Latest / Die Abschweifung / Die Abschweifung 47 Die Unerträglichkeit des leichten Seins
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- 0:14Hallo und willkommen zu einer neuen
- 0:18Ausgabe der Abschweifung, da wo ich
- 0:22gelegentlich vom Thema abschweife. Ich bin
- 0:22Sascha Markmann und sag, hallo. Heute geht es um, ja um was geht es denn heute? Die
- 0:33Unerträglichkeit des leichten Seins. Ich weiß nicht, ob ihr das Buch oder den
- 0:41Film gesehen habt oder gelesen habt. Ich glaube, das Buch wurde 84 veröffentlicht
- 0:50und 88 gab es den Film… keine Ahnung, ich weiß es nicht. Es geht halt um den tschechischen
- 1:01Schriftsteller und wie das Leben so… ich glaube, während des Zweiten Weltkrieges war in Prag…
- 1:16Vaspra? Keine Ahnung. Ist schon so lange her. Aber worauf ich eigentlich hinaus will, ist jetzt nicht
- 1:28unbedingt das Buch oder den Film, sondern halt den Zustand, dass ein unbeschwertes, beschwingtes,
- 1:40leichtes Leben schon sehr unerträglich sein kann. Um das mal zu veranschaulichen, ich hatte mal eine
- 1:50Zeit lang in einer Bibliothek gearbeitet und habe dort halt Bücher und andere Medien ausgegeben und
- 2:02wiederbekommen und muss sagen, in diesem Zeitraum habe ich sehr viel Langeweile gehabt,
- 2:09weil das war eine betriebsinterne Bibliothek und die Jungs von der IT hatten da halt nicht so viel
- 2:19zu tun, also hat man das dann dort mitgemacht und es war halt sehr langweilig. Wie gesagt,
- 2:29Die IT hatte auch nicht so viel zu tun und so habe ich dann halt sehr viel da rum gesessen,
- 2:35habe dann aus lauter Langeweile Bücher gelesen oder auch im Internet gesurft,
- 2:41in Foren abgehangen und das Ganze war so um 2006. Es ist schon ein bisschen was her,
- 2:52Ich weiß. Und deswegen kenne ich halt diesen Zustand des leichten Seins. Es ist schön,
- 3:01wenn man halt mit nichts zu tun sein Geld verdienen kann. Mein Problem war gewesen,
- 3:07ich bin in dem Zeitraum so depressiv geworden, dass ich quasi nur noch zur Arbeit gegangen bin,
- 3:13mich gelangweilt habe, nach Hause gekommen bin, was gegessen habe und ins Bett gegangen bin.
- 3:19Konsequenz war auch gewesen, dass halt daraufhin auch die Beziehung kaputt gegangen ist und ich
- 3:27irgendwann mal eine Einweisung für die Psychiatrie in der Hand hielt, da ich so depressiv bin,
- 3:37dass es nicht mehr gut für mich war. Ich habe dann auch die Stelle gewechselt und habe dann halt
- 3:45etwas Fordernderes mir gesucht bzw. habe dann auch komplett den Job gewechselt. Ich bin dann halt in
- 3:54die Altenpflege gegangen, habe da eine Ausbildung gemacht und habe das IT-lasein lassen. Ja,
- 4:04wie man sehen kann, sind dann halt solche Sachen schwerwiegend. Warum ich gerade dieses Thema
- 4:12ansprechen möchte, ist, wir leben ja gerade in einer Zeit, die… Nehmen wir es mal mit den Worten
- 4:21von einem Nachbarn von mir, der den Zweiten Weltkrieg mitgeerlebt hatte. Das war eine
- 4:28spannende Zeit, also Langeweile hatten wir nicht. Und wenn ich jetzt so durch die Medien flippe und
- 4:38gucke und mir anschaue, was zurzeit so auf der Welt passiert oder auch in unserem Land oder
- 4:48auch in Europa, dann muss ich sagen, finde ich die Veränderungen sehr beängstigend. Ich habe
- 4:59es schon mal angesprochen gehabt. Ich habe den Fall des Eisernen Vorhangs mitbekommen,
- 5:05die Beendigung des Kalten Krieges und danach war halt eine Stimmung in der Bevölkerung oder auch
- 5:13so quasi in den Teilen der Welt, mit denen ich Kontakt hatte, ja, wir sind jetzt auf dem richtigen
- 5:20Weg, das entwickelt sich jetzt alles positiv. Die Atomwaffen, die Arsenale wurden abgebaut,
- 5:26Andere Sachen wurden verbessert, dann kam, dass man in Europa halt ohne Passpapiere rumfahren konnte,
- 5:42also zumindestens alle, die im Schengen-Raum waren, weil das kannte ich ja auch noch,
- 5:47dass man halt ständig seine Perso vorzeigen musste oder seinen Reisepass sogar. Und ich
- 5:54fand das richtig gut. Und jetzt erlebe ich halt, wie die Grenzen wieder zugemacht werden müssen,
- 6:00weil wir zu viele illegale Einwanderungen haben. Also als erstes, legale Einwanderung bedeutet,
- 6:09dass man vorher, bevor man die Reise antritt, diese ganzen Sachen geklärt hat. Wenn man die
- 6:15Sachen erst klärt, wenn man in dem Land ist, dann hat man eine illegale Immigration begangen. Was
- 6:21glaube ich zum größten Teil auf Flüchtlinge, die aus Krisengebieten oder meinetwegen auch
- 6:29aus wirtschaftlichen Gründen das Land verlassen haben und in ein anderes Land ankommen.
