Latest / Berlin Booth / Dave Dinger über seine Anfänge in der Bar 25, Club als Sinnbild für Freiheit und mentale Gesundheit
Transcript
- 0:05David, Herzlich Willkommen. Schön, dass du da bist.
- 0:11Ja, danke für die Einladung bei mich hier zu sein.
- 0:15Manchmal stellt sich mir das Problem bei den Personen, mit
- 0:18denen ich mich unterhalten möchte, wo ich anfangen soll,
- 0:22weil der Lebenslauf so vielfältig und facettenreich
- 0:26ist, dass es von mir. Ist also bei mir schwierig, ist
- 0:31anzusetzen und gleich irgendwas rauszuziehen.
- 0:33Darum würde ich vielleicht zu meiner Erleichterung die Frage
- 0:36abgeben und sagen, gibt es eine Sache wo du starten wollen
- 0:39würdest? Gibt es was wo du sagen würdest,
- 0:41da würde ich ansetzen. Also die Story wo ich
- 0:45normalerweise ansetze ist die, dass irgendwann ein Kumpel zu
- 0:50mir kam und meinte, Hey, hast du Bock mir zu helfen bei so einer
- 0:53Beachbar eine Terrasse zu bauen? Es gibt kein Geld, aber du
- 0:56kannst den ganzen Sommer kostenlos trinken, ja.
- 0:59Und das war ein guter Deal für mich damals, und so bin ich in
- 1:03die Bar 25 reingerutscht. Also ich war vorher bisschen in
- 1:08der Goa Szene aktiv, hab da im Chillout aufgelegt, haben Floors
- 1:14gestaltet, Deko gemacht, Partys veranstaltet und so, aber das
- 1:18war glaube ich, dann schon so, der Moment, wofür mich dann
- 1:22Techno, also für mich ist immer alles Techno, ne, also man
- 1:25vergebe mir. Ist bei mir ist bei mir ähnlich,
- 1:28also. Da hat für mich Techno
- 1:30angefangen, da hat auch die ganze Reise dann wirklich
- 1:34angefangen, ja. Da war ja dann noch quasi noch
- 1:37nichts da, als du angefangen hast.
- 1:39Was die Bar für uns war die Hütte.
- 1:40Stand schon, ja, aber die ganze Terrassenlandschaft war noch
- 1:44nicht da. Das Restaurant war nicht da, den
- 1:47Zirkus gab es nicht, die Pizza Hütte gab es nicht und da hab
- 1:51ich halt in den Folgejahren einfach, also eigentlich so ab.
- 1:56April, also ab März, April. Wann man draußen sein konnte,
- 2:00haben wir da angefangen zu bauen und dann bin ich mehr oder
- 2:04minder halt auch den ganzen Sommer nicht nach Hause
- 2:06gegangen. Noch mal kurz zur Fusion rüber
- 2:09und zur Nation so, das war die Zeit damals.
- 2:12Jetzt, das heißt, du bist ausgebildeter Schreiner?
- 2:14Nein, gar nicht. Aber die haben mich halt machen
- 2:20lassen. Und ich hatte Ideen und ich war
- 2:24auch größenwahnsinnig und total naiv und hab.
- 2:27Das hab ich, das hab ich, das hab ich schon öfter gehört.
- 2:30Ne positive Konnotation von größenwahnsinnig.
- 2:33Ja, ich hab einfach. Viele Sachen gemacht, die ich
- 2:35überhaupt nicht konnte und hatte auch jetzt retrospektiv
- 2:40irgendwie auch überhaupt gar keine Bedenken, dass da
- 2:42irgendwas schief gehen könnte oder so und hab halt einfach
- 2:45gemacht und damit bin ich ziemlich weit gekommen,
- 2:48eigentlich ja. Das heißt also, was genau hast
- 2:51du gemacht? Du hast dann nicht nur die Räume
- 2:53gestaltet, sondern du hast wirklich mit an den Aufbauten
- 2:56komplett mitgearbeitet, du hast dich sozusagen ins Holzbusiness
- 2:59Reingearbeitet. Ich hab mich ins Holzbusiness
- 3:01reingearbeitet. Am Anfang war es Holz, aber ich
- 3:04hab dann irgendwie auch ne Überdachung für den Zirkus
- 3:08irgendwann mal entwickelt. Ich hab.
- 3:13Viele von den Holzbauten in der Bar 25 gemacht, mitgemacht und
- 3:18das war halt auch so ne Szenerie, wo wir einfach gemacht
- 3:21haben. Also man hat so n bisschen
- 3:22abgesprochen geschaut wo kommt Material her und so, aber da war
- 3:29unglaublich viel Freiheit. Also wenn ich ne Idee hatte und
- 3:32die vorgeschlagen hab, dann hab ich die in aller Regel machen
- 3:34können, ab und zu gab es dann mal Vorschläge oder Aufgaben wie
- 3:39n fahrbares DJ Pult bauen oder so.
- 3:43Und ganz ehrlich, für mich war so ein ein Hauptmotivator in dem
- 3:47Ganzen. Ich wollte auflegen, ne und
- 3:50meine Theorie war, wenn ich da jetzt mich irgendwie rein
- 3:52arbeite, dann komm ich irgendwie leichter an die Decks ja hat
- 3:56nicht funktioniert. Hat nicht funktioniert.
- 3:58Wie hat es dann funktioniert? Also ich hab dann da schon ab
- 4:01und zu mal aufgelegt, aber ich dachte halt ich komm da
- 4:06irgendwie rein. Das hat irgendwie nicht
- 4:07geklappt. Ich war dann halt der Bautyp.
- 4:09Ja, Menschen. Ordnen ja auch zu, ne.
- 4:14Und. Deine Qualität diesbezüglich war
- 4:16dann schattenwerfender auf ne andere Qualität die du besitzt
- 4:21oder auf andere Qualitäten die du besitzt.
- 4:23Ich würde sagen, Räume gestalten.
- 4:25Das war das, was dann auch passiert ist.
- 4:28Wir waren dann auch so n bisschen ne Crew.
- 4:30Wir haben dann auch ne Menge Läden hier in der Stadt
- 4:32ausgebaut, also Renate, am Anfang noch Ritter Butzke, die
- 4:36Holzhütte, die hab ich zum Beispiel auch gebaut.
- 4:39Ich glaub, das ist das letzte, was vor mir noch steht in der
- 4:41Stadt so. Aber ich war auf jeden Fall eher
- 4:48der Bautyp, das ging dann auch mit Bachstelzen los, das kam
- 4:51noch mal aus einer anderen Ecke, weil ich auch noch NN
- 4:54suppenstand hatte auf Festivals und war da mit den Bachstelzen
- 4:58verbandelt. Und der Durchbruch mit dem
- 5:02Auflegen kam dann, weil ich bei den Bachstelzen im Büro saß auf
- 5:06der Fusion, weil ich irgendwas machen musste und der
- 5:11Telefonanruf kam. Dass Nico Stojan nicht zum
- 5:13Auflegen kommt und er wünscht sich ausdrücklich, dass jemand
- 5:16von den Bachstelzen auflegt, und ich war halt genau der Typ, der
- 5:21gerade bei uns im Büro saß und war dann einfach so OK, dann
- 5:25mach ich das und dann hab ich auf der Tanzwüste gespielt und.
- 5:28Da haben mich dann halt auch n paar Leute aus Australien
- 5:31wahrgenommen. Dann hatte ich Bühnenbaujobs in
- 5:33Australien und hab dann da aufgelegt und auf einmal war ich
- 5:37über die Nummer n bisschen mehr im Business, ja.
- 5:41Gab es gab es für für all die Ansätze von Dir, über die du
- 5:47gerade gesprochen hast. Gab es dafür irgendwie mal n
- 5:50Plan? Ja.
- 5:51Auf gar keinen Fall also. Weder hatte ich n Plan.
