Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Frieden für die Ukraine: Trumps Pläne, Europas Probleme (mit Carlo Masala)
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- 0:00Eine europäische Truppe, die keine Sicherheitsgarantien der Amerikaner bekommt.
- 0:05Also wenn ich Putin wäre, würde ich klatschen.
- 0:07Eine rein europäische Truppe aus russischer Sicht hat keine Abschreckungswirkung.
- 0:13Die ersten 24 Stunden seit Trumps Amtsantritt sind schon etwas länger rum.
- 0:18Der Ukraine-Krieg dauert entgegen Trumps Ankündigungen trotzdem noch an,
- 0:21aber der US-Präsident scheint tatsächlich sehr entschlossen, den Krieg in der Ukraine möglichst schnell zu beenden.
- 0:27Wie genau das aussehen könnte, darum geht es in der heutigen Folge von POT und die Welt, dem außenpolitischen Update.
- 0:33Ich bin Martin Biragin und ich bin Katharina Peetz.
- 0:36US-Präsident Trump folgt im Prinzip "Flat the Zone", ein Dekret nach dem anderen,
- 0:42eine Hauruck-Ankündigung nach der nächsten ist dieser Tage aus dem Weißen Haus zu hören.
- 0:46Da ist die Übernahme des Gasa-Streifens durch die USA, das Aussetzen der US-Entwicklungshilfe
- 0:51oder auch die Besitzansprüche auf Kanada, den Panama-Kanal oder auch Grünland.
- 0:55Donald Trump will schnell Ergebnisse vorlegen, das ist Teil seiner Strategie und seine Anhänger warten auch drauf.
- 1:00Trumps Außenpolitik wird oft vor allem von innenpolitischen Motiven gesteuert
- 1:04und das gilt auch für seine Positionen zur Russlandsangriffskrieg in der Ukraine.
- 1:09Jetzt also soll bei der anstehenden Münchersicherheitskonferenz ein US-Plan für Frieden in der Ukraine skizziert werden.
- 1:15Auch der ukrainische Präsident Zelenski wird vor Ort sein.
- 1:18Wie so ein Plan aussehen könnte, wo die Ukraine drei Jahre nach dem Beginn der russischen Vollinvasion steht
- 1:23und wie eine neue deutsche Bundesregierung sich in Sachen Sicherheits- und Verteidigungspolitik in Europa positionieren sollte,
- 1:29das können wir mit unserem Gast besprechen.
- 1:31Er ist einer der renommiertesten Militärexperten Deutschlands und Professor für internationale Politik an der Bundeswehruniversität München.
- 1:37Herzlich Willkommen, Carlo Masala.
- 1:39Vielen herzlichen Dank für die Einladung, Herr Bieleck im Fropiz.
- 1:42Auf einen Friedensplan für die Ukraine.
- 1:48Auf dem liegen ja viele Hoffnungen.
- 1:50Wir haben gerade die Münchner Sicherheitskonferenz erwähnt.
- 1:53Gehen Sie davon aus, dass tatsächlich ein großer Durchbruch dazu erwarten ist?
- 1:57Nein, ich gehe nicht davon aus, dass ein großer Durchbruch dazu erwarten ist.
- 2:01Nach dem, was ich höre, wird es auch keinen Friedensplan geben, der dort präsentiert werden wird.
- 2:07Aber es wird natürlich nicht die erste, aber sozusagen eine Gelegenheit sein,
- 2:11in der man seitens der Europäer mit dem Sondergesandten für die Ukraine und Russland Kellogg
- 2:16und gleichzeitig auch möglicherweise mit dem amerikanischen Vizepräsident Vance
- 2:20reden kann über die Frage, was sich diese Trump-Administration eigentlich vorstellt
- 2:24und vielleicht danach ein klareres Bild hat,
- 2:28über das, was die Trump-Administration eigentlich in den nächsten Monaten unternehmen will,
- 2:33um, wie Trump es selber sagt, diesen Krieg zu beenden.
- 2:36Wie wahrscheinlich ist es denn, wenn man auf das Ende dieses Prozesses irgendwann schaut?
- 2:40Klar, da gibt es jetzt sehr viele hin und her und rauf und runter.
- 2:43Niemand weiß es so ganz genau, aber wenn man sich den Prozess mal so vorstellt,
- 2:46dass am Ende dieses Prozesses doch so was wie ein Diktatfrieden steht, für wie wahrscheinlich halten Sie das?
- 2:52Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, aber ich halte das jetzt nicht für unabdingbar.
- 2:56Ich glaube, was im engeren Umfeld von Trump sehr deutlich gesehen wird,
- 3:01ist, dass wenn man jetzt irgendetwas verhandelt, was am Schluss bedeuten wird,
- 3:05dass Russland all das bekommt, was es will, dass Trump dann als ein schwacher Präsident da steht.
- 3:10Das ist keine starke Verhandlung.
- 3:12Trump von seiner Psyche her, so wie ich das lese, will nie als jemand dastehen, der schwach ist,
- 3:17aber gleichzeitig sein Umfeld will nicht das Signal aussenden, vor allen Dingen an China,
- 3:22dass man es außenpolitisch mit einem schwachen Präsidenten zu tun hat,
- 3:25der vor autoritären Staaten, die einfach Säbeln rasseln, einknickt.
- 3:30Und deswegen glaube ich nicht, dass am Ende ein Diktatfrieden stehen wird.
- 3:34Gibt es denn, wenn wir auf die Perspektive der Ukraine schauen, oder gibt es sicherlich rote Linien,
- 3:40aber kann sie sich leisten, daran auch festzuhalten?
- 3:43Also es gibt sicherlich ein paar rote Linien und eine der roten Linien wäre,
- 3:47dass Russland all das Gebiet, was es jetzt besetzt, auch wirklich zugeschlagen bekommt.
- 3:53Ich glaube, das ist eine rote Linie.
- 3:55Ich glaube, in Verhandlungen am Ende müsste Russland auch einiges an Territorium zurückgeben
- 4:00oder zumindest seine Truppen aus diesem Territorium zurückziehen.
- 4:04Das glaube ich nicht, dass das gilt für den Donbass, ich glaube nicht, dass das gilt für die Krim.
