Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Vapes bei Jugendlichen: Wenn Nikotin nach Bonbon schmeckt und der Staat mitverdient
Transcript
- 0:00Also letztes Jahr hat der Staat in Deutschland wirklich
- 0:03Milliarden an Steuern eingenommen, und zwar durch
- 0:06Tabak und Vapes. Und jetzt rate mal, wieviel von
- 0:09diesem enormen Berg an Geld gezielt in die Suchtprävention
- 0:13für Jugendliche geflossen ist. Hm, das ist die große Frage.
- 0:18Ja genau. Die Antwort ist nämlich fast gar
- 0:21nichts. Und genau darüber wollen wir
- 0:23heute einen richtig tiefen Deepdive machen.
- 0:26Wir analysieren heute, wie diese bunt leuchtenden, nach Kaugummi
- 0:30schmeckenden Vapes quasi eine komplette Generation gekapert
- 0:33haben, während die. Politik im Grunde zuschaut und
- 0:35abkassiert, ja. Absolut.
- 0:38Und wir machen das heute auf eine ganz direkte, sehr
- 0:41persönliche Art. Das ist mir extrem wichtig,
- 0:43gleich zu Beginn zu sagen. Egal, wo du gerade stehst, der
- 0:46hier zuhört, ob du dir sorgen um dein eigenes Kind machst oder ob
- 0:49du vielleicht selbst merkst, dass du diese süßen Aromen
- 0:52einfach nicht mehr aus der Hand legen kannst.
- 0:55Genau das hier ist n geschützter Raum.
- 0:57Richtig, das hier ist dein geschützter Raum.
- 0:59Es gibt hier absolut keine Vorwürfe und auch keinen
- 1:01erhobenen Zeigefinger. Wir tauchen einfach tief in die
- 1:05Mechanismen dieser Sucht ein und schauen uns an, wie echte
- 1:08radikale Hilfe eigentlich aussieht und unsere Grundlage
- 1:12dafür ist. Ein wahnsinnig intensiver Text
- 1:14von. Gabriel Er ist der Kopf hinter
- 1:17der Plattform Anonym-suchthilfe.de und lass
- 1:22uns das mal direkt am Anfang aufdröseln.
- 1:24Warum ist gerade Gabriels Text so ein starkes Fundament für uns
- 1:27heute? Na ja, weil er ne Perspektive
- 1:29einnimmt, die im ganzen politischen Diskurs oft völlig
- 1:32fehlt. Also wir hören ja ständig
- 1:34Politiker oder auch Lehrer und Ärzte, die irgendwie von oben
- 1:37herab über Jugendliche sprechen, ne?
- 1:39Ja, voll immer dieses theoretische.
- 1:42Genau. Aber Gabriel ist selbst
- 1:44Betroffener. Erkennt diese ganzen Dynamiken
- 1:47der sucht eben nicht nur aus trockenen Lehrbüchern, sondern
- 1:50aus der eigenen, oft wirklich schmerzhaften Lebensrealität.
- 1:54Das macht einen riesigen Unterschied.
- 1:55Massiven Unterschied und er und seine Community wählen da
- 1:59bewusst einen ehrlichen, sehr direkten Weg.
- 2:02Das nennt man Harm reduction, also schadensminderung.
- 2:05Und das steht halt oft in einem extremen Kontrast zu dieser oft
- 2:09sehr realitätsfernen kühlen Theorie oder Verbotspolitik von
- 2:13staatlichen Behörden. OK, bevor wir gleich richtig in
- 2:17diesen Konflikt zwischen Staat und Suchthilfe einsteigen.
- 2:21Wir müssen erst mal verstehen, warum diese Vapes überhaupt so
- 2:25eine beispiellose Epidemie auslösen konnten.
- 2:27Ja, das ist der Wahnsinn, was da passiert ist.
- 2:30Total. Wenn wir uns mal an unsere
- 2:32eigene Jugend erinnern, da war ne klassische Zigarette ja noch
- 2:36ne echte Barriere. Also der erste Zug hat
- 2:39fürchterlich im Hals gekratzt, man hat gehustet, die Kleidung
- 2:42roch nach kaltem Aschenbecher. Oh ja, das war echt widerlich am
- 2:45Anfang. Eben.
