Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Deutschlands Außenpolitik im Praxischeck (mit Jörg Lau)
Transcript
- 0:00Ich sehe deutliche Veränderungen, aber die geschehen aufgrund von äußeren Schocks.
- 0:05Und davon muss man, glaube ich, wegkommen, dass wir nicht auf den nächsten externen Schock warten,
- 0:11der uns dann zwingt, etwas zu tun.
- 0:13Ein ganz herzliches Willkommen zu "Pod und die Welt", dem nagelneuen Podcast der IP, der
- 0:19Zeitschrift "Internationale Politik".
- 0:21Wir wollen sie von jetzt an alle zwei Wochen außenpolitisch updaten, kurz und knackig in
- 0:25rund 20 Minuten, aber trotzdem tief und umfassend.
- 0:29Wir tun das in jeder Folge mit einem Gast, dessen Thesen oder dessen Thema wie auf dem
- 0:33Grill legen.
- 0:34Wir, das sind Katharina Peetz, die sonst unter anderem für den Deutschlandfunk im Einsatz
- 0:39ist und auch immer wieder als Reporterin in der Welt unterwegs.
- 0:42Und Martin Bialecki, seit 2018 Chefredaktor der IP.
- 0:46Heute wollen wir aufs große Ganze schauen, gut ein Jahr vor der Bundestagswahl, wenn
- 0:50sie denn noch ein Jahr hält, diese Ampelkoalition.
- 0:53Wir schauen also auf Deutschlands Außenpolitik und auf ihre Akteurinnen und Akteure, die Verunsicherten.
- 0:58Damit haben wir auch die aktuelle IP betitelt.
- 1:02Ein Gefühl der Verstörung macht sich in der deutschen Politik breit.
- 1:06Das schreibt Jörg Lau in seinem Lead-Essay in eben dieser IP.
- 1:10Jörg Lau ist außenpolitischer Korrespondent der Zeit.
- 1:12Er hat für das Blatt lange die außenpolitische Berichterstattung koordiniert.
- 1:16Und wir freuen uns sehr, dass er heute unser Gast ist in dieser ersten Folge von "Pod und die Welt".
- 1:20Hallo, Herr Lau.
- 1:21Ich freue mich sehr, es ist mir eine große Ehre.
- 1:23Herzlich willkommen auch von mir, lieber Herr Lau.
- 1:28Wir wollen dieses kurze Gespräch über Deutschlands Außenpolitik in zwei Blöcke teilen.
- 1:33Den ersten übernehme ich, den zweiten Katharina Peetz.
- 1:37Legen wir also los mit große Ambitionen und ernüchternde Realität.
- 1:42Lieber Herr Lau, die IP hat in jeder Ausgabe eine Forsa-Frage zur Außenpolitik.
- 1:46Dieses Mal lautete sie: Hat die Bundesregierung angesichts weltpolitischer Unsicherheiten
- 1:50ein klares außenpolitisches Konzept?
- 1:54Was glauben Sie?
- 1:54Wie viel Prozent der Befragten haben mit "Ja" geantwortet?
- 1:58Oh, das ist nicht so einfach.
- 2:00Ich würde vermuten nicht mehr als ein Drittel.
- 2:05Es ist deutlich weniger.
- 2:06Das ist wirklich noch deutlich weniger.
- 2:07Es ist ein Fünftel.
- 2:08Das ist eine ganz bittere Zahl.
- 2:10Aber um daran direkt anzuknüpfen, Sie haben in der IP geschrieben, ich zitiere,
- 2:15die deutsche Außenpolitik ist an einer Art Nullpunkt angekommen.
- 2:19Warum ist sie das?
- 2:21Woran machen Sie das fest und wie ist es dazu gekommen?
- 2:24Ich mache das daran fest, dass die Konzepte, die Diplomaten und Politiker hochhalten,
- 2:32wenn sie die deutsche Außenpolitik erklären, seit einigen Jahren merkwürdig wohlklingen.
- 2:39Also das naheliegendste Beispiel ist die Ostpolitik, die Russlandpolitik,
- 2:45die ist vollkommen zerschossen worden von Wladimir Putin durch den Angriff auf die Ukraine.