- 4:08Aber wir haben ja zum Beispiel einen Oblast-Zapolischer noch immer,
- 4:11der ja nur zur Hälfte von den Russen kontrolliert wird,
- 4:14dass man da eine Lösung findet, dass russische Truppen dort nicht mehr vorhanden sind
- 4:18und aber eine Verwaltung irgendwie von beiden eingerichtet wird, also von beiden Seiten,
- 4:23oder dass Russland das verwalten darf, aber die Ukraine muss irgendwas bekommen.
- 4:27Sie kann nicht dastehen, am Ende des Tages, auch aus innenpolitischen Gründen vor allen Dingen nicht.
- 4:32Nach drei Jahren Krieg mit so vielen Toten, mit so vielen Schweresverwundeten,
- 4:35dass am Ende des Tages letzten Endes Russland all das bekommt, was es gegenwärtig besitzt
- 4:40und noch viel mehr im Sinne von keine Sicherheitsgarantien für die Ukraine,
- 4:44eine EU-Mitgliedschaft, die in weiter Ferne liegt,
- 4:47möglicherweise ein nur schwaches Militär für die Zukunft,
- 4:50all diese Dinge, die ja durchaus im russischen Interesse sind,
- 4:53das kann sich die Ukraine nicht leisten innenpolitisch.
- 4:57Vielleicht bleiben wir noch einen Moment bei Russland beim Kreml.
- 5:03Es läuft ja im Moment ganz gut militärisch,
- 5:06andererseits belasten die Sanktionen, die russische Wirtschaft sehr.
- 5:10Wie lesen Sie das? Wie geneigt ist Putin, den Krieg in der Ukraine überhaupt zu beenden?
- 5:14Ich glaube, es gibt momentan wenig Neigung seitens Russlands diesen Krieg zu beenden.
- 5:19Wenn man sich genau durchliest, was Putin so in den letzten Wochen,
- 5:22also seit Trumps Amtsantritt, verlauten lassen hat,
- 5:25ist ja, dass er sehr gerne bereit ist, mit Trump zu reden,
- 5:28aber irgendwie später bei die Ukraine ja nie eine Rolle,
- 5:30sondern er will über europäische Sicherheitsstrukturen reden,
- 5:33er will über globale Fragen reden,
- 5:35aber er thematisiert nirgendwo, dass er eigentlich über die Ukraine eigentlich auch reden sollte.
- 5:39Das erwähnt er gar nicht.
- 5:40Ich glaube, Russland ist nicht besonders geneigt, momentan diesen Krieg zu beenden.
- 5:44Russland wird, bis es möglicherweise zu irgendwelchen Verhandlungen kommt,
- 5:48halt versuchen, mehr und mehr Territorium zu erobern,
- 5:51vor allen Dingen im Donbass.
- 5:52Russland wird versuchen, Kurs zurückzuerobern,
- 5:54weil Kursk ist natürlich in diesem ganzen Ding für die Ukraine ein territoriales Faustwand.
- 5:59Also wenn sie Kursk halten, können sie halt sozusagen Kursk anbieten,
- 6:02im Tausch gegen ein anderes Territorium in der Ukraine,
- 6:05dass die Russen räumen müssen.
- 6:07Und das will Putin nicht zulassen wollen, also wird er hier auch nochmal versuchen, Kurs zurückzuerobern.
- 6:11Was den ökonomischen Druck anbelangt, ich bin kein Ökonom,
- 6:15aber es gibt eine Sache, ich glaube, da muss man sehr vorsichtig sein,
- 6:18ja, also ich folge den meisten Ökonomen, die ich lese in ihrer Analyse,
- 6:22dass die Sanktionen anfangen zu wirken.
- 6:24Allerdings hat uns Russland in den letzten drei Jahren immer wieder damit überrascht,
- 6:27dass es Wege gefunden hat, diese Auswirkungen der Sanktionen dann abzumildern.
- 6:31Und da bin ich ganz einfach sehr zurückhaltend zu sagen, die sind jetzt auf dem Weg,
- 6:35wo wenn man jetzt noch ein paar Schrauben dreht, sie auf jeden Fall aus ökonomischen Gründen,
- 6:39diesen Krieg nicht mehr weiterführen können oder nicht mehr weiterführen wollen.
- 6:42Da bin ich sehr zurückhaltend und vorsichtig, weil die letzten drei Jahren haben mir gezeigt,
- 6:45ganz oft haben sie Wege gefunden, den Druck dieser ökonomischen Sanktionen dann doch irgendwie abzumildern,
- 6:50um ihre Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten, aber gleichzeitig auch die Volkswirtschaft nicht komplett abschmieren zu lassen.
- 6:55Wenn wir beim Stichwirt Ökonomie sind und die Frage von Territorien,
- 7:02jetzt kam ja in den letzten Wochen nochmal diese Idee auf, die hat Dyselensky schon in seinem sogenannten Siegelsplan vorgestellt,
- 7:08dass die USA im Gegenzug für militärische Unterstützung von der Ukraine Rohstoffe und seltene Erden bekommen könnte.
- 7:15Jetzt ist es so, dass ein Großteil dieser Rohstoffe in russisch besetzten Gebieten liegt,
- 7:20könnte das auch einen Einfluss haben auf, wie auch immer man sich dann einigen könnte?
- 7:24Ja, das wird ja interessant. Ich meine, Trump hat dieses Angebot angenommen,
- 7:28der heute irgendwie verkündet, dass so der Deal ist, dass 500 Milliarden Dollar jetzt in Endes zurückgezahlt werden müssen,
- 7:34seitens der Ukraine, das bezieht sich ja auf diese Rohstoffe.
- 7:37Wenn die halt zu, wenn ich das richtig sehe, zu 80 Prozent dort liegen, wo Russland gerade Territorien besetzt hält,
- 7:43dann wird es möglicherweise darum gehen, die Russen auch von dort wegzubekommen,
- 7:47damit überhaupt diese Rohstoffe seitens der Ukraine gehoben werden können
- 7:51und den USA verkauft werden können bzw. den USA geschenkt werden können.
