Latest / BZ am Ohr / Ulrich von Kirchbach über Rathaus, Boxring und seinen Kampf gegen den Krebs
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- Ja, wir sitzen hier im WZ-Podcast-Studio mit einem Mann, der 24 Jahre lang die Freiburger Kommunalpolitik entscheidend mitgeprägt hat, der zu seinem Abschied das schönste und teuerste Museum der Stadt sozusagen geschenkt bekommen hat. Er ist der erste und einzige Freiburger Bürgermeister, der in einem Boxring bei einem Kampf gestanden ist. Er ist der Mitterfinder der berühmten Säule der Toleranz. und der ist dafür auch eingestanden, als Einbürger an jedem Abend 2009 auf Tuchfühlung mit ihm gegangen ist. Und wir werden erfahren, wie man so einen Job durchsteht, der nichts mit 9 to 5 zu tun hat, sondern ich denke manchmal von 7 to Midnight, der nicht eine besonders gute Work-Life-Balance vermutlich gehabt hat die letzten 24 Jahre. Und er ist sozusagen ein Protagonist der Rente mit 70, auch wenn er Sozialdemokrat ist. Herzlich willkommen, Ulrich von Kirchbach. Auf seiner Abschiedstournee schaut er auch bei uns vorbei. Vielen Dank. Schön, dass du da bist bei uns. Du wirst 70, drei Tage später geht es in den Ruhestand. Ich glaube, wir werden jetzt die nächsten halben Stunden vielleicht erfahren, wie man es schafft, Freiburgs beliebter Schwabe zu werden. Ich glaube, das kann man sagen. Im Konzerthaus, beim Neujahrsempfang, Standing Ovations, neulich an Fastnet, in der Wotanhalle, Uli-Uli-Rufe. Was macht es mit dir? Du hast ja viele Abschiede gerade. Dass man so Zuneigung erfährt, gibt es glaube ich für einen Politiker eigentlich selten, oder? Ja, das stimmt. Wobei ich die letzten Jahre immer die Erfahrung gemacht habe, dass wenn man viel einbringt, dass man dann auch viel zurückbekommt. Aber jetzt ernte ich tatsächlich vieles, was ich die letzten 24 Jahre auch gesehen habe. Und das ist natürlich schon emotional ein Berühren. Das hat man dann auch gesehen, wenn es Standing Ovations gibt oder wenn Uli-Uli-Rufe kommen. Das lässt einen natürlich nicht kalt. Es wäre seltsam, wenn es dem so wäre, sondern es berührt einen schon. Und das zeigt auch, dass man dann doch vieles richtig gemacht hat, dass man sich eingesetzt hat und die Menschen sehen das und es wird dann jetzt auch honoriert oder ist eigentlich immer honoriert worden, auch wenn es natürlich auch einige Erlebnisse gab, die nicht so besonders schön waren. Ja, da kommen wir nachher noch drauf. Eben, es ist ja ein wahrscheinlich 200-Prozent-Job als Bürgermeister in Freiburg mit großen Fachbereichen, Kultur, Soziales, als erster Bürgermeister, der Stellvertreter vom Oberbürgermeister. Jetzt sind es die letzten Tage. Drei Tage eben nach deinem Sitzker übernimmt Roland Meder. Hast du nicht Angst, dass du da in ein Loch fällst, wenn man so aus Volldampf dann quasi erstmal doch deutlich weniger zu tun hat? Also die Befürchtung habe ich nicht, weil ich viele Interessen habe. Denen ich jetzt nachgehen kann. Und dann gibt es auch noch das ein oder andere Ehrenamt, was ich schon habe oder was ich vielleicht noch bekommen werde. Also insofern wird es nicht von 200 auf 0 gehen, sondern vielleicht von 200 auf 80 oder 90. Und ich glaube, es ist schwer, dann Abstand zu kriegen von so einem Job, der doch das ganze Leben sehr geprägt hat. Politik ist immer gestalten auf Zeit. Das weiß man von Anfang an, wenn man gewählt ist, auf Aktial gewählt ist. Und ich habe jetzt immer mehr die Erfahrung gemacht, dass es schön ist, jeden Tag ein bisschen mehr loszulassen. Man hat ja, ich bin jetzt auch der Roland Meter schon bei verschiedenen Entscheidungen mit ein oder nehme zu den Sitzungen dazu, gerade Haushaltsberatung oder wenn es jetzt um Weichenstellung geht. Also insofern merke ich, dass es auch was Entlastendes ist, dass man nicht das jetzt allein tragen muss, sondern dass einem das schon abgenommen wird. Und die letzten Wochen waren eigentlich auch eine schöne Zeit, weil vieles dann doch noch eingeweiht wurde oder öffnet wurde oder Termine so abgestimmt wurden, dass ich es noch in meiner Amtszeit erleben kann. Nein, also die Befürchtung habe ich nicht. Im Gegenteil, wenn man immer vom Terminplan diktiert wurde, den ganzen Tag ist es auch mal schön, etwas mehr Freiraum zu haben. Und eben, du hast gerade gesagt, Einweihung, Stichwort natürlich Augustinermuseum. Wir haben bei uns im Archiv ein schönes altes Foto gefunden, wie der damalige FDP-Wirtschaftsminister. Da gab es noch die FDP in der Landesregierung 2002, also deinem ersten Amtsjahr, die er einen Förderscheck übergeben hat. Du siehst da noch sehr jugendlich aus auf dem Foto und das heißt aber auch, dieses Museum hatte ich die ganzen 24 Jahre begleitet, sicher auch gestresst, schlaflose Nächte vermutlich. Und wie bist du zufrieden mit dem Ergebnis? 