- 2:53Aber man kann das auch in anderen Feldern sehen, zum Beispiel in der Nahostpolitik,
- 2:57wo wir immer noch weiter an der zwei Staatenlösung und an einem Friedensprozess festhalten,
- 3:05die beide nicht in Sicht sind.
- 3:07Oder an der Fernostpolitik, also die China-Politik,
- 3:10wo die Regierung davon redet, dass wir uns unabhängiger machen müssten.
- 3:15"De-Risking" ist das neue Schlagwort, aber de facto findet das Gegenteil statt.
- 3:20Die großen deutschen Firmen investieren immer mehr, die gehen all in.
- 3:24Und sofern schweben diese Konzepte so etwas in der Luft und haben eigentlich sehr wenig mit dem Geschehen zu tun.
- 3:33Wir sind ja hier wieder fürs Schwarzmalen da noch für schön farberei.
- 3:37Aber haben Sie den Grund zur der Hoffnung, dass die Realitäts-Schocks der jüngsten Zeit,
- 3:42wie Sie das genannt haben, also zum Beispiel Russlandskrieg in der Ukraine, andere Dinge,
- 3:47dass diese Realitäts-Schocks einen heilsamen Effekt haben werden für die deutscher Außenpolitik?
- 3:52Ja, das glaube ich schon. Es hat sich auch im Vergleich zu vor zwei Jahren oder zweieinhalb Jahren unglaublich viel getan.
- 3:58Aber wir sehen jetzt immer wieder, dass es auch nicht in einem Move sozusagen diese Veränderungen gibt,
- 4:05dass es Widerstände gibt, dass es Versuche gibt und Sehnsüchte zurückzukehren zu irgendeiner guten alten Zeit.
- 4:15Die Wahlkämpfe, die gerade geführt werden, das war schon im Europawahlkampf so.
- 4:19Aber jetzt auch die regionalen Wahlkämpfe sind von nostalgischen Parolen geprägt, die sich auf die Außenpolitik beziehen.
- 4:28Frieden, Diplomatie wird nicht genau erklärt, was das genau bedeutet.
- 4:32Aber BSW zum Beispiel hat ein Plakat, da heißt es, wir geben Frieden wieder eine Heimat.
- 4:38Und das verkörpert für mich sozusagen diese Nostalgie nach einer übersichtlichen Welt.
- 4:43Was ist denn für Sie diese gute alte Zeit? Bzw. gab es die überhaupt mal?
- 4:48Ja, das ist eine gute Frage.
- 4:51In der Regel stellt man ja bei einem realistischen Blick zurück fest, dass das auch eine wahnsinnig konfliktreiche Zeit war.
- 4:59Und dass nicht alles in Butter war.
- 5:01Aber in der Merkel-Zeit, glaube ich, konnte man in Deutschland den Eindruck haben, die Welt ist krisenhaft.
- 5:08Aber Deutschland hatte eigentlich immer Mittel, um diese Krisen zu bewältigen oder sich aus ihnen rauszukaufen.
- 5:14Und das ist, glaube ich, etwas Neues, dass man bei der heutigen Krisensituation sehr schnell zu dem Schluss kommt.
- 5:21Raus kaufen geht nicht mehr. Also freikaufen, sozusagen, indem wir Geld irgendwo reinpumpen.
- 5:27Das funktioniert auch bei der Bundeswehr nicht so.
- 5:29Es mangelt nicht an Geld, obwohl der Haushalt nicht groß genug ist für die Verteidigung,
- 5:34aber es mangelt an Kapazitäten, es mangelt an industrieller Basis.
- 5:39Das ist eine neue Lage. Das ist, glaube ich, wirklich sehr, sehr herausfordernd, anders als früher.
- 5:46Sie haben gesagt, dass sich viel getan hat in den letzten Jahren, vielleicht so früher.
- 5:50Was muss denn diese deutsche Außenpolitik jetzt eigentlich sofort angehen oder ändern oder besser machen,
- 5:56wenn Sie priorisieren müssten, vielleicht in drei Schritten?
- 6:00Natürlich hängt immer alles mit einem zusammen.
