Latest / Gin And Talk / Daniel Schreiber über Freundschaften, Einsamkeit und das Alleinsein
Transcript
- 0:00Speaker 1: Ich finde, dass gerade wenn es um Einsamkeit geht wir eigentlich aufhören ehrlich zu sein.
- 0:08Speaker 1: Denn dieser eigentliche Einsamheit die wir auch alle kennen, die verdrängen wir sofort und das ist immer etwas über das wir auf keinen Fall reden möchten.
- 0:17Speaker 1: also ich bewundere bei meinen jüngeren Freunden sehr dass einige Versuche um polyamoröse Beziehungen zu haben, das auch sexuelle Orientierung überhaupt nicht mehr so ein großes Thema ist wie noch einfach ein paar Jahre.
- 0:34Speaker 1: Und es ist eine große Experimentierbereitschaft gibt diesbezüglich und ich muss dann aber auch an Die Freundinnen und Freunde meinem Alter denken, die als junge Menschen eben auch experimentiert haben.
- 0:48Speaker 1: Und sich auch auf neue Situationen eingelassen haben.
- 0:53Speaker 1: Von denen war fast alle tatsächlich letztlich in mehr oder weniger klassischen Beziehungen gelandet sind.
- 0:59Speaker 0: Herzlich willkommen!
- 1:00Speaker 0: Mein Name ist Daniel Fürk und bevor wir gleich in das Gespräch starten möchte ich kurz unseren heutigen Gast vorstellen.
- 1:06Speaker 0: Daniel Schreiber ist Autor- und Journalist.
- 1:09Speaker 0: Seine tiefgründigen und bewegenden Bücher haben nicht selten einen autobiografischen Hintergrund.
- 1:14Speaker 0: In seinem neuesten Werk Allein nimmt er ein gesellschaftliches Tabuthema in den Fokus.
- 1:19Speaker 0: Warum wird immer davon ausgegangen, dass das Zusammenleben in einer Beziehung oft sogar in eine Familie mit Kindern der Normalzustand ist?
- 1:27Speaker 0: Schreiber lebt seit längerer Zeit allein und hat für sich selbst herausgefunden, Ich wollte von ihm wissen, ob man alleine glücklich sein kann.
- 1:36Speaker 0: Welche Rolle Freundschaften im Leben spielen und warum es uns als Gesellschaft zu schwer fällt, jeden seinen ganz individuelles Glück finden zu lassen?
- 1:44Speaker 0: Bevor wir aber gleich starten noch eine Bitte!
- 1:46Speaker 0: Wenn euch Jinen Talk gefällt folgt uns bei Spotify, Apple Podcasts oder wo auch immer ihr gerne Podcast hört.
- 1:52Speaker 0: so verpasst ja auch keine der folgenden Episoden.
- 1:55Speaker 0: Jetzt dabei.
- 1:55Speaker 0: viel Spaß beim Zuhören.
- 1:57Speaker 0: schön dass ihr alle wieder mit dabei seid
- 2:03Speaker 1: und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 2:08Speaker 1: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 2:11Speaker 0: Herzlich Willkommen
- 2:13Speaker 1: zu einer neuen Folge Gin &
- 2:15Speaker 0: Talk.
- 2:17Speaker 1: Mach es dir gemütlich,
- 2:18Speaker 0: lehne dich zurück und tauche
- 2:20Speaker 1: ein in die verrucht düstere Atmosphäre
- 2:24Speaker 0: unserer Studio-Bar.
- 2:34Speaker 0: Daniel Schreiber ich freue mich sehr Dass wir uns heute hier in einem wahnsinnig verwinkelten Untergeschoss in Berlin treffen können, um über dein Buch zu sprechen und über viele andere Themen herum.
- 2:47Speaker 0: Herzlich willkommen!
- 2:48Speaker 0: Danke
- 2:48Speaker 1: für die Einladung.
- 2:49Speaker 0: Ja du hast ein Buch geschrieben.
- 2:51Speaker 0: Du hast schon viele Bücher geschrieben aber du hast einen Buch geschrieben was gerade sehr erfolgreich ist.
- 2:57Speaker 0: ich habe es auch in der Hand.
- 2:58Speaker 0: das heißt Allein Also erst mal ein sehr gutes Buch, aber auch ein wahnsinnig persönliches Wahnsinnig ehrliches und wahnsinnige.
- 3:15Speaker 0: Ja auch wirklich so knallhart ist mir gerade in den Kopf geschossen.
- 3:18Speaker 0: Aber knallhardt ist ein böses wort.
- 3:21Speaker 0: eigentlich meine ich die positive version von knall hard die mir gerade nicht einfällt.
- 3:25Speaker 0: aber genau also es geht um das allein sein Und aus so einem stückweit um die frage warum?
- 3:31Speaker 0: In unserer gesellschaft eigentlich immer jeder dem nicht allein sein als Idealzustand ausgeht, insbesondere wenn es darum geht in welcher Konstellation man sein Leben bestreitet also ob als Paar oder verheiratet wie auch immer.
- 3:49Speaker 0: Wann ist dir eigentlich in den Kopf geschossen?
- 3:52Speaker 0: so ein Moment mal?
- 3:54Speaker 0: Da muss ich jetzt mal was drüber schreiben.
- 3:59Speaker 1: finden halt überhaupt kein negatives Wort und ich habe es noch nicht gehört in Verbindung mit dem Buch.
- 4:05Speaker 1: Ich finde das eigentlich ganz schön, weil ich glaube vielleicht meinst du damit etwas was mir sehr wichtig ist?
- 4:12Speaker 1: Und zwar einfach so Fragen zu stellen die man sich eigentlich nicht zu stellen traut und die man dich eigentlich nicht stellen möchte und die wir auch als Kultur uns nicht wirklich stellen möchten erfordert eine gewisse Härte mit sich selbst das zu tun.
- 4:30Speaker 1: Und ich glaube, dass es etwas was wir tun müssen und dass es uns danach besser geht wenn wir es tun und dass ist extrem bereichernd von unser Leben ist.
- 4:40Speaker 1: aber es ist trotzdem immer wieder ne Herausforderung.
- 4:43Speaker 1: also für mich ist es immer wieder eine Herausforderung.
- 4:47Speaker 1: Ich habe vor ungefähr fünf Jahren angefangen an die Buch zu arbeiten.
- 4:51Speaker 1: Es sollte erst ein Buch über Freundschaft werden und ich recherchiere mir sehr viel, lehse sehr viel weil ich den Eindruck habe.
- 4:58Speaker 1: Ich muss mich mit dem auseinandersetzen was vor mir geschrieben wurde, was Menschen vor mir gedacht haben.
- 5:07Speaker 1: Und ich finde es auch eine Frage von Respekt sich mit der Tradition auseinanderzusetzen die es gibt mit den drei Zonen Schreibens, mit dem drei Zones Denkens.
- 5:19Speaker 1: Ja und dabei ist mir aufgefallen, dass ich also meine eigentliche Frage verschiebt oder dabei bin nicht so der eigentlichen Frage vielleicht vorgestoßen die ich hatte.
- 5:30Speaker 1: Die Frage war ja wie kann ich dieses Leben allein bestreiten?
- 5:35Speaker 1: Und da spielen Freundschaften natürlich eine ganz zentrale Rolle aber deswegen spielen sie auch in dem Buch eine zentraler Rolle.
- 5:46Speaker 1: Aber die eigentliche Frage, die ich hatte.
- 5:49Speaker 1: Ja wie geht es allein?
- 5:52Speaker 1: Kann man alleine ein gutes Leben führen?
- 5:56Speaker 1: Bin ich in der Lage also wirklich in der Lager allein zu leben?
- 6:01Speaker 1: so aus das Buch entstanden.
- 6:02Speaker 1: was
- 6:02Speaker 0: sich sehr schön finde ist dass du auch so eine den Versuch oder eigentlich sogar ein gelungener versuch bessere Abgrenzung zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit hinzubekommen, weil im ersten Moment so als wenn man sich mit dem Thema noch nicht so intensiv reflektiert auseinandergesetzt hat würde.
- 6:24Speaker 0: Man sei allein sein und einsamen.
- 6:26Speaker 0: das ist irgendwie so das gleiche.
- 6:29Speaker 0: aber eigentlich ist es ja gar nicht so.
- 6:31Speaker 0: also es ist ja eigentlich was grundlegend anderes Weil einsam sein ist ja wirklich so, dass man gar niemanden hat im Leben und man auch ein Gefühl von Einsamkeit hat.