20.000 Besucher, glaube ich, die erste Woche. Tolle Sache. Also mit dem Ergebnis bin ich hoch zufrieden. Klar, der Prozess war, Manchmal sehr schwierig, weil es gab Kostensteigerungen, dann hatten wir Pilz und Schwamm und Wassereintritte und das Ganze war natürlich nicht ganz einfach, immer wieder neue Entscheidungen herbeizuführen. Aber die Zivilgesellschaft hat das auch mitgetragen und ich habe immer gesagt, wir müssen jetzt weitermachen, wir können nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Hat ja auch immer die Unterstützung der Oberbürgermeister bei diesem Weg auch. Du hast drei Oberbürgermeister erlebt, muss man sagen. Noch ein paar Wochen wohnen alle Rolf Böhm, Dieter Salmon, jetzt eben Martin Horn. Genau. Das Augustiner Museum war immer dabei. Genau, und es war wichtig, anders wäre es auch gar nicht gegangen, sonst hätte man das gar nicht so zu Ende bringen können. Und der Gemeinderat stand auch dahinter, die Augustiner Kommission im Alt-Schanier. Also insofern hat sich der Weg wirklich gelohnt, obwohl es manchmal fast zum Verzweifeln war. Aber jetzt das Ergebnis lässt sich sehen. Ich habe jetzt mit vielen, vielen gesprochen, die drin waren, mit unzähligen. Und ich habe jetzt kein negatives Votum bekommen. Manche haben gesagt, Orientierung muss man vielleicht noch daran arbeiten. Sie haben sich gar nicht so richtig zurechtgefunden. Aber ansonsten nur Positives. Und ich glaube, es ist insgesamt jetzt auch von der Konzeption, was wir dann auch mit der Frau Götzmann jetzt gemacht haben und vorher schon von Stockhausen erarbeitet wurde, auch die Verzahnung mit dem Immobilienmanagement. Also ich kann sagen, wir können stolz sein und wir können uns sehen lassen mit diesem Museum in der Region, aber auch national. Und ich glaube, das war wichtig für Freiburg als Kulturstandort. Wenn wir uns mal zurückblicken so ein bisschen auf deinen persönlichen Lebensweg. Du kommst von den Filtern aus Ostfiltern, bist du aufgewachsen quasi so mit, Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm und bist dann, so sei es, Schwabe, schon Mitte der 80er Jahre, glaube ich, nach Freiburg gekommen. Welche schwäbischen Tugend hast du hier bei uns Partnern eingebracht. Also Fleiß zu bestimmten Sekundärtugenden, dass auch nichts von allein kommt. Man muss erst was in den Ärmel reintun, bevor man was rausschütteln kann. Ja, und ansonsten habe ich aber auch, hat mir das immer hier gefallen, auch hier im Baden zu sein. Ich habe das Schwäbische nicht rausgehängt, aber es wurde mir auch umgekehrt auch nie negativ angekreidet. Da hört es ja auch nicht so richtig. Genau, das fand ich Das fand ich auch sehr schön, obwohl er manchmal immer gefrotselt wird. Aber ich kann selber auch ein paar Schwabenwitze. Insofern kann ich damit auch mal… Bester Schwabenwitz? Der beste Schwabenwitz, ja. Gut, kommt ein Schwabe zum Waffenkirsch und sagt, ich hätte gerne ein Messer. Tut mir leid, haben wir nicht. Hätte ich gerne eine Pistole. Tut mir leid, haben wir auch nicht. Hätte ich gerne quer, haben wir auch nicht. Ja, verflucht nochmal. Ich habe da alles im Schaufenster gesehen. Haben Sie was gegen Schwaben? Ja, Messer, Pistolen, Glippe. Ja, nicht schlecht. Wunderschön. Damals als Waffenkirchen in der Gartusgasse. Genau, in der Gartusgasse. Da ist, glaube ich, der erste Shop drin. Ja, wenn man ein bisschen auf deine Geschichte schaut. Du bist früh schon Mitglied der SPD geworden, Obwohl du, glaube ich, nicht aus dem klassischen sozialdemokratischen Elternhaus kommst, oder? Ja, genau. Also ich bin mit 17 und mit knappen 17 bin ich Mitglied geworden bei den Jusos und damit eigentlich schon Mitglied bei der SPD. Ich habe dann Wahlkämpfe gemacht. Meine Eltern waren am Anfang nicht so begeistert, muss ich sagen. Aber als sie doch auch ein bisschen liberal eingestellt waren, haben sie es dann akzeptiert. Und ja, weil ich habe mir lange überlegt, ich wollte mich politisch engagieren. Und bei der SPD habe ich mich eigentlich am wohlsten gefühlt, auch aus verschiedenen Gründen Ostpolitik, Willy Brandts Suchen nach sozialer Gerechtigkeit und auch das Versagen der bürgerlichen Parteien, damals in der Weimarer Republik, beziehungsweise dann beim Ermächtigungsgesetz. Also insofern war das dann für mich klar, mich hier zu engagieren, habe ich dann auch umgeguckt und ich bin auch hier durch Höhen und Tiefen gegangen, kann man sagen. Wir haben dich ja interviewt am letzten Sonntag bei der Wahl. 5,5 Prozent auch in Freiburg hinter der AfD. Was macht das mit einem aufrechten Sozialdemokraten wie dir? Man ist natürlich schon deprimiert, wobei man natürlich sagen muss, durch den Zweikampf Östemir-Hagel haben auch viele, auch sogar SPD-Mitglieder haben mir gesagt, sie wollen nicht, dass der Hagel-Minister-Werse dann wird. Sie wählen jetzt doch mit der Zweitstimme Grünen. Ich habe mich dann teilweise mit denen... Richtig gezofft, weil ich gesagt habe, ihr bringt uns noch Richtung Fünf-Prozent-Hürde und so war es dann auch tatsächlich. Also insofern ist es nicht alles hausgemacht gewesen, was jetzt das Wahlergebnis betrifft, aber es war natürlich das schlechteste Wahlergebnis einer Partei in einer Landtagswahl für die SPD. Es war sogar noch schlimmer als Thüringen und Sachsen bisher. Aber die SPD hat eine lange Geschichte und sie wird sich da auch wieder rauskämpfen. Davon bin ich überzeugt, die SPD wird gebraucht und man muss auf die richtigen Themen setzen, auf die richtigen Leute und dann wird es auch wieder. Ich gehe nochmal zurück zu deinen Jugendzeiten, Juso-Zeiten. Du hast dich dann nach der Schule für ein Jurastudium in Tübingen entschieden. War das von Anfang an klar, dass du richtig in Jura gehst? Ja, Jura hat mich schon interessiert. Ich habe mir auch überlegt, Theologie zu machen, Theologie zu studieren. Du hast eine kirchliche Jugendarbeit, glaube ich, auch angeschaut. Ja, auch andere Studien, Geschichte. Mein Vater war ja Bauingenieur. Natuwissenschaften war ich jetzt nicht schlecht, aber dann auch nicht so gut, dass es zum Studium