- 5:55Also ich hatte keine Strategie, das waren eigentlich immer
- 5:58Sachen, die auf mich zugekommen sind.
- 6:00Ich konnte nicht nein sagen und dann habe ich halt alles
- 6:03gemacht, was auf mich zugekommen ist.
- 6:04Also so viel zu meinem Lebensgestaltungsplan ja, aber
- 6:11auch für die Sachen, die wir damals gebaut haben, gab es
- 6:14eigentlich. Nie einen Plan, ja.
- 6:15Wir haben einfach gemacht, also bachstelzen.
- 6:19Fusion lief jahrelang so ab, dass wir versucht haben, uns auf
- 6:24einen Tag zu einigen, an dem wir dann da sind.
- 6:28Das hat so Semimäßig geklappt, aber das war auch die
- 6:31Maximalabsprache ja, irgendjemand hat Zeug
- 6:34angeschleppt, irgendjemand hat irgendwas damit gemacht, wir
- 6:37haben uns untereinander dann halt on the Fly abgesprochen,
- 6:39aber n Plan gab es nicht, kam dann aber später schon, ja.
- 6:44Gibt es Sachen, an die du dich erinnerst, wo du sagst
- 6:46angefangen hat, nicht funktioniert?
- 6:49Oder spielt es sozusagen in dieser, in diesem Her an, die in
- 6:53dieser Herangehensweise gar nicht so eine Rolle, ob
- 6:55irgendwas zwingend immer absolut funktioniert?
- 6:59Also. Die Sachen, die ich wirklich auf
- 7:03eigene Kappe gemacht habe, die haben dann zum Teil nicht
- 7:05funktioniert. Ja, also wenn ich ich habe in
- 7:09Australien paar Sachen gemacht, wo ich jetzt sagen würde, hat
- 7:12gar nicht funktioniert so aber. Hier mit dem Team, mit der Crew,
- 7:20der wir waren. Also ich mein, Es gab ja keinen
- 7:23Plan, das heißt, es gab auch nichts, was man nicht hätte
- 7:25schaffen können. Ja, aber auch in dem Miteinander
- 7:28gab es immer irgendwie n Feld, wo immer was Tolles entstanden
- 7:33ist und wenn nicht so, dann so, aber ich hatte nie das Gefühl
- 7:37irgendwie mit irgendwas gescheitert zu sein, nee.
- 7:41Und trotzdem klingt es so, wie du das erzählst.
- 7:44N bisschen wie aus einer anderen Welt.
- 7:46Ja, war es auch, ja. Das war ne andere Zeit und ich
- 7:51glaub wieso? Oft haben wir in dem Moment
- 7:54auch, also wir haben irgendwie gespürt, das passiert was
- 7:56Außergewöhnliches, aber wir haben das gar nicht so wirklich
- 8:00wertschätzen können in dem Moment, also wir waren auch so
- 8:03Lost in unserem eigenen, Wir hatten ja genug mit uns selber
- 8:06zu tun, jeder für sich und mit dem Miteinander, aber.
- 8:13Ich sag immer gern, also gerade an der Fusion sieht man das ganz
- 8:16gut. Das war so n bisschen
- 8:17turbokapitalismus. Ja, die Bubble ist gewachsen.
- 8:20Was so n bisschen schräg klingt. Eben genau deswegen macht es ja
- 8:24auch so Sinn ne, weil die Gegenkultur ja auch immer nur
- 8:31die Leitkultur widerspiegelt. Du kommst aus dem Pit nicht
- 8:34raus, ne, aber das Ding war halt immer, also es gab kein
- 8:39Controlling. Wir haben von der Fusion
- 8:43Material bezogen und haben damit gemacht.
- 8:45Und wenn die schon vorbeikamen, um zu checken, ob das hält
- 8:48überhaupt waren wir schon gepisst, weil wir uns gedacht
- 8:50haben, hey, was willst du denn so?
- 8:52Ja dann kamen die irgendwann, haben gemeint hier ihr habt ein
- 8:56Materialbudget waren wir wirklich gepisst waren so was
- 8:59soll denn der scheiß hey wir machen hier geilen Scheiß, wir
- 9:02haben hier Zugriff auf unlimitierte Ressourcen, bitte.
- 9:06Und das ging halt so lange, wie die Blase immer weiter gewachsen
- 9:09ist. Solange halt man immer noch
- 9:12früher angefangen hat. Tickets fürs nix eher zu
- 9:14verkaufen, noch mehr Tickets verkaufen konnte, so lange ging
- 9:18das alles gut und die Leute haben uns ja in der Bar 25 auf
- 9:21der Fusion, die haben uns ja die Bude eingerannt, wir konnten
- 9:24nicht mit Geld umgehen, wir konnten nicht planen, war alles
- 9:27scheißegal, weil Geld kam einfach rein und eigentlich erst
- 9:32in dem Moment wo dann so. Mehr Wachstum nicht mehr möglich
- 9:36war und wir auf einmal mit limitierten Ressourcen arbeiten
- 9:40mussten. Ab dann wurd es eigentlich
- 9:43schwieriger, also halt auch intern natürlich dann so ne OK.
- 9:47Wo, wenn sozusagen die Ökonomie angesetzt werden muss, dann
- 9:51beginnen die Reibereien an der Stelle, dann in irgendeiner
- 9:53Form. Ja, natürlich, weil du musst
- 9:55dich ja absprechen, ja, und wer bekommt jetzt wieviel und wer
- 9:57entscheidet denn das überhaupt und so?
- 10:00Ja, also ich glaub da gab es einfach viele lange Jahre, wo
- 10:04wir alle sehr erfolgreich in der Illusion gelebt haben, dass wir
- 10:10gar keine Hierarchien haben, dass wir alle machen, was wir
- 10:13wollen, und irgendwie war genügend Material, also genügend
- 10:17Ressourcen in aller Hinsicht da, dass das funktioniert hat.
- 10:21Und irgendwann kam halt so langsam die Reality so
- 10:25Reingesuppt ne, weil klar sind wir nicht alle gleich.
- 10:28Dem einen gehört die Firma, dem anderen nicht die Macht n
- 10:33Unterschied. Wie ist denn das, wenn es so in
- 10:37Anführungsstrichen positiv chaotisch ist?
- 10:39Ja, also dass viele etwas wollen und viele ne ne ne Idee haben.
- 10:45Wie finden sich denn Menschen zusammen, die diese Idee auch
- 10:47gut so miteinander umsetzen können?
- 10:50Also in so einem klassischen Betrieb sagt man ja, wir müssen
- 10:52nach Kompetenzen gucken, wer kann was, wer kann was nicht.
- 10:55Ja, und möglichst sollen die Menschen miteinander arbeiten,
- 11:00die effizient, kompakt an der Sache sind und die auch
- 11:05zielführend umsetzen, so wie wie, wie, wie, wie funktioniert
- 11:09das in so einem Club Kontext, wo wahrscheinlich auch sehr viele
- 11:11Menschen sehr unterschiedliche Ideen von Sachen haben.
- 11:15Ich meine es jetzt auch nicht mal so konträr, sondern.
- 11:19Um ne um was konsequent umzusetzen muss man ja auch so
- 11:22ne n bisschen so n allgemeinverständnis entwickeln
- 11:25können und die entsprechenden Leute dafür finden.
- 11:29Ja, ich glaub das war also bei uns, gerade beim Bachstelzen
- 11:35irgendwie so n bisschen anders, weil wir auch n bisschen glaub
- 11:40ich oder eigentlich bei allen auch bei bei 25 und so.
- 11:43Wir hatten aus irgendwelchen Gründen immer den Anspruch.
