Latest / Raumrauschen / Das Glück, Kind sein zu dürfen
Transcript
- Hallo und herzlich willkommen bei Raumrauschen, dem Podcast, bei dem wir uns ums digitale Lagerfeuer versammeln. In jeder Folge wird eine andere Geschichte des gleichnamigen Blogs uns begleiten. Wir sprechen direkt mit den AutorInnen über ihre Geschichten. Lassen Sie auf uns wirken und uns inspirieren. Mein Name ist Rafaul Londo, ich bin Referent für Berufungspastoral im Bistum Aachen und ich lade dich ein, mit mir und unseren AutorInnen zusammen am digitalen Lagerfeuer zu verweilen. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Raumrauschen-Folge. Meinen Namen kennt ihr schon, aber ich habe heute jemanden neuen mitgebracht, den Markus. Hallo Markus, grüß dich. Hallo. Schön, dass du da bist und dass du jetzt auch mit uns einige deiner Geschichten teilen möchtest. Aber bevor wir anfangen, erzähl mal ein bisschen was von dir. Wer bist denn du? Mein Name ist Markus Haib. Ich bin im Bistum Aachen als Gemeindereferent, als Organisationsentwickler und Coach tätig. Und ja, einer meiner Leidenschaften ist es, Texte zu schreiben, die immer wieder mal zu unterschiedlichen Anlässen entweder ausgelegt oder auch von mir vorgetragen werden. Und ich glaube, das hat mich jetzt hier hingeführt. Genau. Da würde ich nochmal spannend finden, wie bist du eigentlich auf Raumrauschen gekommen? Ich habe irgendwann von jemandem aus dem Bistum gehört, dass es diese Seite gibt und habe natürlich neugierig draufgeklickt, habe geguckt, wer ist denn da vertreten, mit welchen Geschichten, habe mir auch einige Geschichten dann durchgelesen. Und irgendwann kam dann über Umwege die Anfrage, ob ich mir auch vorstellen könnte, dort meine Geschichten anzubieten. Ja, und jetzt sitzt du hier und das freut mich wirklich sehr, dass du dich dazu bereit erklärst. Von daher herzlich willkommen erstmal auch. Ja, danke. Bevor wir richtig anfangen, gebe ich, so wie die letzten Male auch hier in den Runden, und das hat sich ja so etabliert, die Wertvoll-Ich-Karten raus. Das sind Karten, die sowohl am Anfang als Check-in, als auch als Check-out ganz gut dienen. Den Link dazu findet ihr in der Beschreibung. Und lieber Markus, du darfst ganz unabhängig von der ersten Geschichte, die du mitbringst, mal eine dieser Karten ziehen. Mal gucken, was rauskommt. Magst du mal vorlesen? Welches Tier repräsentiert am besten deine Persönlichkeit? Ich muss zugeben ich habe es nicht so mit tieren aber wir haben seit neuestem eine schildkröte zu hause und das ist schon interessant also da war jetzt auch das große warten im frühjahr ob die wieder aus ihrem winterschlaf hochkommt weil wir es ja erst zum ersten mal erlebt haben und das ist ein tier was. In dem Beet, in dem es jetzt lebt, ganz gemütlich unterwegs ist. Aber sobald wir es auf die große Wiese setzen, gibt es also wirklich die Wahrnehmung, dass eine Schildkröte Tempo aufnehmen kann. Also das ist total interessant, weil was traut man dem kleinen Tierchen so gar nicht zu. Aber auf der großen Wiese ist das schon etwas, wo man staunen darf, wie schnell so eine Schildkröte unterwegs sein kann. Und dann muss man gucken, dass sie nicht irgendwo sich fortunisiert. Und da du jetzt die Schildkröte von zu Hause erwähnt hast, würdest du das jetzt auch auf dich so sehen? Auf der weißen Wiese, viel schnell unterwegs? Also ich glaube, dass die unterschiedlichen Verläufe ganz gut zu mir passen. Also ich mag es, auch irgendwann mal zur Ruhe zu kommen, aber ich bin auch glaube ich sehr oft sehr schnell unterwegs und manchmal ist es gut, wenn man mich dann einfängt. Spannend. Ja, danke fürs teilen, dann schnappe ich mir die Karte mal. Und dann ist schon die nächste Frage. Was hast du uns denn heute für eine Geschichte mitgebracht? Ich habe heute eine Geschichte mitgebracht, wo es darum geht, warum ich Fußball so liebe. Und ich habe lange Zeit immer versucht, das über den Verstand Menschen zu erklären, wenn sie mich denn gefragt haben. Und habe irgendwann für mich so gemerkt, ich Ich