- 7:55Auch wenn jetzt in München auf der Sicherheitskonferenz kein Friedensplan seitens der Amerikaner vorgestellt werden wird,
- 8:05gibt es ein paar Eckpunkte, ein paar Duftmarken, die schon bekannt gebaut sind vorher,
- 8:10der Ukraine Sonderbeauftragte Kiew Kerlok hat gesagt, die Europäer müssten das ganz alleine schultern, was dann nachkommt.
- 8:17Wenn das tatsächlich so sein sollte, dass die Europäer maßgeblich für Sicherheitsgarantien
- 8:21oder welchen Schutz auch immer der Ukraine zuständig sein sollten,
- 8:25können sie das überhaupt? Ist Europa oder wie ist Europa darauf vorbereitet?
- 8:29Also das ist ja die große Frage, wo es ja auch unglaublich viele Illusionen in Europa gibt über das, was man da leisten kann.
- 8:36Zunächst einmal muss man ja sagen, wir haben es mit einer, ich glaube, 1.400 Kilometer langen Front zu tun,
- 8:41sondern wird es einem Waffenstillstand geben möglicherweise.
- 8:44Dann ist die Frage, gibt es demilitarisierte Zonen, was soll eine Truppe da machen?
- 8:48Also sei es eine rein europäische, sei es eine internationale, also wo zum Beispiel auch die Ideen gibt es ja auch,
- 8:53Inder und Chinesen dran beteiligt sind und so weiter, soll die nur um Verstöße melden
- 8:57oder soll die eine abschreckende Wirkung entfalten.
- 9:00Und dann gibt es weiterführende, feingranuliertere Überlegungen, die sagen,
- 9:03naja, so eine internationale Truppe könnte monitoring, da werden dann in Inder dabei, Chinesen dabei,
- 9:08Bangladesches, Pakistanis, also die, die in der Regel immer viel bei UNP Skipping Truppen Beteiligung stellen.
- 9:14Und dahinter gibt es eine europäische Truppe, die soll abschreckend wirken.
- 9:18So, jetzt muss man aber mal ganz klar sehen, wir reden immer 1.300 Kilometer langen Front
- 9:22und das stellt sich schon mal allein die Frage, wie viel Europäer sollen sie denn da überhaupt hin?
- 9:26Also diese Zahl, die man oftmals findet von 40.000, 50.000, die halte ich für unrealistisch,
- 9:32bei 1.300 Kilometer langer Front. Ich halte es für realistisch, dass man da mehr hinschicken muss.
- 9:36Und jetzt wissen wir ja, oder die Zuhörerinnen, die sich mit militärischen Fragen beschäftigen,
- 9:41wissen, wenn wir über 40.000 oder mehr reden, da müssen wir diese Zahl immer mal dreinnehmen.
- 9:45Da fehlt mir schon mal die Fantasie, woher die eigentlich kommen sollen.
- 9:48Dann müssen die ja auch, wenn die abschreckend wirken sollen, entsprechend ausgerüstet sein.
- 9:53Also das heißt, ich schicke da ja nicht nur Soldaten und Soldatinnen, ich sag mal mit gepanzerten Fahrzeugen
- 9:58und Maschinengewehren hin, sondern ich muss der Panzer hinschicken, ich muss Luftverteidigung hinschicken
- 10:03und noch vieles mehr. Wo soll das Gerät eigentlich herkommen?
- 10:06So, und selbst wenn man sich darauf einlässt, dann stellt sich doch wiederum die Frage,
- 10:10was bedeutet das eigentlich für die Hauptaufgabe europäischer Streitkräfte gerade, nämlich die Abschreckung
- 10:15an der Ostflanke der NATO? Die muss dann ausgedöhnt werden.
- 10:18Also im Prinzip würden wir abschreckend wirken in der Ukraine und gleichzeitig schaffen wir eine neue Gelegenheit irgendwo im Baltikum,
- 10:25weil wir die NATO Regional Plans gar nicht befüllen können, so wie wir sie befüllen müssten,
- 10:30weil da hat ein großer Teil der Leute und des Materials auch noch in der Ukraine steht.
- 10:34Jetzt kann man das Ganze weiterspinnen und das ist natürlich aus einer deutschen Perspektive das Interessante.
- 10:38Aber woher sollte so ein Mandat kommen, dass der Deutsche Bundestag dann auch beschließt,
- 10:42dass deutsche Soldaten und Soldatinnen in die Ukraine entsamt werden?
- 10:45Und da gibt es so ein paar Möglichkeiten. Ein UN-Sicherheitsmandat würde bedeuten,
- 10:50Russland und China müssen dem zustimmen. Das wird dann aber kein hartes abschreckendes Mandat.
- 10:55Also Russland wird definitiv, glaube ich, sich nicht darauf einlassen, diese Europäischen Truppe ein Mandat zu geben,
- 11:01dass es dieser Europäischen Truppe erlaubt, im Notfalle gegen russische Verbände vorzugehen,
- 11:06und zwar sehr robust, kann ich mir nicht vorstellen.
- 11:08OSZE ist genau das Gleiche. Die Russen sind da drin und die Ukraine haben keine guten Erfahrungen gemacht mit den
- 11:14Beobachtermissionen der OSZE in der Vergangenheit.
- 11:17So, dann kann sich die NATO selbst mandatieren. Das ist im Konzept von Washington 1999 so vorgesehen
- 11:23unter sehr, sehr komplizierten Bedingungen. Aber Russland wird nie im Leben eine europäische Truppe,
- 11:29die ein NATO-Mandat hat, in der Ukraine akzeptieren.
- 11:31Dann bleibt noch der klassische Artikel 42/7 der Europäischen Union, der, glaube ich,
- 11:37ein einziges Mal ausgelöst worden ist mit Blick auf Mali.
- 11:40Sehe ich nicht, dass das passiert, weil der sieht ja einen territorialen Angriff letztendlich auf
- 11:45Mitgliedstaat der Europäischen Union vor.
- 11:47So, und dann die klassische Einladung der Ukraine an andere Staaten dort Kräfte zu stationieren.
- 11:52Das wäre auch noch eine Möglichkeit, aber eine extrem schwache, bei der ich nicht sehe,
- 11:55dass der Deutsche Bundestag und die deutsche Bundesregierung da so super happy sind,
- 11:59das als Mandatsgrundlage zu nehmen.