- 2:47Es gab da so ne biologische und soziale Warnlampe, die dem
- 2:50Gürper signalisiert hat, hey, das hier ist ein Gift.
- 2:53Und bei Vapes fehlt diese Warnlampe einfach komplett.
- 2:56Oder sie fehlt nicht nur, sie wurde von der Industrie ganz
- 2:59gezielt durch positive Reize ersetzt.
- 3:02Das ist ein wirklich brillant orchestrierter psychologischer
- 3:05Kniff. Wenn du dir so ne moderne Vape
- 3:07heute ansiehst, das erinnert an absolut nichts, was wir
- 3:10traditionell mit Drogen assoziieren.
- 3:12Gar nicht, nee. Da gibt es keine eklige Asche,
- 3:15keine Warnhinweise, die sofort ins Auge stechen.
- 3:19Die Geräte haben eher diese minimalistische Ästhetik von so
- 3:22einem neuen Smartphone Accessoire oder einem teuren
- 3:25Beauty Produkt. Ja, die sehen super schick aus,
- 3:28die Leuchten, die passen perfekt in die Ästhetik von tiktok und
- 3:32Instagram. Genau, sie liegen weich in der
- 3:34Hand. Und vor allem sie schmecken nach
- 3:37Mango, nach Cola oder Erdbeer. Kiwi und das Gehirn eines
- 3:41Jugendlichen ordnet diesen ganzen sensorischen Eindruck
- 3:44dann gar nicht mehr in die Kategorie Gefahr oder
- 3:46Suchtmittel ein. Sondern eher als Süßigkeit.
- 3:49Exakt. Es fühlt sich an wie eine
- 3:51Süßigkeit. Die süßen Aromen senken die
- 3:54Hemmschwelle massiv aus dem Gedanken, ach, ich probier nur
- 3:57mal diesen Erdbeergeschmack wird völlig unbemerkt eine
- 4:00Nikotinabhängigkeit. Wahnsinn.
- 4:02Da muss ich aber mal direkt eine Frage stellen, die man ja
- 4:05ständig hört. Ich spiele jetzt mal kurz den
- 4:08Anwalt des Teufels. Gerne schieß los.
- 4:11Ist dampfen nicht am Ende doch irgendwie harmloser als echte
- 4:15Zigaretten? Ich mein, da verbrennt doch
- 4:17nichts, es entsteht kein Teer, viele sagen doch, das sei
- 4:20eigentlich ein Fortschritt. Also aus einer rein
- 4:24toxikologischer Sicht für einen. Sagen wir mal fünfzigjährigen
- 4:28Kettenraucher, der vorher 3 Schachteln am Tag geraucht hat.
- 4:32Ja, für den ist der Umstieg auf eine Vape ein Fortschritt im
- 4:36Sinne der Harm reduction. Er inhaliert kein Teer mehr.
- 4:39OK. Aber diese Logik lässt sich
- 4:42absolut nicht auf das Gehirn eines Fünfzehnjährigen
- 4:44übertragen. Das ist der große Irrtum, der
- 4:46entscheidende Punkt hier ist nämlich das Nikotin.
- 4:49Und zwar in dieser sehr künstlichen, hochdosierten Form.
- 4:53Ne. Genau.
- 4:55Nikotin ist ein hochpotentes Nervengift, das extrem schnell
- 4:58abhängig macht. Wenn ein Teenager diesen süßen
- 5:01Dampf inhaliert, schießt das Nikotin innerhalb von Sekunden
- 5:04ins Gehirn und Triggert da eine massive Ausschüttung von
- 5:07Dopamin, unserem Belohnungshormon.
- 5:10Ah OK. Und weil es eben nach Mango oder
- 5:14Kaugummi schmeckt, merkt der Jugendliche gar nicht, dass er
- 5:18da gerade die komplette Neurophemie seines Gehirns
- 5:21umprogrammiert. Richtig, das Gehirn lernt das
- 5:23extrem schnell. Es merkt sich, oh, wenn ich
- 5:25gestresst bin, brauche ich nur einen Zug von diesem
- 5:27Wassermelonenstick zu nehmen und schon fühle ich mich entspannt.