gereicht hätte, zum Leidwesen meines Vaters. Aber dann habe ich mich doch für Jura entschieden, weil ich dann auch gedacht habe, da kann ich auch mein politisches Engagement am besten damit kombinieren. Da kann man dann auch viel lernen, was jetzt Grundgesetz anbelangt oder auch die öffentliches Recht und verschiedene andere Rechtsgebiete. Also insofern habe ich das auch dann bewusst mich für Jura entschieden und habe das Studium, obwohl es da auch trockene Einheiten gibt, aber habe ich es nie bereut oder man hat immer auch jeden Tag viel dazugelernt. Ich habe gelesen, bei uns im Archiv, hast du uns mal erzählt, deine Fakultät hat mal ein Grillfest gemacht. Das hat sogar bis in die Bild-Zeitung geschafft. Professor zündet Studenten an. Du warst, glaube ich, einer der Schwerverletzten sogar damals. Ja, er war sieben Wochen damals im Krankenhaus. Das war ein Grill mit Abzug. Ein Assistent vom Professor hat Spiritus reingegossen und der Abzug hat nicht richtig funktioniert. Da gab es keinen Feuerball. Und ja, mich kam der Feuerball zu. und mich haben sie dann zu Boden gerissen, als dann meine Kleider schon gebrannt haben und der Fehler war, dass man nicht die. Dass man nicht gleich Bier über mich gegossen hat, weil Wasser war, glaube ich, keins da. Damals gab es, glaube ich, kein Wasser zu trinken. Und dadurch war es dann auch teilweise zweit, gab es dann auch Verbrennung zweiten und dritten Grades. Aber es war auch eine wichtige Zeit. Ich denke mal, so etwas braucht man eigentlich nicht. Aber trotzdem, man wächst auch in solchen Krisenzeiten. Man wächst an der Persönlichkeit und weiß dann auch mehr zu schätzen, was das Leben bedeutet und wie schnell es auch zu Ende gehen kann. Also das hat mich damals geprägt, aber es hat mich auch reifen lassen. Kommen wir ja nachher nochmal zum ähnlichen Thema. Du bist dann später, Mitte der 80er Jahre, dann zum Regierungspräsidium Freiburg. Dann beginnt sozusagen die große Südbaden, die lange Südbadenzeit. Und warst dann, glaube ich, schon der SPD, auch Kreisvorsitzender und dann Gemeinderat. Dezernent, später Dezernent in Rastatt. beim Landkreis, wärst fast sogar noch Oberbürgermeister in deiner alten Heimat in Göppingen geworden, war 40 Prozent mehr als respektabel, oder? Ja, das war auch eine nicht ganz einfache Zeit für die SPD und ja, ich bin damals angefragt worden, da war ich Dezernent im Landkreis Rastatt und gesagt, du hast da persönliche. Von deiner Biografie, du kennst da einige Leute und dann habe ich gesagt, ja gut, warum eine nicht? Auch das war eine Zeit, wo man dann eigentlich weil ich dann zunächst mal in den Wahlkampf reingekommen ist, wo ich auch viel gelernt habe und wo ich einem im Ergebnis. Nicht ganz zufrieden war, weil man will natürlich gewinnen, wenn man eine OB-Kandidatur gibt. Aber hinterher bin ich eigentlich von vielen eher gefeiert worden, weil sie doch das Ergebnis ganz gut fanden oder sehr gut fanden. Und weil ich dann auch persönlich und inhaltlich Akzente setzen konnte. Auch wenn es dann nicht ganz gereicht hat. Aber trotzdem, ja, das hat eigentlich meinem Standing dann auch hier in Freiburg eigentlich eher genutzt als geschadet. Eben kurz darauf, dann eben 2002, kam dann der Wechsel, Nachfolger von Hans-Jörg See. Und wenn man so ein bisschen auf deine persönliche Geschichte, auf eure Familie schaut, du hattest ja dann in dem Jahr noch zwei kleine Kinder und dann tritt man so ein hartes Amt an. War das eine Überlegung, so als ganz junger Familienvater mit zwei kleinen Kindern, so ein eben mehr als Fulltime-Job zu machen? Ja, ich hatte vorher im Landratsamt Rastatt, hatte ich eigentlich auch schon eine 50-Stunden-Woche und war dann noch Stadtrat hier. Also das heißt, das war dann fast stressiger, weil ich dann wegen Wochenendterminen, ja, da waren dann drei Stunden Pause, dann war ich in Rastatt und konnte nicht heimgehen. Insofern war das dann für mich, nach Freiburg zurückzukommen, beruflich war dann für mich auch eine Chance, obwohl es natürlich auch mit viel Aufwand verbunden war. Aber wir haben uns damals entschieden, also meine Frau hat gesagt, sie unterstützt mich. Und wir haben dann auch das Haus meiner Schwiegereltern so ein Dreifamilienhaus umgebaut. Das heißt, also meine Schwägerin hat unten gewohnt mit Kindern, wir in der Mitte und meine Schwiegereltern oben. Und dadurch haben wir nicht in einer typischen Kleinfamilie gelebt. Sodass meine Abwesenheit dann... Und kompensiert wurde. Meine Frau hat immer gesagt, wenn du nicht da bist, um die Kinder ins Bett zu bringen, ist es ja egal, ob ich jetzt um halb elf oder um halb zwölf komme. Das war dann eigentlich auch was Entlastendes, zumal meine Frau jetzt nicht eine war, die jetzt immer geklammert hat, sondern die hat ja auch ihre eigenen Interessen, ihre eigenen Ehrenämter gehabt, sodass das dann durchaus möglich war, das zu kombinieren. Das war wirklich gut. Und als die Kinder dann klein waren, konnte ich auch, ich war am Anfang noch für den Jugendbereich zuständig, bin ich natürlich auch zu Kindergartenfesten gegangen, habe dann meine Kinder mitgenommen. Obwohl ich dann gemerkt habe, ich darf es nicht übertreiben, sonst glaube ich nicht, falsches Weltbild. Papa kommt, hält eine Rede und dann gibt es Kaffee und Kuchen. Aber ich habe dann am Wochenende, ich habe dann auch immer so einen halben Tag am Wochenende, habe ich mich dann ausschließlich meinen Kindern