Latest / Im Krisenmodus / Krawalle in Frankreich: Droht die Gewalt auch Deutschland?
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- 0:00Brennende Autos, geplünderte Geschäfte, ein Rathaus in Flammen.
- 0:03Die Bilder aus Frankreich sind erschreckend. Hunderttausende Menschen gehen
- 0:06auf die Straße, die meisten demonstrieren friedlich.
- 0:10Doch die Gewalt einiger Gruppen überschattet ihre Proteste.
- 0:14Und auch bei uns stellt sich natürlich die Frage, könnte so etwas in Deutschland passieren?
- 0:20Der Protestforscher Simon Teune sieht einen entscheidenden Unterschied.
- 0:24Also man muss das vor dem Hintergrund der deutschen Protestkultur diskutieren.
- 0:30In Deutschland ist es sehr unüblich, dass es zu solchen Konfrontationen kommt.
- 0:35Und das heißt auch, dass die Menschen, die da potenziell dabei wären,
- 0:39das gar nicht als Repertoire kennen. Also für die ist es erstmal nicht das Naheliegendste,
- 0:44sich auf der Straße mit der Polizei zu glocken.
- 0:47Was bringt Menschen dazu, auf die Straße zu gehen? Warum eskalieren Proteste
- 0:50in Frankreich immer wieder? Und wie groß ist die Gefahr, dass wir solche Bilder
- 0:55und Videos auch in Deutschland sehen werden?
- 0:58Darum geht es heute bei Im Krisenmodus.
- 1:13Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter
- 1:17für die Funke Mediengruppe.
- 1:19Frankreich kommt nicht zur Ruhe. In mehreren Städten gibt es schwere Ausschreitungen,
- 1:23Geschäfte werden geplündert, Polizeiwachen angegriffen, Menschen verletzt.
- 1:28In Limoges brennt sogar das Rathaus. Die Regierung reagiert mit Ausgangssperren,
- 1:34und Demonstrationsverboten.
- 1:37Dabei haben die Proteste ganz anders angefangen. Schülerinnen und Schüler fordern
- 1:41bessere Lernbedingungen, doch innerhalb weniger Wochen entwickelt sich daraus
- 1:44eine landesweite Bewegung.
- 1:46Immer mehr Menschen gehen auf die Straße. Es geht längst nicht mehr nur um das
- 1:49Bildungssystem und die Probleme dort, sondern es geht um soziale Ungerechtigkeit,
- 1:53steigende Lebenshaltungskosten und die Wut auf die Regierung.
- 1:58Am vergangenen Samstag demonstrieren mehr als eine halbe Million Menschen friedlich.
- 2:02Im Anschluss kommt es allerdings zu massiven Ausschreitungen.
- 2:05Wer steckt hinter dieser Gewalt? Was hat sie mit den eigentlichen Protesten
- 2:09zu tun und warum erlebt Frankreich solche Eskalationen immer wieder?
- 2:13Darüber habe ich mit zwei Menschen gesprochen. Stefan Brennele berichtet seit
- 2:17Jahrzehnten als Journalist aus Frankreich. Er ist unser Korrespondent der Funke
- 2:21Mediengruppe in Paris und kennt die politischen Konflikte des Landes.
- 2:25Und Simon Teune ist Soziologe und Protestforscher und arbeitet für das Institut
- 2:30für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin. Mit ihm spreche ich darüber,
- 2:34warum Proteste eskalieren können und was Frankreich von Deutschland unterscheidet.
- 2:39Zuerst natürlich nach Paris.
- 2:41Als ich mit Stefan Brendel spreche, ist er gerade mit dem Fahrrad durch die
- 2:45Stadt gefahren. Er wollte sich selbst ein Bild von den Verwüstungen machen.
- 2:49Und dabei hat er etwas Interessantes festgestellt. Während in manchen Vierteln
- 2:53kaum etwas von den Ausschreitungen zu sehen ist, bietet sich ihm auf der anderen
- 2:56Seite der Seine ein völlig anderes Bild.
- 3:00Es ist relativ schwierig, einen Überblick zu geben, allein schon daher,
- 3:05dass wir alle diese schrecklichen Bilder von diesen Zerstörungen und Verwüstungen gesehen haben.
- 3:13Aber wenn man in Paris wohnt, muss man auch dazu fügen, dass das eigentlich
- 3:18nicht das ganze Stadtgebiet abdeckt.
- 3:22Ich bin gestern auch mit dem Fahrrad im Südteil, also im Süden des,
- 3:27auf dem linken Säneufer unterwegs gewesen.
- 3:30Und ich habe natürlich als Journalist Spuren dieser Verwüstungen gesucht und nichts gefunden.
- 3:38Ich bin dann über die Sänebrücke gefahren und in der Rue Etienne Marcel auf
- 3:46eine wirklich schlimme, fast kriegsähnliche Situation gestossen.
- 3:53Da gab es fast kein Geschäft, keine Boutique, kein Laden, dessen Schaufenstner
- 4:00nicht eingeschlagen waren.