- 5:31Mhm. Und dann?
- 5:32Dann stellt das Gehirn nach kurzer Zeit seine eigene
- 5:34natürliche Dopaminproduktion einfach herunter.
- 5:38Der Teenager fühlt sich dann plötzlich im Alltag völlig
- 5:40grundlos gestresst, gereizt oder einfach leer.
- 5:43Krass. Das heißt, er greift dann wieder
- 5:46zur Vape, um sich überhaupt erst wieder normal zu fühlen.
- 5:49Exakt so ist es. Er glaubt, die Vape hilft ihm
- 5:51gegen den Stress. Aber in Wahrheit heilt die Vape
- 5:54nur den Entzug, den sie selbst ein paar Stunden zuvor überhaupt
- 5:57erst ausgelöst hat. Die süßen Aromen sind quasi nur
- 6:00das Trojanische Pferd. Ein trojanisches Pferd um diese
- 6:04Abhängigkeit in ein Gehirn zu schleusen, das sich eigentlich
- 6:08noch mitten in der Entwicklung befindet.
- 6:10Das ist echt ne perfide Verschiebung der Wahrnehmung,
- 6:13absolut, aber weißt du, das Produkt allein erklärt für mich
- 6:16noch nicht ganz diese flächendeckende Ausbreitung.
- 6:19Lass uns mal kurz über Social Media reden.
- 6:21Sehr wichtiges Thema, ja. Wir sind ja früher auch mit
- 6:24Zigarettenwerbung aufgewachsen, der Malbrumm an Ritt auf
- 6:27riesigen Plakaten an wirklich jeder Bushaltestelle.
- 6:30Warum sollte denn jetzt ein Influencer auf tiktok so viel
- 6:34gefährlicher sein als diese Plakate damals?
- 6:37Der fundamentale Unterschied liegt hier in der Natur, der
- 6:39Beziehung und im Wegfall des kritischen Filters im Gehirn.
- 6:43OK, erklär mal. Wenn du früher so ein Plakat
- 6:45gesehen hast, dann wusste dein Gehirn sofort, OK, das ist eine
- 6:48Firma. Die haben Geld bezahlt, um mir
- 6:51etwas zu verkaufen. Da gab es eine gewisse Distanz.
- 6:54Heute ist das Marketing komplett parasitär, es tarnt sich einfach
- 6:58als normale Lebensrealität. Ja, weil die Jugendlichen das
- 7:01Gefühl haben, sie kennen diese Influencer genau.
- 7:04Das sind parasoziale Beziehungen.
- 7:06Der Jugendliche vertraut dieser Person, er bewundert den
- 7:08Lifestyle und wenn dieser Influencer dann in einem ganz
- 7:11normalen Vlog so scheinbar beiläufig an einer bunten Vape
- 7:15zieht, dann springt dieser Werbefilter im Kopf des
- 7:18Teenagers überhaupt nicht mehr an.
- 7:19Verstehe oder? Wenn die so Unboxing Videos
- 7:22machen ne mit den neuesten Geschmacksrichtungen und direkt
- 7:25noch n Rabattcode dazu. Richtig, das sogenannte Nikotin
- 7:30Marketing hat sich als Lifestyle getarnt.
- 7:32Der Konsum wird gar nicht mehr als bewusste Entscheidung für
- 7:35ein Suchtmittel präsentiert, sondern einfach als völlig
- 7:38normaler Teil eines hippen Alltags.
- 7:41Es ist kein Tabubruch mehr, sondern es geht um
- 7:43Zugehörigkeit. Exakt und genau deshalb reitet
- 7:47Gabriels Text auch so auf Social Media herum.
- 7:50Der Algorithmus erkennt ja, wofür der Jugendliche sich
- 7:53interessiert und spült ihm ununterbrochen diese fröhlichen,
- 7:56dampfenden Menschen in die Timeline.
