Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 2: Warum ich so klug bin. 3
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- 0:00Exe, Homo wie man wird, was man ist.
- 0:03Kapitel 2 warum ich so klug bin Abschnitt 3 Nietzsche erklärt zu
- 0:12Beginn dieses Abschnitts, dass es 3 Dinge im Leben gibt, bei
- 0:15denen man auf gar keinen Fall eine falsche Wahl treffen darf,
- 0:18wenn man ein großer Geist sein will.
- 0:20Die ersten beiden Dinge, die er in den vorherigen Abschnitten
- 0:23besprochen hat, waren die richtige Ernährung sowie die
- 0:26Wahl des richtigen Ortes und des richtigen Klimas.
- 0:29Nun kommt er zum dritten wichtigen Punkt.
- 0:32Die Wahl der Art und Weise, wie man sich erholt.
- 0:35Er betont, dass für einen ganz besonderen und einzigartigen
- 0:38Geist die Grenzen dessen, was gut und nützlich für ihn ist,
- 0:41extrem eng sind. Er benutzt hier den lateinischen
- 0:45Begriff Sui gueneres, was wörtlich übersetzt von eigener
- 0:49Art bedeutet, er meint damit einen Menschen, der völlig für
- 0:52sich steht, unvergleichlich ist und seinen eigenen strengen
- 0:56Regeln folgen muss. Für Nietzsche selbst ist das
- 0:59Lesen von Büchern seine wichtigste Form der Erholung.
- 1:02Wenn er liest, kann er sich von sich selbst lösen, es erlaubt
- 1:06ihm, in fremden Gedanken, fremden Wissenschaften und in
- 1:09den Seelen anderer Menschen spazieren zu gehen.
- 1:12Wichtig ist für ihn dabei, dass er das, was er liest, nicht
- 1:16allzu ernst nimmt, das lesen entspannt ihn gerade deshalb,
- 1:19weil es ein Gegengewicht zu seinem eigenen, sehr großen und
- 1:23anstrengenden Lebensernst ist. Aus diesem Grund sieht man bei
- 1:26Nietzsche auch niemals Bücher, wenn er sich in Zeiten tiefer
- 1:29und harter Arbeit befindet. In solchen Phasen würde er sich
- 1:33davor hüten, jemanden in seiner Nähe auch nur reden oder gar
- 1:37denken zu lassen, genau das würde lesen für ihn nämlich
- 1:40bedeuten, er würde fremde Gedanken an sich heranlassen, er
- 1:44vergleicht diese Arbeitsphasen mit einer Schwangerschaft, wenn
- 1:48der Geist und laut Nietzsche auch der ganze restliche Körper
- 1:51unter der tiefen Anspannung steht.
- 1:53Neue Gedanken und Werke auf die Welt zu bringen, dann ist man
- 1:56extrem empfindlich. Jeder Zufall und jeder kleine
- 1:59Reiz von außen wirkt dann viel zu stark und schlägt zu tief in
- 2:03die eigene Gedankenwelt ein. Deshalb, so rät er, muss man
- 2:07diesen Reizen von außen so gut wie möglich aus dem Weg gehen,
- 2:10er bezeichnet dies als selbstvermauerung man zieht
- 2:14gewissermaßen eine dicke Mauer um sich herum hoch, dies sei
- 2:18einer der wichtigsten und klügsten Instinkte, wenn man
- 2:21geistig schwanger ist Er fragt sich selbst, soll ich es
- 2:25zulassen, dass ein fremder Gedanke heimlich über diese
- 2:27Mauer klettert? Da das Lesen von Büchern genau
- 2:31dies bedeuten würde, verbietet er es, sich in Arbeitsphasen
- 2:34streng erst wenn die Zeit der Arbeit und der Erschaffung neuer
- 2:38Ideen vorbei ist, beginnt die Zeit der Erholung, dann freut er
- 2:42sich auf geistreiche, kluge und angenehme Bücher, er fragt sich
- 2:47spöttisch, ob das wohl deutsche Bücher sein werden, sofort
- 2:50verneint er dies indirekt. Indem er feststellt, dass er
- 2:53mindestens ein halbes Jahr zurückdenken muss, um sich
- 2:56überhaupt daran zu erinnern, ein Buch gelesen zu haben.
