Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Bangen nach Baku: Wie steht es um den globalen Klimaschutz? (mit Kira Vinke)
Transcript
- 0:00Deutschland hat eine sehr gute Reputation in Sachen der globalen Partnerschaft für den Klimaschutz.
- 0:06Kann auch hier möglicherweise bestimmte Marktlücken füllen, wenn die USA jetzt erstmal zögerlich agieren.
- 0:14Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Pod und die Welt, dem außenpolitischen Update der Zeitschrift "Internationale Politik".
- 0:20Ich bin Martin Bialecki.
- 0:22Und ich bin Katharina Peetz. Schön, dass Sie dabei sind.
- 0:25Wir sinken buchstäblich. Mit diesem emotionalen Appell hatte die Gruppe der kleinen Inselstaaten auf ihre Belange aufmerksam gemacht.
- 0:33Auf der Klimakonferenz COP29 in Baku in Aserbaidschan ging es eher schleppend zu.
- 0:38Die Inselstaaten haben zusammen mit den am wenigsten entwickelten Ländern aus Protest sogar eine Verhandlungsrunde verlassen.
- 0:44Man habe nicht den Eindruck ernst genommen zu werden.
- 0:47Am Ende hat man sich bei der COP29 nach einer Verlängerung in der Nacht auf Sonntag auf einen Abschlussdom geeinigt.
- 0:53Aber ob damit die großen Fragen im Klimaschütze wirklich beantwortet sind, Stichwort Finanzierung und faire Lastenverteilung,
- 1:01das wollen wir uns in dieser Folge mal genauer anschauen.
- 1:03Und wir freuen uns sehr, dass dafür Kira Vinke zu Gast ist.
- 1:06Sie ist Leiterin des Zentrums Klima- und Außenpolitik bei der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik, der DGAP.
- 1:12Hallo Frau Vinke.
- 1:13Hallo.
- 1:17Zum Einstieg vielleicht erstmal die Frage, eine gefühlige Frage.
- 1:21Mit welchem Gefühl sind Sie nach Baku hingereist und mit welchem kamen Sie dann zurück?
- 1:26Also ich bin schon mit gemischten Gefühlen nach Baku gereist.
- 1:30Weil es klar war, dass unter der Präsidentschaft Aserbaidschans eben die Verhandlungen möglicherweise schleppend verlaufen würden.
- 1:37Es ist ein Staat, das sehr stark auf Fossilenergien setzt.
- 1:40Vielleicht zu Beginn wurde auch gesagt, dass Öl als Geschenk Gottes gesehen wird.
- 1:44Insofern waren da die Erwartungen auch zu Beginn recht gering.
- 1:48Ich bin dann abgereist bzw. habe dann die Bilanz der Konferenz,
- 1:52also ich bin nicht bis ganz zum Schluss geblieben,
- 1:54aber habe dann die Bilanz der Konferenz betrachtet mit schon eine Art Erleichterung,
- 2:00dass es überhaupt zu einem Kompromiss gekommen ist.
- 2:04Weil ich glaube, das war diesmal haar scharf.
- 2:06Ich denke, dass es trotzdem natürlich nicht genug ist, was dort vereinbart worden ist.
- 2:11Man fragt sich immer so ein bisschen vor Vinke, was solche Klimakonferenzen eigentlich bringen.
- 2:15Klar, das Thema bleibt auf der Agenda, man bleibt im Gespräch darüber.
- 2:18Wie ist denn Ihr Fazit zur COP29? Sticht Ihnen irgendeiner Form hervor?
- 2:22Sie haben gerade gesagt, Hauptsache überhaupt ein Ergebnis.
- 2:25Ist das das Ergebnis?
- 2:27Also was wir auf dieser COP eben gesehen haben,
- 2:29ist insbesondere der Kampf um ein neues Klimafinanzierungsziel.
- 2:33Darum ging es primär.
- 2:35Das bedeutet also die Frage, wie viel Gelder werden insbesondere sich entwickelnden Ländern
- 2:40zur Verfügung gestellt durch Industriestaaten, die besonders viel zum Problem beigetragen haben.
- 2:45Hier hat man sich auf 300 Milliarden geeinigt, die eine Summe ist,
- 2:51die dann jährlich erreicht werden soll bis 2035.
