Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Frieden für die Ukraine? „Selenskyj lässt sich nicht erpressen“
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- 0:06Es ist Donnerstag, der 22. Oktober. Herzlich willkommen zum Stern-Podcast Die
- 0:12Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think
- 0:17Tank European Policy Center.
- 0:20Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gattmann.
- 0:22Mein Name ist Moritz Gattmann. Ich bin Auslandsreporter für den Stern mit Schwerpunkt Osteuropa.
- 0:28Herr Mölling, vor ein paar Tagen habe ich für den Stern Jeremy Shapiro interviewt.
- 0:33Unter Hillary Clinton war der einst im Planungsstab des US-Außenministeriums
- 0:37und heute ist er Forschungsdirektor beim European Council on Foreign Relations.
- 0:42Und er sagte zu mir diesen Satz, Kriege neigen dazu, überraschend zu enden.
- 0:47Oder anders gesagt, wir erwarten nie, dass sie jemals enden werden,
- 0:51bis etwa zehn Minuten vor dem Ende. Zitat Ende.
- 0:55An diesen Satz muss ich dieser Tage denken, denn US-Emissär Steve Witkow hat
- 1:00sich am Dienstag mit Zelensky und einigen europäischen Staatschefs getroffen,
- 1:04ist dann am Mittwoch zu Putin weitergeflogen.
- 1:07Jetzt soll es schon im November die ersten direkten Gespräche zwischen Russland
- 1:11und der Ukraine seit Februar geben.
- 1:13Ist da möglicherweise ein Waffenstillstand in der Mache oder ist das wieder
- 1:17nur heiße Luft, Herr Mölling?
- 1:20Also ich grübele noch darüber nach, ob das empirisch wirklich haltbar ist,
- 1:24was der Kollege da gesagt hat. Also ich glaube weder, dass der Vietnamkrieg
- 1:28noch der Zweite Weltkrieg innerhalb quasi überraschend zu Ende ging.
- 1:33Also Abnutzungskriege, glaube ich, gehen nicht überraschend zu Ende.
- 1:37Aber ich finde es nett, dass man immer wieder noch Möglichkeiten zur Hoffnung findet.
- 1:42Wir waren an all diesen Punkten, glaube ich, in den letzten zwei oder drei Jahren
- 1:48immer mal wieder, dass es Berichte über mögliche direkte Gespräche gegeben hat.
- 1:56Was sich verändert hat, ich glaube, so rum würde ich anfangen,
- 1:59ist, dass die Russen zurzeit offensichtlich einen großen Einfluss auf die Amerikaner haben.
- 2:06Gleichzeitig aber die Ukrainer sich stärker von den Amerikanern lossagen.
- 2:11Und der Einfluss der Amerikaner auf die Ukrainer auch langsam schwindet.
- 2:17Ich glaube, dass man in diesen Tagen sehr gut sehen kann, dass es unterschiedliche
- 2:21Kräfteverhältnisse gerade in Washington gibt.
- 2:25Und wir haben auf der einen Seite, also es tut mir total leid,
- 2:28aber wenn ich an Whitcoff und Kushner denke, dann denke ich immer an Pat und Patachon.
- 2:33Ich weiß nicht, ob einige mögen das noch kennen. Das ist ein unheimlich langer,
- 2:37hagerer Typ und so ein etwas gedrungener, dicker Typ.
- 2:42Also früher nannten Sie auch dick und doof? Nee, Pat und Patachon sind noch
- 2:47was anderes. Aber genau, dick und doof, sie haben sozusagen das klassische Sketch-Potenzial.
- 2:54Und so traurig die Situation ist, so sketchy ist es auch, wenn die beiden auftreten.
- 3:01Sie sind Teil der Trumpschen Familie, das muss man einfach so sehen.
- 3:05Und diese Trumpsche Familie versucht gerade auf Biegen und Brechen Deals mit
- 3:10den Russen durchzubringen.
- 3:12Und wir haben in Washington, glaube ich, einige Kräfte, die dagegen halten.
- 3:17Das sind zum Teil Mitglieder der Republikanischen Partei, also Senatoren,
- 3:25Wir haben einige Leute im System, Leute wie Rubio, auch der Geheimdienstchef.
- 3:31Das Interessante ist, dass in diesem Gesamtkonstrukt von Macht keiner übermächtig
- 3:36ist. Auch Trump ist das nicht.