- 11:47Das Rad neu erfinden zu müssen. Wir mussten das immer ganz
- 11:50anders machen und jemand mit Kompetenz war uns auf jeden Fall
- 11:53suspekt. Ja, also wir wollten auch gar
- 11:56nicht, dass da irgendjemand Kompetenz reinbringt, sondern
- 12:00wir waren so, wir machen das selber und dann ist geiler.
- 12:03Ja. Und das hat auch für vieles
- 12:05gestimmt. Halt auch einfach ne.
- 12:09Und eben das kam dann erst, als so quasi die Realität mit all
- 12:13seinen wirtschaftlichen Zwängen und so weiter reinkam.
- 12:16Dann kam irgendwann auch so ne Rollenverteilung im Sinne von
- 12:19Wer kümmert sich denn eigentlich um was, die gab es natürlich
- 12:22naturgemäß schon immer irgendwie, aber es war sehr
- 12:24Fluide, hat auch glaub ich viel da drüber funktioniert, dass.
- 12:31Die Leute, die die wichtige Arbeit gemacht haben, die Halt
- 12:33einfach gemacht haben und alle anderen so tun konnten, wie wenn
- 12:37man das nicht hätte machen lassen, ja, Haltung zum
- 12:39Beispiel. So doof ist, so doof ist
- 12:41manchmal klingt. Hierarchien können ja auch dazu
- 12:44führen, dass man sich umeinander kümmert.
- 12:47Im Idealfall ja. Also das Merk ich jetzt, ich
- 12:52mach ja auch so ne Coachingagentur für Cruise
- 12:55Festivals, Clubs und so. Und das Hauptproblem ist ganz
- 13:00oft, dass die Rollen nicht klar sind, was auch damit zu tun hat,
- 13:04dass die meisten Leute nicht gerne ihre Schwächen formulieren
- 13:07und dann halt so tun, wie wenn sie es könnten.
- 13:09Und dann gibt es halt Probleme, aber eigentlich ist es n total
- 13:13angenehmer, also in meinen Augen, also wir haben jetzt mein
- 13:17mein Team in Garbage zum Beispiel auch erstmal
- 13:20durchgecoacht ja und ich fand es total angenehm in so n
- 13:24Gesprächsfeld zu kommen, wo so hey das kann ich, das mach ich
- 13:27gerne. Und eigentlich, dabei brauche
- 13:30ich Hilfe und dann im Team zu schauen, wer wer kann denn da
- 13:33eigentlich helfen? Und ich fand es total
- 13:36entlastend, hat mir total viel Arbeit weggenommen und mir total
- 13:39viel Klarheit gebracht. Was ist jetzt eigentlich mein
- 13:42spezifischer Input? Ja Erfahrung in dem Fall halt ja
- 13:46ich mach das jetzt halt seit 25 Jahren nicht.
- 13:50Hab Erfahrungen in tausenderlei Gebieten, muss jetzt aber auch
- 13:53nicht jedes Excel Sheet selber führen, weil das mach ich nicht
- 13:56gut. Zum Beispiel da sind n Haufen
- 13:58junge Leute, die sind da wesentlich akribischer und
- 14:01können das wesentlich besser machen und haben da auch nicht
- 14:03so nicht so Widerstände wie ich. Und grundsätzlich ist es ja auch
- 14:07so, dass Menschen, wenn sie an einer gewissen Aufgabe oder ne
- 14:14gewisse Aufgabe nicht gut bewältigen können, mitunter auch
- 14:16anfangen, darunter zu leiden. Ja, total ne.
- 14:20Also gerade auch, wenn so ein Feld glaube ich, auch mit dem
- 14:24Größenwahn, wenn es halt keine vernünftige Feedbackkultur gibt,
- 14:28also keine liebevolle, fürsorgliche Feedbackkultur,
- 14:33dann also ich bin auf jeden Fall total viel in dem Film gelandet,
- 14:37ich muss das irgendwie alles können, steckt natürlich auch
- 14:40viel von meiner Kindheit und so weiter drin, aber das enormer
- 14:46Druck und der Macht Stress. Und ich weiß, was dagegen hilft.
- 14:50Ich kann ja noch eine ballern, ne und dann kommst du glaub ich
- 14:55in bisschen schräge Gewässer, weil dann kommt zu dem Stress,
- 15:00den das ja eigentlich bedeutet, irgendwie so fette Projekte zu
- 15:04machen ist Stress, ne dann kommt noch der zwischenmenschliche
- 15:08Stress rein und der eigene Stress auch noch und dann wird
- 15:11es irgendwann n bisschen viel. Hast du bar 25 auch mit
- 15:15abgerissen? Ja, ja, ja.
- 15:17Was war das? Emotional.
- 15:23Ich fand es eigentlich eher befreiend, also weil das dann
- 15:29auch Apropos Turbo Kapitalismus auch ein Stadium erreicht hatte,
- 15:33wo natürlich willst du es noch mal fetter machen?
- 15:37Natürlich willst du es noch mal geiler machen, aber es hatte ein
- 15:39Stadium erreicht wo wir alle irgendwie total überfordert
- 15:42waren, total ausgebrannt und irgendwann stehst du ja auch vor
- 15:47der Frage. Ist das jetzt eigentlich noch
- 15:50das also die wir, was auch immer ich sagen soll, wir haben uns ja
- 15:55viel Mühe gegeben, nicht in den Stadtmagazinen zu erscheinen,
- 15:59nirgendswo aufzutauchen und so, und das hat sich dann halt in
- 16:03den letzten Jahren halt gelegt, weil Aufmerksamkeit generieren,
- 16:07politischen Druck und dann kam halt natürlich halt auch diese
- 16:12ganzen. Klingt jetzt so abwertend, aber
- 16:15so haben wir das glaub ich auch damals wahrgenommen, so diese
- 16:17ganzen Stadtmagazinleser, die eigentlich gar nicht wirklich
- 16:21connected waren zu dem Feld, die aber halt mal gucken kommen
- 16:24wollten und damit war n Publikum n anderes.
- 16:28Das Miteinander war nicht mehr das gleiche und auf einmal hat,
- 16:32also hatten wir glaub ich eher so n Gefühl von Dienstleister
- 16:35und das waren wir vorher nicht, da war keine Trennung zwischen
- 16:39den Leuten die da kommen. Und Eintritt zahlen und den
- 16:42Leuten, die da arbeiten und so, das war wir waren eher so eine
- 16:46Family. Ja, auch wenn das natürlich
- 16:49retrospektiv irgendwie natürlich auch totale Illusion war, aber
- 16:54die hat gut geschmeckt zu der Zeit.
- 16:56Und nimmt man solche Prozesse, so sowas nimmt man ja meistens
- 17:00nicht im Prozess wahr, oder? Nee, ne nee, so also.
- 17:07Ja, da kickt halt glaub ich viel Persönliches rein, aber ich
- 17:10glaub auch, dass das universell ist.
- 17:13Du hast nach Studien irgendwie mindestens 60% neurodivergenten
- 17:17Anteil in Club und Festivalkultur.
- 17:21Ich persönlich würd mal eher um die 90 tippen.
- 17:24Ja das heißt da ist so n Gefühl von Getriebensein und immer
- 17:29weiter und das nächste und das nächste und einfach auf jeden
- 17:32Fall den Terminkalender ohne Lücke voll machen zu nichts Nein
- 17:36sagen. Ich hab das erste Mal angehalten
- 17:40mit dem Covid Break. Neurodivergent meint, in dem
- 17:43Falle, man funktioniert anders als der als die
- 17:48gesellschaftliche Norm, also man bewegt sich neben der
- 17:52gesellschaftlich definierten Norm.