- 2:56Hier geht es nun darum, das möglichst schnell zu erreichen.
- 2:59Insofern war das schon eine sehr wichtige COP gerade für den sogenannten globalen Süden.
- 3:08Vielleicht schauen wir auf diese Machtverhältnisse bei den Finanzierungsfragen nochmal genauer.
- 3:16Es gibt die reichen Industriestaaten, die schon sehr viel CO2 ausgestoßen haben.
- 3:19Die ärmeren Länder, die stark unter dem Klimawandel leiden,
- 3:22obwohl sie oft einen geringen Anteil am CO2 ausstoßen haben.
- 3:25Und die sogenannten Schwellenländer oder auch verhältnismäßig neue fossile Staaten.
- 3:29Sie haben gerade schon kurz umrissen, was der Kompromiss ist.
- 3:32Was würden Sie sagen, wer hat sich jetzt in diesem Machtkampf in den Finanzierungsfragen am Ende durchgesetzt?
- 3:36Also die Machtverhältnisse, die globalen Machtverhältnisse sind ja klar,
- 3:40dass die Industriestaaten, die für das Problem verantwortlich sind,
- 3:44auch die Machtkonzentrationen bei sich haben, wirkt sich natürlich deutlich auf den Verhandlungsverlauf aus.
- 3:50Nicht dass du trotz, muss man einfach sagen, es braucht dieses Forum,
- 3:53weil sonst viele vulnerables Staaten gar keine Stimme hätten.
- 3:57Also bei einer G20-Sitzung oder auch einer G7-Sitzung wäre es schwer vorstellbar gewesen,
- 4:04dass ein Betrag von 300 Milliarden Euro zur Emissionsminderung und Anpassung
- 4:09von Entwicklungsstaaten gepletscht worden wäre.
- 4:12Das braucht da schon den Druckmoment durch die globalen Akteure.
- 4:16Und natürlich ist es so gerade im Bereich der Emissionsminderung,
- 4:20haben fossile Petrostaten eben insbesondere Saudi-Arabien stark auf die Bremse getreten,
- 4:26haben auch die Rhetoration von ambitionierten Formulierungen verhindert.
- 4:32Das ist natürlich bedauerlich, dass man jetzt öfters auch wieder Dinge quasi nochmal neu diskutieren muss,
- 4:39die eigentlich schon längst vereinbart waren.
- 4:42Die Interessen gegensätzlich zwischen flachliegenden Inseln auf der einen Seite und Europäischen Staaten
- 4:47oder den US auf der anderen Seite sind riesengroß.
- 4:50Frage, wie viel koloniales Denken, also nochmal Stichwort Globaler Süden steckt denn im globalen Umgang mit der Klimakrise?
- 4:57Der Kolonialismus wirft natürlich weite Schatten und das auch in das Verhandlungsfeld der internationalen Klimaschutzverhandlungen.
- 5:04Hier gibt es natürlich große Diskrepanten, insbesondere auch weil viele westliche Industriestraten massiv von ihrem kolonialen Erbe profitiert haben.
- 5:15Und diese Dinge natürlich dann auch miteinander in Verbindung gebracht werden, wenn es darum geht,
- 5:20andere Staaten dazu zu motivieren, selber Klimaschutz zu betreiben.
- 5:25Insbesondere muss man dabei in Betracht ziehen, dass CO2 sehr lange in der Atmosphäre verbleibt
- 5:30und wir haben jetzt schon viel dieses CO2-Raums, wenn man so einen Wille eingenommen in der Atmosphäre
- 5:35und nun sollen beispielsweise, wenn es darum geht, normaler CO2-Preis oder so,
- 5:40sollen andere Länder dafür zahlen CO2-Ausstoßen zu können, während wir jetzt jahre, jahrzehntelang, über ein Jahrhundert lang CO2 quasi umsonst in die Atmosphäre abgelagert haben
- 5:51und die ja weiterhin dort vorhanden sind und auch Schaden in genau diesen Ländern anrichten, die wir nun davon überzeugen wollen,
- 5:59weniger CO2 auch auszustoßen.
- 6:02Nichtsdestotrotz bleibt das notwendig, dass alle Länder hier in einem Strang ziehen
- 6:06und umso wichtiger ist eben diese Frage der Finanzierung.
