Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Bas – eine Frau geht, ein Mann kommt
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- 0:00Was wir nicht wissen ist, wer am Ende genau mit wem geredet hat, sodass aus,
- 0:11diesem Unmut, der herrschte, dann so etwas wurde, das bei Bärbel Baas ankam,
- 0:16da verstärkt jemand die Attacken.
- 0:21Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler aus.
- 0:31Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht.
- 0:38Mit Carlotta Richter und Julia Emrich.
- 0:42Carlotta, bist du fit? Bist du gesund? Hast du ein Kratzen im Hals?
- 0:48Ich weiß schon, was du meinst. Ich bin froh, dass du wieder gesund bist.
- 0:50Ich bin auch noch fit, aber ich glaube, du meinst unseren Bundeskanzler,
- 0:53der in dieser Woche sich nicht ganz so gesund angehört hat. Boah, war der erkältet.
- 0:58Es gibt Momente bei der Regierungserklärung, da merkt man ihm richtig an, was er im Hals hat.
- 1:03Aber es gibt natürlich auch noch ein paar andere Gründe, warum man bei dieser
- 1:06Regierungserklärung, glaube ich, genau hinhören sollte.
- 1:09Dazu später jetzt erstmal herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Rambuzambo.
- 1:15Mein Name ist Julia Emmerich und mir gegenüber sitzt die topfitte,
- 1:18komplett gesunde Kalotter Richter.
- 1:22Herzlich willkommen euch allen nochmal. Ja, es war eine sehr ereignisreiche
- 1:26Woche, würde ich sagen, Julia.
- 1:27Ich habe das Gefühl, wir sagen das aktuell jede Woche, aber es ist wirklich
- 1:30so. Also es ist einiges passiert und es ging auch gleich sehr ereignisreich
- 1:34los, auch für Bundeskanzler Friedrich Merz.
- 1:38Es war eigentlich Klausurtagung der CDU am Sonntag und am Montag und am Montagmorgen
- 1:46kam dann aber eine Nachricht, die glaube ich auch in der Bundesregierung ziemlich
- 1:49eingeschlagen hat, nämlich dass,
- 1:52Arbeits- und Sozialministerin Bärbel Baas von ihren Ämtern als Ministerin und
- 1:57auch als SPD-Vorsitzende zurücktritt.
- 2:02Das kam am Montag und mein Gefühl ist, dass dieser Rücktritt im Grunde die ganze Woche bestimmt hat.
- 2:09Es gab noch ein paar andere nicht irrelevante Ereignisse, sowohl in diesem Land
- 2:13als auch auf der Welt. Aber mein Gefühl ist, heute ist Donnerstag,
- 2:15wenn wir zurückblicken auf die letzten Tage, war die Frage, warum ist sie zurückgetreten?
- 2:21Wie lief dieser Rücktritt?
- 2:23Wie ist über diesen Rücktritt geredet worden? Wie ist über die Begründung geredet worden?
- 2:28Das bestimmende Thema in Deutschland. Und natürlich werden wir auch darüber reden.
- 2:34Und trotzdem würde ich mal so eine kurze Klammer drumrum machen und mich manchmal fragen,
- 2:38ist es eigentlich klug, wenn wir anfangen, uns so viel über,
- 2:44Befindlichkeiten und Hintergründe und Emotionen zu unterhalten,
- 2:51wenn eigentlich harte Sachfragen zu entscheiden sind.
- 2:54Aber ich finde auch wichtig, dass man hinguckt und genau das analysiert.
- 2:59Das tun wir in dieser Folge.
- 3:00Dies wird eine Folge vor allem über den Rücktritt von Bärbel Baas.
- 3:05Wie hast du diesen Montag erlebt? Wie hast du erlebt den Moment,
- 3:10wo klar war, sie wirft hin?
- 3:14Ich fand es ganz interessant, dass sie es ja auf Instagram verkündet hat.
- 3:18Also sie hat ja ihr Statement auf Instagram veröffentlicht und das ging dann
- 3:21natürlich direkt durch alle Medien, lief über alle Ticker und überall haben
- 3:25die Handys gepinkt, also zumindest bei uns, die da alle Ticker abonniert haben.
- 3:30Aber sie hat ja auf Instagram ein Statement veröffentlicht und in dem waren
- 3:35auch einige, fand ich, sehr spannende Sätze. Also sie hat es ja begründet auch, ihren Rücktritt.
- 3:42Einerseits damit, dass sie nach dem Tod ihrer Stieftochter festgestellt hat,
- 3:48dass sie Zeit brauche, um die Trauer zu verarbeiten.
