Latest / ntv Wirtschaft / Galeria vor dem Aus? Warum die vierte Insolvenz das Ende der Warenhauskette einläuten könnte
Transcript
- 0:08Galeria rutscht zum vierten Mal in nur sechs Jahren in die Insolvenz.
- 0:12Und diesmal stellt sich mehr denn je die Frage, ob das Warenhaus überhaupt noch eine Zukunft hat.
- 0:19Gleichzeitig zieht die Inflation in der Eurozone wieder deutlich an.
- 0:25Und wir schauen auf die Zinsen. Was für Sparer beim Tagesgeld interessant sein
- 0:29kann, macht den Traum von der eigenen Immobilie immer schwerer finanzierbar.
- 0:35Hallo und herzlich willkommen.
- 0:39In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:44die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:49Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:54Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:58geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 1:09Galleria stellt erneut einen Insolvenzantrag. Die 83 Filialen bleiben zunächst geöffnet.
- 1:15Rund 12.000 Beschäftigte müssen aber wieder um ihre Jobs bangen.
- 1:20Es ist bereits die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren.
- 1:24Seit Jahren schließt Galleria Standorte, verhandelt über Mieten und versucht,
- 1:28mit neuen Finanzierungen Zeit zu gewinnen.
- 1:31Das größere Problem liegt aber tiefer. Klassische Warenhäuser verlieren massiv an Bedeutung.
- 1:37Ihr Marktanteil ist in den vergangenen Jahren stark gesunken.
- 1:41Deshalb stellt sich diesmal mehr denn je die Frage, ist das noch eine Sanierung?
- 1:46Oder erleben wir gerade das langsame Ende des Warenhausmodells Galeria?
- 1:51Darüber hat Mara Bergmann mit Jörg Funder gesprochen, Direktor des Handelsforschungsinstituts IIHD.
- 1:57Der vierte Insolvenzantrag ist das innerhalb von nur sechs Jahren. Wie kann das sein?
- 2:02Das kann so sein, dass alle Restrukturierungsbestrebungen, die in den letzten
- 2:06drei Insolvenzen angegangen worden sind, eigentlich nur Augenwächerberei waren.
- 2:11Wir haben in einer Studie 2008 schon ausgerechnet und nachgewiesen,
- 2:15dass es zum damaligen Zeitpunkt nur Platz für etwa 50 Filialen eines zentralisierten
- 2:20Warenhauses gibt. Heute sind wir fast 20 Jahre weiter.
- 2:24Und man muss wirklich die Frage stellen, ob das Format heute nach der dritten
- 2:28Insolvenz und jetzt in der vierten Insolvenz noch dauerhaft betrieben werden kann.
- 2:32Warum diese späte Erkenntnis? Warum immer wieder diese finanziellen Schieflagen?
- 2:36Was läuft hier strategisch schief?
- 2:38Warum gelingt es nicht, die angeschlagene Warenhauskette zu sanieren?
- 2:42Gut, da muss man mit verschiedenen Perspektiven drangehen.
- 2:46Tatsächlich war im Rahmen der ersten Insolvenz 2008 es auch gar nicht politischer
- 2:51Wille, dass das Warenhaus in den Innenstädten schließt.
- 2:55Also man wollte eigentlich auch seitens der Interessensgruppen nicht nur politisch,
- 2:59sondern auch der Arbeitgeberverbände Einschnitte in das Warenhausnetz verhindern.
- 3:06Und man lieber so weitermachen wie bisher, das hat man auch mit der Konsequenz,
- 3:10dass man in die zweite Insolvenz rutschte, dann gab es immer wieder partikuläre Interessen.
- 3:15Es gab also nie wirklich ein Interesse am operativen Geschäft,
- 3:19sondern an ganz vielen anderen Dingen, sei es der Fortbestand der Mietzahlungen
- 3:24für die Immobilieneigentümer
- 3:25oder letztendlich eine gewisse Sicherheitswegung der Innenstädte oder was auch immer.
- 3:30Aber an dem operativen Geschäft des Warenhauses muss man wirklich sagen,
- 3:34war keiner der letzten Besitzer wirklich interessiert.