- 6:44Speaker 0: Wohingegen allein sein, ja durchaus erstens mal allein sein ja auch verschiedene Bedeutungen sozusagen hat.
- 6:52Speaker 0: also allein lebend ist ja was anderes als einsam seien sondern es ist einfach als Single sozusagen aus seinem Leben zu bestreiten.
- 7:02Speaker 0: Und diese Abgrenzung fand ich ganz toll.
- 7:04Speaker 0: Ist dir vermutlich auch wirklich wichtig gewesen in dem Buch, oder?
- 7:08Speaker 1: Ja vor allem weil wir beide Wörter benutzen um verschiedene Situationen und um verschiedene Gefühlszustände zu beschreiben.
- 7:18Speaker 1: also allein sein, allein leben sind auch schon zwei verschiedene Dinge.
- 7:25Speaker 1: Das Alleinsein im eigentlichen Sinne ist vielleicht eine Zeit mit sich selbst, die man gut gestalten kann.
- 7:32Speaker 1: allein zu leben heißt kann heißen in einer Wohnung alleine zu leben aber vielleicht eine Beziehung zu haben das kann heiße eben keine Beziehungen zu haben.
- 7:44Speaker 1: und ich finde dass gerade wenn es um Einsamkeit geht wir eigentlich aufhören, ehrlich zu sein.
- 7:54Speaker 1: Denn dieser eigentliche Einsamkeit die wir auch alle kennen, die verdrängen wir sofort und das ist immer etwas über das wir auf keinen Fall reden möchten.
- 8:05Speaker 1: Die meisten Menschen wenn man mit ihnen über Einsamkeiten spricht sagen sehr reflexartig ja ich bin nicht allein, nicht einsam Und es ist faszinierend.
- 8:14Speaker 1: Ich habe vor ein paar Wochen für den Deutschlandfunk bei einer Sendung mitgemacht, wo Zuhörende anrufen durften und mit mir und einer Psychotherapeutin und einem Seelsorger sprechen konnten.
- 8:30Speaker 1: Und fast alle haben gesagt ich ruf an aber ich bin nicht einsam!
- 8:37Speaker 1: Das ist so eine ganz reflexartige Reaktion.
- 8:40Speaker 1: Einsamkeit ist anscheinend etwas was wir von uns weghalten müssen Und ja, andere so reflexartige Dinge sind ja Menschen sagen sehr oft.
- 8:52Speaker 1: Ja in dem Beziehung fühle ich mich am einsamsten und damit meinen sie ein Gefühl dass das nicht verstanden werden ist es nicht gesehen werden von den Menschen die man am meisten lebt und es ist ein sehr schmerzhaftes Gefühl.
- 9:05Speaker 1: aber vielleicht ist es ein anderes Gefühl als Diese Einsamkeit, die wir eben auch kennen und zwar für längere Zeit keine bedeutenden sozialen Kontakte zu haben.
- 9:17Speaker 1: Und diese Form der Einsamheit geht mit psychischen Veränderungen einher, die nicht kontrollieren können.
- 9:24Speaker 1: Sie kann psychische Probleme zutage fördern.
- 9:28Speaker 1: Wir haben immer das Gefühl dass wir selbst sind in diesen Phasen und nicht nur ich, sondern auch Psychologinnen wie Frieda von Reichmann oder Robert Wise oder Melanie Klein glauben dass diese Form der Einsamkeit so traumatisch für uns ist ja das wir sie automatisch verdrängen.
- 9:52Speaker 1: und automatisch abspalten.
- 9:55Speaker 1: Und das Vertränkte ist weg, da haben wir keinen Zugang dafür.
- 9:58Speaker 1: Das arbeitet irgendwo und kommt dann irgendwelchen anderen Stellen wieder.
- 10:03Speaker 1: Quilt es heraus?
- 10:04Speaker 1: Aber wie können bewusst erstmal wenig damit anfangen?
- 10:08Speaker 0: Jetzt leben wir in einer Zeit wo Einsamkeit tatsächlich ja eher ein zunehmendes Problem zu werden scheint.
- 10:18Speaker 0: also zum einen tragen vielleicht digitale Kommunikationswege ein Stück weit dazu bei, zum anderen aber auch unsere zunehmend anonymisierte Art zu wohnen.
- 10:31Speaker 0: Also oft kennt man ja nicht mal mehr seine nächste Nachbarn wirklich gut, außer mal von dem... kurzen, unpersönlichen Hallo im Treppenhaus.
- 10:42Speaker 0: Wir wissen eigentlich gar nicht mehr so richtig wer wirklich in unserem Umfeld lebt und wohnt.
- 10:48Speaker 0: Und gerade wenn jetzt jemand mal die Stadt wechselt fallen gerade jetzt auch zunehmend remote arbeit.
- 10:57Speaker 0: also man kann auf einmal nicht mehr wirklich enge kontakte auf der arbeit knüpfen.
- 11:02Speaker 0: Also es fallen so zunehnt immer mehr punkte weg die früher vielleicht stückweit anders waren, vielleicht bin ich da aber auch ein bisschen nostalgisch in meinem kopf und du widersprichst mir gleich, aber ich habe so das gefühl wir bewegen uns da in so eine zunehmend anonymer werdende Zukunft hinein, was unser Zusammenleben angeht.
- 11:25Speaker 0: Und das macht vielleicht dann auch die Gefahr zu vereinsamen ein bisschen größer?
- 11:32Speaker 1: Ja ich bin immer skeptisch, was diese Algometation angeht weil ich zum einen glaube dass wir alle dazu tendieren vergangenes zu idealisieren weil es eben sehr einfach ist, die Vergangenheit schön zu zeichnen.
- 11:48Speaker 1: Die kann sich nicht mal wehren da können wir unbestraft alles draufprojektieren und zum anderen weil das eine Klage ist die in verschiedenen Formen seit den fünftiger Jahren immer wieder vorgetragen wird regelmäßig große Veröffentlichungen, die eine neue Einsamkeit ausrufen.
- 12:16Speaker 1: Die genau solche Dinge beklagen wie du sie eben beschrieben hast.
- 12:21Speaker 1: Und das Interessante für mich ist daran, dass das eigentlich keine Klagen über Einsamkeit sind sondern klagen über den sozialen Wandel.
- 12:29Speaker 1: Der natürlich schwierig ist vor uns und an dem man sich nur schwer gewöhnen kann.
- 12:36Speaker 1: und gerade je älter man wird, desto herausfordernder wird es sich eine Welt zu gewöhne die sich permanent verändert und vielleicht auch in einem Maße in dem man es gar nicht nachvollziehen kann oder nachvollziehend möchte.
- 12:52Speaker 1: Und ja, und deswegen... ich bin mir nicht sicher ob wir wirklich einsamer werden!
- 12:58Speaker 1: Ich finde das auf der einen Seite extrem toll dass wir auch im Zuge der Pandemie und der Erfahrungen die wir dort gemacht haben mehr und offener über Einsamkeit sprechen.
- 13:09Speaker 1: Auch der Umstand ist wie beide sitzen deutet darauf hin, dass es ein Thema ist was in der Luft liegt und über das es ein Räderbedarf gibt.
- 13:17Speaker 1: Aber Ich bin mir nicht sicher, ob dieses offene Reden wirklich heißt dass sich die Einsamkeit vermehrt hat.
- 13:26Speaker 1: Zum Beispiel du sprichst diese digitale Einsamheit an.
- 13:31Speaker 1: da ist mein Eindruck das es etwas der zweischneidiges.
- 13:36Speaker 1: also in meiner Erfahrung schaffen es soziale Medien sehr wohl Kontakte herzustellen und sorgen sehr wohl dafür dass Leute sich nicht einsam fühlen dass die eine Seite, aber die andere Seite ist natürlich, dass man vielleicht bestimmte Begegnungen aus sozialen Medien verpasst und das es eben einfacher ist.
- 13:56Speaker 1: Ein Bild in die Außenwelt zu polizieren, dass weniger dem realen Ich entspricht und dass man deswegen Begehnungen verpasste und da hat man sich deswegen auch einsam fühlt.
- 14:11Speaker 1: Aber ich glaube, dass diese medialen Änderung auch natürlich so schnell sind und dass wir eigentlich, wenn wir über solche Dinge reden unseren Gewöhnungsprozess daran beschreiben.
- 14:27Speaker 1: Das heißt, wir beschreiben eigentlich den Prozess das wir eine Fähigkeit finden mit diesen neuen Medien umzugehen.
- 14:37Speaker 1: Und es ist genau etwas.
