Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 13 - Von der Keuschheit
Transcript
- 0:00Unter Kapitel 13 von der Keuschheit Zachatustra beginnt
- 0:06seine Rede mit einem Vergleich zwischen dem Leben in der Natur
- 0:09und dem Leben in der Stadt. Er sagt, dass er den Wald liebt,
- 0:14in den Städten hingegen ist es für ihn schwierig zu leben.
- 0:16Der Grund dafür ist, dass es dort zu viele Menschen gibt, die
- 0:19Brünstig sind, mit Brünstig, meint Nietzsche hier Menschen,
- 0:23die von einem ständigen unkontrollierten sexuellen
- 0:26Verlangen getrieben sind. Er stellt eine sehr provokante
- 0:29Frage. Ist es nicht besser, einem
- 0:31Mörder in die Hände zu fallen, als in den Träumen einer
- 0:34brünstigen Frau vorzukommen? Damit drückt er seinen Ekel vor
- 0:38einer Sexualität aus, die Triebhaft, unrein und
- 0:41besitzergreifend ist. Er betrachtet die Männer und wie
- 0:45sie Frauen ansehen, er sieht in ihren Augen keinen reinen Geist,
- 0:49sondern Schlamm. Das Schlimmste daran ist für
- 0:51ihn, dass dieser Schlamm auch noch Geist besitzt.
- 0:55Das bedeutet, dass diese Menschen ihre niedrigen Triebe
- 0:57mit ihrem Verstand vermischen und rechtfertigen, anstatt
- 1:00einfach und natürlich zu sein. Zarathustra wünscht sich, diese
- 1:04Menschen wären zumindest so vollkommen wie Tiere, denn Tiere
- 1:08besitzen etwas, das diesen Menschen fehlt, Unschuld, die
- 1:13Unschuld ist hier als ein Zustand gemeint, in dem man
- 1:16seinen Trieben folgt, ohne sich dabei schmutzig oder schuldig zu
- 1:19fühlen, ganz natürlich und ohne Hintergedanken.
- 1:23Nun kommt Zarathustra zum Kern seiner Botschaft über die
- 1:25Sexualität. Er fragt, ob er dazu rät, die
- 1:28Sinne abzutöten, also völlig auf körperliche Empfindungen zu
- 1:32verzichten. Seine Antwort ist ein klares
- 1:35Nein, errät stattdessen zur Unschuld der Sinne, das
- 1:39bedeutet, man soll seine Körperlichkeit nicht
- 1:41unterdrücken, sondern eine reine, schuldlose Einstellung
- 1:44dazu finden, er spricht über die Keuschheit, Keuschheit bedeutet
- 1:49hier sexuelle Enthaltsamkeit oder Reinheit.
- 1:52Zarathustra sagt, dass Keuschheit für einige wenige
- 1:55Menschen eine Tugend ist, also eine gute Eigenschaft, aber für
- 1:59die meisten Menschen ist sie fast ein Laster, also eine
- 2:02schlechte Angewohnheit. Diese vielen Menschen mögen sich
- 2:05zwar körperlich enthalten, aber das ist nicht echt, Zarathustra
- 2:10verwendet hier das Bild einer Hündin, er sagt die Hündin
- 2:14Sinnlichkeit, blickt neidisch aus allem hervor, was diese
- 2:17Menschen tun. Weil sie ihre Sexualität
- 2:20unterdrücken, wird diese Hündin aggressiv und neidisch selbst in
- 2:25die höchsten Höhen ihrer Tugend und bis in ihren kalten Geist
- 2:28hinein folgt ihnen dieses Unterdrückte verlangen und sorgt
- 2:31für Unfrieden. Nietzsche beschreibt weiter, wie
- 2:34diese unterdrückte Sinnlichkeit bettelt, wenn man ihr ein Stück
- 2:38Fleisch versagt, also den körperlichen Akt, dann bettelt
- 2:41sie um ein Stück Geist, das bedeutet.
