der alten, gewohnten Reaktion, versuchst du
- 14:17einen reinen Verständnissatz anzuwenden, also Säule 5 ganz
- 14:23wichtig, ohne aber ohne irgendeinen versteckten Vorwurf,
- 14:26ohne Ratschlag hinten dran, nur Verständnis.
- 14:30Kannst du noch mal ein Beispiel geben?
- 14:31So ganz konkret? Klar, statt.
- 14:34Schon wieder zu spät? Das gibt's doch nicht.
- 14:37Vielleicht wow, du siehst total erledigt aus, der Tag muss hart
- 14:41gewesen sein. Okay oder statt hast du etwa
- 14:45schon wieder getrunken? Vielleicht.
- 14:47Ich kann mir vorstellen, dass du gerade einfach nur deine Ruhe
- 14:50haben willst oder es wirkt so, als ob du gerade absolut keine
- 14:54Energie für irgendwas hast. Es geht nur darum, die
- 14:58Perspektive des anderen kurz anzuerkennen.
- 15:00Zu spiegeln, was du wahrnimmst. Und das Ziel aber ist nicht,
- 15:03dass der andere dann sofort sagt, Euer stimmt, du hast
- 15:06Recht. Nein, überhaupt nicht.
- 15:07Das Ziel ist primär für dich, es geht darum, dass du selbst
- 15:11erlebst, wie es sich anfühlt, bewusst ein anderes
- 15:14kommunikatives Werkzeug einzusetzen, den Fokus auf deine
- 15:19eigene Handlung legen, auf dein eigenes Erleben in dem Moment.
- 15:22Ein kleiner Schritt, um aus alten, destruktiven Mustern
- 15:26auszubrechen. Genau.
- 15:27Dazu passt ja auch dieser Diplomatentest.
- 15:30Im Artikel kannst du das Szenario kurz schildern.
- 15:33Ja, gern. Stell dir vor, dein Partner oder
- 15:36deine Partnerin liegt nach einer langen Nacht verkatert im Bett.
- 15:40Du aber möchtest oder musst zum Supermarkt fahren.
- 15:43Klassische Situationen kennt man vielleicht.
- 15:45Und die Frage ist, welcher der folgenden Sätze ist nach Craft
- 15:50der beste Einstieg, um die Chance auf Kooperation zu
- 15:53maximieren? OK, option a.
- 15:56Option A ist der Vorwurf, schon wieder verkatert.
- 15:59Typisch, ich muss einkaufen. Klingt nicht sehr kooperativ.
- 16:03Option B. Option B ist so n fager Wunsch.
- 16:08Ich wollte einkaufen fahren, wär schön wenn du mitkommst, aber
- 16:12nur wenn du magst. Ich will dich ja nicht nerven.
- 16:14Eher unsicher, vielleicht auch ein bisschen manipulativ.
- 16:17Option C. Option C ist ein längerer Satz.
- 16:21Puh, ich sehe dir geht s nicht besonders gut.
- 16:24Ich wollte eigentlich jetzt einkaufen, aber weißt du was
- 16:27wäre es für dich OK, wenn wir das vielleicht erst später
- 16:29machen, dann könnten wir den Nachmittag entspannt für uns
- 16:32haben. Wie kann ich dir jetzt
- 16:34vielleicht helfen, damit es dir ein bisschen besser geht?
- 16:37OK, das ist deutlich anders und die richtige Antwort ist C.
- 16:41Ja, C ist der Ansatz, der die meisten CAAF Prinzipien vereint.
- 16:46Kannst du das noch mal aufschlüsseln?
- 16:47Warum ist C am besten? Klar, der Satz beginnt mit
- 16:51Verständnis. Säule 5 ich sehe dir geht s
- 16:54nicht gut, das senkt sofort die Abwehr.
- 16:58Dann kommt ein positiver Wunsch, verbunden mit einem konkreten
- 17:01Verhalten und einem Nutzen. Säulen 2 und 3 wäre schön, wenn
- 17:06wir später fahren, dann ist der Nachmittag frei.
