Latest / Augstein & Blome / Kommt die Linke zurück und macht alles kaputt?
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- 0:02Ivy, hallo, du bist wieder da. Ich bin zurück. Ivy, du bist es wirklich.
- 0:07Hier spricht Blume. Wie schön.
- 0:09Ich bin nicht mehr allein mit Augstein. Das ist ein, möchte ich sagen,
- 0:13Schritt nach vorn. Oder Augstein ist nicht mehr allein mit dir.
- 0:16Du musst uns in drei Sätzen sagen, wo du warst und wie es war.
- 0:19Ich habe eine Rundreise mit einem Offroad 4x4 Fahrzeug durch Marokko gemacht.
- 0:25Wir waren in der Wüste, im Atlasgebirge und an der Atlantikküste und es war
- 0:28unglaublich. Okay, du hast also das gemacht, was ich mein ganzes Leben lang
- 0:32machen wollte. Darüber denke ich jetzt nach, während das Intro läuft.
- 0:55Ja, lieber Ivy, lieber Augstein, dann
- 0:57mal zurück aus den weiten Fernen des Atlasgebildes in die Mühen der Ebene.
- 1:06Und die ist in Frankreich und in Deutschland bis hin zur Hauptstadt Berlin geprägt
- 1:10durch ein seltsames Comeback der Linken.
- 1:14Also man könnte auch sagen, die Linke kommt mit Wucht zurück und macht alles kaputt.
- 1:20In Frankreich zum Beispiel macht sie das Land kaputt, indem sie den Aufruhr.
- 1:28Der aus den Vorstädten, aus den Banlieue gekommen ist und in die Innenstädte
- 1:32gezogen ist, so groß angefächert hat, dass sie jetzt die Geister,
- 1:35die sie rief, nicht mehr in die Flasche zurückkriegt.
- 1:38Und am Ende wird Frau Le Pen Präsidentin dieses Landes werden und dann können
- 1:42wir uns alle in einen Sarg sperren und die letzte Schraube reindrehen.
- 1:46Hallo Blome, Ihnen auch schönen guten Tag.
- 1:49Erstmal, ich merke, Sie sind ja voll geladen, weil Ivy ist aus Marokko zurück.
- 1:53Ich sitze bei mir zu Hause mit meinem Vogel, der im Hintergrund quietscht und
- 1:57Blome ist auf Mallorca, da regnet es offenbar sehr viel und es ist sehr schlechtes
- 2:00Wetter, deshalb hat der Kollege sehr, sehr schlechte Laune.
- 2:03Und was Sie eben da gemacht haben, liebes Blömchen, das war wirklich irre,
- 2:08weil Sie haben alles in einen großen Topf geworfen, zweimal umgerührt,
- 2:12bis es richtig schlecht schmeckt und versuchen das jetzt hier zu servieren.
- 2:16Weil wir das versuchen auseinanderzunehmen, ich glaube wir haben...
- 2:19Und natürlich müssen wir es, lieber Augstein, ist doch klar,
- 2:21das war jetzt quasi mein altes Boulevard-Gen.
- 2:25Sie kriegen den Blume aus dem Boulevard, aber nicht den Boulevard aus dem Blume raus.
- 2:30Natürlich, aber es reimt sich eben auch. Und am Ende dieses kleinen Gespräches,
- 2:34werden wir nochmal darauf zurückkommen, ob es nicht eben doch ein paar Gemeinsamkeiten zwischen...
- 2:40Dem Aufruhr in Frankreich, dem Comeback von Frau Schwesig als dem linken Flügel der SPD,
- 2:49und der Linken und dieser Bewegung da in Berlin, ob es da nicht eben doch Gemeinsamkeiten
- 2:54gibt und was sie, wenn ja, sind.
- 2:56Aber fangen wir mal mit Frankreich an. Jetzt erklären Sie mir mal,
- 2:59warum es nicht die Linken sind, die dieses Land gerade in den Abgrund führen.
- 3:04Also natürlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Wiederkehr der Linken in
- 3:07New York, in Berlin und so weiter.
- 3:11Der Umstand, dass Frau Le Pen Herrn Macron nachfolgen wird, den können Sie aber
- 3:15wirklich nicht den Linken anlasten.
- 3:18Ich weiß jetzt nicht ganz genau, ob unsere Zuhörerinnen und Zuhörer über die
- 3:21französische innenpolitische Situation so gut im Bilde sind.
- 3:25Aber im Wesentlichen will ja praktisch die rechtsradikale Le Pen seit vielen,
- 3:28vielen Jahren Präsidentin anstatt des Präsidenten werden.
- 3:32Und ebenso will es von links Herr Mélenchon, der ist schon ziemlich weit links,
- 3:37also auch für meine Begriffe,
- 3:39aber der Mann ist 75 und seine Chancen bei der nächsten Präsidentschaftswahl
- 3:43gewählt zu werden, ich glaube die waren schon vor diesen Unruhen in Frankreich nicht so groß.
- 3:49Und sie sind ehrlich gesagt durch diese Unruhen auch nicht größer geworden.
- 3:52Also wer jetzt immer schreibt, die Linken würden draufsatteln irgendwie auf
- 3:57diese Proteste, um dann darauf, auf dieser Wut der Jugendlichen ihr komisches
- 4:02linkes Süppchen zu kochen,
- 4:04ehrlich gesagt, entweder ist der böswillig, das könnte ich jetzt bei ihm zum
- 4:07Beispiel vermuten, lieber Blume, oder er hat überhaupt keine Ahnung.
- 4:10Denn die Wahrheit ist natürlich, dass die gewalttätigen Proteste,
- 4:13die Frankreich erschüttern und zerrücken zur Zeit, den Linken extrem schaden.
- 4:19Also so blöd sind die jetzt auch nicht. Na, na, na. Aber Abstein.
- 4:23Natürlich schaden wir. Jetzt, wir kennen uns ja beide ein kleines bisschen in Frankreich aus.
- 4:28Wenn ich mich recht entsinne, haben Sie nach mir natürlich versucht,
- 4:33so gut an der Sciences Po zu studieren, wie ich das Ihnen vorgemacht hatte.
- 4:37In der Mitte der zweiten Hälfte der 80er Jahre.
- 4:41Und so ein ganz bisschen kennen wir uns da ja aus. Und der entscheidende Pfiff für Herrn Mélenchon...
- 4:47Der es noch nie geschafft hat, in die zweite Runde zu kommen. Denn das ist ja das Ding.
- 4:52So und so viele Leute treten an in der Präsidentschaftswahl.
- 4:54Bei der ersten Runde ist es ganz selten, ich glaube noch nie,
- 4:58weiß ich gar nicht genau, zumindest in der jüngeren Geschichte,
- 5:00noch nie geglückt, dass einer mehr als 50 Prozent gemacht hat in der ersten
- 5:05Runde und damit es dann sofort wurde.