- 17:55Ja, im Konkreten geht es glaub ich vornehmlich um ADHSNDS und
- 18:02so aus meiner Erfahrung. Ich, ich konnte halt nicht still
- 18:06sein. Ne, ich musste machen, ich
- 18:08musste noch viel mehr machen, noch viel mehr machen und ich
- 18:13glaube es ging wirklich genau da drum nicht anzuhalten um
- 18:17irgendwie mal gucken zu können, was mache ich denn da
- 18:19eigentlich? Ja und weil die Erkenntnis wäre
- 18:25gewesen, es macht mich nicht glücklich eigentlich, ich mache
- 18:27noch mehr noch krassere Sachen und das sieht irgendwie auch
- 18:30total toll aus. Aber ich fühl es eigentlich
- 18:34nicht. Ne, ich bin nicht Herr meiner
- 18:36Lage, ich will einfach nur machen um nicht mit mir selber
- 18:40in Kontakt zu kommen. Da hast du ja auch schon ne ganz
- 18:43schöne Zeit hingelegt, ne? Das ging lange gut.
- 18:46Ja, ja, aber trotzdem. Ich würd gern noch mal zu dem
- 18:50Thema Familie zurückkommen, so ne also dieses es ist ja auch
- 18:54für jemanden wichtig, sich eingebettet zu fühlen, so mit
- 18:57Menschen, man muss ja nicht unbedingt an einem Strang
- 18:59ziehen. Aber dieses, dass man
- 19:01gemeinschaftlich Sachen tut, realisiert und dafür auch
- 19:04belohnt wird in diesem ganzen Prozess, das ist ja eigentlich
- 19:09ne Sache, die super wünschenswert ist.
- 19:11Ja, da sprichst du 2 wichtige Sachen an.
- 19:14Das eine ist glaub ich einfach grundlegend, wir sind
- 19:17herdentiere, wir wollen, wir müssen irgendwo dazugehören,
- 19:22wenn wir nicht irgendwo dazugehören, geht irgendwas in
- 19:25uns kaputt und. Insofern hat das irgendwie
- 19:29funktioniert, weil es n Haufen Leuten zu Hause gegeben hat.
- 19:32Da gehör ich hin, da Gehör ich dazu vor allem von Leuten, die
- 19:36sonst nirgendswo in dieser Gesellschaft dieses Gefühl
- 19:38bekommen haben, ja, auf der anderen Seite war genau das
- 19:44Thema der Wertschätzung, seh ich im Nachhinein und seh ich noch
- 19:49immer in n Haufen dieser Konglomerate das Hauptproblem.
- 19:55Dass nämlich nie wirklich jemand ankam und so gesagt hat, hey,
- 19:57das hast du gut gemacht und dann wird das miteinander irgendwann
- 20:03toxisch halten, ne? Aber was fängt denn das dann
- 20:05auf? Also ich, ich sag es jetzt mal,
- 20:09hat n Kind trennt sich irgendwann von seinen Eltern
- 20:12wenn es diese Feedbackkultur nicht kippt oder es lässt Sachen
- 20:16außen vor in der Beziehung also die finden da nicht statt in der
- 20:19Beziehung, wie macht man das, wie macht man das in dem
- 20:23Kontext? Also man will ja nicht immer
- 20:27getetchelt werden, aber. Feiern ist ja superkrass ja ja,
- 20:30also und ich glaub man muss sich auch selber feiern als Gruppe
- 20:33auch das ist total wichtig, dass man einfach so n Hey yeah Moment
- 20:36hat wo man sagt EY geil, das haben wir geschafft, das ist
- 20:39richtig gut geworden und eben vielleicht auch das und das
- 20:42nicht, aber ich glaub, dass es zum einen wirklich über so n
- 20:49über bestimmte Sachen redet man halt nicht.
- 20:52Ich glaub, das ist auch universell in der
- 20:54Clublandschaft, dass halt immer alles Hey yeah super ist.
- 20:56Und wenn irgendwas nicht hey yeah, super ist, dann redet man
- 21:00da halt nicht da drüber. Ne also man sucht den kleinsten
- 21:05gemeinsamen Nenner und hält halt da dran fest.
- 21:08Und das war für mich dann auch auf jeden Fall so n langsames
- 21:11Aufwachen zu boah ich denke wir sind hier voll die Family und
- 21:14voll die Community, aber wenn es mir wirklich scheiße geht das.
- 21:18Eigentlich nicht wirklich jemand da und ich hab auch wirklich gar
- 21:21nicht die Connection zu den Leuten, die das irgendwie
- 21:24hergeben würde, dass ich jetzt auch um Hilfe fragen würde oder
- 21:27so, ja. Das find ich krass oder
- 21:31erstaunlich. Ja ne, also wenn du sagst, du
- 21:33hast ja, du hast ja sehr viel lange Zeit mit sehr viel
- 21:36Menschen verbracht, sehr viel mit Menschen verbracht, aber
- 21:40nicht auf einem Status wie man den in einem Büro hat oder sowas
- 21:43ne. Dieses so.
- 21:44Weiß ich nicht. Würdest du im Büro um Hilfe?
- 21:46Fragen, nee, warum das das das das mein ich ja so ne, aber das
- 21:49das sozusagen diese Situation hattest du ja nicht, würde man
- 21:52im Büro nicht machen, außer da ist n wirklicher Freund der
- 21:55neben einem sitzt in irgendeiner Form so ne Clubkultur lebt ja
- 21:58aber häufig davon, dass ihr sagt Wir sind miteinander, wir sind
- 22:00füreinander da, wir feiern zusammen, aber dann gibt es dann
- 22:05doch n. Bruch ich.
- 22:08Ich, ich seh es eher positiv, weil das was ich gelernt hab wie
- 22:14Clubkultur einfach funktioniert. Für mich auf jeden Fall was für
- 22:17mich das Geheimrezept war, ich geh einfach mal davon aus, dass
- 22:21wir alle 1 sind, ja und dass wir alle das gleiche wollen und dass
- 22:24wir keine Differenzen haben und dass wir Family sind und auf der
- 22:28Ebene kann ich jedem gegenübertreten und sofort zu
- 22:32tun, wie wenn wir die besten Freunde wären und.
- 22:35Ich glaub, das ist strategisch, taktisch total klug, so
- 22:38vorzugehen. Tatsächlich auch, weil kann ja
- 22:41so sein, also auf jeden Fall ist es eher so.
- 22:43Ja, wenn du so an die Sache rangehst, wenn du so nee weiß
- 22:46ich jetzt auch nicht jetzt Beweis mir erst mal, dass du
- 22:48cool bist und ob du dazu gehörst oder so und das das hat das ja
- 22:54überhaupt erst ermöglicht, dieses Unity Feeling Halt zu
- 22:56schaffen und das hat ja auch ne gewisse.
- 23:01So funktioniert das Halt. Ne, also so kann man Unity
- 23:04herstellen und so. Ich find das nicht schlecht, nur
- 23:11deswegen sag ich dann halt auch Illusion.
- 23:13Wieviel Fleisch ist wirklich an dem Knochen dran, das merkst du
- 23:17dann halt erst auf Dauer oder über die Jahre oder wenn halt
- 23:22die Kacke brennt, ne. Und wann kam bei dir n Bruch, wo
- 23:26du gesagt hast? War der oder erstmal andersrum,
- 23:30war der bewusst oder war der unbewusst?
- 23:33Der war erstmal unbewusst. Wir haben den ersten Lockdown
- 23:40auf dem Garbage Gelände verbracht und Time of My Life
- 23:45Alter, Wir saßen da draußen und haben irgendwie ne Pop up
- 23:49Community gebaut mit 30 Leuten und halt irgendwie Gemüse
- 23:54angebaut und Zeug. Und ich hab festgestellt, ich
- 24:00war seit 20 Jahren nicht mehr so lange an einem Ort und schon mal
- 24:03gleich gar nicht in der Natur und das hat was mit mir gemacht.
- 24:09Dann gab es noch n paar Konflikte, die dann bei mir auch
- 24:12dazu geführt haben, dass ich gemerkt hab, ich kann so nicht
- 24:15mehr weitermachen, ich will so nicht mehr leben und und dann
- 24:21hab ich Entscheidungen getroffen.