- 3:51Es war ja schon vorher so, in den Wochen vorher, dass Bärbel Bars nicht am Regierungsgeschäft
- 3:56teilgenommen hat, sondern eben weg war aus persönlichen Gründen,
- 3:59aus familiären Gründen.
- 4:02Und sie hat dann ihrem Statement geschrieben, dass sie sich diese Zeit eben auch nehmen möchte.
- 4:07Aber sie hat auch etwas anderes geschrieben und darum hat sich dann sehr schnell die Debatte gedreht.
- 4:13Sie hat nämlich geschrieben, darüber hinaus muss ich leider feststellen,
- 4:16dass die öffentlichen Angriffe auf mich leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners
- 4:21in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden.
- 4:26Da hat sie ja doch relativ direkt auch den Koalitionspartner,
- 4:31also die Union, angegriffen in ihrem Statement, in dem sie ja erstmal ihren
- 4:36Rückzug bekannt gegeben hat.
- 4:37Und das hat dann ja, glaube ich, sehr schnell auch für Aufregung gesorgt, auch in der Union.
- 4:43Zumal dieser Vorwurf an die Union sozusagen nochmal verstärkt worden ist,
- 4:48dadurch, dass eine Parteifreundin von Bärbel Baas, nämlich Manuela Schwesig.
- 4:54Ministerpräsidentin in Mecklenburg-Vorpommern, das Ganze dann als unmenschliche
- 5:00Angriffe und als ein unmenschliches Verhalten.
- 5:04Wenn man das so hört als Attribut, denkt man so, da ist richtig Postlanzerschlagen,
- 5:11da ist richtig wüst attackiert worden.
- 5:15Tatsächlich ist es so, dass in der Union so ein Gefühl über diesen Sommer und
- 5:23über diesen Herbst gewachsen ist, dass Bärbel Baas nicht das macht,
- 5:28was sie von ihr erwarten.
- 5:31Um es erstmal rein neutral zu formulieren. Man muss ja wissen,
- 5:35Bärbel Baas, damals noch Arbeits- und Sozialministerin, hatte ein Riesenprogramm, sollte,
- 5:41diverse Regeln auf dem Arbeitsmarkt ändern, Koalitionsbeschluss,
- 5:45sollte einen Vorschlag machen, wie das große Rentenpaket, über das wir hier
- 5:49schon viel gesprochen haben, umgesetzt werden.
- 5:51Also da war ein Riesenstapel auf ihrem Tisch.
- 5:55Sommerpause, natürlich auch Urlaubszeit, jeder hat Urlaub verdient, keine Frage.
- 5:59Dann kam, wie wir heute wissen, diese Phase, in der ihre Stieftochter.
- 6:06Mit dem Leben rang und später starb. Dann kam diese Trauerphase.
- 6:11Es war eine sehr lange Zeit, dass sie praktisch als Ministerin nicht anwesend war.
- 6:17Das ist an sich auch alles nicht schlimm.
- 6:20Bei der Union kam aber jetzt, glaube ich, so ein Gefühl, hier kommt irgendwie
- 6:26gerade so eins zum anderen.
- 6:28Und so sehr, glaube ich, einzelne Unionsleute, wenn man sie im konkreten Kontakt
- 6:33gefragt hat, und ich habe mit vielen darüber geredet, die haben gesagt,
- 6:35niemand bei uns würde jemandem vorwerfen, dass er in einem Trauerfall sich nicht
- 6:40kümmert. Im Gegenteil, das ist selbstverständlich.
- 6:43Und Karl-Otter, ich glaube den Leuten das aus. Ich glaube auch nicht,
- 6:46dass irgendjemand auf der persönlichen Ebene sagt, die hat da irgendwie Trauer gespielt.
- 6:52Das ist es nicht. Ich glaube, auf der Unionsseite war so ein Gefühl erwachsen,
- 6:57erst kommt das, dann kommt das und sie ist nicht da. Und sie hat aber doch ein Ministerium.
- 7:02Sie hat aber auch Leute, die sich kümmern könnten. Sie hat aber doch Staatssekretäre,
- 7:07die auch weiterarbeiten können.
- 7:09Und ich glaube, aus dieser Gemengelage kam auch nicht offen,
- 7:15sondern so in Hintergrundgespräche mit Journalisten oder so,
- 7:18immer mal so ein Zungenschlag von so, oh, die Bars.
- 7:25Was wir nicht wissen ist, wer am Ende genau mit wem geredet hat, sodass aus,
- 7:35diesem Unmut, der herrschte, dann so etwas wurde, das bei Bärbel Baas ankam,
- 7:41da verstärkt jemand die Attacken.
