Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Merz und das Stadtbild – was bleibt? Mit Janina Mütze
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- Deshalb muss man schon sagen, insgesamt nimmt die Zufriedenheit stark ab und die Zufriedenheit mit seiner Kommunikation ist auf dem Tiefpunkt. Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler aus. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unsere Bundesregierung und vor allem über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen. Und in dieser Folge habe ich einen ganz besonderen Gast, nämlich Janina Mütze. Du wirst Gründerin und Geschäftsführerin des Meinungsforschungsinstituts SIVA. Und es ist sehr schön, dass du da bist. Du bist ja quasi Wiederholungstäterin. Du warst ja schon ein paar Mal bei uns zu Gast. Ja, ich freue mich mal über eure Einladung und komme sehr gerne. Also von daher vielen Dank und danke, dass ich wieder hier sein darf. Ich glaube, wir haben heute einiges zu besprechen. Friedrich Merz bestimmt immer noch die Debatten in Deutschland, muss man sagen. Aber wir wollen ja hier am Anfang immer einmal ganz kurz auf die Ereignisse und Themen der Woche schauen, bevor wir dann ausführlicher in ein großes Thema einsteigen. Da würde ich sagen, müssen wir heute mit ein bisschen Außenpolitik anfangen. Denn während wir aufnehmen, ist Merz unterwegs in die Türkei zu seinem Antrittsbesuch beim türkischen Präsidenten Erdogan. Die Türkei ist ja ein wichtiger Partner für Deutschland. Gleichzeitig wird das für Merz sicherlich kein einfacher Besuch, sondern vor allen Dingen ein Balanceakt. Und Merzreise ist auch der Grund, warum Julia heute nicht da ist, falls sich das jemand gefragt haben sollte. Sie ist nämlich mit ihm unterwegs und ich bin mir sicher, dass wir deswegen in der nächsten Folge auch nochmal ausführlicher mit ihr über den Märzbesuch sprechen werden und darüber, wie es für ihn gelaufen ist in der Türkei. Dann gab es in dieser Woche Entwicklung beim Thema Bürgergeld, die, glaube ich, vor allen Dingen auch auf die Gereiztheit in der Koalition zeigen. Sie zeigen, wie angespannt das Verhältnis ist zwischen SPD und Union. Denn Union und SPD hatten sich ja eigentlich im Koalitionsausschuss auf eine Reform des Bürgergelds geeinigt. Aber Teile der SPD stemmen sich jetzt gegen diese Reform und haben ein Mitgliederbegehren gestartet. Das wiederum stößt natürlich in der Union auf Unverständnis. Und dann gab es in dieser Woche vor allem ein Thema, das immer noch für Debatten sorgt und das ist Merz Stadtbildäußerung. Wir haben ja letzte Woche schon ausführlicher darüber gesprochen hier im Podcast mit Julia, vor allen Dingen auch über die Frage, beziehungsweise den Satz, den er gesagt hat, Fragen Sie mal Ihre Töchter. Da gab es auch in dieser Woche nochmal Entwicklung. Es gab nämlich eine Gruppe von 60 Frauen aus Kultur, Wissenschaft und Politik, die sich jetzt in einem offenen Brief an Merz gewandt haben und Forderungen für mehr Sicherheit von Frauen gestellt haben. Und ich würde sagen, damit sind wir eigentlich auch bei dem Thema, über das ich auch heute gerne nochmal mit dir sprechen möchte, Janina. Nämlich vor allem bei der Frage, was jetzt aus dieser ganzen Debatte bleibt und was daraus folgt. Weil es gab ja sehr viel Kritik an seiner Aussage, vor allem an dem Framing, das Merz aufgemacht hat, den Zusammenhang, den er hergestellt hat zum Thema Migration. Da haben wir auch letzte Woche hier ausführlich drüber gesprochen. Wir haben das auch kritisiert. Und ich habe das Gefühl, jetzt verlagert sich die Debatte so ein bisschen in eine andere Richtung, nämlich vor allen Dingen so auf das, was folgt jetzt daraus. Da vielleicht am Anfang mal an dich die Frage, was ist dein Gefühl, was bleibt jetzt von dieser Debatte, die Merz wahrscheinlich eigentlich unabsichtlich zu so einem großen Thema gemacht