- 14:39Speaker 1: ähnlich wie Einsamkeit und die Bücher über Einsamkeiten geschrieben werden wurden diese Klagen über mediale Veränderungen, die elenden sich seit der Popularisierung des Romans späten achtzehnten Jahrhundert als extrem davor gewarnt wurde dass junge Frauen Romane lesen weil es sie moralisch korrumpieren würde.
- 15:03Speaker 1: Man muss nur daran denken was Menschen bei der Erfindung des Radios gedacht haben das Menschen geglaubt haben dass ihre Seele geklaut wird, wenn sie über das Telefon benutzen.
- 15:19Speaker 1: Und ich komme auch aus einer Generation wo immer wieder in den schlimmsten Farben ausgemalt wurde was passiert?
- 15:33Speaker 1: Wenn wir weiter so viel Fernsehen gucken?
- 15:35Speaker 1: und es war immer der Untergang der Zivilisation und es ging immer darum dass Menschen immer kürzere Aufmerksamkeit spannen haben und so weiter, auch sie den Bezug zur Realität verlieren.
- 15:51Speaker 0: Also
- 15:52Speaker 1: was ich damit sagen will diese Kritiken an diesen medialen Situationen haben natürlich meistens eine gewisse Berechtigung aber aus dem Abstand heraus beschreiben Sie letztlich immer den Umstand dass wir eine Fähigkeit herausbilden damit umzugehen Bin ich mir nicht sicher, ob das wirklich eine richtige Diagnose ist mit der Einsamkeit?
- 16:16Speaker 1: Weil wie wir festgestellt haben, ist Einsamheit etwas, mit dem wir mehrere Sachen beschreiben können.
- 16:22Speaker 1: Mehrere Gefühlszustände und vielleicht ... sollten wir eher vor einem Unwohlsein sprechen, wenn wir über solche Themen reden.
- 16:32Speaker 1: Vielleicht sollten wir sagen, dass wir eine gewisse Kontrolle verlieren.
- 16:37Speaker 1: Dass wir etwas nicht verstehen und uns das unsicher macht.
- 16:41Speaker 1: Dass auch die inneren Reaktionen, die wir haben vielleicht nicht verstehen oder eben auch nicht kontrollieren können.
- 16:48Speaker 1: Und ich glaube es wäre produktiver in dieser Richtung weiterzudenken als zu sagen Das sind Einsamkeitsmaschinen und wir müssen jetzt was ändern, weil wir werden natürlich nichts dran ändern an den sozialen Medien.
- 17:02Speaker 0: Ich fand es ganz interessant.
- 17:03Speaker 0: ich hatte die letzten zwei Wochen für ein Projekt häufiger Kontakt mit Matthew Gensko der Professor in der Uni in Stanford ist und sich sehr intensiv mit der Nutzung von digitalen Medien, Social Media usw.
- 17:20Speaker 0: auseinandersetzt Und der auch mit zu die ersten sinnvollen Studien gemacht hat rund um die Nutzung dieser Medien und welche Auswirkungen, die ja auch auf unsere mentale Gesundheit am Ende des Tages haben.
- 17:34Speaker 0: Die haben unter anderem eine Studie gemacht wo man eine Gruppe von Menschen aufgefordert hat ihren Facebook-Account für ich weiß nicht mehr wie lange genau aber einen Zeitraum zu deaktivieren Und ein Großteil dieser Menschen hat im Nachhinein angegeben, dass die Zeit, die dadurch eingespart wurde tatsächlich in persönliche Treffen, in persönlichen Kontakte reinvestiert wurde sozusagen.
- 18:07Speaker 0: Also mit der Abnahme der Social-Media Nutzung auf der einen Seite ging auf der anderen Seite die Zahl der Analogentreffen sozusagen wieder nach oben was ja durchaus eine ganz interessante Entwicklung ist, wobei man da ja auch wieder sagen muss... Die Frage ist ja so ein bisschen, mit jedem Hype kommt ja auch so ein Stück weit eine extreme Nutzung.
- 18:30Speaker 0: Also wenn Facebook neu ist dann oder Instagram oder was aber immer, geben nur in Medium geht natürlich die Nutzungen erstmal halbartig nach oben und dann kommt es irgendwann auf einen normalen Level an...
- 18:44Speaker 1: Menschen arrangieren sich damit und finden einen Weg das in ihr Leben zu integrieren.
- 18:52Speaker 1: Ein großer Klagen begründet sich vielleicht daran, dass man das während dieses Hypes wie du es nennst analysiert.
- 19:00Speaker 1: Und eben... Dass man die Analysen macht und diese Fragen stellt, während Menschen erst diesen neuen Medien in ihr Leben integrieren.
- 19:11Speaker 0: Jetzt tun wir ja als Gesellschaft immer so fortschrittlich und offen und aufgeschlossen und tolerant und auf der anderen Seite sind wir immer noch sehr verhaftet in diesen traditionellen.
- 19:25Speaker 0: Beziehungsmodellen in diesen traditionellen Lebensmodellen und Lebensentwürfen.
- 19:32Speaker 0: Also wer jetzt ewig lange Single ist, da mit dem stimmt ja wohl irgendwas nicht.
- 19:38Speaker 0: Wer mit Mitte dreißig noch nicht mindestens irgendwie einmal verheiratet war, da muss er auch immer schief sein.
- 19:45Speaker 0: Wer dann irgendwann mit Ende Dreißig immer noch kein Kind hat, da ist sowieso irgendetwas komisch.
- 19:51Speaker 0: Also all diese Vorurteile Stigmata, die da großflächig verteilt werden.
- 19:59Speaker 0: Auch ein Thema in deinem Buch.
- 20:02Speaker 0: Warum tun wir uns denn eigentlich so schwer aus diesen Denkmustern rauszukommen?
- 20:07Speaker 1: Es ist eine sehr gute Frage auf die ich natürlich keine sehr gute Antwort habe.
- 20:14Speaker 1: Ich glaube dass wir als Menschen natürlich ein großes Bedürfnis haben nicht allein den Weg durchs Leben zu beschreiten.
- 20:27Speaker 1: Nicht allein uns die Herausforderungen zu stellen, die uns das Leben in dieser Welt bietet.
- 20:36Speaker 1: und ich glaube dass diese Vorstellung und diese große Erzählung der Liebe unter damit verbundenen Partnerschafts- und Familienkonstellation eben genau dieses Versprechen uns geben, dass wir nicht alleine sind Und deswegen glaube ich auch nicht, dass sich daran sehr viel ändern wird.
- 21:00Speaker 1: Ich glaube wir werden noch lange Zeit uns nach Liebe sehen und nach Partnerschaften und vielleicht auch nach klassischen Partnerschaftenszenen weil diese Vorstellung, weil diese Konstruktion ein großes Bedürfnis erfüllen, dass wir alle teilen.
- 21:26Speaker 1: Und das heißt natürlich aber nicht auf der anderen Seite, dass Wir diese Vorstellung als Grundlage für eine Bewertung von Lebensmodellen machen und ich glaube das tun wir tatsächlich wie Du meintest.
- 21:42Speaker 1: wir sind die ganze Zeit dabei die Lebensmodelle anderer Menschen zu bewerten.
- 21:46Speaker 1: Und ich glaube, das ist wirklich etwas was wir aufhören sollten und nicht nur der andere Menschen zu lieben sondern auch für ein Selbstzuliebe weil man lebt sich nichts davon dass man sich vermeintlich über andere Menschen erhebt weil sie allein sind, weil sie keine Familie haben, weil Sie kein Kind haben wie auch immer.
- 22:07Speaker 0: Und damit mit diesen Vorurteilen und diesen Beurteilungen gehen auf der anderen Seite ja auch selbst Zweifel einher, die man erstmal ausstehen muss sozusagen über die man erst mal hinwegkommen muss.
- 22:21Speaker 0: Du hast ja auch beschrieben das ist dir natürlich irgendwie auch so ging wie bist du denn da von weggekommen?
- 22:28Speaker 0: Also wie hast du den Weg gefunden hin zu... einem Zustand, wo du sagst in dem Moment mal das ist mein Leben und ich lebe das so wie ich möchte.
- 22:38Speaker 0: Und ich finde es gut zu wie ich's lebe und das ist völlig in Ordnung so.
- 22:43Speaker 1: Ich weiß gar nicht ob ich den Zustand habe oder ob ich das wirklich so denke und vielleicht ... Das klingt so ein bisschen wie ein Mantra dass ich mir jeden Morgen sagen sollte.
- 22:52Speaker 1: Das ist so... Es ist gut so wie das Leben und das.
- 22:55Speaker 1: Ich glaube, dass wir diese Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft alle veränderlicht haben einfach weil sie uns vorgelebt werden, vorgelegt wurden.