- 3:00Das letzte Buch, das er in der Hand hatte, war eine
- 3:02hervorragende französische Studie von Viktor Brochard über
- 3:06die griechischen Skeptiker, Skeptiker waren Philosophen in
- 3:10der Antike, die grundsätzlich alles anzweifelten und
- 3:12behaupteten, dass man nichts mit absoluter Sicherheit wissen
- 3:15kann. Nietzsche ist sichtlich stolz
- 3:18darauf, dass in dieser Studie auch seine eigenen frühen
- 3:20Schriften gut verwendet wurden. Er lobt die Skeptiker
- 3:24außerordentlich, für ihn sind sie der einzige ehrenwerte Typus
- 3:28unter den Philosophen, den restlichen Philosophen wirft er
- 3:31vor, 2 bis fünfdeutig zu sein, also absichtlich unklar,
- 3:36widersprüchlich oder gar unehrlich in ihren Lehren
- 3:39aufzutreten. Nietzsche erklärt weiter, dass
- 3:42er eigentlich fast immer nur zu denselben wenigen Büchern
- 3:45zurückkehrt. Es sind Bücher, die sich für ihn
- 3:47persönlich bewährt haben. Es entspricht überhaupt nicht
- 3:51seinem Charakter, sehr viele und völlig unterschiedliche Dinge zu
- 3:54lesen. Allein die Vorstellung eines
- 3:57Lesezimmers, das voller Bücher steht, macht ihn krank, ebenso
- 4:01liegt es ihm fern, alles Mögliche zu lieben oder gut zu
- 4:05finden, sein Instinkt rät ihm vielmehr zur Vorsicht und sogar
- 4:09zu einer gewissen Feindseligkeit gegenüber neuen Büchern, er
- 4:13lehnt es ab, beim Lesen einfach nur tolerant zu sein.
- 4:17Er verspottet Konzepte wie das französische Lageur Duqueur, was
- 4:20so viel wie Weitherzigkeit bedeutet, oder die christliche
- 4:23Nächstenliebe, wenn es darum geht, fremde Ideen an sich
- 4:26heranzulassen. Im Grunde, so fasst er zusammen,
- 4:30ist es immer wieder eine kleine Gruppe älterer französischer
- 4:33Schriftsteller, zu denen er zurückkehrt, er glaubt
- 4:36ausschließlich an die französische Bildung, alles
- 4:39andere, was sich in Europa als Bildung bezeichnet, und damit
- 4:42meint er ganz besonders die deutsche Bildung.
- 4:44Hält er für ein großes Missverständnis?
- 4:47Er lästert, dass die wenigen wirklich gebildeten Menschen,
- 4:50die er in Deutschland jemals getroffen hat, alle
- 4:52französischer Herkunft waren. Als Beispiel nennt er Frau
- 4:56Cosima Wagner, die Ehefrau des Komponisten Richard Wagner, mit
- 5:00der er früher eng befreundet war, für ihn ist sie die
- 5:03absolute Meisterin, wenn es um guten Geschmack geht.
- 5:06Er fährt fort, indem er seine besondere Beziehung zu dem
- 5:09französischen Denker Blaise Pascal beschreibt.
- 5:12Er sagt, er liest Pascal nicht nur, er liebt ihn.
- 5:16Allerdings sieht Nietzsche in Pascal das lehrreichste Opfer
- 5:19des Christentums. Pascal wurde, so Nietzsches
- 5:22Interpretation, durch die grausame Logik des christlichen
- 5:25Glaubens langsam ermordet, zuerst körperlich und dann
- 5:29seelisch. Das Christentum wird hier von
- 5:31Nietzsche als unmenschliche und grausame Lebensfeindlichkeit
- 5:34kritisiert. Weiterhin spürt Nietzsche in
- 5:37sich eine Verwandtschaft zu dem mutigen und frechen Geist des
- 5:40Philosophen Michel de Montaignes.
- 5:43Auch nimmt er mit seinem feinen Künstlergeschmack die
- 5:45klassischen französischen Dramatiker wie Moliere,
- 5:48Corneille und Racine in Schutz, er verteidigt deren klare und
- 5:53ordentliche Kunst voller Zorn gegen William Shakespeare, den
- 5:56er abwertend als ein wüstes Genie beschreibt, also als
- 6:00jemanden, der ohne Regeln und Disziplin schreibt.