- 6:02Das ist klar, aber wenn Sie drei zentrale Probleme oder Schritte benennen könnten, welche wären das?
- 6:08Also für mich ist das zentrale Problem die Ordnung in Osteuropa, die gerade absolut in Frage steht durch diese Aggression Russlands.
- 6:18Die Erweiterung der NATO zeigt schon, dass wir dagegenhalten, aber es ist vollkommen unklar aus meiner Sicht,
- 6:26was eigentlich die genaue Perspektive für die Ukraine in Zukunft ist.
- 6:29Und wir reden hier nicht nur über ein Land, das uns auch als Partner angeht, sondern das wird die neue Ostgrenze Europas sein.
- 6:37Das wird der neue eiserne Vorhang in diesem neuen Kalten Krieg sein und wie das gestaltet wird, wo diese Grenze verläuft,
- 6:46welche Einbindung die Ukraine in unsere westlichen Strukturen bekommt.
- 6:51Das ist für mich die zentrale Frage, die Deutschland umtreiben muss.
- 6:55Und dann abhängig von der Frage, wie die Wahl in Amerika ausgeht, glaube ich, das transatlantische Verhältnis auch eine Baustelle.
- 7:06Selbst dann, wenn das Schlimmste nicht passiert und Trump 2.0 nicht stattfindet, sondern eine Harris-Walz-Regierung,
- 7:14auch dann wird man sich endlich ehrlich dieser Partnerschaft widmen müssen und die Lastenteilungen wirklich angehen,
- 7:24was die Sicherheit angeht, man wird sich darüber verständigen müssen, wie man eine gemeinsame oder abgestimmte China-Politik hinkriegt,
- 7:32was Europa für Amerika bedeutet, muss definiert werden.
- 7:37Und dann als Drittes würde ich sagen natürlich Europa neu aufstellen mit nicht nur dem Franzosen als wichtigen Partner,
- 7:46das kennen wir ja, die deutsch-französische Motor, wie es dann immer so klischeehaft heißt,
- 7:51sondern mit Polen und Frankreich zusammen einen Kern bilden für ein starkes Europa,
- 7:57das in der Lage ist, Resilienz zu sein und sich selbst zu verteidigen und auch gegenüber Mächten wie China mit einer Stimme aufzutreten.
- 8:05Die Ukraine, Osteruopa, transatlantisches Verhältnis Europa neu zusammensetzen, neu gewichten, neu entdecken.
- 8:14Im Prinzip sind das ja lauter Dinge, Herr Lau, die die Bundespolitik auch kennt und weiß, auch was jetzt schon passieren müsste.
- 8:20Was mich immer so verpiert, ist der Eindruck, dass trotzdem nichts passiert, dass diese Dringlichkeit nicht erkannt wird,
- 8:26dass immer gesagt wird, das reicht noch ein bisschen.
- 8:29Teilen Sie den Eindruck und wenn ja, warum ist das so, woher kommt das?
- 8:33Ich teile den, ich glaube, das liegt daran, dass man immer noch scheut, eine wirklich proaktive Politik zu machen und in der Regel einfach reagiert.
- 8:45Also man reagiert darauf, wenn ein Trump sagt, ich stehe nicht mehr für eure Verteidigung ein, dann macht man schon mehr.
- 8:53Wenn dann aber wieder jemand da ist, der freundlicher gesinnt ist, dann wird man wieder eher passiv.
- 8:59In Osteuropa, die Probleme mit Russland haben sich lange, lange angebahnt und man hat einfach zugewartet und gehofft und gebetet,
- 9:09dass der Herrscher im Kremlin schon nicht so verrückt sein wird, das alles kaputt zu machen.
- 9:15Jetzt geht es darum, diesen Raum selbst zu gestalten und mit den Partnern in Osteuropa
- 9:22eine neue Ostpolitik, die nicht mehr auf Moskau zentriert ist, sondern auf den riesigen Raum
- 9:30zwischen Berlin und Moskau, der unsere Priorität sein muss.
- 9:34Und auch da ist es so, dass man in Berlin viel zu oft denkt, ja läuft doch irgendwie
- 9:41und wenn die uns nicht stressen, diese Nachbarn im Osten, dann lassen wir es einfach so weiterlaufen.