gewidmet, habe mit ihnen was gemacht. Und ab und zu dann am Wochenende dann auch zu Terminen mitgenommen, die dann kinderkompatibel waren. Aber man muss ja schon sagen, wenn man so einen Job hat, ich weiß nicht, auf wie viele Wochenstunden kommt man da im Normalfall? Ja, man kommt schon auf 65, 70 Stunden, weil das ist doch eigentlich eine Sieben-Tage-Woche. Also auch sonntags gibt es immer zwei Termine, weil der Sozial- und Kulturbereich, der ist natürlich auch zeitintensiv. Und auch von den Repräsentationsterminen ist es ja immer so, wenn der Oberbürgermeister eingeladen wird. Und wenn es jetzt ein kultur-, sozialer oder Integrationstermin war, hat man natürlich auf mich geguckt. Und ich habe das auch gern gemacht. Das ist auch wichtig, dass die Stadt auch gut repräsentiert ist. Und man kann von jedem Termin auch was Positives mitnehmen, auch wenn man sich vielleicht mal überlegt, warum habe ich dazu gesagt? Aber dann war es hinterher vielleicht ein Gespräch oder von einer Rede irgendwie eine Idee, eine Anregung. Also insofern habe ich jetzt die vielen Termine auch nicht bereut, obwohl sie natürlich der gemeinsamen Zeit, was jetzt mit meiner Frau oder Familie anging, ja dann doch. Flöten gegangen sind. Aber die Kinder sind jetzt glaube ich in den Zwanzigern. Genau. Die haben es nicht bereut. Oder das ist der Vater so. Ne, ich habe zu beiden ein sehr, sehr gutes Verhältnis und sie schätzen mich auch. Also ich habe jetzt nicht den Eindruck gehabt, dass ihnen was in der Kindheit, dass es da große Defizite gab. Aber das lag auch sicher daran, dass es ein Netzwerk gab oder dass wir in einer Großfamilie gelebt haben. Wo sie dann viele Bezugspersonen hatten, also neben mir und meiner Frau. Und wenn man so schaut auf deine lange Amtszeit, da hat sich einiges verändert im Bild, auch wie Politiker gesehen werden, jetzt auch Kommunalpolitiker. Ganz anders ist es wahrscheinlich heute, was Social Media anbelangt. Auch die Attacken sind dann natürlich viel unmittelbarer. Wie hast du diese Veränderung erlebt in diesen 24 Jahren? Es gab in der Tat dann auch manchmal richtig Kampagnen gegen mich. Also zum Beispiel, wenn die erste Kampagne war, als ein Klub gesagt hat, sie lassen jetzt keine Migranten mehr rein oder nur noch sehr eingeschränkt. Da habe ich ja Position bezogen. Da gab es dann auch einen Shitstorm von Bremen bis Berg des Garten. Der war natürlich auch gesteuert von bestimmten politischen Kräften. Dann auch später bei der Flüchtlingsmigrationspolitik, auch da gab es dann manchmal Shitstorms, oder auch damals, als dieser abscheuliche Mord war, auch da sind Kampagnen dann geritten worden. Maria Lade. Wobei ich sagen muss, dass es in Freiburg habe ich eigentlich nur positive Erfahrungen gesammelt. Also da war es jetzt nicht so, dass ich da jetzt angegangen wurde auf der Straße, sondern im Gegenteil, da wurde mir viel Respekt entgegengebracht, Wenn ich dann im Restaurant war, hat man mich dann auch in Ruhe gelassen oder vor allem, wenn ich mit Kindern unterwegs war. Aber es gab natürlich auch eine Veranstaltung damals in Landwasser, wo es um ein Flüchtlingswohnheim ging. Insgesamt waren es ja 16 Bürgerinformationen, die ich durchführen musste. Und die waren dann damals von der AfD schon gesteuert. Zur Flüchtlingsbewegung 2015. Genau, wo es um ein Wohnheim ging und wo dann von ganz Südbaden Leute kamen, die ich gar nicht kannte und die dann Lügner, Lügner skandiert haben und wo ich nicht wusste, ob ich die Veranstaltung zu Ende bringe. Aber sie ging dann gut zu Ende, weil sie es so übertrieben haben, dass die Unentschlossenen eigentlich eher auf unsere Seite kamen. Genau, 2015 ist ein gutes Stichwort. Einer der großen Herausforderungen, sicher, sicher deiner langen Amtszeit, als plötzlich viele tausend Menschen auch nach Freiburg gekommen sind. Trotzdem war es ja in Freiburg im Vergleich zu anderen Städten eine positive Grundstimmung, glaube ich, trotz dieser Ausreiser da bei den Bürgerversammlungen. Aber eigentlich ist ja die Zivilgesellschaft, hat euch, glaube ich, unterstützt. Insgesamt haben wir als Stadt das Mögliche gemacht, haben da wirklich hart gearbeitet und haben dann auch die großen Wohnheime Nord, Süd, Ost, West, haben wir in jedem Bereich was gemacht, auch kleinere verteilt. Aber es war natürlich in der Tat auch die Unterstützung der Zivilgesellschaft, die die Kür ausgemacht hat. Ohne die Zivilgesellschaft hätten wir das nie und nicht mehr so gut hinbekommen. Deshalb kann man das gar nicht genug hoch einschätzen, was damals passiert ist. Am Anfang hat man gedacht, ich nehme jetzt im Ort, zum Beispiel in Opfing war es, da haben wir eine Turnhalle weggenommen. Da habe ich gedacht, es gibt jetzt mal richtig Gegenwind. Und das Gegenteil war der Fall. Die haben gesagt, wo können wir helfen, was können wir machen. Also man hat manchmal wirklich positive Überraschungen erlebt. Und man hat immer gedacht, das läuft eigentlich so wie Buddha. Dann kam dann manchmal aus irgendwelchen Kreisen Gegenwind. Aber insgesamt liefen auch die Bürgerinformationen bis auf zwei, drei Ausnahmen sehr gut und das hat Freiburg dann auch ausgezeichnet. Du hast gerade schon angesprochen, wir hatten natürlich auch die schwierige Situation, eben nach dem Mord an Maria Ladenburg an der Dreisam, als dann ein junger Flüchtling aus Afghanistan als Täter festgenommen wurde. Da war natürlich auch ihr als Verantwortliche