- 4:03Wenn man sich zu Fuss bewegt, ist man eigentlich in der ganzen Strasse und in
- 4:09den ganzen Vierteln läuft man auf Glassplittern.
- 4:15Ich habe mit einer Frau gesprochen, deren Hund sie mit Strümpfen versehen hat,
- 4:21damit er sich nicht verletzt.
- 4:23Ein Hund, der Strümpfe tragen muss, weil überall Glassplitter liegen.
- 4:26Eine fast absurde Szene.
- 4:28Zeigt aber auch, wie pragmatisch manche Menschen in Paris mit dieser Gewalteskalation
- 4:36umgehen. Und sie zeigt vor allem auch, wie sehr die Ausschreitungen den Alltag
- 4:40in einigen Pariser Vierteln verändert haben.
- 4:43Aber wie konnte es überhaupt so weit kommen?
- 4:46Angefangen hat alles am 21. September. Schülerinnen und Schüler blockieren das
- 4:51Gymnasium Antoine de Saint-Anxopéry in der Nähe von Paris.
- 4:56Sie protestieren gegen fehlendes Personal und den maroden Zustand ihrer Schule.
- 4:59Unter anderem sind die Stellen der stellvertretenden Schulleitung und einer
- 5:02Schulkrankenschwester nicht wieder besetzt worden.
- 5:05Die Aktion verbreitet sich über soziale Netzwerke, wie das so häufig ist in
- 5:08den vergangenen Jahren.
- 5:10Andere Schulen schließen sich an und schon bald geht es nicht mehr nur um bessere Lernbedingungen.
- 5:15Denn die Schülerproteste treffen auf eine Gesellschaft, in der die Unzufriedenheit
- 5:19ohnehin groß ist. Die Regierung plant massive Einsparungen. Premierminister
- 5:24Sébastien Lecornu kündigt Kürzungen von 54 Milliarden Euro an.
- 5:30Kein Wunder, dass sich dann viele Menschen Sorgen um ihre Zukunft machen.
- 5:33Sie kämpfen mit hohen Preisen, steigenden Lebenshaltungskosten und dem Gefühl,
- 5:37dass die Politik ihre Probleme nicht ernst nimmt.
- 5:40Immer mehr Gruppen schließen sich den Protesten an. Studierende,
- 5:43Gewerkschaften, Landwirte und auch die Gelbwesten, die Frankreich schon seit 2018 beschäftigten.
- 5:49Ihr erinnert euch, 2018, 2019 gab es ja diese massiven Proteste der sogenannten Gelbwesten.
- 5:56Das waren Leute vor allem aus der Arbeiterschaft und der Mittelschicht,
- 5:59die auch massiv demonstriert haben damals, inklusive großen Straßenschlachten,
- 6:04Auseinandersetzungen mit der Polizei und so weiter.
- 6:07Am Samstag, dem 17. Oktober, gehen mehr als eine halbe Million Menschen friedlicher auf die Straße.
- 6:12Doch im Anschluss eskaliert die Lage in mehreren Städten.
- 6:16Geschäfte werden geplündert, öffentliche Gebäude angegriffen und plötzlich bestimmen
- 6:19nicht mehr die Forderungen der Demonstrierenden die Schlagzeilen,
- 6:22sondern die Bilder der Gewalt.
- 6:25Wer sind die Menschen, die da randalieren und was haben sie eigentlich mit den
- 6:28ursprünglichen Protesten zu tun?
- 6:29Stefan Brennle sagt, da kommen ganz unterschiedliche Gruppen zusammen.
- 6:33Menschen mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen, unterschiedlichen Problemen,
- 6:38und teilweise völlig unterschiedlichen Zielen.
- 6:41Ich glaube, man könnte fast von einem soziologischen Unterschied sprechen.
- 6:46Ich meine, diese Gelbwesten, das waren und sind Leute, die eher aus ländlichen
- 6:54Gegenden stammen, die arbeiten, das sind nicht Arbeitslose oder andere Leute,
- 7:01die überhaupt kein Geld haben.
- 7:03Die haben meistens Einkommen, aber die sind sehr tief.
- 7:08Das sind Leute, die rechnen sehr eng.
- 7:11Die haben schon meistens Mitte Monat kein Geld mehr.
- 7:16Und die versuchen von der Regierung jetzt Zuschüsse zu kriegen,
- 7:21auch Sozialbeilagen oder Sozialzuschüsse.
- 7:27Und das ist eigentlich etwas ganz
- 7:28anderes als diese Gymnasiasten und Oberstufenschüler, die in Frankreich,
- 7:37und eben auch vor allem in den Städten demonstrieren und auf die Strasse gehen.
- 7:44Und dazu, wie gesagt, der Black Block, die Ultralinke, die nochmal aus ganz
- 7:53anderen Verhältnissen und mit ganz anderen Zielen antritt,
- 7:59sodass man eigentlich sagen muss, dass,
- 8:03vielleicht drei, vier verschiedene soziologische Bevölkerungsgruppen da zusammenkommen.