- 6:34Übrigens, diese große Rede davon, wir müssen illegale Einwanderer abschieben,
- 6:42Das sind glaube ich 0,25 Prozent. Das sind so knapp 22.000 Leute, die halt abschiebungsfähig wären.
- 6:56Also nicht, weil die Leute zu krank sind oder weil sie halt ein Bleiberecht haben oder eine Duldung.
- 7:02Das sind die Leute, die wirklich halt gehen könnten.
- 7:05Ja, das ist wie mit der Diskussion beim Arbeitslosengeld II oder halt Bürgergeld jetzt,
- 7:14weil 16.000 Menschen sich total verweigern, sind ja alle Arbeitslosengeld II Empfänger oder Hartz IV
- 7:26oder Bürgergeldempfänger. Ein faules Pack, was im Zuhause bleibt. Ich meine davon, dass ein Großteil
- 7:33davon halt Kinder, Jugendliche, die in der Schule und Ausbildung sitzen, Angehörige pflegen oder
- 7:42Aufstocker sind. Darüber denkt keiner nach. Es wird halt nur von diesen über fünf Millionen Menschen
- 7:49nur sich reduziert auf 16.000 und genauso ist es halt bei den 22.000 mit den Flüchtlingen. Klar,
- 7:57verursacht das alles Probleme, die gelöst werden müssen. Und auch in meiner Lebensrealität spielen
- 8:07sich halt Probleme dar, dass die Mieten steigern, weil der Wohnungsmarkt eine Katastrophe ist. Aber
- 8:13warum ist der Wohnungsmarkt eine Katastrophe? Weil seit den 80ern, wo viele Versäumnisse
- 8:23stattgefunden haben, wo man viel Geld gespart hat für die Infrastruktur, sprich Brückenausbau,
- 8:31Erneuerung und so weiter, auch den sozialen Wohnungsbau total zurückgefahren hat. Es ist
- 8:41ja auch so gewesen, dass man die Kommunen ermutigt hat, halt kommunale Einrichtungen
- 8:46zu verkaufen, um halt das Stadtkessel wieder voll zu machen. Es ist schon echt bedrückend,
- 8:54dass das einen alles so schnell nachholt. Es ist auch immer wieder so erstaunlich,
- 8:59dass Politiker oder auch Verantwortliche den Zusammenhang zwischen einer gestiegenen
- 9:04Geburtenrate und dem Bedarf nach Kindergartenplätzen oder Krippenplätzen und wieder ein paar Jahre
- 9:12später den Bedarf nach Schulplätzen nicht realisieren. Ich meine, jeder der in der Schule
- 9:21aufgepasst hat, weiß, dass nach der Zeugung, so neun Monate später Kinder auf die Welt kommen,
- 9:29dass diese nach einer gewissen Zeit zum größten Teil in den Kindergarten oder Krippe gehen. Nach
- 9:36einer gewissen Zeit, diese in die Grundschule und danach an den weiterführenden Schulen gehen,
- 9:41beziehungsweise halt hier Haupt-, Real- und Gymnasium oder halt Gesamt- und dann halt
- 9:49weiter an Berufskolleg oder Studium oder Berufsausbildung. Ich verstehe einfach nicht,
- 9:57dass man nicht in der Lage ist, diese Zusammenhänge zu machen. Die einzigste logische Erklärung für
- 10:01mich ist, man denkt in Legislaturperioden, so in vier bis fünf Jahren Rhythme, weil wenn ich da
- 10:09nicht mehr da bin, dann kann sich jemand anderes darum kümmern. Das ist nicht mehr mein Problem.