gefordert, da in die Stadt auch hineinzuwirken. Wie hast du das erlebt? Sicher eine schwierige Zeit. Ja, wir haben damals, ich habe damals, Dieter Salomon hat mich morgens dann angerufen, als klar war, wer der Täter ist. Und dann haben wir dann sofort gesagt, wir müssen da eigentlich jetzt klaren Kopf behalten und müssen auch Führung beweisen, dass es eben ein Einzelfall ist und dass man da jetzt nicht diesen Fall nutzen darf, um Stimmung gegen Geflüchtete zu machen, die sich ja ganz überwiegend auch rechtstreu verhalten. Und das war, glaube ich, ganz wichtig, dass wir dann auch mit dem Landkreis Kontakt aufgenommen haben, weil das war ein unbegleiteter Minderjäger, für den der Landkreis die Verantwortung hatte, der aber in Freiburg untergebracht wurde. Auch das haben wir gut hinbekommen, sodass dann diese Stimmung, die dann manchmal in manchen Städten durch solche Anlässe ins Kippen geraten ist, dass das in Freiburg eben nicht der Fall war. Und wenn man so ein bisschen das Thema engen Kontakt mit dem Bürger, der manchmal aggressiv ist, gibt es eben diese Geschichte mit der Säule der Toleranz, die, ja bundesweit für Furore gesorgt hat, muss man sagen, das war ja die Lärmsituation auf Augustinerplatz. Ich glaube, du bist einer der Miterfinder der Säule, die dann ja nachts um 22 Uhr das Licht geändert hat und dann gab es eben diese große erste Abend mit dem voll besetzten Platz, mit durchaus aus aufgeheizter Stimmung, glaube ich. Und dann eben einen aggressiven Bürger, der sogar ganz nahe gekommen ist. Keine einfache Situation mit Sicherheit gewesen. Es war keine einfache Situation. Meine Frau war ja auch dabei, die geht ja normalerweise selten mit zu Terminen, aber da ist er dann auch von dem Betreffenden aufs Massivste beleidigt worden. Also die Worte kann man gar nicht öffentlich sagen, was er alles gesagt hat. Und dann halt, dass er mich permanent an der Krawatte gezupft hat. Und solche Entscheidungen spielen sich ja dann in weniger als einer Sekunde ab. Ich habe jetzt nur gesagt, ich bleibe jetzt ganz ruhig, weil er war ja sichtlich auch angetrunken oder hat was anderes genommen. Also es wäre jetzt ein leichtes gewesen, ihn jetzt einmal zu Boden zu strecken, aber es wäre, glaube ich, auch nicht gut gewesen. Dann hätte er sich vielleicht noch verletzt und dann wäre die Stimmung erst recht eskaliert. Dann habe ich gedacht, jetzt bleibe ich mal ganz ruhig, solange er mich nur an der Krawatte zupft und ich jetzt nicht notwehrmäßig mich wehren muss. Und irgendwann hat er es dann auch nach ein paar Minuten gelassen. Und das Erstaunliche war ja, ich habe dann wieder gemerkt, wie Masse wirkt. Es kam ja keiner zur Hilfe. Aber am nächsten Tag kamen gerade aus der Obdachlosen-Szene einige, sogar in meinem Büro, haben sich entschuldigt für das Verhalten, dass es gar nicht einer von ihnen gewesen ist oder dass es sowieso ein Idiot gewesen wäre. Also sie haben sich dann gleich distanziert. Und sie haben auch gesagt, es wäre nicht richtig gewesen, dass sie da alle so in das Horn mitgeblasen hätten und sich nicht eingemischt hätten. Aber das ist dann halt so. Alle haben beobachtet, was macht er jetzt? Und ich glaube, das war dann einfach das Richtige. Einfach stehen zu bleiben, ruhig zu bleiben, nicht zu eskalieren. und es ist schon immer gut ausgegangen. Man nicht auszudenken, wenn ich den jetzt geschubst hätte oder einen Schlag gegeben hätte und der wäre auf den Hinterkopf gefallen. Dann wird sich alles anders. Sofort umgedreht. Also insofern war das auch eine Situation, wo, Ja, die einmalig war und wo ich im Nachhinein, glaube ich, alles richtig gemacht habe, aber die wünscht man sich dann auch nicht unbedingt. Zumal es ja die gute Idee war, da einfach nachdem ordnungsrechtlich das alles nicht geklappt hat, mal einen ganz anderen Ansatz zu wählen und wo wir ja auch mit Gewerbeschülern das Ganze entwickelt haben. Und das war ja auch ein guter Ansatz. Jetzt hat mich letzte Woche wieder eine Anwohnerin gesagt, jetzt können wir doch die Säule der Toleranz abbauen, das ist ja nicht mehr notwendig. Da habe ich gesagt, gut, das überlasse ich dann meinem Nachfeuer. Genau, der Platz hat sich einfach entspannt, viel mehr verteilt zum Platz der alten Synagoge. Genau. Ja, und damals, kurz nach der Säule, hattest du deinen Hut in den Ring geworfen und bist gegen deinen damaligen Chef Dieter Salomon angetreten, 2010, gemeinsam mit Günter Rausch. Professor an der Evangelischen Hochschule, später dann auch Stadtrat, ihr drei, damals nur drei Kandidaten, können Sie sich heute gar nicht mehr vorstellen, 2010, aber es war natürlich keine so einfache Situation, vermutlich für euch zwei aus dem Rathaus. Nein, ich hätte mir das Leben einfacher machen können. Ich habe das ja gewusst, dass es nicht einfach ist, gegen die Kollegen oder gegen amtierenden Oberbürgermeister, mit dem man ja auch viele Jahre zusammengearbeitet hat, jetzt anzutreten. Aber gleichzeitig habe ich gesagt, als ich gefragt wurde von der SPD, sie würde mich unterstützen, wenn ich es mache, habe ich dann auch gesagt, bei mir habe ich ja gewusst, ich hätte es gekonnt. Und in der Demokratie muss es auch möglich sein, so eine Situation auszuhalten. Und es wurden ja auch verschiedene Dinge dann thematisiert angestoßen, die dann auch später übernommen wurden. Und das war ja für mich war damals einfach die Situation dann auch mit dem Stadtbauverkauf, ja wo dann