Latest / Im Bett mit Buch / Am Rand
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- 0:02So als kölsche Jeck würde ich mal sagen.
- 0:04Podcast Gemeinde Alaaf Tag vor Tag Liebe Monique Was?
- 0:13Steckt denn da in dir? Drin.
- 0:15Es ist Februar, es ist Karnevalszeit, ist ja eigentlich
- 0:18das ganze Jahr das. Ist gruselig.
- 0:23Ich bin Brandenburg, Berlinerin, ich kann das nicht hören.
- 0:27Du musst bitte auch unsere West und südwestdeutschen Hörer und
- 0:30Hörerinnen schätzen und Ehren. Das tue ich, das tue ich.
- 0:34Aber solange mich keiner von denen einlädt und mir
- 0:38nahebringt, wie toll Karneval feiern ist, bleibt es mir
- 0:41einfach fern. Ich verstehe es nicht.
- 0:44Okay nee, ich kann das auch verstehen, wenn man das wirklich
- 0:47gar nicht nachvollziehen kann, dann würde es auch nicht helfen,
- 0:49wenn ich dich mitnehme in die Stäf, um mal so griechisch zu
- 0:51feiern. Werde ich dir auch nicht antun
- 0:56das. Ist ein bisschen Angst.
- 0:58Nichtsdestoweniger wünsche ich nicht nur dir, Monique, sondern
- 1:03auch allen Werten, Zuhörern und Zuhörerinnen einen wunderschönen
- 1:06guten Morgen. Guten Tag, guten Abend und gute
- 1:08Nacht und habe direkt am Anfang eine kleine Erwähnung.
- 1:12Das neue Jahr ist angekommen, wir haben all unser Geld
- 1:15verprasst im Jahre 2025 und wie ihr das ändern könnt, das teilen
- 1:20wir euch nachher in dem Podcast auch noch mal ein bisschen näher
- 1:22mit. Also als du gerade so vom vom
- 1:27Karneval gesprochen hast, musste ich an die Situation im letzten
- 1:30Jahr denken, als ich im Februar im Schwarzwald war und da die
- 1:35ganzen Karnevalsvorbereitungen angefangen haben.
- 1:37Und da ist ja wirklich jeder in mindestens 2 Karnevalsvereinen,
- 1:40also. Das ist Fastnacht, da ist ja
- 1:42nicht Karneval. Natürlich natürlich.
- 1:44Fastnacht, ja, Entschuldigung. Aber das ist gruselig, oder?
- 1:48Das ist ganz schön gruselig und. Also das wenn man wenn man mit
- 1:54dieser Tradition nicht aufgewachsen ist, steht man da
- 1:57irgendwie echt so am Rand und denkt sich was passiert hier.
- 2:00Boah, das hast du gerade echt gut gemacht, aber ich meine das
- 2:05geht mir ehrlich gesagt ziemlich oft so, dass ich mal irgendwie
- 2:08die Situation am Rand stehe und denke, was zur Hölle geht denn
- 2:12hier gerade ab? Und ja, also diese beiden Wörter
- 2:18sind jetzt schon zweimal gefallen.
- 2:19Ja, und sag mal kurz, hast du schon mal so richtig am Rand
- 2:22gestanden? Du meinst jetzt seelisch,
- 2:25körperlich, psychisch? Whatever.
- 2:30Einmal stand ich wirklich, da war ich wie bei Almudor war eine
- 2:35Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs bei einer
- 2:39Bergwanderung und ich bin wirklich ein norddeutsches Kind,
- 2:41eigentlich und Berge sind. Für mich nicht das Ding und
- 2:45musste aber mit zu so einer Bergwanderung und wir standen in
- 2:49einer Situation da schmaler Pfad links ging es hunderte Meter
- 2:54runter, rechts hunderte Meter hoch und ich konnte mich nicht
- 2:57mehr bewegen, das war eine der furchtbarsten Erfahrungen meines
- 3:00Lebens. Ich war sehr dankbar über die,
- 3:03mit denen ich gewandert bin, da kam einer auf die sehr gute
- 3:05Idee, Kurt, Du brauchst nur eine psychische Stütze hier, wir
- 3:08haben so n Gehstock oder so n Walking whatever.
- 3:11Und einer vor mir, einer hinter mir.
- 3:13Und die haben dann auf meine linke Seite, wo der Abgrund war,
- 3:16einfach diesen Stock gehalten, dass ich das Gefühl hätte oder
- 3:20hatte, ich hätte eine Reling und dann konnte ich mich auch wieder
- 3:23bewegen und diesen Moment sozusagen überwinden, aber das
- 3:28war wirklich im im wahrsten, also körperlich war es am Rande
- 3:33des Abgrunds, stehen, innerlich leider auch.
- 3:38Du bist ja eher so ne Bergwanderin, oder?
- 3:40Ja, aber ich, ich hatte ich hatte ne ganz, ganz ähnliche
- 3:42Situation in in Tirol. Ich geh seitdem auch nicht mehr
- 3:45in Tirol wandern, aber das lag natürlich nicht an Tirol,
- 3:48sondern an meiner eigenen Doofheit.
- 3:51Also das war ne Wanderung die die hätte ich einfach bei dem
- 3:54Wetter nicht nicht machen dürfen so und das Wetter war nicht gut
- 3:56und es war sehr weit oben und an manchen Stellen lag Schnee und
- 4:00es ist natürlich klar wenn du ne längere Wanderung machst.
- 4:03Die um so n Berg rumführt, dass du wahrscheinlich noch mal an ne
- 4:05Stelle kommst, wo dann auch Schnee liegt und es war sehr
- 4:08sehr schmal und es ging sehr weit runter.
- 4:12An der einen Seite, es war dann auch schon über der über der
- 4:15Baumgrenze, was dann eben immer n bisschen spooky aussieht, ne
- 4:18und an der anderen Seite noch noch noch ganz schön nach oben
- 4:22und und es ging aber auch nicht zurück so es.
- 4:28Es ging, es ging nicht zurück, weil wir waren quasi von der von
- 4:33der Bergstation der Seilbahn durch so ne Kiefernschonung
- 4:38schon so weiß ich nicht 100 Meter runter geklettert auf dem
- 4:41Rosenboden unter diesen Wurzeln da durch und ich wollte das auf
- 4:45gar keinen Fall wieder nach oben klettern und da also stand ich
- 4:53wirklich in, also gefühlt auch seelisch echt am Rand, also das.
- 4:57Das hat mir extrem zu schaffen gemacht und es hatte leider auch
- 5:00nicht diesen Effekt. Wenn man, wenn man was
- 5:03schwieriges schafft, dass man danach so denkt, hey, das hat es
- 5:06nicht, ich bin einfach nur die nächste Hütte und habe einen
- 5:08Marillenschnaps gekippt und dachte mir, das mache ich nicht
- 5:11noch mal und ich habe dann danach auf dieser Tour manchmal
- 5:15das Gefühl gehabt, den Rand der Welt sehen zu können, also wenn,
- 5:18dann wenn du dann irgendwie unterwegs bist auf dem Berg und
- 5:21und dahinter geht es runter und und und.
- 5:25Quasi diese Horizontlinie ist sozusagen der Berghang und
- 5:28dahinter direkt Wolken. Das ist so wirklich, also da
- 5:32hatte ich immer das Gefühl, ich sehe gerade den Rand der Welt.
- 5:34Das ist schon erhaben, oder? Eigentlich ist es erhaben, finde
- 5:38ich jetzt auch wieder, aber aber in diesem Urlaub war das einfach
- 5:43nur oh mein Gott, schon wieder ein Rand.
- 5:47Also ich weiß auch, warum ich eher glaube ich, durch das
- 5:50flache Gelände stapfe. Das finde ich finde ich
- 5:53irgendwie viel angenehmer. Aber diese diese Situation
- 5:57tatsächlich so n Abgrund vor sich zu haben, also jetzt
- 5:59wirklich rein physisch, das ist schon was, was wirklich
- 6:03beeindruckendes und ich beneide dann immer Leute, die so
- 6:07komplett angstbefreit sind, die dann auch so ganz nah an diesen
- 6:12Rand gehen können, ohne irgendwie Angst zu haben.
- 6:16Bei mir ist es gar nicht die Angst, dass ich runterfalle,
- 6:18sondern die Angst vor der eigenen Faszination, was
- 6:20passiert, wenn man jetzt runter springt, das ist ja auch so n
- 6:22Gemengelage. Und dann ist das doch eher ne
- 6:26Situation, der ich mich ungerne aussetze.
- 6:30Tatsächlich. Also bleiben wir doch lieber im
- 6:34Flachen, da gibt es auch Ränder, wie übrigens, das muss ich,
- 6:38alter slawist doch mal erwähnen, das passt ja auch politisch,
- 6:43seit einigen Jahren kann man ja über die Ukraine sprechen.
- 6:46Die Ukraine heißt ja Ukraine, weil das auf Russisch eigentlich
- 6:49am Rand heißt. Ja, also das ist tatsächlich das
- 6:52Randgebiet des alten Zarenreiches gewesen.
- 6:56Ach Gott, jetzt kriegen wir wahrscheinlich gleich wieder was
- 6:58zu hören, dass das gar nicht so richtig stimmt, aber so hab ich
- 7:00es gelernt, zumindest genau das fand ich n ganz ganz
- 7:05interessant, dass ein Land tatsächlich diese Bezeichnung
- 7:07haben kann, wirklich als als Randgebiet, ich weiß gar nicht,
- 7:11ob wir das im Deutschen. Nee, das ist eher Grenze.
- 7:14Vielleicht ist dann so ein Grenzsach oder so, dass das dann
- 7:17ein Begriff ist, der uns den Rand zu dem nächsten Land
- 7:21irgendwie klarmacht. Ich muss jetzt gerade an den
- 7:23österreichischen Begriff denken. Anrainer.
- 7:26Anrainer. Den wollte ich immer sehen, wenn
- 7:28an einem Schild stand, nur für Anrainer.
- 7:33Wer ist das ist. Dieser Anrainer.
- 7:36Dieser Anrainer, ANN Bindestrich, Rainer Anrainer.
- 7:44Aber du, du, du hast es ja gerade schon gesagt.
- 7:46Man kann ja nicht nur quasi physisch am Rand der Welt
- 7:49stehen, am Rand eines Berges oder des Ozeans oder was auch
- 7:53immer, was immer sehr, sehr faszinierend ist, sondern man
- 7:56kann ja in ganz, ganz vielerlei Hinsicht am Rand stehen, also
- 8:01psychisch, leider Gottes geht es politisch, sozial, also in jeder
- 8:09jeder Hinsicht, und das ist logischerweise eigentlich ein
- 8:14total dankbares Thema für die Literatur.
- 8:17Richtig großartig. Also ich weiß, ich glaube, du
- 8:19bist auf das auf das Thema gekommen, ich schiebe dir
- 8:22einfach mal diese Lorbeeren zu und es es gibt ja manchmal so
- 8:27Themen, die wir uns dann überlegen, wo man denkt, ja,
- 8:29gucken wir mal, was wir daraus machen, das kann man, und das
- 8:31war wirklich ein Füllhorn, denn wie du sagst, aus wie vielen
- 8:36verschiedenen. Richtungen man dieses liebe
- 8:40Hörerschaft, ihr habt es auch mitbekommen.
