Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 16 - Unter Töchtern der Wüste 1
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:05Unterkapitel 16 unter Töchtern der wüste, Abschnitt 1.
- 0:13In diesem Teil der Geschichte befinden wir uns in der Höhle
- 0:16von Zarathustra, er hat dort verschiedene außergewöhnliche
- 0:20Gäste versammelt, diese Gäste nennt Nietzsche die höheren
- 0:23Menschen, das sind Personen, die zwar über dem normalen
- 0:26Durchschnitt stehen, klug oder mächtig sind.
- 0:29Aber immer noch Fehler und Schwächen haben.
- 0:32Sie haben das große Ziel noch nicht erreicht, dass Nietzsche
- 0:35den Übermenschen nennt. Der Übermensch ist für Nietzsche
- 0:38das Ideal eines Menschen, der sich selbst überwunden hat und
- 0:41völlig aus eigener Kraft neue Werte erschafft.
- 0:44Zarathustra möchte die Höhle und seine Gäste gerade verlassen,
- 0:48weil es ihn nach frischer Luft und nach seinen Tieren sehnt.
- 0:52Da hält ihn einer der Gäste auf, es ist der Wanderer, der sich
- 0:56selbst als zarathustras Schatten bezeichnet.
- 0:59Der Schatten ist eine Figur, die für zarathustras ständigen
- 1:02Begleiter steht. Er verkörpert die Ruhelose Suche
- 1:05nach Wissen, den inneren Zweifel und einen Menschen, der überall
- 1:08unterwegs ist, aber nirgends eine feste geistige Heimat
- 1:11findet. Dieser Wanderer und Schatten
- 1:14bittet Zarathustra eindringlich, nicht vorzugehen, er warnt
- 1:18davor, dass sonst die alte, drückende Traurigkeit wieder
- 1:21über die Gäste hereinbrechen könnte.
- 1:24Der Wanderer weist darauf hin, dass der alte Zauberer gerade
- 1:27seine schlimmsten Kunststücke gezeigt hat.
- 1:30Der alte Zauberer ist eine Figur, die für den Künstler
- 1:32steht, der mit den Gefühlen der Menschen spielt, in der
- 1:36Forschung wird dieser Zauberer oft als ein Sinnbild für den
- 1:39Komponisten Richard Wagner gedeutet, von dem sich Nietzsche
- 1:42abgewandt hatte, weil dessen Kunst ihm zu theatralisch und zu
- 1:45sehr auf bloße Wirkung aus war. Der Wanderer beobachtet die
- 1:49anderen Gäste und beschreibt ihre Reaktionen.
- 1:52Der fromme Papst, der auch in der Höhle zu Gast ist, hat
- 1:55Tränen in den Augen. Die beiden Könige tun zwar so,
- 1:59als hätten sie gute Laune, aber der Wanderer glaubt ihnen nicht,
- 2:02er vermutet, dass sie nur eine tapfere Fassade
- 2:05aufrechterhalten, weil sie vor den anderen bestehen wollen, der
- 2:09Wanderer befürchtet jedoch, dass ohne Zarathustra als stärkende
- 2:12Kraft sofort wieder das böse Spiel der schlechten Gefühle
- 2:15beginnen wird, er vergleicht diese trüben Gedanken mit
- 2:18ziehenden Wolken, feuchter Schwermut, einem verdeckten
- 2:21Himmel. Gestohlenen Sonnen und heulenden
- 2:24Herbstwinden dies alles sind sprachliche Bilder für eine
- 2:28pessimistische, Lebensverneinende und traurige
- 2:31Einstellung. Der Wanderer nennt es das
- 2:33heimliche Elend, das nur darauf wartet, aus den Gästen
- 2:36Herauszubrechen und die Luft in der Höhle dumpf zu machen.
- 2:40Der Wanderer lobt Zarathustra dafür, dass er die Gäste bisher
- 2:43mit starker männlicher Kost und kräftigen Worten ernährt hat.
- 2:47Diese starke Kost steht für Zarathustras harte, mutige und
- 2:51lebensbejahende Lehre. Der Wanderer bittet Zarathustra
- 2:54inständig zu verhindern, dass nun zum Nachtisch wieder
- 2:57weichliche und schwache Geister über sie herfallen.
- 3:00Er meint damit die sentimentalen und weinerlichen Gefühle, in die
- 3:04die höheren Menschen so gerne zurückfallen, wenn sie sich
- 3:06selbst bemitleiden. Nach den Worten des Wanderers
- 3:09macht Zarathustra allein die Luft um sich herum stark und
- 3:12klar, der Wanderer sagt, dass er schon in vielen Ländern war und
- 3:16mit seiner Nase viele verschiedene Arten von Luft
- 3:18geprüft hat. Aber in zarathustras Höhle
- 3:21gefällt ihm die Luft am allerbesten.
- 3:23Dann bittet der Wanderer um Verzeihung für eine alte
- 3:26Erinnerung, die in ihm aufsteigt.
- 3:29Er möchte ein altes Lied singen, das er als eine Art geistigen
- 3:32Nachtisch anbietet, er erzählt, dass er dieses Lied vor langer
- 3:36Zeit weit weg in der Wüste gedichtet hat, bei den Töchtern
- 3:40der Wüste, er beschreibt die Welt dort im Morgenland, also im
- 3:44Orient, als einen Ort mit wunderbar heller und guter Luft.
- 3:49Dort war er am weitesten entfernt von dem wolkigen,
- 3:52feuchten und schwermütigen alten Europa.
- 3:56Das alte Europa steht bei Nietzsche für eine Kultur, die
- 3:59durch die christliche Moral und ständiges schweres Nachdenken
- 4:02müde, Lebensfeindlich und Freudlos geworden ist.
- 4:06Der Wanderer erinnert sich gerne an die Mädchen aus dem
- 4:09Morgenland, er beschreibt eine Welt, über der keine dunklen
- 4:12Wolken und vor allem keine schweren Gedanken hängen.
- 4:15Er sagt, man könne es kaum glauben, wie hübsch diese
- 4:18Mädchen dort saßen. Sie waren tiefgründig, aber sie
- 4:22machten sich keine gedanklichen Sorgen.
- 4:24Er vergleicht sie mit kleinen Geheimnissen, mit bunt
- 4:27verzierten Rätseln und mit Nüssen, die man zum Nachtisch
- 4:30isst. Sie waren bunt und fremd, aber
- 4:33ihre Rätsel ließen sich leicht lösen und waren frei von Kummer,
- 4:38um diesen Mädchen eine Freude zu machen, so erzählt der Wanderer,
- 4:41hat er damals dieses feierliche Lied gedichtet.
- 4:44Nachdem der Wanderer und Schatten dies erzählt hat,
- 4:46wartet er gar nicht erst auf eine Antwort von Zarathustra
- 4:49oder den anderen Gästen. Er ergreift sofort die Harfe,
- 4:53die dem alten Zauberer gehört, er kreuzt seine Beine und blickt
- 4:57sehr gelassen und Weise in die Runde, dann atmet er tief und
- 5:00langsam durch die Nase ein, er tut so, als würde er die fremde
- 5:04neue Luft eines fernen Landes riechen und schmecken, kurz
- 5:09darauf beginnt er mit einer Art lautem Gebrüll sein Lied zu
- 5:12singen.