inhaltlich, also nicht menschlich aber wo ich inhaltlich nicht mitgehen konnte und insofern es war ein harter Wahlkampf, aber er war jetzt auch nicht. Unfair, nur klar es bleiben immer Verletzungen übrig, aber gut war, dass wir uns dann einige Wochen nach der Wahl ausgesprochen haben das hat dann wieder dazu geführt, dass wir ein gutes und ein professionelles das Verhältnis miteinander gefunden haben, weil ich habe gesagt, ich bleibe dabei. Das waren natürlich auch dann Stimmen, die gesagt haben, komm, es geht doch nicht mehr. Aber ich habe gesagt, nee, ich habe meine Position bezogen und ich bleibe jetzt auch an Bord und ich lasse, und auch diese Position muss in der Stadt vertreten sein. Und dann haben wir... Hat sich das Verhältnis wieder professionell ausgestaltet, weil ich habe ja gesagt, die Leute würden es gar nicht gut finden, wenn wir uns jetzt weiter bekämpfen würden. Und nachher ist es bei den Sack und die werden noch bezahlt, um die Stadt voranzubringen. Später wurde es auch wieder menschlich gut. Das war dann auch nochmal wichtig. Und heute haben wir ein ganz entspanntes Verhältnis. Aber klar, Wahlkampf ist Wahlkampf. Und ich finde auch eine Demokratie muss es auch sein. In der Bundeslandspolitik ist es so üblich, dass dann auch Leute, die dann vorher im Kabinett waren, gegeneinander antreten. Nur in der Kommunalpolitik ist es in der Tat etwas ungewöhnlich gewesen. Ja, im Nachhinein, wie gesagt, mein Leben wäre einfacher gewesen, weil da war ja auch meine Wiederwahl. Das war ja dann auch schwierig, wo ich nicht wusste, wie wir das jetzt gesehen. Es haben mir auch manche klar gesagt, wenn ich gegen Dieter Salomon antrete, werden sie mich nicht als Bürgermeister wieder wählen. Manche haben das dann auch klar getrennt. War im gleichen Jahr, ne? Ja, das war ein paar Wochen davor. Also war schon in der heißen Phase des Wahlkampfes, aber es hat dann auch gut gereicht, obwohl es dann mehr Gegenstimmen oder Enthaltung gab als bei meiner ersten Wahl und dann bei meiner zweiten Wahl, Wiederwahl als erster Bürgermeister. Wenn wir gerade beim Wahlkampf von damals sind, ein Abend, ist mir eine Erinnerung geblieben, weil ich selber mit dabei war in der Steinriedhalle in Waltershofen, da bist du bei so einem Managerboxen, hieß das glaube ich, in den Ring gestiegen. Das war schon eben in der heißen Wahlkampfphase mit Kopfschutz. Du hast trainiert gehabt. Wie kam es dazu? Ja, es hat, obwohl es scheinbar so aus war, mit dem Wahlkampf gar nichts zu tun gehabt. Die vom Boxsportverein, zu denen hatte ich schon immer einen engen, guten Kontakt. Ich war bei denen bei verschiedenen Veranstaltungen dabei. Und dann haben sie schon ein Jahr vor dem Wahlkampf auf mich zugekommen und gesagt, Sie haben gesagt, sie wollen das Boxen einfach ein positives Image verleihen. Wir haben ja dann auch viele Frauengruppen, also Frauenboxen gemacht, Managerboxen. Und da haben sie gesagt, sie brauchen so einen Typ wie mich. Und da habe ich zunächst mal eigentlich eher verhalten reagiert. Dann kamen sie mit dem gesamten Vorstand mit zwei Trainern zu mir ins Büro. Das hat mir imponiert. Und dann haben sie gesagt, sie bereiten mich ein Dreivierteljahr vor mit dem besten Trainer, den sie haben. Und ich kriege dann also mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche, also nach meiner Vereinbarung. Versprechen mir, dass ich da einigermaßen heil rauskomme. Also es war nicht nur so ein Showgag, sondern es stand schon richtig. Ich habe gesagt, es muss also schon gut aussehen, es muss die Beinbewegung stimmen, die Schlagtechnik und es hat dann auch wirklich Spaß gemacht, das Training, sodass ich ja dann auch dabei geblieben bin, auch nach dem Kampf. Es war dann halt auch, erst später haben mich entschieden, in den OB-Wahlkampf zu gehen und dann habe ich mir überlegt, war das jetzt das Richtige, weil da habe ich gedacht, gut, wenn dich ein Schlag trifft und du singst zu Boden, sieht es auch nicht gut aus. Schöne BZ-Schlagteil. Wo du dann rausgetragen wirst. Und dann war es so, dass der Kampf vor mir, der hat dann geblutet, musste dann genäht werden. Da ist er dann noch kollabiert, musste dann der Ringarzt kommen. Und deshalb hat mein Kampf nach hinten gezögert worden. Aber dann habe ich gedacht, gut, jetzt muss ich durch. Hallenflucht sieht auch nicht gut aus. Ja, meine Frau hat gesagt, es wären die schlimmsten Minuten ihres Lebens gewesen. Das glaube ich. Aber im Nachhinein war es ein Unentschieden. Wenn ich mich richtig erinnere. Ja, genau. auch was. Gut, man ist für einen Kampfentwickel, immer eine Eigendynamik, du kriegst mal eins und dann schlägst du dann auch wieder etwas, ja, schlägst du dann etwas gezielter härter zu, also aber trotzdem ist, das ist auch ganz wichtig in der Politik, auch so ein Training, weil Boxen. Ja, Boxen, es geht ja darum, Schläge zu vermeiden und dann natürlich auch zu treffen, aber zunächst mal Schläge zu vermeiden, das ist mal das A und O und auch das ganze Training. Dass man da auch Koordination, Krafttraining hat und auch taktisch kämpfen. Aber jedem Training ist ein Sparingskampf mit dabei. Wir haben einen super Trainer, wieder Bert Teuchert, Martin Wehle, Gerhard Wehle, Matthias Wehle, um nur einige zu nehmen. Du bist im Boxen glaube ich auch verbunden geblieben. Ja, genau. Ich bin seitdem immer regelmäßig zum Training gegangen, Ich hatte auch Möglichkeiten in andere Gruppen zu