- 3:38Also auch wenn Trump sich über seine, wenn er Regierungschef ist und damit Rubio,
- 3:43sagen kann, was er machen soll, kann er sich nicht über die republikanischen
- 3:46Senatoren hinaussetzen.
- 3:48Und so, ich glaube, ein Teil dessen sehen wir gerade nach außen hingekehrt.
- 3:53Nämlich das, wo Whitcoff und Kushner versuchen, Deals gerade zu machen im Auftrag der Familie.
- 4:00Die anderen Sachen, die sehen wir nicht, die sollen wir vielleicht auch gar nicht sehen.
- 4:05Und natürlich treten diese Leute in die Öffentlichkeit und machen Versprechungen
- 4:07darüber, was passieren könnte.
- 4:10Und ich glaube, wir beobachten, dass gerade das Schlimmste dabei ist,
- 4:14dass es teilweise ruchlos ist.
- 4:16Ja, also dass hier im Grunde genommen jetzt gerade in Abrede gestellt wird,
- 4:19dass Lieferungen für Flugabwehrraketen, die schon bezahlt worden sind,
- 4:24offensichtlich zurückgehalten werden als Erpressungspotenzial.
- 4:29Das ist a. ruchlos und b.
- 4:32Die Frage ist, ob sie auf so einem Boden tatsächlich das Ende eines Konfliktes
- 4:39herbeiführen können. Also auf einer großen, ja nicht nur Lüge,
- 4:42sondern auf einem großen Betrug.
- 4:45Sie haben gerade gesagt, dass die Ukraine immer unabhängiger von den USA wird,
- 4:51aber haben nicht gerade die letzten Wochen gezeigt, dass sie bei,
- 4:55wichtigen Themen, und das eine ist Starshield, das andere sind die,
- 5:01Geheimdienstinformationen der USA über anfliegende Raketen, dass die Ukraine
- 5:08bei diesen Schlüsselfragen eben doch massiv abhängig ist von den USA weiterhin
- 5:13und deswegen erpressbar.
- 5:16Ja, sie ist abhängig und deswegen auch erpressbar. Aber offensichtlich sagt
- 5:23sie, wir lassen uns nicht mehr über alles erpressen. Es ist ja nicht so, dass...
- 5:28Also Selenskyj sollte erpresst werden. Der Deal war, ihr kriegt die Informationen
- 5:32wieder, wenn ihr aufhört, die Ölinfrastruktur der Russen zu beschießen.
- 5:38Und Selenskyj hat gesagt, nee, mach ich nicht.
- 5:41Und auf einmal funktioniert das Starshield wieder.
- 5:45Und damit waren nicht die Angriffe auf die Ölinfrastruktur, sondern die auf
- 5:49andere Dinge auf einmal wieder möglich. Denn die Ölinfrastruktur,
- 5:52für die Angriffe darauf, braucht man die Star-Shield-Infrastruktur gar nicht.
- 5:58Das heißt, da hat man sich bewusst nicht erpressen lassen.
- 6:03Das liegt auch sicherlich daran, dass man zurzeit, kurz vor den Zwischenwahlen
- 6:08in den USA, die Ukraine merkt, dass sie eine starke Unterstützung hat.
- 6:12Dass es Gesetzgebungsverfahren gibt, die die Trump-Regierung jetzt mit der Brechstange
- 6:17angehalten hat, die eigentlich die Politik der derzeitigen Regierung gegen Russland
- 6:25eigentlich sanktioniert und verbietet.
- 6:27Also das ist zurzeit ein absolut krasses, wie soll man sagen.
- 6:32Also ich würde schon sagen, über denen dessen, was die amerikanische Regierung
- 6:35unter Trump machen kann, weil sie sich nicht nur gegen ein Parlament stellt,
- 6:38sondern gegen die republikanischen Senatoren, die gewählt sind.
- 6:42Und das alles vermutlich aufgrund dessen, dass Trump ein wahrscheinlich dramatisch
- 6:49schlechtes Ergebnis bei den Midterms einfahren wird.
- 6:55Dieser hektische Aktivismus mit Kushner und Whitcoff gebracht hat,
- 7:00ist, dass der Auslöser der vielen Probleme, die die Amerikaner jetzt gerade
- 7:04treffen, also insbesondere die Preisanstiege beim Diesel,
- 7:09nämlich der Iran-Konflikt, den die Amerikaner vom Zorn getreten haben,
- 7:13der findet gerade nicht mehr statt.