- 6:09Das ist nämlich keine reine Wohltätigkeit der Industriestraten, sondern aus meiner Perspektive ein wichtiges Element,
- 6:16um dieser Verantwortung auch in gewisser Weise beizukommen und dazu beizutragen, dass alle Länder hier die Richtung einschlagen der Transformation.
- 6:25Weil natürlich ist es so, wenn Deutschland alleine seine Emission mindert, wird es das Klima nicht insgesamt retten.
- 6:31Wir brauchen hier die Kooperation.
- 6:33Wir wollen ja vorhin mit diesem Podcast immer auch die Frage beantworten,
- 6:40was hat das Ganze denn mit uns alle Leben zu tun in Deutschland?
- 6:44Nun hat Frau Baerbock die deutsche Außenministerin unter anderem erklärt Geld allein das Reich nicht.
- 6:49Es müsse schon auch der Ausstoß klimaschädlich Emissionen reduziert werden.
- 6:53Dann fragt man sich, wie glaubwürdig ist Deutschland denn bei den Klimaschutzverhandlungen
- 6:57und wie bewerten Sie Deutschlands Rolle generell bei der COPEN-Baku?
- 7:02Also man muss schon sagen, dass die Rolle der Außenministerin hier eine ganz wichtige war,
- 7:07weil sie eine der hochrangigen Politikerinnen waren, die vor Ort lange waren und die auch eben mit zum Schluss verhandelt haben.
- 7:14Das war ein sehr wichtiges Signal und hat auch dazu maßgeblich beigetragen, dass es überhaupt zu einem Kompromiss kam.
- 7:20Denn die Präsidentschaft, also die Koppräsidentschaft Aserbaidschans hat eben keine gute Vorarbeit geleistet.
- 7:25Die Präsidentschaft hat traditionellerweise die Rolle eben Kompromisse zu finden.
- 7:30Also am besten schon im Vorfeld der COP Gespräche zu führen, um Position miteinander vereinbar zu machen.
- 7:36Und hier wurden am letzten oder vorletzten Tag einfach nur die Positionen noch mal einander gegenübergestellt
- 7:41in dem Entwurfsdokument über die Klimafinanzierung.
- 7:44Und das ist natürlich keine Ausarbeitung eines Kompromisses.
- 7:48Insofern war das sehr wichtig.
- 7:49Allerdings muss man auch sagen, die Regierungskrise, also das Brechen der Ampelkoalition,
- 7:54hat mit dazu beigetragen, dass wir eben auch nicht besonders ambizient im Vorfeld dort auftreten konnten.
- 8:00Man muss sich daran erinnern, dass in früheren Zeiten eben Deutschland auch schon Monate vorher
- 8:05mit Zusagen, Finanzierungszusagen reingegangen ist, mit Emissionsminderungszielen, die ambizienter waren.
- 8:11Und hier brut man sich jetzt so ein bisschen auf dem Status quo aus.
- 8:15Und gleichzeitig, wenn man jetzt die Klimakrise dagegen stellt und Deutschlands Verantwortung dafür,
- 8:20also unseren anteilenden Emissionen, bleiben wir einfach hinter unsere eigentlichen Verantwortung zurück.
- 8:25Jetzt haben Sie das Ampel aus angesprochen und das Stichwort Verantwortung genannt.
- 8:30Am gleichen Tag, als die Ampel gescheitert ist, war klar, dass Donald Trump wieder ins weiße Haus in den USA einziehen würde.
- 8:36Wie spürbar war dieser Schatten von Trump auf der COP?
- 8:40Es ist ja wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, dass die USA wieder aus den Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen werden.
- 8:45Die Wahl Donald Trumps war natürlich deutlich spürbar auf den internationalen Klimaschutzverhandlungen.
- 8:52Denn es ist klar, dass Donald Trump angekündigt hat, aus dem Pariser Abkommen auszutreten.
- 8:57Das ist diesmal auch deutlich schneller möglich als in den Jahren zuvor.
- 9:02Denn als er zum ersten Mal Präsident war der USA, gab es diese drei Jahresfrist,
- 9:07weil da ja gerade erst das Abkommen verabschiedet war.
- 9:10Jetzt gibt es diese drei Jahresfrist nicht mehr, er kann innerhalb eines Jahres austreten
- 9:14und damit wären die USA dann eben auch nicht mehr an das Abkommen gebunden.