- 10:13Ja, und ich finde es erschreckend, wie beschissen eigentlich die Situation ist. Guckt man auf dem
- 10:25Papier, so Statistiken, dann hat sich vieles gar nicht so verschlechtert. Schaut man sich das,
- 10:34was die Leute fühlen an, dann ist das abstrakt stark, diese Veränderung. Ich bin jetzt jemand,
- 10:43der nicht viel Geld hat. Ich bekomme eine Erwerbsminderungsrente, die ist unter dem
- 10:50Level von Bürgergeld. Vorher war die so ein bisschen drüber. Ich komme damit zurecht,
- 10:59Aber ich weiß halt, wie hart das Leben ist und ich kaufe mir jetzt nicht jede Woche ein neues Handy,
- 11:05Entschuldigung, ein neues Smartphone oder einen neuen Computer oder einen neuen Fernseher,
- 11:10weil diese Sachen sind gleich geblieben oder auch billiger. Nein, ich kaufe Lebensmittel,
- 11:16Mittel für den täglichen Bedarf, sprich Leidung. Zwar nicht so oft, aber das brauche ich hin und
- 11:23wieder. Ich kaufe Sachen zum Essen und da rede ich jetzt nicht davon, dass ich mir meine Trüffelspaghetti
- 11:31mache, sondern halt stinknormale Sachen. Wenig Fleisch, viel Gemüse und ja, ich gehe stellenweise
- 11:42beziehungsweise jemand geht für mich zur Tafel und bringt dort halt Sachen mit, weil gerade Lebensmittel
- 11:50sehr teuer geworden sind. Und das muss man sich mal realisieren. Ich habe die ganzen Jahre gut
- 11:57in das Rentensystem eingezahlt. Es gab ja auch Jahre, wo ich wirklich sehr viel verdient habe.
- 12:02Wenn ich überlege, was ich im IT-Bereich verdient habe oder auch später in der Pflege,
- 12:08plus meine Aktivitäten im Rettungsdienst, die ja auch vergütet wurden, da blieb viel Geld über.
- 12:15Und vor allen Dingen, ich war ja auch nicht viel zu Hause. Ich habe ja auch nicht viel zu Hause
- 12:20gemacht, weil ich eigentlich nur unterwegs war. Das muss man sich mal realisieren, das muss man
- 12:26sich vorstellen. Und ich kann verstehen, wenn andere Menschen das so ähnlich erleben, dass diese
- 12:33Menschen frustriert sind, weil sie können sich abbuckeln und abrackern, haben kaum mehr als
- 12:41Bürgergeld und haben die gleichen Probleme wie ich. Ich kann keinen bezahlbaren Wohnraum finden,
- 12:49ich würde gerne mit meiner Lebensgefährtin schräger verlobt zusammenziehen, ich würde
- 12:56gerne mehr Platz haben, dass ich auch ein Arbeitszimmer habe oder so oder die Möglichkeit
- 13:03habe, das nicht aus meinem Schlafzimmer machen zu müssen, damit meine Lebensgefährtin dann auch
- 13:08mal im Wohnzimmer sitzt, wenn sie hier ist. Ich würde gerne auch mal reisen und wenn das wirklich
- 13:17nur mal 50 Kilometer an irgendeinem See sind, das kann ich auch nicht, weil ich kann mir weder die
- 13:24Anreise noch eine Unterkunft leisten. Und wenn das andere Menschen machen, die dann hart arbeiten,
- 13:32ich kann es verstehen. Ich kann auch verstehen, dass man mit dem Gefühl, dass wir nur noch hier
- 13:39überall Ausländer rumrennen haben, dass wir überrannt werden, kann ich ja auch noch irgendwo
- 13:44verstehen. Aber es ist ja nicht so. Es ist ja nur gefühlt so. Andere Sachen sind ja realistischer
- 13:54und sind wirklich da. Deswegen, das ist wirklich eine schwierige Zeit und Peter sagte ja damals zu mir,
- 14:07Langeweile hatten wir nicht. Es war eine spannende Zeit. Ich sehe es ja auch so. Ich meine,
- 14:13ich könnte stundenlang mit Leuten darüber diskutieren. Ich bin eher links orientiert
- 14:21Und ich habe in meinem Bekanntenkreis auch Leute, die sagen, sie sind auch links,
- 14:28aber sie sehen irgendwie überall nur Linksextremisten. Ich frage mich,
- 14:33wenn man nur überall Linksextremisten sieht, ist man dann selber nicht schon etwas mehr rechts?