- 17:09Das klingt nach einer Win Win Situation.
- 17:11Genau. Und er endet mit einem klaren
- 17:14Hilfsangebot. Säule 7 wie kann ich dir helfen?
- 17:18Das signalisiert maximale Kooperationsbereitschaft.
- 17:21Und A ist halt reiner Angriff. B ist zu vage und lässt den
- 17:25anderen im Unklaren. Exakt.
- 17:27C. Öffnet die Tür für eine
- 17:29gemeinsame Lösung an weitesten. Das leuchtet ein, aber das wirft
- 17:33sich ja auch Fragen und Zweifel auf.
- 17:35Der Artikel hat ja deshalb diesen FAQ Bereich, lass uns da
- 17:38mal ein paar typische Sorgen durchgehen, die erste.
- 17:42Fühlt sich das nicht total unehrlich und gespielt an, so zu
- 17:44reden? Ja, das ist ne absolut
- 17:46verständliche und häufige erste Reaktion.
- 17:49Gabriel vergleicht das im Artikel mit dem Erlernen einer
- 17:52neuen Sprache oder eines Musikinstruments.
- 17:55Am Anfang fühlt es sich komisch und unnatürlich an.
- 17:57Genau, es sind ja auch neue neuronale Autobahnen, die du da
- 18:02baust. Es ist aber keine Unehrlichkeit,
- 18:04es ist eine bewusste Entscheidung, anders zu
- 18:07reagieren, als impulsiv aus der Emotion heraus.
- 18:10Du entscheidest dich sozusagen aus deinem Weiseren,
- 18:13erwachseneren ich zu handeln. Und das braucht halt Training,
- 18:17wie jede neue Fähigkeit, richtig, nächste Sorge, was ist,
- 18:21wenn er oder sie meine positive Art dann einfach ausnutzt und
- 18:24gar nicht drauf reagiert. Das ist möglich.
- 18:26Gerade am Anfang ist das sogar wahrscheinlich.
- 18:30Aber, und das ist der entscheidende Punkt hier, du
- 18:33änderst deine Kommunikation primär für dich.
- 18:36Für mich. Wie meinst du das?
- 18:38Um deine eigene Energie nicht mehr in sinnlosen, zermürbenden
- 18:41Kämpfen zu verbrennen, um deine eigene innere Ruhe besser zu
- 18:45wahren. Es ist also auch eine Form von
- 18:47Selbstschutz und Selbstfürsorge. Und es bereitet das Feld vor.
- 18:51Ja, es bereitet das Feld für spätere Schritte, wenn sich
- 18:54vielleicht doch eine Tür öffnet. Aber sie ist als Marathon, nicht
- 18:58als Sprint erwarte, keine Wunder über Nacht.
- 19:01Es geht also stark um die eigene Entlastung, den eigenen Frieden.
- 19:04OK, frage 3. Soll ich denn dann nie wieder
- 19:08wütend sein oder meine ehrliche Meinung sagen dürfen?
- 19:11Doch natürlich, absolut. Gefühle sind valide, Wut ist
- 19:15valide. Es geht nicht darum, Gefühle zu
- 19:18unterdrücken, es geht um die Art des Ausdrucks.
- 19:21Also der Unterschied zwischen. Der Unterschied zwischen einem
- 19:24Angriff? Du bist so ein Idiot und einer
- 19:27klaren ich Botschaft nach Säule 4.
- 19:29Ich fühle mich gerade total wütend und auch verletzt, wenn
- 19:32das jetzt wieder passiert, obwohl wir doch etwas anderes
- 19:34besprochen hatten. Du kommunizierst deine Wahrheit,
- 19:37deine Grenze, aber ohne den anderen als Person
- 19:40niederzumachen. Genau darum geht es.
- 19:42Das erinnert mich stark an die gewaltfreie Kommunikation.