- 3:37Ja, wirklich schade. Hätte man denn aus Ihrer Sicht das Konzept so umändern
- 3:41können, dass es zur aktuellen Zeit passt?
- 3:44Oder ist die Zeit der großen Warenhäuser einfach vorbei? Man hätte das tun können.
- 3:48Aber wie jede Restrukturierung braucht es Finanzmittel und auch deutliche Finanzmittel,
- 3:52um das Geschäftsmodell umzubauen.
- 3:55Man hätte das sehr gut 2008 machen können, man hätte es auch nochmals in der
- 3:58nächsten Insolvenz machen können. Heute halte ich es für äußerst schwierig,
- 4:02auch dem Kunden nochmals zu erklären, warum er dann noch ins Warenhaus gehen sollte.
- 4:08Der Konsument, und jetzt trifft tatsächlich die strategische Ausrichtung,
- 4:11das Geschäftsmodell und die Konsumrealität, wenn wir sie heute in Deutschland erfahren, zusammen.
- 4:16Wir halten das Geld zusammen, wir geben weniger aus, wir haben Konsumverzicht.
- 4:21Und das ist insbesondere dann für so Allerweltsformate, die wenig differenziert
- 4:26und kaum Wettbewerbsvorteile heute besitzen, extrem schwierig,
- 4:29dann noch loyale Kunden neu aufzubauen für dieses Unternehmen.
- 4:34Jetzt heißt es ja, der Betrieb in allen Filialen soll vorerst weiterlaufen.
- 4:39Was bedeutet dieses Wörtchen vorerst? Worauf müssen sich die Mitarbeitenden jetzt einstellen?
- 4:44Das ist eine ganz kritische Frage und das wird in den nächsten Wochen zu beobachten
- 4:48sein. Man weiß gar nicht so recht, wie geht man damit jetzt um.
- 4:51Man ist nämlich gerade erst einen Hauch über die Zwei-Jahres-Nachhaftungsfrist drüber.
- 4:57Innerhalb dieser Zwei-Jahres-Frist wäre zum Beispiel auch überhaupt gar kein
- 5:00Insolvenzgeld geflossen. Die Mitarbeiter hätten also auch keine Löhne und Gehälter
- 5:05gezahlt bekommen. Auch das wird kritisch zu prüfen sein.
- 5:08Wird es Insolvenzgeld für die Mitarbeiter geben?
- 5:11Darüber hinaus, wie wird man weiter verfahren? Ich glaube, jetzt ist es angebracht,
- 5:17tatsächlich auch einmal...
- 5:20Der Wahrheit ins Auge zu sehen und die Abwicklung des Unternehmens nicht nur
- 5:26zu erwägen, sondern möglicherweise auch eingehender zu prüfen.
- 5:30Und das bedeutet tatsächlich, dass wir uns von dem Warenhauskonzept in Deutschland
- 5:34zumindest in ganz vielen Standorten trennen müssen.
- 5:37Wir haben ja nach wie vor Formate des Warenhauses an Einzelstandorten.
- 5:41Da steht jetzt nicht Galeria drüber.
- 5:44Das gibt es sehr wohl. Also das Format als solches wird weiter bestehen,
- 5:47aber in diesem Konzernverbund, Und als zentral organisiertes Warenhaus, ich glaube,
- 5:53jetzt auch, und ich war großer Bevorwörter des Warenhaus-Konzeptes,
- 5:57das müssen wir so ein bisschen in die Vergangenheit verorten und uns neuen Konsumgewohnheiten widmen.
- 6:03Was Sie, Herr Funder, als vernünftig erachten, ist die eine Seite.
- 6:07Jetzt gibt es ein aktuelles Statement von Galeria selbst.
- 6:10Da schreibt das Unternehmen, der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen,
- 6:14um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die
- 6:18Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen.
- 6:21Das klingt ja nicht nach komplettem Ende. Also was glauben Sie,
- 6:25was versucht das Unternehmen jetzt noch? Und inwiefern könnte vielleicht frisches
- 6:28Geld von Gesellschaftern, vom Finanzierer das Ruder doch nochmal rumreißen?