- 12:01Und wenn sie mir jetzt noch erlauben, gehe ich noch einen Schritt weiter.
- 12:03Eine europäische Truppe, die keine Sicherheitsgarantien der Amerikaner bekommt.
- 12:08Also wo die Amerikaner zwar vielleicht nicht mit Boots on the Ground in der Ukraine vertreten sind,
- 12:12aber sagen, wenn diese europäische Truppe getestet wird, dann werden amerikanische Soldaten,
- 12:18die irgendwo anders in Europa sind, definitiv da reingehen und mithelfen, die zu verteidigen.
- 12:22Und es gibt so eine Art nukleares Schutzgarantie für diese Truppe vor Ort.
- 12:25Also wenn ich Putin wäre, würde ich klatschen.
- 12:27Eine rein europäische Truppe aus russischer Sicht hat keine Abschreckungswirkung.
- 12:32Also in diesem ganzen Zusammenhang gibt es so viele Fragen, die es zu klären gilt,
- 12:37aber die alle nicht im Prinzip darauf hinauslaufen zu sagen,
- 12:41ja, eine europäische Truppe wird da irgendwann mal stehen
- 12:44und sie wird auch eine wirklich abschreckende Wirkung auf russische Truppen haben können.
- 12:48Ich bin da extrem skeptisch.
- 12:50Ich sehe auch, gleichzeitig muss ich ganz ehrlich sagen,
- 12:52ich sehe auch keinen Appetit bei den großen europäischen Staaten,
- 12:54die dann definitiv dabei sein müssten, da in die Ukraine reinzugehen.
- 12:58Also weder bei den Polen, noch bei den Deutschen, noch bei den Italienern,
- 13:01bei den Franzosen eigentlich auch nicht.
- 13:03Also Macron redet immer viel, aber letzten Endes tut er ja wenig.
- 13:06Also bei diesen großen europäischen Staaten auch keinerlei Appetit
- 13:10mit so einer Truppe in die Ukraine reinzumarschieren
- 13:12und dort abschreckend auf die Russen zu wirken.
- 13:14Das heißt aber, wenn wir vielleicht noch kurz bei dem Thema
- 13:17europäische Verteidigungs- und Sicherheitspolitik bleiben,
- 13:20können da überhaupt maßgebliche Schritte in den nächsten Jahren noch gegangen werden,
- 13:24dass man da sich gemeinschaftlich stärker aufstellt?
- 13:27Der politische Wille ist da, ja, das muss man sagen.
- 13:30Aber das Problem bei Europa ist immer, da ist oftmals der politische Wille da
- 13:34und da ist die notwendigen Schritte unternommen, um das, ich sage jetzt mal,
- 13:37materiell zu unterfüttern.
- 13:39Und momentan sehe ich ja, dass Trump insofern auf Europa wirkt,
- 13:43als dass ich so eine Bilateralisierung eher der Sicherheitspolitik befürchte.
- 13:47Es wird die Staaten geben, die unter allen Umständen
- 13:50bereits extrem viel zu tun, um diesen amerikanischen Schutz
- 13:53weiterhin zu behalten.
- 13:55Das sind Staaten in Mittele und aus Europa, das sind die baltischen Staaten.
- 13:58Während andere Staaten da ihre Grenzen haben
- 14:01und eher die Parole, ich glaube, das ist ja jetzt im Wahlkampf die grüne Antwort,
- 14:05America First has Europe united, also da eher sozusagen im Rahmen
- 14:09der Europäischen Union vorangehen wollen.
- 14:11Europa zweiteilt sich so ein bisschen gerade in dieser Frage
- 14:14und das Schwächteuropa, das muss man ganz einfach sagen, das Schwächteuropa.
- 14:17Aber man muss ja auch ganz realistisch sagen, selbst die Staaten,
- 14:21die eigentlich mehr tun wollen im Rahmen der Europäischen Union,
- 14:25haben auch keine gute Idee, wie sie es machen können.
- 14:28Also vor allem bei der Frage, woher das Geld kommt,
- 14:30die Frage gemeinsame europäische Verschuldung ist umstritten.
- 14:33Deutschland ist dagegen, Italiener sind dafür, um Nummer 2 Staaten zu nehmen.
- 14:38So, diese Verschuldung ist umstritten.
- 14:40Ebenfalls ist umstritten die Frage, naja, wenn Europäer jetzt mehr beschaffen müssen,
- 14:45weil wir auf diesen amerikanischen Schutz nicht mehr so vertrauen können
- 14:48und möglicherweise es in den nächsten Jahren ein Rückzug amerikanischer Streitkräfte
- 14:52und Material aus Europa geben wird, dann ist man wiederum nicht einig über die Frage,
- 14:57naja, muss man jetzt die europäische Rüstungspolitik fördern?
- 15:00Oder macht man so eine Mischung aus europäisch und oftischelf amerikanisch?
- 15:05Franzosen sind ganz klar auf europäisch konzentriert, andere sind da eher pragmatischer.
- 15:10Also auch da gibt es keine Einigkeit.
- 15:12Und ich glaube, der große Punkt, der mich da umtreibt, ist, wenn dieses Europe United
- 15:16seitens den Vereinigten Staaten als sozusagen die konfrontative Antwort gesehen wird gegen die USA,
- 15:22die den amerikanischen Abzug aus Europa eher noch beschleunigt,
- 15:26dann reden wir nicht mehr über 3% oder 3,5% der Verteidigungsausgaben.
- 15:30Dann fangen wir an, über 5 oder mehr zu reden.
- 15:33Und dann fangen wir aber an, über einen Zeitraum von 10 Jahren zu reden,
- 15:36bis wir im Prinzip die Fähigkeiten, die die Vereinigten Staaten uns dann nicht mehr zur Verfügung stellen würden,
- 15:40bis wir die eigentlich alle haben.