- 8:11Das gibt nicht unbedingt eine politische Kohärenz, aber es führt dazu,
- 8:17dass ein gewisses Gewaltpotenzial da ist, das sich sehr schwer bekämpfen lässt.
- 8:25Also da treffen ganz unterschiedliche Menschen aufeinander, Schülerinnen und
- 8:29Schüler, die bessere Lernbedingungen fordern, Beschäftigte, deren Einkommen,
- 8:32kaum noch zum Leben reicht, Gruppen aus der gewaltbereiten linken Szene,
- 8:36die gezielt die Konfrontation suchen und die abgehigten Leute aus dem Bonlieus,
- 8:41häufig eben Menschen mit migrantischem Hintergrund.
- 8:45Die alle sind auf denselben Straßen unterwegs, aber sie verfolgen längst nicht dieselben Ziele.
- 8:50Und dann gibt es eben auch die Menschen, die das Chaos schlicht zum Lündern
- 8:53nutzen. Die französische Regierung macht vor allem linksextreme Gruppen für
- 8:56die Ausschreitungen verantwortlich.
- 8:58Doch auch in Deutschland wird inzwischen darüber diskutiert,
- 9:01wer hinter der Gewalt steckt.
- 9:02Bundesinnenminister Alexander Dobrindt spricht laut BILD von Linksextremisten
- 9:06und einem migrantischen Milieu, die sich zum gemeinsamen Kampf gegen das demokratische
- 9:11System zusammentun würden.
- 9:13Gibt es für diese Verbindung tatsächlich Belege?
- 9:16Welche Rollen spielen Jugendliche aus den französischen Vorstädten,
- 9:19den sogenannten Bonlieus?
- 9:21Und hat die Gewalt möglicherweise auch einen religiösen Hintergrund?
- 9:25Ich habe Stefan Brennle gefragt, wie er diese Debatte einschätzt.
- 9:28Was den Islam betrifft, sehe ich keine Beziehung, keinen Link zu den heutigen Krawallen.
- 9:35Was hingegen die Vorstädte anbelangt, ist es schon klar, dass...
- 9:42Ich würde mal schätzen, eine kleine Mehrheit aus diesen Banlieue-Vierteln kommt.
- 9:49Aber es gibt, wie gesagt, auch andere Mitläufer, Trittbrettfahrer und auch Agitatoren.
- 9:59Ganz generell glaube ich schon, dass diese dritte Einwanderergeneration in Frankreich,
- 10:08zum Teil anderen Regeln gehorcht,
- 10:12die nicht sehr viel mit unserem Verständnis von Rechtsstaat zu tun haben.
- 10:21Die machen das nicht unbedingt aus politischen Motiven oder weil sie jetzt Frankreich
- 10:29hassen oder weil sie auch sonst,
- 10:35mal mit dieser ehemaligen Kolonialmacht abrechnen wollen.
- 10:41Da ist auch viel Dummheit im Spiel, da gab es jetzt Plünderer,
- 10:46die haben Handys geklaut und am Abend bereits im Internet wieder zum Verkauf
- 10:52angeboten und da ist natürlich die Polizei sofort da,
- 10:56um die zu verhaften und die Regierung ist jetzt wirklich entschlossen,
- 11:01da auch mal durchzugreifen.
- 11:04Und das sind Jugendliche.
- 11:09Die folgen, wie gesagt, anderen Regeln, die wissen vielleicht,
- 11:14dass das nicht sehr gut ist, was sie tun, aber sie haben auch kein Unrechtsverständnis.
- 11:22Und ich glaube, da muss man schon auch eine gewisse Vorsicht walten lassen.
- 11:30Die Dinge sind sehr komplex. Frankreich hat, wie gesagt, eine Kolonialgeschichte.
- 11:36Umgekehrt ist bei vielen, vor allem Maghreb-Jugendlichen, keine Bereitschaft
- 11:43zu spüren, sich zu assimilieren in Frankreich.
- 11:48Auch mit der Französischen Republik ein Auskommen zu finden.
- 11:54Die leben am Rande der Gesellschaft und sind oft nicht in der Lage,
- 12:01sich auf dem Arbeitsmarkt oder anderweitig in die Gesellschaft zu integrieren.
- 12:08Brennle sieht also keinen Zusammenhang zwischen den Ausschreitungen und dem Islam.
- 12:13Bei der Herkunft der Beteiligten spricht er ausdrücklich von einer persönlichen,
- 12:16Schätzung Belastbare Zahlen nennt er aber nicht.
- 12:20Tatsächlich leben in vielen französischen Vorstädten Menschen,
- 12:23deren Familien ursprünglich aus Nord- oder Westafrika eingewandert sind.
- 12:27Viele sind längst französische Staatsbürger in zweiter oder sogar in dritter Generation.
- 12:32In diesen Vierteln gibt es allerdings seit Jahrzehnten Konflikte um soziale
- 12:35Ausgrenzungen, fehlende Perspektiven und das Verhältnis zur Polizei,
- 12:40der oft vorgeworfen wird,
- 12:42gegen die Menschen dort mit unbotenmäßiger Härte vorzugehen,
- 12:46sie ungerecht zu behandeln und sie zu diskriminieren.