hat? Ja, das finde ich ist genau die richtige Frage. Was bleibt eigentlich und was ist das Ergebnis dieser Debatte, die wir geführt haben? Haben wir eine Debatte geführt, die dieses Land irgendwie weitergebracht hat? Also wir haben ja mehrheitlich das Gefühl in der Bevölkerung, dass wir uns verändern müssen, dass Politik Dinge angehen muss. Aber das ist das, was mich systemisch an dieser Frage, an diesem ganzen Thema so umtreibt. Wir haben im Grunde wieder eine Debatte angestoßen, die für ein bisschen Zufriedenheit im konservativen Milieu geführt hat, vielleicht auch am rechten Rand. Mit endlich sagt es mal einer, einer spricht es aus mit einer ganz zu erwartenden Empörungswelle eben aus einem anderen Teil der Gesellschaft und am Ende ist genau gar nichts passiert. Also die Aussage, die ganze Thematik Stadtbild ist ja ohne konkretem Anlass entstanden. Man hat dann noch die Töchter als Argumentation mit reingezogen, die Töchter anderer Eltern. Es gab weiterhin keinen konkreten Anlass und viel Besonderes. Das Fragwürdige ist ja, es gibt jetzt eigentlich auch keine konkrete Lösung oder Schlussfolgerung draus. Also das Thema Sicherheit ist ja ein Riesenthema für viele Menschen in Deutschland. Das muss man einfach so anerkennen. Wir haben ja auch eine Studie dazu durchgeführt, wo wir nochmal festgestellt haben, dass sich ein Großteil der Frauen, insbesondere an öffentlichen Orten, nicht besonders sicher fühlt. Wir sehen auch, dass sich Menschen zunehmend meinen, unsicher zu fühlen in Deutschland, im öffentlichen Raum. Warum das so ist, was man dagegen tun kann, darüber haben wir sehr wenig gesprochen. Und das ist ja eigentlich genau die Aufgabe dann der Politiker und der Politikerinnen, die das thematisieren. Sie müssten dann eigentlich sagen, ich spreche dieses Thema an und komme mit folgendem Lösungsvorschlag, weil es mir wirklich ein Anliegen ist, dieses Land sicherer zu machen. Und ich glaube, das sieht man aktuell noch nicht. Gab es, glaube ich, einen Vorschlag nochmal aus der Grünen und der SPD Richtung zu Anpassungen im Stadtbild, die vielleicht auf Beleuchtungskonzepte und anderes zurückgehen. Aber da sind mir jetzt zumindest noch keine konkreten Verbesserungen gekommen. Also ich habe noch keine Verbesserung wahrgenommen. Das ist dann, glaube ich, immer so eine Frage, die wir uns stellen müssen, ob wir uns so eine Empörungsdebatte leisten können, wo wir doch eigentlich so viel größere Probleme im Land haben. Ich glaube, das war auch eins der großen Probleme an dieser Aussage, dass Merz sie so im Nebensatz getätigt hat und dann im nächsten Nebensatz einfach nur gesagt hat, naja, deswegen müssen wir mehr abschieben. Und das löst natürlich ganz viele Probleme, die es bei der Sicherheit gibt, nicht. Deswegen fand ich das total spannend, was ihr ja auch in eurer Umfrage untersucht habt, Nämlich auch, wo sich die Menschen unsicher fühlen, gerade bei Frauen. Hast du da nochmal so ein paar Zahlen für uns? Genau, also wir haben in dieser Umfrage sowohl Männer als auch Frauen gefragt, in welchem dieser öffentlichen Räume sie sich sicher fühlen. Und wir haben vieles zur Auswahl gestellt. Auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bahnhöfe, Clubs, Bars, Schwimmbäder, Parks. Und ganz interessant ist erstmal, dass 55 Prozent der Frauen gesagt haben, sie fühlen sich eigentlich in keinem dieser Orte, die wir zur Auswahl gestellt haben, per se sicher. Das ist schon mal ein sehr, sehr großer Wert, weil das ist mehr als jede zweite Frau. Das ist ein Thema, das finde ich persönlich total spannend. Ich bin eine Frau. Natürlich habe ich da jetzt auch Stakes drin. Und gleichzeitig muss man sagen, muss man solche Umfragen immer im Kontext sehen. Habe ich mich vor zehn Jahren genauso unsicher gefühlt? Warum fühle ich mich jetzt unsicherer? Da können wir, glaube ich, lange diskutieren. Was