- 14:38weil ich in meiner Bubble, die sehr links ist, überwiegend links ist, erlebe es eher so,
- 14:50dass es nicht alle Menschen so sind, sondern dass ein Großteil der Leute mehr mittig sind
- 14:59oder vielleicht ein bisschen links oder ein bisschen rechts, aber eher so in den mittleren
- 15:04Bereich. Und da hat man halt verschiedenste Meinungen. Wenn ich mir dann jetzt anschaue,
- 15:12was da aktuell im Bundestag passiert ist, wie Friedrich Merz da seinen Antrag stellte mit den
- 15:20fünf Punkten und dann mithilfe der AfD das geschafft hat und was da für ein Aufschrei
- 15:28durch die Gesellschaft ging und bei mir TikTok und noch andere soziale Netzwerke auf einmal
- 15:34explodiert sind mit Empörungen, ich die Bilder sehe, wie viele Leute jetzt wieder auf die Straße
- 15:40gehen und wieder gegen rechts demonstrieren, dann ist das ja so, so viele Leute können doch gar nicht
- 15:50rechts unterstützen. Weil wenn ich TikTok anmache, habe ich halt extrem viel blaue Herzen. Die Leute
- 16:00sind blaue Herzen am schreiben, wie sonst was. Also für Leute, die nicht wissen, was das heißt. Blaue
- 16:05Herzen machen halt AfD-Unterstützer als Kommentar unter Videos, die sie entweder ganz gut finden oder
- 16:13wenn sie ihre Meinung zu Videos geben, wo sie eine andere Meinung vertreten, um halt sich zu outen,
- 16:23dass sie halt AfD-Unterstützer sind. Dann hat man schon irgendwie das Gefühl, dass sehr viele Leute
- 16:33das wählen würden. Aber auf der anderen Seite, wenn ich mir anschaue, wie viele Leute auf die Straße
- 16:40gehen und dagegen demonstrieren, ja, dann tun sich halt immer so unterschiedliche Seiten in mir auf,
- 16:49weil ist unsere Gesellschaft schon so gespalten? Ich meine, mir ist vor ein paar Tagen auch
- 16:56vorgeworfen, ich würde die Gesellschaft spalten, weil ich ein Lied gemacht habe,
- 17:01dass das eine schlechte Idee ist, wenn man die AfD wählt, weil sie stehen dafür, dafür, dafür,
- 17:10dafür. Und ich meine, ich habe null Reichweite. Das bisschen, was ich an Leuten erreiche,
- 17:19das ist ja nichts im Vergleich zu irgendwelchen mittelgroßen Influencern oder großen,
- 17:28sondern auf YouTube habe ich irgendwas so um die 500 oder 600, auf Instagram weiß Gott warum 8000,
- 17:42aber das werden immer weniger. Auf TikTok sind das irgendwie 2000 noch was und die Reichweiten,
- 17:53die diese Beiträge erzielen, sind im unteren dreistelligen Bereich. Also das ist echt nichts.