- 15:42Das bedeutet zum einen, 10 Jahre weniger sicher zu können,
- 15:46sein und angesichts eines russischen Neo-Impräalismus, bei dem ja viele davon ausgehen, dass die
- 15:51Ukraine nicht der letzte Schritt ist, ist das eine brandgefährliche Situation und das zweite
- 15:55ganz ehrlich, mir fehlt auch die Fantasie, irgendeinen europäischen Staatsmann oder eine Staatsfrau
- 16:01zu sehen, die ihrer Bevölkerung 5, 6, 7% Verteidigungsausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt
- 16:08zumuten wird, weil das bedeutet, man muss in anderen Bereichen kürzen. Das enthält einen
- 16:13enormen sozialen Sprengstoff, den keiner glaube ich bereit ist, einzugehen. Also halte ich das
- 16:16für ein Fehler, zu stark auf Europe United zu setzen, im Prinzip als Gegenpol zu den Vereinigten Staaten.
- 16:23Sie haben den Wahlkampf erbehandt, der kocht richtig hoch gerade. Dieses Thema Ukraine ist ja eines
- 16:32der vielen außenpolitischen Themen, die den Wahlkampf relativ ungewöhnlich für einen deutschen
- 16:37Wahlkampf prägen. Parteien werben für sich mit dem Versprechen, diesen Krieg in der Ukraine bald
- 16:43zu beenden. Und nun wählen wir am 23. Februar den Bundestag. Ausgang ungewiss vor allem, welche
- 16:48Koalition eigentlich danach am Roder sein wird. Was würden Sie denn einer neuen Bundesregierung
- 16:53empfehlen mit Blick auf die Ukrainepolitik und was waren vielleicht in dem Zusammenhang auch
- 16:58die größten Versäumnisse bisher, die man jetzt ausräumen könnte? Also ich glaube die größte
- 17:03Empfehlung und damit thematisiere ich auch das größte Versäumnis, ist, dass wir nie eine Strategie
- 17:08hatten. Also wir haben für uns als Bundesrepublik Deutschland nie formuliert, was ist eigentlich
- 17:13das strategische Ziel unserer Ukraine-Unterstützung? Die Ukraine darf nicht verlieren und Russland
- 17:18darf nicht gewinnen, ist ja keine Strategie. Und wenn man eine Strategie hat, dann reichert man die
- 17:23mit den notwendigen Mitteln an, um das strategische Ziel zu erreichen. Also ich glaube zuvor das
- 17:28würde ich eine neuen Bundesregierung ins Lastenheft schreiben, eine klare Strategie, was man eigentlich
- 17:34in der Ukraine erreichen will. Der zweite Punkt muss sein, dass eine Bereitschaft, wir sehen ja
- 17:39jetzt gerade sozusagen auch bei der Trump-Administration eine interessante Wolke, die ja durchaus bereit ist,
- 17:43die Ukraine weiterhin militärisch zu unterstützen, die aber dafür kein Geld ausgeben will. Also
- 17:47sagt Trump den Europäern, ihr kauft jetzt entweder das, was wir auf Lager haben oder sozusagen ihr
- 17:52kauft amerikanisch, was dann bei der Rüstungsindustrie produziert wird und das schicken wir dann in
- 17:56die Ukraine. Also letzten Endes geht es darum, es muss in einer neuen Bundesregierung, das kann
- 18:01natürlich nur europäisch erfolgen, aber wenn Deutschland sich dafür entscheidet, hat das
- 18:04natürlich Gewicht. Es muss die Bereitschaft sein, das, was die Amerikaner nicht mehr an Geld
- 18:09aufwenden für Waffenlieferung, das zu kompensieren. Und da bin ich sehr pragmatisch, ob diese Waffen
- 18:15jetzt aus den Beständen der US Army kommen oder der Air Force und wir die bezahlen oder nicht ist
- 18:19mir egal. Aber die Bereitschaft muss da sein, diese Lücke, die die Amerikaner hinterlassen
- 18:23werden zu kompensieren. Das ist der zweite Punkt mit Blick. Also wir müssen letzten Endes, würde ich
- 18:28sagen, der Ukraine weiterhin dabei helfen, die Front zu stabilisieren, weiterhin dabei helfen,
- 18:33in mögliche Verhandlungen in einer möglichst starken Position reinzugehen und nicht als der
- 18:37Schwache, der gerade dabei ist, überrollt zu werden. Das glaube ich sind die wichtigen Sachen mit Blick
- 18:41auf die Ukraine. Ich würde mir dennoch erlauben, Herr Bielecki angesetzt ihres Kommentars, ich finde
- 18:45diesen Wahlkampf erschreckend provinziell. Also ja, wir hatten jetzt, wir sprechen ja am Dienstag und am
- 18:51Sonntag war die erste Kanzlerdebatte und das spielte Außenpolitik an Thema, anders als 2021 im
- 18:58Bundestagswahlkampf. Aber wenn man sich die Reden von Friedrich Merz oder Olaf Scholz oder auch
- 19:03Christian Lindner oder Robert Habeck, das ist ja egal, wie sie jetzt alle heißen anhört, das spielt
- 19:07eigentlich diese ganze tektonische Verschiebung, der wir gerade im internationalen Umfeld ausgesetzt
- 19:12sind, eine marginale Rolle. Ich glaube, Merz ist der einzige, der eine außenpolitische Grundsatzrede
- 19:17gehalten hat bei der Körberstiftung. Aber es ist dann halt auch nur eine Rede und ich finde, wer sind
- 19:22solche Herausforderungen ausgesetzt in den nächsten Jahren mit Blick auf ein aggressiver
- 19:26werdendes China, mit Blick auf sozusagen ein neorimperiales Russland, mit Blick auf einen
- 19:30amerikanischen Präsidenten, von dem wir nicht wissen, ob er am Ende dieser vier Jahre erfolgreich
- 19:36sämtliche Pfeiler der liberalen Weltordnung auch noch selber abgehackt hat. Und dafür reden wir
- 19:42hier in Deutschland über Krankenversicherung, Rente und die Frage sozusagen irgendwie Körperschaftssteuer,
- 19:48etc. Pp. Ich sage immer so, als ob wir 1987 oder 2013 hätten, wo das die Drängens und Probleme sind,
- 19:55die sich der deutschen Gesellschaft und dem deutschen Staat stellen.
