Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Achtes Hauptstück - 444-451
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- 0:00Unterkapitel 444 Krieg Nietzsche wägt hier die vor und Nachteile
- 0:08des Krieges ab. Gegen den Krieg spricht, dass er
- 0:11den Sieger dumm und den Besiegten boshaft Macht, für den
- 0:14Krieg spricht jedoch, dass er beide Seiten Barbarisiert
- 0:17Barbarisieren bedeutet hier, dass die Menschen wieder
- 0:20natürlicher werden für die Kultur ist der Krieg wie ein
- 0:23Schlaf oder wie die Winterzeit, er ist eine Pause von der
- 0:27Zivilisation. Danach kommt der Mensch
- 0:29kräftiger wieder hervor, bereit zum guten und zum Bösen.
- 0:34Unter Kapitel 445 im Dienste des Fürsten zum Schluss dieses
- 0:42Abschnitts analysiert Nietzsche das Verhalten von Staatsmännern,
- 0:46er sagt, ein Staatsmann kann völlig rücksichtslos handeln,
- 0:49wenn er es nicht für sich selbst tut, sondern für einen Fürsten
- 0:52oder Herrscher. Wenn ein Staatsmann sein Werk
- 0:55für einen anderen ausführt, dann blendet der Glanz dieser
- 0:58scheinbaren Uneigennützigkeit die Beobachter, weil es so
- 1:02aussieht, als würde er sich selbst aufopfern und nur dienen,
- 1:05übersehen die Menschen die Tücken und Härten, die seine
- 1:08Taten mit sich bringen. Die Menschen verzeihen ihm
- 1:11Grausamkeiten eher, weil er sie scheinbar nicht für seinen
- 1:14eigenen Vorteil begeht. Unterkapitel 446 eine Frage der
- 1:21Macht, nicht des Rechtes. In diesem Abschnitt beschäftigt
- 1:26sich Nietzsche mit dem Sozialismus und wie man ihn
- 1:28betrachten sollte. Er sagt, dass es für Menschen,
- 1:31die den Nutzen einer Sache im Blick haben, beim Sozialismus
- 1:34gar nicht um die Frage geht, ob er gerecht oder ungerecht ist.
- 1:39Wenn der Sozialismus wirklich der Aufstand derer ist, die seit
- 1:43Jahrtausenden unterdrückt wurden, dann ist das keine
- 1:45moralische Frage, es ist vielmehr eine Frage der Macht.
- 1:50Nietzsche vergleicht dies mit einer Naturgewalt, wie zum
- 1:52Beispiel dem Dampf in einer Maschine.
- 1:55Den Dampf zwingt der Mensch in seine Dienste, damit er für ihn
- 1:58arbeitet. Wenn aber an der Maschine ein
- 2:01Fehler gemacht wird, kann der Dampf alles zerstören, genauso
- 2:05ist es mit dem Sozialismus, man muss wissen, wie stark er ist,
- 2:08um ihn entweder als Werkzeug zu nutzen oder um sich vor seiner
- 2:12Zerstörungskraft zu schützen, deshalb, so Nietzsche.
- 2:15Sollte man nicht weichlich Fragen, wie weit man den
- 2:18Forderungen nachgeben sollte? Aus Gründen der Fairness?
- 2:22Stattdessen ist die Frage, wie weit kann man den Sozialismus
- 2:26nutzen, die Menschheit muss immer daran denken, jede große
- 2:29Kraft, und sei sie noch so gefährlich für ihre Zwecke
- 2:32einzusetzen, ein wirkliches Recht oder eine Rechtsgrundlage
- 2:37entsteht erst später, nämlich dann, wenn 2 Mächte
- 2:40aufeinandertreffen, hier die Vertreter des Alten.
- 2:43Und dort die Vertreter des neuen und es fast zum Krieg kommt,
- 2:48wenn beide Seiten merken, dass sie sich gegenseitig zu sehr
- 2:51schaden würden, entsteht der Wunsch nach einem Vertrag.
- 2:55Nietzsche erklärt hier, dass es ohne einen solchen Vertrag kein
- 2:58Recht gibt, da es aber im Konflikt zwischen der
- 3:00bestehenden Ordnung und dem Sozialismus bis jetzt weder
- 3:03offenen Krieg noch Verträge gibt, gibt es in diesem Bereich
- 3:06auch keine Rechte und kein Moralisches an sollen.
