Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 8 - Der freiwillige Bettler
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04Unterkapitel 8 der freiwillige Bettler nachdem Zarathustra den
- 0:11sogenannten hässlichsten Menschen verlassen hat, wandert
- 0:14er allein weiter. Ihm ist kalt und er fühlt sich
- 0:17sehr einsam, während er durch die raue Landschaft aus Bergen,
- 0:20Wäldern und Tälern steigt, doch plötzlich spürt er, dass ihm
- 0:24wieder wärmer wird, er spürt, dass etwas Lebendiges in seiner
- 0:28Nähe sein muss. Das sein Herz erfreut, als er
- 0:31sich umsieht, entdeckt er eine Gruppe von Kühen, die auf einer
- 0:34Anhöhe zusammenstehen. Ihre Nähe und ihr friedlicher
- 0:38Geruch tun ihm gut, er bemerkt, dass die Kühe scheinbar
- 0:42aufmerksam jemandem zuhören, als Zarathustra näher herantritt,
- 0:46hört er eine menschliche Stimme, die aus der Mitte der Herde zu
- 0:49den Tieren spricht. Zarathustra erschrickt zuerst
- 0:52ein wenig, da er befürchtet, jemandem sei etwas Schlimmes
- 0:55zugestoßen, bei dem ihm das Mitleid der Kühe auch nicht
- 0:58helfen könne. Er drängt die Tiere zur Seite
- 1:01und sieht einen Mann auf dem Boden sitzen.
- 1:04Dieser Mann redet sanft auf die Tiere ein, er sieht aus wie ein
- 1:08friedlicher Mensch, ein richtiger Prediger, aus dessen
- 1:11Augen reine Güte strahlt, Nietzsche nennt ihn hier den
- 1:15Bergprediger, das ist eine Anspielung auf die Bergpredigt
- 1:19von Jesus aus der Bibel, allerdings predigt dieser Mann
- 1:22nicht zu den Menschen, um sie ins Himmelreich zu führen,
- 1:25sondern er predigt zu den Tieren.
- 1:28Weil er die Menschen aufgegeben hat.
- 1:30Zarathustra fragt den Mann verwundert, was er hier suche,
- 1:34der Prediger antwortet, er Suche genau das Gleiche wie
- 1:37Zarathustra, nämlich das Glück auf Erden, um dieses Glück zu
- 1:41finden, möchte er von den Kühen lernen, er erklärt, dass die
- 1:45Menschen nicht ins Himmelreich kommen können, wenn sie nicht
- 1:48umkehren und so werden wie die Kühe.
- 1:51Die wichtigste Eigenschaft, die die Menschen von den Kühen
- 1:54lernen müssten, sei das Wiederkäuen.
- 1:57Dieser Begriff des Wiederkäuens ist bei Nietzsche ein wichtiges
- 2:00Bild. Es bedeutet hier nicht das
- 2:03tatsächliche Essen, sondern eine geistige Haltung.
- 2:06Es steht für das langsame, geduldige und friedliche
- 2:09Nachdenken, es ist das Gegenteil von der ständigen, rastlosen
- 2:13Eile der modernen Menschen, nur durch dieses langsame geistige
- 2:17verdauen, so der Prediger, könne der Mensch seine große
- 2:20Traurigkeit und seinen Ekel loswerden, der Begriff des Ekels
- 2:25ist zentral in Nietzsches Philosophie.
- 2:28Er beschreibt das tiefe Gefühl des Widerwillens und der
- 2:30Übelkeit, dass man empfindet, wenn man die Schwäche, die
- 2:33Falschheit und die Mittelmäßigkeit der Menschen
- 2:36betrachtet. Der Prediger behauptet, dass
- 2:38heute jeder Mensch voller Ekel sei als der Prediger Zarathustra
- 2:42genauer ansieht, erkennt er ihn, er sieht in zarathustras
- 2:46Gesicht, dass dieser den großen Ekel bereits überwunden hat,
- 2:50voller Ehrfurcht küsst er Zarathustra die Hände.
- 2:54Zarathustra wehrt diese Zärtlichkeit ab und erkennt nun
- 2:57seinerseits, wen er vor sich hat.
- 2:59Es ist der freiwillige Bettler, dieser Mann war einst sehr
- 3:03reich, er schämte sich jedoch für seinen großen Reichtum, weil
- 3:07er sah, wie die anderen reichen lebten, deshalb warf er all sein
- 3:11Geld weg und ging zu den Ärmsten, um ihnen alles zu
- 3:14schenken und sein Herz mit ihnen zu teilen.