wir sehen ist, dass Frauen sich, also fast jede vierte Frau sagt, sie fühlt sich auf der Straße nicht besonders sicher. Jede Fünfte sagt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ja, wir haben ebenfalls jede Fünfte, die sagt auch Veranstaltungen oder Festivals. Und ich glaube, das muss man dann so ein bisschen auseinanderklamüsern und vielleicht auch noch in den nächsten Wochen und Monaten, wenn einem das ein wirkliches Anliegen ist, da tiefer reinzugehen. Wenn Frauen natürlich nicht umgehen, nur Angst vor migrantischen Männern. Sie können vielleicht auch in der Dunkelheit erst mal gar nicht erkennen, ob jemand eine Aufenthaltsgnehmigung hat oder nicht. In der Regel ist es dann die Angst vor Männern. Und das ist, ich glaube, das nochmal so ein bisschen auszudifferenzieren und auch zu gucken, wie kann man eigentlich im Stadtbild auch für einen besser wahrgenommen, um eine Sicherheit zu sorgen. Das ist ein vielschichtiges und komplexes Thema. Man muss schon sagen, dass auch ein großer Teil der Menschen Merz auch Recht gibt und sagt, das ist gut, dass er das anspricht. Und nicht alle differenzieren das dann aus den Ebenen heraus. Und ja, also er hat einen Kern getroffen, er hat eine Emotionalität getroffen. Ob daraus jetzt Taten folgen, ob sich Lösungen entwickeln, auch in der Koalition, die dann dafür sorgen, dass sich Menschen, insbesondere Frauen, insgesamt sicherer fühlen. Das werden wir sehen. Ich fand es ganz spannend. Ihr habt ja auch nachgefragt, welche Maßnahmen die Menschen befürworten würden. Bei welchen Maßnahmen sie denken, dass es eben ihr Sicherheitsgefühl stärken würde. Zum Beispiel. Hat knapp zwei Drittel befürwortet, dass mehr sichtbare Sicherheitskräfte an öffentlichen Orten stationiert sein sollen. Ein Ausbau der Videoüberwachung, dem stimmen 55 Prozent zu Gesetzesänderungen, mit denen Strafbarkeitslücken geschlossen werden. Also da wäre ja durchaus Handlungspotenzial auch für die Politik da, mit dem sich sehr gut dieses Sicherheitsgefühl der Menschen in Deutschland verbessern lassen könnte. Genau, das ist da und man muss auch sagen, wenn man das Thema Sicherheit diskutiert und dem auch diesen Raum gibt, dann wird vielleicht auch diese Unsicherheit, die man erstmal fühlt, die kann auch größer werden dadurch. Also je mehr Aufmerksamkeit ich einem Thema gebe, desto mehr Verantwortung habe ich dann auch. Das Gefühl der Sicherheit den Menschen wieder zurückzugeben. Und von daher denke ich, haben wir in der Umfrage schon viele Aspekte gesehen, die man angehen könnte. Vieles ist natürlich auch mit hohen Kosten verbunden. Das muss man einfach sagen, wenn Polizeikräfte oder andere Sicherheitskräfte irgendwie an vielen Orten begegensein müssen. Anderes sind vielleicht auch Investitionen von Beleuchtungskonzepten auch an Bahnhöfen, Unterbrücken, in Innenstädten. Da ist dann eben viel zu tun. Aber das sind sicherlich alles Themen, die eine Mehrheit aktuell begrüßen würde. Vor allem auch bei den Kommunen natürlich, du hast es gerade angesprochen, das Thema Geld oft nicht so leicht. Ich habe mich gefragt, wenn man so Erhebungen macht zum Sicherheitsgefühl, dann ist das ja auch immer subjektiv. Du hast es ja gerade schon gesagt, auch das Sicherheitsgefühl wird beeinflusst, zum Beispiel durch mediale Berichterstattung und durch ganz viele verschiedene Themen. Das ist nicht quasi eine Zahl an Übergriffen oder Vorfällen, die man wirklich festhalten kann, sondern es ist ein Gefühl. Wie viel kann man denn in solche Umfragen dann tatsächlich hineininterpretieren? Ja, also ich glaube, das Gefühl muss man erstmal ernst nehmen. Es ist da. Und wir haben auch, um jetzt nochmal das Thema Migration mit reinzunehmen, wir haben das in den letzten Jahren schon deutlich sehen können, dass das Thema Migration den Menschen immer wichtiger geworden ist, obwohl wir es medial noch