erkläre es lieber übers Herz, weil das der eigentliche Beweggrund ist für diese Leidenschaft, die mich, solange ich denken kann, verfolgt. Und wo ich hoffe, dass ich auch noch ganz oft mit dieser Leidenschaft mein Leben bereichern kann. Dann sind wir mal gespannt, wie die Geschichte sich so anhört, lieber Markus. Dann hören wir jetzt einmal rein. Okay. Music. Ja, ich bin Fußballfan. Seit Kindertagen ist das so und manchmal habe ich das Gefühl, dass sich diesem Alter sogar noch verstärkt. Warum? Dafür gibt es eigentlich keine rationale Erklärung, sondern eher eine des Herzens. Mit glänzenden Kinderaugen ging es für mich von zu Hause los. Es ging auf einen Berg. Er war nicht hoch, aber er bescherte mir immer wieder Gipfelgefühle. Der Bökelberg. Die Heimat der Borussia, der ich mein Herz verschrieben habe, nämlich Borussia Mönchengladbach. Fanshops, die einen komplett im Vereinstrikot oder mit Klamotten ausstatteten, die gab es noch nicht. Dafür gab es ein bewusst gekauftes T-Shirt in den Farben Schwarz-Weiß-Grün. Meine erste Fahne? Ein Bettlaken, zusammengenäht von meiner Oma. Der Stoff kam in einen Stab, den ich als Kind unter Mühen mitschleppte und der heute am Stadioneingang als Waffe angesehen würde. Mein erster Schal? Von Oma, mit viel Liebe für ihren Enkel gestrickt. Ich sehe diesen Jungen, ich sehe mich noch stolz zum Stadion ziehen. Pure Emotion, pure Nostalgie. Es hat sich viel getan seither Die Erfolge der Borussia wurden weniger, was mir als richtigen Fan wehtut Aber nichts an meiner Verbundenheit oder Leidenschaft für diesen Verein verändert, Der Bökeberg war und bleibt ein emotionaler Lebensort Das Erleben dort eine unauslöchliche, kostbare Erinnerung. Heute geht's nicht mehr auf den Berg, sondern in den Borussia-Park. Das Stadion zeitgemäßer, die Vermarktung perfekter. Mein Trikot und mein Schal sind heute gekauft. Manchmal frage ich mich bei dieser Entwicklung, in der es oft leider viel zu oft um Ablösen, Gewinne und Vermarkten geht, was machst du eigentlich noch hier? Kannst du das durch dein Fansein noch mitverantworten? Aber dann stelle ich fest, bei allen fragwürdigen Veränderungen, eines hat sich bei mir nie verändert. Beim Fußball bin ich tatsächlich manchmal noch das Kind mit den glänzenden Augen, das hemmungslos schreit, anfeuert, sich ärgert oder über ein Tor unbändig freuen kann. Doch dazu brauche ich nicht das geschäftige Drumherum Ich erfreue mich am Spiel wie zu Kinderzeiten Weil ich nur das Spiel und den Ball brauche für meine Emotionen, Und so sehe ich mir auch heute noch ein Jugendspiel Auf irgendeinem Sportplatz mit großer Freude an, Und ich kann bis heute keinen Ball irgendwo liegen sehen Ohne das Kribbeln im Fuß Jeder Kontakt mit dem runden Ding lässt mich Kind sein. Lange habe ich versucht, es Menschen zu erklären, wenn sie mich fragten, warum. Ich habe es irgendwann aufgegeben. Herzenssachen muss man nicht erklären, weil das Wunderbare eben immer auch ein Stück unerklärlich bleibt. Das macht den Zauber aus. Glänzende Augen, das Geheimnisvolle, Staunen und Verzauberung finde ich Gott sei Dank nicht nur im Stadion oder beim Fußballspielen. Immer wieder gibt es Erlebnisse, die mich zum Kind werden lassen oder die mich um Jahre jünger machen. Manchmal sind es Erinnerungen, wenn ich eine bestimmte Musik höre. Manchmal sind es Momente mit meinen Kindern, meiner Familie oder mit Menschen, mit denen ich die Leichtigkeit des Moments erleben oder sogar feiern kann. Ja, es gibt für mich diese Zeiten auch im Glauben, wenn ich für kurze Zeit das tiefe Empfinden von Gemeinschaft und seiner Nähe habe. Es sind besondere Augenblicke, die ich nicht festhalten kann. Aber die sich, wie der Gang zum Bökelberg, in meinem Herzen einen Raum nehmen, Diesen Raum der Emotionen darf ich dann immer wieder mal betreten Als Kind, mit glänzenden Augen und einem Gefühl der Dankbarkeit, Wunderbar. Music. Danke dir, Markus, für diese Geschichte und fürs Mitnehmen in deine Kindheit. Und weißt du, was mir gerade aufgefallen ist, als