- 8:42Wir reden über Bücher, die sich diesmal mit dem Thema am Rand
- 8:44beschäftigen, auf wieviel verschiedenen Ebenen man am Rand
- 8:50sein kann, es gibt auch Bücher, die also mehrere in
- 8:53Anführungsstrichen randerfahrungen zusammenpacken,
- 8:56also sowohl gesellschaftlich als auch körperlich zum Beispiel,
- 8:59oder? Es ist ein extrem dankbares
- 9:02Thema und vor allen Dingen, wenn man sehr weit interpretieren
- 9:08möchte, kann man eigentlich über jedes Buch sprechen, wenn man
- 9:12möchte, weil alles ja in jedem Buch irgendwann mal das Thema
- 9:19Randläufigkeit oder am Rande sich befinden vorkommt.
- 9:24Ich bin jetzt nicht ganz so, also ich habe schon ein bisschen
- 9:26probiert, so ein bisschen nah dran am Thema zu bleiben mit den
- 9:30Büchern, die ich mir rausgesucht habe.
- 9:34Ich hatte noch mal reingeschaut in unsere gemeinsame Datenbank,
- 9:39du warst sehr secretive, ja. Ja, war ich gar nicht.
- 9:46Gar nicht mit Absicht, aber ein Buch stand drin.
- 9:52Weswegen ich dieses Thema auch vorgeschlagen hatte.
- 9:55Das habe ich gelesen und ich dachte, das ist so toll, ich
- 9:57will über dieses Buch im Podcast reden und und dass, dass dieses
- 10:02Buch ist in oder die Figuren in diesem Buch befinden sich in
- 10:05vielerlei Hinsicht am Rand, und aber mir ging es ähnlich wie
- 10:10dir, mir sind dann auch unfassbar viele Bücher
- 10:12eingefahren und ich dachte, ich würde am liebsten über alle
- 10:14reden, aber ich habe es geschafft, mich auf 2 zu
- 10:18beschränken. Das habe ich natürlich mal
- 10:21wieder nicht geschafft. Woher auch?
- 10:24Nichts anderes erwartet. Aber es ist tatsächlich der
- 10:33Punkt dieser Vielfältigkeit, dieses dieses Themas natürlich.
- 10:38Also ich fand zumindest das Spannendste sind Bücher, die
- 10:42sich mit Menschen beschäftigen, die gesellschaftlich am Rand
- 10:46stehen, das. Ist natürlich auch n klassisches
- 10:49Sujet, ne, also müssen jetzt gar nicht nur von der
- 10:52wirtschaftlichen Lage, also die ganzen klassischen End 19.
- 10:55Anfang 20. Jahrhunderts auch
- 10:57Arbeiterbewegungsromane das das ist ja vieles vom
- 11:02gesellschaftlichen am Rand, aber es ist auch andersrum.
- 11:05Also du hast auch Titel aus wirtschaftlich sehr.
- 11:11Wohlsituierten Händen geschrieben, die ja trotzdem in
- 11:14irgendeiner Weise sich am Rand befinden.
- 11:16Und ich find das so schön was du sagtest, du hattest dieses eine
- 11:19Buch, was du unbedingt besprechen wolltest.
- 11:22Und sind wir nicht in einer privilegierten Situation?
- 11:24Es gibt so dieses eine Buch, wo man sagt, da will ich echt
- 11:26drüber sprechen, welches Thema basteln wir denn, um dieses Buch
- 11:30herum. Mir fällt dabei noch eine Sache
- 11:34an, die die die, die ich am Rand jetzt noch erwähnen muss.
- 11:40Und zwar also klar, wir sind in dieser privilegierten Situation
- 11:44und ich hab, ich hab heute morgen im Newsletter gelesen,
- 11:47ich hab da in diesem Frauen Podcast teil drüber gesprochen,
- 11:50das ist so n Netzwerk für für wirklich erwachsene Frauen, also
- 11:55Frauen über 47 und da ging es irgendwie gab es ne Frage was
- 12:00habt ihr denn eigentlich angefangen sozusagen als sie aus
- 12:02dieser ganzen Rolle? Carearbeit und so weiter raus
- 12:05war, habt ihr im Leben was geändert und ich dachte so, oh
- 12:07mein Gott, ich muss ihr vom Podcast schreiben und so und in
- 12:11dem Zusammenhang habe ich noch ne ne Rückmeldung von einer
- 12:14Hörerin bekommen zu dieser zu dieser Podcast folge wenn du
- 12:17dich erinnerst wir haben drüber gesprochen, dass es diese diese
- 12:21Zeit der Wechseljahre, also Frauen sind nicht mehr
- 12:28fruchtbar, haben aber noch eine. Ordentliche Lebensspanne vor
- 12:31sich bei gar nicht so vielen Lebewesen gibt, sondern ich
- 12:37meinte irgendwie so, ich glaube nur bei Menschen und bei Wahlen
- 12:39und war mir nicht so ganz sicher.
- 12:41Und diese Hörerin und eine Freundin von mir hat hat sich
- 12:46mit Evolutionsbiologinnen unterhalten und hat die das
- 12:49gefragt und das stimmt fast. Also Menschen, Wale und
- 12:58Elefanten. Kennen, kennen das und das ganze
- 13:03würde es nicht geben, wenn es nicht n evolutionären Vorteil
- 13:05mit sich bringen würde. Also klar ne Evolutionstheorie
- 13:09das was sinnvoll ist bleibt sozusagen, alles andere wird
- 13:15durch natürliche Auslese nach und nach wieder verschwinden,
- 13:18wenn ich es mal ganz grob zusammenfasse.
- 13:21Ja, aber das ist wirklich Evolution in der oder ich.
- 13:23Hoffe Biomeier hört nicht zu und die haben gesagt, der Vorteil
- 13:29der da ist ist ganz klar in in Matriarchaten zu sehen, so wie
- 13:35Elefanten. Und ich glaube auch Wahlen bin
- 13:36ich mir jetzt nicht so sicher, weil Elefanten auf jeden Fall
- 13:38leben und das heißt, wir Menschen müssten eigentlich auch
- 13:41so leben, also wir Frauen, die wir jetzt eben über 47 sind,
- 13:44bereiten uns eigentlich auf unsere Führungsrolle vor.
- 13:47Nur die Gesellschaft ist gerade noch nicht so weit, dass wir die
- 13:50übernehmen könnten, weil wir sind nicht durch.
- 13:52Wir haben alle Erfahrungen gesammelt, wir sind durch mit
- 13:54der Kehrarbeit seid ihr Männer ja eigentlich nie, könnt ihr
- 13:58euch nicht so sicher sein und deshalb ja alte Frauen an die
- 14:02Macht. Ja, Maggie Fetcher für alle.
- 14:08Nein, das wollte ich noch. Irgendwie.
- 14:10Aber es ist tatsächlich, und das also gerade bei Elefanten, das
- 14:12habe ich tatsächlich auch mitbekommen, diese, ich wollte
- 14:15es gerade Mutterkuh nennen, aber das ist natürlich n blödsinniges
- 14:18Wort stimmt gar nicht, aber die, die hält ja die Rasselbande
- 14:20zusammen, eigentlich ne und du hast ja das finde ich so, so so
- 14:23toll, dass Elefanten glaube ich auch wenn zu viele Jungenbullen
- 14:26da sind. Die werden dann aus der Herde
- 14:28ausgestoßen, weil die einfach zu viel Scheiße bauen und dann und
- 14:32dann lungern die ja in so in so wie hier die, die die
- 14:37Straßenbilddebatte, wenn du so Rumlungernde Nixzutunende
- 14:42Halberwachsene Elefanten hast, die wirklich einfach
- 14:44randalieren, weil da ist keine Mutter, die mal darauf achtet,
- 14:48dass hier mal n bisschen Zucht und Ordnung herrscht.
- 14:51Ich glaube also, das ist also bei, aber es ist erstaunlich,
- 14:53dass es nur so wenig Tiere sind. Wobei ich jetzt denke, Hunde
- 14:58oder Hündinnen werden ja auch oder sind die bis zum Ende
- 15:01fruchtbar? Gut, das ist die nächste Frage
- 15:04der Evolutionsbiologen, also Menschen, Wale und Elefanten,
- 15:08also alles Lebewesen, die dafür bekannt sind, mindestens 2
- 15:12Tonnen zu wiegen. Spannend.
- 15:17Also ich glaube, was aber auch spannend ist, ist das Thema am
- 15:20Rand und das ist jetzt mein vorsichtiger Versuch uns da
- 15:24wieder. Ihm die Spur zu bringen.
- 15:27Und ich habe 2 Bücher dabei und du.
- 15:31Ich habe mehr, immer. Ja, ja, es ist natürlich immer
- 15:37das das Tragische, dass ich dann dazu neige, etwas barock zu sein
- 15:42und die die alte Logik, mehr ist, mehr gehen zu lassen, aber
- 15:49das tut ja der Freude keinen Abbruch, ich muss ja auch nicht
- 15:52alles hier aus dem Hut zaubern, was ich habe.
- 15:54Aber es sind eigentlich alles ganz schöne Bücher.
- 15:56Sollen wir einfach mal anfangen, fangen wir einfach mal okay ich
- 16:00würde genau weil ich ja mehr habe und ich fange mal mit einem
- 16:04sehr. Ich würde ja anfangen, weil ich
- 16:06ja mehr habe. Mit etwas sehr schmalem möchte
- 16:15ich gerne anfangen und zwar es handelt es sich um einen
- 16:20deutschen Roman eines. Der, wie ich finde,
- 16:24talentiertesten deutschen Autoren, nämlich von Thomas
- 16:27Melle. Und das ist das Buch 3000€, und
- 16:32in diesem Falle habe ich das Thema am Rand wirtschaftlich,
- 16:38gesellschaftlich begriffen. Wir haben 2 Figuren in diesem
- 16:42Buch. Dass beide sind pleite.
- 16:48Auf der einen Seite haben wir Anton Anton ist eigentlich ein
- 16:54recht bürgerlicher Jurastudent gewesen, also auch ein sehr
- 16:57talentierter Student, also alles läuft gut, nur leider psychisch
- 17:03nicht ganz gesund, also jemand, der dann leider doch von manisch
- 17:10depressiven Phasen geschoben wird und.
- 17:13Und insbesondere eine manische Episode, die er hatte.
- 17:17Und das ist auch etwas sehr autofiktionales da ist ja Thomas
- 17:21Melle in all seinen späteren Büchern auch immer sehr offen
- 17:24damit umgegangen. Es ist ja oftmals auch ne
- 17:26Verarbeitung seiner eigenen psychischen Gesundheit, und der
- 17:30Melle weiß also, was es heißt, manische Episoden zu haben, und
- 17:34er schafft es auch tatsächlich teilweise sehr lustig drüber zu
- 17:36schreiben. In diesem Falle allerdings ist
- 17:39nichts lustig, der Anton hat seine manische Episode.