- 5:06Also man ging in die zweite Runde. Und wer geht in die zweite Runde?
- 5:09Die beiden Erstplatzierten.
- 5:11Und für Herrn Mélenchon ist es jetzt entscheidend, zweitplatzierter zu werden,
- 5:17also in diese Endausscheidung, in die zweite Runde, Düsimtour,
- 5:21zu kommen, um dann zu versuchen.
- 5:25Ich oder Frau Le Pen, also alle Bürgerlichen hinter mich, denn ich verhindere Frau Le Pen.
- 5:30Das ist sein Plan. Und auf dem Unmut der jungen Leute, oder vielleicht auf den
- 5:36gesamten Unmut, und darüber können wir jetzt reden, der ja viel breiter ist,
- 5:39da geht es um Lebenshaltungskosten und ganz andere Dinge noch.
- 5:42Auf diesem Unmut, der sich in brennenden Barrikaden jetzt ausgedrückt hat,
- 5:46will er in die zweite Runde kommen, um dann zu sagen, ich bin der Gemäßigte.
- 5:50Ist natürlich ein bisschen halsbrecherisch, aber genau das hat er vor.
- 5:53Und darum braucht er diese Proteste.
- 5:55Und darum distanziert er sich auch nicht von diesen Protesten,
- 5:58sondern eiert so durch die Gegend. Er will die Leute nicht vergrätzen,
- 6:01die da gerade die Straße anzünden.
- 6:03Gut, also Sie merken schon, wenn Sie sich selber zugehört haben,
- 6:06dass das in sich unlogisch war, was Sie gesagt haben. Aber schwamm drüber.
- 6:10Aber wir gehen jetzt erst mal zu dem, was da eigentlich passiert ist.
- 6:12Es geht jetzt ja schon seit Ende September.
- 6:16Das in Frankreich, es fing an in einer Schule in der Umgebung von Paris,
- 6:21in Créteil, wo die Schüler ihre Schule blockiert haben, weil sie gesagt haben,
- 6:25wir können hier so nicht mehr lernen.
- 6:26Das Schulgebäude zerbricht, es gibt keine Kloß praktisch, wir haben keine Lehrer
- 6:30und die, die da sind, sind immer krank oder kommen nicht zum Unzum praktisch.
- 6:33Also Schüler protestieren für ihr Recht auf Unterricht.
- 6:37Die streiken nicht für das Klima, sondern für ihr Recht auf einen guten Schulunterricht
- 6:41in der Bonne-Lieu von Paris.
- 6:43Andere Schulen haben sich angeschlossen. Diese Proteste gingen zwar von den
- 6:48Stadträndern aus, von den Bonlieus. Auch viele migrantische Schüler haben protestiert
- 6:53für bessere Lernbedingungen, denn Frankreich ist ein Klassenstaat.
- 6:58Die haben zwar die Französische Revolution und die Gleichheit und das alles
- 7:01erfunden, haben aber dann trotzdem einen Klassenstaat weitergehalten,
- 7:05wo der Unterschied zwischen den Leuten im Zentrum, die Geld haben und um die
- 7:10man sich kümmert und denen am Rand, die wenig haben und die man,
- 7:13eben dort auch einfach verdämmern lässt.
- 7:16Dieser Unterschied ist in Frankreich sehr, sehr groß. Er ist viel größer als in Deutschland.
- 7:19Und deshalb ist der Protest eben, und das ist auch interessant,
- 7:22ein migrantischer Protest für bessere Lebensbedingungen, Schul- und Lernbedingungen gewesen.
- 7:28Dem haben sich viele Oberschüler in den Innenstädten angeschlossen,
- 7:31in Solidarität, auch aus den sogenannten Elitenschulen, zum Beispiel wie Sciences
- 7:36Po, was Sie eben gesagt haben, oder die ENA oder welche Gymnasien,
- 7:40Henri Quatre oder so in Paris, also wo die feinen Leute sind,
- 7:44die haben sich angeschlossen.
- 7:45Das ist sozusagen die eine Geschichte und diese Art von Protest wird in Frankreich
- 7:50auch sehr positiv wahrgenommen.
- 7:53Der Pariser Bürgermeister hat Reden gehalten, niemand nimmt den Schülern das
- 7:57übel, selbst das Innenministerium sagt, ja, viele von diesen Förderungen sind
- 8:01berechtigt, darüber können wir dann gleich nochmal reden vielleicht und dann….
- 8:06Haben sich sozusagen darauf gesattelt, marodierende Banden aus den Vorstädten,
- 8:12oft auch mit migrantischem Hintergrund, die die Gelegenheit gekommen,
- 8:16gesehen haben, in die Innenstädte zu gehen und zu plündern und,
- 8:21Radau und Randale zu machen.
- 8:23Und das wird jetzt wiederum von den Rechten ausgeschlachtet,
- 8:26indem man sagt, die sind die Prädateurs, also.
- 8:31Raubtiere, fast schon Prädateurs aus den Vorstädten.
- 8:35Und da schwingt dann immer ein antimigrantisches Ressentiment mit.
- 8:40Das ist die Lage in Frankreich. Und dazu kommt, das nur noch zum Schluss,
- 8:45ganz kurz, die überbordende Gewalt der Polizei, die mich erinnert daran,
- 8:51wie es in Berlin in den 80ern war.
- 8:52Inzwischen ist man in Deutschland weiter, das muss ich jetzt einfach mal so sagen.
- 8:55Die Deutschen haben gelernt, also meistens jedenfalls, wir erinnern uns aus
- 8:59Stuttgart 21, der Mann mit dem ausgeschossenen Auge, da hat man es nicht gelernt.
- 9:03Aber im Wesentlichen, gerade in Berlin hat man gelernt zu deeskadieren durch Polizeitechnik.
- 9:08Das ist ja im Grunde eine Wissenschaft, das ist ja ein Handwerk,
- 9:11solche Demonstrationen so zu steuern, dass es eben nicht zu Gewalttaten kommt.
- 9:15In Frankreich ist die Technik draufhauen, sodass inzwischen Eltern ihre Kinder
- 9:20zu Demonstrationen begleiten, um sie vor den Polizisten zu schützen.
- 9:24Und das ist natürlich auch eine perverse Situation.
- 9:26Einem Jugendlichen ist ein Auge ausgeschossen worden, einem anderen die Hand
- 9:32weggesprengt worden von diesen Prügelpolizisten in Frankreich.
- 9:35Das gehört auch zum Bild in Frankreich im Moment dazu.
- 9:38Augstein, jetzt bin ich wieder wach.
- 9:42Sie können das alles senden, hätte Herr Seehofer gesagt. Sie können das alles
- 9:45senden, die sieben Minuten am Stück, die Sie jetzt geredet haben. Ja, von mir aus.
- 9:49Aber das ist alles wahrscheinlich ziemlich akkurat und in Details vielleicht
- 9:54auch nicht, aber im Großen und Ganzen sicherlich akkurat dargestellt.