- 7:58Das normalisiert das Verhalten viel stärker als jedes Plakat an
- 8:01der Bushaltestelle. Wahnsinn.
- 8:03Wenn das Problem also so offensichtlich ist, dann stellt
- 8:07sich doch zwangsläufig die Frage, was macht dann eigentlich
- 8:11die Politik? Tja, ich mein, Wir haben ja den
- 8:13Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streek,
- 8:16der taucht in Gabriels Analyse ja auch sehr prominent auf.
- 8:20Und Streeck hat das Problem durchaus erkannt, erfordert ein
- 8:24Aromenverbot, höhere Tabaksteuern, Werbeverbote auf
- 8:27Social Media und härtere Kontrollen gegen den
- 8:30Onlinehandel von Nikotinbeuteln, also Snooze.
- 8:34Mhm. Das klingt doch auf dem Papier
- 8:36eigentlich erst mal nach einem ziemlich soliden Plan, oder?
- 8:39Das stimmt. Inhaltlich sind diese
- 8:41Forderungen auch richtig. Wir wollen hier auch ganz
- 8:43neutral bleiben. Gabriel stimmt diesen Punkten in
- 8:46seiner Analyse auch vollkommen zu.
- 8:48Das Problem ist nicht das was, sondern das wie und vor allem
- 8:52das wer. OK, wie meinst du das?
- 8:55Moment mal ein Instagram Post des Drogenbeauftragten ist ja
- 8:58noch lange kein verabschiedetes Gesetz, was passiert danach?
- 9:02Das ist genau der blinde Fleck, den Gabriel so scharf
- 9:04kritisiert. Der Drogenbeauftragte ist nur
- 9:07eine warnende Instanz, er kann warnen, er kann Interviews
- 9:10geben. Aber er ist eben nicht der
- 9:13Finanzminister, der Budgets freigibt.
- 9:15Und er ist auch nicht der Zoll, der am Ende die Pakete
- 9:17kontrolliert. Ah, er ist also mehr so das
- 9:20moralische Aushängeschild. Genau.
- 9:22Und die eigentlichen Ministerien im Hintergrund handeln nach ganz
- 9:26anderen Prioritäten. Und hier kommt ein massiver
- 9:29moralischer Konflikt ins Spiel, den Gabriel in seinem Text
- 9:32wunderbar vorrechnet. Lass uns diese Rechnung
- 9:34unbedingt mal durchgehen, die finde ich nämlich extrem
- 9:37augenöffnend. Ja, die Zahlen sind wirklich
- 9:39krass. Wir reden über das Jahr 2025.
- 9:42Da werden in Deutschland voraussichtlich 66,4 Milliarden
- 9:46Zigaretten versteuert. 66,4 Milliarden, das ist absurd.
- 9:50Viel. So, und jetzt stell dir vor, der
- 9:52Staat würde sagen, OK, wir nehmen von jeder verkauften
- 9:56Packung nur mickrige 0,10€, also ein Betrag, den der Konsument
- 10:00eigentlich kaum spürt. Und diese 0,10€ stecken wir
- 10:04ausschließlich und zweckgebunden in die Suchtprävention.
- 10:09Weißt du, was da rauskommt? Ja.
- 10:11Laut Gabriels Text sprechen wir dann von 332000000€ jedes
- 10:18einzelne Jahr. 332000000€ jedes Jahr, stell dir mal vor, was man
- 10:24an der Basis mit so viel Geld bewirken könnte.
- 10:26Wahnsinnig viel. Das wären flächendeckende
- 10:29Aufklärungsprogramme an jeder Schule, Tausende neue Stellen
- 10:32für Sozialarbeiter. Sofort verfügbare Therapieplätze
- 10:36für Jugendliche ganz ohne diese monatelangen Wartelisten.
- 10:40Suchthilfeeinrichtungen könnten endlich mal proaktiv handeln,
- 10:43statt immer nur auf Krisen zu reagieren.
- 10:45Aber genau das passiert nicht oder in die Steuern, um
- 10:48Jugendliche abzuschrecken. Aber gleichzeitig plant er,
- 10:51diese Milliarden fest in den Haushalt ein.