- 7:14Das ist der einzige Erfolg, dass diese direkte Kausalität zwischen Trump hat
- 7:19den strategisch größten Fehler seit Jahrzehnten gemacht, der USA.
- 7:23Und deswegen leiden die Amerikaner da drunter, der ist gerade weggenommen worden.
- 7:28Soll man schiebt es den Ukrainern gerade in die Schuhe.
- 7:30Also kurzum, Sie sind sehr skeptisch, was mögliche Verhandlungen angeht und,
- 7:37sogar einen möglichen Waffenstillstand.
- 7:39Naja, also ich gehe nochmal zurück zu Pat und Patachon. Ich meine,
- 7:43die beiden Jungs sind, ich weiß nicht wie oft, schon in Moskau gewesen.
- 7:48Haben große Erzählungen, also was sie da gemacht haben, weiß ich nicht.
- 7:51Aber sie sind zurückgekommen und haben gesagt, also dieses Mal sind wir quasi
- 7:54kurz davor, ich übertreibe.
- 7:57Und das Ergebnis ist immer das Gleiche. Sie sind so eingeseift worden,
- 8:02also es ist schon nicht mehr im Honig um den Mundspiel, sondern es ist wirklich
- 8:04einseifen und rasiert worden und kommen raus und sagen, wir haben die Russen
- 8:08quasi im Sack, wir haben sie überzeugt.
- 8:11Machen wir einen kleinen Themenschwenk, und zwar Richtung Frankreich.
- 8:16Da ist es in vielen Städten in der Folge von Schülerprotesten zu heftigen Krawallen
- 8:21gekommen. Viele haben diese Bilder gesehen, wie da Geschäfte geplündert wurden.
- 8:27Und wenn man sich so durch die sozialen Netzwerke scrollt, dann stößt man da
- 8:31immer wieder auf die Behauptung, da stecken die Russen dahinter.
- 8:35Es gibt da unterschiedliche Variationen. Einmal heißt es, diese Krawalle seien
- 8:39tatsächlich von Russland orchestriert über sogenannte Agent-Provokateur.
- 8:44Oder woanders heißt es, russische Bots würden die Krawalle in den sozialen Netzwerken anfeuern.
- 8:51Das ist ja eine große Bandbreite, aber alles klingt so nach hybrider Kriegsführung.
- 8:57Was ist davon zu halten, Herr Mölling?
- 9:00Ja, Sie sagen es. Also die Meldungen aus den sozialen Medien sind eben genau
- 9:05das. Also völlig unverifizierter Kram.
- 9:09Die Meldung über Bots kann von einem eben solchen Bot gebracht worden sein.
- 9:15Also ich meine, da die Frage ist, lohnt es sich noch, die Einzelmeldung zu verifizieren?
- 9:21Wahrscheinlich muss man eher auf die
- 9:23klassischen Fakten und Dokumente zurückgreifen, soweit das möglich ist.
- 9:29Und dann kommt man, glaube ich, zu einem differenzierten Bild.
- 9:32Das eine ist, es gibt sogar gerichtlich verifizierte Informationsmaßnahmen der
- 9:42Russen in Frankreich, genauso wie bei uns auch.
- 9:46Also Leute werden bezahlt, Falschnachrichten zu verbreiten und solche Geschichten.
- 9:50Es ist auch total plausibel oder teilweise auch nachgewiesen,
- 9:55dass russische Bots die Krawalle anheizen.
- 9:59Das, die sie orchestrieren, ist, glaube ich, völlig übertrieben.
- 10:02Also hier nutzt ein feindlicher Akteur ganz opportunistisch die Tatsache,
- 10:08dass in Frankreich gerade große soziale Probleme da sind und ausbrechen.
- 10:14Aber die Probleme sind nicht durch Russland verursacht, sondern durch Frankreich verursacht.
- 10:20Und die Proteste sind zumindest in der ersten Phase sicherlich keine.
- 10:27Die orchestriert worden sind.
- 10:28Also orchestriert worden sind im Sinne von, wir versuchen mit den Protesten
- 10:34mehr als das Ziel der Proteste zu erreichen.
- 10:37Jetzt ist es, glaube ich, mittlerweile schon so, dass dahinter ein paar Akteure sind,
- 10:44die generell versuchen, andere Ziele zu erreichen, sei es pure Gewalt oder andere Dinge.