- 9:18Das hat bestimmt auch Auswirkungen darauf gehabt, dass zum Beispiel die argentinische Delegation abgereist ist,
- 9:24also Millet hat seine Delegation zurückgeholt.
- 9:27Das bedeutet, es allerdings nicht gleich kommt eines Austritts aus dem Abkommen,
- 9:31auch nicht aus der UNFCCC, also aus der Klimarahmenkommission, aber es ist natürlich schon mal ein politisches Signal.
- 9:36Das heißt, dort gibt es deutlich einen Gegenwind.
- 9:38Allerdings muss man auch sagen, dass die USA jetzt kein leuchtendes Beispiel von Klimaschutzbahnen,
- 9:44das jetzt völlig zerbricht.
- 9:46Man muss auch sehen, es ist das dritte Mal, dass die USA jetzt quasi die internationalen Klimaschutzverhandlungen stören,
- 9:52indem sie eben erstens das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben,
- 9:57zweitens dann einmal ausgetreten sind unter der ersten Trump-Präsidentschaft, jetzt zum dritten Mal.
- 10:01Da schleicht sie auch eine gewisse Gewohnheit ein.
- 10:03Das ist natürlich schlecht, aber gleichzeitig werden auch in den USA weiter die Emissionen sinken,
- 10:08weil die Erneuerbaren einfach die Marktdominanz übernehmen werden.
- 10:12Die CO2-Bilanz ist es schlecht, weil wir einfach ein sehr, sehr geringes CO2-Budget noch verbleibend haben
- 10:19unter den Temperaturgrenzen des Pariser Abkommens.
- 10:21Und deswegen muss voller Kraft jetzt vorausgehen und nicht noch weiter auf die Bremse treten müssten.
- 10:26Es gibt ja viele Frau Vinke, die von der COP zurückkommen und sagen,
- 10:29Mensch, das ist so groß, so komplex, das ist irgendwie einfach zu massiv geworden.
- 10:35Was glauben Sie, werden jetzt andere kleinere, flexiblere Formate wichtiger?
- 10:40Also das multilaterale Forum der Kopp ist weiterhin sehr, sehr wichtig.
- 10:45Es braucht diesen internationalen Raum, es ist ein globales Problem, dass sich auch nur globales Problemen gibt.
- 10:50lösen lässt. Gleichwohl ist es eine ja eine nicht ausreichende Funktion, die da erfüllt wird.
- 10:58Das bedeutet also, wir brauchen noch darüber hinausgehend idealerweise Staaten, Gruppen,
- 11:03Allianzen, die eben vorangehen mit höherem Ambitionsniveau, weil es ist natürlich sehr,
- 11:08sehr schwierig, die Interessen der flachliegenden kleinen Inselstaaten und die Saudi-Arabiens
- 11:13miteinander in Verbindung zu bringen. Insofern braucht es da weitere Allianzen und
- 11:19das kann auch im Rahmen der G7 passieren, im Rahmen der G20, die für einen Großteil der
- 11:25globalen Emissionen verantwortlich sind und hier entsprechend auch vorausgehen müssen.
