Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 11 - Vom neuen Götzen
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 11 vom neuen Götzen in diesem Teil seiner
- 0:06Rede widmet sich Zarathustra einem seiner größten Feinde, dem
- 0:09Staat. Er spricht zu seinen Zuhörern
- 0:11darüber, wie sich Gesellschaften organisieren und warnt
- 0:14eindringlich vor den Gefahren, die entstehen, wenn politische
- 0:17Macht wichtiger wird als der Mensch selbst.
- 0:21Zarathustra beginnt mit einer sehr harten Aussage, er sagt,
- 0:24dass es an manchen Orten noch echte Völker und Gemeinschaften
- 0:27gibt. Aber nicht dort, wo er sich
- 0:29gerade befindet. Bei uns, so sagt, ergibt es
- 0:33stattdessen Staaten. Er bezeichnet den Staat als das
- 0:36kälteste aller kalten Ungeheuer damit meint er, dass der Staat
- 0:39keine Gefühle hat, keine echte menschliche Wärme, sondern eine
- 0:43mechanische, Gefühllose Machtmaschine ist.
- 0:46Das Schlimmste an diesem Ungeheuer ist, dass es lügt, und
- 0:49diese Lüge kommt ganz selbstverständlich aus seinem
- 0:51Mund. Die Lüge lautet ich, der Staat
- 0:55bin das Volk. Zarathustra erklärt, dass das
- 0:59eine völlige Verdrehung der Wahrheit ist.
- 1:01Er unterscheidet ganz klar zwischen einem Volk und einem
- 1:04Staat. Ein Volk wurde ursprünglich von
- 1:07schöpferischen Menschen, also von Erfindern und Gründern,
- 1:10geschaffen, diese Menschen gaben einer Gemeinschaft einen
- 1:14gemeinsamen Glauben und eine gemeinsame Liebe, so dienten sie
- 1:18dem Leben und schufen eine echte Kultur.
- 1:21Der Staat hingegen wird von Zerstörern gemacht, diese
- 1:24Stellen fallen für die Menschen auf.
- 1:27Und nennen diese Falle dann Staat.
- 1:30Sie hängen ein Schwert und Hunderte von Begierden über die
- 1:33Menschen, das bedeutet, der Staat herrscht durch Gewalt und
- 1:36indem er künstliche Bedürfnisse weckt, anstatt echte
- 1:39Gemeinschaft zu fördern. Zarathustra erklärt weiter, wo
- 1:43es noch ein echtes Volk gibt, da mag dieses Volk den Staat nicht,
- 1:48es empfindet den Staat als etwas Fremdes als einen bösen Blick
- 1:52und als eine Sünde gegen die eigenen Sitten und Rechte.
- 1:56Ergibt den Zuhörern ein Erkennungszeichen an die Hand.
- 1:59Jedes natürliche Volk hat seine eigene Sprache, wenn es darum
- 2:02geht, was gut und was böse ist. Diese Sprache versteht der
- 2:07Nachbar oft nicht, weil jedes Volk seine eigenen Regeln und
- 2:10Werte erfunden hat, um zu überleben und zusammenzuhalten.
- 2:14Der Staat aber ist anders, er lügt in allen Sprachen des Guten
- 2:18und des Bösen, alles was er sagt, ist gelogen, und alles,
- 2:22was er besitzt, hat er gestohlen, das bedeutet, dass.
- 2:26Der Staat nimmt sich kulturelle Werte, Religionen oder
- 2:29Traditionen und nutzt sie nur für seine eigenen Machtzwecke.
- 2:33Zarathustra beschreibt den Staat als durch und durch falsch, er
- 2:36ist wie ein Tier, das mit gestohlenen Zähnen beißt, sogar
- 2:40seine Eingeweide, also sein innerster Kern, sind falsch.
- 2:44Zarathustra nennt den Staat deshalb den du neuen Götzen, ein
- 2:48Götze ist ein falscher Gott, eine Statue oder ein Objekt.
- 2:52Das angebetet wird, obwohl es keine göttliche Macht hat.
- 2:56Früher gab es Gott, an den die Menschen glaubten, da dieser
- 3:00Glaube schwindet, versucht der Staat nun, diesen Platz
- 3:02einzunehmen. Der Staat lockt besonders eine
- 3:05bestimmte Art von Menschen an, die viel zu vielen damit meint
- 3:11Nietzsche, die große Masse an durchschnittlichen Menschen, die
- 3:14nicht selbst schöpferisch tätig sind.
- 3:16Der Staat wurde für diese Überflüssigen erfunden.
- 3:19Er lockt sie an, verschlingt sie und kaut auf ihnen herum.
- 3:23Das ungeheuer Staat brüllt, auf der Erde gibt es nichts Größeres
- 3:27als mich, ich bin der ordnende Finger Gottes.
- 3:31Mit dieser Behauptung macht sich der Staat selbst zu einer Art
- 3:35Ersatzreligion, und leider fallen nicht nur einfache
- 3:38Menschen darauf herein, auch Menschen mit langen Ohren und
- 3:42kurzen Augen, also Menschen, die schlecht sehen und
- 3:45urteilsschwach sind. Aber alles glauben, was Sie
- 3:48hören, Knien vor dem Staat nieder.
- 3:51Zarathustra bedauert, dass sogar große Seelen, also eigentlich
- 3:54fähige und edle Menschen, auf den Staat hereinfallen.