- 12:50Aber daraus lässt sich natürlich nicht ableiten, wer an den aktuellen Ausschreitungen
- 12:53beteiligt ist oder das Recht nicht, welche Motive einzelne Gewalttäter haben.
- 12:58Die entscheidende Frage ist deshalb nicht allein, wer auf der Straße steht,
- 13:02sondern auch, warum die Situation überhaupt so eskalieren konnte.
- 13:07Und da spielt das Verhältnis zwischen Demonstrierenden und Polizei eine wichtige
- 13:10Rolle. Die Polizei in Frankreich hat den Ruf, grundsätzlich sehr,
- 13:15sehr robust vorzugehen, insbesondere bei Demonstrationen.
- 13:18Und die Auseinandersetzungen beginnen ja nicht erst am vergangenen Wochenende.
- 13:22Schon bei den ersten Schülerprotesten kommt es zu Konfrontation mit der Polizei.
- 13:27Wie kann sich aus solchen Begegnungen eine immer größere Gewaltspirale entwickeln?
- 13:32Darüber habe ich mit dem Protestforscher Simon Teune gesprochen.
- 13:37Ja, ich glaube, das, was wir da in Frankreich beobachten konnten,
- 13:40das hat eine doppelte Geschichte. Einmal haben die Proteste selbst eine Vorgeschichte.
- 13:44Das heißt, es hat jetzt nicht am Wochenende angefangen, sondern diese Proteste,
- 13:47finden schon seit mehreren Wochen statt.
- 13:50Diese Schülerproteste sind ja sehr früh schon mit Gewalt von der Polizei beantwortet worden.
- 13:56Und das lag daran, dass Schulen besetzt worden sind und sozusagen der Zugang
- 14:02versperrt wurde zu Schulen, um auf die desolate Situation in den Schulen aufmerksam
- 14:07zu machen, was das Personal angeht, aber auch,
- 14:10die Gebäude, den Zustand der Gebäude.
- 14:13Und da kam es schon sehr früh zur Auseinandersetzung mit der Polizei.
- 14:17Das heißt, schon was die Schülerproteste angeht, haben wir eine Vorgeschichte
- 14:22von Gewaltkonfrontation.
- 14:25Und da ist es so, wenn ich das Gegenüber, in dem Fall die Polizei,
- 14:31als Gegner wahrnehme, dann sinkt die Schwelle, selbst Gewalt anzuwenden.
- 14:37Das gilt erstmal generell in Gewaltkonfrontationen. Also eine Gewaltspirale.
- 14:42Demonstrierende und Polizeigeraten aneinander.
- 14:45Die Erfahrungen aus diesen Zusammenstößen prägen die nächste Begegnung,
- 14:48das Misstrauen wächst und damit möglicherweise auch die Bereitschaft,
- 14:51selbst Gewalt anzuwenden.
- 14:54Das erklärt zumindest ein wenig, wie sich ein Konflikt zuspitzen kann.
- 14:58Es rechtfertigt natürlich keine Angriffe auf Polizisten, keine Plünderungen,
- 15:02und keine brennenden Geschäfte.
- 15:05Warum kommt es gerade in Frankreich immer wieder zu solchen Eskalationen?
- 15:08Wir erinnern uns an die Gelbwesten-Proteste.
- 15:10Ich habe ja vorhin erzählt, 2018, 2019, ihr werdet euch erinnern.
- 15:14Auch da haben Barrikaden gebrannt, auch da gab es schwere Straßenschlachten.
- 15:19Und es waren ja nicht die Einzigen. Es gab in den 60er, 70er,
- 15:2280er Jahren immer wieder solche Auseinandersetzungen. Es gab die großen Bauernproteste,
- 15:26die großen Winzerproteste, teilweise eben auch mit Toten und Schwerstverletzten.
- 15:31Frankreich hat eine lange Geschichte heftiger sozialer Auseinandersetzungen.
- 15:36Simon Teune sagt, das hat auch mit dem politischen System in Frankreich zu tun.
- 15:41Was Deutschland und Frankreich unterscheidet, ist, dass wir zwei sehr unterschiedliche
- 15:45politische Systeme haben. also in Frankreich, ein zentralistisches System,
- 15:50Wenig Vermittlungsinstanzen, wo Gesetze einfach erst mal erlassen werden und
- 15:55dann guckt man, wie die Reaktion ist. Wenn es eine heftige Gegenreaktion ist,
- 15:58dann werden Gesetze schnell auch mal zurückgenommen oder eingeschränkt in der vorgesehenen Fassung.
- 16:05In Deutschland funktioniert das anders. Deutschland hat ein föderales System,
- 16:10also gerade bei Bildung ist es klar, da sind sozusagen erst mal die Länder zuständig.
- 16:14Und das führt erst mal dazu, dass ein Protest in Frankreich eruptiver ist.
- 16:21Dass es sozusagen einen klaren Gegner gibt mit der Zentralregierung und dass,
- 16:28der Protest dann sozusagen in solchen Momenten hochkocht.