- 17:43Und fängt halt an wie wild. Einfach alles was er hat,
- 17:46irgendwie einfach wegzuzimmern und landet am Ende plötzlich mit
- 17:51einem Schuldenberg in Anführungsstrichen von 3000€ das
- 17:56ist Oh Gott, wenn man sich jetzt die Schulden der der
- 18:00Staatengemeinschaften anschaut, jetzt natürlich wirklich n
- 18:02Klacks, aber für n Studenten sind 3000€ einfach wirklich mal
- 18:06richtig richtig viel Geld. Und er ist also durch diese,
- 18:11durch seine psychische Krankheit und die daraus entstehende auch
- 18:17Isolation, die er natürlich hat und gleichzeitig diese Schulden
- 18:21einfach sozusagen von Eigentlichem relativ Mittelweg
- 18:24der Gesellschaft urplötzlich an den Rand gestoßen und in dieser
- 18:28Situation trifft er auf eine Supermarktkassiererin Denise.
- 18:34Und Denise hat eigentlich immer irgendwelche Geldprobleme, ist
- 18:39aber sehr viel knackiger als Anton.
- 18:41Also auch finde ich sehr viel lebensfähiger, aber die macht
- 18:45eine Entscheidung die fragwürdig, aber auch irgendwie
- 18:49verständlich ist. Sie sagt, sie kann das nicht
- 18:51mehr ab, dieses Ganze nie Geld haben und Schulden haben und so
- 18:53weiter und sie macht jetzt gegen besseren Willen und also auf
- 18:57jeden Fall sie macht in einem Porno mit, weil sie da natürlich
- 19:01weiß das gibt schnell Kohle. Das Problem ist, dass leider der
- 19:06Verantwortliche mit der Kohle nicht rüberkommt und so haben
- 19:11wir also diese beiden den, und das ist natürlich der der
- 19:15Schöne, nicht Zufall, sondern natürlich hat der Melles so
- 19:17komponiert, sie soll 3000,00€ bekommen, also ihr fehlen
- 19:213000,00€, ihm fehlen 3000€ und darüber treffen sich die beiden
- 19:26und es entwickelt sich wirklich n sehr sehr schönes
- 19:28Zusammenspiel zwischen diesen beiden.
- 19:31Uns als Leser oder als Leserin ist aber relativ klar, dass das
- 19:37wahrscheinlich jetzt zu keinem glücklichen Ende führen wird,
- 19:40weil sie natürlich trotzdem noch viel zu weit auch inhaltlich
- 19:43voneinander sind. Aber zumindest können sie sich
- 19:47kurzfristig tatsächlich in diesen Situationen, denen sie
- 19:50einander begegnen. Auch Halt geben und das ist für
- 19:54diese kurze Frist des, wo sie sozusagen einen Weg teilweise
- 20:01zusammen bestreiten, sehr sehr schön.
- 20:04Es endet natürlich trotzdem nicht gut, es ist nach wie vor
- 20:08ein Thomas Mell und halt kein Happy Go Lucky Roman, sondern er
- 20:12bleibt einfach sehr real in den Möglichkeiten, die seinen
- 20:15Charakteren gegeben sind und ich will jetzt auch gar nicht
- 20:17spoilern, worin das Ende besteht.
- 20:21Es ist ein wirklich starker Roman, zurecht einer der vielen
- 20:26Titel von Thomas Melle, die für den Deutschen Buchpreis
- 20:29Geshortlistet wurden. Sein neuester wurde ja, glaube
- 20:31ich, letztes Jahr auch geshortlistet ich glaube das
- 20:33dritte Mal und man denkt so, boah Freunde, also jetzt jetzt
- 20:37aber mal rüber mit dem Preis für ihn, also wenn ihn einer
- 20:39verdient, dann wirklich er. Aber wahrscheinlich geht es ihm
- 20:43so wie Ishiguro oder oder oder Paul Auster also einige Leute
- 20:47schreiben ja einfach ein brillantes Buch nach dem
- 20:49anderen. Und die sind so präsent, dass
- 20:51alle immer denken, Ach, der hat doch irgendwie schon alles und
- 20:54es fehlt aber irgendwie dann doch dieser eine, dieser eine
- 20:57Preis bei Melle ich, wenn wenn man Melle noch nicht gelesen
- 21:01hat, ich finde insbesondere natürlich, seine Sprache ist
- 21:07sehr, sehr beeindruckend, denn da kennst du mich jetzt auch gut
- 21:11genug. Ich mag natürlich das eher
- 21:12nüchterne Schreiben, der Melle schafft es aber in diese sehr.
- 21:18Präzise, nüchterne Sprache, eine sehr poetische Note reinbringen
- 21:22zu können, und das ist wirklich ne Kunst von guten Autoren, ne
- 21:26also die trotzdem schaffen was anklingen zu lassen, auch
- 21:32dramatisch sein zu können und trotzdem eine gewisse
- 21:36Zurückhaltung in der Erzählung, die finde ich jetzt diesem Thema
- 21:38auch angebracht ist, an den Tag zu legen und.
- 21:44Er geht sehr, sehr nah in seine Figuren rein oder an seine
- 21:49Figuren ran. Teilweise ist es wirklich
- 21:52relativ schonungslos, was er, was er dort macht und das Ganze
- 22:00wie gesagt immer in dieser Mischung einer eines
- 22:04dokumentarischen literarisch sein, wenn man das so ausdrücken
- 22:08mag. Und es ist wirklich ein sehr
- 22:11schmaler Roman. Ich finde gerade bei Melle
- 22:13vielleicht auch sein Zugänglichster bislang, den man,
- 22:18wenn man mal Lust hat, vielleicht sich in den Thomas
- 22:22Melle reinzulesen, dann wäre das, glaube ich, n Buch, mit dem
- 22:25Ich starten würde, alleine aufgrund der dünnen Seitenzahl
- 22:28und auch der Thematik, die vielleicht etwas zugänglicher
- 22:32ist oder für viele nachvollziehbarer ist.
- 22:35Als es jetzt wirklich ein Gang in die totale manische oder
- 22:39depressive Phase, sondern dass er dieses gesellschaftliche
- 22:43damit beobachtet, ist jetzt auch nicht unbedingt immer bei Thomas
- 22:47Melle, dass er ins Gesellschaftliche geht.
- 22:49Und genau also ein Stein im Brett für Thomas Melle
- 22:53vollkommen falsches Bild, aber klanggut das wäre zumindest mal
- 22:57wirklich sehr kurz oder zusammengefasst.
- 23:00Mein erstes Buch zum Thema. Am Rand, in diesem Falle am
- 23:06Rande der wirtschaftlichen Existenz und am Rande der
- 23:09Gesellschaft zu stehen. Aber wie an welchen Rand fühlst
- 23:13du uns denn? Moni ja, ich fang mal, ich nehm
- 23:17tatsächlich das Buch, das ich gelesen habe, vor ein paar
- 23:21Wochen, vor ein paar Monaten, und ich dachte, darüber muss ich
- 23:25im Podcast mit dir reden und wovon könnte dieses Buch
- 23:29handeln? Ich glaube, es handelt von am
- 23:31Rand. Das Buch ist von Ocean Wong, der
- 23:36Kaiser der Freude. Das klingt jetzt erst mal gar
- 23:38nicht so nach Hand. Nö, und das ist die Geschichte
- 23:44eines jungen, vietnamesisch amerikanischen Mannes, der nicht
- 23:50mehr zu Hause leben möchte, nicht mehr in sein Studium,
- 23:56nicht mehr fortsetzen kann und sich.
- 24:02Nach einem Ausweg sucht und nach nach keinem, nach keinem guten
- 24:07Ausweg sucht. Er steht im Grunde in einem in
- 24:10einem Vorort auf einer Brücke und überlegt sich das Leben zu
- 24:16nehmen und wird dabei beobachtet von einer sehr alten Frau, die
- 24:20ihm zuruft, dass er das mal schön sein lassen soll und er
- 24:22lässt es sein, und damit beginnt diese Geschichte, er zieht dann
- 24:26bei dieser alten Frau einen Graziner.
- 24:29Eine Litauerin, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hat, und die
- 24:35beiden bilden also eine sehr, sehr ungewöhnliche
- 24:38Wohngemeinschaft in einem Viertel, in einer Straße, in der
- 24:42fast keiner mehr wohnt. Alle diese Häuser sind nahezu
- 24:45verlassen, weil es, ich glaube, es gab einen Chemieunfall oder
- 24:48so, und beide haben auch nicht viel und beide sind wirklich in
- 24:54in sehr. Extremen Randpositionen, also
- 24:57Grazina einmal aufgrund ihres Alters und weil sich ihre
- 25:00Familie von ihr abgewandt hat. Ja, ich glaube, das kann man so
- 25:06sagen und hi, also der der Junge die Hauptfigur, weil er das
- 25:12selber so gewählt hat, aus bestimmten Gründen, die am
- 25:14Anfang nicht so nicht so klar sind, und das ist ein ein
- 25:18furioser Auftakt für ein wirklich bis zur Hälfte ganz,
- 25:23ganz tolles Buch. Ganz poetisch, sehr lyrisch,
- 25:26eine schöne Sprache habe ich. Ich habe wirklich lange nichts
- 25:30so Poetisches gelesen, ich war total hin und weg und also ja,
- 25:35die beiden müssen irgendwie über die Runden kommen, wir sind
- 25:38dabei, wie sie miteinander leben, wir sind auch immer mal
- 25:41wieder in Erinnerungsfetzen dabei, wie kam Hai eigentlich in
- 25:46diese Situation, was ist vorher passiert, wovor läuft er davon
- 25:49dann, offensichtlich läuft er ja irgendwie davon und er sucht
- 25:52sich dann einen Job und fängt in einem Schnellrestaurant.
- 25:54An zu arbeiten und alle Leute, die da arbeiten, stehen im
- 25:58Grunde auch irgendwie am Rand der Gesellschaft.
- 26:00Und wie gesagt, also bis zur Mitte phänomenal.
- 26:03Und dann flacht es leider ab. Also vielleicht sehen das andere
- 26:08auch anders, aber ich ich dachte so das das ist so n prima
- 26:11Einstieg in im Grunde psychologischen Roman und dann
- 26:16wird er aber eigentlich nicht psychologisch also.
- 26:19Irgendwann wird schon auch erzählt, was ist das Trauma von
- 26:22Hi, warum ist der da und ich war dann nach dieser ganzen
- 26:24Ankündigung, nach dieser ganzen großen Verdichtung und und
- 26:28dieser Erzählung und diesem so weit rausgehen aus der
- 26:30Gesellschaft, dachte ich, was, das war's jetzt deshalb also
- 26:34nicht, weil der Grund nicht, nicht nicht dramatisch genug
- 26:38wäre, sondern wie er es mir erzählt, also ich, ich habe das
- 26:41beim Lesen nicht gefühlt, und es tat mir total leid, weil ich so
- 26:44viel anderes eigentlich, weil ich so dicht dran bin.
- 26:47Und da wäre ich eigentlich gerne bei dem, was ihn raus
- 26:50katapultiert hat, auch gerne so dicht dran gewesen, um das um
- 26:56das auch zu fühlen. So, man kann ihn trotzdem gut zu
- 26:59Ende lesen und seine Sprache bleibt ja auch so schön, aber
- 27:03seine Figuren sind dann leider und auch die auch die anderen
- 27:06Mitarbeiter in Schnellrestaurants.