- 3:58Der Staat flüstert seine düsteren Lügen auch zu ihnen, er
- 4:02erkennt, dass diese Menschen ein reiches Herz haben und sich
- 4:05gerne verschwenden, also ihre Kraft für eine Sache einsetzen
- 4:08wollen. Der Staat nutzt das aus.
- 4:12Er erkennt diese Menschen, weil er selbst wie ein alter Gott
- 4:15ist, der besiegt wurde und nun neue Diener braucht.
- 4:18Er macht diese Helden müde, bis sie ihm dienen und den neuen
- 4:21Götzen anbeten. Der Staat verspricht den
- 4:24Menschen alles mögliche, wenn sie ihn anbeten, er will sich
- 4:28damit den Glanz ihrer Tugend und den stolzen Blick ihrer Augen
- 4:31kaufen, er benutzt die Menschen als Köder, um noch mehr von den
- 4:36viel zu vielen, also der unkreativen Masse anzulocken.
- 4:40Zarathustra nennt das Ganze ein Höllenkunststück.
- 4:44Es ist wie ein Pferd des Todes, das mit göttlichem Schmuck
- 4:47behängt ist und laut klappert. Der Staat organisiert im Grunde
- 4:51ein Sterbendes leben, er nennt es das Leben, aber in Wahrheit
- 4:55ist es ein langsamer Selbstmord für alle.
- 4:58Dann beschreibt Zarathustra, wie es in einem solchen Staat
- 5:01zugeht, er sieht dort die überflüssigen, sie stehlen die
- 5:05Werke der Erfinder und die Schätze der Weisen, sie nennen
- 5:08diesen Diebstahl dann Bildung. Aber alles, was Sie anfassen,
- 5:13wird bei Ihnen zu Krankheit und Problemen.
- 5:16Diese Menschen sind immer krank, sie erbrechen ihre Galle und
- 5:20nennen das dann Zeitung, das ist Nietzsches Kritik an den Medien
- 5:24seiner Zeit, die er als gehässig und vergiftend empfindet, diese
- 5:29überflüssigen verschlingen einander und können sich doch
- 5:31nicht einmal verdauen, sie jagen nach Reichtümern, werden dabei
- 5:36aber innerlich immer ärmer, sie wollen macht.
- 5:39Und als Brecheisen für diese Macht wollen sie vor allem viel
- 5:42Geld. Dabei sind sie eigentlich
- 5:44unvermögend, also innerlich arm und unfähig.
- 5:48Zarathustra vergleicht diese Menschen mit Affen, die
- 5:50übereinander klettern, im Gedränge treten sie sich
- 5:53gegenseitig in den Schlamm und in die Tiefe, sie alle wollen
- 5:57zum Thron, also zur Macht, es ist ihr Wahnsinn zu glauben,
- 6:02dass das Glück auf dem Thron sitzt, oft sitzt aber nur
- 6:05Schlamm auf dem Thron. Und oft ist auch der Thron
- 6:08selbst nur Schlamm. Für Zarathustra sind das alles
- 6:12wahnsinnige Kletteraffen und Hitzköpfe, der neue Götze, der
- 6:16Staat riecht übel für Zarathustra, auch die Diener
- 6:20dieses Götzen riechen schlecht, deshalb ruft er seine Brüder,
- 6:24also die freien und schöpferischen Geister, dazu
- 6:27auf, die Fenster einzuschlagen und ins Freie zu springen, sie
- 6:30sollen dem schlechten Geruch entfliehen, sie sollen sich von
- 6:33der Anbetung der Überflüssigen fernhalten.
- 6:37Zarathustra betont, dass die Erde noch immer frei ist für
- 6:39große Seelen. Es gibt noch viele leere Plätze
- 6:42für Einsame und für 2 Same, wo ein frischer Wind weht.
- 6:47Ein freies Leben ist für diese großen Seelen immer noch
- 6:49möglich. Er sagt, wer wenig besitzt, wird
- 6:53umso weniger besessen, das bedeutet, wer wenig materiellen
- 6:57Besitz hat, ist freier, weil er nicht von seinem Eigentum
- 7:00kontrolliert wird. Er lobt die kleine Armut, also
- 7:04ein bescheidenes Leben, das Freiheit ermöglicht.
- 7:07Dann kommt eine der wichtigsten Aussagen dieses Kapitels, dort,
- 7:11wo der Staat aufhört, da beginnt erst der Mensch, der nicht
- 7:14überflüssig ist. Hier beginnt für Zarathustra das
- 7:18wahre Leben, es ist wie ein Lied, das notwendig ist und eine
- 7:22Melodie hat, die man nicht ersetzen kann.
- 7:25Er fordert seine Brüder auf, genau dorthin zu schauen,
- 7:28dorthin, wo der Staat aufhört. Dort sollen sie den Regenbogen
- 7:32und die Brücken des Übermenschen sehen.
- 7:35Der Übermensch ist bei Nietzsche das Ziel der menschlichen
- 7:38Entwicklung, ein Mensch, der sich selbst überwindet, seine
- 7:41eigenen Werte schafft und frei ist von falschen Götzen wie dem
- 7:45Staat. Das Ende der staatlichen
- 7:48Kontrolle ist also die Voraussetzung dafür, dass sich
- 7:50dieser höhere Mensch entwickeln kann.
- 7:53Damit endet zarathustras Rede über den neuen Götzen.