- 16:33In Deutschland haben wir einen sehr viel dauerhafteren Strom von Protesten,
- 16:38der so sehr viel alltäglicher ist.
- 16:41In Frankreich richtet sich der Protest also sehr, sehr stark gegen die Regierung in Paris.
- 16:47Sie ist für viele Menschen der zentrale Adressat ihrer Unzufriedenheit.
- 16:51In Deutschland verteilen sich politische Entscheidungen dagegen auf mehreren Ebenen.
- 16:54Das macht Proteste nicht automatisch friedlich, aber es verändert,
- 16:57wie sie entstehen und gegen wen sie sich richten. Dazu kommt ein weiterer Unterschied.
- 17:02In Frankreich gehören heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei schon lange
- 17:06zur Geschichte sozialer Proteste.
- 17:08In Deutschland sind solche Konfrontationen deutlich weniger üblich.
- 17:12Und heute gibt es natürlich noch etwas, das die Dynamik solcher Ausschreitungen
- 17:15erheblich verändert. Die sozialen Medien.
- 17:19Brennende Autos, eingeschlagene Schaufenster, Straßen schlachten,
- 17:21solche Bilder verbreiten sich innerhalb weniger Sekunden und oft sind es genau
- 17:25diese Bilder, die anschließend die öffentliche Debatte bestimmen.
- 17:30Was bedeutet das für die Protestbewegung? Und soziale Medien spielen jetzt insofern
- 17:35eine Rolle, als dass die Bilder von diesen Ausschreitungen in Echtzeit verfügbar sind.
- 17:41Das heißt, dass auch die Reaktion darauf sehr unmittelbar stattfindet und sehr
- 17:46stark auch von den Bildern, die verfügbar sind, geprägt ist.
- 17:49Also wir sehen nicht mehr die Bilder von den großen Demonstrationsmassen,
- 17:54sondern wir sehen eben einzelne Ausschnitte von diesen Gewalteskalationen und
- 18:00die sind sozusagen unsere Diskussionsgrundlage.
- 18:03Das heißt, das verstärkt diesen Effekt, dass Gewalt im Fokus steht nochmal mehr.
- 18:08Das macht es attraktiver für die Gruppen, die Gewalt ausüben,
- 18:12sich zu beteiligen, weil sie wissen, dass sie die ganze Aufmerksamkeit haben.
- 18:17Das macht aber auch sozusagen den Handlungsdruck in der Politik noch mal größer,
- 18:21als er sowieso schon ist.
- 18:23Die Gewalt bekommt also die größte Aufmerksamkeit. Das ist tragisch.
- 18:28Das gilt natürlich für die sozialen Medien, aber auch für die etablierten,
- 18:31die alten Medien, die natürlich ihre Aufmerksamkeit auf die Bilder von brennenden
- 18:36Barrikaden und sonstigen Dingen richten und nicht auf die Hunderttausenden,
- 18:41die friedlich demonstrieren.
- 18:43Und das macht das Ganze natürlich etwas schwierig. Da muss man sich dann auch
- 18:46mal als Medien selbst die Frage stellen, ob man da den Fokus richtig setzt. Aber das ist eben so.
- 18:55Das aber verändert wiederum die Wahrnehmung der Proteste und das erhöht den
- 18:57Druck auf die Regierung, endlich zu reagieren.
- 19:00In Frankreich versuchen sie mit Ausgangssperren und Demonstrationsverboten weitere
- 19:05Ausschreitungen zu verhindern. Allein am vergangenen Wochenende werden nach
- 19:08den vorliegenden Angaben landesweit 2331 Menschen in Gebärsamt genommen.
- 19:13Doch die Regierung steht vor einem Dilemma. Sie muss die Gewalt stoppen und
- 19:17die Bevölkerung schützen.
- 19:19Gleichzeitig sind die sozialen Probleme, die so viele Menschen auf die Straße
- 19:22gebracht haben, damit natürlich nicht verschwunden.
- 19:25Und genau das könnte für die Parteien in der Mitte wirklich politisch gefährlich werden.
- 19:30Denn Frankreich steuert auf die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zu.
- 19:33Das wird in ungefähr einem halben Jahr sein.
- 19:37Emmanuel Macron, der amtierende Präsident, darf nicht mehr antreten.
- 19:41Und zwei seiner prominentesten politischen Gegenspieler, die scheinen jetzt
- 19:45von der Situation zu profitieren. Marine Le Pen auf der rechten und Jean-Luc,
- 19:50Mélenchon auf der linken Seite.
- 19:52Aber wem helfen die Ausschreitungen tatsächlich? Unser Frankreich-Korrespondent
- 19:57Stefan Brändle sieht vor allem Marine Le Pen im Vorteil.
- 20:00Ich glaube, es ist relativ klar, dass Marine Le Pen von diesen schweren Unruhen profitieren wird.
- 20:10Sie hat sich in den letzten Monaten immer sehr gemässigt, fast staatsmännisch gegeben.
- 20:18Sehr republikanisch und respektabel, anders auch als die AfD in Deutschland
- 20:27oder in Ostdeutschland,
- 20:28wo auch eine gewisse Provokation, vielleicht eine politische Provokation im Spiel ist.