- 10:54Genau, wenn plötzlich alle aufhören würden zu rauchen und
- 10:57zu dampfen, hätte der Finanzminister am nächsten Tag
- 11:00ein gewaltiges Problem. Das ist Heuchelei pur.
- 11:02Absolut. Und das bringt mich zu einer
- 11:05Frage, die man ja auch ständig von Leuten hört, so nach dem
- 11:08Motto, Wenn wir die Dinge einfach extrem teuer machen,
- 11:12sagen wir 50€ für eine Wape löst das dann nicht das Problem von
- 11:16ganz alleine? Das ist eine schöne Illusion.
- 11:19Aber wie bei anderen Drogen auch, hält ein extrem hoher
- 11:22Preis am Ende niemanden auf, der bereits abhängig ist.
- 11:25Mhm. Preise schrecken vielleicht die
- 11:27Neulinge ab. Der Zwölfjährige überlegt, sich
- 11:30das dann zweimal. Genau das ist vielleicht der
- 11:32einzige Effekt. Aber was passiert mit dem
- 11:34Fünfzehnjährigen, der jeden Morgen vor der Schule dampfen
- 11:37muss? Der hört ja nicht einfach auf,
- 11:39nur weil es teurer wird. Der Leidensdruck des Entzugs ist
- 11:42ja viel zu groß. Er spart dann woanders.
- 11:45Ne ist nichts mehr in der Pause. Oder er fängt an, seine Eltern
- 11:49anzulügen, um an Geld zu kommen. Oder er weicht auf diesen völlig
- 11:52unregulierten Schwarzmarkt aus, wo er sich billige, extrem
- 11:55gefährliche Importgeräte besorgt.
- 11:58Ein hoher Preis therapiert keine Abhängigkeit, er stürzt den
- 12:01Süchtigen nur in Stress. Was paradoxerweise den Drang zu
- 12:04konsumieren dann wieder verstärkt, weil er ja dampft, um
- 12:07Stress abzubauen. Exakt.
- 12:09Reine Preisstrafen bringen bei Süchtigen gar nichts.
- 12:12Die brauchen Reflexion und Unterstützung.
- 12:14Und da muss ich jetzt mal kritisch reingrätschen, was
- 12:17dieses Harm reduction Konzept bei Jugendlichen angeht.
- 12:21Wenn wir in der Suchthilfe bei harten Drogen von Harm Reduction
- 12:24sprechen, dann verstehe ich das, da verteilt man saubere
- 12:27spritzen, damit sich niemand mit HIV infiziert.
- 12:30Aber bei einem Fünfzehnjährigen mit so einer bunten Vape.
- 12:33Das ist ein verständlicher Gedanke.
- 12:35Wenn wir dem jetzt sagen, OK, du dampfst halt, lass uns mal
- 12:37schauen, wie wir die Schäden minimieren, normalisieren wir
- 12:40dann nicht einfach eine sucht, die eigentlich noch ganz am
- 12:43Anfang steht? Warum sagen wir nicht einfach
- 12:45kaltentzug Ding wegnehmen, Eltern anrufen, fertig?
- 12:49Das ist der klassische Reflex. Man will das Problem als
- 12:52Erwachsene einfach sofort eliminieren, aber wir müssen uns
- 12:55die Psychologie dahinter ansehen.
- 12:57Wenn du einem Fünfzehnjährigen die Vape wegnimmst und ihn mit
- 13:00Hausarrest bestrafst, dann verschwindet ja sein
- 13:02neurologischer Drang nach Nikotin nicht.
- 13:04Ja, OK, der Entzug ist ja trotzdem da.
- 13:08Was stattdessen verschwindet, ist sein Vertrauen zu dir.
- 13:11Er wird seinen Konsum einfach komplett in die Heimlichkeit
- 13:14verlagern, er muss dann den Stress des Entzugs und den
- 13:17Stress der Strafe gleichzeitig bewältigen.
- 13:20Das ist heftig. Ja, und du nimmst ihm sein
- 13:22einziges Werkzeug zur Stressbewältigung Weg.