- 9:57Es beantwortet nahezu keine einzige Frage. Also wie ist aus dem Schulprotest,
- 10:05Von jungen bis zum Teil auch ziemlich jungen Schülern und Schülerinnen,
- 10:11die sagen, so geht das hier nicht weiter und zwar ganz egal,
- 10:14ob das auf dem flachen Land war und migrantisch oder nicht migrantisch oder
- 10:18banlieue oder was auch immer,
- 10:21ein marodierender, brennender Straßenkampf geworden.
- 10:27Haben da quasi das eine Personal, die Schüler, sind dann zu Hause geblieben
- 10:31und dann kamen die Banden, wie sie das gesagt haben, die marodierenden Banden.
- 10:35Zwischendrin war nämlich noch ein bisschen was anderes.
- 10:38Da war zum Beispiel ein Bürgermeister eines dieser Vororte, also dieser Bonne-Jö-Gemeinden,
- 10:46der sich dann eben vor so brennenden Mülltonnen oder brennenden Barrikaden mit
- 10:52den dann eben doch sehr vermischt protestierenden jungen Leuten gemein machte,
- 10:57anstatt ihnen zu sagen, ey Leute, ihr beschreitet ja eine Grenze.
- 11:00Also da bricht noch viel mehr auf, als nur die Frage eines tropfenden Schulklos.
- 11:05Und das meine ich jetzt überhaupt nicht abfällig.
- 11:08Die Schüler haben alles Recht zu sagen, wenn ihre Schulen nicht funktionieren,
- 11:10ihre Ausbildung nicht funktioniert. Und das ist die einzige Chance,
- 11:13ja überhaupt was zu werden, aus den, wenn man so will, nicht so guten Verhältnissen
- 11:16in den Bonnios rauszukommen.
- 11:19Alles Recht zu protestieren. Aber warum ist das so schnell umgeschlagen in eine
- 11:26Wutwelle, die es in der Form auch nur in Frankreich gibt? Das hat auch nichts
- 11:31mit Polizei, Gewalt oder hin oder her zu tun.
- 11:33Das ist offenkundig typisch französisch, dann muss eben irgendwas brennen oder finden Sie das nicht?
- 11:38Blume, das ist ein bisschen so Lokalkolorit, was Sie da jetzt hier so verbreiten,
- 11:43so der Franzose seit der Revolution hat die Revolution eben auch so im Blut
- 11:48und in der DNA und so weiter.
- 11:50Kann schon sein, ja, ich glaube, dass auch das….
- 11:58Ein einzelnes Wort, was es im Deutschen dann eben gar nicht gibt,
- 12:02für dieses unkontrolliert blind ausbrechende Wutwelle, Gewaltwelle hat.
- 12:09Das ist das Französische, la jacquerie.
- 12:12Und das bezieht sich auf irgendeinen Bauernaufstand im 14. Jahrhundert,
- 12:17wo das zum ersten Mal offenkundig in dieser Form sich Bahn gebrochen hat.
- 12:20Und das gibt es halt irgendwie in der DNA Frankreichs angelegt eben doch.
- 12:27Ich weiß nicht, Blume. Die Lebensbedingungen in der Bandeleu für die dortige
- 12:31migrantische Bevölkerung waren immer schlecht und werden offensichtlich immer schlechter.
- 12:37Natürlich kommen wir dann eben dazu der Frage, warum die Linken sich Hoffnung
- 12:41machen auf die Präsidentschaft.
- 12:43Das Problem in Frankreich ist, der Staat ist pleite. Er ist ein Staat,
- 12:47der die alten Leute zu Kosten auf Lasten der jungen Leute bevorteilt.
- 12:50Es ist ein Staat, wo das bisherige System nicht mehr funktioniert,
- 12:55weil die Gesellschaft altert. Frankreich war immer eine junge Gesellschaft.
- 12:57Deshalb konnte man sich dort Sachen leisten, die man sich hier schon längere
- 13:00Zeit nicht mehr leisten sollte zumindest.
- 13:02All das kommt ins Rutschen. Frankreich ist extrem verschuldet und so weiter
- 13:07und so weiter. Und das Problem ist eben, ich meine, Sie sagen hier Stichwort
- 13:10Revolution. Ich sage lieber Stichwort Klassengesellschaft.
- 13:13Die Leute in den Bonne-Lieus sind vergessen.
- 13:16Und vergessene Leute fangen dann irgendwann an, sich eben auch so entsprechend zu verhalten.
- 13:20Keine Ahnung, es sind halt marodierende Banden, es sind sozusagen anomische
- 13:24Verhältnisse, teilweise in den Bondiös und die Franzosen waren immer ganz zufrieden
- 13:28damit, wenn sie diese Leute eben am Rand halten konnten.
- 13:31Der Unterschied zwischen Peripherie und Zentrum ist in Frankreich viel größer als in Deutschland.
- 13:36Die Gelbwesten waren dann ja
- 13:38mal, die sich übrigens auch in diesen Protest herangehängt haben, waren ja,
- 13:43auch ein Protest aus der Peripherie, aber kein migrantischer,
- 13:47sondern ein weißer Protest, der auch protestiert hat gegen sozusagen die Bevorteilung
- 13:51der Leute in den Zentren,
- 13:53gegen diese Elitenherrschaft sozusagen, die in Frankreich ganz ausgeprägt ist. Aber absteigen.
- 13:59Nein, ich will damit nur sagen, Sie können das jetzt total interessant.
- 14:05Es sind hausgemachte Probleme der französischen Gesellschaft und von denen wir,
- 14:10nur zum Teil etwas lernen können, weil diese Form von abgehängten migrantischen
- 14:15Milieus haben wir glücklicherweise in Deutschland nicht.
- 14:18Die Deutschen haben nie den Fehler gemacht, ihre sogenannten Gastarbeiter dann
- 14:24so weit an den Rand zu drängen, wie die Franzosen, sodass sozusagen dann diese
- 14:29Spannungen dort entstanden sind. Wir haben dieses Problem ehrlich gesagt in dieser Form nicht.
- 14:35Da bin ich mir nicht so sicher und größere Teile der deutschen Bevölkerung würden,
- 14:38ähnlich skeptisch auf migrantische Milieus und ihre Defizite oder auch ihre Nöte,
- 14:44ganz wertfrei blicken, wie das in Frankreich auch so ist, als zu sagen,
- 14:48die haben ein Problem, das haben wir nicht, finde ich ziemlich einfach.
- 14:50Und das Interessante ist doch, sie haben das jetzt sehr strukturalistisch angelegt.
- 14:54Stadt, Land, Alt, Jung, bla und so weiter.
- 14:57Richtig ist, es gibt offenkundig nicht genug Geld oder nicht genug Ideen.
- 15:03Diese gesellschaftlichen Gruppen oder auch diese Orte so zu modernisieren und
- 15:10ihnen mit Chancen quasi auf die Sprünge zu helfen.