- 20:36In Frankreich versucht Le Pen genau die andere Masche, indem sie sich eben sehr
- 20:42staatsmännisch gibt und eigentlich schon an die Zeit,
- 20:47wenn sie einmal im Elysee-Palast sein könnte, denkt.
- 20:55Jean-Luc Mélenchon könnte eher jetzt leiden unter dem massiven Gewaltausbruch,
- 21:05der da stattgefunden hat. Er hat vielleicht am Anfang,
- 21:11selber einen gewissen Nutzen daraus geschlagen aus den Gymnasiasten und den,
- 21:18Oberstufenschülerprotesten.
- 21:22Er hat es auf relativ geschickte Weise auch geschafft, die Vorstädte auf seine Seite zu bringen.
- 21:30Aber jetzt, seit Samstag, wo diese Proteste eskaliert sind und wo es wirklich.
- 21:41Beängstigende Szenen gab, ist wahrscheinlich Mélenchon eher im Nachteil.
- 21:48Marie Le Pen könnte also von den Ausschreitungen profitieren.
- 21:51Das ist ja generell nicht nur in Frankreich so, sondern auch in Deutschland
- 21:56beispielsweise, dass die Rechten,
- 21:59immer versuchen Profit zu schlagen aus solchen gewaltsamen Auseinandersetzungen,
- 22:02insbesondere dann eben auch,
- 22:04wenn Leute mit migrantischem Hintergrund daran beteiligt sind.
- 22:08Und im Grunde genommen spielen eben diese Gewalttäter, das gehört leider zur
- 22:11Wahrheit dazu, eben den Rechten in die Karten, denn je stärker die Bilder von
- 22:15Gewalt und Zerstörung die öffentliche Debatte bestimmen,
- 22:18desto mehr rückenfragender Sicherheit und Ordnung in den Vordergrund und das
- 22:21sind ja so Kernthemen der politischen Rechten.
- 22:25Für Jean-Luc Mélenchon könnte genau das zum Problem werden. Er versucht die
- 22:30soziale Unzufriedenheit politisch für sich zu nutzen, Doch wenn die Proteste
- 22:34vor allem mit brennenden Autos und geplünderten Geschäften verbunden werden,
- 22:37geraten auch ihre Unterstützer unter Druck.
- 22:41Das ist zunächst die Einschätzung unseres Korrespondenten. Ob sie sich bei der
- 22:44Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr tatsächlich bestätigt, ist offen.
- 22:48Da ist aber schon jetzt die Ausschreitungen verändern die politische Debatte.
- 22:53Am Anfang ging es um fehlendes Personal an Schulen, um hohe Lebenshaltungskosten,
- 22:57um die Frage, ob sich die Menschen von ihrer Regierung noch gehört fühlen.
- 23:01Jetzt geht es vor allem um Gewalt, Sicherheit und die Reaktion des Staates.
- 23:07Damit stehen die friedlichen Demonstrierenden vor einem Riesenproblem.
- 23:10Ihre Forderungen drohen hinter den Ausschreitungen zu verschwinden. Wie geht es also weiter?
- 23:15Stefan Brände beobachtet bereits neue Protestaufrufe. Auch die Gelbwesten könnten
- 23:20wieder stärker mobilisieren.
- 23:22Gleichzeitig versuchen politische und gesellschaftliche Gruppen,
- 23:25die Situation zu beruhigen.
- 23:27Es gibt, wenn man in sozialen Medien schaut, jetzt schon Aufrufe für kommenden
- 23:33Samstag, auch in zwei Wochen.
- 23:37Die Gelbwesten waren schon letzten
- 23:40Samstag präsent, nur sind die völlig untergegangen im allgemeinen Chaos.
- 23:46Es könnte aber sein, dass sie jetzt auch in ländlichen Zonen nochmal,
- 23:53eine gewisse Mobilisierung erreichen können, dass sie zum Beispiel wie 2018, 2019 gewisse,
- 24:05Autokreisel blockieren und dadurch den ganzen Verkehr, den Privatverkehr lahmlegen können.
- 24:14Das ist eine Möglichkeit.
- 24:18Man spürt allerdings heute in Paris eine gewisse Skepsis der politischen und
- 24:25auch sozialpolitischen Bewegungen und Parteien, sich.
- 24:32Jetzt schon wieder zu engagieren. Das ganze Bemühen dieser Parteien und Bewegungen
- 24:39läuft schon darauf hinaus, eine gewisse Deeskalisation zu erreichen, dass,
- 24:45man versucht, die Dinge zu beruhigen und es ist deshalb noch nicht sicher, wie jetzt.
- 24:52Diese Bewegungen weitergezogen werden.
- 24:56Ob sich die Lage in Frankreich beruhigt oder die Proteste weitereskalieren, ist also noch offen.
- 25:02Aber die Unzufriedenheit, die so viele Menschen auf die Strasse gebracht hat,
- 25:06die wird nicht einfach so verschwinden.