- 27:08Schnellrestaurant die sind so, als ob sie ihr eigenes Klischee
- 27:12wären. Die gehen nicht in die Tiefe,
- 27:13das ist das, das Tat mir unheimlich weh, ich dachte mir,
- 27:17warum machst du das bitte, bitte, bitte nein und oder auch
- 27:22so, so, so eine innere Entwicklung oder so, also ich
- 27:26meine, es ist völlig legitim, dass es nicht nicht im
- 27:28Mittelpunkt seines Buches steht, aber.
- 27:31Irgendwie so ne Figurenentwicklung wär schon
- 27:33schön gewesen. Ja, ganz dazwischen gefragt, wie
- 27:37wie alt würde, weil du sagtest, junger Mann ist der jetzt eher
- 27:40frühe 20er oder eher 18 oder was?
- 27:42Was denkst du ist ungefähr sein. Frühe 20er er hatte schon
- 27:45angefangen zu studieren, hat das dann abgebrochen.
- 27:48Genau, und gracina ist über 80. Und nimmst du an dieses
- 27:52abflachen nenn ich es jetzt mal bösartig zusammengefasst.
- 27:56Ist das eher ein ein, also ein inhärentes Problem des Autoren
- 28:01oder würdest du sagen, da hat einfach ein Lektorat nicht nicht
- 28:04richtig gut gearbeitet oder ist das unklar?
- 28:06Warum das passiert ist? Ja, also ich habe noch nichts
- 28:09anderes von Ocean One gelesen, deshalb kann ich das gar nicht
- 28:11einschätzen und es war mir wirklich ein Rätsel.
- 28:14Ich war total überrascht davon, ich hatte so das Gefühl, der ist
- 28:19aus, dieser ist mit dieser Story irgendwie nicht weiter gekommen,
- 28:22weil es ist dann auch also. Also es gibt ne Story und die
- 28:27ist jetzt auch nicht schlecht, aber am Ende ist es n bisschen
- 28:30so, dass ich denke so, nee nee nee das das das das glaube ich
- 28:36dir jetzt nicht, dass dass sich das ganze so auflöst.
- 28:39Also also irgendwie mich hat er da verloren so ne das und mich
- 28:42kann man ja wirklich bei den abenteuerlichen Sachen
- 28:44eigentlich reden, aber bitte bringt mich mit ich ich weiß
- 28:49nicht ob ich hatte so n bisschen, der hat eigentlich gar
- 28:52keine Lust die Geschichte zu erzählen, er hat Lust zu
- 28:53schreiben. Aber er hat keine Lust, dass es
- 28:56für dich eine Geschichte gibt. Oh, das ist.
- 28:58Aber vielleicht täusche ich mich da auch.
- 29:01Ich bin auch gespannt, du hast ihn nicht gelesen, ne.
- 29:04Ich habe ihn nicht gelesen, also sein sein Claim to Fame ist ja
- 29:08sein. Ich glaube Erstling war, dass
- 29:10dieses auf Erden sind wir kurz grandios, das ist ja eine
- 29:14relativ, wenn ich das richtig verstanden habe autofiktionale.
- 29:18Geschichte, da bin ich ja immer schon skeptisch und das ist
- 29:23jetzt ein bisschen gemein, ohne ihn gelesen zu haben.
- 29:26Aber ich finde, es passt irgendwie in mein sehr
- 29:29halbwissen Bild von ihm, was du sagst, dass er Lust hat zu
- 29:33schreiben, aber gar nicht so richtig weiß worüber sozusagen,
- 29:38also außer wenn es sozusagen von ihm selbst handelt.
- 29:41Aber ich finde gerade bei solchen Punkten, wenn man merkt,
- 29:44jemand ist wirklich literarisch begabt.
- 29:47Ohne jetzt einen großartigen Inhalt zu haben, kann man
- 29:51Gedichte schreiben. Das ist eigentlich immer eine
- 29:52gute, eine gute Maßnahme dann, aber ich finde da, da sind
- 29:58Lektorate wirklich in die Pflicht genommen bei so was die
- 30:01wirklich sagen müssen, Ey, alter, du bist so talentiert,
- 30:04lass uns hier doch mal ein bisschen präziser auf diese
- 30:06Punkte eingehen und und verfestige mal hier diesen
- 30:09Handlungsstrang, also ich glaube, da gibt es
- 30:11Möglichkeiten, da auch ein bisschen zu pushen, und das ist
- 30:15ja immer. So schwierig mit dem zweiten
- 30:18oder Dritten, ne, nachdem du so einen riesen Erfolg hattest das
- 30:23nachzuholen das und da ist natürlich auch NN ziemlicher
- 30:27Druck da drauf, aber wie schade ne also aber du hast ihn ja
- 30:32trotzdem noch so gerne zu Ende. Gelesen.
- 30:34Ich hab ihn, ich hab ihn trotzdem zu Ende gelesen, es tat
- 30:36mir einfach nur nur leid, dass dass die zweite Hälfte nicht so
- 30:39grandios war wie die erste Hälfte so das wär, das wär schön
- 30:42gewesen, ich hatte. Ich hätte auch den Figuren
- 30:45diesen diesen Abschluss so gewünscht.
- 30:47Ja, wie schade, Mensch. Aber eine wirklich schöne
- 30:51Sprache. Und übersetzt ist es von einer
- 30:56Person, die wir euch auf jeden Fall in unseren Shownotes
- 31:00erläutern oder zumindest reinschreiben.
- 31:04Danke, dass du da immer dran denkst.
- 31:05Wer es ins Deutsche übersetzt hat, wenn das ist, also da ist
- 31:09ja auch immer die gleiche Tröte, die ich blase.
- 31:11Aber es ist so wichtig. Die deutschen Übersetzer und
- 31:14Übersetzerinnen, die zum Glück mittlerweile auch immer mehr
- 31:17genannt werden, denn ohne deren Arbeit ist vieles für uns nicht
- 31:21zugänglich und da bin ich sehr, sehr dankbar, für wo wir gerade
- 31:28noch so halbwegs auch an einem in einer wirtschaftlichen
- 31:33Randsituation sind in unserem Podcast.
- 31:36Und was ist schöner als ein Unordentliches?
- 31:38Apropos, Ich hatte ja am. Am Anfang schon darauf
- 31:42hingewiesen, dass wir unser ganzes Geld im Jahre 2025
- 31:45verpfeffert haben und ihr, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, könnt
- 31:50das ändern, indem ihr nämlich euer ganzes Geld einfach auch
- 31:53verpfeffert. Das soll uns recht sein, solange
- 31:56was dabei für uns auch rüber springt, wie ihr uns sozusagen
- 32:03ein wenig unterstützen könnt, so wie das denn wollt, das findet
- 32:06ihr wie immer in unseren Shownotes, da sind natürlich
- 32:09auch alle Informationen zu den hier besprochenen Büchern, zu
- 32:12den hier vielleicht auch nur angedeuteten Büchern, zu
- 32:15Übersetzern und so weiter manchmal gehen wir sogar so
- 32:19weit, dass wir irgendeinen Link zu einem Video oder einem Lied
- 32:22oder so ähnlich noch da reinpacken können.
- 32:24Weil es einfach so gut reinpasst.
- 32:27Übrigens hier noch der Hinweis. Ich hatte ja mal ne Band, die
- 32:29hieß Kanone und da hatten wir ein Lied, das heißt Mitte, Rand,
- 32:32ha Mitterand wirklich witzig ne und von der Mitte zum Rand.
- 32:35Ich dachte so Mensch, das hat doch auch was mit am Rand zu
- 32:37tun, probiert mal das im Netz zu finden, das gibt es nämlich gar
- 32:40nicht haha das ist wirklich hier Insider Insider wissen und noch
- 32:45dazu erwähnt wo wir gerade bei den Shownotes sind und etwas
- 32:49abseits von den Büchern. Wie die meisten von euch
- 32:52sicherlich wissen, gibt es auch einen kleinen Instagram Kanal
- 32:55von uns. Der nennt sich, man hätte es
- 32:58sich gar nicht besser ausdenken können, im Bett mit Buch wird
- 33:01geschrieben mit unterstrichen dazwischen, aber wie Monique mir
- 33:04glaubhaft versichert, kann man auch einfach im Bett mit Buch
- 33:06bei Instagram eingeben und dann findet man unseren Podcast und
- 33:10auch dort freuen wir uns natürlich auf Herzchen, Leichen,
- 33:14hot Hot, hot Zeichen und genau falls ihr irgendwie der Meinung
- 33:19seid, wir können was verbessern oder?
- 33:20Ihr müsst uns was mitteilen, schreibt uns eine e Mail.
- 33:23Die Adresse findet ihr in den Shownotes oder haut uns einfach
- 33:26ein paar Infos bei Instagram rein.
- 33:28Du hattest meine Band. Weißt du, dass ich mal ein Cover
- 33:31hatte? Du hattest meine Coverband.
- 33:34Nein, nein, keine Coverband. Ich hatte mal ein Kabarett.
- 33:36Ach so, du hattest mein Kabarett in der.
- 33:39Vierten Klasse habe ich ein kleines Kabarett gegründet.
- 33:43Gibt es davon Videos? Nein, Oh, wie schade.
- 33:46Also von der Band. Übrigens gibt es Videos und das
- 33:49muss ich doch gerade, wo wir hier so Atois sitzen doch
- 33:52erwähnen. Unser Produzent, den du ja auch
- 33:55kennst, der war der Gitarrist. Also für die Liveauftritte
- 33:59dieser Band, denn eigentlich hatte dieser Band keine Gitarre,
- 34:01aber was ist schon eine Band ohne Gitarre, auf der auf der
- 34:04Bühne und also man kann mich und Götz zusammen auch bei einem
- 34:11youtube Video sehen. Ich bin noch sehr viel mehr, sag
- 34:19mal körperlich präsent, was die Kilo Zahl geht, aber ansonsten
- 34:25sind Götze und ich auf dem Video beziehungsweise andersrum jetzt
- 34:29diese 1520 Jahre später sind Götze und ich immer noch genauso
- 34:33schön wie ihr. Seid keinen Tag Alter.
- 34:38Also die Band heißt Kanone. Kann man übrigens auch bei
- 34:40Spotify sich anhören und auch dort liken.
- 34:44Schön. Das war also Ocean Wong,
- 34:47amerikanischer Autor vietnamesischen Ursprungs und
- 34:51immer noch spannend zu schauen, was weiteres von ihm kommt.
- 34:54Ich finde, oftmals finde ich nach dem zweiten Buch muss man
- 34:57auch immer noch mal dem Dritten eine Chance geben und es ist
- 35:01halt nur wirklich doof, wenn man so die erste Hälfte richtig
- 35:04großartig findet und es dann so, ja man liest zweite, aber es
- 35:09fehlt dann so der letzte Knaller, schade.
- 35:13Dann würde ich weiter machen mit einem nigerianischen Autoren,
- 35:20der und ich möchte dich und auch alle Zuhörer jetzt schon um
- 35:25Verzeihung bitten, wie ich diesen Vornamen jetzt verhunzen
- 35:29werde, denn es ist wirklich unaussprechbar tschuk wuibeka
- 35:34Ib, sehr einfacher Nachname, aber tschuk wuibeka Ib.
