Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Natürlich sind wir Kriegspartei. Na und?
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- 0:07Es ist Donnerstag, der 13. August. Herzlich willkommen zum Stern-Podcast Die
- 0:12Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Think
- 0:17Tank European Policy Center.
- 0:19Guten Morgen, Herr Mölling. Hallo, guten Morgen, Herr Gattmann.
- 0:22Mein Name ist Moritz Gattmann. Ich bin Auslandsreporter für den Stern mit Schwerpunkt Osteuropa.
- 0:28Herr Mölling, es ist ja nun schon wieder eine Woche her, aber Deutschland diskutiert
- 0:32noch immer darüber, die Drohnenattacke, die versuchte Drohnenattacke auf ukrainische
- 0:37Frachtflugzeuge, die über den Flughafen Leipzig unter anderem militärische Güter transportieren.
- 0:43Ich weiß, dass viele das Wort nicht mögen, aber für mich wirkt das,
- 0:46was wir seit diesem Jahr sehen, schon die eine vertikale oder horizontale Eskalation oder eine Mischung.
- 0:54Die Ukraine und Russland greifen Schiffe an, die die Häfen des jeweils anderen
- 0:58im Schwarzen Meer anlaufen.
- 0:59Die Ukraine attackiert massiv das russische Hinterland, unter anderem die Waffenproduktion.
- 1:05Da erscheint der Vorfall in Leipzig wie eine Antwort der Russen.
- 1:08Aus Moskaus Sicht sind wir ja das sichere Hinterland, wo Waffen für die Ukraine
- 1:12produziert und transportiert werden.
- 1:14Deswegen, der österreichische Militärexperte und Oberst Markus Reißner hat nach
- 1:19Leipzig gesagt, er erwartet für die nächsten Wochen und Monate eine weitere
- 1:23Eskalation, sowohl von russischer wie von ukrainischer Seite.
- 1:28Wie weit kann die gehen, Herr Mölling?
- 1:30Na ja, soweit die Waffen tragen, würde ich mal darauf erstmal etwas kurz antworten.
- 1:36Aber ich glaube, was darin wichtig zu verstehen ist, jeder der Akteure wird
- 1:43die Möglichkeiten nutzen, die er hat, um seine Ziele zu erreichen.
- 1:47Das sind zwei Unterschiede.
- 1:48Erstens die Möglichkeiten oder die Waffen, die er hat, oder die die eine Seite
- 1:52hat und die die andere Seite hat.
- 1:54Und die Ziele, die sind auch jeweils unterschiedlich in dem Zusammenhang.
- 1:58Was wir sicherlich erleben werden, ist das, was Reisner beschrieben hat.
- 2:02Dass sich dieser Konflikt so weit verändern wird, dass alle Möglichkeiten,
- 2:08die die Russen haben, mit mehr Raketenproduktion und die Tatsache,
- 2:11dass die zurzeit nicht abgefangen werden können, zumindest die ballistischen
- 2:14Raketen, dass die Russen das weiter ausnutzen werden.
- 2:17Vor allen Dingen Richtung Herbst, um die Ukrainer vor einen eiskalten Winter zu stellen.
- 2:23Die Ukrainer kämpfen auf ihrer Seite mit den erweiterten Reichweiten und Quantitäten
- 2:32ihrer Drohnen gegen Russland und versuchen, dort Schläge zu machen.
- 2:35Das heißt, jeder versucht nicht gleichzuziehen mit dem anderen,
- 2:40sondern versucht tatsächlich, die Lücken und die Nischen zu finden,
- 2:43die den anderen stärker schwächen können.
- 2:45Aber niemand hält dabei etwas zurück. Ich glaube, das ist der wichtigste Punkt.
- 2:48Also wenn Sie einen Krieg führen,
- 2:52so wie dieser Krieg läuft, als.
- 2:56Invasionskrieg, dann haben Sie keine Grenzen, so wie wir das früher aus den
- 3:02Auslandseinsätzen kennen.