- 3:17Zarathustra erinnert ihn daran, dass die Armen ihn damals nicht
- 3:20annehmen wollten. Der Bettler bestätigt das und
- 3:23fügt hinzu, dass er deshalb zu den Tieren und schließlich zu
- 3:26den Kühen gegangen sei. Zarathustra wirft ein, dass das
- 3:29Gute Schenken eine große Kunst ist, die man erst lernen muss,
- 3:33es ist oft viel schwerer, jemandem etwas so zu schenken,
- 3:36dass er es gerne annimmt, als selbst etwas geschenkt zu
- 3:39bekommen. Der Bettler erklärt Zarathustra
- 3:42ausführlich, warum er sich von den Menschen abgewandt hat, er
- 3:45spricht von der heutigen Zeit, in der der Pöbel immer mächtiger
- 3:49wird, mit dem Wort Pöbel. Meint Nietzsche nicht einfach
- 3:53nur arme Leute? Er meint damit Menschen mit
- 3:56einem niedrigen, Neidischen und massenhaften Charakter, denen
- 3:59alles edle und große fremd ist. Der Bettler sagt, dass dieser
- 4:03Pöbel heute aufmüpfig wird, die niedrigen Menschen wollen keine
- 4:07Wohltaten mehr annehmen, wer heute noch reich ist, müsse auf
- 4:10der Hut sein, der Bettler ist zu der Überzeugung gekommen, dass
- 4:14die Armen heute nicht mehr selig sind, wie es in der christlichen
- 4:17Religion heißt. Das wahre Himmelreich finde man
- 4:20jetzt bei den friedlichen Kühen. Zarathustra fragt ihn, warum er
- 4:24das Himmelreich nicht bei den Reichen gefunden habe, der
- 4:28Bettler antwortet voller Verachtung, die reichen ekeln
- 4:31ihn an, er beschreibt sie als Sträflinge des Reichtums, die
- 4:35sich mit kalten Augen und gierigen Gedanken jeden Vorteil
- 4:38aus dem Dreck zusammensuchen, sie seien ein Vergüldeter, also
- 4:42nur äußerlich mit Gold überzogener falscher Pöbel.
- 4:46Für den Bettler gibt es keinen Unterschied mehr zwischen den
- 4:48Armen und den Reichen. Beide Gruppen sind für ihn zum
- 4:52gleichen geistigen Pöbel verkommen, weshalb er von den
- 4:55Menschen weg in die Natur geflohen ist, während der
- 4:58Bettler sich in seine Wut hineinsteigert und vor Zorn
- 5:01schnauft, lächelt Zarathustra ihn an, er schüttelt den Kopf
- 5:05und sagt dem Prediger, dass er sich selbst Gewalt antut, solche
- 5:09harten und hasserfüllten Worte passen überhaupt nicht zu dem
- 5:12sanften Wesen des Bettlers. Zarathustra erkennt, dass der
- 5:16Bettler nicht dafür gemacht ist, zu hassen und zu wüten, sein
- 5:20Magen, also sein innerstes Wesen, verträgt diese ganze
- 5:23Bitterkeit nicht. Zarathustra sieht in ihm eher
- 5:26einen sanften Pflanzenfreund, einen Menschen, der das Süße wie
- 5:30zum Beispiel den Honig liebt und friedliche Freuden sucht, der
- 5:35Bettler atmet erleichtert auf, ergibt Zarathustra Recht und
- 5:39gesteht, dass er den Honig liebt und das friedliche Leben sucht.
- 5:43Genau deshalb ist er zu den Kühen gegangen.
- 5:46Die Kühe haben nämlich das ruhige in der Sonne liegen und
- 5:49das entspannte Wiederkäuen erfunden, sie halten sich von
- 5:52allen schweren Gedanken fern, die das Herz nur belasten
- 5:55würden. Daraufhin lädt Zarathustra den
- 5:57Bettler in seine Höhle ein, er sagt ihm, er solle sich von den
- 6:01Kühen verabschieden und zarathustras Tiere, den Adler
- 6:04und die Schlange besuchen, der Adler und die Schlange stehen
- 6:08bei Nietzsche für den Stolz und die Klugheit.
- 6:11Sie sind viel höher stehende Tiere als die gemütlichen Kühe.
- 6:15Zarathustra verspricht dem Bettler, dass er in der Höhle
- 6:17das finden wird, was zu seiner wahren, sanften Natur passt.
- 6:22Frischen, goldgelben Honig er selbst müsse noch kurz einem
- 6:26anderen Hilferuf folgen, werde aber am Abend zurück sein.
- 6:30Zum Abschied nennt der Bettler Zarathustra liebevoll seinen
- 6:33wärmsten Freund und Lehrmeister, er sagt sogar, dass Zarathustra
- 6:37noch besser sei als eine Kuh. Zarathustra, der eine
- 6:41Philosophie der Größe, der Gefahr und der ständigen
- 6:44Überwindung lehrt, ärgert sich spielerisch über dieses Lob.
- 6:48Vergnügt und ein wenig boshaft ruft er fort mit dir, du arger
- 6:52Schmeichler. Er hebt seinen Wanderstock, als
- 6:55wolle er den Bettler schlagen, um sich für den Vergleich mit
- 6:58einer Kuh zu rächen. Der Bettler versteht den Spaß
- 7:01und läuft flink davon.