- 15:14Aber warum ist das so? Warum ist Frankreich pleite? Und das ist doch das Interessante.
- 15:17Frankreich ist pleite, weil diese ganzen Linkserrungenschaften wie die Rente
- 15:21mit Anfang 50, wie andere Sozialleistungen und andere Strukturen in der Wirtschaft
- 15:29und im Staat nicht mehr reformierbar sind.
- 15:32Selbst Macron mit zwei Amtszeiten ist an einer Rentenreform,
- 15:35die den Namen verdient, gescheitert.
- 15:37Und er ist gescheitert an der Linken, an der politischen Linken, die das verhindert.
- 15:43Die Gewerkschaften, die in Frankreich offenkundig immer noch deutlich stärker
- 15:46sind, als sie meinetwegen in Deutschland sind. Oder sie sind deutlich radikaler
- 15:50als die Gewerkschaften in Deutschland.
- 15:52Das heißt, die Linke ist mindestens mitverantwortlich dafür,
- 15:57dass der Staat in Frankreich inzwischen impotent ist, aber Frankreich ist ein
- 16:01Land, eine Gesellschaft, die auf den Staat immer blickt, als auf den,
- 16:05der die Lösung bringen muss. Und das ist das Problem.
- 16:08Ich würde mal das nicht unterschätzen, den Gegensatz zwischen Jung und Alt.
- 16:11Der ist in Frankreich jetzt für diese Politik total prägend,
- 16:14weil es ja gerade die Jungen sind, die auf die Straße gehen und sich beschweren
- 16:19und sagen, ihr vergeudet hier unsere Lebenschancen.
- 16:22Wenn Sie sich angucken, wie die Lernverhältnisse von diesen Schülerinnen sind,
- 16:26die da protestieren, ich weiß nicht, ob ich das jetzt hier so im Detail beschreiben
- 16:30muss, aber wenn man es sich anschaut, da würde ich sagen, da würde ich mein
- 16:32Kind auch auf die Straße schicken zum Demonstrieren.
- 16:35Es ist einfach unwürdig und es führt auch gerade mal nirgendwo hin.
- 16:38Und Macron, als er gewählt wurde, das ist jetzt ja schon eine Weile her.
- 16:43Er tat damals so, als sei er auch ein Präsident der Jungen. Er war damals ja
- 16:47sehr jung. Er war noch nicht mal 40, als er Präsident wurde.
- 16:50Und tat so, als sei er auch ein Präsident der jungen Generation,
- 16:53der sich um deren Chancen kümmern würde. Er hat es halt nicht gemacht.
- 16:57Er hat sozusagen Politik für alte Leute gemacht. Nein, nein,
- 17:00ganz kurz. Weil er das linke Kartell nicht aufbrechen konnte. Das ist das Problem.
- 17:04Aber es ist so lustig, wie Sie das nennen. Linkes Kartell, rechtes Kartell.
- 17:07Das spielt doch gar keine Rolle. Das ist das entscheidendste Generationenkonflikt,
- 17:10den die dort haben. Und den haben wir komischerweise genauso.
- 17:13Wir haben dieses Migrationsproblem nicht in der Form wie die Franzosen.
- 17:16Das Generationenproblem haben wir aber exakt ganz genauso. Und auch bei uns
- 17:21wird Politik für alte Leute gemacht, aufkostende jungen Leute. Warum?
- 17:25Weil die alten Leute bei uns in der Mehrheit sind. Das ist in Frankreich noch
- 17:28gar nicht so, aber trotzdem ist es schon, Frankreich ist ein Drittel der Wähler,
- 17:32in Rente und ungefähr die Hälfte der Wähler ist, was habe ich keine Ahnung, über 55 oder so.
- 17:37Und bei uns sind die Verhältnisse glaube ich noch schlimmer und bei uns wird
- 17:40auch Politik gemacht, vor allen Dingen für alte Leute.
- 17:42Ich meine, das ist halt Demokratie, die Leute, die Politiker machen ihre Politik,
- 17:48das ist das Produkt, was sie verkaufen wollen für ihre Kunden,
- 17:52die Kunden sind eben alte Wähler und so sieht es halt auch aus.
- 17:55Ja, Augstein, haben Sie ja recht.
- 17:57Die machen Politik für die alten Leute und vergessen ihre Jugend.
- 18:00Aber ich frage mich immer, wer macht diese Politik? Das ist ja keine anonyme
- 18:04Maschine. Und das ist, glaube ich, in Frankreich die politische Linke mit den
- 18:08Gewerkschaften, die...
- 18:11Den Cordon so eng gestellt haben, dass eben nur diese Politik rauskommen kann,
- 18:14selbst bei Macron, der nun kein Linker war oder ist.
- 18:17Und in Deutschland übrigens bildet sich dieser Konflikt, machen wir mehr für
- 18:21die Rente aus dem Staatshaushalt oder machen wir mehr für Bildung und andere
- 18:25Dinge aus dem Staatshaushalt, ja genauso gerade neu ab, wir sind ja beim,
- 18:30Oberthema Comeback der Linken, bildet sich genauso neu ab mit Frau Schwesig
- 18:35on the rise in der SPD, der künftigen alleinigen Herrscherin,
- 18:39möchte ich sagen, Vorsitzenden der SPD, ist mein Tipp.
- 18:41Aber ich möchte nur mal eine Frage zurückstellen in Sachen Frankreich und dann kommen wir zur SPD.
- 18:47Glauben Sie, dass Mélenchon mit diesem Hin und Her so ein taktierenden Verhältnis,
- 18:52und das hat er eindeutig, zu dieser Gewalt, zu den Plünderungen,
- 18:56zu den marodierenden, schwarzvermunden Banden, die nun bestimmt keine Schüler
- 19:00mehr sind, sondern alles andere?
- 19:03Dass er damit genügend Proteststimmen auf dem linken Lager, linksen,
- 19:08linken Rand für sich sammeln kann, dass er in die zweite Runde kommt gegen Frau
- 19:12Le Pen. Und was passiert dann?
- 19:13Ich habe Ihnen schon eingangs gesagt, ich glaube, dass Ihre Analyse dort falsch ist.
- 19:17Ich glaube nicht, dass das, und wenn die französischen Linken dieses Kalkül
- 19:22hätten, dann würde es auf jeden Fall in die Irre gehen.
- 19:24Denn diese Form von extremer Gewalt und von extremer Zerstörung stößt zu viele
- 19:30Leute ab. Jeder, der es schafft, sich da auf die andere Seite zu stellen,
- 19:35profitiert sozusagen von dieser Gewalt und deshalb profitiert nur Le Pen.
- 19:38Die Linken versuchen da irgendwie so beide Beine gleichzeitig drauf zu stehen,
- 19:44das haut aber nicht hin. Also was Mélenchon da macht, glaube ich,
- 19:47wird ihm am Ende eher schaden. Also so, ich weiß nicht, aber...