- 11:30Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, 2024 geht zu Ende. Ob die Welt 2025 besser,
- 11:41friedlicher und hoffnungsvoller wird, das wissen wir nicht. Aber eines wissen wir,
- 11:44dass sie mit einem Geschenkabo der Internetsteine in Politik, also der Zeitschrift,
- 11:48die hinter diesem Podcast steht, viel Freude stiften können. Sechsmal im Jahr hält man damit
- 11:53als Geschenk die Internationale Politik freihaus und die Sonderausgaben und einen freien Zugang
- 11:58zu allen digitalen Inhalten der IP. Bis zum 6. Dezember halten sie das IP-Geschenkabo für nur 83
- 12:03statt 118 Euro. Den Link zur Abo-Seite finden sie in den Show-Notes und damit zurück zur
- 12:09aktuellen Folge von Pod und die Welt mit Kira Vinke. Wenn wir ein bisschen raus so
- 12:15meinem Thema, also nicht nur auf die Kopf schauen, sondern globalen Klimaschutz generell in der
- 12:20aktuellen Zeit multipler Krisen. Sie haben in der Zeitschrift IP vor kurzem geschrieben,
- 12:25dass sich im Strudel geopolitischer Krisen die Prioritäten zwischen Gegenwart und Zukunft,
- 12:30zwischen der Reaktion auf Schocks und der Prävention des vorhersehbaren Unheils verschieben. Das ist
- 12:36so ein Dilemma, in dem wir uns gerade befinden. Die geopolitischen Krisen werden nicht über Nacht
- 12:41verschwinden, aber die Notwendigkeit eben von Klimaschutz auch nicht. Sehen Sie Auswege aus
- 12:45diesem Dilemma? Also ein wichtiger Ausweg ist natürlich die Wissenschaft, dass wir eben durch
- 12:50die wissenschaftlichen Erkenntnisse gewissermaßen in die Zukunft schauen können und wissen inzwischen
- 12:55durch verschiedenste Klimamodelle und durch die weltweite Vernetzung von Wissenschafts,
- 13:02muss man ja auch sehen, dass hier die internationalen Kooperation wirklich gut funktioniert, Forschungsteams
- 13:07über auch verschiedene politische Systemgrenzen hinweg miteinander kooperieren, dass eben wir
- 13:14durch diese Wissenschaft einen Vorsprung haben in unserem Denken, also dass wir absehen können,
- 13:20was passiert, wenn wir x, y oder z wählen als Option. Und diesen Vorsprung uns zu Nutze
- 13:26zu machen, das gilt es jetzt umzusetzen und dafür bräuchte es natürlich auch demokratische Mehrheiten
- 13:31und hier geht es eines um Krisen, Kommunikation, also wie vermitteln wir den Wert der Prävention,
- 13:37also was unsere Verantwortung auch präventiv wirken zu werden, wie vermitteln wir auch die
- 13:43Chancen dem Klimawandel beizukommen, also eine wirklich lebenswerte Zukunft zu ermöglichen,
- 13:49aber eben auch die ökonomischen Chancen der Transformation in den Vordergrund zu stellen.
- 13:54Und ich denke über diesen Weg lassen sich schon auch Mehrheiten dahinter versammeln weiterhin.
- 14:00Ambitioniert den Klimaschutz zu betreiben.
- 14:02Jetzt hat man in den letzten Jahren so ein bisschen den Eindruck gehabt, dass Klimaschutz als Thema
- 14:07in der öffentlichen Debatte verdrängt worden ist, vor allem durch die russische Invasion in der
- 14:12Ukraine. Wird sehr viel über die Themen Sicherheit und Verteidigung diskutiert, es gibt natürlich
- 14:16auch noch andere Krisen, aber das ist so ein Hauptfokus. Obwohl ja das Thema Klimaschutz auch sehr stark
- 14:22mit dem Thema Sicherheit in Verbindung steht, also wir wissen, dass Klima folgen vorhandene
- 14:27Krisen und Konflikte verstärken können. Wie erklären Sie sich das, dass eigentlich über
- 14:31das Thema Klimasicherheit sehr wenig gesprochen wird? Also der Zusammenhang zwischen Klimawandel
- 14:36und Sicherheit ist ja einer, der von Komplexität auch geprägt ist und es ist eben so, dass der
- 14:43Klimawandel auch verschiedenste Konfliktreiber einwirkt, zum Beispiel auf die Frage der Verteilung von
- 14:49Ressourcen. Wenn Ressourcen knapper werden, kann dies zu Konflikten führen, aber auch ein Reichtum an
- 14:54Ressourcen bedeutet nicht unbedingt, dass es der Stabilität dient, zum Beispiel demokratische
- 14:59Republic Kongo. Und das hat natürlich auch was mit dem Zugang zu Ressourcen zu tun. Und ich glaube,
- 15:04wenn dieser eben sehr ungleich verteilt ist, erhöht sich einfach das Konfliktpotenzial gerade
- 15:08in Bezug auf den Klimawandel, gerade in Ländern, die stark von der Landwirtschaft abhängig sind,
- 15:13gerade in Ländern, die eine Spaltung zwischen verschiedensten polarisierten Gruppen bereits
- 15:17aufweisen. Dass das nicht so stark in den Vordergrund tritt, liegt natürlich mit daran, dass es eben
- 15:23relativ komplex ist, indirekte Wirkungsketten vorliegen und auch dass natürlich die Verantwortung
- 15:29für eine Gewaltanwendung, also der Griff zur Waffe umgangssprachlich, das mal auszudrücken,
- 15:35natürlich immer eine menschliche Entscheidung ist und nicht auf den Klimawandel zurückzuführen,
- 15:40ist denn auch unter großer Not. Es ist ja eine Entscheidung eines Akteurs, eines Staates,
- 15:46einer autokratischen Regierung, dann mit Waffengewalt auf bestimmte Situationen zu reagieren,
- 15:52beziehungsweise seine eigenen Interessen damit durchzusetzen. Insofern gibt es hier vielfältige
- 15:55Gründe, warum das vielleicht nicht so im Vordergrund steht, aber der Forschungsektor hier hat in
- 16:00den letzten Jahren schon deutlich zugelegt und es gibt auch immer mehr belastbare Studien,
- 16:05die diese sehr verwobenen Kausalzusammenhänge herausarbeiten.