- 23:06Speaker 1: Sie werden immer wieder reinszeniert in unserer Gesellschaft.
- 23:09Speaker 1: wir sind tragen selbst dazu bei dass sie reinseniert werden.
- 23:15Speaker 1: und ja man muss gar nicht noch nicht mal ein film oder romane denken sondern das reicht schon wenn man nur an das soziale leben guckt dass man involviert ist.
- 23:27Speaker 1: und deswegen ja es ist natürlich schwer von diesen Vorstellungen loszuleisen, weil man sie eben verinnerlicht hat.
- 23:35Speaker 1: Weil man damit aufgewachsen ist.
- 23:36Speaker 1: Weil wir mit der Vorstellung aufgewachsen sind, dass die Kernfamilie die normative meistens als heterosexuell verstandene Kernfamine die beschützenswerteste Lebensformen ist in unserer Kultur.
- 23:51Speaker 1: Und das ist ja auch etwas, was juristisch zum Beispiel ganz klar unterstützt wird.
- 23:56Speaker 1: und auch wenn man an die Pandemie denkt oder an die sozialen Lockdown-Maßnahmen war das immer der Fall von dem man ausgegangen ist und alle Regeln wurden mit diesem Fokus gesetzt vielleicht weil man sich anders machen konnte in dem Moment und das möchte ich auch gar nicht so werden.
- 24:15Speaker 1: aber es ist glaube ich wichtig dass du diagnostizieren
- 24:19Speaker 0: Weil du grade schon die Pandemie angesprochen hast.
- 24:23Speaker 0: Es gab ja diese massiven Kontaktbeschränkungen, es gab teilweise absurde Regelungen und wie du gesagt hast, die waren eigentlich immer so ein bisschen darauf ausgelegt auf den eigenen Hausstand.
- 24:35Speaker 0: Wenn aber der eigene Hausstand natürlich nur eine Person ist dann kann man sich mit sich selbst treffen und sich einen schönen Abend machen und das über Wochen und Monate.
- 24:47Speaker 0: glaubst du dass?
- 24:50Speaker 0: Also ich habe so ein bisschen, also ich lebe nicht alleine aber trotzdem.
- 24:55Speaker 0: Ich hab selbst in der Situation gemerkt als jemand, der sonst immer wahnsinnig viele Menschen getroffen hat.
- 25:02Speaker 0: Der es geliebt hat irgendwie so Dinnerrunden zu organisieren mit zehn, fünfzehn Leute einfach Hauptsache coole Leute zusammenbringen und schönen Abend haben.
- 25:14Speaker 0: Ich habe mir als es dann so langsam wieder möglich war habe ich mir wahnsinnig schwer getan, da wieder so reinzukommen.
- 25:21Speaker 0: Also ich weiß noch... Ich saß bei einer Geburtstagstafel irgendwie mit fünfzehn Leuten irgendwie mittendrin und früher vielmehr das Wahnsinnig leichter irgendwie auch so ein bisschen den Faden in die Hand zu nehmen und zu gucken wer redet gerade mit wem?
- 25:36Speaker 0: Und wie kann ich einen Thema dahin schieben und darüber und wie auch immer!
- 25:40Speaker 0: Und ich saß erst mal so eine halbe Stunde, Stunde da Bis ich erstmal klar gekommen bin, mit so vielen Menschen umzugehen und wieder den Faden zu finden.
- 25:52Speaker 0: Und zu wissen wie gehe ich damit um?
- 25:56Speaker 0: Ging es dir da ähnlich?
- 25:58Speaker 0: Also wie hast du da auch wieder ein Stück weit zu einer Normalität ist immer so ein Profiswort aber zu einem... Besseren Zustand nach der schlimmsten Zeit der Pandemie.
- 26:12Speaker 0: Nach der Pandemie darf man ja leider nicht sagen, weil es ist leider ... Wir sind immer noch mittendrin.
- 26:17Speaker 0: Aber zumindest die Zeit der schlimmste Einschränkungen ist vielleicht hoffentlich vorbei.
- 26:22Speaker 0: Sehr viel Relativierung da drin aber gut.
- 26:26Speaker 0: Genau also wie hast du wieder für dich selber zurückgefunden oder hast du überhaupt wieder zurück gefunden?
- 26:35Speaker 1: Mir ging's genauso wie dir!
- 26:39Speaker 1: Ich hatte den Eindruck, als wäre so ein sozialer Muskel, den ich hatte und den ich mir aufgebaut hätte sozusagen kleiner geworden.
- 26:49Speaker 1: Das würde ja nicht mehr richtig funktionieren.
- 26:51Speaker 1: Und ich bin auch jemanden der gerne Essen gibt und ich weiß noch das letzte Essen vor der Pandemie habe ich im Ende März gegeben.
- 27:04Speaker 1: gar nicht mehr so richtig gut angefühlt hat, an denen wir alle unsicher waren ob das sinnvoll ist dass wir das machen.
- 27:13Speaker 1: und ja und dann.
- 27:16Speaker 1: und das erste Essen nach der Pandemie habe ich jetzt erst im September gegeben obwohl es sehr viel früher möglich gewesen wäre.
- 27:23Speaker 1: Und wie gesagt ich koche sehr gerne ich gebe gerne solche Essen.
- 27:27Speaker 1: das ist etwas was mir sehr wichtig ist Und trotzdem habe ich mich damit sehr schwer getan.
- 27:33Speaker 1: Mir ging es auch ähnlich zum Beispiel mit allen sozialen Strukturen meines Lebens, also vor der Pandemie bestand ein ganz großer Teil meines Lebens darin in Konzerte und Opa ins Kino, ins Theater zu gehen.
- 27:50Speaker 1: Das habe ich wieder aufgenommen aber mit einer völlig anderen Frequenz, mit einer anderen Vorsicht.
- 27:56Speaker 1: und das beruht natürlich auch darauf dass eine Vorsicht noch angebracht ist, auch eine Vorsacht vor Ansteckung selbst wenn man geimpft ist.
- 28:09Speaker 1: Vor allem wenn man kranke Familienmitglieder hat was bei mir der Fall ist.
- 28:14Speaker 1: da habe ich das Bedürfnis vorsichtig zu sein.
- 28:19Speaker 1: aber es beruht eben auch auf diesen lange nicht wirklich benutzen sozialen Muskeln glaube ich.
- 28:30Speaker 0: Ich
- 28:31Speaker 1: bin mir nicht sicher, wie lange das wieder dauert und ob das nicht Erfahrungen sind die uns auch auf ihre Weise prägen?
- 28:39Speaker 1: Das muss ja auch nichts Schlimmes sein!
- 28:42Speaker 1: Ich glaube dass viele von uns gar nicht absehen können, wie sich unser Leben weiter verändert – aufgrund dieser Erfahrung, die wir gemacht haben während der vergangenen eineinhalb Jahre.
- 28:54Speaker 0: Eine andere Erfahrung, Wenn man jetzt mal so ein Beispiel wie so einen Dinner oder Bar haben, was auch immer man gemacht hat.
- 29:05Speaker 0: Früher hat man einfach alle möglichen Leute eingeladen und hat dann überlegt der wäre noch lustig dazu und irgendwie der und vielleicht nimmt man den noch und keine Ahnung.
- 29:15Speaker 0: in der Pandemie hat sich bei mir der Kreis der Kontakte wahnsinnig beschränkt.
- 29:22Speaker 0: also es waren eigentlich immer die selben mehr oder weniger zehn Leute, die man immer wieder getroffen hat.
- 29:30Speaker 0: In einzelnen Treffen einfach nur zu zweit oder dann mal in einer kleinen Runde wo jeder gesagt hat er macht vorher einen Test und man ist irgendwie unter sich geblieben.
- 29:43Speaker 0: Und mir ist das dann vor ein paar Monaten aufgefallen, wo ich so ein bisschen darüber nachgedacht habe.
- 29:49Speaker 0: Und dann dachte ich mir, oh ja von dem hast du auch schon ganz lange nichts mehr gehört.
- 29:53Speaker 0: und was macht der eigentlich?
- 29:57Speaker 0: Also man hat die, die man früher noch so dazu eingeladen hat.
- 30:08Speaker 0: Weil vielleicht der Kontakt einfach nicht so eng ist und weil man sie gerne mal getroffen hat.
- 30:12Speaker 0: aber mit der Person würde man vielleicht nicht auf die Idee kommen, sich einzeln zu treffen.