- 3:10Es ist ein reines Machtspiel. Unter Kapitel 447 Benutzung der
- 3:17kleinsten Unredlichkeit hier kritisiert Nietzsche die Presse
- 3:22und die Medien seiner Zeit. Er stellt fest, dass
- 3:25Journalisten und Einzelpersonen, die der Presse dienen, sich oft
- 3:29nur sehr wenig der Wahrheit verpflichtet fühlen.
- 3:32Nietzsche beschreibt, dass diese Menschen oft ihre eigene Meinung
- 3:35sagen oder sie verschweigen ihre Meinung einfach, wenn es ihrer
- 3:38politischen Partei, der Politik ihres Landes.
- 3:42Oder ihnen selbst nützt diese kleinen Unredlichkeiten, also
- 3:46Unehrlichkeiten oder das bloße Verschweigen von Tatsachen,
- 3:49mögen für den Einzelnen leicht zu ertragen sein.
- 3:52Er denkt sich vielleicht, dass es keine große Sünde ist, aber
- 3:56die Folgen sind gewaltig, weil sehr viele Menschen diese
- 3:58kleinen Sünden gleichzeitig begehen.
- 4:01Jeder dieser Schreiber denkt sich für diese kleinen Dienste
- 4:05werde ich besser bezahlt, ich kann davon leben.
- 4:08Wenn ich aber immer streng, rücksichtsvoll und ehrlich wäre,
- 4:11würde ich mich unmöglich machen, weil es moralisch fast egal
- 4:15scheint, ob man eine Zeile mehr schreibt oder weglässt, oft
- 4:18sogar ohne den eigenen Namen darunter zu setzen, machen viele
- 4:21mit. Das Ergebnis ist, dass jemand,
- 4:24der viel Geld und Einfluss hat, jede beliebige Meinung zu einer
- 4:28öffentlichen Meinung machen kann.
- 4:30Nietzsche weist darauf hin, dass die meisten Menschen in kleinen
- 4:33Dingen schwach sind. Wer das weiß und wer Geld hat,
- 4:37kann diese Schwäche nutzen, um seine eigenen Ziele zu
- 4:39erreichen. Ein solcher Mensch ist
- 4:42gefährlich, weil er die Wahrheit manipulieren kann, Unterkapitel
- 4:47448 allzu lauter Ton bei Beschwerden Nietzsche spricht
- 4:54hier darüber, wie man Missstände in der Politik oder Verwaltung
- 4:57anprangert, wenn man einen Notstand, zum Beispiel
- 5:00Bestechlichkeit oder Willkür bei Beamten sehr übertrieben
- 5:04darstellt. Hat das 2 Effekte?
- 5:06Erstens die klugen und einsichtigen Menschen verlieren
- 5:10das Interesse, durch die Übertreibung wirkt die Kritik
- 5:13auf sie unglaubwürdig und sie hören nicht mehr zu.
- 5:17Zweitens auf die Menschen, die nicht so viel Einsicht haben,
- 5:20wirkt die Übertreibung umso stärker, da diese Gruppe aber
- 5:24die große Mehrheit bildet und oft stärkere Gefühle und mehr
- 5:27Lust am Handeln hat, führt die Übertreibung dazu, dass
- 5:30tatsächlich etwas passiert. Es kommt zu Untersuchungen,
- 5:34Bestrafungen und Verbesserungen, weil die Masse aufgewiegelt
- 5:37wurde. Insofern, so folgert Nietzsche,
- 5:40ist es nützlich, Missstände übertrieben darzustellen, auch
- 5:43wenn es der Wahrheit nicht ganz genau entspricht.
- 5:46Es ist ein Mittel zum Zweck, um Veränderungen zu erzwingen.
- 5:50Unter Kapitel 449 die Anscheinenden Wettermacher der
- 5:55Politik. In diesem Abschnitt vergleicht
- 6:00Nietzsche das Volk und die Politiker mit Menschen, die an
- 6:02das Wetter glauben. Wenn jemand das Wetter gut
- 6:05vorhersagen kann, glauben einfache Leute im Stillen oft,
- 6:08dass dieser Mensch das Wetter auch macht, genauso verhalten
- 6:12sich selbst gebildete Menschen gegenüber großen Staatsmännern,
- 6:15wenn wichtige Veränderungen oder günstige Umstände eintreten,
- 6:18glauben die Menschen oft, dass dies das ureigenste Werk des
- 6:22Staatsmannes sei, in Wahrheit wusste der Staatsmann vielleicht
- 6:25nur etwas früher als andere, was passieren würde.