- 9:48Also das Interesse an diesem Raum ist immer noch viel, viel, viel zu gering gemessen an der Bedeutung.
- 9:55Das ist leider so und ich glaube, das muss sich ändern.
- 9:59Ich bin so ein bisschen hin und hergerissen.
- 10:00Ich sehe deutliche Veränderungen, aber die geschehen aufgrund von äußeren Schocks.
- 10:05Und davon muss man, glaube ich, wegkommen, dass wir nicht auf den nächsten externen Schock warten,
- 10:10der uns dann zwingt, etwas zu tun. Das erwarte ich eigentlich.
- 10:14Dann können wir vielleicht überleiten zu einer der zentralen Fragen bei eigentlich allem,
- 10:22aber auch gerade bei der Außenpolitik, nämlich der Finanzierung des Ganzen,
- 10:25der Haushalt für 2025.
- 10:27Darüber soll jetzt am 10. September der Bundestag debattieren und dann auch abstimmen.
- 10:32Es ist schon klar, es soll weiter gespart werden. Die Schuldenbremse soll weiter eingehalten werden,
- 10:37was Sie jetzt gerade beschrieben haben. Also man reagiert eigentlich nur ganz viel
- 10:41und müsste eigentlich eine andere Strategie fahren.
- 10:43Inwiefern sehen Sie das mit den Aussichten, die der Haushalt 25 und dann weitere Jahre bereithält?
- 10:50Das ist kurz gesagt eine Katastrophe dieser Haushalt.
- 10:53Schon allein auf der symbolischen Ebene, mal eben bei der Entwicklungszusammenarbeit,
- 10:59ich glaube irgendwas um die 12 Prozent einzusparen,
- 11:02im nächsten Jahr beim Auswärtigen Amt auch enorme zum Einzusparen.
- 11:09Es ist ein absolut katastrophales Signal in dieser Richtung,
- 11:14die ich eben, sagen wir, gewünscht habe, dass man proaktiver wird.
- 11:18Sollte es so sein, dass da diese riesigen Summen sinnlos verjubelt worden sind in den letzten Jahren,
- 11:25dann wäre das ein Skandal, dass man die jetzt einfach so ohne Probleme wegkürzen kann.
- 11:30Das ist aber nicht so. Das ist einfach eine Prioritätensetzung, die daher kommt,
- 11:35dass man denkt, dort Dinge wegzunehmen, das schadet ja keinem Wähler.
- 11:39Das schadet mir am Ende nicht bei der Bundestagswahl.
- 11:43Da schreit vielleicht Frau Baerbock auf oder irgendwelche Entwicklungshilfeorganisationen.
- 11:49Aber das ist für mich nicht relevant.
- 11:51Und so kann die wichtigste Macht in Europa nicht mit ihrer Verantwortung für die Außenpolitik umgehen.
- 11:58Ich finde das unfasslich kurzsichtig.
- 12:00Kurz gesagt, das ist gar nicht der Weg, sondern das ist ja etwas, was mich verzweifeln lässt im Moment.
- 12:08Und die Frage ist ja auch ein bisschen, schadet es nicht am Ende doch auch dem Wähler der Wählerin,
- 12:13vielleicht nicht kurzfristig, aber langfristig,
- 12:15weil wir betreiben natürlich Außenpolitik ja auch immer aus einem intrinsischen Motiv heraus.
- 12:20Also man will sich umgeben mit Ländern, mit stabilen Systemen,
- 12:23mit denen man Handel treiben kann und von denen man Rohstoffe beziehen kann.
- 12:26Also wie viel betrifft es dann doch am Ende uns alle, wenn bei der Außenpolitik gespart wird?
- 12:31Ich glaube, da haben Sie völlig recht.
- 12:33Die Hoffnung der Politiker, die jetzt den Haushalt so zusammenschreichen,
- 12:36ist allerdings, dass niemand diese Verbindung aufmachen wird.
- 12:39Dass das zuvermittelt ist, die Schäden, die möglicherweise dadurch eintreten,
- 12:43dass man die da nicht so zurechnen kann.