- 35:40Ist also nigerianischer Autor, der mittlerweile ach entweder in
- 35:46den USA oder in England lebt. Das tun dann ja viele.
- 35:50In diesem Falle gibt es aber auch wirklich eine gute
- 35:53Begründung, warum er nicht mehr in Nigeria lebt, denn wie die
- 35:58Figur Obie Funa, in dem es in diesem Buch geht, ist auch der
- 36:04Autor IB ein schwuler Mann. Und das ist in Nigeria
- 36:09mittlerweile wirklich überhaupt gar kein Zustand mehr.
- 36:12Und genau davon handelt dieses Buch auch und ich finde es sehr,
- 36:18sehr, sehr, sehr, sehr spannend, einfach mal tatsächlich Titel zu
- 36:21lesen, die sich jetzt nicht mit mit Schwarzen oder POC oder
- 36:28afroamerikanischen Geschichten aus der westlichen Welt
- 36:30befassen, sondern wirklich. Was geschieht eigentlich
- 36:34gesellschaftlich in afrikanischen Staaten?
- 36:37Die immer zunehmendere Radikalisierung auch in der
- 36:41Religion? Und damit meine ich nicht nur
- 36:43den Islam, sondern auch die das Christentum, was immer radikaler
- 36:46wird in einigen Teilen dieses Kontinents, und so trifft es
- 36:51auch unseren Helden des Buches, Obie Funa ein unglaublich.
- 36:58Toller Junge, den man mögen muss.
- 37:00Er ist, das ist so ein bisschen stereotypisiert, er ist jetzt
- 37:04nicht so ganz der typische Junge, sein jüngerer Bruder ist
- 37:06voll der Draufgänger, Fußball kloppen auf der Straße und alles
- 37:10und Opie Funa tanzt lieber ist der absolute Liebling seiner
- 37:15Mutter und ist eher häuslich und einfach wirklich ein braver, ein
- 37:19guter Schüler natürlich und ein braver Junge.
- 37:22Und er. Aber er erfüllt nicht das Bild
- 37:26eines Mannes, was die Gesellschaft und insbesondere
- 37:29sein Vater von ihm sehen möchten.
- 37:32Und es passiert, was passieren muss, ohne jetzt lange da rein
- 37:35zu gleiten in diese Geschichte. Sein Vater erwischt Obi Funa in
- 37:39einer Situation, die wirklich mehr als harmlos ist, die aber
- 37:43relativ klar darstellt, dieser Junge steht auf andere Jungs.
- 37:48Und wie reagiert es? Gibt ja verschiedene
- 37:50Möglichkeiten, wie man darauf reagiert.
- 37:52Ich finde eine wirklich äußerst richtige Lösung ist, diesen
- 37:55Jungen in ein total Hardcore evangelikales Internat zu
- 37:58stecken. Gesagt, getan, es ist sehr
- 38:02interessant wie der IB darauf eingeht, auf die Dynamik
- 38:06zwischen Mutter und Vater, dass der Vater auch in diesem Falle
- 38:11zu keiner Diskussion bereit ist. Sein Ding durchzieht,
- 38:13normalerweise hört er schon auf die Mutter.
- 38:16Aber in diesem Falle, Nein, dieser Junge muss sozusagen von
- 38:20dieser Sünde geheilt werden und kommt auf dieses Internat.
- 38:22Da kommt er dann nicht auf so dumme Gedanken, wo ich selber
- 38:25denke, ich war ja auch auf dem Jungsinternat, genau da kommt
- 38:28man als schwuler Junge so erst recht nicht auf cool, auf
- 38:30schlimme Gedanken und dieses Internat, und man kennt ja viele
- 38:34Geschichten aus Literatur und Filmen, von englischen
- 38:39Internaten und der Brutalität, die dort insbesondere von den
- 38:43Seniors, den Juniors gegenüber geschieht, die.
- 38:46Das ist Kindergarten gegen die Brutalität, die in diesem
- 38:49Internat stattfindet und wirklich jeder gegen jeden
- 38:53natürlich immer oben gegen unten.
- 38:55Es wird geprügelt, es wird misshandelt, es wird
- 38:57vergewaltigt, es wird psychischer und physischer Druck
- 39:01und Gewalt ausgeübt, es ist ein Elend, es ist inhaltlich
- 39:07manchmal tatsächlich wirklich sehr schwer zu ertragen.
- 39:11Läge es nicht an der Figur unseres Helden Obi Funa, der so
- 39:18Likeable ist, der eine so tolle positive Disposition hat, trotz
- 39:25allem, was ihm geschieht, ist er ein positiver und liebevoller
- 39:27Mensch, der. Allerdings auch eher ausweicht
- 39:33als Gegendruck zu erzeugen, wobei man auch in einer
- 39:36Situation wie in diesem Internat versteht, ist.
- 39:38Also Gegendruck, hat auch gar keinen Zweck, denn dann gehst du
- 39:42vollkommen unter und wenn also und das nicht nur, dass du
- 39:44irgendwie rausgeschmissen wirst, sondern das kann auch wirklich
- 39:47dann ne Lebensgefahr bedeuten, weil diese Brutalität wirklich
- 39:51exorbitant ist. Er steht dieses Internat durch.
- 39:55Wird irgendwann selber natürlich auch Senior, ist selber in der
- 39:57Position wo er jetzt jüngere unterdrücken könnte.
- 40:01Natürlich ist unser Held ein guter und macht es nicht und ich
- 40:05finde es sehr sehr sehr schön, dass der IB uns weiter noch
- 40:11schickt auf den Weg mit obie Funa also die Schule ist
- 40:14beendet, er fängt an zu studieren, er geht zurück in
- 40:16seine Heimatstadt, das ist jetzt eine Millionenstadt im Süden von
- 40:20Nigeria, also im christlichen Teil Nigerias noch.
- 40:23Und wir reden im Moment von einer Zeit.
- 40:26Das müssen dann, so die 2010, er sein, wo es zumindest noch kein
- 40:32Strafbestandteil ist, schwul zu sein.
- 40:35Das ist natürlich eine extrem homophobe Gesellschaft.
- 40:38Im Norden herrschen, glaube ich, teilweise in einigen
- 40:40Bundesstaaten schon die Scharia, aber da, wo er herkommt, ist es
- 40:44eigentlich noch halbwegs in Ordnung und er bildet einen
- 40:50Freundeskreis um sich herum, es gibt ein paar andere queere
- 40:52Personen, die. Mit denen er sich anfreundet.
- 40:55Man bildet eine eine wirklich sehr schöne Community, er findet
- 40:59auch tatsächlich Liebe und man denkt so okay, so könnte das
- 41:04doch jetzt irgendwie alles ganz schön ausgehen, wäre da nicht
- 41:08die gesamtgesellschaftliche und politische Realität, nämlich
- 41:11dass der Staat einfach die Zügel immer enger schnallt.
- 41:18Die Bewegungs und die Freiräume der betreffenden Person oder der
- 41:22betroffenen Personen immer mehr einschränkt und am Ende
- 41:28tatsächlich so weit geht, Homosexualität zu
- 41:32kriminalisieren. Und was macht das mit Menschen?
- 41:37Und natürlich gibt es nicht sehr viele Lösungen, wie aus du aus
- 41:42so einer Situation herauskommen kannst und.
- 41:45Du bist wirklich in diesem Falle, um noch mal am Rand.
- 41:48Also du bist am Rande einer Gesellschaft gestoßen und in
- 41:52diesem Falle wirklich gar nicht wirtschaftlich.
- 41:54Der Familie geht es eigentlich ganz gut, ist mittelständisch
- 41:57und du hast nicht viele Möglichkeiten.
- 41:59Die einzige Möglichkeit ist eigentlich abzuhauen und dann
- 42:02versteht man auch, warum unser Autor selber, der ich probiere
- 42:06es noch mal chuku ubeka Ib einfach das Land verlassen hat
- 42:12um einfach also. Nicht nur zufrieden leben zu
- 42:15können, sondern einfach erst mal sicher leben zu können, das
- 42:18reicht ja schon mal. Dieses Buch ist in Deutschland
- 42:222024, erschienen beim Fischer Verlag, wie immer alle
- 42:25Informationen zu den Übersetzern und so weiter findet ihr in den
- 42:29Shownouts. Hast du den Titel schon gesagt?
- 42:31Von. Natürlich nicht.
- 42:33Möchtest du es nachholen? OK, das Buch im Fischer Verlag
- 42:37erschienen, heißt wünschen auf Deutsch ist, also es ist ne
- 42:41interessante Übersetzung des Titels.
- 42:44Im Original heißt das Buch Blessings, und das ist n toller
- 42:48Titel für das, was in diesem Buch eigentlich geschieht, und
- 42:52ich weiß, dass dieses Wort kannst du nicht wirklich griffig
- 42:56in den deutschen Titel mit übernehmen und ich fand am
- 43:00Anfang den Titel wünschen. Etwas sperrig, aber wenn man
- 43:05weiß, wovon das Buch handelt und insbesondere in welchem Tonfall
- 43:10es geschrieben ist und wie unsere Figur funktioniert, ist
- 43:13es eigentlich ein sehr schöner und treffender Titel, den es
- 43:17hat. Genau also das war eine andere
- 43:21Randerfahrung. Als es zumindest der Held bei
- 43:25oder die Helden bei Thomas Melle hatten.
- 43:28Vielleicht eine ähnliche Randerfahrung zu Ocean Vance
- 43:31Held High wahrscheinlich. Nicht also also klar, es gibt
- 43:36Punkte, in denen sich das überschneidet, aber ansonsten
- 43:39ist ist hei ja, also er lebt ja einfach in den USA, das heißt
- 43:47für ihn ist der der. Der der, der die Tatsache, dass
- 43:54er homosexuell ist, schon etwas, was in den anderen Rand bringt,
- 43:58aber nicht so existenziell wie das jetzt in in, in in dem Fall
- 44:04passiert. Aber ja hat n ähnlichen
- 44:07Ursprung. Aber auch hier wieder ein
- 44:10Hochlid, ein Hohelied auf das Glück, dass wir in
- 44:14Gesellschaften leben dürfen, wo es immer noch genug Probleme
- 44:19gibt. Aber längst nicht so
- 44:22lebensbedrohlich wie in vielen und großen anderen Teilen in
- 44:25dieser Welt. Und wie toll, dass Literatur uns
- 44:28darauf aufmerksam machen kann. Ich finde es immer sehr, sehr
- 44:30schade, dass wir insbesondere von diesem doch recht großen und
- 44:34sehr diversen Kontinent, Afrika ist auch mal so lustig, wenn
- 44:37dann erzählt wird von Autoren aus Afrika, wo man längst
- 44:40stimmt, Marokko und Nigeria, Simbabwe, alles das gleiche,
- 44:43aber das ist eben so geil, das ist dieses eine große Land,
- 44:45Afrika. Und da ist natürlich in der in
- 44:49der angloamerikanischen Welt und auch natürlich in der
- 44:52französischsprachigen Welt, sind Autoren aus afrikanischen
- 44:56Ländern sehr viel präsenter. Das hat natürlich viel mit der
- 45:00Kolonialgeschichte zu tun, wir hier im Deutschen, und ich
- 45:05glaube auch, insbesondere im osteuropäischen Raum, sind noch
- 45:09relativ unbefleckt, was das angeht, und es gibt immer so
- 45:13eine kleine Berührungsangst. Glaube ich auch.