- 30:17Speaker 0: Weil man vielleicht auch nicht diese tiefe Gesprächs-Ebene mit der Person findet wo man jetzt sagt so ein ganzer Abend ist eine gute Idee.
- 30:26Speaker 0: Ging dir das auch so dass dich so der Kreis der Leute die du regelmäßig in der Pandemie getroffen hast eigentlich auf so einen ganz kleinen Kreis denn immer gleichen beschränkt hat?
- 30:36Speaker 1: Weniger tatsächlich und ich glaube dass es könnte ein Unterschied sein zwischen Menschen Allein gelebt haben während der Pandemie oder in Paaren, weil natürlich mit den Parleben auch andere soziale Situationen und soziale Konstellationen einhergehen.
- 30:58Speaker 1: Ja ich also mich hat mich erinnert das was du sagst daran dass es natürlich ganz viele verschiedene Arten von Freundschaften gibt.
- 31:09Speaker 1: Wir haben innerlich so ein bestimmtes Verständnis von Freundschaft und interessanterweise glauben wir, dass wir dieses Verständnesteilen.
- 31:18Speaker 1: Und das ist nicht wirklich so, sondern wir haben alle jeweils ein ganz eigenes biografisch- und psychologisch geprägtes Ververständnis von Freundschaften.
- 31:27Speaker 1: Freundenschaften sind keine Beziehungsforms oder eine Familie von Beziehungshormen.
- 31:35Speaker 1: Das ist sozusagen relativ gut untersucht.
- 31:39Speaker 1: Wenn man versucht mit Leuten über Freundschaft zu sprechen, zum Beispiel kommt man ganz schnell darauf, dass ich irgendetwas anderes drunter verstehe als du und das diese Unterschiede aber sehr bedeutend werden.
- 31:49Speaker 1: Und ich dir wahrscheinlich sage Nein, nein!
- 31:52Speaker 1: Das ist nicht Freundschaft.
- 31:53Speaker 1: Das ist Freundschaft und du genauso.
- 31:58Speaker 1: Aber auch diese weiteren sozialen Netze... Die Weaktice, sozusagen wie sein amerikanischer Soziologe nennt Mark-Gwenowetter.
- 32:11Speaker 1: Die haben auch eine Bedeutung und wahrscheinlich verändert sich bei vielen von uns durch die pandemische Erfahrung etwas daran, welche Bedeuterungen wir den Weaktize beimessen?
- 32:30Speaker 1: wie wir unser soziales Leben ordnen.
- 32:34Speaker 1: Und ich glaube auch, dass es vielleicht sogar ein bisschen zu früh ist da eine Diagnose stellen zu wollen weil wie wir eben gesagt haben finden uns immer noch mitten in der Pandemie und selbst wenn sie jetzt von heute auf morgen ganz magisch vorbei wäre dann würden wir diese vergangenen eineinhalb Jahre zu bearbeiten haben, zu bewältigen haben, psychisch zu verarbeiten haben.
- 33:13Speaker 1: Und ich glaube das wird in Zeit brauchen.
- 33:17Speaker 0: Hängt es vielleicht auch so ein bisschen damit zusammen dass wir den Begriff Freundschaft ein bisschen inflationär benutzt haben.
- 33:25Speaker 0: Also, wenn ich mir meine Eltern oder Großeltern-Generation anschaue dann gab es da noch so diesen schönen Begriff der Bekannten.
- 33:37Speaker 0: Der ja irgendwie so ein bisschen das beschreibt was du auch gerade beschrieben hast und irgendwie ist der Begriff aber weitestgehend verloren gegangen.
- 33:47Speaker 0: zumindest in meinem Umfeld Ist das vielleicht so ein, wo man irgendwie ja diese Abstufung in der Begrifflichkeit auf einmal vielleicht weniger gemacht hat?
- 34:00Speaker 0: Aber in der tatsächlichen Wahrnehmung natürlich Unterschiede da waren.
- 34:06Speaker 1: Ich will nicht glaube ich zu alt bin, weil ich benutze dieses
- 34:11Speaker 0: Wort total
- 34:12Speaker 1: gerne und auch die meisten Leute, die ich kenne sagen bekannte.
- 34:21Speaker 1: Ich glaube auch, dass es eine Generationenfrage ist natürlich.
- 34:24Speaker 1: Und das ist eine kulturelle Frage ist... ich erlebe zum Beispiel auch, daß wir bei unseren Eltern häufig, dass viele Leute bei ihren Eltern häufig das Gefühl haben sie haben keine Freund und wenn man aber so genauer hinguckt dann und genauer nachfragt gab es sehr wichtige freundschaftliche Beziehungen die vielleicht irgendwann gibt zerbrochen sind, die vielleicht irgendwann ausgelaufen sind.
- 34:49Speaker 1: Weil man sich eben sehr stark auf die Familie konzentriert hat, weil der Fokus plötzlich auf das Paarleben, das Leben als Familie lag.
- 35:01Speaker 1: und ja ich bin mir nicht sicher ob jetzt dein oder meine Generation, ob uns das nicht genauso gehen könnte.
- 35:13Speaker 1: Das muss es nicht.
- 35:15Speaker 1: Es ist auch relativ untersucht, dass Freundschaften heute eine andere Bedeutung haben unter anderem weil romantische Beziehungen kürzer geworden sind.
- 35:25Speaker 1: Weil sie häufiger enden und anfälliger für Konflikte geworden sind als es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war.
- 35:34Speaker 1: Ich finde es eine offene Frage aber was wichtig dabei ist glaube ich sich bewusst zu machen das man eine gewisse Klarheit entwickeln kann dass man reflektieren kann, welche Bedeutung dieser Beziehungen im Leben haben.
- 35:53Speaker 1: Dass man reflektionen kann, dass diese Beziehung ein großes Geschenk sind in unserem Leben aber auch Grenzen haben und das auch diese Grenzen erst den Zauber von Freundschaftenausmachern.
- 36:08Speaker 1: Und wir neigen dazu zu glauben, dass Freundschaften automatisch passieren, dass sie immer da sind, dass man ja manchmal vielleicht etwas investieren muss, aber dass sie eine Begleiterscheinung des Lebens sind und an einem bestimmten Punkt seines Lebens versteht man das es nicht so ist sondern dass das Beziehungen sind die gepflegt werden müssen in denen man beständig etwas investiert muss.
- 36:42Speaker 1: Die man bestendig reflektieren muss Ja und indem man sich auch tatsächlich, ich glaube das ist so für mich ein der zentrale Punkt der Freundschaft.
- 36:53Speaker 1: Das sind Beziehungen in dem man einem anderen Menschen begegnet und das fällt uns schwer und ich glaube deswegen muss man auch immer wieder diese Bereitschaft in sich finden offen zu sein für die Andersartigkeit des anderen Menschen, des Freundens oder der Freundinnen.
- 37:13Speaker 0: würde es uns eigentlich gut tun, wenn wir uns allen und unseren Freunden oder vielleicht auch den Bekannten eine Art Zäsur machen würden nach der Pandemie.
- 37:26Speaker 0: Wir vergessen jetzt mal wie wir die letzten anderthalb Jahre so ungefähr mit uns umgegangen sind gerade in denen nicht ganz so engen Freundschaften.
- 37:35Speaker 0: Also ich kenne ganz viele Freundschafte, die in dieser Pandemie kurz davor waren in die Brüche zu gehen, weil man sich nicht mehr gesehen hat.
- 37:44Speaker 0: Weil der eine vielleicht zu viel Angst hatte, sich anzustecken und aus ganz vielen Beweggründen vielleicht einfach niemanden getroffen hat, weil dann vielleicht auch gefährdete Angehörige, besonders gefährdeten Angehöhre hatte oder weil man auf einmal sehr viel mehr um die Familie kümmern musste, weil mal Home-Schooling hatte.
- 38:04Speaker 0: Es gab ja ganz viele Gründe, warum man viel weniger Zeit vielleicht hatte.
- 38:09Speaker 0: wird es uns da vielleicht gut tun, wenn wir einfach auch für unser eigenes Wohl und das Wohl unserer Beziehungen sagen würden.
- 38:17Speaker 0: Wir verzeihen uns jetzt einfach mal was vielleicht in diesen anderthalb oder zwei Jahren am Ende des Tages nicht so toll gelaufen ist und wir schauen jetzt einfach wieder nach vorne?
- 38:30Speaker 1: Ja, vielleicht!
- 38:31Speaker 1: Also ich beschreibe in dem Buch eine innere Bewegung die ich durchmachen musste vielen meiner Freundinnen und Freunde nicht wirklich verzeihen können, dass sie sich so sehr auf ihr Leben konzentrieren mussten während der Pandemie.