- 10:52Aber ich würde immer noch nicht sagen, dass man das jetzt so schematisch sagen
- 10:56kann, da stecken jetzt die Russen hinter jeder Aktion dahinter.
- 10:59Dass die sagen, ach Mensch, das ist doch eine günstige Gelegenheit.
- 11:02Wir helfen da ein bisschen, noch mehr Ärger zu machen. Und wenn es sein muss,
- 11:06wenn irgendjemand ein bisschen Geld braucht, dann kriegt er das auch.
- 11:09Das passiert, weil das Ziel der Russen ist ja nicht eine,
- 11:14wie soll man sagen, eine kohärente andere Staatsform, sondern alles,
- 11:20was die jetzige Staatsform, das jetzige politische System schwächt, das finden wir gut.
- 11:26Und dafür sind wir bereit, Geld auszugeben. Das ist eine schöne Überleitung
- 11:30zu meiner nächsten Frage, weil ich nach diesem Thema gefragt habe,
- 11:34nachdem ich ein paar Videos von Bundeskanzler Friedrich Merz gesehen habe in den letzten Tagen, wo er,
- 11:41wiederholt mehrfach, seine größte Sorge sei im Moment nicht die deutsche Wirtschaft,
- 11:47nicht China oder die USA,
- 11:50sondern der Zitat Einfluss Russlands auf unsere Gesellschaft und wie erfolgreich
- 11:56sie dabei seien, unsere Gesellschaften zu destabilisieren. Zitat Ende.
- 12:00Ist das denn so, destabilisiert Russland wirklich so erfolgreich unsere Gesellschaften?
- 12:05Also fangen wir mal mit der Deutschen an.
- 12:07Naja, ich glaube, wir müssen als erstes mal sagen, wir bewegen uns hier in einem
- 12:12Feld, wo so klassische Kausalketten halt sehr schwierig sind.
- 12:18Gleichzeitig gibt es Gerichtsverfahren, in denen das verhandelt wird,
- 12:23die wir, glaube ich, viel zu wenig wahrnehmen.
- 12:25Ich habe jetzt vor ein paar Tagen mit einer Gutachterin gesprochen,
- 12:29die diese Zusammenhänge von hybrider Kriegsführung gerichtsfest beschreibt.
- 12:36Solche Dinge gibt es halt, wie Einflussoperationen stattfinden,
- 12:40bis hin, das muss man sicher vor Augen führen, zu Tötungsversuchen des russischen
- 12:46Militärgeheimdienstes von Waffenproduzenten hier in Deutschland.
- 12:50Das ist sozusagen öffentlich bekannt, dass Stefan Thumann deswegen bedroht worden
- 12:57ist. Also nicht bedroht worden ist, sondern ihm der Tod droht.
- 13:01Wir haben die beiden Drohnenfunde. Leipzig auf der einen Seite und Wunstorf auf der anderen Seite.
- 13:09Jetzt kann man noch darüber spekulieren, worum es hier ginge.
- 13:13Das ist aber entweder eine ziemlich akademische oder eine ziemlich weltfremde
- 13:16Frage. Also hier geht es darum, Staaten zu destabilisieren, zu zeigen,
- 13:19dass sie nicht leistungsfähig sind.
- 13:21Es sei denn, irgendjemand kann was Besseres zeigen. Und das schreiben die Russen
- 13:25und sagen sie ja auch im Grunde genommen selber.
- 13:27Also von daher, wie erfolgreich das jetzt so ist.
- 13:31Ich glaube, dazu fehlen uns harte Zahlen.
- 13:35Wir haben auf der einen Seite, glaube ich,
- 13:38und so habe ich Merz auch verstanden, wir haben einen öffentlichen Diskurs,
- 13:43der sehr stark die Extreme betont, weil das quasi die Funktionsweise von Medien ist.
- 13:51Und der öffentliche Diskurs ist der veröffentlichte Diskurs.
- 13:55Was meinen Sie mit der die Extreme betont?
- 13:59Die Dualismen sind ja das, woraus sich eine Geschichte machen lässt.
- 14:02Etwas, das nicht normal ist, wird viel stärker belohnt, als zu beschreiben, was normal ist.
- 14:08Wir haben auf der anderen Seite, wie ich finde, eine der besten Studienarbeiten,
- 14:12die es in Deutschland gibt, zu Meinungen und anderen Dingen.