- 45:17Aus der Leserschaft heraus, weil Ah, das ist so weit entfernt und
- 45:21was soll mir das schon irgendwie sagen, wo ich denke, Mensch, ihr
- 45:24lest doch auch Murakami und ehrlich gesagt so japanische
- 45:27Urban Fantasy ist jetzt auch nicht unbedingt meine
- 45:30Lebensrealität. Natürlich bringt die mehr Spaß,
- 45:33aber wenn man einfach mal so n Einblick haben möchte in in
- 45:38Randexistenzen in. Teilen der Afrikanischen
- 45:42Gesellschaft ist das auf jeden Fall ein guter Anfang, und es
- 45:44ist auch sprachlich sehr zugänglich.
- 45:47Es ist kein mühseliges Buch, Es bringt Freude, unserem Helden
- 45:52Obje Funa zu verfolgen, es gibt natürlich noch weitere Ebenen in
- 45:58diesem Buch, die tragisch, aber auch sehr schön sind, also
- 46:01gerade die Geschichte zwischen unserem Helden und seiner
- 46:03Mutter, und da möchte ich jetzt nicht spoilern, denn das ist
- 46:06wirklich tragisch, auch die Entscheidung, die die Mutter
- 46:09trifft. Ich kann sie nicht ganz
- 46:11nachvollziehen, aber man muss sie hinnehmen.
- 46:13Was die Mutter im Laufe des Buches macht.
- 46:15Also es gibt noch viele andere Ebenen, warum es sich wirklich
- 46:18lohnt, in dieses Buch mal reinzuschauen.
- 46:22Ja, vielleicht. Ich überlege gerade, ob wir
- 46:23vielleicht auch mal gucken, ob wir noch mal afrikanische
- 46:28Autorinnen, irgendwie ein Podcast Spezialthema machen.
- 46:33Ich habe auch im letzten Jahr einige so tolle Bücher gelesen,
- 46:36dass ich dachte, warum. Habe ich davon nicht schon nicht
- 46:39schon mehr gelesen? Ich finde, es ist auf jeden Fall
- 46:42was, was wir tatsächlich mal machen könnten.
- 46:45Man kann auch mal vielleicht wirklich mal untersuchen, gibt
- 46:48es einen Unterschied, also auch sprachlich, weil also große
- 46:52Teile Afrikas wir ja alle wissen, sind entweder
- 46:56Französisch oder Englisch, kolonialisiert und sozialisiert,
- 46:59in diesem Falle auch. Gibt es da gesellschaftlich und
- 47:02sprachlich auch Unterschiede oder oder gibt es da auch viele
- 47:06Gleichzeitigkeiten? Ich glaube, Westafrika ist da
- 47:10besonders interessant, denn da ist das Gemengelage zwischen
- 47:14verschiedenen Kulturen und auch verschiedenen ehemaligen
- 47:17Kolonialherren sehr viel Dichter gemischt, als es jetzt in den
- 47:22ostafrikanischen Staaten der Fall ist.
- 47:27Ich hätte noch ein Buch dabei, das uns noch mal ganz woanders
- 47:31hinbringt, wenn du möchtest. Ja, auf jeden Fall.
- 47:34Dann würden wir jetzt mit TC Beulen nach Südkalifornien
- 47:38reisen. Sehr schön.
- 47:39Ja, und zwar mit dem Buch Amerika, das aber nicht Amerika
- 47:45heißt wegen Amerika, sondern wegen einer der 4 Hauptfiguren.
- 47:52Grundschule erste Lerninhalt wusste ich gar nicht, ich
- 47:55tatsächlich. Es gibt eine Figur, die heißt
- 47:56American Okay. Genau also das Buch erzählt im
- 48:00Grunde die Geschichte zweier Paare, wenn man so möchte, die
- 48:03relativ nah beieinander leben, in Südkalifornien aber in
- 48:06vollkommen unterschiedlichen Verhältnissen.
- 48:09Das eine ist ein ja, ein wohlhabendes weißes Ehepaar, das
- 48:14dann einen Vorort von Los Angeles gezogen ist und.
- 48:18Und dieser Vorort entwickelt sich in eine gated Community,
- 48:24obwohl sie es eigentlich gar nicht unbedingt wollten.
- 48:27Aber man muss sich ja schützen, so, und das andere Paar ist ein
- 48:32Paar, das aus Mexiko illegal eingewandert ist.
- 48:35Auch nicht das erste Mal eingewandert ist und das in
- 48:37einem Canyon nebenan wohnt und die Schicksale der beiden Paare
- 48:42beginnen sich zu. Zu treffen, miteinander zu
- 48:47vermengen, als der, der also Candido, der der mexikanische
- 48:54Mann aus diesem Canyon aufsteigt und auf die viel befahrene
- 48:59Straße geht beziehungsweise überqueren möchte und dabei von
- 49:02Delaney, von dem weißen Amerikaner angefahren wird und.
- 49:10Ja, im Grunde die. Lenny steigt aus, will glaub ich
- 49:14auch n Arzt rufen und der Mexikaner winkt ab, Candido
- 49:16winkt ab und der drückt ihm letztlich $20 in die Hand und
- 49:19verschwindet und weil er aber selber weil die Lenny von sich
- 49:22gar nicht dieses Bild hat, dass er.
- 49:24Dass er jemand ist, der so was einfach so machen würde,
- 49:27verstrickt er sich in seinem Kopf in so eine Geschichte rein,
- 49:32wo er immer mehr Ablehnung gegen eben diesen Mann, den er hier
- 49:36angefahren hat, aufbaut, weil der hat ihn jetzt aus dem
- 49:39Gleichgewicht gebracht, das empfinden wir ja auch manchmal
- 49:41in der Literatur, ich muss gerade an Tom Wulff denken und
- 49:45und es ist ein ganz, ganz grandioses Buch, das ist, das
- 49:49ist natürlich voll mit Handlung ohne Ende, also TC Boy packt er
- 49:53rein ohne Ende und. Und die die beiden Paare sind so
- 49:59so unterschiedlich in ihrer Lebensweise und dann aber in
- 50:02bestimmten Na will ich gar nicht sagen, ob die sich bestimmten
- 50:06paar Dynamiken ähneln, weil man es wirklich im Grunde nicht
- 50:10vergleichen kann. Also und Amerika ist eben also
- 50:12die junge mexikanische Frau, sehr, sehr jung, 17 oder 19, die
- 50:17aus ihrer Heimatstadt von Candido ihm weggeholt wurde, es
- 50:21ist seine zweite Frau, sein Erster hat ihn verlassen, er.
- 50:24Er war eben immer in den USA arbeiten, hat Geld nach Hause
- 50:26geschickt und war aber eben nicht da, wie 8090% der Männer
- 50:30in dieser mexikanischen Stadt. Und ja, er wollte halt, er
- 50:36wollte halt nicht alleine sein und und Amerika hat sich von ihm
- 50:43bezirzen lassen mit dem schönen Leben, dass er ihr in Amerika
- 50:47beschaffen wird. Mit dem Häuschen mit dem weißen
- 50:50Zaun und einem Auto und einem gefliesten Bad und einer Küche.
- 50:52Und all das, was sie aus irgendwelchen Serien kennt und
- 50:55was sie auch gerne gehabt hätte. Und ein anderer Ausblick auf ein
- 50:58Leben als die Dienstbotin ihres Vaters zu sein.
- 51:02Und ja, das hat sie, das hat sie verführt, die beiden sind
- 51:06illegal über die Grenze, das war schon sehr hart, sehr schwer,
- 51:10das wird zu den Rückblicken erzählt, aber.
- 51:14Dass es dann überhaupt nicht hinhaut und die beiden in einem
- 51:18in einem Canyon wohnen, draußen draußen wohnen und es dann immer
- 51:23noch schlimmer wird. Also es fängt schlimm an und es
- 51:26wird immer noch schlimmer, es ist so, es ist so barbarisch,
- 51:32was er den beiden antut, aber natürlich, man liest es und also
- 51:37spät in den Mitte der 90er glaube ich Anfang der 90er und.
- 51:42Und vermutlich ist es jetzt einfach nur noch schlimmer
- 51:45geworden. Das ist echt wirklich schwere
- 51:50Kost. Inwieweit ist jetzt die Frau von
- 51:54Delaney, also die die weiße Frau, sozusagen ausschlaggebend?
- 52:00Noch, oder? Ja.
- 52:01Ausschlaggebend noch also, die die Frau von Delaney.
- 52:06Sie ist Immobilienmaklerin, und sie ist so eine ganz.
- 52:13So also so eine 90er Jahre Powerfrau erfolgreich und isst
- 52:18das auch gern und so und und hat so ganz viele Affirmationen, die
- 52:23sie sich so sagt, um um gut durch ihren unfassbar langen
- 52:29Arbeitstag zu kommen, und die ist ein Treiber bei der
- 52:33Radikalisierung von von Delaney. Also die beiden sind eigentlich,
- 52:38also muss man so sagen, also die Leni ist eigentlich ein Typ, der
- 52:41sich auch für einen guten Menschen hält und also der ist
- 52:44umweltbewusst, der ist Sozialbewusst, der will
- 52:46eigentlich nicht diesen Zaun, dieses Tor, diese Mauer, das
- 52:49will er alles nicht haben, er lehnt es ab, er weiß, dass es
- 52:52soziale Ungerechtigkeiten gibt und findet es furchtbar und er?
- 53:01Er ist so ein bisschen wohlhabend, also er muss nicht
- 53:03arbeiten gehen. Er schreibt, er schreibt
- 53:05Naturartikel doch sehr, sehr interessant.
- 53:07Also ihm ist ihm ist Natur etwas unglaublich wichtiges, Heiliges
- 53:13beinahe und er ist er hat übernimmt viel Kehrarbeit für
- 53:19den Sohn seiner Frau und also. Für die 90er Jahre überhaupt
- 53:25kein Macho. Eigentlich eigentlich ein
- 53:29eigentlich ein ziemlich okayer guter Typ, der aber von von
- 53:33dieser Situation und von dem was dann was dann danach passiert,
- 53:37sich immer mehr radikalisiert. Sein ganzes Umfeld ist das schon
- 53:40an einem anderen Punkt, er lässt sich davon mitreißen und beim
- 53:43Lesen. Da möchte man einerseits oder
- 53:45mir ging es darum, möchte man ihn schütteln und sagen, Ey,
- 53:47komm nicht Lenny, bitte nicht, mach doch jetzt was anderes und
- 53:50auf der anderen Seite ist es vollkommen klar, dass er da
- 53:52nicht rauskommt, also das das es ist so dieser leichte Weg er
- 53:56kann, er kann da auch so, er kann da so unkompliziert da rein
- 54:00rutschen mit dem Hass mit mit all dem was sich was sich da so
- 54:05aufbaut und nichts davon ist irgendwie unrealistisch und
- 54:10also. Ich glaube, ich kenne nur Leute,
- 54:13die das Buch gelesen haben, die es lieben.