- 38:48Speaker 1: Auch wenn mir das bewusst war, auch wenn es deutlich war, dass die das wussten und dass sie nicht wirklich eine andere Wahl haben, habe ich es anders empfunden.
- 38:58Speaker 1: Das heißt, es war schwierig für mich aus der Empfindung dieser Einsamkeit, des Verlassenseins.
- 39:05Speaker 1: Das ja auch verletzt werden, es herauszufinden.
- 39:09Speaker 1: und mein Weg war letztlich das was ich eben auch gesagt habe wirklich zu sehen dass andere Menschen sind, dass sie anders denken, dass die anderen Leben führen, in diese Andersartigkeit etwas sehr Wichtiges passiert, dass es etwas sehr Schönes ist was unsere Freundschaften erst ausmachen.
- 39:34Speaker 1: Und es gibt von Jacques Thérédat, dem französischen Philosophen diesen Satz an den ich sehr oft denken muss und der auch zweimal im Buch vorkommt an zwei zentralen Stellen.
- 39:47Speaker 1: Der heißt Ich lasse dich!
- 39:49Speaker 1: Ich will es
- 39:49Speaker 1: so!".
- 39:52Speaker 1: Das beschreibt eigentlich eine ganz zentrale Facette von Freundschaften und zwar von gelungenen Freundschaft, in denen wir Menschen nicht unsere eigenen Fantasie davon, wie sie Beziehung zu sein hat aufstülpen.
- 40:07Speaker 1: Sondern den wir Menschen begegnen und wirklich begegneten.
- 40:13Speaker 1: Und vielleicht ist Verzeihen genau ein Aspekt davon.
- 40:20Speaker 1: Ich glaube auch nicht dass Verzeihin etwas ist was man sich so bewusst vornehmen kann.
- 40:26Speaker 1: Also man kann es sich bewusst vor nehmen, aber dann wird das etwas sein was man sich für längere Zeit jeden Tag bewusst vornehmen muss dass man das macht.
- 40:34Speaker 1: Aber eigentliches Verzeihen entsteht eben auch durch ja eine gewisse innere Arbeit Ein eigenem Perspektivenwechsel ein Ja einen erkennen ein sehen ein wahrnehmen des anderen oder der anderen.
- 40:52Speaker 0: Jetzt sind ja echte enge Freundschaften auch durchaus Aufwand, sag ich jetzt mal.
- 40:59Speaker 0: Also die erfordern ja auch im ersten Schritt erstmal von beiden Seiten eine wahnsinnige Investition und einen gewissen Vertrauensvorschuss sozusagen.
- 41:11Speaker 0: Man muss sich darauf einlassen man muss sich auch auf die Person einlassen.
- 41:15Speaker 0: Man muss sie sich die Zeit nehmen den anderen auch wirklich kennenlernen zu wollen.
- 41:23Speaker 0: Und damit geht natürlich auch so eine Verletzlichkeit einher, die man da wagt.
- 41:31Speaker 0: Wie gehst du damit um?
- 41:32Speaker 0: Also wie entscheidest du für dich das lohnt sich oder es lohnt nicht oder denkst du sogar nicht?
- 41:41Speaker 0: Lässt du sowas einfach passieren?
- 41:44Speaker 0: oder wie gehst Du dafür Dich selbst mit um?
- 41:47Speaker 1: Ja, ich denke tatsächlich nicht so.
- 41:49Speaker 1: Ich lass es tatsächlich passieren und ich habe eine sehr impulsive Seite.
- 41:56Speaker 1: Und ich glaube auch nicht dass es wirklich lohnenswert ist nachzudenken weil man dann natürlich den Beziehung gewisse, mehrkantile Interessen überstülpt wie sie vielleicht gar nicht haben oder die sie vielleicht garnicht vertragen können.
- 42:21Speaker 1: Oder die vielleicht garnichts sinnvoll sind.
- 42:24Speaker 1: und ja ich glaube die also die allerschönste Momente hatte ich mit Menschen deren Beziehung sowieso erst mal nichts nützt sozusagen.
- 42:38Speaker 1: Und ich glaub das ist auch eine Ein Aspekt von Freundschaft sein kann, dass sie keinen Zweck haben muss.
- 42:46Speaker 1: Außer eine Lust an einem Gespräch und einen Lust am kennenlernen des oder der anderen.
- 42:55Speaker 1: Und ja ich würde jetzt gerne ein Pädagogie halten dafür das es manchmal gut ist impulsiv zu sein gerade wenn's um Beziehungen mit anderen Menschen geht.
- 43:07Speaker 0: Jetzt hast du in deinem Leben ja auch romantische Beziehungen geführt.
- 43:12Speaker 0: Aber momentan bist du in einer Situation, wo du sagst eigentlich möchte ich das nicht oder eigentlich ist es nicht das Modell was sich zumindest aktuell erstrebsam finde für mich persönlich?
- 43:26Speaker 0: Oder ist es anders.
- 43:27Speaker 0: also sagst du du bist okay so wie es momentan ist Wenn sich aber irgendwie doch etwas anderes, ein anderes Modell ergeben würde.
- 43:38Speaker 0: Bist du offen dafür?
- 43:39Speaker 0: oder wie würdest du deine Lebenssituation sozusagen gerade in dem Punkt beschreiben?
- 43:46Speaker 1: Wir haben ja eben schon gesagt es ist vielleicht mein Mantra Werten sollte jeden Morgen mir zu sagen Es ist okay so wie's ist.
- 43:52Speaker 1: Ist gut so.
- 43:54Speaker 1: Ich also einen Zentrale Versuche in den Alleinen ist tatsächlich das Leben allein, in seine Ambivalenz zu zeigen.
- 44:04Speaker 1: Und natürlich haben alle Lebensmodelle eine innere Ambivalenz.
- 44:07Speaker 1: Das heißt, dass Leben als Paar, das Leben als Kernfamilie hat positive und negative Seiten.
- 44:13Speaker 1: Und das Leben alleine genauso – es hat gute und schlechte Seiten.
- 44:24Speaker 1: Ich glaube nicht, dass wenn man allein lebt.
- 44:28Speaker 1: Dass man sich vorsätzlich
- 44:30Speaker 0: von
- 44:31Speaker 1: Vorstellungen vom Partnerschaft und Familie wirklich verabschieden kann.
- 44:36Speaker 1: Ich kenne einige Fälle in denen es passiert ist oder zumindest sagen Leute das es ist passiert ist.
- 44:40Speaker 1: aber da habe ich oft den Eindruck, dass gewisse Traumata vorliegen die vielleicht diese Entscheidung mit geprägt haben.
- 44:52Speaker 1: befinde mich gerade in einer Situation, also ich bin dreiundvierzig werde bald vierundviertzig und Ich finde es einen guten Zeitpunkt darüber nachzudenken dass sich bestimmte Träume die ich immer hatte träume von Familie Vorstellungen von Partnerschaft vielleicht nicht mehr erfüllen werden.
- 45:12Speaker 1: wir jetzt seit einigen Jahren schon allein.
- 45:15Speaker 1: Ich habe früher permanent Beziehung geführt die ganze Zeit und es war etwas, wo ich nicht viel nachgedacht habe.
- 45:24Speaker 1: Dass eben auch einfach so passierte.
- 45:27Speaker 1: Und irgendwann passiert es einfach so dass sie sich nicht mehr führte.
- 45:35Speaker 1: Es ist vielleicht gar nichts so unwahrscheinlich das es weiterhin nicht passieren wird.
- 45:40Speaker 1: Ich sollte für mich oder wollte für mich die Möglichkeit reflektieren, dass es vielleicht nicht unwahrscheinlich Und das heißt aber nicht, dass ich das irgendwie ausschließe für mich wieder in einer Partnerschaft zu leben.
- 45:55Speaker 1: Das heißt nicht, daß ich nicht offen sein möchte... ...ja, auch romantische Begegnungen.
- 46:05Speaker 1: Ich glaube grundsätzlich, dass es einigen Menschen schwerer fällt als anderen, romantischer Beziehung einzugehen aus biografischen, aus ökonomischem und psychologischem Gründen Und dass wir das ernst nehmen sollten, dass es einigen Menschen schwerer fällt.
- 46:24Speaker 1: Wir starten nicht alle bei Null und auch in diesem Bereich unseres Lebens starten wir nicht alle beim Null.
- 46:32Speaker 1: Es gibt Menschen mit Vorteilen, mit Nachteilen, Menschen die einen Vorsprung haben, sehr viel Gepäck mit sich zu tragen um eine sehr schiefe Metapher zu verwenden.