- 7:43Das ist das Problem in dieser Geschichte. Es gibt Hinweise und auch wir sind
- 7:48in Hintergrundgesprächen, über die ich natürlich auch hier nicht konkret berichten
- 7:53darf. Wie das ja auch eigentlich so sein sollte. Der Sinn der Sache.
- 7:56Und ich finde es auch legitim, wenn man im vertrauten Rahmen auch mal sagt,
- 8:01jetzt auch das noch, wir müssen diese Rentenreform vorankriegen.
- 8:05Aber was genau, wer zu wem gesagt hat und wie es dann verstärkt worden ist?
- 8:13Das können wir nicht 100 Prozent nachvollziehen. Das ist die Lage.
- 8:17Aber man kann, glaube ich, festhalten, dass zumindest bei Bars es so angekommen
- 8:23ist oder es in dieser Phase so von ihr empfunden wurde, dass es für sie so ausschlaggebend
- 8:28war, dass sie dann ja eben auch in dieses Statement reingeschrieben hat.
- 8:32Also es sind ja dann immer nur am Ende, es ist ihre persönliche Empfindung,
- 8:36es ist ja auch immer so bei Kommunikation und wenn es dann weitergetragen wird über mehrere Leute,
- 8:41es wird natürlich auch immer möglicherweise Sender und Empfänger nicht genauso
- 8:45empfangen, wie es gesendet wurde oder es gibt Missverständnisse,
- 8:49was auch immer oder es gibt Aussagen, von denen wir vielleicht jetzt auch nichts
- 8:53wissen, aber es kam auf jeden Fall am Ende,
- 8:55für Bärbel Bas war es ja doch dann sehr hart und es war irgendwie ausschlaggebend,
- 8:59Und dann am Ende auch für ihre Entscheidung, sich zurückzuziehen.
- 9:03Zumindest ist es das, was sie gesagt hat, öffentlich. Ich würde auch jedem Politiker,
- 9:08der so in der Öffentlichkeit steht wie sie, und sie steht ja seit langem,
- 9:11ich meine, sie war ja vorher Bundestagspräsidentin und so weiter,
- 9:14sie weiß ja auch, wie Öffentlichkeit funktioniert,
- 9:17auch immer noch zugestehen, dass sie ein öffentliches Bild, auch was ihre Rücktrissgründe
- 9:21und so weiter angeht, und ein tatsächliches haben.
- 9:23Also da hat jeder das Recht, andere Gründe zu nennen, als sie wirklich sind.
- 9:29Und es gibt für Bärbel Baas sicherlich viele Gründe zu sagen,
- 9:33ich mache das nicht mehr weiter.
- 9:35Was am Ende das Ausschlaggebende war.
- 9:40Das weiß am Ende wahrscheinlich nur Bärbel Baas, würde ich vermuten.
- 9:43Aber nun ist es so, ich fand interessant, dass dieser Fall Bärbel Baas,
- 9:50sehr schnell in dieser Koalition zu so einem Fingerpointing-Spiel wurde.
- 9:55Denn natürlich hat sich die Union wiederum von diesen Angriffen,
- 9:59ich sagte ja gerade, die Schwesig hat das dann noch mal verstärkt und gesagt, unmenschliche.
- 10:03Klingbeil hat sich ja auch noch mal geäußert. Genau, also es kam so ein,
- 10:07boah, die tun jetzt so, als seien wir so ganz schlimme Hetzer und würden Menschen,
- 10:13die in einer schweren persönlichen Krise sind, angreifen.
- 10:19Also das mussten sie natürlich zurückweisen.
- 10:22Und sie haben dann gesagt, wie können wir das zurückweisen? Und in einer angespannten
- 10:26Lage, und die Koalition ist in dieser angespannten Lage, haben sie dann Dinge
- 10:29getan, die ebenfalls wieder sehr, wie ich finde, fragwürdig sind.
- 10:33Also sie haben dann auf andere Fälle, in Nordrhein-Westfalen gibt es eine Ministerin,
- 10:37die an Krebs erkrankt ist,
- 10:40bei der dann die Union wiederum der SPD vorgeworfen hat, sie nicht in Ruhe zu
- 10:44lassen, sie sozusagen zu quälen politisch.
- 10:49Und umgekehrt hat die SPD gesagt, naja, es gab eine Operation.
- 10:57Bei der Wirtschaftsministerin Katharina Reich im Sommer, da haben wir doch auch
- 11:00nicht gesagt, wieso ist die jetzt nicht da, wieso arbeitet sie gerade nicht weiter.