- 6:03Trotz seiner Liebe zu den alten Franzosen schätzt Nietzsche auch
- 6:06die ganz modernen Schriftsteller aus Paris sehr.
- 6:09Er wundert sich regelrecht, in welchem anderen Jahrhundert man
- 6:12wohl so viele Neugierige und feinfühlige Psychologen auf
- 6:15einem Fleck finden könnte. Mit dem Begriff Psychologen
- 6:19meint Nietzsche hier keine Therapeuten, sondern
- 6:22Schriftsteller, die tief, genau und ungeschönt in die
- 6:25menschliche Seele blicken, er zählt einige davon auf, zum
- 6:29Beispiel Paul Bourget, Pierre Luty Jeep.
- 6:33Henri Melac, Anatole France und Jules Le Maitre, einen
- 6:38Schriftsteller, hebt er besonders hervor, weil dieser
- 6:40von einer starken Rasse Abstamme und ein echter Mann aus dem
- 6:43lateinischen Kulturkreis sei. Guis de Maupasson Nietzsche
- 6:47gesteht, dass er diese aktuelle Generation von Schriftstellern
- 6:50sogar noch besser findet als deren berühmte Lehrer, diese
- 6:54älteren Lehrer, wie zum Beispiel den Kritiker Hippolyt Tän, hält
- 6:58er nämlich für verdorben, und zwar durch die deutsche
- 7:01Philosophie. Wurde durch die Lehren des
- 7:04deutschen Philosophen Hegel in die Irre geführt und hat deshalb
- 7:07große historische Epochen völlig missverstanden.
- 7:10Nietzsche fällt ein hartes Urteil überall, wo der Einfluss
- 7:14Deutschlands Hinreicht, zerstört er die Kultur, er behauptet
- 7:18sogar, dass erst der Krieg gegen Deutschland die französischen
- 7:20Denker von diesem schlechten deutschen Einfluss befreit hat,
- 7:25zum Ende des Abschnitts spricht Nietzsche über einen der
- 7:27schönsten Zufälle in seinem Leben.
- 7:30Die Entdeckung des französischen Schriftstellers Stendal.
- 7:33Er hat Stendal nicht durch Empfehlungen anderer entdeckt,
- 7:36sondern ganz zufällig, was das Erlebnis für ihn umso wertvoller
- 7:39macht. Er bewundert Stendal für seinen
- 7:42psychologischen Blick, der seiner Zeit weit voraus war,
- 7:46außerdem lobt er stendals Gespür für harte Tatsachen, Nietzsche
- 7:50vergleicht dies mit dem lateinischen Sprichwort ex ungue
- 7:53Napoleonem wörtlich bedeutet das aus der Klaue erkennt man den
- 7:58Löwen. Aber hier nutzt Nietzsche den
- 8:00Namen Napoleons. Er meint damit die Fähigkeit,
- 8:04aus einem kleinen Detail sofort das große Ganze und die Realität
- 8:07zu erfassen. Ganz besonders schätzt Nietzsche
- 8:10an Stendal, dass dieser ein ehrlicher Atheist war, also ein
- 8:14Mensch, der Fest davon überzeugt ist, dass es keinen Gott gibt.
- 8:18Das war im damaligen Frankreich sehr selten.
- 8:22Nietzsche gibt humorvoll zu, dass er auf Stendal fast ein
- 8:25wenig neidisch ist. Stendal hat ihm nämlich den
- 8:28besten Witz über den Atheismus weggenommen, den Nietzsche nur
- 8:31allzu gerne selbst erfunden hätte.
- 8:33Der Witz lautet die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass
- 8:37er nicht existiert Nietzsche vergleicht diesen Witz stolz mit
- 8:41einem seiner eigenen Sätze, er hatte früher einmal geschrieben,
- 8:44dass die Vorstellung von Gott der bisher allergrößte Einwand
- 8:47gegen das Leben war, weil die Religion den Menschen die freie
- 8:50Entfaltung und die Freude am echten Leben verbietet.