- 6:33Gar nicht mehr. Und das, was dort verlautbart wird, ist Augenwicherei und ist
- 6:37Managing-Plattitüde. Das tut mir leid, das so doch deutlich einordnen zu müssen.
- 6:42Dort sind keine klaren Ziele benannt. Dort sind Absichtserklärungen.
- 6:45Absichtserklärungen, die hat
- 6:46das Managing bereits bei Übernahme des Unternehmens genau so verlautbart.
- 6:51Es bleibt die Frage, was konkret gilt zu ändern? Wie wird es gemacht?
- 6:55Ist man umgesetzt? Welche Finanzmittel braucht es dabei?
- 6:58Ja, das wird nun im Rahmen einer möglichen Planentwicklung erarbeitet,
- 7:04aber dann ist es doch schon relativ zu spät.
- 7:07Ich sehe einfach keine grundsätzliche Änderung im Angang an dieses Geschäft
- 7:12und einer wirklichen Absichtserklärung am operativen Geschäft,
- 7:15das dauerhaft profitabel betreiben zu wollen.
- 7:18Es ist auch schwierig, weil das Warenhaus das komplizierteste Einzelhandelsformat
- 7:22ist, was wir überhaupt noch haben.
- 7:25Und vom Einzelhandel schauen wir jetzt auf die Preise insgesamt.
- 7:31Die Inflation in der Eurozone steigt im September auf 3,8 Prozent.
- 7:35Das ist der höchste Stand seit drei Jahren.
- 7:38Energie verteuert sich im Jahresvergleich um 18,8 Prozent.
- 7:43Für die Europäische Zentralbank wird die Lage damit schwieriger.
- 7:47Die Inflation liegt weiter klar über dem 2-Prozent-Ziel. Gleichzeitig bremsen
- 7:52höhere langfristige Zinsen bereits die Wirtschaft.
- 7:56Für die nächste Sitzung der EZB Ende Oktober erwarten die meisten Experten zunächst
- 8:01keine weitere Zinserhöhung.
- 8:05Und genau diese Zinsfrage bringt uns zu unserem letzten Thema.
- 8:11Höhere Zinsen haben zwei Seiten. Sparer freuen sich über bessere Konditionen
- 8:16beim Tagesgeld, Kreditnehmer zahlen dagegen deutlich mehr.
- 8:20Besonders hart trifft das Menschen, die eine Immobilie kaufen wollen.
- 8:24Denn schon kleine Veränderungen beim Bauzins können die monatliche Rate spürbar erhöhen.
- 8:30Damit wird Wohneigentum nicht nur wegen hoher Kaufpreise schwieriger,
- 8:34sondern auch wegen der Finanzierung.
- 8:36Und auch wer bereits einen Kredit hat, muss hinschauen, wenn bald eine Anschlussfinanzierung ansteht.
- 8:43Was kann man also tun? Warten? Schnell abschließen? Länger festschreiben?
- 8:48Darüber hat Mara Bergmann mit Hermann-Josef Tenhagen von Finanztipp gesprochen.
- 8:53Welche weiteren Tipps haben Sie für uns zum Zinsvergleich?
- 8:56Das 1. ist, zu schauen, wie viel Geld man zur Verfügung hat.
- 9:00Und dann eine Immobilie auszusuchen, die finanzierbar ist.
- 9:04Da sollte man sich ein bisschen Reserve, ein bisschen Luft lassen.
- 9:07Das heißt auch bei der Frage, wo liegt die Immobilie, mal zu schauen,
- 9:12wo man vielleicht hinziehen kann und dann auch zu berücksichtigen,
- 9:16wenn man an einem bestimmten Ort zieht, dass man vielleicht zwei Autos braucht.
- 9:19Manche Leute ziehen ja dann so aufs Land und zwei Autos, wenn man dann womöglich
- 9:23noch mit klassischem Benzin oder Diesel fährt, ist natürlich auch ein ordentlicher
- 9:27Schluck. Also das ist das Erste.