- 24:24Wo ich dann aber auch erst hinterher gemerkt hab.
- 24:26Wobei hätt ich gewusst was das für Konsequenzen hat.
- 24:28Ich glaub ich hätt nicht die Eier gehabt, aber ich bin
- 24:31einfach aus diesem ganzen Getingel erstmal ausgestiegen
- 24:35und dann gab es halt auch keine Bookings mehr und kein Auflegen
- 24:37und mein Leben war auf einmal halt weg, was erstmal total gut
- 24:42war und dann aber halt im Nachhinein so hab ich erstmal
- 24:47gecheckt was ich eigentlich alles losgelassen hab so.
- 24:54Das war ein Prozess wie wie lange hat der gedauert?
- 25:00Das war ein Prozess, der ging, würde ich mal sagen, über 2
- 25:04Jahre, wo ich dann festgestellt habe, ich will wirklich gar
- 25:09nicht mehr zurück und es gibt auch nichts mehr, wo ich zurück
- 25:14hätte gehen können, in der Situation halt auch so ne.
- 25:18Und die Situation, die sich dann ergeben haben, wo quasi das
- 25:21wieder so ungefähr war wie früher, hab ich gemerkt.
- 25:24Ich bin nicht mehr der gleiche und ich muss das für mich anders
- 25:28angehen, andere Rollen einnehmen und so.
- 25:30Also war da ne, war da der n großer Faktor Erschöpfung?
- 25:34Von diesem ganzen Prinzip, dass du.
- 25:38Sehr viel Festivalarbeit gemacht hast sehr viel Kollektiv oder
- 25:41Communityarbeit gemacht hast. Das heißt also wirklich, in dem
- 25:44in dem Schaffensprozess, was sozusagen die einzelnen Events
- 25:47und Veranstaltungen mit sich bringen oder Festival das
- 25:50Festival mit sich bringt, dass du da ne Erschöpfung dann
- 25:53irgendwann hattest, weil der der Anlauf die ganze Zeit sozusagen.
- 25:58Oder ja würd ich, würd ich jetzt im Nachhinein sagen.
- 26:01Ich würd aber eher sagen, ich war schon.
- 26:04Jahre im Burnout Ich war nur so hart entfremdet von mir selber.
- 26:08Ich hab mich selber nicht mehr gespürt, ich wusste nicht mehr,
- 26:11wo sind meine Grenzen, weil ich es einfach gewohnt war, immer
- 26:14über meine Grenzen drüber zu gehen und das ging halt auch
- 26:18total lange gut. Also ich kann ne Nacht
- 26:21durcharbeiten und muss ich halt nur genügend ballern und so kann
- 26:25ich über alle Grenzen drüber gehen.
- 26:27Und so kann ich das aber auch mit allen emotionalen Belangen
- 26:30ja auch machen. Ja, ich muss einfach nur noch
- 26:32krasser, noch mehr, noch schneller noch, und dann bin ich
- 26:37halt nicht mehr in Connection mit mir selber.
- 26:38Ja, und ich war so hart, so lange nicht in Connection,
- 26:43vielleicht auch noch nie in meinem ganzen Leben, noch nie so
- 26:48wirklich in Connection mit mir selber, mit meinem Körper, mit
- 26:51meinen Bedürfnissen. Und ich glaub, dass durch dieses
- 26:56Anhalten irgendwie war dann auch so n Moment, der war sehr klar
- 27:00von so OK, ich war Mitte 40 zu dem Zeitpunkt und war so OK.
- 27:06Ich leb jetzt hier den Braun von so einem zwanzigjährigen David
- 27:08bin Mitte 40 das wird irgendwann unsexy, das sieht irgendwann
- 27:13scheiße aus und wer will ich eigentlich mit 65 sein und will
- 27:18ich mit 65 immer noch das alles machen müssen?
- 27:23Weil ich keine andere Option habe.
- 27:25Und dann habe ich halt angefangen, mich neu
- 27:26auszurichten, sodass ich jetzt irgendwie in der Position bin,
- 27:31ich, ich mache ja immer noch meine Sachen, ich mache in
- 27:34Garbage noch die Projektleitung für den einen Floor für die
- 27:36Wiese, ich lege noch weiter auf, ich bin noch irgendwie Teil von
- 27:41dem geschehen, kann mir aber aussuchen, wieviel will ich
- 27:45machen, wer will ich da sein. Und hab nicht mehr das Gefühl,
- 27:50das machen zu müssen, weil das halt mein Leben ist.
- 27:53Und vielleicht auch, weil du das ja vorher angesprochen hast.
- 27:57Ich glaub, das hat tatsächlich so n bisschen so n
- 28:00sektencharakter das Ganze so n bisschen was kultisches, weil da
- 28:04geht es ja immer um die Frage, wie steigst du aus aus dem
- 28:07ganzen ja und wenn du keine Alternative hast, wenn du nicht
- 28:11weißt, wie du dich sonst in der Welt irgendwie durchschlagen
- 28:14solltest, dann bleibst du da drin.
- 28:17Auch wenn es toxisch ist, auch wenn sich es scheiße anfühlt,
- 28:20auch wenn du keine Wertschätzung bekommst, weil es wahrscheinlich
- 28:24irgendwo anders, noch schlimmer wäre.
- 28:27Ja, du spielst den Rahmen, den du abschätzen kannst.
- 28:30Ja, den Raum, ja. Und dann versuch ich lieber
- 28:33weiterzumachen, was auch noch dazu kommt, ist ja so n Return
- 28:37of Invest. Ja.
- 28:38Das hab ich da 20 Jahre reingesteckt.
- 28:40Ich hab nicht wirklich irgendwas rausbekommen, aber wenn ich
- 28:43jetzt loslasse, dann hab ich wirklich gar nichts.
- 28:46Wenn ich das Spiel noch weiter Spiel, vielleicht kommt ja dort
- 28:48doch noch mal irgendwann irgendwas zurück und die war
- 28:52einfach der Moment wo ich gemerkt hab ich kann einfach
- 28:54nicht mehr und. Die negative Antwort ist
- 28:56zumindest ne Antwort, ja oder die die die Antwort die
- 29:00negative. Negatives impliziert ist
- 29:03zumindest ne Antwort. Deshalb ne ich ich ich.
- 29:05Ich hatte gerade den Gedanken für dieses, also wenn wenn
- 29:08Festival und Clubkontext dein zu Hause ist oder dein zu Hause
- 29:12sind, dann geht man ja quasi nicht nach Hause.
- 29:18Nee, ich hatte auch kein anderes Leben.
- 29:20Ne, mein Leben hat sich zu 100% da abgespielt, die Freunde,
- 29:27meine alten Freunde. Die haben ja dann auch
- 29:30irgendwann kapiert, OK, also ist ja auch so n Lifestyle Ding als
- 29:34DJ ja auch ne wenn sich andere Freunde treffen muss ich
- 29:37arbeiten gehen und die haben dann immer mal wieder noch
- 29:41versucht Kontakt zu halten und haben dann aber halt gemerkt OK
- 29:44die einzige Möglichkeit eigentlich mit mir in Kontakt zu
- 29:47kommen ist in n Club zu gehen oder auf n Festival zu gehen und
- 29:51da bin ich halt auch nicht wirklich da weil ich 1000 andere
- 29:53Sachen mach. N Paar von den alten Freunden
- 29:56sind geblieben, aber sehr viele hab ich auch einfach verloren,
- 29:59weil ich auch nicht in der Lage war irgendein soziales Umfeld zu
- 30:04halten, zu stabilisieren, was nicht auch genauso drauf war,
- 30:08wie ich in dem. Moment, ja, wie lange hast du?