- 19:45Darauf kommen wir gleich noch. Nächste Frage, Warum ist dieser
- 19:49Verständnissatz diese Säule 5 so wichtig?
- 19:53Auch wenn ich das Verhalten meines Gegenübers eigentlich
- 19:56hasse. Weil er die stärkste Waffe gegen
- 19:59Widerstand ist. Sobald sich ein Mensch
- 20:02verstanden fühlt und noch mal verstanden, nicht bestätigt oder
- 20:06gutgeheißen, sinkt die innere Abwehr.
- 20:09Er kann dann eher zuhören. Ja, wenn ich sage, ich verstehe,
- 20:13dass du total gestresst bist, heißt das ja nicht, ich finde es
- 20:17super, dass du deshalb trinkst. Es heißt nur, ich sehe deine
- 20:22Not, ich. Ich sehe deinen Schmerz dahinter
- 20:25und allein diese Anerkennung kann die Tür für weitere
- 20:28Kommunikation einen Spalt weit öffnen.
- 20:31Ohne sie prallt oft alles ab. OK und die letzte sehr
- 20:35praktische Frage aus den FA. Qs.
- 20:38Ich vergesse all diese tollen Regeln im Eifer des Gefechts im
- 20:41Streit. Was mache ich denn dann?
- 20:42Ja, das ist völlig normal. Wem passiert das nicht?
- 20:45Der wichtigste Skill in diesem Moment ist dann, den
- 20:48destruktiven Kreislauf zu unterbrechen.
- 20:51Zu stoppen wie am besten du legst dir einen Notfallsatz
- 20:54zurecht, so was wie Stopp. Ich merke gerade, wir drehen uns
- 20:58im Kreis und verletzen uns nur gegenseitig, das führt doch zu
- 21:01nichts, lass uns bitte eine Pause machen und später in Ruhe
- 21:04darüber reden. Sich also bewusst aus der
- 21:06Situation rausziehen, ja. Und das ist kein Aufgeben, das
- 21:10ist ein strategischer Sieg, ein Sieg für deine eigene Energie,
- 21:14für deine psychische Gesundheit und oft auch langfristig für die
- 21:18Beziehung. Das ist n extrem wichtiger Punkt
- 21:20finde ich. Die Fähigkeit, destruktive
- 21:22Schleifen zu erkennen und zu beenden.
- 21:24Absolut. Zur Vertiefung empfiehlt Gabriel
- 21:27ja auch ein bestimmtes Buch. Ja, dem Klassiker Gewaltfreie
- 21:30Kommunikation, eine Sprache des Lebens von Marshall B.
- 21:34Rosenberg. Was kann man daraus mitnehmen?
- 21:36Es liefert sozusagen die philosophische und
- 21:39psychologische Basis für vieles. In CRF.
- 21:42Rosenberg zeigt sehr eindrücklich, wie man die
- 21:44unerfüllten Bedürfnisse hinter Angriffen und Vorwürfen erkennen
- 21:47kann, bei sich selbst und beim anderen.
- 21:50Und wie man die eigene Wahrheit, die eigenen Bedürfnisse klar,
- 21:53aber eben ohne Verletzung kommuniziert.
- 21:55Genau. Es ist im Grunde die ultimative
- 21:57Anleitung, um vom Krieger zum Brückenbauer zu werden.
- 22:01Sehr empfehlenswert. Im Artikel findet sich dazu ein
- 22:04Amazon Link und hier der Kleine, aber wichtige Transparenzhinweis
- 22:08dazu. Das ist ein sogenannter
- 22:10Affiliate Link. Wenn du über diesen Link das
- 22:13Buch kaufst, erhält Gabriel eine kleine Provision.
- 22:16Für dich ändert sich aber am Preis überhaupt nichts.
- 22:19Es ist einfach eine Möglichkeit, die Arbeit von Nilix Berlin ein
- 22:22bisschen zu unterstützen, wenn man das möchte.
- 22:24Gut zu wissen das Fazit des Artikels zieht ja noch mal einen
- 22:27schönen Vergleich. Ja, den mit dem Samen.