- 9:28Dann tatsächlich so einen Zinsvergleich zu machen und wenn man eine Hausbank
- 9:32hat mit dem Zinsvergleich, mit dem günstigsten Zins, zu seiner Hausbank zu gehen
- 9:36und sagen, ihr kennt mich seit 20 Jahren oder seit 15 Jahren,
- 9:40Die bieten mir 4,1 Prozent an, das könnt ihr doch auch.
- 9:44Dann kann man nämlich mit denen die Sachen klären. Wenn die das nicht wollen,
- 9:47dann ist das auch eine gute Auskunft, weil dann kann man ja mit so einem Vergleichsportal
- 9:52tatsächlich einen guten Zins abschließen und dann die Finanzierung machen.
- 9:56Der Erfahrung nach, wenn ich da kurz einhaken darf, Herr Tenhagen,
- 9:59wie viel Luft ist denn da möglicherweise noch, wenn ich jetzt direkt mit meiner Bank verhandle?
- 10:03Naja, deswegen ist die Reihenfolge wichtig, sich erst ein gutes Angebot über
- 10:07so eine Vergleichsseite zu holen und dann mit der Hausbank zu reden.
- 10:11Weil wenn Sie erst zu Ihrer Hausbank gehen, dann sagt die Ihnen 4,3,
- 10:13dann gucken Sie nochmal aufs Portal und stellen fest, oh 4,1 wäre auch möglich gewesen.
- 10:17Das sind etliche tausend Euro über die Finanzierung. Also von daher machen Sie
- 10:21es immer so, erst zum Portal gehen, da den Vergleich machen und dann womöglich mit der Hausbank reden.
- 10:28Aber Sie haben eben die Nebenkosten erwähnt. Wenn Sie das hinkriegen,
- 10:31das ohne Makler zu machen, sozusagen das Grundstück zum Beispiel zu kaufen,
- 10:35das ist natürlich günstiger.
- 10:37Wenn Sie nur das Grundstück kaufen, ist die Grunderwerbsteuer,
- 10:40bezieht sich nur auf den Preis des Grundstücks, nicht auf den des Hauses.
- 10:44Das macht das Ganze auch deutlich preiswerter. Aber solche Geschichten kann
- 10:47man natürlich anwenden, gerade wenn man zum Beispiel sowieso auf dem Land lebt
- 10:51und da möglicherweise andere Zugänge zu so einem Grundstück hat.
- 10:55Inwiefern könnte auch ein Finanzierungsberater, der ja vielleicht auch gute
- 10:59Kontakte zu Banken hat, Sinn machen? Oder inwieweit schlägt das vielleicht nochmal drauf beim Preis?
- 11:04Also ich würde immer sagen, den Finanzierungsberater brauchen Sie nicht.
- 11:08Wenn Sie Beratung brauchen, Sie brauchen in Zweifel einen Architekten.
- 11:13Oder wenn Sie ein Haus kaufen, ein Bauhauptler, also ein Maurer oder jemand,
- 11:18ein Klempner, jemand, der sich mit Bau auskennt, wenn Sie so ein altes Haus anschauen.
- 11:22Weil die meisten Leute können sich heute tatsächlich nur ein altes Haus leisten.
- 11:25Und wenn man ein altes Haus anguckt, dann braucht man jemanden,
- 11:28der da mit einem reinguckt und sagt, okay, das ist ganz in Ordnung,
- 11:31da sind jetzt keine großen Schäden, da sind auch keine versteckten Schäden,
- 11:35mit denen du rechnen musst.
- 11:36Und dann kannst du auf die Art und Weise das günstiger machen.
- 11:39Und dann muss man eben vielleicht auch damit leben, dass man.
- 11:42Wenn man ein günstiges Haus kauft, dass man über die nächsten Jahre mal noch
- 11:46das ein oder andere da bauen muss, gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin und den Kindern.
- 11:54Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten für den Moment.
- 11:58Wir hören und lesen uns wieder bei NTV.
- 12:00In der App, im TV oder hier im Podcast.