- 13:25Ohne ihm vorher ein neues, gesundes Werkzeug an die Hand zu
- 13:28geben. Harm reduction bei Jugendlichen
- 13:30bedeutet ja nicht das Abzuwinken, es bedeutet die
- 13:33Realität anzuerkennen. Das Kind ist jetzt gerade
- 13:36abhängig. Und wie sieht es dann konkret in
- 13:39der Praxis aus, also ohne diesen erhobenen Zeigefinger?
- 13:42Gabriel beschreibt da in seinem Text ein paar super konkrete
- 13:44Instrumente, zum Beispiel Konsumtagebücher.
- 13:47Ah, also aufschreiben, wann man raubt.
- 13:50Genau, aber nicht als Strichliste für Vorwürfe.
- 13:53Es geht um Ursachenforschung. Der Jugendliche lernt zu
- 13:56dokumentieren, wann greif ich zur Web.
- 13:59Ist es morgens vor der mathearbeit, weil ich Angst habe
- 14:02oder auf dem Schulhof, weil alle anderen es tun?
- 14:05Um zu verstehen, warum man dampft, diese Triggerreflexion.
- 14:10Richtig, welche Situation löst den Drang aus?
- 14:14Harm Reduction baut da eine Brücke und nimmt vor allem die
- 14:17Scham aus der Gleichung. Der Jugendliche lernt, dass er
- 14:20kein schlechter Mensch ist, nur weil er abhängig ist.
- 14:23Das leuchtet mir total ein. Man muss erst ein neues
- 14:27funktionierendes System aufbauen, bevor man das Alte
- 14:30komplett einreißt und genau dafür braucht es ja Orte, die
- 14:33niedrigschwellig sind und das führt uns eigentlich direkt zum
- 14:36Herzstück unserer heutigen Folge.
- 14:38Ja, das ist wirklich der entscheidende Punkt jetzt.
- 14:40Wenn der Staat Lücken lässt und wenn Jugendliche zwischen
- 14:44verboten und fehlender Prävention feststecken, wer
- 14:47fängt sie auf? Und da hat Gabriel mit seinem
- 14:50Team eine Lösung gebaut. Ich freue mich mega, das
- 14:52ankündigen zu können. Seit dem 1.
- 14:54April hatanonymsuchthilfe.de, die ja auch als Neelix Berlin
- 14:58Community bekannt sind, eine gigantische Weiterentwicklung
- 15:02durchgemacht. Mhm, das ist echt massiv.
- 15:05Es ist längst kein einfacher Blog mehr, auf dem man Artikel
- 15:07liest. Es ist ein hochmoderner,
- 15:09interaktiver Safe Space geworden.
- 15:11Erzähl mal, was das konkret bedeutet.
- 15:13Also wir sehen hier die Evolution der Plattform hinzu,
- 15:16einem wirklich aktiven Support. Bordsystem es gibt da jetzt ein
- 15:20absolut geschütztes, zu 100% anonymes Forum. 100% anonym, das
- 15:26ist wichtig. Sehr wichtig.
- 15:27Es gibt keinen Klarnamenzwang, man kann in den echten
- 15:30unzensierten Austausch gehen, Scham ist der größte Feind der
- 15:34Suchthilfe, hier kann man wirklich offen reden und dann
- 15:37gibt es gezielte kostenlose Coaching Angebote.
- 15:41Und das finde ich so essenziell. Diese Coachings sind nicht nur
- 15:43für die Betroffenen selbst, oder?
- 15:45Nein, ganz genau sind auch explizit für Angehörige.
- 15:49Stell dir vor, du bist Mutter oder Vater und musst hilflos
- 15:52zusehen, wie dein Kind da rein rutscht.
- 15:54Die Familien werden dort auch gecoacht und an die Hand
- 15:56genommen, wow, aber das eigentliche Highlight und da bin
- 15:59ich fast vom Stuhl gefallen, als ich das gelesen habe, das sind
- 16:02diese 8 brandneuen spezialisierten KI Assistenten.