- 18:03Also wenn bei mir ein Video 100 Aufrufe hat, dann ist das viel. Bemerkenswert ist,
- 18:13wenn da mal 200 Aufrufe sind, dann ist das bemerkenswert. Bei YouTube schaut das dramatischer
- 18:22aus, weil 50 sind schon gut, unter 100 ist geil und darüber braucht man gar nicht so reden,
- 18:32weil das erreiche ich nie. Und selbst mit Short-Videos habe ich null Reichweite. Und Podcasts,
- 18:45ich habe keine Ahnung, ist es halt auch nicht viel besser. Also zumindest das,
- 18:53was halt unter Lautfunk produziert wird. Deswegen verstehe ich das Argument oder den Vorwurf nicht,
- 19:01ich würde die Gesellschaft spalten, weil null Reichweite, das kriegt doch keiner mit,
- 19:06wenn ich da was sage oder mache. Ja, das sind so Gedanken, mit denen ich mich zurzeit herumtrage
- 19:15und fernab von denen sind, was ein unbeschwertes und leichtes Leben ist. Manchmal wünsche ich mir
- 19:27diese kindliche Leichtigkeit zurück. Dieses, was man als Kind hatte, also nicht bevor man
- 19:37Jugendlicher wurde, wo es auch schon einen Weltschmerz gibt oder Sachen, die man als
- 19:45Weltschmerz versteht und dann überdramatisiert, sondern Kindergarten- und Grundschulkind,
- 19:51wo das schlimmste Hausaufgaben sind oder dass es zum Essen keinen Abtisch gibt oder man um
- 20:005 Uhr abgeholt wird, wenn man bei den Großeltern ist und nicht erst um 7 Uhr. Ja, manchmal wünsche
- 20:08ich mir diese Einfachkeit, dieses einfache Leben, diese kleinen Sorgen zurück, die im Verhältnis
- 20:17zu denen, die lächerlich sind. Wenn ich am Monatsende auf mein Konto gucke,
- 20:23ja da wird mir immer ganz rührselig zumute. Und wenn ich dann immer eine Mitteilung bekomme,
- 20:33das wird teurer, jenes wird teurer und ja dann habe ich auch immer das Gefühl,
- 20:42dass irgendwas in diesem Land schief läuft. Weil wir hatten ja vorhin schon mal die Diskussion gehabt
- 20:51oder das Thema, dass das Arbeitslosengeld 2, sprich Hartz 4 Bürgergeld zu hoch ist. Na ja,
- 21:04Argumentieren wir das mal anders. Das ist das, was verschiedene Stellen in unserer Regierung
- 21:14als das Minimum ansehen. Und selbst das ist ja noch geschönt, also nach unten korrigiert. Weil,
- 21:22seien wir mal ehrlich, verschiedene Institutionen, die sich für Schwerbehinderte einsetzen oder auch
- 21:33gegen Armutsbekämpfung sagen, dass es halt um 100, 150, manche sogar 200 Euro erhöht
- 21:43werden müsste. Aber dann sind wir an dem Punkt, dass halt der Abstand zum Lohn immer geringer
- 21:48wird. Und dann ist die Frage, wenn das Existenzminimum das Minimale ist, um halt halbwegs
- 21:59an einem Leben zu sein und an der Gesellschaft teilzunehmen ein bisschen weniger ist, wie das,
- 22:07was Leute bekommen, die den ganzen Tag arbeiten, dann sind die Löhne zu niedrig. Und anstatt dass
- 22:14die Menschen hingehen und sagen "Ey, die Löhne sind zu niedrig", nein, das Bürgergeld ist zu
- 22:21hoch. Das lohnt sich nicht, arbeiten zu gehen. Schwieriges Thema. Ich stoße dann auch, wenn ich
- 22:30versuche, da aufzuklären und zu argumentieren, immer wieder an Grenzen, wo ich auch mittlerweile
- 22:38in dem Punkt bin, dass ich da keine Lust mehr drauf habe, weil die meisten Menschen einfach
- 22:46nicht das Verstehen oder auch an sich heranlassen. Ich weiß nicht, wieso das so ist oder woher das