gar nicht so diskutiert haben. Das haben wir in den letzten Jahren ganz gut beobachten können und ich habe das immer für mich so interpretiert, als dass man schon eine gewisse Überforderung der Kommunen und der Situation vor Ort wahrgenommen hat. Also das kennt man vielleicht dann auch aus Umfeld, aus kleineren Städten, dass man mitgenommen hat, dass irgendwie Sportkurse ausfallen, dass die Turnhallen erstmal gerade nicht zu benutzen sind. Dass irgendwie temporäre Unterkünfte gebaut wurden, die aber irgendwie eigentlich keine gute Situation für niemanden wirklich darstellen. Und dass den Kommunen einfach Ressourcen gefehlt haben, das wirklich gut zu organisieren. Also gar nicht zwingend jetzt die Frage der Ausländerfeindlichkeit, die da auf erster Linie mitschwingt oder Angst vor Überfremdung oder was dann eben die ganz rechten Parteien ranziehen, sondern das ist vielleicht eher erstmal die Wahrnehmung, oh je, der Staat ist überfordert und ich glaube, Das macht mir Sorgen, wenn der Staat die Kontrolle verliert. Und das haben wir auch an den Außengrenzen viel diskutiert. Und ich vermute, wenn ich jetzt von außen in Merzkopf versuche reinzuschauen, dann wollte er diese Überleitung schaffen und sagen, wir haben das an den Außengrenzen diskutiert. Jetzt haben wir es aber irgendwie auch im Land haben wir immer noch ein Gefühl von Kontrollverlust, dass wir es vielleicht nicht ganz gut organisiert haben und noch nicht da sind. Es ist natürlich immer schwer, als Bundeskanzler sowas auszudrücken, weil dafür ist erstmal er verantwortlich, er und seine Regierung. Aber das ist durchaus da. Und ich glaube, deswegen ist es auch okay, dass man da rangeht. Wir wissen nur, den Menschen sind andere Themen mindestens genauso wichtig. Sie sind eigentlich wichtiger. Die Menschen sehen den Reformstau in Deutschland. Sie haben Angst vor wirtschaftlichem Abstieg. Sie haben Angst vor einer wirtschaftlichen Situation, die sie immer mehr selbst auch bedroht. Jeder zweite Deutsche geht davon aus, dass es ihm in fünf Jahren schlechter geht, also wirklich wirtschaftlich, persönlich schlechter geht. Und das ist eine ganz neue Situation in Deutschland, bei der ich dann immer wieder denke, jetzt ausschließlich über Sicherheit zu diskutieren, ausschließlich über Migration zu diskutieren, das zu vermengen. Also sehr vereinfacht zu vermengen, das hilft am Ende nicht. Immer den Falschen, weil das ist einfach ein Kernkompetenzfeld, gerade das Thema Migration, was die Menschen bei der AfD sehen. Und da wird auch Merz mit seiner kantigen Sprache, also es würde mich stark wundern, wenn er jetzt dadurch hinzugewinnt. Das sehen wir in der Form auch einfach nicht. Ich finde, es ist eine ganz spannende Frage, weil das schließt ja auch an die Frage, so was bleibt jetzt eigentlich von dieser Debatte? Was bleibt vor allen Dingen auch mit Blick auf Merz? Also hat sich das Bild von Merz in der Öffentlichkeit, hat sich das verändert? Es gibt ja immer wieder diese Umfragen zur Beliebtheit von Merz, zu den Zustimmungswerten von Merz. Und die sind ziemlich schlecht. Ich glaube, das lässt sich über alle Meinungsforschungsinstitute hinweg auch sagen. Die Zustimmung zu ihm ist nicht gut. Genau, also wenn man jetzt punktuell mal reinfragt und fragt, wie finden Sie jetzt seine Kommunikation rund um das Thema Stadtbild, Migration, dann findet man ein recht gemischtes Bild. Dann gibt es auch viele Menschen, die sagen, ja, das ist auch gut, dass man das mal ausspricht. Das kann man dann insofern sagen, da sieht man dann irgendwie geteilte Meinungen. Insgesamt und das ist auch auf die längere und mittelfristigere Sicht, muss man sagen, die Zufriedenheit mit ihm hat langfristig abgenommen und die Zufriedenheit mit seiner Kommunikation ebenso. Also das heißt, auch wenn er mal kurzfristig meint, Erfolge zu haben, vielleicht auch weil er