- 2:44Wenn Menschen ihre Sexualität nicht ausleben, fangen sie an,
- 2:47diese Energie in ihre geistigen oder religiösen Vorstellungen zu
- 2:50verlagern. Was diese Vorstellungen dann
- 2:53verunreinigt oder pervertiert. Zarathustra kritisiert Menschen,
- 2:57die Tragödien lieben und alles, was das Herz bricht, er
- 3:01misstraut ihnen, er glaubt, dass ihre unterdrückte Sexualität
- 3:05sich hier verkleidet hat und sich nun Mitleid nennt, in
- 3:09Wahrheit ist es oft eine Lust am Leiden anderer, geboren aus
- 3:12eigener Unbefriedigtheit. Er sieht grausame Augen und
- 3:16lüsterne Blicke bei denen, die angeblich Mitleid mit Leidenden
- 3:19haben, ergibt seinen Zuhörern ein wichtiges Gleichnis mit auf
- 3:23den Weg. Er sagt nicht wenige, die ihren
- 3:26Teufel austreiben wollten, sind dabei selbst in die Säue
- 3:29gefahren, das ist eine Anspielung auf eine Geschichte
- 3:32aus der Bibel. Nietzsche meint damit, wer
- 3:35versucht, seine sexuellen Triebe, die er als Teufel
- 3:38ansieht, gewaltsam zu unterdrücken oder auszutreiben.
- 3:42Der landet oft erst recht im Schmutz.
- 3:45Die Unterdrückung führt dazu, dass die Gedanken nur noch
- 3:48schmutziger werden. Deshalb gibt Zarathustra einen
- 3:51radikalen Rat, wem die Keuschheit schwerfällt, dem soll
- 3:55man sie ausreden, denn wenn man sich zur Keuschheit zwingt,
- 3:59obwohl man es nicht kann, wird sie zum Weg in die Hölle mit
- 4:03Hölle meint er hier den Schlamm und die Brunst der Seele, also
- 4:07einen Zustand, in dem man innerlich vor ungelebten trieben
- 4:10verfault. Zarathustra stellt klar, dass er
- 4:13nicht über schmutzige Dinge redet, um sie zu verurteilen.
- 4:17Das Schmutzige ist für ihn nicht das Schlimmste, ein Mensch, der
- 4:20nach Erkenntnis strebt, geht ungern in seichtes Wasser, auch
- 4:24wenn es sauber ist. Er bevorzugt die Tiefe, selbst
- 4:28wenn die Wahrheit dort manchmal schmutzig erscheint, er
- 4:31verachtet Oberflächlichkeit mehr als das, was die Gesellschaft
- 4:34als unrein bezeichnet. Zum Schluss spricht er über
- 4:38diejenigen, für die Keuschheit gut ist.
- 4:41Wahrlich, sagt er, es gibt Menschen, die von Grund auf
- 4:44Keusch sind. Diese Menschen sind milder im
- 4:46Herzen, sie lachen lieber und öfter als die gequälten
- 4:49Triebunterdrücker. Diese Menschen lachen sogar über
- 4:52die Keuschheit selbst. Sie fragen scherzhaft, was ist
- 4:55Keuschheit, ist sie nicht eine Dummheit, aber bei diesen
- 4:59Menschen ist diese Dummheit als Gast zu Besuch gekommen, Sie
- 5:03haben Sie nicht erzwungen, sie haben diesem Gast der Keuschheit
- 5:08Herberge und Herz angeboten. Nun wohnt sie bei Ihnen ganz
- 5:12entspannt und darf bleiben, solange sie will.
- 5:16Das ist für Nietzsche die einzige gesunde Form der
- 5:18Keuschheit, eine, die natürlich kommt und nicht erzwungen wird,
- 5:22eine, die den Menschen nicht verbittert, sondern ihn frei und
- 5:25fröhlich lässt.