- 6:28Und hat seine Pläne danach ausgerichtet.
- 6:31Die Menschen aber machen ihn zum Wettermacher, und Nietzsche fügt
- 6:35hinzu, dass dieser Glaube der Menschen, dass der Politiker
- 6:38alles steuert, ein wichtiges Werkzeug für dessen Macht ist.
- 6:42Der Politiker profitiert davon, dass man ihn für mächtiger hält,
- 6:45als er eigentlich ist. Unterkapitel 450 Neuer und alter
- 6:52Begriff der Regierung. Nietzsche analysiert hier den
- 6:57Wandel im Verständnis von Regierung.
- 6:59Früher unterschied man streng zwischen der Regierung und dem
- 7:02Volk. Es war, als gäbe es 2 getrennte
- 7:05Machtbereiche einen stärkeren, höheren oben und einen
- 7:08schwächeren unten. Diese Vorstellung stammt aus der
- 7:11Geschichte und prägt unser Gefühl noch immer, dann gibt es
- 7:15die moderne, konstitutionelle Form der Regierung, manche
- 7:19Politiker, wie zum Beispiel Bismarck, bezeichnen diese als
- 7:22einen Kompromiss zwischen der Regierung und dem Volk.
- 7:25Nietzsche sagt, Das ist ein Prinzip, das Vernunft und
- 7:28Geschichte verbindet. Nun aber soll man eine ganz neue
- 7:32Idee lernen, dass die Regierung nichts anderes ist als ein Organ
- 7:35des Volkes. Es gibt kein oben und kein unten
- 7:39mehr. Nietzsche warnt davor, diesen
- 7:42neuen Begriff zu schnell anzunehmen, denn das Verhältnis
- 7:45zwischen Regierung und Volk ist ein Vorbild für viele andere
- 7:48Beziehungen im Leben, zum Beispiel zwischen Lehrer und
- 7:51Schüler, Hausherr und Diener oder Vater und Familie.
- 7:55All diese Verhältnisse basieren noch auf der alten Vorstellung
- 7:58von Autorität. Wenn man nun plötzlich lehrt,
- 8:02dass die Regierung nur ein Diener des Volkes ist, geraten
- 8:05all diese anderen Ordnungen ins Wanken.
- 8:07Deshalb wünscht sich Nietzsche in dieser Entwicklung Vorsicht
- 8:10und Langsamkeit, damit nicht alles durcheinander gerät und
- 8:14sich Begriffe und Wesen der Gesellschaft zu schnell
- 8:16verändern. Unterkapitel 451, Gerechtigkeit
- 8:22als Parteien, Lockruf. Hier entlarvt Nietzsche den
- 8:27Begriff der Gerechtigkeit, wenn er von politischen Parteien
- 8:30benutzt wird. Es gibt edle Vertreter der
- 8:33herrschenden Klasse, die sagen, wir wollen alle Menschen gleich
- 8:36behandeln und ihnen gleiche Rechte geben.
- 8:39Das klingt nach Gerechtigkeit, aber in Wirklichkeit geben Sie
- 8:43diese Rechte und üben Verzicht, weil sie Angst haben und
- 8:46Zugeständnisse machen müssen, es ist also keine reine Moral,
- 8:50sondern eine Strategie. Auf der anderen Seite stehen die
- 8:53Sozialisten, die die unterdrückte Klasse vertreten.
- 8:56Sie fordern Gerechtigkeit und gleiche Rechte.
- 9:00Nietzsche sagt, dass dies aber niemals aus einem echten Gefühl
- 9:02für Gerechtigkeit kommt, sondern aus Begehrlichkeit.
- 9:06Sie wollen einfach haben, was die anderen haben.
- 9:09Nietzsche benutzt ein drastisches Bild, wenn man einem
- 9:12wilden Tier blutiges Fleisch zeigt und es wieder wegzieht,
- 9:16bis das Tier brüllt, bedeutet dieses Brüllen dann
- 9:19Gerechtigkeit? Nein.
- 9:21Es ist der Trieb und der Hunger. Genauso ist der Ruf nach
- 9:25Gerechtigkeit in der Politik oft nur der Ausdruck von Interessen
- 9:28und wünschen, nicht von moralischer Wahrheit.