- 30:11Wenn du also Bachstellst zum Beispiel auf der Fusion, warst
- 30:16du denn wie, wie, wie lange warst du da im Sommer denn da
- 30:18unterwegs? Knapp 2 Monate.
- 30:22Also 6 Wochen eigentlich sicher n Monat vorher Veranstaltungen
- 30:27ne Woche danach ja. Weil ich muss es auch immer
- 30:30wieder sagen, wenn ich mir die Fusion angucke.
- 30:32Es ist, es ist ein alternatives Festival in, in dem in
- 30:37Konkurrenz zu den so vielen anderen Festivals, aber wenn ich
- 30:40mir mal angucke, wie viele Menschen da unterwegs sind, was
- 30:43das für ein, was, was das für ein Riesenapparat ist, ja, also
- 30:48das ist so. Das ist ja sind ja nicht 5000
- 30:50Leute, die da im Wald 2 Buden haben und miteinander tanzen,
- 30:54sondern das sind über 70 bis 80000 Menschen, die betreut
- 30:58werden von einem riesigen Konglomerat Menschen, das ist
- 31:00so, da müssen also, das ist sozusagen, das ist ne
- 31:04Maschinerie. Ja, ich glaub, das ist das
- 31:07schöne, aber auch da dran und das was es glaub ich auch für
- 31:11mich so wirklich so spannend gemacht hat.
- 31:17Wir bauen da ja ne Stadt, ja. Ne ne Kleinstadt mit 100000
- 31:21Leuten, das ist auf jeden Fall ne amtliche Kleinstadt, das
- 31:24heißt da braucht fucking alles was es zum Existieren von
- 31:28Menschen in einer Gemeinschaft braucht und dann hat es ja auch
- 31:32wirklich ganz pragmatisch dieses wir bauen uns ne eigene Welt, ne
- 31:38und wie wollen wir denn das eigentlich haben und wie
- 31:41arrangieren wir uns mit den Sachen die es braucht von
- 31:43Toiletten bis Wasser bis Strom wie schauen wir, dass das nicht
- 31:46zusammenkracht? Wie regeln wir das alles?
- 31:51Und das ist ja auch ein gigantischer Freiraum, von wie
- 31:56managen wir denn das alles, wie gehen wir miteinander um, welche
- 31:59Hierarchien haben wir, wie organisieren wir uns
- 32:03untereinander, so dass wir das alles gewährleistet bekommen und
- 32:07diese Freiheit, Freiheit hast du ja sonst nirgendswo.
- 32:10Auf der Welt. Ich wüsste nicht, wo in keinem
- 32:13Büro der Welt setzt du dich zusammen und sagst, sag mal, wie
- 32:15wollen wir das jetzt hier machen, bist du jetzt der Chef
- 32:17oder ich oder du der Chef dafür, das macht das ja irgendwie so
- 32:23spannend, weil es ja wirklich auch darum geht, Alternativen zu
- 32:27kreieren und vor allem auch im Miteinander, und das hat für
- 32:32mich das so spannend gemacht, und natürlich hat das auch n
- 32:35unglaublichen Yeah Moment zu merken, das zu können.
- 32:40Also keine Ahnung. Wenn ich dann auf dem Radler da
- 32:42durch die Gegend fahr. Und natürlich hab ich keinen
- 32:44Führerschein dafür und kann aber die ganzen Lasten heben und kann
- 32:47diese ganzen crazy Sachen machen, ist ja auch so wow geil
- 32:50yeah wir bauen hier ne andere Welt, machen wir ja auch.
- 32:54Ja, ja, so ne kleine Geräte zur Clubwelt.
- 33:00Glaubst du, dass es jetzt mal n bisschen weg von den den den
- 33:04Bereichen die über die wir gerade gesprochen haben?
- 33:06Glaubst du, dass es viele Räume in der Clubwelt.
- 33:09Heute noch gibt die so funktionieren.
- 33:12Nee, nee, weil die die Freiräume nicht da sind.
- 33:19Also ich glaub, dass einfach dieser Zustand, dass da die
- 33:23Hälfte der Stadt einfach mal leer stand in den Neunzigern und
- 33:27totale Anarchie geherrscht hat. Das war das, was irgendwie den
- 33:31Vibe geschaffen hat, hier in der Stadt, weil es einfach diese
- 33:34Freiräume gab. Es gab Flächen, wo du was machen
- 33:37konntest, es gab Flächen, wo du auch nicht super wirtschaftlich
- 33:40arbeiten musstest, wo du Fehler machen konntest, wo du einfach
- 33:45geilen Scheiß machen konntest. Ohne zu gucken, passt das.
- 33:48Jetzt können wir die Miete zahlen, und die Zeit ist Over,
- 33:52gibt es nicht mehr. Was ich, was ich meine, ist auch
- 33:54nicht nur sozusagen die. Die physische Ebene, sondern
- 33:58auch die psychische Ebene des dieses, dass man für sich Räume
- 34:02als Gruppe, als als Team in irgendeiner Form entdeckt und
- 34:06auch Club sozusagen nicht nur ein Ort ist, an dem man feiert,
- 34:11also Musik, Musik, genießt, tanzt, sondern auch andere
- 34:16Prozesse entstehen, weil man die Freiheit hat und die Zeit da
- 34:20ist, sozusagen andere Ebenen noch zu entwickeln.
- 34:24Also dieses ich sag jetzt mal plakativ im Club rumhängen
- 34:27bringt ja noch andere Dinge mit. Ja ne so also diese diese Art
- 34:31von Räumen find ich sind eingeschränkt heutzutage oder
- 34:36nicht mehr so da wie es das zu einer anderen Zeit noch war.
- 34:39Ja, und ich glaub aber auch, dass das was mit finanziellem
- 34:43Druck zu tun hat, dass du halt die Flächen so gut
- 34:47bewirtschaften musst. Dass da die Kohle reinkommt,
- 34:51damit du die Miete zahlen kannst, damit du irgendwie
- 34:53deinen Schnitt machst. Also ich hab ja früher eben auf
- 34:58den Goa Partys, gab es immer den den Chillout, den Chi Space und
- 35:03da hab ich halt im Chillout aufgelegt und da hingen alle rum
- 35:06und haben sich massiert und Geschichten erzählt und der
- 35:10Space, der fehlt einfach im Moment total krass.
- 35:15Und ich hör das zum Beispiel auch von vielen Leuten, die
- 35:18sagen, im Kater, seitdem der Kiosk nicht mehr offen ist,
- 35:21fehlt da einfach ganz wesentlich was.
- 35:24Ja und OK, das war jetzt halt so Semi öffentlich, dieses
- 35:28Backstage Imperium, was da hinten war, aber das war genau
- 35:32der Space, wo man halt wirklich Deep Talk geführt hat, wo man
- 35:37Leute kennengelernt hat, wo man wirklich.
- 35:40Dieb in Kontakt gekommen ist. Und das war für mich auch immer
- 35:42die Magie vom Club, dass du halt ey.
- 35:45Du lernst irgendjemanden kennen. Auf einmal sitzt du irgendwo und
- 35:48hast einfach Crazy, gute tiefe Gespräche und ich glaub, dass im
- 35:53Moment einfach ganz viel der Ort fehlt, wo sowas überhaupt
- 35:56passiert, fehlen ja ganz oft schon einfach die
- 35:59Sitzgelegenheiten um überhaupt nur sitzen zu können.
- 36:03Ja und das ist wirklich n bisschen schade.
- 36:09Ich merk für mich dann aber auch, dass ich, was ich
- 36:13vielleicht vorher auch schon gesagt hab, ich hab jetzt auch
- 36:15nicht mehr die gleichen Bedürfnisse, mir geht es im
- 36:18Moment halt wirklich darum, halt auch andere Räume zu schaffen,
- 36:21wo diese Art von Connection wirklich stattfinden kann und
- 36:25ich seh es halt im Moment nicht mehr im Club Kontext ne.