- 11:05Also es kam jetzt plötzlich so ein, wenn ihr das so macht, dann machen wir das jetzt auch so Ding.
- 11:11Und wenn man nochmal so einen Schritt zurücktritt, finde ich es hochinteressant,
- 11:16um es erstmal ganz neutral zu sagen, dass plötzlich jede Menge kranke Frauen durchs Bild liefen.
- 11:22Plötzlich ging es nur noch darum, wo wir noch eine kranke Frau finden,
- 11:25die wir schützen müssen oder über die wir herziehen dürfen.
- 11:28Und ich dachte irgendwann, das ist interessant.
- 11:32In dieser ganzen Woche tauchten viele Frauen nur dadurch auf in der politischen
- 11:38Diskussion, dass sie irgendwie defizitär waren und ob man ihnen das vorwerfen darf.
- 11:43Und da dachte ich, das ist schon auch sehr interessant und das ist durchaus auch problematisch.
- 11:49Wobei die Frage ja, also jetzt zum Beispiel auch bei Bars ist, finde ich.
- 11:56Ist es quasi, also sprechen wir über ihre Empfindungen als Frau jetzt quasi,
- 12:02weil sie die eben öffentlich gemacht hat?
- 12:03Oder ist es auch so, dass Frauen in der Politik einfach immer noch den härteren
- 12:09Job haben, einfach immer noch mehr angegriffen werden, sich mehr beweisen müssen
- 12:14und dann eher nochmal die Notbremse ziehen und dann sagen, okay, ich ziehe mich zurück.
- 12:18Also ich muss sagen, diesen Schritt finde ich eigentlich sehr bewundernswert,
- 12:21dann zu sagen, ich kann mein Amt so aktuell in meiner Lage, wie es mir geht,
- 12:26nicht mehr leisten und ich ziehe mich deswegen zurück.
- 12:29Ich konzentriere mich auf das Private und überlasse das eben jemand anderem,
- 12:34der aktuell die Kapazitäten dazu hat, sich um dieses wichtige Amt zu kümmern.
- 12:39Das finde ich ehrlicherweise sehr bewundernswert. Aber ich frage mich schon,
- 12:41ob dahinter auch immer noch einfach.
- 12:46Diese gesellschaftliche Blick auf Frauen in solchen Ämtern, in so harten Ämtern,
- 12:50in denen sie schwere Aufgaben haben und,
- 12:52in denen sie auch die Ellbogen ausfahren müssen, weil es einfach auch der politische
- 12:56Betrieb erfordert, dass die einfach immer noch auch von der Gesellschaft anders
- 13:00betrachtet werden und es einfach immer noch härter haben.
- 13:03Und dann, wenn dann eine Frau sagt, okay, ich ziehe mich zurück,
- 13:07dann reden wir darüber, ob sie vielleicht irgendwie zu empfindlich war oder
- 13:11irgendwie nicht damit umgehen konnte mit ihrer Situation und irgendwie vielleicht
- 13:15zu weich war oder was dann eben Frauen vorgeworfen wird.
- 13:19Interessant fand ich in dem Zusammenhang, wir waren vor zwei Tagen,
- 13:22wir beide zusammen, bei einem Interview bei Dorothee Bär, CSU-Politikerin,
- 13:28Bundesforschungsministerin und haben mit ihr auch ein bisschen über diese Fragen gesprochen.
- 13:33Und ich fand interessant, dass sie sagte, ja, mit Frauen wird heutzutage immer
- 13:39noch ganz anders umgegangen als mit Männern.
- 13:41Die müssen dreimal so weit gehen oder dreimal so anstrengend ist der Weg für
- 13:44sie, wenn sie in Spitzenpositionen wollen und sich da auch behaupten wollen.
- 13:49Interessant fand ich aber vor allem, dass sie sagte, es ist aber schon viel besser geworden.
- 13:54Sie nahm da als Beispiel zu sagen, als sie vor 20 Jahren ihr erstes Kind bekommen hat,
- 14:00gab es eigentlich überhaupt gar kein Verständnis für familiäre Fragen wie,
- 14:05ich habe jetzt Anspruch auf Mutterschutz oder ich möchte jetzt vielleicht mal
- 14:09irgendwie ganz kurz ein bisschen Zeit mit diesem Säugling haben oder so.
- 14:13Da sei die Erwartungshaltung gewesen, du bist jetzt als Politikerin.
- 14:17Sieh halt zu wie du damit klarkommst, aber du hast weiter zu arbeiten so.
- 14:21Da ist Gott sei Dank schon einiges
- 14:23an mehr Verständnis für familiäre Situationen und so weiter gekommen.