- 22:58kommt. Das ist auch nicht unbedingt erkennbar mit den verschiedenen Bubbles, Blasen, in denen man
- 23:09sich befindet zu tun hat. Ich sehe das halt nur bei vielen Leuten, die ich kenne, das ist auch
- 23:17eine Familie, die halt ein geringeres Einkommen haben, das dann schnell halt auf die Leistungsbezieher
- 23:25eingeprügelt wird, verbal. Und das ist auch selbst bei mir so. Wie gesagt, ich bekomme jetzt EM-Rente
- 23:36und das ist nicht von ungefähr, Erwerbsminderungsrente zu bekommen, ist nicht einfach. Da muss man schon
- 23:43ziemlich körperlich oder auch geistig kaputt sein, um das zugesprochen zu bekommen. Das sind ziemlich
- 23:53große Hürden da und die meisten Menschen kämpfen sieben bis neun Jahre dafür, dass wenn sie dauerhaft
- 24:03nicht erwerbsfähig sind, das auch unbefristet zu bekommen. Ansonsten wird das immer jahresweise
- 24:11oder für zwei Jahre, maximal für 2,5 Jahre gewährt. Ja, das ist diese tiefe Unzufriedenheit,
- 24:26die wir jetzt in der Gesellschaft haben, und es werden halt Gruppen dafür verantwortlich gemacht,
- 24:32die gar nicht dafür verantwortlich gemacht werden sollen. Armut ist der größte Faktor,
- 24:39der Menschen dazu bringt, Verbrechen zu begehen. Wenn man sich Statistiken anschaut,
- 24:47und da gibt es verschiedene Quellen, die dann auch auswerten, halt Menschen mit geringen Einkommen,
- 24:56Menschen mit Immigrationshintergrund und die Kriminalstatistik, dann wird man sehen,
- 25:03dass einfach die Karten von Gesamtdeutschland mit den unterschiedlichen Bezirken, wo halt
- 25:10diese Daten erfasst werden, nicht deckungsgleich ist mit den Bereichen, die besonders hohen
- 25:17Immigrationshintergrund haben, also Menschen mit Immigrationshintergrund. Nee, das ist bei
- 25:24dem Karten, wo Menschen, die halt stark von Armut gefährdet sind oder in Armut leben. Armut ist
- 25:34tatsächlich die größte Quelle von Kriminalität und das sieht man einfach überall auf der Welt.
- 25:43Das ist nicht nur in Europa oder Deutschland so, das ist weltweit. Arme Menschen sind einfach eher
- 25:50bereit bin, Straftaten zu begehen. Woran liegt das denn? Wenn ich in einem gut behüteten und
- 25:57situierten Zuhause komme, dann habe ich viel zu verlieren, wenn ich ins Gefängnis muss. Aber wenn
- 26:02ich jeden Tag darum kämpfe, ums Überleben, sprich einen Platz zu schlafen zu haben oder auch was zu
- 26:10essen, dann kann ich nicht viel verlieren. Und ich habe es öfters in europäischen Gefängnissen,
- 26:18also zumindest im Westeuropa, wesentlich besser wie auf der Straße zum Beispiel. Ich kenne die
- 26:27Geschichte von einem Streifenpolizisten aus Bochum, ja doch, Bochum war das, der sagte mal,
- 26:33er hatte eine Obdachlosen gehabt, der hat sich vor ihn hingestellt, hat einen Stein genommen und
- 26:40hat ihm beim Juwelieren eine Scheibe geschmissen. Nur damit der halt ein paar Tage lang ins Gefängnis
- 26:47kommt, um halt mal wieder ein Bett und geregelte Mahlzeiten zu haben. Ja, das ist so ein Beispiel
- 26:57dafür. Ich weiß, ich habe jetzt viele Baustellen aufgemacht und es war kein so ein glatter,
- 27:08durchdachter Themenabhandlungen, wo ich gelegentlich nur abschweife, sondern ich
- 27:17habe ziemlich viele Baustellen aufgemacht, ziemlich viele Sachverhalte. Aber das sind
- 27:23alles Themen, die mich zurzeit beschäftigen und die mich sogar abends wach halten.