- 16:10Wir haben vorhin schon kurz über Donald Trump gesprochen, ich wollte auch noch mal zurückkommen.
- 16:18Wird es denn Leute geben, Politikerinnen geben, die in seinem Kielwasser sozusagen sich das zu
- 16:24Nutzen machen, dass er aussteigen wird aus Paris etc., also was bedeutet seine Wiederwahl für den
- 16:28globalen Klimaschutz? Also man sieht ja auch an den Diskussionen hier in Deutschland, dass einige
- 16:33Politiker da versuchen sich aus der eigenen Verantwortung heraus zu winden mit der Argumentation,
- 16:39dass die USA jetzt ja schwächeln. Ich halte das für nicht besonders überzeugend, erstens weil die
- 16:44USA weiterhin ihre Emissionen senken werden, einfach dadurch, dass die USA vor Ort den
- 16:50Inflation Reduction Act schon verabschiedet haben unter beiden und der wird auch nicht komplett
- 16:54zurückgenommen werden, weil er nämlich sehr vortalshaft ist. Unter anderem in verschiedensten
- 16:59Swing-States, also Wahlentscheiden, Staaten, wo viele Menschen auf bessere Jobs hoffen können,
- 17:04aufgrund der Förderung der Subvention von grünen Technologien. Was unsere eigene politische
- 17:10Landschaft betrifft, denke ich auch, dass wir hier möglicherweise auch ein Möglichkeitsfenster sehen
- 17:16könnten, gerade wenn die USA hier weniger präsent sind, hier eine Führungsrolle einzunehmen
- 17:21international. Deutschland hat eine sehr gute Reputation in Sachen der globalen Partnerschaft
- 17:26für den Klimaschutz, kann auch hier möglicherweise bestimmte Marktlücken füllen, wenn die USA
- 17:32jetzt erstmal zögerlich agieren. Zum Abschluss dieses Gesprächs würden wir gerne noch mal zum
- 17:37Anfang zurückkommen, nämlich die COP, die Klimaschutzkonferenz in Baku. Gab es Begegnungen,
- 17:43Gespräche, Erfahrungen, irgendwas, was ihnen besonders hängen geblieben ist, vielleicht sogar
- 17:47was, was sie hoffnungsfroh gemacht hat? Wir hatten einen Zeit-Event auf der COP29 in Baku, wo es um
- 17:54den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Konflikten und Vertreibung ging. Bei dieser Gelegenheit hatte
- 18:00UNHCR eine Frau eingeladen, Grace DuRong, die selbst eine Fluchtgeschichte hat und gleichzeitig
- 18:09jetzt als in einer NGO aktiv ist, um eben Menschen zu helfen, die in Situationen von Vertreibung zu
- 18:17leben. Und das war eine sehr eindrückliche Begegnung, weil sie eben einen sehr schweren Lebensweg hinter
- 18:22sich hat, aber gleichzeitig versucht mit ihrer Erfahrung und auch mit den Möglichkeiten,
- 18:27die sie hat, nun anderen Menschen zu helfen und auch präsent zu sein auf diesen internationalen
- 18:32Konferenzen, beispielsweise mit UNHCR zusammen. Ich finde diese Begegnung mit Menschen, die diese
- 18:38Krisen in ihrem Leben drehen können, in eine Richtung, vielleicht auch natürlich durch
- 18:47verschiedenste Möglichkeiten, die ihnen gegeben worden sind, in der Krise einen anderen Weg
- 18:51einzuschlagen. Das ist für mich besonders beeindruckend gewesen.