vielleicht auch Briefe ins Adenauerhaus bekommt, die dann sagen, ja toll, gut, dass sie es ausgesprochen haben. Es gibt diese Leute, die sich kurzfristig vielleicht davon befriedigt fühlen, aber auch die sind natürlich nicht langfristig abgeholt, wenn sich insgesamt nichts verändert, wenn insgesamt eigentlich sich gar nichts verändert und eigentlich nur kurz mal Töne angeschlagen werden, eine kurzfristige Debatte angestoßen wird, aber eigentlich alles beim Alten bleibt. Und deshalb muss man schon sagen, insgesamt nimmt die Zufriedenheit stark ab und die Zufriedenheit mit seiner Kommunikation ist auf dem Tiefpunkt. Und gleichzeitig ist nicht nur die Zufriedenheit mit ihm persönlich als Kanzler schlecht, sondern auch die Zustimmungswerte oder die Umfragewerte für die Koalition insgesamt, also für Union und SPD, sind relativ schlecht. Die Union liegt aktuell meistens hinter der AfD. Also was machen die Parteien aktuell falsch? Denn der Weg, den sie einschlagen in der derzeitigen Debatte, scheint ja irgendwie nicht wirklich bei den WählerInnen zu fruchten. Ja, es ist so ein bisschen das, was wir eigentlich von Anfang an bei Merz und seiner CDU jetzt sehen. Wir wissen, dass die Union konservative Parteien häufig im Allgemeinen einen komparativen Vorteil hat bei der Kompetenzzuschreibung von Wirtschaftspolitik. Und das ist auch eines der drängendsten Themen, die die Deutschen gerade haben. Sie wollen einen wirtschaftlichen Aufschwung und sie wollen eigentlich so diesem Abgesang auf Deutschland. Sie wollen natürlich, dass sich das verändert. Und ich habe das ja eben schon angesprochen, wenn jeder zweite Deutsche sagt, mir persönlich würde das in fünf Jahren schlechter gehen. Wirklich ganz persönlich, nicht nur irgendwen anderen da im Land, nicht nur irgendwie ein Unternehmen im Nachbarort, was pleite geht, sondern ich selber habe Angst, dass es mir schlechter geht, ich mir gewisse Dinge nicht mehr leisten kann und davon gehe ich sogar aus. Dann wissen, glaube ich, die meisten auch innerhalb der Union, das ist das Thema, was wir setzen müssen. Da müssen wir ran, da müssen wir was verändern. Und da können wir uns auch klar von der AfD abgrenzen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das viele rational wissen. Und dennoch, und das haben wir schon vor dem Amtsantritt von Friedrich Merz gesehen, lassen Sie sich immer wieder treiben von den Themen Sicherheit, Migration. Da wissen wir aus viel Politikforschung einfach, das ist schwer zu gewinnen. Da gewinnt dann im Zweifel das Original, um es ganz platt auszudrücken. Und da frage ich mich jetzt als Außenstehende schon, Ist da eine Strategie dahinter, an die man im Kanzleramt glaubt? Oder ist das wirklich erratisches Verhalten? Ich weiß es an der Stelle nicht. Ja, ich glaube, man kann darüber nur spekulieren. Aber ich habe schon auch das Gefühl, dass sich gerade die Union da sehr oft treiben lässt. Von Debatten, die die AfD in einem großen Teil aufmacht. Themenfelder, die die AfD besetzt. Und von denen sich die Union dann immer wieder getrieben fühlt, dass sie doch zu dem Thema was machen müssen. Dass sie sich jetzt dazu äußern müssen. Und am Ende zahlt es aber eben, du hast es gerade schon gesagt, wir sehen es auch in der Forschung, in der politikwissenschaftlichen Forschung, am Ende zahlt es sich nicht für die konservative Partei, die Union aus, sondern eben vor allen Dingen für die rechten, rechtspopulistischen, rechtsextremen Parteien. Ja, bei Merz ist es natürlich besonders tragisch, weil er hat selber die Erwartungen so hoch gelegt. Er hat gesagt, es kommt eine Stimmungswende im Vorsommer und es sind nicht mal die Maßnahmen angelegt worden, um eine solche Stimmungswende eigentlich zu erreichen. Und ich glaube, das ist wirklich auch dann nochmal ein sehr schwieriges Erwartungsmanagement oder ein Umgang mit Erwartungen, was wir