du vorgelesen hattest? Dass wir noch gar keine Überschrift für diesen Text haben. Deswegen ist meine erste Frage, wenn du diesem Text, dieser Geschichte, eine Überschrift gibst, einen Titel, wie würde die dann lauten? Und die werden wir dann natürlich auch eintragen. Das Glück, Kind sein zu dürfen. Das Glück, Kind sein zu dürfen. Ja, das ist jetzt notiert. Danke dir. Ich finde es spannend, wie du diesen Fußballverein Borussia Mönchengladbach, jetzt muss ich natürlich nochmal einhaken, wir sind hier im Aachener Raum. Ich meine, die ein oder anderen Hörer sind vielleicht Fan von einem derzeitig Drittligisten, die hören das Ganze natürlich etwas anders, aber von der Sache her gibt es sicherlich Parallelen, gerade auch deine Kindheit. Nimm uns doch mal mit in deine Kindheit, was so vor dem Fußballspiel vielleicht so war. Also Fußball gehört zu meiner Kindheit dazu, aber gehört einfach zu meinem ganzen Leben dazu. Als Kind bin ich groß geworden mit einem Bolzplatz direkt nebenan. Mit Freunden, die immer irgendwie diesen Platz auch, ich sag mal, mit Leben gefüllt haben. Das heißt, es gab keinen Tag, auf dem wir uns nicht auf diesem Bolzplatz getroffen haben. Und es gab Ausnahmen, wann auf diesem Bolzplatz nichts los war. Das waren nämlich die Heimspiele von Borussia. Dann waren wir alle im Stadion, weil das Stadion fußläufig erreichbar war und wir das Leben um ein Stadion herum sozusagen bei uns schon in den Straßen gespürt haben und dann wurden wir einfach von Kinderbeinen an hochgezogen auf den Berg, den ich eben beschrieben habe. Also letztendlich 24-7, Fußball hat dich in deiner Kindheit immer wieder beschäftigt. Genau. Und das lief ja auch ein bisschen darüber hinaus, denn am Anfang hast du immer wieder deine Oma erwähnt. Deine Oma, die dir ja heute quasi kommerziell hergestellt, aber damals sicherlich mit viel Liebe und Engagement gemachten, für den Verein quasi symbolträchtigen Farben gemacht hat. Jetzt ist natürlich für mich so die spannende Frage, war die Oma auch auf dem Buckelbärt und wie war so das Verhältnis zueinander? Ich glaube, die Oma hatte mit Fußball nichts an der Mütze. Die Oma wollte ihrem Enkel eine große Freude machen und das hat sie gemacht, weil das ist wirklich etwas, was ich behalten habe und was damals für mich unfassbar kostbar war als Kind. Weil, wie gesagt, man konnte es nicht so kaufen, also wurde es halt von der Oma für mich, und ich denke, mit viel Liebe gemacht und ich habe es mit viel Stolz getragen. Ja, danke dir erstmal dafür. Und dann erwähnst du ja noch, und das ist ja, finde ich, auch folgerichtig, die derzeitige Entwicklung vom Fußballspiel. Gut, wir sind kein Fußball-Podcast hier, sondern uns geht es so ein bisschen um die Geschichte, aber den Kontrast, den du erlebt hast, hast du denn einen Moment, an den du dich zurückerinnern kannst, wo du sagst, das ist dir da ganz konkret aufgefallen? Nein, also ich glaube, das ist eine Entwicklung. Und an der einen oder anderen Stelle halte ich natürlich inne oder wenn ich auch mit anderen mich unterhalte, fällt das schon auf, wie kommerziell viele Dinge auch sind. Und wenn ich ins Stadion gehe, erlebe ich das ja auch, was alles vermarktet wird bis zum Anpfiff hin. Und trotzdem ist es für mich keine Überlegung, es zu lassen, weil das einfach zu meinem Leben dazugehört. Dorthin zu gehen und ja, Lust an diesem Spiel zu haben, auch manchmal an der Unvorherbersehigkeit, die jedes Spiel auch hat also manche Spiele werden gewonnen, wo man vorher nicht dran geglaubt hat und andere gehen verloren wo man denkt, das kann nicht sein. Und es ist einfach Emotion es ist einfach Emotion und, ich finde ja, für mich ist so der Fußball Platz Ich spiele ab und zu auch nochmal selber Fußball, aber auch das Fußballstadion, ein Ort, wo man Emotionen leben kann. Und manchmal sogar auch unkontrollierter, als man das vielleicht in einem beruflichen oder familiären Kontext auch sonst tun kann oder tun würde. Ja, du beschreibst es ja so schön, Fußball als eine Sache des Herzens. Oder