- 14:17Das macht das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr,
- 14:19das heißt jetzt irgendwie an das Zentrum für Sozialwissenschaften und so weiter in Potsdam.
- 14:23Die machen seit x Jahren jährliche Umfragen.
- 14:29Wie die Deutschen wozu stehen. Und da ist relativ klar, dass eine breite Mehrheit
- 14:36seit Jahren Russland für ein großes Problem hält.
- 14:40Von daher glaube ich, dass das, was Merz da sagt,
- 14:44aber das ist jetzt meine Spekulation, sich eher auf den öffentlichen Diskurs,
- 14:49und die Berliner Blase bezieht und die Konfrontation mit der AfD und dem BSW
- 14:53und all diesen Sachen, Sachsen-Anhalt, sind glaube ich Sachen,
- 14:57die ihn da jetzt gerade treffen, als dass er diese Reflexion aus der Bevölkerung
- 15:03direkt eigentlich bekommen hat. Weil das würde mich sehr wundern.
- 15:07Und das ist zurzeit ja auf der anderen Seite, vielleicht kann man das noch als
- 15:10zweite Erklärung rannehmen,
- 15:13Er hat sich in den letzten Wochen sehr stark festgelegt, was seinen außenpolitischen
- 15:18und sicherheitspolitischen Kurs angeht.
- 15:20Und das auch im Grunde genommen gegen Russland und im Zweifelsfall ohne die USA.
- 15:24Das hat er mit seiner Rede in Münster gemacht zum westfälischen Frieden,
- 15:29wo die NATO den Friedenspreis bekommen hat und an vielen anderen Gelegenheiten.
- 15:35Das heißt, da hat er politisches Kapital investiert und ich schätze ihn so ein,
- 15:41dass es ihm ein Bedürfnis ist, wirklich ein menschliches Bedürfnis ist,
- 15:44das nochmal zu erklären, warum er das eigentlich macht, warum ihm das so wichtig ist.
- 15:48Weil ich glaube schon, dass er auch Kritik innerhalb der Partei dafür bekommen
- 15:52hat, sich da so auf dieses Thema zu konzentrieren, wo es doch andere eigentlich gibt.
- 15:59Zuletzt, Herr Mölling, eine Hörerfrage, über die freuen wir uns immer besonders,
- 16:04und deswegen beantworten wir sie auch sehr gerne.
- 16:06Und zwar möchte unser Hörer Detlef Marun gerne wissen, woraus eigentlich Drohnen
- 16:13und ballistische Raketen bestehen.
- 16:15Wir reden darüber immer so sehr selbstverständlich, deswegen kann ich die Frage schon gut verstehen.
- 16:22Er schreibt, der gesunde Menschenverstand sagt uns doch, dass weder die Ukraine,
- 16:26Russland, der Iran und schon gar nicht die Houthi so etwas in Gänze herstellen können.
- 16:32Gehe man davon aus, fragt unser Hörer weiter, dass bis zu 70 Prozent aller Bauteile
- 16:37aus China stammen, könnte China diese ganzen Auseinandersetzungen dann nicht
- 16:42mit einem Federstrich beenden?
- 16:44Und da passt auch eine aktuelle Meldung aus dem Wall Street Journal ganz gut
- 16:47dazu, die ich gefunden habe.
- 16:49Und zwar, dass die Houthis sich aus China jetzt einfach mal so Teile bestellt
- 16:54haben, mit denen sie eine sehr wirkungsvolle Mittelstreckenrakete bauen könnten.
- 17:01Deswegen, ja, Herr Möhrling, eine etwas breite Frage, aber es lohnt sich,
- 17:06glaube ich, die zu beantworten. Vielen Dank für die Frage.
- 17:10Ja, stimmt, könnte China machen und China macht das nicht.
- 17:13Warum nicht? Nur weil sie Interesse daran haben. Es geht gar nicht so sehr um
- 17:17das Geld, was sie damit einnehmen. Das spielt ein bisschen eine Rolle.
- 17:22Auch die Frage, sind wir ein verlässlicher Handelspartner oder nicht,
- 17:25spielt auch eine Rolle. Aber vor allen Dingen ist die jetzige Situation ja eine,
- 17:30die China eigentlich total in die Hände spielt.
- 17:33Die Amerikaner sind beschäftigt und geschwächt und schwächen sich selbst aktiv weiter.