jetzt eben sehen, dass die Menschen das abstrafen. Das ist ja bei der Stadtbilddebatte eigentlich auch genau das Gleiche. Weil ich meine, er hat in diesem Satz ja auch die Erwartungen aufgemacht, wenn der Innenminister jetzt einfach nur mehr abschiebt, dann haben wir keine Probleme mehr im Stadtbild. Erwartungen, die er überhaupt nicht erfüllen kann, die ihm am Ende dann auch wieder auf die Füße fallen können. Also wäre das ja eigentlich jetzt der Moment für ihn zu sagen, okay, jetzt beschließen wir wirklich konkrete Maßnahmen, die die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im öffentlichen Raum stärken. Genau, also es müssen Maßnahmen folgen und es muss überhaupt irgendwie der Glaube zurückkommen, dass Politik etwas verändern kann und Lösungen bieten kann. Wir sehen mittlerweile in den Problemlösungskompetenzfragen, also bei den Fragen, welcher Partei trauen sie am ehesten zu Problemen im Land zu lösen, dass die AfD deutlich vor der Union liegt. Ja, nochmal deutlich stärker ist da der Abstand als in den Sonntagsfragen. Und das ist viel dramatischer. Also wenn ich nämlich wirklich glaube, dass die AfD Probleme lösen kann, was man ja bislang, was viele Menschen in der Vergangenheit ihnen eigentlich nicht zugesprochen haben. Sie haben gesagt, es ist eine Protestpartei und so weiter. Aber jetzt sehen Sie, also Sie sehen in Teilen, dass sie Probleme lösen kann. Und das ist genau das, was man anderen Parteien eben nicht mehr zutraut. Ich glaube, das ist die größte Fallhöhe wirklich für Merz. Und natürlich die gesamte Koalition, wir konzentrieren uns immer sehr auf Merz. Es ist natürlich eine gesamte Regierung. Aber es ist ja auch der März-Podcast. Es ist der März-Podcast und es ist natürlich so, am Ende ist er der Chef. Und das ist schon, das Vertrauen in die politischen Akteure ist wahnsinnig gering. Und wenn ich mit diesem Vertrauen noch weiter spiele, dann habe ich wirklich ein Problem. Und ich glaube, mich wundert, ich muss wirklich sagen, mich wundert die Kommunikation einfach so sehr, weil das es kompliziert ist, dass man nicht einfach mal schnell eine Reform des Sozialstaats irgendwie umlegt. Das ist mir, ich glaube, das ist vielen bewusst. Aber wir diskutieren nicht mal mehr richtig auf diesen Themen, sondern lassen uns eben von Stadtbilddiskussionen ablenken. Und wir lassen auch, oder die Regierung lässt auch eben diese Flatterkommunikation zu. Also Ankündigung, keine Maßnahmen, Ankündigung, keine Maßnahmen. Und dass das einfach nur ein schadendes Gefühl in der Bevölkerung hinterlässt mit, ah ja, okay, die kriegen es jetzt auch nicht hin, das ist nachvollziehbar. Wäre da nicht eigentlich die logische Schlussfolgerung, dass die Parteien der Mitte, die Koalition, die jetzt eigentlich neue Themenfelder besetzen müssten, sich eben nicht mehr nur treiben lassen von der AfD zum Thema Migration. Sondern versuchen, eigene Themen zu setzen und dann zu sagen, hier, es gibt ein Problem und wir lösen das jetzt nicht. Für euch und damit gibt man den Menschen dann eben dieses Gefühl zurück, okay, die Politik macht was für mich. Sie handelt und nicht quasi läuft immer Debatten hinterher. Ja, ich bin fest davon überzeugt, dass man sich auf wirtschaftspolitische Themen konzentrieren muss und dass man auch sozialpolitische Reformen diskutieren muss. Und das ist natürlich, man kriegt da natürlich auch keine Liebe geschenkt, weil das sehr, sehr harte Themen sind. Aber dieses Gefühl, dem Erron im dritten Jahr der Rezession, diesem immer weiter schwächelnden Standort ausgeliefert zu sein, ich glaube schon, dass das viele Menschen umtreibt. Die Einschläge kommen näher, die Arbeitsplatzverluste kommen näher und das ist etwas, was den Menschen immer wichtiger ist als ein außenpolitisches Thema oder als ein Migrationsthema. Das ist so. Am Ende geht es irgendwie um mein Portemonnaie, um