- 19:50Augstein, dann wage ich mal eine Prognose.
- 19:52Der Mélenchon schafft es in die zweite Runde.
- 19:55Auch, weil er diese Leute auf der Straße nicht völlig vor den Kopf stößt,
- 19:59sondern so ein bisschen Augenzwinkern tut. Ach, wisst ihr, ihr habt schon recht.
- 20:02Und ein bisschen Marodieren, ein bisschen Gewalt, das ist schon okay.
- 20:05Das gehört halt dazu. Wir sind halt Frankreich, so sind wir die Revolutionäre. Avant la France.
- 20:10Und dann kommt er in die zweite Runde und alle in der Mitte in Frankreich werden
- 20:14sagen, den wählen wir nicht, dann wählen wir halt lieber Frau Le Pen.
- 20:18Und dann hat sie es geschafft.
- 20:20Dann hat sie den Griff in die Mitte, wo sie sonst verhindert wurde,
- 20:24all die anderen Anläufe, die sie unternommen hat,
- 20:27weil Mélenchon zu extrem, zu links, zu radikal und zu gewalttätig ist,
- 20:32als dass irgendein Bürgerlicher sagt, okay, in der Not wähle ich lieber den,
- 20:37bevor ich Frau Le Pen wähle. Damit ist die Entscheidung gefallen.
- 20:39Wenn der Mann auf diesem Ticket jetzt in die zweite Runde kommt und so sieht
- 20:43es aus, dann wird er gegen Frau Le Pen verlieren und sie wird Präsidentin.
- 20:48Und dann können wir uns richtig warm anziehen.
- 20:52Also ich glaube auch, dass sie Präsidentin wird, aber wie gesagt,
- 20:54das den Linken anzuhängen ist irgendwie eine lustige Verdrehung der Tatsachen.
- 20:57Das Interessante ist ja, dass ich glaube, sie wird dort Präsidentin und gleichzeitig
- 21:01glaube ich, dass die Linken aber politisch, ehrlich gesagt, in fast allen westlichen
- 21:08Ländern so eine Art Wiedergeburt erleben.
- 21:11Und das, was wir sozusagen hier in Berlin haben, dass hier die Linken gewählt
- 21:14wurden, dass wir in New York einen wirklich linken Bürgermeister haben,
- 21:17auch nach europäischen Maßstäben ist der ja links, Herr Mandami.
- 21:21Und dass wir eine SPD-Politikerin haben,
- 21:25Manuela Schwesig, die mit relativ linken Parolen zumindest Mecklenburg-Vorpommern.
- 21:33Sehr tapfer verteidigt hat gegen die AfD, das hängt schon alles miteinander zusammen.
- 21:37Und da können sie jetzt dann auch, sind die dann auch alle schuld an irgendwas
- 21:41Schlimmen oder könnte es vielleicht sein, Blume,
- 21:43dass die Linken deshalb zurückkommen, weil die Wählerinnen und Wähler merken,
- 21:49dass sozusagen wesentliche, wichtige Fragen in ihrem Leben von den anderen Parteien
- 21:53nicht adressiert werden.
- 21:54Und das Haupt- und das Oberthema ist Bezahlbarkeit, Inflation,
- 21:58Mieten, Benzin, das tägliche Leben.
- 22:00Die Leute können ihr Leben nicht mehr bezahlen. Und die sogenannten Mitte-Parteien,
- 22:05die Grünen, Mitte-Partei, die Grünen, die CDU, die SPD, haben darauf keine richtigen
- 22:10Antworten. Deshalb wenden sich die Leute den Linken zu.
- 22:15Und ich kann es verstehen. Oder wollen Sie das jetzt alles diskreditieren?
- 22:18Sind die alle irre und verantwortungslos?
- 22:22Sie sind heute mit so einem Druck hier in dieses Gespräch gegangen.
- 22:24Packen Sie mal aus Ihren ganzen Wut auf die Linken.
- 22:29Naja, manchmal muss man ja nur die Sätze formulieren und dann den Fehler in den Sätzen suchen.
- 22:34Also, Frau Schwesig möchte,
- 22:39gerne, dass weiter 10 Milliarden pro Jahr in die Rente mit 63,
- 22:45also in die Frühverrentung fließt und unser eigentliches Problem sind doch nicht
- 22:48die Rentner, sondern die jungen Leute, haben wir doch gerade in Frankreich festgestellt.
- 22:51Die Schulen, die Aufstiegsmöglichkeiten, überhaupt die Wirtschaft.
- 22:55Also, diese Frau, die Sie als Protagonistin, und das sehe ich genauso,
- 23:01als Befund eines Comebacks linker Ideen, klassischer, zum Teil radikaler,
- 23:08bei Frau Schwesig aber eher klassischer, traditioneller linker Ideen, hingestellt haben.
- 23:15Zahlt genau auf dasselbe Problem ein, das wir in Frankreich gerade staunend,
- 23:19vor brennenden Barrikaden bewundern.
- 23:23Und da steckt auch ein Fehler drin. Also wenn die linke Politik wegen der Bezahlbarkeitskrise,
- 23:31Affordability Crisis, hieß das schon vor ein, zwei Jahren in den USA,
- 23:36und das hat Herr Mandami auch ins Amt gespült in New York,
- 23:41Wenn das der Kern des Problems ist, dann ist doch 10 Milliarden für die Rente
- 23:45mit 63, um jetzt nur mal ein schlichtiges Stichwort von Frau Schwesig zu nennen,
- 23:50die komplett falsche Politik.
- 23:51Und das verstehe ich nicht. Also ich stehe eher ratlos vor diesem Comeback,
- 23:54als dass ich jetzt wütend wäre, überhaupt nicht.
- 23:57Aber große, große Ratlosigkeit, weil das, was sie vorsteht, ist ganz bestimmt
- 24:01keine Lösung. Blume, ich verstehe Ihren Punkt.
- 24:05Sie haben natürlich recht mit dem, was Sie eben gesagt haben.
- 24:07Das liegt aber daran, dass Frau Schwesig als Populistin in diesen Wahlkampf in Mecklenburg
- 24:12gezogen ist, den sie ja verloren hat gegen die AfD, aber sie hat so viele Stimmen
- 24:16bekommen, dass alle sie für die Siegerin halten, was ja auch eine kuriose,
- 24:21Beobachtung ist. Das kann man sagen, ja.
- 24:25Die Leute in Berlin sind aber in den Wahlkampf gegangen, die Linken,
- 24:28also die richtigen Linken, und haben gewonnen mit dem Versprechen,
- 24:32hier die Mieten zu senken.
- 24:34Ich weiß nicht, ob denen das gelingt. Ich glaube das tendenziell eher nicht,
- 24:37weil ich glaube, dass das Problem, dass die Mieten hier so hoch sind in Berlin,
- 24:41hat so tiefe Ursachen, die so tief reingehen.