- 3:04Dass sie sagen, naja, hier gibt es ein umgrenztes Territorium,
- 3:07in dem gilt das Mandat oder sowas. Nee, sie versuchen zu tun,
- 3:11was geht, damit sie diesen Konflikt eigentlich gewinnen.
- 3:13Sie haben jetzt über die Attacken Russlands auf die Ukraine gesprochen.
- 3:17Dass Russland versucht mit allen Mitteln sozusagen die Ukraine zu schwächen
- 3:22in diesem Konflikt, um am Ende da zu gewinnen. Aber neu ist ja die Ausweitung
- 3:26der russischen Attacken, Stichwort Leipzig.
- 3:30Auf uns, auch auf das Gebiet der NATO, vielleicht dazu aus russischer Sicht,
- 3:39sind wir legitimes Ziel.
- 3:42Wir sind das sichere Hinterland der Ukraine. Hier werden Waffen produziert.
- 3:46Es gibt inzwischen gemeinsame Drohnenunternehmen und was auch immer. Aber,
- 3:52deswegen, inwieweit besteht eigentlich die Gefahr, dass wir da jetzt noch mehr
- 4:00immer weiter reingezogen werden?
- 4:04Das schlimme Wort Kriegspartei. Inwieweit sind wir vielleicht schon jetzt Kriegspartei
- 4:09geworden und legitimes Ziel für die Russen?
- 4:13Ja, also vielleicht zwei Dinge. Kriegspartei und Ausweitung des Krieges.
- 4:19Ich glaube auch in dem Zusammenhang gilt, Russland wird tun, was es kann.
- 4:23Leipzig ist bislang, ohne jetzt sozusagen komisch wirken zu wollen, ist ein Einzelfall.
- 4:30Ja, es ist keine Systematik. Es ist kein, jeden Tag fliegt hier eine kritische
- 4:36Infrastruktur in die Luft.
- 4:37Das ist, glaube ich, der wichtige Punkt im Unterschied zu einem Status,
- 4:41dass wir nicht nur ein legitimes Ziel für die Russen sind, sondern auch in einem
- 4:45permanenten Krieg mit denen sind.
- 4:49Das muss man jetzt fein austarieren. Das ändert nichts daran,
- 4:51dass es immer wieder Angriffe auf deutsche Ziele gibt, mittlerweile schon.
- 4:58Und wir deswegen sehr wohl sozusagen Gegenstand von Angriffen sind,
- 5:01aber wir haben es nicht mit einer systematischen, bleibe bei dem einfachen Bild
- 5:04der Drohnen, weil es sich so festgesetzt hat, Drohneninvasionen in und über
- 5:09Deutschland im Grunde genommen sind.
- 5:11Soweit reicht die russische Fähigkeit nicht. Und ich würde hier,
- 5:15glaube ich, auch einen Unterschied machen zwischen dem, was russische Propaganda
- 5:19auf der einen Seite nach innen hin erzählt.
- 5:21Sie sagt, wir werden angegriffen von der NATO, wir müssen uns verteidigen,
- 5:26Das ist hier im Grunde genommen der zweite große vaterländische Krieg, den wir hier kämpfen.
- 5:32Das ist das, was man erzählt als Legitimationsbasis. Der Kreml weiß aber ganz genau,
- 5:37Wenn er tatsächlich anfangen würde, über die klassische Schwelle Artikel 5 oder.
- 5:45Ähnliches zu gehen und im Grunde genommen einen wirklichen Krieg gegen die NATO zu führen,
- 5:49dann würde das tatsächlich eine Gegenreaktion in einer ganz anderen Art und Weise bedeuten.
- 5:54Also auch wenn wir jetzt zur Zeit noch darum ringen, kriegsfähig zu werden oder
- 5:59kriegstüchtig zu werden, heißt das nicht, dass die NATO sich nicht wehren kann.
- 6:03An dem Punkt sind wir zum jetzigen Zeitpunkt aber eben noch nicht.
