Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 3. Theil - 1 - Der Wanderer
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- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen dritter Teil
- 0:04unter Kapitel 1 der Wanderer. Es ist Mitternacht, Zarathustra
- 0:11macht sich auf den Weg über die Hügel einer Insel, um am
- 0:13nächsten morgen das andere Ufer zu erreichen.
- 0:16Dort möchte er ein Schiff besteigen, um die Insel zu
- 0:18verlassen, diese Insel wird im Buch als die glückseligen Inseln
- 0:23bezeichnet, dieser Begriff steht bildlich für einen
- 0:26idealisierten, harmonischen Ort. Es ist ein Ort, an dem
- 0:30Zarathustra Freunde gefunden hat und wo das Leben angenehm ist.
- 0:34Aber für Zarathustra bedeutet dieser Zustand des reinen Glücks
- 0:37und der Bequemlichkeit auch einen geistigen Stillstand.
- 0:41Deshalb muss er diesen Ort und seine Freunde nun verlassen,
- 0:44während er nachts den Berg hinaufsteigt, denkt er über sein
- 0:47Leben nach, er stellt fest, dass er im Grunde seines Herzens
- 0:51immer ein Wanderer und ein Bergsteiger gewesen ist.
- 0:54Er sagt, dass er die Ebenen nicht liebt.
- 0:57Die Ebene oder das flache Land ist bei Nietzsche ein Symbol für
- 1:00ein bequemes, oberflächliches und anstrengungsloses Leben, in
- 1:04dem die Menschen keine großen Ziele mehr haben und sich mit
- 1:07dem Durchschnittlichen zufrieden geben.
- 1:09Zarathustra hingegen kann nicht lange stillsitzen, er erkennt,
- 1:13dass in der Zukunft keine zufälligen Ereignisse mehr auf
- 1:16ihn warten, wenn ein Mensch geistig reift und sein wahres
- 1:19selbst findet, begegnet er letztlich nur noch sich selbst.
- 1:24Alles, was ihm nun noch zustoßen wird, ist nur noch ein
- 1:26Spiegelbild seines eigenen inneren Wesens und seiner
- 1:29eigenen Entscheidungen. Zarathustra wird bewusst, dass
- 1:33er nun vor seinem letzten und schwersten Gipfel steht, es ist
- 1:36der Beginn seiner einsamsten Wanderung, eine innere Stimme,
- 1:40die Stimme seines eigenen Schicksals, sagt ihm, dass nun
- 1:43sein Weg der wahren Größe beginnt, auf diesem Weg fallen
- 1:47der höchste Gipfel und der tiefste Abgrund in 1 zusammen.
- 1:52Der Gipfel steht bei Nietzsche für das höchste geistige Ziel,
- 1:55die absolute Selbstüberwindung des Menschen, des pongu Abgrund
- 2:00hingegen symbolisiert die tiefste Verzweiflung, den
- 2:03größten Schmerz und die dunkelsten Wahrheiten des
- 2:06Lebens. Nietzsche drückt damit aus, dass
- 2:09wahre menschliche Größe nur erreicht werden kann, wenn man
- 2:12bereit ist, auch die tiefsten und schmerzhaftesten Seiten der
- 2:14Existenz voll und ganz zu akzeptieren und in sich
- 2:17aufzunehmen. Auf diesem Weg gibt es für ihn
- 2:20kein Zurück mehr. Zarathustra sagt, dass sein
- 2:24eigener Fuß den Weg hinter ihm auslöscht und über dem Weg das
- 2:27Wort Unmöglichkeit geschrieben steht.
- 2:30Er hat den Punkt erreicht, an dem ihm keine äußeren
- 2:32Hilfsmittel oder Leitern mehr zur Verfügung stehen, wenn das
- 2:36passiert, so erklärt er, muss man lernen, auf seinen eigenen
- 2:39Kopf und über sein eigenes Herz zu steigen, das bedeutet, dass
- 2:43man seine eigenen bisherigen Überzeugungen, seine alten Werte
- 2:47und seine eigenen weichen Gefühle überwinden muss.