gehen. Jetzt habe ich fast ein Jahr Pause gemacht, krankheitsbedingt, aber im April steige ich wieder ein. Wenn mehr Freizeit da ist. Genau. Wenn man so ein bisschen durchschaut durch die Jahre, dann kommt man dann irgendwann, Flüchtlingskrise haben wir schon gehabt, dann kam eben der Ukraine-Krieg, auch da war Freiburg urplötzlich mittendrin im Geschehen, glaube ich, wenige Tage in der ersten Woche schon. Haben sich 157 Kinder aus Kiew vom Vaterhauskinderheim, das von der Stadtmission ja hier in Freiburg getragen wird, einfach quer sozusagen durch den Bombenhagel auf den Weg nach Freiburg gemacht. Und ihr habt dann den Anruf bekommen, wir sind unterwegs. Das ist ja auch eine schwierige Situation. Ja, das war in der Tat. Kurz nachdem der Krieg begonnen hat, kam die Nachricht, dass jetzt Busse von Weißnauskinder unterwegs wären. Die hatten ja schon Kontakt zur Stadtmission, weil die dann eine enge Partnerschaft hatten, Kooperation. Und dann haben sie sich aber an uns gewandt, weil sie natürlich gemerkt haben, das geht nur zusammen mit der Stadt. Ich habe dann mit Martin Horn natürlich gleich Kontakt gesucht und er hat dann gesagt, gut, ich soll das Ganze koordinieren, zusammen auch mit dem Dezernat. Aber ich hatte die Federführung und dann haben wir dann auch in den Stunden oder in den anderthalb Tagen, wo die unterwegs waren, haben wir dann alles gemanagt. Das war auch eine herausfordernde Zeit, aber das Ziel war ja da und da geht man ja auch den Weg gern und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben da alle mitgezogen und dann haben wir es tatsächlich dann auch geschafft, die Weißenhauskinder hier unterzubringen und ihnen eine neue Heimat zu geben. Dann auch später mit weiteren Standorten, auch in Grotzingen und dass wir es etwas verteilt haben. Aber ja, wir waren damals die Ersten und es hat natürlich dann auch… Ich kann sagen, es hat ganz deutschlandweit Aufsehen erregt. Genau, es waren dann große Pressekonferenzen, die wir dann hatten. Und wir hatten ja sowieso auch diese Partnerschaft mit Lviv. Ich meine, die Weißen Hauskinder kamen jetzt nicht aus Lviv, sondern aus Kiew. Aber trotzdem, der Bezug zur Ukraine war sowieso da. und das Mitfühlen und Mitdenken nach dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sowieso. Und insofern war das ein konkretes Projekt, was nur in dieser Konstellation mit der Stadt zusammen überhaupt stemmbar war. Das war schon ein besonderer Moment, als Sie da am Sonntagmorgen, war es glaube ich auf dem Wenzinger Schulhof, sicher auch für euch ein bewegender Moment alle. Ja, also das war natürlich schon ein hochemotionaler Moment, als die alle ausgestiegen sind, total übernächtigt. Und dann die Erzählung, dass sie teilweise nicht aufs Klo gehen konnten und dass sie deshalb auch wenig trinken durften. Und die Disziplin, die dann dahinter war und vor allem, was sie dann erlebt haben unterwegs, das war dann schon sehr, sehr berührend und sehr emotional. Wenn wir jetzt eben aufs Ende deiner Amtszeit schauen, wir sind jetzt gerade in einer Zeit, wo es vielen Kommunen sehr schlecht geht. Viele Bürgermeisterkollegen in anderen Städten sind schon quasi unter Zwangsverwaltung finanziell. Freiburg geht es noch ein bisschen besser. Oder wie siehst du die Lage der Kommunen insgesamt von Freiburg? Und was muss passieren, damit auch für die, die Verantwortung haben, das für die wieder ein bisschen einfacher und besser wird? Also den Kommunen geht es schlecht, sehr schlecht sogar. Freiburg geht es gut. Es hängt aber damit zusammen, dass unsere Gewerbesteuer noch nach wie vor hoch ist, nicht einbricht, weil wir natürlich auch breiter aufgestellt sind. Und jetzt keine Automobilindustrie haben und Zubehör. Aber trotzdem müssen die Kommunen entlastet werden, weil hier in der Kommune entscheidet sich, wie die Menschen sich zur Politik verhalten, ob es funktioniert, ob Kita-Plätze da sind, ob Brücken saniert werden, ob für die Kultur Geld da ist, für die soziale Infrastruktur, ob wir bei der Herausforderung mit dem Klimaschutz vorankommen. Und deshalb, glaube ich, ist es wichtig und es ist auch bei der Koalition angekommen, dass die Kommunen bald entlastet werden müssen. Wir kriegen jetzt zwar schon Finanzbooster, das bedeutet, wir können unsere Investitionen so halten, wie sie bisher waren, das ist wichtig, aber trotzdem müssen wir dauerhaft entlastet werden von Aufgaben. Uns ist in den letzten 10, 15 Jahren zu viele Aufgaben aufgebördert worden. Zusätzliche Aufgaben, die nicht finanziell entschädigt wurden. Also Stichwort Konnexitätsprinzip, wer bestellt, bezahlt. Und ich glaube, da muss... Da muss dieses Jahr eine Entlastung erfolgen. Da gibt es verschiedene Ideen. Ich weiß von der SPD-Bundestagsfraktion, was da angedacht ist. Da muss man jetzt noch diskutieren, zusammen mit dem anderen Koalitionspartner, was das Richtige ist. Aber ich glaube, das Zeichen ist angekommen. Die Kommunen müssen entlastet werden, sonst können wir unsere Pflichtaufgaben nicht mehr gewährleisten, zumindest die überwiegende Anzahl der Kommunen. Und deshalb muss hier was geschehen. Und dass du jetzt so eigentlich fast schon entspannt und fit in deinen Ruhestand übergleiten kannst, das stand schon ein bisschen Gefahr die letzten zwei Jahre. Wir wissen alle, du bist damit sehr offen umgegangen, quasi auf der Zielgeraden, hatte ich noch eine schwere Krebserkrankung erwischt, die dich aber nicht