- 6:05Und das ist, glaube ich, auch ganz wichtig, diesen Unterschied zwischen dem
- 6:08zu machen, was die Russen zurzeit erzählen zu Hause und dem,
- 6:14was sie international tatsächlich machen. Letzter Satz zur Kriegspartei.
- 6:21Vielleicht bin ich heute so provokant unterwegs. Ich würde sagen, ja und?
- 6:26Was ist denn das Problem? Natürlich sind wir Kriegspartei. Wir sind schon ganz
- 6:29lange Kriegspartei. Und das ist legal und legitim.
- 6:34Also solange wir noch meinen, dass das Völkerrecht wichtig wäre,
- 6:37Artikel 51 der UN-Charta im Kapitel 7 sagt, kollektive Selbstverteidigung ist,
- 6:44dann, wenn man angegriffen wird, möglich.
- 6:46Erstens. Zweitens, sie ist sogar geboten, wenn das Völkerrecht aufrechterhalten
- 6:51werden soll, weil sonst gilt nämlich das Recht des Stärkeren und nicht das Recht,
- 6:56das man sich kollektiv geschaffen hat.
- 6:58Aber warum haben sich dann und drücken sich sehr viele hier bis heute Politiker
- 7:03und Experten davor, das einzugestehen, dass wir Kriegspartei sind?
- 7:08Naja, wenn wir mal gucken, welchen Weg Deutschland gegangen ist,
- 7:11also muss man wahrscheinlich sagen, auch an dem Punkt im Wesentlichen auch Westdeutschland,
- 7:16vom Ende des Zweiten Weltkrieges und der Art und Weise des Umgangs damit,
- 7:21sozusagen die Idee, nie wieder Krieg so tief in seine Gesellschaft imprägniert zu haben,
- 7:28mit einer großen Ambivalenz in der Zeit des Kalten Krieges, das muss man auch dazu sagen.
- 7:32Also Deutschland war nie komplett oder nie pazifistisch, sondern wir haben immer
- 7:36ein Für und Wider dieser Frage gehabt.
- 7:40Dann kann man das, glaube ich, schon erklären, dass wir ein großes Problem damit haben.
- 7:44Und ich glaube, was man da jetzt sehen muss, ist nach dem Ende des Kalten Krieges.
- 7:48Die Friedenspolitik und auch die Friedensbewegung haben beide ihre raison d'etre
- 7:52im Grunde genommen verloren, also ihre Daseinsberechtigung.
- 7:54Was man gemacht hat, ist, man hat die sehr harten Verhandlungen mit den Russen
- 7:59oder mit den Sowjets in der Zeit des Kalten Krieges, die dann auch zu Rüstungskontrollen
- 8:03und Abrüstungen geführt haben.
- 8:05Die sind ja von Leuten geführt worden, die genau wussten, mit wem sie es zu
- 8:08tun haben, wer auf der anderen Seite sitzt.
- 8:10Das heißt, man wusste, was die Bedrohung ist. Man hat also hier der Wahrheit
- 8:13ins Auge geguckt, was nach dem Ende des Kalten Krieges passiert ist.
- 8:16Ist, man hat diese Lebensversicherungsthematik in eine Ideologie und eine Politik
- 8:22gegossen und gesagt, wir müssen das irgendwie einfach weitermachen.
- 8:25Also man hat es im Grunde genommen erweitert und fast schon theologisch zu einem Ziel erklärt.
- 8:30Und darauf haben viele Politiker und Politikerinnen ihre Identität und ihre
- 8:35Legitivität in den Parteien aufgebaut.
- 8:39So und das jetzt auf einmal abzuwerfen, das ist ganz offensichtlich nicht gelungen
- 8:43und hat den Diskurs über die Ukraine am Anfang sehr stark mitbestimmt. Es war ein langer Kampf.
- 8:50Da im Grunde genommen die Balance im Sinne von anderen Argumenten und was bedeutet
- 8:55das auch, eigentlich hinzukriegen. Es ist weiterhin, glaube ich,
- 8:58eine fragile Balance, die wir da haben.