- 19:58Ich frage mich so ein bisschen, ist es auch was, wissen wir ja, dass im Wahlkampf eben die Themen
- 20:02bespielt werden, wo man irgendwie auch die Hoffnung hat, dass man da eben Stimmen mitbekommt. Also
- 20:07zeigt es vielleicht auch, dass eben diese vielzitierte Zeitenwende in der Bevölkerung eigentlich
- 20:12nicht so angekommen ist?
- 20:13Ich würde hier weitergehen. Ich würde sagen, wir haben es ja auch nicht in der Politik richtig
- 20:16gehabt. Meines Erachtens hat die richtige Zeitenwende ja noch gar nicht stattgefunden. Was wir hatten
- 20:21war Geld für die Bundeswehr, völlig richtig, eine Bekenntnis zu dieser Natoquote und seitdem
- 20:26sozusagen diskutieren wir, schafft die Bundeswehr das richtige Gerät an oder nicht und wie steht
- 20:30es um die Personalprobleme der Bundeswehr? Alles richtig, alles gut. Aber Zeitenwende würde
- 20:34ja bedeuten aus meiner Perspektive, wir müssen uns mal fragen, ob die Art und Weise, wie wir
- 20:39aus der Sicherheit zum Verteidigungspolitik in den letzten Jahrzehnten betrieben haben,
- 20:42und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell. Ob das eigentlich eine umfassende
- 20:46Überprüfung bedarf? Da sind wir ja nicht besonders weit gekommen. Wir sind ja nur nicht
- 20:49mal in der Russlandpolitik weit gekommen. Also wir sind zwar weg vom russischen Gas, aber
- 20:54der Druck innerhalb der SPD und teilweise auch bei der CDU, doch wieder zum russischen
- 20:58Gas zurückzukehren, ist ja doch nicht unerheblich, muss man ja auch mal sagen.
- 21:02Zeitenwende würde bedeuten, wir müssen eine resiliente Gesellschaft herstellen. Und zwar
- 21:06aus Zweierlei Gründen glaube ich, das eine ist, wir reden viel über die Bundeswehr und
- 21:09wir reden viel über einen möglichen Bündnisverteidigungsfall. Aber wenn die deutsche Gesellschaft
- 21:14nicht bereit ist, die Kosten, die ein solcher Bündnisverteidigungsfall nach sich ziehen
- 21:18würde, und da rede ich nicht nur von den humanen Kosten, also gefallene, schweres Verwundete,
- 21:24sondern es wird politische Kosten haben, das wird ökonomische Kosten haben. Wenn die
- 21:27Gesellschaft nicht bereit ist, die zu tragen, wird die Bundeswehr ihren Auftrag auch nicht
- 21:30erfüllen können. Weil die kann ja jetzt nur erfüllen, wenn die Gesellschaft mehrheitlich
- 21:33hinter hier steht. Und resilient zu sein heißt auch, das wissen wir alle, wir sind seit fast
- 21:39einer Dekade, aber jetzt natürlich intensiviert, einer hybriden Kriegsführung ausgesetzt,
- 21:44die am Ende des Tages ja das Vertrauen großer Teile der deutschen Bevölkerung in die Funktionsfähigkeit
- 21:49dieses demokratischen Verfassungsstaates unterminieren soll. Und ich überspitze es jetzt mal, da sind
- 21:53die Russen nicht so unerfolgreich gewesen. Also ich habe drei ausdurcher Landtagswahlen,
- 21:58wo pro Putin Parteien über 50% erreichen. Jetzt sitzen wir hier vor der Bundestagswahl,
- 22:02wissen nicht, wie die ausgeht. Aber wenn ich jetzt nur mal die Umfragen nehme, dann zeigen
- 22:07alle, egal welche Meinungsforschungsinstitute, dass so an die 25% der deutschen Proputin-Parteien
- 22:13wählen in der nächsten Bundestagswahl. Momentan sieht es so aus, ob eine davon nicht reinkommt,
- 22:17aber es sind trotzdem 25% der Stimmen. Und da zeigt es sozusagen, wir sind nicht resilient
- 22:21in dieser Gesellschaft. Und die Politik hat sich zu wenig darum gekümmert, die Gesellschaft
- 22:25resilient zu machen, das Bewusstsein zu wecken, dass wir hier in einer, naja, der Präsident
- 22:31des BND ist, hat mal gesagt, hybride Kriegsführung hält dafür einen Quatschbegriff, weil wir
- 22:34sind schon längst im Krieg. Das würde ich nicht so weit gehen, aber das sozusagen, wir
- 22:38ja nicht nur im Äußeren einer Bedrohung ausgesetzt sind, sondern sehr massiv im Inneren.
- 22:42Wir fragen uns ja in diesem Podcast immer auch, was denn Außenpolitik, Sicherheitspolitik
- 22:51eigentlich mit unser aller Leben zu tun hat. Das ist, glaube ich, mit Ihnen damals relativ
- 22:55klar geworden. Sie werben ja auch seit vielen, vielen Jahren schon dafür, das ein bisschen
- 22:58deutlicher zu sehen. Meine Frage ist Stichwort "resilente Gesellschaft". Woran scheitert
- 23:03es denn, dass die Politik das sich nicht traut, eine Gesellschaft klarzumachen, Deutschland
- 23:07klarzumachen? Ist das wirklich nur Mangel der Mut? Ist es Berechnung, wenn das doch so
- 23:11offensichtlich ist, was dafür alles passieren müsste? Stichwort zum Beispiel "Werpflicht".
- 23:15Also ich glaube, man traut sich das nicht zu thematisieren, weil man der Bevölkerung
- 23:21nichts zumuten will. Und damit meine ich jetzt gar nicht ein Angst zu erzeugen. Ich glaube,
- 23:25man kann dieses Thema ansprechen, ohne Panik und Angst zu erzeugen. Aber Resilienz und
- 23:30die Schaffung einer resilienten Gesellschaft ist insofern eine Zumutung, weil sie das Individuum
- 23:35braucht und die Anstrengung des Individuums. Und eigentlich würde ich mal sagen, ehrlich
- 23:41gesprochen, verfährt doch Politik noch immer so, wie Politik immer Verfahren ist, dem
- 23:45Bürger und der Bürgerin zu sagen, macht euch keine Sorgen, wir regeln das. Das ist
- 23:49der beste Modus. Der funktioniert halt nur nicht mehr. Jetzt müsste man sagen, wir regeln
- 23:54das, aber wir brauchen euch. Ihr müsst auch was dafür tun, damit wir das schaffen. Und
- 23:58ich glaube, das will man den Bürgern nicht zubuten. Jetzt sind wir wieder beim Wahlkampf.