umgeworfen hat. Und viele Menschen in der Stadt hat beeindruckt, wie offen du damit umgegangen bist und wie du das weggesteckt hast. Wie hast du diese schwere Zeit erlebt? Ja, das war ja eigentlich letztes Jahr im April hat es begonnen, als dann klar war, dass ich jetzt operiert werden musste. Und dann hat sich herausgestellt, dass es ein Karzinom war. Ja, ich habe das angenommen, habe dann auch zehn Chemos gehabt, zwar schwere Chemos, aber bis auf die Zeit nach der Operation bin ich auch wieder ins Büro gegangen, habe dann wieder gearbeitet, bis auf den einen Tag, in dem ich Chemo hatte. Ich musste mich allerdings zweimal am Tag eine halbe Stunde hinlegen, weil dann die Neutrophile manchmal nach unten gegangen sind. Aber ich glaube, das war für mich die richtige Therapie, zumal ich dann hätte ich eigentlich, die Ärzte haben gesagt, sie können mich auch ein halbes Jahr krankschreiben, aber hätte ich eigentlich aufhören können und aufhören müssen. Aber ich bin dann den anderen Weg gegangen, bin auch offen umgegangen, weil ich der Auffassung bin, es wird schon zu viel tabuisiert in der Gesellschaft. Auch was jetzt nicht somatische Krankheiten anbelangt, da muss man jetzt nicht anfangen. Oder das auch bei somatischen Krankheiten machen. Insofern ist es auch eine Zeit, die schwer war, wo ich auch gestützt wurde von vielen Menschen, auch natürlich von meiner Familie. Und die Prognose ist jetzt gut. Ich habe jetzt alle drei Monate noch keine Metastasen, habe jetzt alle drei Monate noch eine Überwachungs-CT und habe jetzt alle drei Monate noch eine Überwachungs-CT. Klar, Gewissheit, Sicherheit gibt es nie, aber ich habe es auch gemerkt, auch bei mir als vorher gesund. Ich war ja 41 Jahre, keinen einzigen Tag krank. Plötzlich kommt es dann mit einer ganz schwierigen Diagnose. Aber der Vorteil war, dass es halt im Frühstadium über einen Zufallsbefund erkannt wurde. Und ich glaube, ein paar Monate später hätte ich wenig Chancen gehabt. Und so muss ich auch sagen, um den Punkt ganz am Anfang einzugehen, auch das ist eine Situation, die einen dann wieder reifen und wachsen lässt, weil wenn alles glatt läuft im Leben, dann ist es zwar gut, scheinbar gut, aber die Persönlichkeit wird gestärkt und wächst, auch durch solche Situationen, die man dann durchlebt. Und die Ärzte haben dich machen lassen? Die Ärzte haben gesagt, ich wäre eh beratungsresistent. Sie haben dann irgendwann, hat mein Arzt gesagt, machen Sie das, was Ihnen Spaß macht. Ich habe gesagt, gut, das wäre dann auch schwierig. Ich habe ihn dann einmal am Rathausparkplatz getroffen, wo er mit ein paar Kapazitäten von ganz Deutschland unterwegs war. Da hat er gesagt, ich habe ihm doch gesagt, sie soll nicht zu viel arbeiten. Ich habe gesagt, ich komme gerade von einem Termin, der mir Spaß macht und gehe zu einem Termin, der mir Spaß macht. Und eben, das klingt doch super, Arbeiten mit dem, das zu tun, was einem Spaß macht. Eben jetzt sind es die letzten Tage, große Verabschiedung im Theater Freiburg, steht noch an und dann eben übernimmt der Roland Meter. Viele machen dann ja, um ein bisschen Abstand zu gewinnen, eine große Reise. Habt ihr sowas geplant oder wie geht es weiter dieses Jahr? Du hast vorher schon gesagt, du hast noch ein paar Ehrenämter, aber... Ja, also jetzt die nächsten Wochen gibt es noch ein paar Termine, auch individuelle Geschenke, die ich dann annehmen kann. Meine Frau hat ab dem nächsten Schuljahr, Sabbatjahr, das heißt, da haben wir dann vor, drei größere Reisen zu machen. Aber jetzt fange ich nicht an, allein zu verreisen, sondern ich warte ab. Das haben wir uns dann gemeinsam vorgenommen. Es ist ja gar nicht mehr derzeit kaum noch möglich für Lehrer. Es wird ja gar nichts mehr genehmigt, aber es ist jetzt schon vor über drei Jahren beantragt. Da war es noch möglich. Und sie muss ja noch ein paar Jahre arbeiten. Also insofern freue ich mich jetzt auch auf die gemeinsame Zeit. Letzte Fragen mit Blick auf die Uhr. Es gibt noch ein großes Fußballspiel, Halbfinale. DFB-Werkau, ich glaube, das sind deine zwei Mannschaften, als der VfB und der SC. Ich glaube, du bist Fan von beiden, oder? Ja, ich bin eigentlich nur noch Fan vom SC. Aber früher VfB? Aber ich war früher beim VfB, bin ich mit sozialisiert worden, aber da haben wir bestimmte Entwicklungen auch nicht behakt. Ich verwirke es noch mit Interesse, aber Fan kann man jetzt nicht sagen. Also insofern ist es ganz klar, für wen mein Herz schlägt. Und zwar, seitdem ich auch in Freiburg bin, schlägt mein Herz für der SC. Ja, und ich hoffe, nachdem es durch die Europapokal- Ränge doch etwas in. Weite Ferne gerückt sind nach der Gestring-Niederlage, hoffe ich doch, dass man, ja, dass ich das nun mal erleben kann, Finale in Berlin, obwohl es natürlich schwer wird, aber ich denke, gerade gegen so Mannschaften, die dann spielerisch stark sind, tut sich der SC manchmal einfacher als gegen Mannschaften, die sich hinten reinstehlt, spielerisch nicht so stark sind. Insofern hoffe ich, ich hoffe auch, dass wir im Europapokal weiterkommen. Also ich werde jetzt mal schauen, wie ich es angucke, wo ich es angucke. Vielleicht gehe ich mit dem OB in meinen Fanbereich. Das ist eine Option. Wunderbar, dann hoffe ich, dass es klappt. Vielen Dank für das super spannende Gespräch. Gute letzte Arbeitswochen noch und dann guten Start. Wir sehen uns sicher. Vielen Dank für das Gespräch. Tschüss.