- 14:27Man würde ja auch meinen, dass es auch Männern, also Jungvätern und so weiter
- 14:30heute zugute kommt, aber ich geb dir vollkommen recht, der Unterschied ist immer noch sehr groß.
- 14:37Ein anderer Gedanke, der auch von Dorothee Bär kam.
- 14:42Auch der war auf den ersten Blick natürlich so ein bisschen parteipolitisch,
- 14:48getriggert, aber ich fand den nicht uninteressant.
- 14:53Sie sagte nämlich, jetzt wo Bärbel Baas weg ist, würde man von einer Partei
- 15:00wie der SPD erwarten, dass sie eine Frau nachbesetzt.
- 15:05SPD, feministische Partei, Parität steht nicht nur da, sondern wird in der Regel auch gelebt.
- 15:12Aber was haben sie gemacht? Sie haben Bärbel Baas ziehen lassen und haben das
- 15:18Arbeitsministerium mit einem Mann besetzt.
- 15:20Die Frauenparität im Kabinett ist damit endgültig geschrottet,
- 15:25also es gibt viel mehr Männer.
- 15:26Und wenn man mal kurz durchzählt, diese eigentlich feministische Partei hat,
- 15:32jetzt nur noch einen Parteivorsitzenden, einen Generalsekretär,
- 15:34einen Fraktionsvorsitzenden und das wichtigste Ministerium, was sie noch haben,
- 15:39ist Arbeit und Soziales, ebenfalls ein Mann, Alexander Schweizer ist es geworden.
- 15:43Das lässt sich auch tief blicken. Also was ist so Haltung und was ist tatsächliches Handeln?
- 15:51Bin ich bei dir. Finde ich auch schade, ehrlicherweise. Ich finde auch irgendwie
- 15:54interessant, was Klingbeil dann dazu gesagt hat, weil,
- 15:58er hat gesagt, er findet die Geschlechterfrage total wichtig und hat dann aber
- 16:05direkt gesagt, dass eben eine schnelle Entscheidung nötig gewesen sei,
- 16:10und man deswegen jetzt Alexander Schweitzer nominiert hat.
- 16:13Und das klingt irgendwie auch so als, okay, wir mussten jetzt,
- 16:16wir haben jetzt ganz schnell jemanden gebraucht und in der Zeit haben wir irgendwie
- 16:19keine Frau gefunden oder wir brauchten eben jetzt jemanden und okay,
- 16:22Alexander Schweitzer war da.
- 16:24Vielleicht hätte man auch noch mal etwas tiefer suchen müssen,
- 16:27etwas länger und hätte vielleicht auch noch eine Frau gefunden.
- 16:32Was ich, glaube ich, in der ganzen Debatte wichtig finde, ist so ein bisschen
- 16:38die Frage, weil du hast ja auch Bär zitiert, die ja gesagt hat,
- 16:41so es ist leichter geworden für Frauen, auch wenn es immer noch schwerer ist.
- 16:45Ich glaube, auf der einen Seite stehen so Sachen wie eben, es ist leichter,
- 16:49wenn man Zeit für die Familie braucht, das zu vereinbaren, was eigentlich ja
- 16:53irgendwie auch selbstverständlich sein sollte.
- 16:56Und auf der anderen Seite steht einfach
- 16:58so ein gesellschaftlicher Umgang miteinander, der rauer geworden ist.
- 17:02Und gar nicht unbedingt jetzt nur mit Frauen, aber auch mit Frauen.
- 17:06Frauen leiden darunter stärker, werden auch in sozialen Medien stärker angegangen und so weiter.
- 17:11Aber ich habe irgendwie das Gefühl, das und das fände ich irgendwie in dieser
- 17:14Woche auch wichtig, also unabhängig davon, was jetzt genau gesagt wurde,
- 17:19wer genau wen wann kritisiert hat und irgendwie über,
- 17:23das nötige Maß hinausgeschossen ist, was auch immer,
- 17:26finde ich, kann man schon mal so das zum Anlass nehmen, um so einen Schritt
- 17:30zurückzugehen und sich zu fragen, so wie gehen wir eigentlich noch miteinander
- 17:33um in dieser Gesellschaft und auch, also in der Politik und dann eben im zweiten
- 17:39Schritt in der Gesellschaft, weil.
- 17:41Ich habe dann auch mal so ein bisschen geguckt, was auch in den sozialen Medien
- 17:45so die Reaktionen waren auf den Rückzug von Bars.
- 17:49Und wir haben zum Beispiel ein Video dazu gepostet, kurz nachdem der Rückzug bekannt geworden ist.