das, was mir persönlich sehr nahe ist. Und da würde ich behaupten, gibt es einen Kompetenzzuspruch noch gerade für eine konservative Partei wie die Union, den sie ausfüllen muss. Und es wäre, glaube ich, aus Sicht vieler Menschen zu begrüßen, wenn sie sich darauf stärker wieder fokussiert. Ich fand das super spannend, denn ihr habt ja auch in einer Umfrage abgefragt. Mit welchen Politikfeldern die Menschen in Deutschland eigentlich aktuell oder bei welchen Politikfeldern die Menschen in Deutschland aktuell mit Friedrich Merz zufrieden sind und... Bei welchen nicht? Und auch da finde ich das Ergebnis ziemlich eindrücklich. Genau, also man kann erst mal mit dem längsten Balken anfangen. Das sind nämlich 40 Prozent, die sagen, weiß nicht. Das ist in der Tat, also das ist relativ, ein weiß nicht hat man nicht so oft auf der Ebene. Das hat so ein bisschen was damit zu tun, dass man sagt, eigentlich bin ich gar nicht zufrieden mit nichts. Also es ist ein hoher Wert von Unzufriedenheit, der erst mal da ist. Oder sie können ihm gar nichts zuordnen, gar keine Erfolge auf irgendeinem Themenfeld zuordnen. Sie wollen es nicht zuordnen. Wir versuchen immer, die Ausweichantworten relativ knapp zu halten, dass man sich ein bisschen auch auf den anderen Themen fokussieren kann. Aber genau, man sieht eben da einen sehr, sehr langen Balken. Und dann sieht man, wenn Menschen noch am ehesten mit etwas zufrieden sind, dann sind sie es in der Außen- und Europapolitik. Das erinnern wir uns ja auch gut dran. Der außenpolitische Kanzler, das hat seine Amtszeit begonnen. Das fand man auch erst mal gut. Und das ist auch, glaube ich, wichtig, dass er es tut. Wir haben da auch schon drüber gesprochen in diesem Podcast. Das ist so ein bisschen wie so ein Hygienefaktor. Ein deutscher Kanzler muss auch ein außenpolitischer Kanzler sein. Er muss uns repräsentieren und wir wollen auch so ein bisschen, also diese Art der Führung wollen wir auch sehen. Aber am Ende werden Wahlen natürlich auch durch innenpolitische Themen gewonnen und innenpolitische Themen gewonnen. Und wir sehen eben, dass es viel auch mit wirtschaftlichen Kompetenzen zu tun hat. Wenn sie noch irgendwo einigermaßen zufrieden sind, dann ist es tatsächlich noch, sagen immerhin, 23 Prozent auf der Migrationspolitik. Denn da ist ja jetzt auch schon einiges passiert. Da wurde was getan. Ja, und dann haben wir vielleicht noch 17 Prozent, die sagen, ich bin mit der Verteidigungspolitik zufrieden. Das sind auch keine hohen Werte mehr. Nur sieben Prozent sagen, sie sind mit seiner Wirtschaftspolitik zufrieden. Also das ist, würde ich sagen, mehr als ausbaufähig. Und dann gibt es ja auch noch die Felder, bei denen eigentlich niemand sagt, dass sie damit zufrieden sind. Genau, also ich meine, das ist dann auch vielleicht ein bisschen der aktuellen Situation geschuldet, dass man sieht, die Probleme sind insgesamt so groß, man muss ein bisschen abschichten und priorisieren. Aber bei Bildung, Forschung, Digitalisierung, Innovation, Klimaschutzpolitik, da sind wir bei ein Prozentwerten. Da ist wirklich nahezu niemand zufrieden. Genauso tatsächlich wie mit Steuer- und Finanzpolitik. Das sind einfach Themen, die die Menschen auch aktuell nicht wahrnehmen im Zusammenhang mit Friedrich Merz. Aber wären das nicht dann auch eben gerade die Felder... Bei denen die Regierung punkten könnte, wenn sie sagen, okay, wir zeigen euch jetzt genau bei den Feldern, sorgen wir jetzt für einen Wandel, zum Beispiel mit Entbürokratisierung, bei Digitalisierung. Das wären ja eigentlich quasi so Quick Wins, dass man sagt, okay, wir bringen damit was auf den Weg und sorgen damit dafür, dass die Menschen zufriedener sind. Ja, also ob es Quick-Wins in der Digitalisierung des Staates gibt, weiß ich nicht. Ich glaube, das wird ja seit Jahren auch viel diskutiert. Da ist tatsächlich auch