- 54:15Die würde ich sagen, das ist vielleicht der beste TC Boyle,
- 54:18ich habe gar nicht so viel von ihnen gelesen, aber den finde
- 54:20ich wirklich, der ist wirklich, wirklich großartig, ganz
- 54:23fantastisches Buch, auch wenn es wirklich hart ist.
- 54:27Ich. Meine der Boyle hat ja
- 54:29eigentlich auch immer so eine ganz eigene Form von Humor,
- 54:32findet die in diesem Buch statt, oder ist das doch sehr humorlos?
- 54:35Die findet schon statt und das ist so.
- 54:38Also bei Delaney ist mir das vor allen Dingen aufgefallen.
- 54:41Also da kann da kann ja ein Mensch noch so gut sein, wenn
- 54:44Beuel über ihn schreibt, wird er ja, wird er ja die Witzfigur
- 54:48sein, also selbst das ist schon, das ist schon hart und die
- 54:51einzige Figur, mit der das eigentlich nicht macht ist, ist
- 54:54Amerika, und da gäbe es auch im Grunde gar nichts, das, worüber
- 55:01man sich lustig machen könnte, so das.
- 55:04Da ist einfach nichts. Man wünscht diesen Mädchen
- 55:07eigentlich nur. Und die trifft ohne Schuld
- 55:10wahrscheinlich das Schicksal mit Holsterbucht ja, bei das ist ein
- 55:15Frühjahr, TC Boll noch. Ich meine 93 oder 94 ja so in
- 55:19dem Dreh. Ist auch schon wirklich ein paar
- 55:21Jahre her ist. Schon ein paar Jahre her und
- 55:24beim Lesen denkt man nicht unbedingt, dass der aus den
- 55:26Neunzigern ist. Der könnte genauso gut, der
- 55:29könnte genauso gut erst ein paar Jahre alt sein.
- 55:32Das. Das tut dem da keinen keinen
- 55:36Abbruch. Ich war eher erstaunt, dass ich
- 55:38dachte, so, Boah, wie hat der diese ganze Entwicklung, alles
- 55:41was kommt damals schon so sehen können.
- 55:43Es ist so spannend, bei Literatur, so oft, oder dass man
- 55:46denkt, wenn dann viele Leute sagen, das konnte man ja nicht
- 55:48ahnen, und man denkt, so komisch, es gab immer schon 20
- 55:51Jahre, Feuchtwanger ist ja auch so ein Autor, der einfach Sachen
- 55:54erahnt hat, das ist, das ist wirklich spannend und klingt
- 56:01ziemlich frustrierend. Ja, und trotzdem ist es ein
- 56:06Buch, das also, das ich auf jeden Fall sehr gerne gelesen
- 56:10habe. Das ist packend, das ist super
- 56:12gut geschrieben. Bei Beul sitze ich auch immer da
- 56:16und denke, wie machst denn du das gerade beim Schreiben, also
- 56:18was, was machst du denn hier gerade, damit das so gut.
- 56:21Funktioniert. Ich glaube, was natürlich immer
- 56:24hilft, ist sehr viel Handlung. Sehr viel Handlung hilft und es
- 56:29gibt sehr viel Handlung. Super toll das klingt.
- 56:33Tatsächlich gut und auch wieder meine Güte, sehr am Rand.
- 56:39Ich meine gut, das haben wir uns aber auch selber zuzuschreiben,
- 56:41wir haben uns ja das Thema ausgesucht, ich möchte jetzt,
- 56:45liebe Monique, einmal für etwas Comic Relieve vielleicht sorgen,
- 56:52denn das Buch was ich noch in der Tasche habe, ist eigentlich
- 56:58ein es ist die Lebensgeschichte eines Mannes, und es ist auch.
- 57:03Von Anfang bis Ende voller Schicksalsschläge es ist die
- 57:08Geschichte eines Mannes, der aus verschiedenen Gründen am Rande
- 57:11der Gesellschaft lebt, und es ist dennoch unfassbar lustig,
- 57:16und das muss man ja erst mal können.
- 57:18Und ich rede von dem Buch Cyril Avery, Vorname Nachname Cyril
- 57:25Avery von John Boyne. Das heißt, nur auf Deutsch so.
- 57:30Auf Englisch hat es einen richtigen Titel, aber ich weiß,
- 57:35verstehe jetzt wirklich nicht, warum sich da der Verlag
- 57:38entschieden hat, als die Titelfigur als namensgebenden
- 57:42Titel des Buches aufzunehmen, aber das tut der Freude des
- 57:45Buches wirklich gar keinen Abbruch.
- 57:48Für alle, die mit dem Namen John Boyne vielleicht nicht so
- 57:50richtig was anfangen können. Er ist weltberühmt geworden mit
- 57:54dem Jugendbuch der Jungen im Gestreiften Pyjama.
- 57:58Diese Auschwitz Geschichte und John Boyne ist einer der
- 58:02Autoren, die es schaffen, entweder brillant zu schreiben
- 58:06oder totalen Schrott, aber dazwischen gibt es eigentlich
- 58:10gar nichts, aber man muss es immer wieder neu probieren mit
- 58:13ihm und also ich hab auch schon einige Bücher von ihm gelesen,
- 58:15wo man mir denkt, Alter meine Güte, hast du das Geld so
- 58:18dringend nötig, es gibt dir doch mal n bisschen mehr Zeit oder
- 58:20so. Und aber immer wieder gibt es
- 58:22halt diese Schätze, unter anderem dieser Cyril Avery, eine
- 58:26sehr irische Geschichte. Und es geht also um das Leben
- 58:30besagten Cyrils. Das fängt schon unter einem
- 58:33wirklich schlechten Stern an. Seine Mutter kommt aus einem
- 58:37kleinen Dorf irgendwo in Irland, hochkatholisch wir sind in den
- 58:4140er Jahren und sie wird schwanger als 1617 jähriges
- 58:48Mädchen. Und wie wir alle wissen, die wir
- 58:51ja die katholische Erziehung kennen, ist nur ein Mensch daran
- 58:56schuld, wenn man schwanger wird, nämlich die schwanger werdende
- 58:59Frau. Da war ja gar kein Mann daran
- 59:01beteiligt, und wenn er daran beteiligt war, was kann er denn
- 59:03dafür? Also ne, also in diesem Falle
- 59:07ist es, wenn ich mich richtig erinnere, der örtliche Pfarrer
- 59:10natürlich und cyrills Mutter. Macht was wirklich sehr, sehr
- 59:18tolles, denn sie sagt also die Nummer gebe ich mir nicht, sie
- 59:23macht einen sehr harten Schnitt und eine sehr harte
- 59:25Entscheidung. Geht zur Geburt ihres Sohnes
- 59:29nach Dublin und gibt den Sohn sofort zur Adoption frei, weil
- 59:33sie auch weiß, der hat gar keine Chance, wenn er bei mir als
- 59:36alleinerziehende Mutter, ich habe keine Chance, er hat keine
- 59:39Chance, bringt uns beide nicht weiter.
- 59:41Und damit beginnt tatsächlich auch schon der komische Teil
- 59:45dieses Buches. Denn die Adoptiveltern, die
- 59:50erwischt, sind echt wild. Also es ist ein ein sehr, sehr
- 59:55reiches Ehepaar, Charles und Mord Avery, daher der Nachname,
- 1:00:01und die Gehen von Anfang an, also die können keine Kinder
- 1:00:05bekommen, brauchen aber natürlich ein Kind, weil das hat
- 1:00:07man ja. Sie haben wirklich überhaupt gar
- 1:00:09keine wirtschaftlichen Probleme und ansonsten auch relativ wenig
- 1:00:12Probleme. Und das erste, was sie nicht nur
- 1:00:15ihm, sich selbst, sondern auch allen Gästen, allen, die es auch
- 1:00:18nicht interessiert, klarmachen, dieser Junge, das ist ja gar
- 1:00:22kein echter Avery, ne, der ist ja adoptiert und ich finde, das
- 1:00:26ist schon mal n guter Anfang für das Selbstwertgefühl eines
- 1:00:29Kindes, wenn man das so direkt von Anfang an macht und.
- 1:00:34Es kommt natürlich also er ist Cyril, ist sozusagen schon qua
- 1:00:38Geburt und diese Adoptionsgeschichte wirklich am
- 1:00:41Rande der Gesellschaft, weil auch seine Adoptiveltern ihn das
- 1:00:43täglich spüren lassen. Und es passiert natürlich das,
- 1:00:46was nicht unbedingt passieren muss, aber was ihn noch weiter
- 1:00:49an den Rand schickt, insbesondere dann Ende der 50er
- 1:00:53Anfang der 60er Jahre. Cyril entdeckt irgendwann in der
- 1:00:56Schule. Dass er sich leider in seinen
- 1:01:00Mitschüler verknallt, und das ist natürlich insbesondere in
- 1:01:03Irland und insbesondere in dieser Zeit keine so lustige
- 1:01:07Idee. Und so geht sein Leben also
- 1:01:10weiter, gesellschaftlich geächtet von seiner Familie an
- 1:01:13den Rand gestoßen, aber er geht seinen Weg sehr selbstbestimmt,
- 1:01:18er geht aus Irland weg, er geht in die USA, er startet ne
- 1:01:20Karriere. Dann haut ihm natürlich die
- 1:01:24Weltgeschichte noch Aids um die Ohren.
- 1:01:25Also der hat wirklich seinen fairen Anteil an Ärger und die
- 1:01:31große Stärke an diesem Buch von John Boyne liegt einerseits an
- 1:01:36der Figur der leiblichen Mutter, die also immer wieder es
- 1:01:41schafft, sich doch teilweise an seinem Leben zu beteiligen, mit
- 1:01:45sehr viel Liebe, mit sehr viel Hilfe auch, und andererseits,
- 1:01:49und das ist der Erzählstil und die Sprache und.
- 1:01:52John Boyne und es kommt nicht von ungefähr, dass John Boyne
- 1:01:55dieses Buch John Irving gewidmet hat, und es liest sich wie ein
- 1:02:02fantastischer früher John Irving es ist.
- 1:02:06Fantasievoll bis zum Gehtnichtmehr, da passieren
- 1:02:09Sachen, wo man denkt, so Hui, wo, wovon kommt denn das
- 1:02:12plötzlich her? Großartige Zufälle, die
- 1:02:14Geschehen mit einer Erzähl und fabulierlust wird also dieses
- 1:02:18eigentlich wirklich deprimierende Leben ziril
- 1:02:20Averies auseinandergenommen? Und das ist das, was das ganze
- 1:02:24Buch natürlich so viel Freude bringen lässt.