- 17:55Und da in den Kommentaren, da muss ich echt sagen, also das ist dann teilweise,
- 18:01da bin ich bei Manuela Schwesig, das ist dann teilweise wirklich unmenschlich.
- 18:05Also ich habe das Gefühl, wir sehen häufig nicht mehr bei so einer Wut auf so
- 18:10Politiker und auf Politik, sehen wir häufig die Menschen nicht mehr,
- 18:14die ja eigentlich dahinter stehen.
- 18:16Und irgendwie, finde ich, hat jetzt so der Fall Baas das irgendwie nochmal so
- 18:20ein bisschen deutlich gemacht. Also ich möchte jetzt gar nicht so alles zitieren,
- 18:25was da geschrieben wurde, aber es ging halt ganz viel so in die Richtung Glückwunsch zum Rücktritt.
- 18:30So kann man sich auch aus der Affäre ziehen. So, das sind endlich mal gute Nachrichten,
- 18:34so ein guter Start in die Woche, der nächste bitte.
- 18:37Also so, dass man gar nicht mehr irgendwie so diesen Respekt hat für so eine
- 18:42Entscheidung und auch für die Situation, in der sie war, dass man einmal sagt,
- 18:46so mein Beileid, sondern dass man direkt so draufhaut auf die Leute.
- 18:51Und das ist irgendwie so ein Gefühl, was ich allgemein habe,
- 18:54was wir einfach so als gesellschaftliche Stimmung haben.
- 18:58Und ich fand es ganz spannend.
- 19:00Andere Reaktionen auch auf den Rücktritt hat Ricarda Lang ein Video gepostet auf Instagram.
- 19:07Es war natürlich nicht so, dass alle Reaktionen auf ihren Rücktritt jetzt so
- 19:11negativ waren, wie die Beispiele, die ich gerade gesagt habe.
- 19:14Aber es kommt natürlich auch sehr auf die Plattform an. Es kommt sehr darauf
- 19:18an, in welcher Bubble man gelandet ist. Und natürlich gab es auch Menschen,
- 19:21die ihr Mitleid bekundet haben mit Bars und ihren Rückzug gut und richtig fanden
- 19:26und das auch irgendwie ehrenwert fanden.
- 19:29Und ich fand aber spannend, was Ricarda Lang in ihrem Video gesagt hat.
- 19:35Sie hat nämlich darauf hingewiesen, dass wir alle, also sie alle natürlich Teil
- 19:39eines politischen Systems sind, in dem es ganz oft darum geht,
- 19:44immer das Schlechteste zu unterstellen und immer richtig hart drauf zu hauen.
- 19:48Auch halt eben für schnelle Klicks, um irgendwie in den sozialen Medien anzukommen.
- 19:52Und dass es da einfach so eine Dynamik gibt, dass man immer draufhaut,
- 19:56immer nochmal nachtritt.
- 19:58Und sie hat gesagt, das Problem sei, dass dann irgendwann nur noch die bleiben,
- 20:04die sich so einen richtig harten Panzer angelegt haben und die anderen gehen.
- 20:11Und dann hat sie die Frage gestellt, wie wollen wir als Politik miteinander
- 20:15zusammenarbeiten und vor allen Dingen, was sind wir für ein Vorbild für die Gesellschaft?
- 20:19Und das fand ich irgendwie einen ganz spannenden Punkt, weil,
- 20:24der Umgang in der Koalition miteinander, Das kommt ja auch bei den Menschen
- 20:28an und das ist irgendwie so ein gegenseitiges Verstärken, gleichzeitig auch
- 20:33gesellschaftlich einfach so ein immer rauerer Ton.
- 20:35Das fand ich irgendwie eine sehr, also eine sehr einleuchtende Feststellung
- 20:39von ihr. Du hast diese Gedanken, glaube ich, auf Friedrich Merz irgendwie übermittelt,
- 20:43denn mein Eindruck ist, das habe ich geschafft. Ich glaube ja,
- 20:46ich glaube ihr habt so einen telepathischen Moment.
- 20:49Da müsste ich mal noch andere Sachen vermitteln. Versuch das mal.
- 20:53Am Mittwoch gab es eine Regierungserklärung von Friedrich Merz und ich habe
- 20:57das Gefühl, er hat in deinem Sinne versucht zu sprechen.
- 21:00Und ich sage versucht, weil du sagst die Dinge sehr schön und klar und empathisch,
- 21:06und er spricht zwar über Empathie, aber es ist wieder sehr märzig. Wir hören mal rein.