- 24:02Also im Wahlkampf ist es doch genauso. Keiner stellt sich hin und sagt, wir müssen mehr
- 24:06Anstrengungen unternehmen in den nächsten Jahren. Und nicht nur aus Politik, sondern auch ihr
- 24:10als Bürger. Oder ihr müsst vielleicht sogar auf Kleinigkeiten verzichten, damit es in
- 24:14fünf Jahren wieder besser wird. Das macht ja keine. Sondern es wird immer so gesagt,
- 24:17wir haben da Vorschläge, macht euch keine Sorgen, wenn wir in die Macht kommen, dann
- 24:20regeln wir das schon. Und dieser Modus funktioniert nicht mehr, aber Politik funktioniert noch
- 24:24nach diesem Modus. Wäre denn der Wiedereinführung der Werpflicht so etwas wie eine Modusänderung
- 24:29oder zumindest eine ernsthafte Diskussion darüber? Also ich glaube, dass die Wiedereinführung
- 24:33der Werpflicht so wie sie mal existierte kein realistisches Modell ist. Weil sie kostet
- 24:39so viel, wir brauchen zu lange, um die Strukturen aufzubauen. Das ist kein realistisches Modell.
- 24:44Ich glaube, aber wir kommen nicht umhin, diese Debatte über ein neues Modell der Werpflicht
- 24:49in der nächsten Koalition zu führen. Die hat ja Pistorius eigentlich schon geführt,
- 24:52nur Olaf Scholz hat sie ihm zerschossen, der halt vor den Wahlen, jetzt kommt es wieder,
- 24:57niemanden etwas zumuten wollte. Man will halt nicht die Stimmen der, ich sag jetzt mal,
- 25:0118 bis 25-Jährigen riskieren, wenn man plötzlich die Partei ist, die so ein schwedisches Modell
- 25:05der Werpflicht eingeführt hat, wo alle zwangsgemustert werden und einige werden dann gezogen. Aber
- 25:10wir kommen um diese Frage nicht herum. Jetzt kommt aber der Punkt zur resilienten Gesellschaft.
- 25:14Das wird uns nicht dabei helfen, resilient zu werden. Das wird natürlich den Fundus
- 25:18von Leuten vergrößern, die sozusagen schießen können. Das ist durchaus sinnvoll, wenn sozusagen
- 25:24das Worstcase-Szenario eintritt. Aber wenn ich sage, wir müssen eine resiliente Gesellschaft
- 25:27schaffen, dann ist das vor allen Dingen die Frage, dass wir den Leuten in Erinnerung bringen müssen,
- 25:32dass dieser demokratische Staatsform verteidigt werden muss. Dass Demokratie halt nicht umsonst
- 25:37zu haben ist. Und wir sind nun mal Opfer, ich sag jetzt mal, des Erfolgs der Bundesrepublik Deutschland.
- 25:42Also weil wir, wenn wir jetzt nur die Westdeutschen nehmen, die Ostdeutschen kommen dann halt nach
- 25:471990 dazu. Aber für die Westdeutschen gilt doch, wir sind jetzt mittlerweile die zweieinhalbte
- 25:51Generation, die doch nichts anderes kennt, dass einigermaßen Stabilität, Sicherheit und auf
- 25:56die lange Perspektive ein immer wachsenden wirtschaftlichen Wohlstand. Und wir glauben,
- 26:00das geht immer so weiter. Und wir nehmen diese demokratische Staatsform einfach als gegeben an.
- 26:04Ist sie nicht, wissen wir alle. Wir werden attackiert, Demokratien können auch sterben. Sie sterben
- 26:10anders als Autokratien, die implodieren meistens irgendwie in relativ kurzer Zeit Demokratien,
- 26:15sozusagen sterben ganz langsam. Und wenn wir das Bewusstsein nicht wecken, dass diese demokratische
- 26:19Staatsform es wert ist verteidigt zu werden und verteidigt werden muss und zwar nicht nur mit der
- 26:24Waffe an der Hand irgendwo in der Ostfront, sondern ich sage mal im Minimalfall, wir alle im Gespräch
- 26:29mit denjenigen, die daran zweifeln, dass die demokratische Staatsform eigentlich noch eine
- 26:34angemessene Staatsform sozusagen für die Zukunft ist, dann werden wir auch keine Resilienz oder
- 26:39Wehrhaftigkeit hinbekommen. Dann ist die Wehrpflicht ist dann nur ein Ausdruck dieser Bereitschaft,
- 26:43das zu verteidigen. Aber einfach nur zu sagen, wir brauchen mehr Soldaten und deswegen machen
- 26:47wir jetzt mal die Wehrpflicht. Dann kriegen wir Wehrpflichtige, die das machen, weil sie
- 26:50gezwungen werden. Aber letzten Endes, die es nicht leben, weil ihnen nicht klar ist, was sie da machen.