- 46:53Speaker 0: Sollten wir denn vielleicht als Gesellschaft auch offener sein für andere Modelle romantischer Beziehungen, also ich meine die klassische romantische Beziehung.
- 47:06Speaker 0: man sieht dann irgendwann zusammen und verbringt das Leben jeden Tag miteinander.
- 47:11Speaker 0: aber ich kenne auch gute Freunde von mir die Beziehungsführen seit zehn Jahren, die nicht zusammenleben.
- 47:19Speaker 0: Die sich deshalb aber nicht weniger gern haben sondern die einfach jeder seine Wohnung behalten hat und mal hier mal dort leben und aber auch mal jeder für sich ist.
- 47:32Speaker 0: also wie viel allein sein bräuchte man denn vielleicht in einer auch in einer romantischen Beziehung?
- 47:40Speaker 0: Also ist das vielleicht auch ein Punkt der so ein bisschen missachtet wird von unserer Gesellschaft, also dass allein sein in einer romantischen Beziehung manchmal auch sehr hilfreich ist.
- 47:52Speaker 0: Auch vielleicht für die romantische Beziehungen am Ende des Tages sehr hilflig sein kann?
- 47:56Speaker 1: Ich weiß nicht ob das eine gesellschaftliche Frage ist und ob das nicht etwas ist was man für sich selbst herausfinden muss wie viel Nähe, wie viele Alleinsein wie viel Freiheit ich auch in romantischen Beziehungen brauche.
- 48:11Speaker 1: Und ich glaube, wir leben eine Zeit heute wo es einfacher ist diese Verhandlungen zu tätigen weil bestimmte soziale Strukturen, soziale ökonomische Abhängigkeiten in klassischen Bezielen weniger geworden sind als früher.
- 48:30Speaker 1: gerade für Frauen in klassisch heterosexuellen Beziehung war die Situation sehr lange dramatisch, einfach in dem Sinne dass sie wenig Handlungsoptionen hatten.
- 48:44Speaker 1: Dass sie wenig Optionen zu Freiheit hatten während es in dieser herkömmlichen Konstruktion Männern mehr Freiheit zugestanden wurde.
- 48:57Speaker 1: und ja ich glaube das ist eine Chance die wir gerade haben das zu kommunizieren das für sich herauszufinden wenn man an der Partnerschaft lebt.
- 49:06Speaker 1: Und du hast andere Partnerschaftsformen, andere Lebensmodelle angesprochen.
- 49:13Speaker 1: Ich bewundere bei meinen jüngeren Freunden sehr das einige Versuche um polyamoröse Beziehungen zu haben, dass auch sexuelle Orientierung überhaupt nicht mehr so ein großes Thema ist wie noch einfach ein paar Jahren und es eine große Experimentierbereitschaft gibt diesbezüglich.
- 49:35Speaker 1: Ich muss dann aber auch an die Freundinnen und Freunde meinem Alter denken, die als junge Menschen eben auch experimentiert haben.
- 49:47Speaker 1: Und sich auch auf neue Situationen eingelassen haben – von denen fast alle letztlich in mehr oder weniger klassischen Beziehungen gelandet sind!
- 49:58Speaker 1: Und ich muss auch an die Achtundsechziger denken, die er wirklich viel versucht haben daran was zu ändern.
- 50:06Speaker 1: Dort eine Revolution zu starten und neue polyamoröse neue kommunale Lebensmodelle schaffen wollten.
- 50:18Speaker 1: Ja und letztlich haben sie auf unserer Gesellschaft viel weniger Einfluss gehabt als wir oft glauben.
- 50:26Speaker 1: Und letztlich hat sich in dieser klassischen Partnerschaft und in dem Sinne klassisch, dass es eine Zweierkonstruktion ist.
- 50:33Speaker 1: Im Grunde wenig verändert auch wenn natürlich heute queere Menschen auch klassische Partnerschaften führen können, Frauen in klassischen Partnerschaften sehr viel mehr Möglichkeiten zur Selbsterfüllung und Selbstfindung haben als früher.
- 50:51Speaker 1: Das sind alles gute Veränderungen, aber das strukturell hat sich vielleicht nicht so viel daran verändert?
- 51:00Speaker 0: Jetzt bleiben ja viele von uns in unserem Kulturkreis immer gerne in ihrer Generation, in ihrem Alters- Kreis in ihrem Umfeld quasi.
- 51:10Speaker 0: Jetzt weiß ich von dir, dass du dein Freundeskreis auch wahnsinnig aufgespreizt ist glaube ich von Mitte zwanzig bis Anfang siebzig bei mir.
- 51:20Speaker 0: Ich habe als ich das gelesen hab, habe ich mal nachgedacht.
- 51:23Speaker 0: Bei mir ist es sogar von Anfang zwanziger bis Mitte achtzig und also sehr ähnlich Und ich fand das wahnsinnig bereichernd.
- 51:32Speaker 0: Also auch diese Menschen einfach zusammenzubringen und dann im Rahmen von so einem Abendessen zum Beispiel, die zum Austausch zu bringen.
- 51:41Speaker 0: bräuchten wir da vielleicht ein bisschen mehr Generationenübergreifenden Diskurs um so ein bisschen voneinander lernen zu können, sich auszutauschen.
- 51:50Speaker 0: wie war es damals eigentlich?
- 51:52Speaker 0: oder wie ist es bei dir heute?
- 51:54Speaker 1: Ja mit Sicherheit!
- 51:56Speaker 1: Ich glaube auch dass meine Perspektive auf Dinge genau davon geformt wurde und auch geformet wird.
- 52:06Speaker 1: Und also mein Eindruck ist immer, dass diese Konstruktion einer Generation Eigentlich immer der Versuch ist etwas, was man nicht wirklich kontrollieren kann zu kontrollieren.
- 52:19Speaker 1: Etwas, das man nicht versteht dem eine Form zu geben auf die man sich einigen kann.
- 52:25Speaker 1: Aber was da passiert natürlich ist dass man die eigentlichen Bewegungen so ein bisschen verpasst weil man halt dieses Konstrukt über etwas überstülpt dieses Generationenkonstrukt.
- 52:36Speaker 1: und deswegen es ist ja auch so diese Generationenbücher die ja immer wiedergeschrieben werden und vor jedes Jahr irgendwie zwei neue Generationenbücher gibt, die werden ja auch sehr schnell alt.
- 52:48Speaker 1: Die führen sie schon oft ein halbes Jahr später nicht mehr richtig an.
- 52:52Speaker 0: Um eine beliebte Serie und einen bayerischen Ministerpräsidenten zu zitieren der Winter kommt...
- 53:04Speaker 1: Welchen bayerischem Ministerpräsident?
- 53:05Speaker 0: Markus Söder hat es letztes Jahr während der Pandemie gesagt und hat gemeint so winter is coming.
- 53:12Speaker 1: Hat er es auf Englisch gesagt?
- 53:14Speaker 0: Ich glaube, er hat sogar auf Englicke gesagt.
- 53:16Speaker 0: Er ist ein großer Serien-Fan.
- 53:19Speaker 0: Also auf jeden Fall... Aber der Winter kommt und wir können ihn nicht aufhalten!
- 53:25Speaker 0: Und du hast auch in deinem Buch beschrieben, dass der Winter immer so eine besonders jahrschwierige oder vielleicht die schwierigste der vier Jahreszeiten.
- 53:38Speaker 0: Und du da auch immer wieder vielleicht in so ein gewisses Loch hinein fällst.
- 53:46Speaker 0: Hast du da inzwischen Strategien für dich, wie du da wieder rauskommst oder vielleicht was Neues?
- 53:52Speaker 0: Was du dir für dieses Jahr vorgenommen hast?
- 53:55Speaker 1: Ich habe im Laufe meines Lebens Strategien gefunden damit umzugehen und für mich ist der Winter immer eine Phase die für mich schwierig ist.
- 54:06Speaker 1: ich hab auch immer wieder mit Therapeuten und Gesprächen, auch psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen.
- 54:24Speaker 1: Es gibt bestimmte Strategien für mich.
- 54:26Speaker 1: Ich weiß ich muss mich bewegen.
- 54:30Speaker 1: das ist was sehr banales aber ich gehe jeden Tag ungefähr zehn Kilometer.
- 54:40Speaker 1: Sehr wichtig ist für mich, das habe ich ganz bewusst im vergangenen Jahr angefangen.
- 54:46Speaker 1: Nach dieser akuten Phase der Einsamkeit, die ich allein beschreibe und das mache ich immer noch.