- 12:46Aber natürlich ist das so.
- 12:48Und das ist auch ein Versagen vor den eigenen Ansprüchen dieser Regierung.
- 12:53Die hat als Erste eine nationale Sicherheitsstrategie aufgestellt.
- 12:57Das fand ich sehr richtig.
- 12:58Und die hat darin viele gute Dinge gesagt über integrierte Sicherheit
- 13:03und dass man Sicherheit sozusagen holistisch denken muss, nicht nur militärisch,
- 13:07sondern Sicherheit hat wirtschaftliche, hat Entwicklungs,
- 13:10hat kulturelle gesellschaftliche Aspekte.
- 13:13Und da kann man nur sagen, wenn man da den Haushalt bei den Auswärtigen angelegen hat
- 13:18und so zusammenschreicht, das schadet auch der Sicherheit des Landes.
- 13:21Argumentiert ja die Bundesregierung zum Beispiel mit Blick auf die Unterstützung für die Ukraine,
- 13:26so dass man sich eben im Rahmen der G7 geeinigt hat,
- 13:29dass man da jetzt hohe Kredite zur Verfügung stellen will,
- 13:3150 Milliarden US-Dollar werden da in Aussicht gestellt.
- 13:34Ist das nicht auch eine Richtung, in die man gehen kann,
- 13:36weg von nationaler Finanzierung der Außenpolitik,
- 13:39stärker her in Richtung Multilaterale?
- 13:41Das ist richtig, dieses Finanzierungsinstrument,
- 13:44das Zinsen von russischen Eingefrorenen konnten nehmen will,
- 13:49um damit Kredite für die Ukraine zu finanzieren, ist richtig.
- 13:53Und das ist ein gutes Instrument.
- 13:55Es ist aber ein zusätzliches Instrument zu dem, was Deutschland aus dem Haushalt leisten muss.
- 14:01Ich kann nicht mit so einem im Übrigen rechtlich noch nicht ganz auf sicheren Füßen stehenden Instrument, kann ich nicht.
- 14:07Die kontinuierliche militärische Unterstützung der Ukraine finanzieren,
- 14:12die braucht jetzt die Aufträge zur Munitionsproduktion oder zur Produktion von Geschützen und was nicht allem.
- 14:19Da kann ich nicht darauf setzen, dass irgendwann im nächsten Jahr wahrscheinlich dieses Geld kommt.
- 14:25Es war auch ursprünglich bei den G7 nicht so gedacht, dass das die Haushalte entlasteten soll,
- 14:30sondern dass das der Ukraine eine zusätzliche Sicherheit geben soll.
- 14:34Ich finde es im Übrigen auch gegenüber unseren Partnern, die auch sehr viel tun,
- 14:38also von den Amerikanern ein sehr merkwürdiges Signal, dass wir kurz vor der amerikanischen Wahl sagen,
- 14:44wir kürzen die Ukraine-Hilfe mal zusammen und wir holen den Rest aus diesem Topf.
- 14:49Das ist ja ein Geschenk für Donald Trump und seine Leute zu sagen,
- 14:53ja die sagen immer, das ist ein existenzieller Kampf, der sich da in der Ukraine abspielt.
- 14:58Das ist ganz wichtig für Europa, aber guck mal in Ihrem Haushalt finden Sie kein Geld dafür.
- 15:02Das stimmt doch was nicht. Und da haben die Recht, die das so kritisieren.
- 15:06Das ist kurzsichtig, finde ich. Die Regierung müsste den Mut haben, den Leuten zu begründen,
- 15:12warum das leider weiterhin sehr teuer ist.
- 15:15Wenn wir an dem Punkt sind, das ist vielleicht zum Schluss auch ein guter Punkt,
- 15:19nochmal darauf zu schauen, wie man mit der Bevölkerung kommuniziert.
- 15:22Die Ampelparteien haben in Ihrem Koalitionsvertrag unter anderem in Aussicht gestellt,
- 15:27humanitäre Hilfe, die Gelder dafür aufzustocken.
- 15:30Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Wir haben besprochen, es hat sich auch sehr viel geändert.