- 24:44In die ganze Verfasstheit dieses Staates, dass eine Landesregierung das vermutlich nicht lösen kann.
- 24:50Aber was sollen die Wählerinnen denn machen, wenn sie an die Wahl gehen und
- 24:54ein echtes Problem haben, was von der Politik halt offensichtlich nicht adressiert
- 24:58wird. Und das mit den Mieten und mit der Bezahlbarkeit ist ein Problem.
- 25:01Das bedeutet, und jetzt wird es vielleicht ein bisschen kompliziert,
- 25:04ich weiß nicht, ob Sie da Lust haben, sich darauf einzulassen,
- 25:07aber letztlich zwingt man...
- 25:09Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder ein linker Politiker geht hin und sagt,
- 25:13wir können daran sowieso nichts ändern. Das ist im Wesentlichen das,
- 25:15was die SPD und die Grünen gemacht haben. Deshalb sind sie auch keine Linken mehr.
- 25:19Oder man sagt sozusagen, wir versuchen irgendwie so zu tun, was wir können daran,
- 25:24irgendwie was zu ändern. Das macht dann Frau Schwesig, das macht die Linkspartei.
- 25:27Und in Wahrheit kann man sich aber denken, sehr weit werden die damit nicht kommen.
- 25:31Das ist natürlich, die Politikenttäuschung ist natürlich eingebaut.
- 25:34Ja, das ist das Problem. Es ist natürlich viel einfacher, ein Rechtspopulist
- 25:37zu sein. Weil wenn ich sage, ich behandle von jetzt an alle Ausländer schlecht,
- 25:41das kannst du machen, das geht. Und alle, die sitzen dann da und freuen sich,
- 25:43jetzt werden die Ausländer richtig schlecht behandelt und so.
- 25:46Die Mieten sind trotzdem hoch, das Benzin wird nicht billiger,
- 25:49der Supermarkt hier macht zu, meine Schule hat ein Loch und der Lehrer ist immer
- 25:53krank. Aber dafür werden die Ausländer jetzt schlecht behandelt.
- 25:56Das kann man machen. Das ist sozusagen eine Politik, die erfolgversprechend ist.
- 25:59Linke Politik ist halt viel komplizierter, weil du versprichst den Leuten irgendwie
- 26:02so, dass es Klo rollen, es gibt in der Schule und dann hast du kein Geld,
- 26:06sie zu bezahlen. Naja, es ist halt die Realität. Also ich glaube.
- 26:11Was dem AfD-Politiker, die Ausländer sind, wie die das jetzt paraphrasiert haben,
- 26:17sehr schön, dann geht es denen schlecht und immerhin, dann geht es jemandem
- 26:21noch schlechter als mir.
- 26:23Das ist für die Linken, die Reichen, müssen wir jetzt uns nichts vormachen.
- 26:26Es ist beides auf Disruption angelegt. Es ist beides auf der Suche mit dem Vorschlag,
- 26:33hier ist der Sündenbock, auf den ihr schon immer sauer wart.
- 26:35Jetzt enteignen wir erstmal alle ganz besonders reichen Firmen mit ganz besonders vielen Wohnungen.
- 26:41Wir fragen nicht danach, wie teuer die Mieten in diesen Wohnungen sind,
- 26:45die nämlich für die Stadtverhältnisse sehr, sehr niedrig sind.
- 26:48Wir enteignen sie, weil sie viele sind. Wir enteignen sie, weil die Konzerne dahinter reich sind.
- 26:55In Wahrheit sind sie nur groß, aber das sieht halt aus wie reich.
- 26:59Und insofern hat auch die Linke in Berlin ihren Sündenbock gefunden.
- 27:04Aber es ist schön. Und dem geht es jetzt an den Kragen.
- 27:07Den werden dem jetzt die Sachen enteignet. Ich meine, das ist wirklich krass
- 27:09genug. Und die SPD und die Grünen machen bei diesem Scheiß mit,
- 27:13der nichts bringen wird, zumindest keine neuen Wohnungen. Und das ist das, was es braucht.
- 27:19Weil der Zuzug in diese Stadt deutlich größer ist, als die Zahl der Wohnungen, die neu entstehen.
- 27:24Ich danke Ihnen für das, was Sie jetzt gesagt haben. Weil wenn Sie das jetzt
- 27:28nochmal sich sozusagen selber überlegen, dann merken Sie, genau das ist das
- 27:32Problem in unserem Land und auch mit unserem Wirtschafts- und Gesellschaftssystem.
- 27:36Sie haben völlig recht, die Linken gehen jetzt an die Reichen und die Rechten
- 27:39gehen an die Ausländer. Das Interessante ist bloß, dass die Reichen viel,
- 27:42viel schwieriger zu erreichen sind als die Ausländer.
- 27:45Weil bei den Ausländern, denen das Leben schwer zu machen, ist ganz einfach.
- 27:48Das geht von heute auf morgen, da drehen Sie einmal den Knopf um und in den
- 27:51Ausländerbehörden verändert sich der Ton. Die Polizei kontrolliert die halt
- 27:55häufiger. Oder es gibt irgendwelche komischen Regeln, die man ruckzuck umsetzen kann und so.
- 27:59Entschuldigung, jetzt werde ich ein bisschen pathetisch. Auf den Ausländern
- 28:02rund zu trampeln, geht sofort.
- 28:04Den Reichen wirklich sozusagen ans Portemonnaie zurück. Sie werden sehen,
- 28:10es wird nicht funktionieren. Die sind nämlich hier vergleichsweise sicher.
- 28:13Sowieso muss ich sagen, die Reichen.
- 28:15Es ist doch zum Totlachen, wie das hier geframed wird in Berlin.
- 28:18Alle Leute haben jetzt Angst, dass praktisch die Frau Eral vor ihrer Wohnungstür
- 28:21steht und sie dann hier praktisch so in Charlottenburg enteignet.
- 28:24Da kann ich nur sagen irgendwie, okay, wenn du 10.000 Wohnungen hast,
- 28:2810.000 Wohnungen, könnte es sein, dass dir jetzt die Enteignung droht.
- 28:33Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird, aber darüber wird geredet.
- 28:36Ich persönlich kenne zum Beispiel ganz wenig Leute, die 10.000 Wohnungen haben
- 28:40und sie auch nicht blumen. Das ist mein ganzer Freundeskreis.
- 28:42Ja, was sie machen, das ist so grotesk, das ist so bizarr. Moment,
- 28:47Moment, aber es geht doch nicht um die...
- 28:50Praxis, sondern es geht beim Vergleichen jetzt um die gedankliche Mechanik dahinter.
- 28:57Nein, es geht um die Praxis. Für den Ausländer in Sachsen-Anhalt,
- 28:59nein, sorry, für den Ausländer in Sachsen-Anhalt geht es jetzt richtig ernsthaft jeden Tag um die Praxis.
- 29:05Für den Reichen in Berlin geht es um gar nichts.
- 29:10Ich fange nochmal von vorne an.