- 22:30Ein einziges positives verständnisvolles Wort kann wie
- 22:34ein Same sein, aus dem vielleicht irgendwann ein neuer
- 22:37Wald wächst. Gabriel greift da ja noch mal
- 22:40sein persönliches Beispiel auf. Dieser eine entwaffnende Satz
- 22:43seiner Angehörigen. Ich verstehe, dass du dich
- 22:46überfordert fühlst. Der hat den üblichen Kampf
- 22:49beendet. Er hat einen kleinen Riss in
- 22:51seine Abwehrmauer gebracht, das zeigt einfach diese immense
- 22:55Schöpferkraft von Worten. Wir können damit Wüsten schaffen
- 22:58oder Oasen. Und positive Kommunikation ist
- 23:01demnach keine bloße Technik, sondern eine bewusste
- 23:05Entscheidung, eine Entscheidung, Verbindung zu sehen, auch wenn
- 23:09die Ergebnisse vielleicht Zeit brauchen.
- 23:11Genau darum geht es und genau darum wird es auch im nächsten
- 23:13Teil dieser Serie gehen. Wie man diese Samen dann aktiv
- 23:17düngt, also wie man erwünschtes, nüchternes Verhalten durch
- 23:21positive Verstärkung gezielt fördern kann.
- 23:24Darauf können wir gespannt sein. Bevor wir für heute zum Ende
- 23:27kommen, möchten wir noch eine Bitte im Namen von Gabriel
- 23:29weitergeben. Wenn dir diese Aufbereitung hier
- 23:32gefallen hat, wenn du die Arbeit von Nilix Berlin generell
- 23:35wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine
- 23:38Unterstützung freuen. Und wie kannst du Gabriel
- 23:41helfen? Zum Beispiel, indem du diesen
- 23:43Beitrag vielleicht auf Social Media teilst.
- 23:46Oder indem du diesen Podcast hier auf den Plattformen, wo du
- 23:50ihn hörst, also Spotify, Apple Podcasts oder wo auch immer,
- 23:54positiv bewertest oder Likest. Das hilft enorm bei der
- 23:58Sichtbarkeit. Man muss wissen, das Projekt
- 24:01Nielix Berlin wird komplett allein von Gabriel finanziert
- 24:04und erstellt, da steckt unglaublich viel Herzblut und
- 24:07Arbeit drin. Jede Form der Unterstützung, sei
- 24:09sie noch so klein, hilft Gabriel dabei, mit diesem Projekt nicht
- 24:13nur sich selbst auf seinem Weg zu helfen, sondern eben auch
- 24:16gleichzeitig anderen Betroffenen und Angehörigen.
- 24:19Gabriels persönliches Motto, das ihn dabei antreibt, lautet.
- 24:23Aus allem schlechten, was ihm im Leben widerfahren ist, etwas
- 24:26Gutes zu machen. Eine wirklich beeindruckende und
- 24:29wichtige Mission, finden wir. Absolut ja.
- 24:32Damit sind wir für heute eigentlich durch, oder?
- 24:34Ich denke schon, das waren viele Infos, viele Werkzeuge.
- 24:38Ja, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und zugehört
- 24:41hast. Vielleicht noch eine kleine
- 24:43Frage zum Mitnehmen und Weiterdenken für dich.
- 24:45Was nimmst du ganz konkret aus diesen Kommunikationswerkzeugen
- 24:49mit und wo könntest du vielleicht diese Woche mal
- 24:51versuchen, nur einen einzigen. Kleinen Verständnissatz
- 24:55auszuprobieren muss ja nicht mal im Suchtkontext sein, vielleicht
- 24:57in einer ganz anderen herausfordernden Situation.
- 25:00Einfach mal beobachten, was passiert.
- 25:02Eine gute Übung. Pass gut auf dich auf, bleib
- 25:04neugierig und bis zum nächsten Mal.
- 25:06Mach's gut, Tschüss.