- 9:01Aber wenn wir nochmal so auf die nächsten Wochen und Monate blicken,
- 9:05ich sehe das ähnlich wie Sie, dass es jetzt keine Drohnenschwärme aus Russland
- 9:10über Deutschland geben wird und massive Attacken.
- 9:13Ist das, was Russland da tut, also sowohl die Attacke auf Leipzig,
- 9:18als auch, ich will daran erinnern, es wurden jetzt Leute festgenommen,
- 9:20die offenbar einen bayerischen Drohnenproduzenten, also den Chef einer bayerischen Drohnenfirma,
- 9:26beschattet haben oder ausgekundschaftet haben.
- 9:28Da tippt man auch auf russische Geheimdienste, dass es möglicherweise einen
- 9:31Anschlagsplan gab auf den.
- 9:34Ist das, was Russland da macht, diese Nadelstiche, sind das Warnschüsse?
- 9:40Will Putin uns damit sagen, hört ihr mit auf, sonst wird das hier noch ernster?
- 9:47Nee, ich glaube nicht, dass das Warnschüsse sind. Ich glaube,
- 9:50dass das wirklich, auch da gilt das, was ich auch mit Blick auf die Ukraine gesagt habe.
- 9:55Ich glaube, Russland macht zum jetzigen Zeitpunkt, was es kann.
- 9:57Russland ist aber, vielleicht ist das der wichtige Punkt, den wir da gerade
- 10:02rausarbeiten und rausschälen, ist, Russland ist im Gegensatz zu dem Eindruck,
- 10:07den einige versuchen zu vermitteln, halt auch nicht allmächtig.
- 10:13Also das heißt, Russland kann in Deutschland nicht tun, was es will.
- 10:16Ja, es kann einen Ukrainer ermorden, es kann vielleicht auch russische Oppositionelle
- 10:22hier jagen, aber nicht in einer großen Masse.
- 10:26Das ist, glaube ich, die wichtige Nachricht, weil eben die Mittel dazu zu fehlen
- 10:30und in dem Augenblick, in dem noch mehr Aktivitäten von Russland in Deutschland bekannt werden,
- 10:37das natürlich auch bedeutet, dass Russland vorsichtiger werden muss in dem Augenblick.
- 10:41Also noch kann man das unterhalb der Reaktionsschwelle, also das,
- 10:45was wir als Artikel 5 im Rahmen der NATO haben, was möglicherweise eine internationale
- 10:50Reaktion der NATO triggern würde, gibt es auch national.
- 10:53Wo da die Schwelle liegt, das weiß man nicht so genau, aber besser ist, man bleibt da drunter.
- 10:59Und ich glaube, so läuft das und man kann möglicherweise eben auch nicht drüber.
- 11:02Das ist das Wollen und das Können in dem Zusammenhang, glaube ich.
- 11:05Und ich glaube schon, dass die Russen, wenn sie könnten, würden sie es sehr, sehr gerne machen.
- 11:12Aber eben sowohl das Vorhandensein von genug Agenten in Deutschland als auch
- 11:17der technischen Mittel ist möglicherweise das, was sie zum jetzigen Zeitpunkt
- 11:21noch zurückhält. Aber da muss man ganz klar sagen, das ist jetzt erstmal alles
- 11:24Spekulation von meiner Seite.
- 11:26Vielleicht ein plausibles Argument, heißt aber nicht, dass ich das jetzt empirisch belegen könnte.
- 11:29Schauen wir mal in eine andere Richtung, Richtung USA.
- 11:34Ein Thema, das auch massiv uns und die Ukraine betrifft, Stichwort Patriot-Abwehrraketen.
- 11:39Reuters hat nun berichtet unter Berufung auf Insider, dass die Amerikaner im
- 11:44letzten halben Jahr praktisch alle,
- 11:46so das Zitat, bodengestützten Langstreckenraketen aufgebraucht haben.
- 11:51Wir sprechen hier über die bekannten
- 11:52Attackams und Raketen mit dem Namen Precision Strike Missiles, PASM.