- 17:40Also Iran-Konflikt. Die Russen sind auch massiv geschwächt und schwächen sich
- 17:46weiter, sind extrem abhängig von den Chinesen, direkt durch den Austausch von
- 17:51Energie gegen Geld, so muss man es glaube ich sagen.
- 17:54Also von daher läuft es für China eigentlich relativ gut. Warum sollte man da
- 17:59jetzt Frieden herbeiführen?
- 18:01Das ist sozusagen ein Spielfeld, wo man gut zugucken kann, selber nicht involviert ist.
- 18:07Bis zum jetzigen Zeitpunkt, auch wenn man auf China zeigen kann und den Vorteil
- 18:11zeigen kann, ist niemand zum jetzigen Zeitpunkt bereit, das abzustellen.
- 18:16Auch die Amerikaner offensichtlich nicht. Und die Chinesen sagen sich,
- 18:20naja, wenn wir so weitermachen, werden die Amerikaner irgendwann auch nicht
- 18:23mehr in der Lage seien, das abzustellen, weil sie einfach so schwach geworden
- 18:26sind, dass wir stärker geworden sind.
- 18:28Also warum sollten wir das zum jetzigen Zeitpunkt anhalten? Das.
- 18:34Aber nochmal wirklich auf das Technische zurück, weil ja die Anfangsfrage war,
- 18:38woraus bestehen diese Drohnen und ballistischen Raketen eigentlich?
- 18:41Also sind denn zum Beispiel auch in Raketen und in Drohnen, die die Ukrainer,
- 18:45wir hier in Deutschland oder die USA herstellen, sind da auch sehr viele chinesische Bauteile drin?
- 18:53Na klar, also die Drohnen zum Beispiel, die kleinen Drohnen,
- 18:57die fliegen ja mit normalen kommerziellen Motoren und diese Motoren werden zum
- 19:02großen Teil in China hergestellt.
- 19:04Das macht man oder mittlerweile, also ich vermute, dass sie mittlerweile schon
- 19:08sogar woanders hergestellt werden, weil China so günstig gar nicht mehr ist,
- 19:11aber egal. Die Chinesen haben die Kontrolle darüber.
- 19:14Die einzige Frage, die sich bei all diesen Produkten stellt,
- 19:18gibt es einen absoluten Mangel oder kann man, wenn man mehr Geld bezahlt,
- 19:22solche Sachen dann doch selber herstellen?
- 19:24Und ist man dann bereit, diesen Preis zu zahlen?
- 19:27Das ist, glaube ich, der wesentliche Punkt. Wir sehen, dass es chinesische Bauteile
- 19:31gibt, sowohl in den Raketen als auch in den Raketen. In den Drohnen,
- 19:35wir sehen auch, dass es teilweise westliche Bauteile gibt.
- 19:38Und ein Teil des Problems, zumindest für die westlichen Dinge,
- 19:42ist, dass es immer noch Firmen gibt, die die Sanktionen unterlaufen.
- 19:48Also es lohnt sich offensichtlich.
- 19:51Und es ist teilweise dann auch nicht so super einfach, diese Akteure dingfest
- 19:54zu machen, weil die Jahresproduktion von Chips, die sie brauchen,
- 19:59um russische Raketen fliegen zu lassen, die palästischen Raketen,
- 20:04das sind Chips, die passen wahrscheinlich in zwei Wanderrucksäcke rein, voll bis oben hin.
- 20:12Und dann haben sie zwei Wanderer, die wandern irgendwo durch den Himalaya oder was auch immer.
- 20:19Die müssen sie finden. Das ist die Nadel im Heuhaufen, die Sie da halt einfach suchen.
- 20:24Herzlichen Dank und wie gesagt, liebe Hörer, wir freuen uns besonders über Hörerfragen.
- 20:29Deswegen schreiben Sie uns sehr gerne an dielageinternational.de.
- 20:35Übrigens auch Kritik, Anregungen, Ihre Meinung, was auch immer.
- 20:40Ich bedanke mich erstmal für das Gespräch, Herr Mölling. Sehr gerne,
- 20:42bis zum nächsten Mal. Tschüss.
- 20:43Das war die Lageinternational am Donnerstag, dem 22. Oktober.
- 20:49Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und
- 20:54überall sonst, wo Sie gerne Podcasts hören.
- 20:56Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.