- 29:14Es geht um die gedankliche Mechanik dahinter. Wir sind uns doch einig,
- 29:19dass die Ausländer schlecht zu behandeln,
- 29:23nichts bringt für AfD-Wähler,
- 29:28im Gegenteil, mitunter schießen sie sich da sogar in den eigenen Fuß mit,
- 29:31es bringt also nichts im positiven Sinne an Verbesserung für die nicht ausländischen AfD-Wähler.
- 29:39Und genauso wenig, beziehungsweise genauso vergleichbar, bringt die Enteignung,
- 29:46die die Linke jetzt gerne hätte, bei den Konzernen, den schrecklich reichen
- 29:50Konzernen, nichts im Sinne einer Lageverbesserung für die Leute, die das Problem haben.
- 29:57Die ein Problem haben, zum Beispiel mit der Bezahlbarkeit bestimmter Gruppen
- 30:01von Mieten, bestimmter Sorten von Mieten, bestimmter Arten von Wohnungen.
- 30:05Und darauf will ich hinaus. Es ist beides nur Triebabfuhr.
- 30:09Blume, ich glaube, die Gesellschaftung in Berlin wird nicht funktionieren,
- 30:13weil man sie stoppen wird. Aber natürlich wäre das ein wichtiger Schritt hin
- 30:17zur Lösung des Wohnungsproblems in Berlin.
- 30:20Warum will denn Herr Bernheim in England die Privatisierung der Bahn rückgängig machen?
- 30:25Weil viele linkere Politiker
- 30:28jetzt inzwischen merken, dass der neoliberale Wahnsinn der 90er und Nullerjahre,
- 30:33als man sozusagen das ganze staatliche Tafelsilber verhökert hat und gedacht
- 30:36hat, der Markt kann das alles viel besser, wir privatisieren jetzt alles,
- 30:39dass das in Wahrheit halt nur den Reichen genützt hat
- 30:42und die ganz normale arbeitende Bevölkerung irgendwie in die Dose guckt.
- 30:46Natürlich ist das sozusagen der große Zug der Zeit. Und jetzt werden Sie merken,
- 30:50wie schwierig es ist, Entschuldigung, jetzt nochmal Pathos, dem Kapital die
- 30:54Dinge zu entreißen, die es einmal hat. Es wird halt sehr schwierig werden zu
- 30:58vergesellschaften. Es war ganz einfach zu privatisieren, kein Problem.
- 31:01Verkauf sind scheiße. Das zurückzuholen wird sehr, sehr schwierig.
- 31:04Ja, ich würde denen aber wünschen, dass es gelingt.
- 31:07Denn natürlich ist das die Lösung für das Problem.
- 31:09Dass man sagt, Dinge, die sollten den Marktgesetzen entzogen werden,
- 31:14die sozusagen für die Daseinsvorsorge der Leute wirklich unverzichtbar sind.
- 31:18Wohnung und Transport und Schule zum Beispiel oder Gesundheit sind meiner Meinung
- 31:23Daseinsvorsorge-Sachen, in denen es keine Profitgesetze geben sollte.
- 31:26Das sehe ich so tatsächlich. Deshalb bin ich übrigens auch ein Linker und Sie halt nicht.
- 31:30Ja, möglicherweise bin ich kein Linker, weil mich die Lösung des Problems interessiert.
- 31:36Und die Lösung des Problems kann in einer Stadt wie Berlin.
- 31:42Nicht darin liegen, mehrere oder gut 100.000, je nachdem, wo sie die Grenze
- 31:49ziehen, von Wohnungen zu vergesellschaften oder enteignen.
- 31:55Die im Schnitt eine Miete von 7,70 Euro kalt haben.
- 31:59Ihr Problem liegt an einem anderen Ende der Mietskala und das beheben sie,
- 32:05das adressieren sie noch nicht einmal mit der Vergesellschaftung,
- 32:10sondern sie müssten tatsächlich mehr bauen.
- 32:12Und jetzt müsste man einen Schritt weiter gehen und sagen, okay,
- 32:16wir haben verstanden, alle Parteien außer der Linken und der AfD meinetwegen, aber das war egal,
- 32:23haben versagt, in den letzten 20 Jahren dafür zu sorgen, dass hier genug gebaut wird. Fläche wäre da.
- 32:31Geld war auch da, privates Geld übrigens überwiegend, zu bauen.
- 32:36Und vielleicht hätte man bei der Gelegenheit noch ein bisschen mehr Auflagen
- 32:39für Sozialbindung von neu gebauten Wohnungen machen können.
- 32:44Wäre politisch ja alles Kleingeld gewesen, in Wahrheit, wenn man sich so anhört.
- 32:48Scheitert dann aber in einem Verhau von dysfunktionaler Behörden und Verwaltungsstruktur,
- 32:54und da müsste man mit der Axt reingehen, da müsste man mit dem Flammenwerfer
- 32:58reingehen und vergesellschaftet meinetwegen diese ganzen Behörden oder macht
- 33:01irgendwas mit diesen Behörden, schießt sie auf den Mars.
- 33:05Das würde das Problem lösen, das noch einmal darin lautet, mehr Menschen als
- 33:09Wohnungen treibt den Preis in unermesslicher Höhe.
- 33:12Können Sie einen Deckel drauf machen, hält aber nicht. Glauben Sie doch selber nicht.
- 33:15Also, sie müssen dem Kapital nichts entreißen. Sie müssen keinen Grundsatz Krieg,
- 33:21Glaubenskrieg führen. Sie müssen das Problem lösen.
- 33:25Und diese Antwort, ich verstehe, dass sie gegeben wird, weil die andere Seite
- 33:29zu doof war, die richtige Antwort umzusetzen.
- 33:33Die hatten die richtige Antwort, aber sie haben sie nicht auf die Straße,
- 33:35nicht in die Realität gekriegt. Aber das heißt ja nicht, dass eine irreale Lösung jetzt das Richtige ist.
- 33:42Naja, wie gesagt, wenn wir nur über Berlin reden würden,
- 33:46kann sein, wir reden über ein grundsätzliches Problem westlicher Gesellschaften,
- 33:50wo die Leute das Gefühl haben, sie können sich ihr normales Leben nicht mehr leisten und,
- 33:56das macht den Leuten Angst und es ist in vielen Gesellschaften inzwischen ein
- 33:59viel drängenderes Problem als die Migration.
- 34:03Ich meine Spanien, die Geschichte von dieser alten Frau, die 70 Jahre praktisch
- 34:07in ihrer Wohnung gewohnt hat, dann wurde die Miete um 250 Prozent erhöht und
- 34:11dann hat man sie auf der Bahre rausgetragen und so.
- 34:14Also es ist jetzt wirklich offensichtlich ein Extrembeispiel,
- 34:16ja offenbar ein extremes Beispiel.