- 36:29Aber hast du jemals denn im Club hier rumgehabt?
- 36:32Ewig, ewig und 3 Tage also, aber dann halt.
- 36:38Ich hab gemerkt, ich hab irgendwann nachher auch gar
- 36:40nicht mehr getanzt, ist glaub ich auch so ne klassische DJ
- 36:43Krankheit, dass man nicht mehr tanzt, das musste ich mir dann
- 36:46erstmal wieder zurück erobern, aber ich hing ewig ab und hab
- 36:52gelabert in der Bar 25 schon wir hingen auf den Sofas und haben
- 36:56uns die Ohren abgekaut aber das war wie ich die Zeit im Club
- 37:01verbracht hab labern, labern noch mal eine Balla noch mehr
- 37:04labern so ja. Gehen wir mal so hinter die Zeit
- 37:10der Bremse, also dieses dieses Stillstandes und dieses
- 37:13Umorientierens. Was ist daraus erwachsen?
- 37:16Also du hast ne Unmenge an Erfahrung, du realisierst, dass
- 37:23du Sachen nicht mehr möchtest. Du realisierst, dass du Sachen
- 37:27auch nicht mehr haben kannst. Ob so ne also dass sozusagen
- 37:31Perspektiven auch verschlossen sind, was passiert dann?
- 37:40Ich glaub, ich find das Älterwerden an dem Punkt
- 37:42tatsächlich auch ganz angenehm, weil ey ich werd kein Astronaut
- 37:45mehr werden. Also ob ich das jetzt mal wollte
- 37:47oder nicht, aber. Wobei ja, wobei war 25 war schon
- 37:53der, das war ich schon. Astronauten mehr ist egal.
- 37:55Da hast du recht. Ich hab ne Ausbildung gemacht
- 38:01für somatische Körperarbeit. Beende gerade ne Vierjährige aus
- 38:07Arbeit für Körperorientierte Psychotherapie.
- 38:12Ich bau ne Coachingagentur auf, ich organisiere siehe Sober
- 38:16Raves, das ist halt ja alles so n bisschen der Versuch das zu
- 38:23extrahieren was da gesund war. Was mir wirklich was gebracht
- 38:28hat und. Mir ist natürlich vollkommen
- 38:31klar, dass diesen ganzen Wahnsinn gebraucht hat und auch
- 38:34das ganze ungesunde und in Anbetracht der Möglichkeiten.
- 38:37Ich würd es auch genauso wieder machen, ich hatte halt keine
- 38:39anderen Optionen, aber jetzt hab ich andere Optionen und kann mir
- 38:45bisschen klarer suchen, was brauch ich eigentlich für mich
- 38:49und auch inwiefern kann ich meine Erfahrung Leuten mitgeben?
- 38:54Meine Erfahrung teilen ohne jetzt halt super oberlehrerhaft
- 38:58Daherzukommen, sagen die musst du so machen, weißt du.
- 39:03Und das sind ja auch alles Sachen wo ich das an mir selber
- 39:09erstmal erfahren erleben musste. Also ich musste einfach
- 39:12unglaublich viel Zeug aus meinem Leben aufarbeiten, ich bin ja 25
- 39:17Jahre vor irgendwas davongelaufen.
- 39:19Da bin ich sehr weit damit gekommen.
- 39:21Aber irgendwann musste ich mich auch mal damit
- 39:23auseinandersetzen, vor was laufe ich denn da eigentlich davon und
- 39:25warum und die Sachen, die ich jetzt mache, haben immer was
- 39:29damit zu tun, dass das die Sachen waren, die mir geholfen
- 39:34haben, dabei halt wieder mehr mehr mit mir selber in Kontakt
- 39:38zu kommen und ob das jetzt der. Der organisatorische Wahnsinn
- 39:43ist von in was für einem Arbeitsfeld steckt, bin ich da
- 39:46eigentlich drin gesteckt und wie kann man das besser aufräumen,
- 39:50bis hinzu ey, wie kann ich eigentlich besser in Kontakt mit
- 39:53meinem Körper und mit mir sein und wie kann ich Musik und
- 39:57Tanzen und Verbindungen so promoten, wie kann ich da Räume
- 40:04dafür schaffen, wo das in der Art und Weise stattfindet, wie
- 40:08das jetzt gerade für mich gut tut.
- 40:10Ich bin natürlich immer noch gerne im Club.
- 40:12Ich schau mir das immer noch gerne an.
- 40:14Ich freu mich n Arsch, wenn ich da auflegen kann, ich bin nur
- 40:17ehrlich gesagt halt auch relativ schnell wieder weg, ich hab das
- 40:19gesehen, da passiert nichts mehr Neues.
- 40:21Ich hab aber trotzdem, also von dem was du gerade aufgezählt
- 40:24hast, was du machst plus garbit Plus auflegen.
- 40:27Ist jetzt auch nicht wenig. Nee, nee, ganz ehrlich ist das
- 40:32halt auch n bisschen so n struggle for Survival.
- 40:35Ja, und das ist jetzt auch nicht so, dass das alles total gut
- 40:39funktioniert und der Cashflow stimmt, sondern mich in dem
- 40:45Alter noch mal komplett neu aufzustellen und zu sagen, OK,
- 40:48ich mach jetzt noch mal alles neu, alles anders, da fehlt dann
- 40:51nämlich der Größenwahn und die Naivität.
- 40:55Das einfach anstrengend. Und dann kommt wieder, das
- 40:57funktioniert nicht, vielleicht muss ich da oder da oder da, um
- 41:02das vielleicht auch kurz abzurunden.
- 41:04Mich hat es mit long covid halt auch total zerbröselt, also die
- 41:08letzten 3 Jahre habe ich einfach auch nicht viel auf die Kette
- 41:10bekommen und so waren das halt immer so.
- 41:13Versuche irgendwas an Land zu ziehen irgendwie mich neu zu
- 41:17definieren, die halt alle so Semigut funktionieren um ehrlich
- 41:21zu sein. Aber.
- 41:25Sober Rave ist n Thema. Ist n Thema, das ist 1.
- 41:28Was glaub ich auch im Moment ganz gut funktioniert.
- 41:32Ich glaub, dass das n Thema ist. Was wächst auch einfach da, da
- 41:36wächst der Markt im Gegensatz zu Clubkultur und Festivals, wo der
- 41:41Markt ja auch einfach immer kleiner wird, es gehen immer
- 41:44weniger Leute weg, die gehen immer kürzer weg, ist ja für
- 41:48alle Beteiligten schwierig im Moment, das ist n Bereich der
- 41:52wächst. Und ich arbeite gerade da mit
- 41:57dem Agape Zoe zusammen. Die machen halt healing
- 42:01Festivals seit 10 Jahren. Das heißt, die Wissen was Sie
- 42:04machen, die haben Ihre Crowd und dann kann ich da n bisschen rave
- 42:07Kontext reingeben auf die Art funktioniert das ne.
- 42:13Wissens Wissenstransfer ist ja auch ne Sache.
- 42:17Wann hast du gemerkt, dass das ne Sache ist die dir liegt?
- 42:25Ich hab das schon immer gern gemacht.
- 42:27Ich war mir nur glaub ich oft nicht so sicher, ob ich wirklich
- 42:30was zu erzählen hab. Es war tatsächlich der erste
- 42:32Reflex, der Hochkam, als wir angefangen haben zu reden, was
- 42:38dann bewusst zu hey Mann natürlich, ich hab jede Menge zu
- 42:41erzählen, ich fand es anfangs erstmal n bisschen schräg, weil
- 42:45ich dann das Gefühl hatte. Dass du Leute, mit denen ich
- 42:50Kontakt hatte im Club, das erzähl mal.
- 42:52Wie war denn das damals? Und irgendwie fand ich es n
- 42:56bisschen weird. Du bist ja kein Museumsstück.
