Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 14 - Das Lied der Schwermuth
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04Unterkapitel 14 das Lied der Schwermut, Abschnitt 1.
- 0:13In diesem Abschnitt verlässt Zarathustra für einen kurzen
- 0:16Moment seine eigene Höhle. Zuvor hatte er drinnen zu seinen
- 0:20Gästen gesprochen. Diese Gäste sind die sogenannten
- 0:23höheren Menschen. Damit meint Nietzsche die
- 0:26besten, klügsten oder mächtigsten Menschen der
- 0:29bisherigen Gesellschaft, zum Beispiel Könige, Gelehrte oder
- 0:33auch den Papst. Aber obwohl sie die besten der
- 0:36alten Welt sind, sind Sie für Zarathustra noch lange nicht das
- 0:40Ziel. Sie sind fehlerhaft, oft
- 0:42verzweifelt und hängen noch an alten Werten als Zarathustra
- 0:46nach draußen in die freie Natur tritt, atmet er tief durch, er
- 0:50ruft nach seinen Tieren, dem Adler und der Schlange.
- 0:54Er sagt zu Ihnen, dass er die reine Luft und die selige Stille
- 0:58der Natur braucht. Er fragt seine Tiere scherzhaft,
- 1:01ob die höheren Menschen drinnen in der Höhle vielleicht keinen
- 1:04guten Geruch haben, damit meint er im übertragenen Sinn, dass
- 1:08diese Menschen den Gestank von alten Sorgen, Krankheiten des
- 1:11Geistes und veralteten Moralvorstellungen an sich
- 1:14tragen. Zarathustra fühlt sich im Moment
- 1:17draußen bei seinen Tieren, die für die reine, Unschuldige und
- 1:20instinktive Natur stehen. Viel wohler als drinnen bei den
- 1:24komplizierten und schwermütigen Menschen.
- 1:27Seine Tiere kommen sofort zu ihm und zu dritt genießen sie die
- 1:30frische Luft. Abschnitt 2 Während Zarathustra
- 1:36draußen ist, nutzt drinnen in der Höhle der alte Zauberer die
- 1:39Gelegenheit. Dieser Zauberer ist eine Figur,
- 1:42die für den Künstler, den Schauspieler und den Meister der
- 1:45Illusionen steht. In der Philosophie von Nietzsche
- 1:48wird diese Figur oft als Kritik an dem berühmten Komponisten
- 1:52Richard Wagner verstanden, der mit seiner Kunst die Menschen
- 1:55emotional verführte, anstatt sie zur Klarheit zu führen.
- 1:59Der Zauberer blickt sich um und stellt Fest, dass Zarathustra
- 2:02weg ist. Sofort spürt er, dass er nun die
- 2:04Kontrolle über die Gruppe der höheren Menschen übernehmen
- 2:07kann, er sagt ihnen offen, dass sein eigener, böser Geist,
- 2:11nämlich der Teufel der Schwermut, also einer tiefen,
- 2:14dunklen Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit.
- 2:17Nun, die Macht über ihn und auch über die Anwesenden ergreift der
- 2:21Zauberer weiß ganz genau, in welchem geistigen Zustand sich
- 2:24die höheren Menschen befinden. Er sagt, dass sie alle an einem
- 2:28großen Ekel leiden, sie wissen, dass der alte Gott tot ist.
- 2:33Das bedeutet, dass die alten Religionen und die alten
- 2:36absoluten Wahrheiten keine Gültigkeit mehr haben, aber
- 2:40gleichzeitig gibt es noch keinen neuen Sinn, an den sie glauben
- 2:43können. Sie hängen in einer Lücke
- 2:46zwischen der alten toten Welt und einer Zukunft, die sie noch
- 2:50nicht erreichen können. Genau diese Lücke nutzt der
- 2:53Zauberer aus, Er liebt Zarathustra zwar auf eine
- 2:57gewisse Weise, weil Zarathustra so ehrlich und rein ist, aber
- 3:01die Natur des Zauberers ist es, die Menschen in die Dunkelheit
- 3:04und die Melancholie zu ziehen. Er kündigt an, dass er nun ein
- 3:07Lied spielen wird, die Hereinbrechende Nacht und der
- 3:10Abenddämmerungsteufel zwingen ihn dazu.
- 3:14Er greift zu seiner Harfe und warnt die Anwesenden, dass er
- 3:17sie nun verführen wird. Abschnitt 3 hier beginnt das
- 3:23eigentliche Lied der Schwermut, dass der Zauberer singt das Lied
- 3:27ist ein Gedicht, das eine harte Kritik an der Rolle des Dichters
- 3:30und des Künstlers übt. Der Zauberer singt von der
- 3:34Hereinbrechenden Nacht und dem Tau, der auf die Erde fällt,
- 3:38dann stellt er sich selbst die Frage, wer er eigentlich ist.
- 3:42Ist er ein Sucher nach der Wahrheit?
- 3:45Seine Antwort ist hart und vernichtend, nein, nur ein Narr,
- 3:50nur ein Dichter, er beschreibt den Dichter nicht als einen
- 3:53weisen Mann, sondern als ein listiges, schleichendes
- 3:56Raubtier, der Dichter ist, jemand, der Lügen muss, er tut
- 4:01dies sogar absichtlich und mit vollem Bewusstsein, er setzt
- 4:05sich bunte Masken, Nietzsche nennt sie Larven auf und baut
- 4:08Brücken aus falschen Worten und bunten Regenbögen.
- 4:12Der Dichter gaukelt den Menschen tiefe Gefühle und große
- 4:14Wahrheiten vor. Aber in Wirklichkeit ist alles
- 4:17nur ein Schauspiel. Nietzsche verwendet in dem Lied
- 4:21Starke Tierbilder, der Dichter wird mit einem Raubtier
- 4:24verglichen, das auf Beute aus ist.
- 4:27Er schleicht wie ein Panther oder stürzt wie ein Adler in die
- 4:30Tiefe, um Lämmer zu reißen. Diese Lämmer stehen für die
- 4:34unschuldigen, naiven Menschen, die dem Dichter glauben, der
- 4:38Dichter hasst, tief in sich drin, das Lammhafte, das
- 4:41friedliche. Und das brave?
- 4:44Er will die Emotionen der Menschen aufwühlen, sie leiden
- 4:47lassen und sich an diesem Schauspiel ergötzen.
- 4:50Es ist eine blutgierige grausame Art, wie der Dichter mit den
- 4:53Gefühlen seines Publikums spielt, zum Schluss des Liedes
- 4:57beschreibt der Zauberer, wie der Dichter in seinen eigenen
- 5:00Wahnsinn singt, er ist der Wahrheit und dem hellen Licht
- 5:03des Tages überdrüssig geworden, er verbrennt förmlich in der
- 5:07Sonne, der echten Wahrheit, weil er sie nicht ertragen kann.
- 5:11Er ist ein Mensch, der aus der Welt der echten Wahrheiten
- 5:14verbannt ist, weil er sich für die Welt der bunten Illusionen
- 5:17und Lügen entschieden hat. Das Lied endet mit der bitteren
- 5:20Erkenntnis, dass dies das Schicksal und die fragwürdige
- 5:23Seligkeit des Dichters ist. Er bleibt für immer nur ein nach
- 5:28und nur ein Dichter, getrennt von der wahren Stärke und
- 5:31Ehrlichkeit, die Zarathustra eigentlich lehrt.