- 1:02:26Es ist lustig, es ist liebevoll. Er hat genau das Menschenbild,
- 1:02:31was Irving auch seinen Protagonisten oder seinen
- 1:02:34Charakteren entgegenbringt, also mit wirklich unbedingter Liebe
- 1:02:38auch Fehltritte, also auch böse Sachen, werden irgendwie nicht
- 1:02:43entschuldigt, aber sie werden erklärt und man kann sie
- 1:02:46nachvollziehen. Und das macht es wirklich zu
- 1:02:49einer großen Freude und ich bin ihm auch dankbar, dass er
- 1:02:52wirklich so offen klar sagt, Das widme ich gleich John Irving,
- 1:02:55denn eigentlich hat er an John Irving geschrieben und das
- 1:02:58könnte man natürlich jetzt so n bisschen als Kopiererei, aber
- 1:03:02ganz ehrlich, schaffe es mal Irving zu kopieren, also selbst
- 1:03:05der alte Irving schafft es ja noch nicht mal mehr den jungen
- 1:03:07Irving zu kopieren und darum also wirklich für Menschen, die
- 1:03:11Spaß haben an genau dieser Form von Literatur, die also.
- 1:03:15Liebevoll und lustig und trotzdem dramatisch ist mit
- 1:03:19leichter Hand erzählt, ein fantastisches Buch, sowohl im
- 1:03:24Original als auch in der deutschen Übersetzung.
- 1:03:29Schön, dass du aus diesem ja nicht immer ganz leichten Thema
- 1:03:32dann so, so fröhlich rausgehen. Das stimmt.
- 1:03:35Ja, ich will noch nicht ganz rausgehen.
- 1:03:38Noch nicht ganz raus, weil ich hab noch einen vierten, aber den
- 1:03:41nur kurz, weil ich dachte Monique.
- 1:03:43Wir haben uns natürlich bei unseren Büchern sehr auf
- 1:03:46gesellschaftliches, am Rand oder wirtschaftlich soziales am Rand,
- 1:03:50aber wie wir ja beide unsere ganze Erfahrung beim Bergwandern
- 1:03:53auch hatten, es gibt ja auch noch das wirkliche Physische am
- 1:03:57Rand, und darum möchte ich dir noch nur ganz kurz ein Buch nah
- 1:04:01bringen. Vielleicht hast du es auch schon
- 1:04:02gelesen, es war n ziemlicher Weltbestseller.
- 1:04:05Von einer Franco kanadischen Autorin namens Joseline Socier
- 1:04:08Ich finde die Nachnamen schon so gut.
- 1:04:11Das Buch heißt ein Leben mehr sagt dir das, was hast du davon
- 1:04:15mal gehört, ich. Glaube ich habe es gehört, aber
- 1:04:17ich habe es, ich glaube nicht gelesen.
- 1:04:20Denn das ist eine wirklich heitere, wunderbare Geschichte.
- 1:04:24Es geht um 3 alte Männer, die sich freiwillig zurückgezogen
- 1:04:28haben, die sich wirklich von der Gesellschaft entfernt haben,
- 1:04:30alle 3 aus verschiedenen Gründen, aber die Leben
- 1:04:33zusammen. Irgendwo mit nem Nichts in in
- 1:04:38den Wäldern von Quebec. Ich glaube es ist Quebec,
- 1:04:41irgendwo Kanada auf jeden Fall und das ist also wenn wirklich
- 1:04:45jemand am Rand lebt, also wirklich richtig physisch, dann
- 1:04:48sind die das, da ist nichts mehr, da sind sie, und dann ist
- 1:04:51da die Wildnis und die Leben da eigentlich sehr fröhlich
- 1:04:55zusammen, sind sich irgendwie einig, haben nen guten Deal mit
- 1:04:58dem Typen, den das Land gehört. Denn der baut gerne heimlich
- 1:05:01Gras an dem großen Stile. Und der braucht jemanden, der
- 1:05:04darauf aufpasst. Also können die da leben, passen
- 1:05:06auf sein Gras drauf. Also alles läuft super, bis 2
- 1:05:11Frauen in das Leben dieser Altherren WG stoßen und die eine
- 1:05:16Frau ist Marie Denaes, das ist eine auch sehr alte Dame, die
- 1:05:22ist aus einem Pflegeheim ausgebüxt, auf den sie gar, also
- 1:05:25so furchtbar da und sie so, das mach ich nicht weiter mit.
- 1:05:28Und dieser also wenn wenn ich schon alt werde, dann kann ich
- 1:05:31das auch selbstbestimmt machen und die landet auf
- 1:05:33verschlungenen Pfaden plötzlich bei diesen 3.
- 1:05:36Herren und es entwickelt sich da auch tatsächlich ne sehr, sehr
- 1:05:39schöne Liebesgeschichte zwischen einem dieser 3.
- 1:05:42Herren und ihr und das zweite ist eine weitaus jüngere Frau,
- 1:05:47die forscht. Zu den großen Feuern, die in 50
- 1:05:54Jahre vorher Kanada erfasst haben, das also wirklich,
- 1:05:59wirklich sehr eindrucksvoll, werden auch diese Feuer, also wo
- 1:06:03wirklich die die Vögel brennend vom Himmel regnen, so heißt auch
- 1:06:12das französische Originaltitel, heißt meines Erachtens.
- 1:06:16Es regnet Vögel oder es regnet vom Himmel.
- 1:06:18Also es ist sehr, sehr eindrücklich gemacht, und sie
- 1:06:20ist Journalistin und sie möchte halt diese Geschichte
- 1:06:24nachforschen und sucht nach Überlebenden dieser großen
- 1:06:27Feuer. Von denen gibt es nicht so viele
- 1:06:29und sie landet über Tipps und so weiter halt auch bei diesen 3.
- 1:06:32Herren, denn es stellt sich heraus, dass einer dieser 3
- 1:06:35alten Männer tatsächlich einer dieser Überlebenden ist und so
- 1:06:40bekommen wir natürlich auch noch mal sehr viel Handlung.
- 1:06:43In dieses Buch hinein. Es geht natürlich auch in die
- 1:06:45Vergangenheit, also diese Feuer werden beschrieben und das ganze
- 1:06:49Joseline socier hat also das auch jetzt nicht so John Irving
- 1:06:53mäßig, aber sie hat einen sehr heiteren Tonfall, sie ist sehr
- 1:06:57zugewandt und sehr positiv und erzählt diese Geschichte von
- 1:07:02wirklich 5 äußerst skurrilen Menschen, die da aufeinander
- 1:07:06stoßen, die sich aber alle. Unbedingt positiv, einfach nicht
- 1:07:11sehen, aber zumindest in einer Grundstimmung sagen och meine
- 1:07:14Güte, ich bin seltsam, dass die anderen doch auch seltsam sein
- 1:07:17und so entsteht eine wirklich, wirklich heiter melancholische
- 1:07:22Geschichte, denn natürlich findet auch Tod in diesem Buch
- 1:07:24statt. Es sind wirklich sehr, sehr alte
- 1:07:26Menschen, die bis auf diese Journalistin dieses Buch
- 1:07:29bevölkern. Aber es ist so gelassen und so
- 1:07:32wunderschön. Und die Autorin selber übrigens
- 1:07:36lebt tatsächlich auch sehr am Rand, denn die lebt mit einem
- 1:07:39nichts. Ich glaube, in einem Kaff mit 10
- 1:07:41Einwohnern, auch irgendwo im französischsprachigen Kanada, in
- 1:07:44den Wäldern, und wir hatten ja bei unserem Thema Weihnachten
- 1:07:50und Winter, hatte ich ja schon mal diese beiden Schneebücher
- 1:07:53und bei dem Lebensort von Joseline, Socier und auch dem
- 1:07:57Lebensort ihrer Helden denke ich immer nur.
- 1:07:59Aber was, wenn es schneit? Aber das wollte ich doch noch
- 1:08:07nach nicht nachtragen, aber vielleicht noch als letzten,
- 1:08:12auch sehr schönen heiteren Ausblick von Menschen, die am
- 1:08:16Rand leben, also auch gesellschaftlich aber nicht.
- 1:08:19Ungewollt nicht weggedrückt, sondern selbstbestimmt.
- 1:08:23Das ist ja auch schön. Leute, die einfach sagen, wir
- 1:08:25haben genug von der Gesellschaft und das aber sogar noch so weit
- 1:08:28treiben, dass sie auch physisch wirklich am Rande der Welt
- 1:08:32leben. Und uns diesen schönen 1 der
- 1:08:35schönsten Lebensmotti überhaupt jetzt quasi gerade mitgebracht
- 1:08:39haben. Ich bin seltsam.
- 1:08:41Dann sei du es doch ruhig. Auch genau, genau.
- 1:08:47Jetzt bin auch ich mit meinen Büchern durch.
- 1:08:49Ja, aber der Podcast ist ja erst vorbei, wenn es noch ein Buch
- 1:08:55fürs Bett gab. Und ich muss zugeben, Monique,
- 1:08:58nach meinem letzten Versprecher Fiasko mit dem Buch fürs Bett.
- 1:09:04Habe ich mich einfach jetzt mal gar nicht drum gekümmert.
- 1:09:06Das ist wahrscheinlich gut. Gut, dass sich jemand anderes
- 1:09:10drum gekümmert hat, und zwar in dem Fall unsere Hörerin Cornelia
- 1:09:13Unsere. Also wir haben schon, wir haben
- 1:09:15schon mal ein Buchtipp, ein Buch fürs Bett von Cornelia gehabt,
- 1:09:18haben jetzt noch einen und. Ich habe die große Freude, ihnen
- 1:09:22vorlesen zu dürfen. Das passt thematisch ganz, ganz
- 1:09:25hervorragend. Es geht nämlich um das Buch von
- 1:09:27Katja Oskamp, Marzahn, Mon Amour und Cornelia, schreibt Autorin
- 1:09:32Katja Oskamp, die nach persönlichen und beruflichen
- 1:09:35Enttäuschungen eine Ausbildung zur Fußpflegerin macht und in
- 1:09:38Berlin Marzahn arbeitet, erzählt die Geschichte der unsichtbaren
- 1:09:42Menschen aus Marzahn. Die Geschichten sind sowohl
- 1:09:45witzig als auch traurig, einfühlsam und niemals
- 1:09:48herablassend. Das ist so präzise toll.
- 1:09:53Vielen dank Cornelia, Das ist ein wirklich wunderschönes Buch,
- 1:09:56ist ein bisschen schade, dass wir es jetzt nicht mehr, ach,
- 1:09:58wir können ja trotzdem alles noch mal verheizen, ein tolles
- 1:10:01Buch von einer tollen Autorin, vielen Dank für diesen Tipp.
- 1:10:04Und vielen dank dir, Kurt. Für diese angenehmen, 20 Minuten
- 1:10:09plaudern über schöne Bücher. Kann das wirklich schon 20
- 1:10:12Minuten? Ich kann es kaum glauben, ich
- 1:10:16habe es auch sehr genossen, ich genau, wir danken natürlich auch
- 1:10:20allen Zuhörern und Zuhörerinnen, die es bis zum bitteren Ende an
- 1:10:25den Rande dieser Podcast Folge mit uns geschafft haben und
- 1:10:30freuen uns auf euch in 2 Wochen. Bis dann immer.
- 1:10:36Im Bett mit Buch ist eine Produktion von irgendwas ist
- 1:10:39immer Konzept und Produktion. Götz Gringmuth Daimer Redaktion
- 1:10:44und Host Moni, Lukas und Kurt von Hammerstein.