- 11:59Auch bei den Patriot-Raketen sind die Bestände von 2.000 auf deutlich unter 1.000 zurückgegangen.
- 12:07Stehen die USA also bei einigen strategisch so wichtigen Waffengattungen inzwischen
- 12:11so gut wie nackt da, Herr Mölling?
- 12:14Also ich glaube, so ganz genau wissen wir es nicht.
- 12:17Aber die Zahlen oder ich sag mal so die Bewegung der Kurve runter und rapide runter,
- 12:25Und in Richtung Nähe oder schon im roten Bereich, das ist das,
- 12:29was mehrere Quellen schon bestätigt haben in den letzten Wochen und Monaten.
- 12:35Ich glaube, das Erste war das CSIS aus Washington, also ein Think Tank,
- 12:39der einfach mal nachgerechnet hat, was ist bestellt worden, was ist ungefähr verschossen worden.
- 12:45Das sind ja Daten, die relativ einfach zusammenzusammeln sind.
- 12:48Und deswegen sind die auch, selbst wenn es jetzt nicht auf die Rakete genau
- 12:51ist, in der Tendenz und auf.
- 12:56Zehn Stück oder so relativ genau. Und ja, das heißt in der Konsequenz,
- 13:00die Amerikaner haben sich wahrscheinlich bald blank geschossen,
- 13:04weil sie sich, also das eine ist die Nachproduktion.
- 13:07Das andere ist, sie ziehen halt mit der Armee in den Krieg, die sie haben und auch mit der Munition.
- 13:13Und offensichtlich hat man entweder nicht gezählt oder aber wirklich geglaubt,
- 13:19dass dieser Konflikt schneller zu Ende ist.
- 13:20Und man muss einfach anerkennen, dass Trump und die Entourage um ihn drumherum,
- 13:27sich überhaupt gar keine Gedanken gemacht haben, wie so ein Krieg eigentlich
- 13:30funktioniert und was die Grenzen eines solchen Krieges sind.
- 13:33Und wir sind gerade Gott sei Dank nur Zaungäste und Beobachter eines epischen,
- 13:40strategischen Versagens der Amerikaner.
- 13:44Ich bin gespannt, wie das in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einsortiert
- 13:47wird durch die Historiker und Militärwissenschaftler.
- 13:51Das ist hier wirklich für die Amerikaner ein Desaster in Lifetime, was wir gerade erleben.
- 13:56Da zerbricht ja auch ein Bild eines Hegemons. Trump behauptet ja immer,
- 14:02die USA hätten weiterhin das mächtigste Militär der Welt und wenn sie wollten,
- 14:06könnten sie alles durchsetzen, was sie wollen.
- 14:09Aber de facto muss man ja sagen, man kann quasi an den Zahlen ablesen.
- 14:15Dass es so überhaupt nicht ist, oder? Total.
- 14:18Ich glaube, das ist der Unterschied, den wir eben schon hatten bei den Russen.
- 14:21Mächtig und allmächtig.
- 14:23Und mit der, was Trump, ich weiß nicht, ob er das selber glaubt,
- 14:27möglicherweise glaubt er das auch manchmal, wenn er wach wird,
- 14:29dass sie wirklich allmächtig sind.
- 14:31Und das ist also eine völlige Überhöhung dessen, was man eigentlich hat.
- 14:34Und die Amerikaner wissen schon seit langem, dass sie das nicht sind.
- 14:37Deswegen plant die USA seit über einem Jahrzehnt damit, dass man eben nicht
- 14:41mehr zwei große Kriege gleichzeitig führen kann. Und das, was wir jetzt zurzeit
- 14:44sehen, ist genau die Konsequenz. Das hat was damit zu tun, dass die Amerikaner
- 14:48auch gesagt haben, okay, wenn wir die nicht mehr führen können, warum ist das so?
- 14:52Naja, weil die Chinesen eben als Militärmacht stärker werden.