- 42:58Ja, und bin ich jetzt n Dinosaurier oder was ist denn
- 43:02jetzt hier los? Und auf der anderen Seite hab
- 43:04ich dann aber auch gemerkt, dass so die Position des älteren
- 43:09Bruders mir eigentlich damals total gut getan hätte, wenn es
- 43:13die gegeben hätte. Da war halt niemand und.
- 43:18Auf also mit der Position kann ich was anfangen, das zu sagen.
- 43:22Hey ich hab das Level halt durchgezockt ja und das Teile
- 43:28ich auch gerne und das was das für mich gebracht hat und was
- 43:31ich da für mich rausgefunden hab und was da für mich funktioniert
- 43:34hat und was nicht ist es wert zu teilen.
- 43:39Ich glaub tatsächlich, dass die Ausbildung, die ich da mach, mir
- 43:42halt total dabei geholfen hat, wirklich klarer mit mir selber
- 43:45zu werden und wirklich zu wissen, ah, das kann ich, das
- 43:47kann ich nicht, das will ich noch lernen, das werde ich nicht
- 43:51mehr lernen, dass ich halt wirklich mehr down bin mit mir
- 43:54selber und dann kann ich auch easy teilen, was es zu teilen
- 43:58gibt, ja. Ich hab es auch n bisschen, weil
- 44:00also bei dem was du erzählt hast, kam der Mediagedanke, dass
- 44:03das auch so n Thema mittlerweile ist.
- 44:05Das gerade so Clubbereiche oder Clubs die.
- 44:09So institutionalisiert sind auch mitunter so ein Problem haben,
- 44:13an neue Generationen anzuknüpfen oder auch so ein Transfer zu
- 44:17machen. Was können wir mitgeben aus dem
- 44:21Erfahrungsschatz, den wir haben und wo sind wir aber so flexibel
- 44:24genug um uns dann anpassen zu können, um den neuen
- 44:28Gegebenheiten in irgendeiner Form gerecht werden zu können,
- 44:32das war sozusagen die Gedanken, die ich da auch so ein bisschen
- 44:34mit hatte, also dieses. Wie bereitet man die neue
- 44:37Generation darauf vor? Was ist sozusagen, was kann man
- 44:40mitgeben? Ich?
- 44:43Mein Gedanke ist eher n anderer, weil das was da halt bei mir
- 44:47sofort klingelt ist so Sicherheit ne ich kann erst was
- 44:52abgeben und Räume schaffen und so wenn ich sicher mit mir
- 44:55selber bin ja wenn ich total unsicher mit mir und meiner
- 44:57Position bin, dann werde ich total rigide und komm mir bloß
- 45:01nicht zu nah und nein natürlich darfst du das nicht so ich.
- 45:06Kann mir vorstellen, dass es eigentlich notwendig wäre, dass
- 45:10da die alte Generation einfach noch mal wirklich n bisschen was
- 45:15an sich selber arbeitet und an sich selber lernt, dass da mehr
- 45:19Flexibilität, mehr Weichheit reinkommt, weil die brauchst du
- 45:22zum Loslassen ja. Weil ansonsten gehen die jungen
- 45:26Leute irgendwo anders hin, machen andere Sachen und
- 45:29erfinden das Rad wieder von vorne.
- 45:31Ja, haben wir damals auch gemacht, super Yeah, aber auf
- 45:34der anderen Seite ja auch schade, weil man muss nicht
- 45:38jeden Fehler dreimal wiederholen, aber ich glaub,
- 45:42dass das ich bin gespannt was passieren wird.
- 45:45Ich hab das Gefühl, dass die junge Generation für sich noch
- 45:49mal irgendwie ganz andere Freiräume finden wird.
- 45:54Und dass die von da aus dann auch in diesem Clubkontext
- 45:59wieder neu reinkommen, das wird es immer weitergeben.
- 46:03Aber ich glaub, dass auch im Moment gerade, dass du sehr gut
- 46:06siehst, die Clubs, die gut laufen, die haben diese
- 46:09Generationswechsel gut hinbekommen, die, die nicht so
- 46:12gut laufen, sind in meinen Augen genau an dem Punkt am Struggeln,
- 46:16weil sie keine Verantwortung abgeben können.
- 46:19Ja, du hattest erzählt am Anfang.
- 46:22Dass du mit Goa angefangen hast? Ja, ist das n ne Sache, die sich
- 46:26als bestand durchgezogen hat und jetzt noch da ist, oder?
- 46:29Nee, also ich schau da immer mal wieder gerne vorbei.
- 46:35Das ist aber extrem selten. Also auf der Boom will ich die
- 46:39ganze Zeit mal wieder vorbei, ist immer blöd mit dem
- 46:41Arbeitstermin so, weil das schon spannend ist.
- 46:46Dann seh ich halt die Leute von früher und die erinnern sich
- 46:50auch noch an mich und das ist auch schön.
- 46:52Das, was ich mir dann halt denke so wow, du hast immer noch die
- 46:56gleichen Klamotten an, immer noch die gleiche Frisur, das
- 46:59läuft auch immer noch der gleiche Sound.
- 47:03Was habt ihr die letzten 25 Jahre gemacht, während ich
- 47:06diesen ganzen, dieses ganze Chaos Ballett hingelegt hab?
- 47:10Ich glaub goa funktioniert so n bisschen wie Reggae, es darf
- 47:14sich nicht verändern, sonst ist kein Reggae mehr, sonst ist kein
- 47:17Goa mehr. Ich glaub da passiert im Goa
- 47:20schon, also bei der Boom auch schon ne Menge, dass da mehr
- 47:22Richtung Techno auch geht und so.
- 47:25Aber es ist eigentlich eine zutiefst konservative Kulturform
- 47:29und es ist Reggae ja auch ne, das muss genau so sein, sonst
- 47:33ist es nicht das und das hab ich am, das war für mich der Grund
- 47:37warum Techno, das war halt alle Naselang neu, er hat sich
- 47:42andauernd neu erfunden, war immer wieder was anderes.
- 47:45Das fand ich halt viel attraktiver als sozusagen hier.
- 47:48Das ist es jetzt, und das machen wir jetzt bis zum Ende der Tage.
- 47:51Ne, und das passiert ja weiterhin absolut ne.
- 47:54Also wir sehen ja, die Clubkultur wird immer wieder
- 47:56herausgefordert durch andere Bedürfnisse von anderen, von
- 47:59jüngeren Generationen und durch massig Unverständnis, wie sich
- 48:03Menschen in den Räumen, die man gebaut hat oder die gebaut
- 48:06worden sind, anders verhalten als das, wie man sich das
- 48:09gedacht hat. Ja, ne.
- 48:11Ja, ich find es manchmal im Moment echt nicht so einfach,
- 48:13weil ich find das ist n bisschen düster geworden.
- 48:15Es fehlt das Miteinander, aber OK, also eben ich merk das ist
- 48:23jetzt halt auch nicht mehr so viel mein Spielfeld, dann muss
- 48:26ich mir halt mein Spielfeld wieder woanders bauen, wo
- 48:30vielleicht irgendwie so die Mitte entsteht zwischen diesen
- 48:32ganzen Conchus Healing und Rave und weil ich glaub das ist das
- 48:38was ich brauch auf jeden Fall. Und ich merke, viele Leute
- 48:43brauchen das auch. Und dann, wer da Bock hat
- 48:45vorbeizukommen, kommt halt da vorbei.
- 48:46Und wenn die Kids zu diesem Crazy Industrial Techno in
- 48:51Isolation ihr Ding durchziehen wollen, so Beat ne ich, ich
- 48:57gucke mir das interessiert an, aber nicht lange.
- 49:01Danke, dass du da warst. War ein schönes Gespräch.
- 49:04Vielen Dank. Hat mir auch sehr gefallen.
- 49:06Danke für die Einladung tschau.