- 18:54Mit Kira Vinke, der Leiterin des Zentrums Klima und Außenpolitik von der Deutschen Gesellschaft für
- 18:59Auswertige Politik, haben wir über die Klimakonferenz in Barco und den globalen Klimaschutz in Zeiten
- 19:04von multiplen Krisen gesprochen. Vielen Dank. Danke.
- 19:07Wenn wir diese Folge ein bisschen Revue passieren lassen, ein bisschen rekapitulieren, fassen
- 19:17wir zusammen, was so Gedanken sind oder Sätze, die einem so besonders in Erinnerung geblieben sind.
- 19:22Ich fange mal an. Also das wurde nochmal sehr deutlich. Dieser Kompromiss, der jetzt auf der
- 19:27COP29 gefunden worden ist, war haarscharf und man fragt sich immer so ein bisschen, naja, was bringen
- 19:33dann tatsächlich diese Konferenzen, weil eigentlich die globalen Machtverhältnisse sehr klar sind,
- 19:37aber ich finde, das wurde nochmal deutlich. Man braucht diese Konferenz, um überhaupt im Gespräch
- 19:41zu bleiben und Kompromisse zu finden. Ich fand ganz interessant den Gedanken, dass der Rückzug
- 19:46der USA aus dem Klimaschutzabkommen auch dazu führen könnte, dass Deutschland eine wichtige Rolle
- 19:52einnimmt und mehr Verantwortung übernehmen muss. Und sehr hoffnungsroh hat mich gestimmt,
- 19:56dieser Gedanke, dass es ein bisschen ein Ausweg aus dem Dilemma sein kann. Wir haben viele
- 20:01multiplen Krisen und ein Klimaschutz, der vernachlässigt wird, dass die Wissenschaft
- 20:05da aber eine wichtige Lösung bringen kann. Martin, wie ging es dir?
- 20:09Ganz ähnlich. Zwar mal dunkel einmal hell, dunkel wie mühsam dieser Klimaschutz und
- 20:15die Bemühungen darum sind, kaum macht für die Kleinen der Ausstieg der USA es eingepreist.
- 20:18Es gibt überhaupt keine Spur von einem Gedanken an eine Welt, auf der wir leben. Der zweite Punkt,
- 20:23wie schwer ist der Klimaschutz gerade in dieser Zeit hat, wo wir ganz andere Themen dominieren,
- 20:27obwohl, auch wenn das Thema bei der Konjunktur hat, ist das überwölbende Thema dieser Zeit ist und
- 20:32sein muss. Und dann zu Ende an a positive note aber dieses Möglichkeitenfenster von dem Kerafänke
- 20:37gesprochen hat, dass es eben was gibt, was man tun kann. Und es geht ja auch gar nicht anders,
- 20:41man kann ja nicht den Kopf in den Sand stecken und das, wenn überhaupt was tun kann, das ist dann
- 20:45doch ein schöner Schluss, finde ich. Das war Folge 8 von "Pod und die Welt" und wir nähern uns
- 20:55nicht nur mit erschreckend schnellen Schritten dem Ende des Jahres, sondern auch dem Ende der ersten
- 20:59Staffel dieses neuen Podcasts. Deswegen wollen wir in der nächsten Episode schon einen kleinen
- 21:04Rückblick auf das außenpolitische Jahr 2024 wagen mit Daniela Schwarzer von der Bertelsmann Stiftung
- 21:10Aber keine Sorge, nächstes Jahr geht es weiter mit "Pod und die Welt". Wir starten im Januar in
- 21:15eine neue Staffel und wir möchten dabei gern auch Ihre Wünsche einbeziehen. Welches außenpolitische
- 21:20Thema würden Sie gerne hier im Podcast hören, mit welchem Gast sollten wir unbedingt mal sprechen?
- 21:25Schreiben Sie uns Ihre Ideen sehr gerne per Mail an ip@dgap.org. Ich bin Katharina Peetz und ich
- 21:33Martin Bialecki. Danke für Ihr Interesse.