- 14:55Das heißt, ich muss natürlich anfangen, meine Arsenale entweder immer auf zwei
- 14:59Konflikte zu verteilen oder zu sagen, ah okay, welcher ist denn jetzt der Wichtige,
- 15:04wenn ich merke, das reicht nicht mehr.
- 15:06Dann konzentriere ich mich nur noch auf einen Konflikt.
- 15:09Und das ist der potenzielle Konflikt mit China.
- 15:11In dem Zusammenhang ist auch wichtig, deswegen sind diese ganzen Vergleichbarkeiten
- 15:15so schwierig, Ein Konflikt, den die USA mit China austragen würde,
- 15:20der sieht natürlich auch mit Blick auf die Waffen,
- 15:23und die Munition, die da verschossen wird, ganz anders aus als ein Landkrieg,
- 15:26den wir hier in der Ukraine und zwischen Russland und der Ukraine sehen.
- 15:30Deswegen ist das eben auch nicht eins zu eins vergleichbar, was die abstrakte
- 15:34militärische Stärke bedeutet. Aber auch die Frage, wenn die USA jetzt XY verschossen
- 15:39haben, haben sie das dann nicht mehr.
- 15:41Das große Problem ist, die Systeme, über die wir jetzt gerade reden,
- 15:44Flugabwehr und langreichweitige Systeme.
- 15:50Und Angriffslenkwaffen, die brauchen Sie in beiden Konflikten.
- 15:54Das heißt, das sind im Grunde genommen Universalwerkzeuge, die,
- 15:58wenn Sie sie nicht haben, Ihnen auch universal fehlen.
- 16:00Stichwort Allmacht. Zum Schluss vielleicht ein Blick in Richtung Iran.
- 16:05Und zwar auf die berühmt-berüchtigte Straße von Hormuz, die,
- 16:09glaube ich, jeder Deutsche inzwischen sehr gut kennt, weil er für uns eine sehr große Bedeutung hat.
- 16:14Denn der Benzinpreis hängt quasi direkt davon ab, ob dort Öltanker ohne Probleme
- 16:19durchfahren können oder nicht.
- 16:21Und US-Präsident Trump hat jetzt behauptet, Mitte der Woche,
- 16:25er würde die Straße von Hormuz vollständig kontrollieren.
- 16:29Quasi zeitgleich veröffentlicht die britische Schifffahrtsbehörde,
- 16:34das kann man auf Twitter unter anderem nachlesen, ein Bericht,
- 16:37in dem von ständigen Behinderungen des Schiffsverkehrs durch den Iran die Rede ist
- 16:41und einem deshalb nur äußerst geringen Schiffsverkehr.
- 16:45Ja, was ist denn nun Wirklichkeit? Das ist ein bisschen schräg.
- 16:48Man ist schon fast geneigt, den Iranern mehr zu glauben als Donald Trump.
- 16:52Und ich glaube, das ist halt so.
- 16:54Auch da zeigt sich, glaube ich, das eine ist nicht nur eine Allmachtsfantasie,
- 16:58sondern irgendwo hängt eine Illusion oder Illusion und Fantasie hängen,
- 17:02glaube ich, ganz eng miteinander zusammen.
- 17:04Jetzt müssten wir irgendwo noch mal so ein bisschen etymologisch werden,
- 17:07aber das will ich jetzt uns ersparen.
- 17:09Ich glaube, der Punkt ist einfach, die Iraner wissen, dass sie am längeren Hebel
- 17:12sitzen und dass Trump wirklich mit, also er steht gar nicht mit dem Rücken zur
- 17:18Wand, es gibt gar keine Wand.
- 17:19Also die Unendlichkeit dessen, wie weit er sich zurückdrängen lassen wird,
- 17:25ist, glaube ich, gerade das Interessante für die Iraner und daraus baut sich
- 17:28im Grunde um den neuen Mythos.
- 17:30Der ist, dass die Iraner im Grunde um die USA besiegt haben. Ein zweites Mal.