- 16:07Das ist wirklich das technologische Herzstück der
- 16:09neuen Community. Lass uns da wirklich mal tief
- 16:12reingehen. Wie muss ich mir das vorstellen,
- 16:14wie hilft eine KI einem Fünfzehnjährigen nachts um 03:00
- 16:17Uhr? Wir müssen uns hier von der
- 16:18Vorstellung verabschieden, dass das so simple Chatbots sind.
- 16:21Diese 8 Assistenten sind gezielt für spezifische Phasen der Sucht
- 16:25trainiert, sie bieten sofortigen Unzensierten Support Twenty Four
- 16:30Seven. Für jede Lebenslage.
- 16:32OK, gib mir mal ein Beispiel. Nehmen wir den KI gestützten
- 16:35Krisenplan. Der Jugendliche liegt nachts
- 16:38wach, der Suchtdruck wird übermächtig, niemand ist wach
- 16:41zum Reden, er loggt sich ein, die KI urteilt nicht, sie sagt
- 16:45nicht, reißt sich zusammen, sie führt ihn durch Atemübungen,
- 16:48Deeskaliert die Panik und hilft, die Zeitspanne des akuten Drucks
- 16:51zu überbrücken. Ich stell mir das vor, wieso
- 16:53eine Art Motorkontrollleuchte für die eigenen Emotionen.
- 16:57Die Jugendlichen wissen ja oft gar nicht, was gerade passiert.
- 17:00Und die KI hilft, das zu übersetzen.
- 17:02Das ist ein super Vergleich. Es gibt auch einen Mood Tracker,
- 17:06da dokumentiert der Jugendliche seine Stimmung und die KI
- 17:09analysiert dann diese Daten und sagt, Schau mal immer wenn du
- 17:13dienstags nachmittags gestresst bist, steigt dein Verlangen
- 17:16extrem. Was passiert dienstags?
- 17:19Wow. Die KI übernimmt also die
- 17:21Reflektionsschwerstartarbeit. Genau das alles ohne Strafe,
- 17:26ohne Wertung. Das ist wirklich unglaublich.
- 17:29Gabriel und sein Team haben da wirklich einen Ort geschaffen,
- 17:32an dem niemand mehr allein gelassen wird.
- 17:34Kein Jugendlicher, der sich dafür hasst, keine Mutter, die
- 17:37verzweifelt vor der Zimmertür steht.
- 17:38Sie haben ein echtes zu Hause für Harm Reduction geschaffen.
- 17:42Wo der Start ins Leere läuft, tritt diese Community ein und
- 17:46fängt die Leute auf. Absolut.
- 17:47Und deshalb möchte ich jetzt auch direkt dich ansprechen, der
- 17:50uns gerade zuhört, wenn du echte Hilfe suchst, Fragen hast oder
- 17:54dich einfach nur sicher und anonym austauschen willst.
- 17:58Komm auf anonymsuchthilfe.de und werde Teil unserer neuen
- 18:02Community. Die Tür steht immer offen.
- 18:04Und ich möchte dir zum Abschluss noch einen letzten, etwas
- 18:07provokanten Gedanken mit auf den Weg geben, den man aus Gabriels
- 18:10Arbeit ableiten kann. Gerne.
- 18:12Stell dir mal vor, wir würden die Algorithmen auf Social
- 18:15Media, also die unsichtbaren Maschinen, die unseren
- 18:18Jugendlichen heimlich diese süßen Vapes in die Timeline
- 18:20spülen. Mit genau derselben Härte und
- 18:23Konsequenz kontrollieren wie die Ausweiskontrolle an einer
- 18:26physischen Supermarktkasse. Wie würde unsere digitale Welt
- 18:30dann aussehen? Das ist ein enorm starker
- 18:33Gedanke. Lass das mal auf dich wirken,
- 18:36wir schließen diesen Deep Dive heute mit dem Lebensmotto von
- 18:39Gabriel ab, das ja auch den Kern dieser gesamten neuen Plattform
- 18:42bildet, aus allem schlechten im Leben etwas Gutes machen.
- 18:47Danke, dass du dir heute die Zeit genommen hast.
- 18:49Pass auf dich auf. Danke fürs Zuhören.
- 18:51Alles Gute.