- 15:34Trotzdem die Frage, inwiefern wird das ausreichend kommuniziert,
- 15:39warum jetzt man so stark von Plänen und Vorhaben abrückt?
- 15:43Das wird bezeichnenderweise gar nicht kommuniziert.
- 15:46Und ich glaube, weil es sich auch nicht wirklich gut begründen lässt,
- 15:49weil es im Widerspruch steht zu vielen Behauptungen dieser Regierung, also zu der Behauptung,
- 15:55wir sind und bleiben der wichtigste Förderer der Ukraine in Europa.
- 16:00Wir nehmen dieses Thema sehr, sehr wichtig.
- 16:02Und im Übrigen habe ich eben schon gesagt, wir haben einen erweiterten Sicherheitsbegriff,
- 16:07bei dem wir im Grunde alles, was wir im Haushalt machen, jetzt daraufhin durchgucken.
- 16:11Fördert das oder schädigt das die Sicherheit unseres Landes,
- 16:15denn wir leben in einer konfliktreichen Umgebung, in der das ein wichtiges Kriterium ist.
- 16:20Das macht man dann mal eben, weil man Haushaltsprobleme hat, an dieser Stelle eigentlich zunichte.
- 16:26Und deshalb wird es auch nicht erklärt, weil es nicht gut zu erklären ist.
- 16:31Ich glaube, man könnte umgekehrt sehr gut erklären,
- 16:34warum man leider bei diesen Posten nicht so kürzen kann, wie man vielleicht gerne würde.
- 16:40Dazu müsste man allerdings den Mut haben über diese Unsicherheit,
- 16:45in der sich unsere deutsche Außenpolitik bewegt, auch zu reden.
- 16:49Man kann das aber.
- 16:51Wir haben geredet und zwar mit Jörg Lau, dem außenpolitischen Korrespondenten von der Zeit.
- 16:56Vielen Dank dafür.
- 16:57Also was mir aus diesem Gespräch hängen bleibt, ist einmal, dass man früher, also Deutschland sich früher,
- 17:06oft mit Geld rauskaufen konnte, was jetzt nicht mehr so gut geht.
- 17:09Und dass diese Strategie von "man reagiert" eigentlich immer nur auf die äußeren Schocks,
- 17:13auch nicht mehr wirklich aufgeht.
- 17:15Und dass nicht kommuniziert wird, und man eigentlich doch begründen könnte,
- 17:19warum man jetzt einen anderen Kurs fährt.
- 17:22Martin, was sind so deine Take-aways aus dem Gespräch?
- 17:25Wenn ein so langjähriger Begleiter der deutschen Außenpolitik von Begriffen wie Verzweiflung und so spricht,
- 17:31ist das schon sehr viel.
- 17:33Es gibt ganz viele Belege, die wir jetzt gefunden haben für so eine Strategielosigkeit deutscher Außenpolitik.
- 17:38Und mir will das nicht in den Kopf, warum das so ist, in einer Situation so großer strategischer Offenheit,
- 17:43in der die Bundesrepublik eigentlich noch nie war, dass das nicht genutzt wird.
- 17:46Das kann ich nicht begreifen.
- 17:48Und wenn Sie tiefer einsteigen wollen in Deutschlands Krise auf der Weltbühne,
- 17:52dann lege ich Ihnen sehr die neue IP ans Herz.
- 17:54Mit Beiträgen von Jörg Lau und vielen anderen auf dem Cover sehen Sie Annalena Baerbock und Olaf Scholz vor den UN in New York.
- 18:03Und das passt thematisch auch ganz wunderbar zu unserer nächsten Folge von "Pod und die Welt".
- 18:08Wir sprechen nämlich mit Michael Bröning, dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in New York,
- 18:12über die Frage, welche UN braucht die Welt, die Folge erscheint dann am Freitag in zwei Wochen.
- 18:18Ich freue mich drauf.
- 18:19Ich mich auch.
- 18:20Vielen Dank, dass Sie zugehört haben.
- 18:21Ich bin Katharina Peetz.
- 18:22Und ich Martin Bialecki.
- 18:24Nur das Beste für Sie.
- 18:25Und bis zum nächsten Mal.