- 21:13Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte es nicht versäumen,
- 21:15auch von meiner Seite aus, Bärbel Baas, ein herzliches Wort des Dankes zu sagen.
- 21:20Bärbel Baas stand, wie Sie alle wissen, fast eineinhalb Jahre in eben dieser
- 21:25Funktion als Bundesministerin für Arbeits- und Soziales für unser Land in der Verantwortung.
- 21:30Sie hat dieses Amt mit großer Empathie vor allem für die Schwachen in unserer
- 21:36Gesellschaft ausgeübt.
- 21:38Wir waren mit ihr in Sachfragen nicht immer einer Meinung, das gehört dazu.
- 21:42Aber wir werden ihr die Anerkennung nicht versagen für ihre Arbeit und für ihr
- 21:46Engagement für unser Land.
- 21:48Und lassen Sie mich auch dieses hinzufügen. Sie ist zu Beginn dieser Woche aus
- 21:52sehr persönlichen Gründen von beiden Ämtern, die sie inne hatte,
- 21:55zurückgetreten. Diese Entscheidung verdient Respekt.
- 21:58Und ich möchte Bärbel Baas im Namen der gesamten Bundesregierung unser Mitgefühl,
- 22:03zum Verlust ihrer Stieftochter ebenso aussprechen wie unseren Wunsch.
- 22:07Sie, so wie von ihr geplant, sehr bald wieder Ihre Arbeit als Abgeordnete aufnehmen
- 22:14zu sehen. Wir werden Sie jedenfalls hier im Haus herzlich und willkommen heißen.
- 22:21Ja, man hört echt, er ist total erkältet. Das ist an seiner Stimme ganz deutlich zu merken.
- 22:27Aber ich glaube, wir haben da Friedrich Merz gehört.
- 22:32Natürlich wollte der wieder was gut machen und wollte, glaube ich,
- 22:36klar auch dieser Koalition und auch der SPD, glaube ich, signalisieren,
- 22:41lasst uns deswegen nicht auseinander dividieren jetzt, so nach vorne gucken.
- 22:46Ich glaube aber auch, dass Merz gerade merkt, wie schwierig seine Situation
- 22:54ist, wie sehr er angegriffen wird und wie wichtig es ist, dass er zumindest auf dieser,
- 23:01menschlichen, klimatischen Ebene schnell immer wieder Sachen aufräumt,
- 23:05damit nicht das auch noch so eine, wie soll man sagen, so eine offene Flanke für ihn.
- 23:10Denn was noch Nachhalt, wir haben in der letzten Folge darüber ja viel gesprochen,
- 23:16die SPD ist ja sehr, sehr besorgt angesichts dessen, was die Merz-Partei CDU
- 23:24gerade in Sachsen-Anhalt tut.
- 23:27Wir erinnern uns, dort geht es ja noch immer um die Frage, wann und vor allem
- 23:33wie wird ein Ministerpräsident gewählt.
- 23:38Der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund läuft mit stolz geschwellter Brust herum und
- 23:43behauptet, die Sache ist klar, er wird im ersten Wahlgang gewählt.
- 23:47Vermutlich wird es jetzt der 15. Dezember, das ist Stand heute,
- 23:50so ein Datum, an dem gewählt werden könnte.
- 23:54Und alle fragen sich, naja, okay, wie? Er hat ja keine Mehrheit.
- 23:57Und nachdem bei den Wahlen zum Landtagspräsidium es ja schon sehr, sehr,
- 24:05seltsame Dinge passiert sind, bei denen man bis heute nicht wirklich weiß,
- 24:09wie kam es eigentlich zu dieser großen Stimmenmehrheit, die die AfD-Leute bekamen.
- 24:13Hat die CDU tatsächlich da mitgeholfen oder nicht? Es ist ja nach wie vor, Stand heute, unklar.
- 24:20Und die CDU ringt mit sich.
- 24:23Bei der Frage, klären wir das eigentlich auf? Wie klären wir das auf?
- 24:26Und wie verhalten wir uns dazu?
- 24:28Und jetzt gibt es einen, wie soll man sagen, einen sehr interessanten Move.
- 24:36Die CDU in Sachsen-Anhalt hat beschlossen, mit ganz großer Mehrheit,
- 24:41dass sie an diesem Wahltag aus dem Parlament rausgehen wird.
- 24:45Physisch. Die werden aufstehen und rausgehen.
- 24:48Damit, und jetzt kommt es, klar ist, dass sie nicht heimlich unter der Decke,
- 24:57einen AfD-Ministerpräsidenten mitwählen.