zumindest für dich hat Fußball die Verbindung, dass es was mit dem Herzen macht. Und sei es eben, ich fand das so schön, also bei mir kribbelt es übrigens auch am Fuß, wenn ich einen Ball sehe. Wenn irgendwie Kinder spielen und anfangen und der Ball kommt rüber auf die andere Seite, dann denke ich so, okay, jetzt kriegst du eine geweihte Flanke und viel Spaß dann den Ball zu checken. Genau, du empfindest Fußball als Herzenssache und hast jetzt hier die Worte für gefunden, wo du hier so schön geschrieben hast, du kannst es nicht anders erklären. Ich würde gerne nochmal auf den Ursprung des Textes zurückgehen. Wann hattest du denn das Bedürfnis, diesen Text so zu schreiben, diese Geschichte auch so zu teilen? Also das ist wie so oft mit Texten, irgendwann ist er dran. Das war jetzt nicht ein konkretes, wie soll ich das sagen, ein konkreter Anlass, sondern irgendwann habe ich einfach mal, und das ging relativ zügig, meine Gedanken zusammengefasst, wenn es darum ging, warum fasziniert dich dieser Verein, dieser Sport, dieses Fan-Sein, aber warum fasziniert dich auch jeder Ball, der irgendwo auf einer Wiese oder auf einem Fußballfeld rumliegt, warum kannst du nicht daran vorbeigehen? Und bei all dem, wo man ja, oder wo ich irgendwann als Erwachsener merke, ich bin da viel zu verkopft, war das halt wirklich so die Erfahrung, da bin ich anders. Und das mal zu beschreiben, hat mich einfach gereizt und dann war er irgendwann mal dran, dieser Text. Und dann waren diese Gedanken irgendwann mal so oben auf, dass ich versucht habe, sie auf ein Blatt Papier zu bringen, beziehungsweise in einen Computer reinzuschreiben. Damit haben wir auch schon ein bisschen die Frage, wie schreibst du eigentlich Texte mit drin? Danke dir dafür. Ja, wie oder anders gefragt, jetzt ist ja nicht jeder Fußballfan und vielleicht ist auch nicht jeder Fan von einem Ball oder hat ein Hobby mit einem Ball in jedwiger Größe oder Form und trotzdem bleibt eine Quintessenz in diesem Text. Was meinst du, was sollte die Hörerin oder die Leserin am Ende mitgenommen haben von deiner Geschichte? Was wünschst du dir, was da hängen bleibt auch? Ich fände es schön, wenn man ab und zu wahrnehmen würde, jetzt bin ich gerade noch mal Kind. Weil das für mich immer Erfahrungen sind, wo ich eine gewisse Leichtigkeit spüre, eine gewisse Unbefangenheit spüre und einfach aus dem Herzen heraus handele und nicht den Kopf noch einschalte, ob das jetzt gerade angesagt oder angebracht ist. Und ich finde, das ist das Schönste, was man jemandem wünschen kann, Also festzustellen, hier bin ich gerade noch mal mit aller Leichtigkeit, mit aller Freude Kind. Das ist ja passend zur Überschrift, die du dir da ausgesucht hast, wie schön es ist, Kind sein zu dürfen. Markus, dann vielen lieben Dank für das Teilen deiner Geschichte, deiner ersten Geschichte hier. Und ich hoffe sehr, dass noch viele weitere folgen werden. Kommen wir jetzt zum Ende dieser heutigen Folge. und auch du darfst neben dem Einchecken noch einmal auschecken mit unseren Checkout-Karten. Die mische ich jetzt auch einmal schön für dich und dann darfst du wieder eine ziehen. Herausgefordert hat mich heute, der Tag ist noch nicht so lang, die Herausforderung ist es immer morgens für mich pünktlich in Aachen zu sein, bei der Verkehrslage, wenn ich aus Mönchengladbach mich auf die Bahn setze. Das war für euch heute so die Herausforderung, wirklich zu diesem Termin hier pünktlich aufzulaufen und die Staus, die immer Richtung Aachen irgendwo auf einen warten, zu nehmen und mit einzuplanen. Vielen lieben Dank, dass du diese Herausforderung angenommen und gemeistert hast sogar. Dann wünsche ich dir für heute noch alles Gute und dann hören wir uns beim nächsten Mal. Mach's gut. Ja, vielen Dank. Music. Den Blog und die Geschichte zum Nachlesen findest du unter www.raumrauschen.de Folge uns auf Instagram unter Raumrauschen-ac Raumrauschen ist ein Angebot der Berufungspastoral im Bistum Aachen. Musik Robert Niegel Schnitt und Ton Jonas Hütten.