- 54:55Speaker 1: Dinge wie Yoga sind sehr wichtig für mich überhaupt, Dinge wie Wandern Tätigkeiten wie das Kochen oder das Stricken.
- 55:05Speaker 1: Das sind alles Tätigkeit, die sehr bedeutend für uns sind und die eine gewisse Fähigkeit zur Selbstreparatur von uns haben.
- 55:17Speaker 1: Die uns Zeit schaffen, die uns Raum schaffen, sie uns Raum zur Selbstbegegnung schaffen.
- 55:23Speaker 1: Und es sind auch Tätigkeiten natürlich, auf die oft belächelt werden.
- 55:27Speaker 1: Die ein bisschen abgewertet werden häufig weil sie keinen Finanzjahr in Gewinn abwerfen, weil sie nicht so richtig in unsere neoliberale Welt passen aber es sind für mich die allerwichtigsten Tätigkeit im Leben ohne die ich nicht durch solche Phasen kommen könnte und gleichzeitig Möchte ich aber auch nicht so tun, als wären das Alheirezepte oder als müsste man das und das machen.
- 56:00Speaker 1: Und dann bekommt man keine Depressionen.
- 56:03Speaker 1: So funktioniert es natürlich nicht.
- 56:06Speaker 1: Denn psychische Krankheiten sind ernst zu nehmen.
- 56:10Speaker 1: Das sind Krankheiten!
- 56:13Speaker 1: Man sucht sich eben nicht aus wenn man depressiv ist.
- 56:19Speaker 1: über Depressionen nachdenken oder die bei anderen Menschen wahrnehmen, ist das immer unser Gefühl.
- 56:25Speaker 1: Dass sie... Sie müssen dich nur ein bisschen besser zusammenreißen und dann... Gehen wir jetzt zum Sport!
- 56:32Speaker 1: Da geht es dir
- 56:32Speaker 1: besser.".
- 56:34Speaker 1: Und das ist halt in dem Moment das was man nicht kann.
- 56:37Speaker 1: Selbst wenn man weiß dass das hilft, das ist was hilft.
- 56:43Speaker 1: Ich habe damit sehr lange zu kämpfen seit ich Teenager bin habe sehr viele Dinge ausprobiert und man findet Wege, die mal funktionieren.
- 56:56Speaker 1: Den Zeit lang funktionieren dann wieder nicht und vielleicht irgendwann wieder funktionieren.
- 57:02Speaker 1: Man lernt bestimmte Signale zu erkennen.
- 57:07Speaker 1: Man hält vielleicht inne bevor man einen weiteren Schritt in eine Richtung macht der vielleicht in Richtung Depression führt und überlegt sich vielleicht vorher, ob man nicht eine andere Richtung reinschlagen könnte.
- 57:25Speaker 1: Und das heißt aber alles nicht dass es weg ist und dass man nicht trotzdem solche Tage und Wochen hat.
- 57:34Speaker 1: Das heißt, dass man besser damit leben kann und das ist schon ein riesen Geschenk.
- 57:40Speaker 1: natürlich Das ist schon etwas, was dafür sorgt.
- 57:45Speaker 1: Dass es sehr viel weniger wehtut.
- 57:48Speaker 1: Aber ich möchte noch mal betonen, dass das keine Rezepte sind und dass ich Menschen nicht sagen will wenn's zu schlecht geht.
- 58:00Speaker 1: Geht zum Yoga dann wirds besser.
- 58:03Speaker 1: Weiß dich mal ein bisschen zusammen!
- 58:06Speaker 1: Genau, das möchte ich auf keinen Fall.
- 58:08Speaker 0: Es ist am Ende auch immer eine wahnsinnig individuelle Sache.
- 58:14Speaker 0: Sowohl die Ursachen, die Rahmenbedingungen und die Lebenssituation spielen ja so viele Dinge rein, die man wirklich einfach individuell betrachten muss, wo jeder individuell seinen Weg finden muss damit umzugehen.
- 58:32Speaker 0: Machen auch ein anderes Podcast-Format regelmäßig normalerweise, gerade mal ein paar Wochen ausgesetzt.
- 58:39Speaker 0: Das ist quasi die verlängerte Sommerpause aber der heißt alles okay
- 58:45Speaker 1: und dreht sich
- 58:47Speaker 0: um Mental Health.
- 58:48Speaker 0: tatsächlich wo wir gesagt haben wir wollen einfach dieses Thema greifbar machen, verständlich machen, fernab von wissenschaftlichen Papers und wahnsinnig komplexen Ausführungen.
- 59:01Speaker 0: Wir haben zwar natürlich diese Experten dabei aber die stacheln wir dazu an die Dinge einfach mal runterzubrechen und verständlicht zu erklären.
- 59:11Speaker 0: Und ich glaube, das hat auch einfach viel am Ende des Tages mit Aufklärung zu tun und mit Selbstreflektionen.
- 59:16Speaker 0: Auch zu erkennen Signale erkennt zu können und dann aus sich Hilfe zu suchen.
- 59:21Speaker 1: natürlich ja.
- 59:22Speaker 1: Ja absolut!
- 59:23Speaker 1: Und ja mit einer ganz grundlegenden Akzeptanz dass man bestimmte Sachen in seinem Leben vielleicht nicht ändern kann und dass man auch aufhören kann zu versuchen sie zu ändern.
- 59:41Speaker 0: Ja, gutes Schlusswort.
- 59:44Speaker 1: Ich weiß gar
- 59:45Speaker 0: nicht, ob es ein gutes Schlusswort
- 59:47Speaker 1: ist?
- 59:47Speaker 1: Na ja, auf doch!
- 59:48Speaker 0: Ich finde tatsächlich... ich glaube manchmal ist es auch gut wenn man wirklich anfängt, auch mal Dinge zu akzeptieren.
- 59:59Speaker 0: Deshalb insofern find' ich das gar nicht so schlecht mit Dingen abzuschließen und zu sagen, ich kann es jetzt nicht ändern.
- 1:00:11Speaker 0: Es wird nicht besser nur weil ich noch drei Wochen darüber nachsinniere wie schlimm ist sondern ich muss jetzt irgendwie in die Zukunft schauen und am Ende des Tages optimistisch in die zukunft schauen.
- 1:00:25Speaker 1: oder vielleicht mit einer Zuversicht?
- 1:00:26Speaker 1: Vielleicht nicht mit Optimismus sondern einfach mit einer Zufersicht auch unter anderem darum, wie wir halt mit dieser Unsicherheit unser Leben auf diesem Planeten mehr bestimmt umgehen und wie wir es lernen können damit umzugehen.
- 1:00:44Speaker 1: Und da ist es glaube ich genau wichtig was du sagst man muss wird bestimmten Sachen abschließen.
- 1:00:50Speaker 1: das ist manchmal schwerste im leben aber manchmal gibt uns erst dass die Möglichkeit ja unser Leben weiterzuleben, auf die Botschaften der Unsicherheit zu hören ohne sich davon leben zu lassen wie All the Lord sagt.
- 1:01:11Speaker 1: Die Ambivalenz, die unser Leben ganz grundsätzlich bestimmt auszuhalten und zu akzeptieren mit diesen uneindeutigen Verlusten, die im Laufe des Lebens sich aufbauen und immer mehr und größer werden, Leben zu lernen – das sind alles große Herausforderungen, aber es sind alles Dinge die wir tun können und zu denen wir fähig und in der Lage sind.
- 1:01:37Speaker 1: Und ja, die uns persönlich und emotional und auch als Gesellschaft extrem weiterbringen können.
- 1:01:46Speaker 0: Absolut!
- 1:01:48Speaker 0: Kann ich nur zustimmen?
- 1:01:49Speaker 0: Ich danke dir sehr für deine Zeit.
- 1:01:52Speaker 1: Sehr gerne, danke dir.
- 1:01:53Speaker 1: Es waren sehr schöne Fragen und ich habe sehr genossen mich mit dir zu unterhalten.
- 1:01:58Speaker 1: Danke Danke
- 1:01:59Speaker 0: dir!
- 1:02:00Speaker 0: Das war es leider schon.
- 1:02:02Speaker 0: Die letzte Runde ist ausgetrunken,
- 1:02:04Speaker 1: das
- 1:02:05Speaker 0: Gespräch zu Ende.
- 1:02:06Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 1:02:09Speaker 0: Bitten
- 1:02:09Speaker 1: im Rücksicht auf die Nachbarn
- 1:02:11Speaker 0: und sei leise wenn du die Bar verlässt aber vergiss auf keinen Fall den abonnieren Button zu klicken.