- 25:08Und Frankreich steht damit natürlich nicht allein, auch in anderen europäischen
- 25:11Ländern, demonstrieren Menschen gegen politische Entscheidungen,
- 25:14hohe Lebenshaltungskosten und fehlende Zukunftsperspektiven.
- 25:17Es gab ja auch in den vergangenen Tagen gewalttätige Ausschreitungen in Italien beispielsweise.
- 25:21Die Anlässe sind unterschiedlich, aber immer wieder geht es um ähnliche Fragen.
- 25:24Kann ich mir mein Leben noch leisten?
- 25:27Habe ich eine Perspektive und hört die Politik überhaupt zu?
- 25:32Auch in Deutschland beschäftigt das viele Menschen. Der Sozialforscher Klaus
- 25:36Hogelmann, der hat in unseren Zeitungen davor gewarnt, die vergleichsweise ruhige
- 25:39Lage auf deutsche Straßen mit politischer Zufriedenheit zu verwechseln.
- 25:43Viele junge Menschen machen sich Sorgen um ihre Zukunft, um steigende Wohnkosten
- 25:47und ihre wirtschaftliche Sicherheit.
- 25:49Auch Jugendforscher Simon Schnetzer sieht ein erhebliches Protestpotenzial.
- 25:54Er spricht sogar von einer, Zitat, tickenden Zeitbombe.
- 25:57Aber Unzufriedenheit bedeutet noch nicht, dass die Menschen tatsächlich auf
- 26:01die Straße gehen und Protest bedeutet erst recht nicht, dass es zwangsläufig zu Gewalt kommt.
- 26:06Damit sind wir wieder bei der Frage vom Anfang unserer Folge.
- 26:10Könnten wir Ausschreitungen wie in Frankreich auch in Deutschland erleben?
- 26:14Der Protestforscher Simon Teune hält das grundsätzlich für möglich.
- 26:19Er sieht aber auch entscheidende Unterschiede zwischen beiden Ländern.
- 26:22Das schließt aber nicht aus, dass es sozusagen Leute gibt, für die das sozusagen
- 26:27gewollt und von Interesse wäre.
- 26:29Das braucht dann aber auch eine größere, unübersichtliche Situation,
- 26:34aus der heraus man sowas anfangen kann.
- 26:36Also wir haben ja jetzt gerade keine großen Proteste in Deutschland.
- 26:40Also wir haben, glaube ich, eine große Unzufriedenheit bezogen auf die Sozialpolitik,
- 26:45aber nicht das Gefühl, dass man über Protest sehr viel daran drehen kann.
- 26:49Also wir haben gerade eigentlich nicht die spiegelbildliche Situation zu Frankreich.
- 26:54Und insofern sehe ich die Gelegenheit nicht umgeben. Ich sehe auch nicht in
- 26:58der Masse das Potenzial dafür, dass Menschen sich in der Form artikulieren.
- 27:04Eine Eskalation, so brutal wie in Frankreich hält Simon Teun in Deutschland
- 27:08derzeit also für wenig wahrscheinlich. Das ist ja schon mal eine gute Nachricht.
- 27:12Also nicht, weil es bei uns keine Unzufriedenheit gibt und auch nicht,
- 27:14weil Proteste hier grundsätzlich friedlich bleiben.
- 27:16Wir erinnern uns beispielsweise an die schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg im Jahr 2017.
- 27:23Oder bei die heftigen Auseinandersetzungen, die es gab, als es um die Startbahn
- 27:28best bei Frankfurt ging oder auch die Proteste gegen die Atomkraft.
- 27:33Auch in Deutschland können Demonstrationen außer Kontrolle geraten,
- 27:37keine Frage. Aber Teune sieht im Moment keine vergleichbare Situation,
- 27:40keine ähnlich breite Protestbewegung, keine vergleichbare Dynamik zwischen Demonstrierenden und Polizei.
- 27:46Vor allem ist die gewaltsame Konfrontation in Deutschland weit weniger Teil
- 27:50der Protestkultur als in Frankreich.
- 27:52Das bedeutet nicht, dass es hier niemals zu ähnlichen Ausschreitungen kommen könnte.
- 27:57Aber die Bilder aus Frankreich sind auch kein Beleg dafür, dass uns hier eine
- 28:02solche Entwicklung unmittelbar bevorsteht.
- 28:04Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen Menschen protestieren,
- 28:08wie die Politik und die Polizei darauf reagieren und welche Gruppen sich an
- 28:12den Demonstrationen beteiligen.
- 28:14Dabei können auch die Protestbewegungen selbst eine wichtige Rolle spielen.
- 28:18Denn sie müssen ja nicht tatenlos zusehen, wenn andere ihre Demonstrationen für Gewalt nutzen.
- 28:23Simon Teune erinnert an eine Situation beim G20-Gipfel in Hamburg.
- 28:28Also diese Form von Selbstregulation, die findet statt. Also die findet im Vorfeld
- 28:32von Protesten statt, indem man
- 28:33darüber spricht, wie soll unser Protest aussehen, was wollen wir nicht.