- 17:34Also nachdem damals die Geiselrettung in Teheran desaströs geendet ist,
- 17:40durch die, und das ist auch wiederum wichtig, durch die US Special Forces, die Delta Forces,
- 17:45die dann ja in anderen Konflikten, insbesondere rund um Afghanistan,
- 17:49die Festnahme oder nicht Festnahme, die Tötung von Bin Laden eine zentrale Rolle gespielt haben.
- 17:54Alles das spielt hier im Grunde aus einer amerikanischen Perspektive total mit rein.
- 17:59Donald Trump schafft es gerade, das Trauma, das er eigentlich glaubte zu überwinden,
- 18:04nämlich das von Jimmy Carter, das man hier gegen den Iran verloren hat,
- 18:08das reproduziert er gerade.
- 18:10Er schafft das zweite Iran-Desaster eigentlich für die USA.
- 18:15Das wird noch nicht offenbar, weil der Konflikt noch nicht vorbei ist,
- 18:19aber ich glaube, wenn dieser Konflikt irgendwann mal, vorbei ist immer so eine Sache.
- 18:23Aus einem Schießkrieg raus ist und man sozusagen die Verluste zählen wird,
- 18:28dann sind hier vielleicht nicht viele US-Amerikaner gestorben.
- 18:31Aber der strategische Verlust, der ist bodenlos. Wunsch und Wirklichkeit.
- 18:35Vielleicht kann man sagen, dass heutzutage auch das Wort des amerikanischen
- 18:40Präsidenten einfach...
- 18:42Kaum noch etwas zählt. Also früher, wenn ein amerikanischer Präsident gesagt
- 18:45hat, wenn bis morgen A nicht passiert, dann wird B passieren,
- 18:49hatte das doch gewisse Auswirkungen und bei Trump offenbar überhaupt nicht mehr, oder?
- 18:53Ja, genau. Und das ist so interessant, weil es letztendlich so eine Lobeshymne,
- 18:58auf klassische Administrationsarbeit, Stabsarbeit bedeutet. Warum?
- 19:04Weil ein amerikanischer Präsident, so wie Sie das gerade gesagt haben,
- 19:06der sonst vor die Kameras getreten ist, zu 95 Prozent vorher hat ausloten lassen
- 19:13durch seinen Stab, was ist machbar und was ist nicht machbar.
- 19:16Und wenn er etwas nicht machbar gewesen ist, hat er das überhaupt nicht gesagt,
- 19:20weil er gar nicht wollte, dass das Thema in der Presse irgendeine Rolle spielt.
- 19:23Und da ist, glaube ich, die Grenze von Donald Trump, der gerade einfach erfährt,
- 19:28wie wenig mächtig er eigentlich ist.
- 19:31In seiner Fantasie ist er grenzenlos und hier ist er im Grunde genommen.
- 19:36Entmachtet er sich selber, weil er aller Welt demonstriert, dass er tatsächlich,
- 19:43aus einer Machtperspektive über seine Verhältnisse lebt.
- 19:46Ja, das macht einerseits Sorgen, aber andererseits würde ich sagen,
- 19:50ist es auch positiv, weil es solche Leute wie Trump, solche Populisten entzaubert.
- 19:55Heute recht philosophisch unser Gespräch, Herr Mölling. Wir sind sehr in die
- 19:59Tiefe gegangen, in die Geschichte. Aber vielen Dank für das Gespräch. Sehr gerne.
- 20:03Das war die Lage international. Wir sind übrigens ausdrücklich interessiert
- 20:08an Ihrer Meinung zu dem, worüber wir hier sprechen allwöchentlich.
- 20:12Schreiben Sie deshalb gerne Kommentare, Fragen, Anregungen auf Spotify oder
- 20:18direkt an dielageinternational.de.
- 20:23Wir sind gespannt.
- 20:25Die nächste Folge gibt es wie gewohnt am kommenden Donnerstag.
- 20:28Dann wieder mit meinem geschätzten Kollegen Steffen Gassel auf RTL Plus und
- 20:32überall sonst, wo Sie gerne Podcasts hören.
- 20:35Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.