die Frage, wie positioniert sich die Bundesregierung da? Also es gibt ja Maßnahmenpakete, Aussagen von Carsten Wildberger, die ja medial überhaupt nicht die Reichweite erlangen können, wie eine Stadtbild-Aussage, die von Friedrich Merz getätigt ist. Also muss man sich auf der einen Seite fragen, hören Medien hier nicht genug hin? Lassen wir uns da vielleicht auch als Menschen, die irgendwie im medialen Raum aktiv sind, zu sehr mittreiben von solchen Stadtbilddiskussionen? Und auf der anderen Seite muss sich vielleicht auch die Regierung fragen, müsste man nicht genau diese anderen Themen auch mehr zur Chefsache machen? Also das haben wir auch vor der Sommerpause ja stark diskutiert. Kann sich ein Kanzler leisten, nur Außenpolitik zu machen? Ich glaube, nein. Auch ein Kanzler muss irgendwie sich auch für eine wirtschaftspolitische Reform, also er muss der Sprecher der wirtschaftspolitischen Reform sein. Er kann das nicht der Wirtschaftsministerin überlassen. Und genauso ist das sicherlich auch auf Digitalisierungsthemen. Es gibt sicherlich immer wieder Leuchtturmprojekte, die dann eine Forschungsministerin abbilden kann. Aber so dieser Glaube daran, dass der Staat sich weiterentwickelt, dass wir was Neues schaffen, dass wir uns Reformen zutrauen, die müssen aus meiner Sicht immer von oben kommen und mitgetragen werden. Sonst verlieren sie auch den Zuspruch und das Commitment, auch mitzulaufen. Es würde vielleicht Friedrich Merz helfen, sich mal die Ergebnisse eurer Umfrage anzuschauen, sich damit zu beschäftigen. Wir wollen ja immer am Ende des Podcasts nochmal über eine Zahl reden. Wir haben heute sehr viel schon über Zahlen geredet, aber lass uns trotzdem nochmal über eine Zahl reden. Gab es für dich so eine Zahl der Woche? Also ich gucke ja immer sehr viel auf Zahlen und wenn ich mich jetzt für eine entscheiden sollte, dann muss ich sagen, Ich habe nochmal in eine Umfrage geschaut, die wir fortlaufend durchführen. Und das ist die Frage, wie sicher fühlen Sie sich eigentlich in Ihrer Nachbarschaft? Und da stellen wir erstaunlicherweise fest, dass sich 87 Prozent der Deutschen sehr sicher fühlen in Ihrer Nachbarschaft. Also es zeigt mir auch wieder, dass es sicherlich Herausforderungen gibt im öffentlichen Raum. Und die muss man auch nicht kleinreden. Das ist aber die meisten Menschen nicht mit einem permanenten Gefühl der Unsicherheit durch Deutschland laufen, sondern sie auch weiterhin gerne ihre Wohnung und ihr Haus verlassen und sich eigentlich ganz wohl fühlen dort, wo sie wohnen. Meine Zahl der Woche, ich hoffe, du verzeihst mir das, ist aus einer anderen Umfrage. Nämlich aus einer Umfrage, die gefragt hat, ob die Menschen damit rechnen, dass es ein frühzeitiges Ende von Schwarz-Rot gibt. Und das Ergebnis war, fast die Hälfte der Menschen glaubt daran, 49 Prozent glauben daran, dass diese Regierung frühzeitig zerbricht. Meine Frage an dich wäre jetzt, glaubst du das auch? Das weiß ich nicht. Ich drücke der Regierung die Daumen, dass sie es schafft und dass sie es hinkriegt. Also wir profitieren alle nicht davon, wenn egal welche Regierung platzt und ein neues Chaos und neue Monate des Stillstandes entstehen. Auch mit all dem, was als Trostszenario auch von rechts außen da ist. Von daher wünsche ich dieser Regierung, dass sie es hinkriegt und dass sie auch den Mut hat, gewisse Reformen anzugehen und auch über andere Themen zu sprechen. Das ist doch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank, dass du heute da warst, Janina, und bei uns zu Besuch warst. Wenn ihr Themen habt, Fragen habt, vielleicht auch an Janina, dann schreibt uns eine Mail an rambuzambo at funkemedien.de oder slidet in unsere DMs auf TikTok oder auf Instagram auf unserem Kanal Funke News. Dann würde ich sagen, schön, dass ihr zugehört habt und wir hören uns nächste Woche wieder. Tschüss! Ja.