- 34:18Es hat gereicht, auch dieses Land sozusagen noch zusätzlich in soziale Unruhen
- 34:22zu stürzen und dem Ministerpräsidenten die Gelegenheit zu geben,
- 34:26Wahlen auszuhufen, weil er merkt,
- 34:29die Angst der Leute um ihre Lebensgrundlage ist noch größer als die Angst der
- 34:33Leute vor den Ausländern.
- 34:34Und wenn Sie jetzt hier, ich finde das nur so spannend, weil es ein gutes Gespräch,
- 34:37was wir gerade haben, finde ich, dann kommt Söder und sagt, wir müssen.
- 34:41Ja, Markus Söder, CSU, wir müssen das Land gegen die Linken und gegen die Rechten sichern und so.
- 34:46Das Problem ist aber, dass die Linken und die Rechten sind im Moment die beiden
- 34:49politischen Kräfte, die die zentralen Probleme, die die Menschen haben,
- 34:54nämlich wie läuft das hier mit der Migration und wie läuft das hier mit den
- 34:57Lebenshaltungskosten und unserem Dasein in diesem Land,
- 35:01adressieren oder zumindest haben die Leute das Gefühl, sie zu adressieren.
- 35:03Und die ganzen Parteien in der Mitte sagen, wir müssen doch die Mitte halten, die Mitte schützen.
- 35:07Ja Leute, ihr habt offensichtlich versagt. Ich meine, warum stellen sich die
- 35:11SPD, CDU und Grüne nicht hin und sagen, ja, wir haben bei den zentralen Fragen,
- 35:15die die Leute betreffen, offensichtlich versagt.
- 35:18Das müssen die doch mal machen. Das ist ja das Ticket, auf dem,
- 35:21und jetzt schließt sich der Kreis, das ist ja das Ticket, auf dem Herr Merz,
- 35:25dass mindestens mal in puncto Migration ins Amt gekommen ist.
- 35:28Die Ampel hat versagt bei der Migration. Sie hat in der Tat eine zweite Migrationskrise,
- 35:33nämlich die Flüchtlingskrise aus der Ukraine, erst geleugnet,
- 35:36dann ignoriert und dann sehr zaghaft begonnen, irgendetwas zu unternehmen,
- 35:41beziehungsweise dann an anderer Stelle die Zahlen der Asylsuchenden runterzubringen,
- 35:45damit der Saldo nicht vollständig explodiert.
- 35:50Und Herr Merz ist dran gekommen mit der Versprechen, das kriegen wir in den Griff.
- 35:54Und sie haben es in den Griff gekriegt. Übrigens mit Hilfe der SPD,
- 35:57die ja in dieser neuen Regierung auch ist.
- 35:59Da hat die SPD absolut mitgemacht. Hätte man mit den Grünen mutmaßlich nie in
- 36:02der Form hingekriegt. Aber sei es mal drum.
- 36:05Das haben die in den Griff bekommen. Aber deswegen ist die AfD nicht gefallen.
- 36:08Das ist doch das große Mirakel im Moment.
- 36:11Also die Mitte hat reagiert. Sie hat adressiert mehr als zuvor unter einem neuen
- 36:16Kanzler. Und der Dank ist zero. Null.
- 36:20Das ist das eigentliche Problem der Mitte. Selbst wenn sie Erfolg hat, sagt keiner Danke.
- 36:24Blume, ich will jetzt hier wirklich nicht der Politzyniker sein.
- 36:27Ein bisschen die Gefahr läuft man ja immer, wenn man hier so am grünen Tisch
- 36:30über solche großen Fragen redet.
- 36:32Aber ich wäre froh, wenn die Politik mal so, also die sogenannte Mitte-Politik
- 36:38mal so eifrig auf das Anliegen der Linken reagieren würde, wie man auf das Anliegen
- 36:44der Rechten reagiert hat.
- 36:45Denn das Anliegen der Linken, wie gesagt, Bezahlbarkeit des Lebens,
- 36:50Entschuldigung, das wäre doch
- 36:51toll, wenn die Politik da mal so zügig und durchgreifend handeln würde.
- 36:56Und wenn dann die Leute alle wieder SPD und CDU und Grüne wählen,
- 37:00dann ist doch auch super, dann gönne ich es ihnen auch.
- 37:03Ja, und jetzt muss ich doch mal das letzte Wort behalten. Bezahlbarkeit des
- 37:06Lebens, das ist ja mal ein schöner Begriff.
- 37:09Man könnte auch ganz prosaisch sagen, wir erhöhen keine Steuern, wir senken die Steuern.
- 37:13Dann hast du mehr in deiner Tasche, um das Leben, das ein bisschen teurer geworden
- 37:18ist, weil Herr Putin das Öl teurer gemacht hat und ich weiß nicht wer, auch bezahlen kannst.
- 37:22Also der Staat nimmt dir ein paar Lasten von den Schultern, die er da zuvor drauf getan hat.
- 37:28Oder aber er verzichtet zumindest weitere Lasten, die er auf die Schultern zu
- 37:33laden, damit die Bezahlbarkeit des Lebens, des individuellen Lebens dann leichter fällt.
- 37:39Was macht der Staat, was macht diese Regierung? Sie erhöht drei Konsumsteuern
- 37:42für Tabak, Alkohol und süße Getränke, gezuckerte Getränke.
- 37:48Was macht der Staat sonst noch? eine Steuerreform macht er nicht wirklich.
- 37:51Noch nicht einmal das, was die Inflation, die ja auch nicht ganz niedrig ist,
- 37:56mit den Löhnen, den Gehältern macht, ersetzt er, sondern er rahmt einfach ab.
- 38:03Und warum macht das der Staat? Jetzt denk, denk, denk. Ah, da war die SPD und
- 38:08da war Frau Schwesig und die brauchen halt 10 Milliarden für die Rente mit 63.
- 38:16Und Herr Söder ist da auch noch. Er ist genauso links in der Sache.
- 38:195 Milliarden für die Mütterrente.
- 38:2215 Milliarden gehen durch den Schornstein für eine Gruppe, die es nicht braucht.
- 38:26Ruhig brauner, ruhig, ruhig, ruhig. Pass auf, Sie gehen jetzt auf Ihre Dachterrasse,
- 38:29holen sich eine Flasche Rosé und setzen sich in den Regen und lassen sich volllaufen.
- 38:36Ich kann Ihnen gar nicht länger zuhören. Ivy, wie ist es so für dich jetzt zum
- 38:40erstes Mal wieder dabei? Alles gut, hat sich hier nichts geändert, oder?
- 38:43Hat sich nichts geändert.
- 38:45Einfach gar nichts. Aber das ist schön.
- 38:48Aber es hat dir auch ein Stück weit gefehlt, Ivy, oder? Natürlich.
- 38:51Also ich, Blume, hat dir ein Stück weit gefehlt. Oh Gott.
- 38:54Okay, alles klar. Nächste Woche geht es weiter. Bis dann. Danke. Tschüss. Ciao.