- 27:31Die Situation mit der CDU und der AfD, das war… ich habe die Nacht danach eigentlich gar nicht
- 27:40geschlafen, weil mich das so dermaßen beschäftigt hatte, was da passiert ist und was das für die
- 27:46Zukunft von Deutschland macht. Allzumal noch davor mit der Wahl von Trump und diesen aberwitzigen
- 27:55sofort Dekreten, die er da angeordnet hat. Ich meine, selbst bei der Einführungsfeier hat er ja
- 28:05bei einer Veranstaltung danach schon an seinem Stuhl gesessen, auf der Bühne sogar, und hat da schon die
- 28:13ersten unterschrieben, dass Menschen wie Elon Musk so nah an der Regierung sind und dass sich jetzt
- 28:25auch andere verrückte Tech-Milliardäre da so nah an der Politik sich bewegen, was die vorher halt
- 28:38dem Verborgenen gemacht haben, jetzt auch so offen machen und somit ja auch viele ihre Interessen
- 28:47durchsetzen, das ist echt beängstigend. Und wenn man sich halt mal in der Vergangenheit sich das
- 28:56anschaut, wir hatten schon mal ähnliche Situationen, wo sich vermögende Menschen oder superreiche
- 29:06Menschen sich sehr nah an die Politik begeben haben und auch so Einfluss genommen haben. Oft
- 29:15ist das ja auch so, dass diese Menschen erst gar nicht so weit gekommen wären, wenn es da nicht
- 29:26einfach Kapitalgeber im Hintergrund gegeben hätte, die über ein großes Vermögen verfügen. Aber dann
- 29:33wurde auch immer im Gegenzug dann halt Politik gemacht, die halt in den Interessen war. Und
- 29:38selbst das ist ja heute noch so. Ich meine, Parteispenden von Einzelpersonen oder auch
- 29:45von Firmen in Millionenhöhe, das sieht man immer wieder mal. Und da sind ja auch in der letzten
- 29:52Zeit beeindruckende Summen zusammengekommen, was da verschiedene Parteien so bekommen hat.
- 29:59Ich weiß nicht, ob das auch nicht schon so eine Interessenkonfliktsache ist,
- 30:07wenn ich dann einfach aus der Wirtschaft so viel Geld entgegennehme als Partei.
- 30:13Weil wer garantiert nicht, dass ich dann in Zukunft diesen Unternehmen oder diesen
- 30:21Personen wohlgesondert gegenüberstehe, weil könnte ja wieder was kommen in Gänsefüßchen,
- 30:27als wenn ich da jetzt was mache, was dagegen spricht. Sowas wie eine Reichensteuer oder
- 30:37eine Kapitalertragsteuer und so, dass halt man für passives Einkommen halt auch stärker besteuert
- 30:46wird. Weil wenn ich mir überlege, was bei so kleinen Erbschaften oder auch bei den Menschen,
- 30:55die ein bisschen Geld bei dem Geld, was sie auf der hohen Kante haben, an Zinsen bekommen,
- 31:00was da noch an Kosten weggeht oder auch an Steuern von den Zinsen, dann ist das lächerlich hoch im
- 31:09Vergleich zu denen, was Superreiche bezahlen, weil die bezahlen so gut wie keine Steuern,
- 31:14weil das wird alles schön gerechnet und niedrig und weggerechnet. Ja, wir sehen,
- 31:24Wir haben noch eine spannende Zukunft und Leute geht wählen, das ist ganz wichtig,
- 31:30egal was ihr wählt, aber geht wählen, denn eure Stimme ist wichtig und nur so kann man
- 31:39halt etwas in diesem Land auch bewirken. Auch wenn großpolitisch gesehen gewisse
- 31:46Rahmenbedingungen da sind, auf die man reagieren muss und dann gibt es eigentlich immer nur eine
- 31:51Möglichkeit zu reagieren, es sei denn, man hinterlässt verbrannte Erde. Denn Regierende
- 32:01regieren nicht alleine, sondern da gibt es noch jede Menge Strukturen und Apparate,
- 32:06die dahinter sind. Und die Leute werden ja nicht alle vier Jahre ausgetauscht,
- 32:10nur ein gewisser Teil. Das meiste bleibt ja so. Und ich glaube, als regierende Partei kann man
- 32:18halt immer nur so eine kleine persönliche Färbung mit reingeben oder eine persönliche Note, ob das
- 32:23jetzt ein bisschen mehr wirtschaftsliberal ist oder auch sozial oder halt umweltschonend mäßig.
- 32:31Da packt man halt immer wieder so ein kleines bisschen von seiner Persönlichkeit oder auch
- 32:39von dem, wofür die Partei steht, mit rein. Aber ich glaube, die großen Entscheidungen können gar
- 32:46nicht anders getroffen werden als so, wie sie getroffen werden, ohne dass es halt radikale
- 32:51Ansätze sind und Lösungen. Dann bedanke ich mich dafür, dass ihr mir zugehört habt bei meinen
- 32:57wehrenden Sachen, die ich so im Kopf habe und hoffe, dass ihr eine gute Zeit habt und am 23.02.
- 33:06nicht vergisst wählen zu gehen. Ich habe alle schon per Briefwahl beantragt. Dann sage ich mal
- 33:13Dankeschön fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal. Euer Sascha
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