- 28:36Findet aber auch in den konkreten Situationen statt, dass sozusagen Menschen,
- 28:40Also wenn wir jetzt wieder über G20 in Hamburg sprechen, da haben Menschen Feuer
- 28:47auf der Straße angezündet, die irgendwie Wohnhäusern bedrohlich nahe gekommen sind.
- 28:52Da sind Menschen dazwischen gegangen und haben gesagt, das geht nicht,
- 28:55das könnt ihr nicht machen.
- 28:56Also das findet man immer wieder, dass aus Protestbewegungen heraus solche Exzesse
- 29:02auch wieder eingefangen werden oder zumindest klar als eine Grenzüberschreitung markiert werden.
- 29:08Menschen, die selbst demonstrieren und trotzdem einschreiten,
- 29:10wenn andere Grenzen überschreiten, die deutlich machen, Gewalt gegen Unbeteiligte
- 29:15gehört nicht zu unserem Protest.
- 29:17Natürlich kann niemand verlangen, dass sich Demonstrierende dabei selbst in
- 29:19Gefahr bringen, aber Protestbewegungen können deutlich machen,
- 29:22wofür sie stehen und wofür nicht.
- 29:25Erinnern wir uns noch einmal an die Frau in Paris, von der Stefan Brändle erzählt
- 29:28hat, die ihrem Hund Strümpfe anzieht, damit er sich an den Glassplittern auf
- 29:32der Straße nicht verletzt.
- 29:34Für sie sind die Ausschreitungen keine abstrakte politische Debatte.
- 29:37Sie muss mit den Folgen der Gewalt leben, genau wie die Menschen,
- 29:40deren Geschäfte zerstört wurden oder die Angst haben, dass es in ihrer Nachbarschaft
- 29:44erneut zur Ausschreitung kommt.
- 29:46Gleichzeitig gibt es hunderttausende Menschen, die friedlich für bessere Lebensbedingungen
- 29:51demonstrieren und die wollen, dass ihre Forderungen gehört werden.
- 29:54Frankreich steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Die Regierung muss die
- 29:58Menschen vor Gewalt schützen, aber sie muss auch Antworten auf die sozialen
- 30:02Probleme finden, die diese Protestbewegung überhaupt erst so groß gemacht haben.
- 30:06Und Deutschland, auch hier gibt es zukunftsengte soziale Unsicherheit,
- 30:10um Menschen, die sich von der Politik nicht ausreichend vertreten fühlen.
- 30:13Das bedeutet nicht, dass wir unmittelbar vor ähnlichen Ausschreitungen stehen,
- 30:16aber es wäre ein Fehler, solche Sorgen erst dann ernst zu nehmen,
- 30:19wenn Menschen auf die Straße gehen oder wenn die ersten Autos brennen.
- 30:23Ein Problem ist sicherlich auch, und da spielen die sozialen Medien natürlich eine große Rolle,
- 30:27dass es ja nicht nur die Probleme im jeweiligen Inland sind,
- 30:32die diese Proteste befeuern, sondern auch ausländische Akteure,
- 30:37die von draußen versuchen, die jeweiligen Länder zu destabilisieren.
- 30:40Ich denke da vor allem an Russland.
- 30:42Es gibt Bot-Armeen, die unterwegs sind. Dafür gibt es zahlreiche Hinweise,
- 30:46auch von Geheimdiensten und die im Kern versuchen, die Wut dieser Leute anzufeuern.
- 30:51Ich meine, wir erleben das ja auch bei uns in Deutschland, wenn man sieht,
- 30:55wie die rechtsextremen Unterstützung finden durch KI-generierte Inhalte und
- 31:01wie, wie gesagt, die Wut da angestachelt wird.
- 31:03Ich glaube, das ist nochmal ein zusätzliches Problem, das auch Gesellschaften
- 31:07für eine sehr, sehr große Herausforderung stellt, dass es auch Kräfte von außerhalb
- 31:10gibt, die Proteste befeuern und möglicherweise so sehr befeuern,
- 31:15dass sie Gewalt umschlagen.
- 31:17Ich glaube, es ist ungemein wichtig, die Sorgen der Leute ernst zu nehmen,
- 31:21denn friedlicher Protest sollte erst nicht durch Gewaltaufmerksamkeit bekommen.
- 31:26Das war die heutige Folge von Im Krisenmodus.
- 31:29Diesen Podcast hat Alexander Baumeister produziert, der Journalist und Hörfunkredakteur,
- 31:34beim Radiosender der Funke Mediengruppe.
- 31:36Wenn euch diese Folge gefallen hat, dann abonniert unseren Podcast und empfehlt uns gerne weiter.
- 31:40Es hilft uns, mit unseren Geschichten noch mehr Menschen zu erreichen.
- 31:45Und mich interessiert eure Meinung. Habt ihr das Gefühl, dass die Politik eure Sorgen ernst nimmt?
- 31:50Und was müsste passieren, damit sich das ändert?
- 31:54Schreibt uns an riesenmodus.funkemedien.de. Passt auf euch auf.
- 31:59Bis dann. Ciao, ciao, ciao.