- 26:54Also finde ich sozusagen diese Diskussion müssen wir führen. Und wenn dieses Bewusstsein da ist,
- 26:58dann werden sich auch mehr Leute dafür entscheiden, glaube ich, entweder zur Bundeswehr zu gehen oder
- 27:03zu den Blauhilfsorganisationen, die Institutionen, die wichtig sind, aber die halt alle an Personalmangel
- 27:08leiden. Vielleicht können wir zum Schluss nochmal zurückkommen auf die Münchner Sicherheitskonferenz,
- 27:13die jetzt dann bevorsteht. Es ist so ein bisschen so eine Bubbleveranstaltung und Sie haben das
- 27:17jetzt gerade so beschrieben, dass natürlich Demokratie zu verteidigen nicht eine Sache ist,
- 27:22die nur Militärexperten oder Militärpersonal tun muss. Also wie ist Ihre Erwartung? Wird das
- 27:28weiterhin ein Thema in der Bubble bleiben oder kann so eine Konferenz, die hat man eben auch schon
- 27:33seit einigen Jahren stattfindet und trotzdem in der Breite der Gesellschaft nicht so viel
- 27:37abgebildet wird, kann die die Debatte vielleicht auch das Bewusstsein verändern? Nein, die Konferenz
- 27:42kann die Debatte und das Bewusstsein nicht verändern, aber die Konferenz ist eine Möglichkeit für einen
- 27:45deutschen Bundeskanzler zum Beispiel, der der Rede da mal einen Schwerpunkt drauf zu legen. Das sind
- 27:49ja die Reden, die dann im Fernsehen laufen, wo es ein Follow-up im deutschen Bundesstaat gibt und
- 27:54wo man dann dafür sorgen muss, dass sozusagen so ein Trickle-Down-Effekt stattfindet in die Länder,
- 27:59in die Kommunen etc. Ich glaube, dieses ganze Punkt von Resilienz hängt entscheidend vom
- 28:03politischer Führung ab, weil die meisten Menschen richtigerweise interessieren sich nicht für
- 28:08Außensicherheit, für Verteidigungspolitik, es betrifft ihr tagtägliches Leben nicht. Wenn ich so
- 28:12was will, dann muss ich politische Führung übernehmen und dann reicht es meines Erachtens nicht aus,
- 28:16wenn das ein Verteidigungsminister versucht zu machen. Da muss ein Bundeskanzler ran, da muss
- 28:21eine Innenministerin ran, die müssen das thematisieren und dann haben wir den Beginn einer
- 28:26gesellschaftlichen Debatte, aber wenn es keine politische Führung gibt, werden wir auf ewig nicht
- 28:30resilient werden, weil es kommt nicht von unten hoch. Da sitzt keiner im Allgäu und sagt,
- 28:35jetzt muss ich aber mal meine Sachen einbogen, kann es mit Kocher machen oder vielleicht dafür
- 28:41sorgen, dass ich zum THW gehe oder so was. Das passiert doch nicht. Du bist nur in Ausnahme
- 28:45für Englöbchen. In Ausnahme für Englöbchen, das ist richtig, schuldigung. Wir haben mit
- 28:48Karl-Marzala gesprochen, Professor für Internationale Politik an der Bundeswehr-Universität München
- 28:53zum Start der Münchersicherheitskonferenz. Vielen Dank für Ihre Einschätzung und
- 28:57Anordnungen. Ich danke nochmals für die Einladung. Puh, da war ja wieder viel drin in dieser
- 29:06Folge von POTS und die Welt. Katarina, was ist dir dann besonders in Erinnerung geblieben?
- 29:11Also ich nehme noch mal viele offene Fragen mit. Ich fand ganz interessant diese Analyse,
- 29:18dass eigentlich ein Mandat für eine europäische Truppe überhaupt nicht greifbar ist, weil
- 29:23es gar nicht klar ist, wer so eins überhaupt ausgeben könnte. Auch diese Tendenz in der
- 29:27europäischen Verteidigungspolitik hin zu mehr Bilateralisierung. Dass wir in Deutschland
- 29:32eben dieses große Versäumnis haben, nie so eine richtige Strategie in Sachen Ukraine
- 29:35gehabt zu haben. Und ich finde noch mal interessant, weil wir es schon häufiger jetzt im Podcast
- 29:39hatten, dass so der Politikstil aller "Wir kümmern uns drum", dass das einfach nicht mehr zeitgemäß
- 29:44ist und natürlich sehr schön auf den Punkt gebracht nochmal dieser Satz "Demokratie
- 29:48ist nicht umsonst zu haben". Der, finde ich, ist wirklich, ja, wirkt noch nach. Martin,
- 29:53wie ging es dir? Da wort ganz vieles nach, Katarina, finde ich. Einmal bin ich ganz
- 29:57bei dir die vielen Fakten, die Carla Masala genannt hat, diese weit über 1000 Kilometer
- 30:03lange Grenze, wie viele Soldatinnen und Soldaten bräuchte man eigentlich, um die zu sichern,
- 30:07welches Mandat woher etc. Dann aber vor allem seinen Hinweis auf diesen sehr, sehr provincialen
- 30:12Wahlkampf. Also dass diese Themen die Welt brennt, ob man damals überhaupt nicht über
- 30:16den Sudan gesprochen, über Mali, über Korea, über den Abbau der Demokratie in Amerika
- 30:21etc. Und dass das alles in Deutschland keine wirkliche Rolle spielt, diese Zumotungslosigkeit,
- 30:27dass wir machen das für euch, wir kriegen das irgendwie hin und eben nichts umzuschalten
- 30:32und zu sagen, da muss sich auch Politik einfach fundamental ändern. Das finde ich sehr beunruhigend.
- 30:37Das ist tatsächlich ein bisschen mehr als das etwas nachschwingen würde jetzt, aber ja,
- 30:42dafür sind wir auch da drauf, die Dinge hinzuweisen, die eben ein bisschen länger und dunkler nachklingen,
- 30:47vielleicht.
- 30:51Das nächste außenpolitische Update von uns, bekommen Sie in zwei Wochen. Deutschland wird
- 30:55dann gewählt haben, wir wollen darauf schauen, was das neu zusammengesetzte Parlament,
- 31:00einschließlich eben der Regierungsbank, in Sachen Außenpolitik so alles bewegen sollte
- 31:04bzw. bewegen wird. Genau und wenn wir schon in Richtung Foto 2 unterwegs sind, in zwei
- 31:10Wochen wird auch die neue IP erschienen sein, die Zeitschrift International der Politik.
- 31:14Sie widmet sich der Frage, was erwartet eigentlich die Welt von Deutschland nach der Wahl? Sie
- 31:18können sie am Kiosk kaufen oder sehr gerne auf Ihren Pappen beziehen. Wir hören uns
- 31:22wenn Sie mögen gerne wieder bei Port und die Welt. Ich bin Katharina Peetz und ich bin
- 31:27Martin Gellekke auf Wiederhören.
- 31:30[MUSIK]