- 25:02Die eigentliche Haltung könnte ja sein, wir stimmen alle mit Nein, wir wollen den nicht.
- 25:09Sie haben so große Angst, dass es diese Geschlossenheit nicht gibt, dass sie rausgehen.
- 25:13Und das sind Sachen, die bei Friedrich Merz natürlich im Kopf sind und die natürlich,
- 25:18sobald Friedrich Merz ins Kabinett geht, beziehungsweise seine SPD-Leute,
- 25:23der weiß, wenn die die Augenbrauen hochziehen, woran die denken.
- 25:26Hast du diesen Laden da nicht im Griff? Kann es tatsächlich sein,
- 25:29dass die CDU sich nicht traut, im Parlament zu bleiben?
- 25:35Muss sie rausgehen, damit sie garantieren, dass nicht doch wieder einer Ja sagt zur AfD?
- 25:40Das ist ja eine Lage, die glaube ich bei allem auch gerade ein bisschen mitschwingt,
- 25:45und ich fürchte, dass das in den nächsten Wochen noch zunimmt,
- 25:51weil immer sichtbarer wird,
- 25:53wie fragil.
- 25:57Diese Absage an die AfD, zumindest in Sachsen-Anhalt ist.
- 26:02Und jetzt die Zahl der Woche. Carlotta, hast du denn eine, du sagst immer,
- 26:09dass du eine optimistische Zahl hast. Hast du eine optimistische Zahl für uns?
- 26:13Wenn man Friedrich Merz ist, dann ist es bestimmt eine optimistische Zahl.
- 26:16Meine Zahl ist nämlich 21 und das ist die Häufigkeit, mit der
- 26:24Friedrich Merz, wenn ich mich nicht verzählt habe, ich hoffe nicht,
- 26:27in seiner Regierungserklärung am Mittwoch ein Wort gesagt hat und zwar Gerechtigkeit.
- 26:33Das scheint ja so ein bisschen sein neues Leitmotiv jetzt zu sein.
- 26:37Man hat es schon nach den Landtagswahlen gesehen und es ist mir aber irgendwie
- 26:41extrem aufgefallen in dieser Regierungserklärung, wie oft er Gerechtigkeit gesagt hat.
- 26:48Und dann stellt sich natürlich schon so ein bisschen die Frage.
- 26:53Welche Interpretation von Gerechtigkeit hat er da?
- 26:55Und er hat sich da auch direkt schon mal so ein bisschen abgegrenzt,
- 26:59also unter anderem von den Linken in Berlin und gesagt, Gerechtigkeit ist bei uns nicht Enteignung,
- 27:08und auch nicht Umverteilung zulasten der Leistungsträgerinnen und Leistungsträger in unserem Land.
- 27:14Also erst mal gesagt, was Gerechtigkeit für ihn nicht ist Und dann aber auch
- 27:17gesagt, was Gerechtigkeit für ihn unter anderem ist. Leistungsgerechtigkeit,
- 27:21Chancengerechtigkeit, Generationengerechtigkeit.
- 27:25Und da habe ich gedacht, okay, so ganz so neu ist es eigentlich auch nicht.
- 27:27Also dieses neue Leitmotiv Gerechtigkeit ist eigentlich auch der alte Friedrich Merz, oder?
- 27:33Definitiv. Was ist deine Zahl? Meine Zahl ist die 3.
- 27:39Drei Männer der Union werden am Wochenende beim Deutschlandtag der Jungen Union reden.
- 27:46Am Freitag kommt Henrik Wüst.
- 27:48Am Samstag kommt Friedrich Merz. Und am Sonntag Markus Söder.
- 27:53Alles Männer, die schon mal auf dem Tableau der möglichen, also außer Friedrich
- 27:59Merz natürlich, der es ist, aber der möglichen Nachfolger von Friedrich Merz
- 28:02gelandet sind. Und ich fand, sie nehmen ihn ein bisschen in die Zange.
- 28:04Erst der eine, dann der andere. Und sie nehmen ihn in die Mitte.
- 28:07Schöne Vorstellung. Kann man positiv und negativ sehen. Wir werden uns das anschauen
- 28:11und darüber berichten. Carlotta, vielen Dank.
- 28:15Danke dir und danke euch, dass ihr eingeschaltet habt. Wenn euch dieser Podcast
- 28:19gefällt, dann lasst uns doch gerne eine Bewertung da. Darüber freuen wir uns
- 28:22sehr. Und ansonsten hören wir uns hier in der nächsten Woche wieder und reden
- 28:25über alles, was so wichtig war. Tschüss. Tschüss.
- 28:34Ein Podcast von Funke Vielen Dank.