- 2:50Zarathustra fordert von sich selbst, dass das Mildeste in ihm
- 2:53nun zum härtesten werden muss. Der Begriff der Härte ist bei
- 2:57Nietzsche sehr wichtig, er meint damit keine Grausamkeit
- 3:01gegenüber anderen Menschen, er meint damit die strikte
- 3:04Selbstdisziplin und die geistige Widerstandskraft, die man
- 3:07braucht, um sich selbst zu formen und nicht einem
- 3:10einfachen, Mitleidigen oder bequemen Leben nachzugeben.
- 3:14Wer sich selbst immer nur schont, wird laut Zarathustra am
- 3:16Ende genau an dieser Schonung krank.
- 3:19Er hat nichts übrig für ein Land, in dem sprichwörtlich
- 3:22Butter und Honigfließen, also ein Land des reinen Überflusses
- 3:26ohne Herausforderungen, um wirklich den wahren Grund aller
- 3:30Dinge zu erkennen, muss Zarathustra so hoch steigen,
- 3:33dass er sogar seine eigenen Sterne unter sich sieht, die die
- 3:37Sterne sind hier ein Bild für seine bisherigen höchsten
- 3:39Ideale, seine Leitziele und seine tiefsten Überzeugungen,
- 3:44wahre geistige Freiheit bedeutet für ihn.
- 3:47Dass er sogar diese eigenen höchsten Ideale hinterfragen und
- 3:49überwinden kann. Nur wenn er auf seine eigenen
- 3:53Sterne herabschauen kann, hat er seinen ultimativen Gipfel
- 3:56erreicht, als Zarathustra den höchsten Punkt des Berges
- 3:59erreicht, blickt er auf ein weites, dunkles Meer hinab.
- 4:02Er ist traurig, denn er begreift, dass seine Reise hier
- 4:05nicht zu Ende ist. Er muss nun wieder hinabsteigen,
- 4:09noch tiefer als jemals zuvor, er muss hinab in die tiefste Flut
- 4:13des Schmerzes, er fragt sich, woher die höchsten Berge kommen.
- 4:16Und ergibt sich selbst die geologische Antwort, sie kommen
- 4:20aus dem Meere. Die Natur zeigt, dass das
- 4:23Gestein der höchsten Gipfel einst im tiefsten Meeresboden
- 4:25lag. Nietzsche nutzt dies als starkes
- 4:28Symbol, das höchste und edelste im Menschen kann nur aus der
- 4:32tiefsten Konfrontation mit den Abgründen und dem Schmerz der
- 4:35eigenen Seele entstehen, ohne den tiefsten Grund gibt es keine
- 4:38höchste Höhe, schließlich kommt Zarathustra unten am Ufer des
- 4:42Meeres an, er ist müde und voller Sehnsucht.
- 4:46Er blickt auf das schlafende Meer, das er als ein dunkles
- 4:49Ungeheuer beschreibt. In diesem Moment spürt er das
- 4:52plötzliche Bedürfnis, dieses furchtbare Ungeheuer zu trösten
- 4:56und es sanft zu streicheln wie ein zahmes Tier, doch fast
- 5:00augenblicklich lacht er über sich selbst und seine eigene
- 5:03Weichheit, er nennt sich selbst einen liebreichen Narren, weil
- 5:07er allem furchtbaren immer mit zu viel Vertrauen begegnet,
- 5:11Zarathustra erkennt hier seine eigene größte Schwäche, die
- 5:14Liebe und das Mitleid. Er sagt, dass die Liebe die
- 5:17größte Gefahr für den Einsamen ist.
- 5:20Gemeint ist die Liebe zu allem, was lebt.
- 5:23Es ist die ständige Versuchung, sich in Mitleid und Zuneigung zu
- 5:25verlieren, anstatt stark, hart und unabhängig zu bleiben.
- 5:30Er denkt an seine Freunde, die er soeben verlassen hat, diese
- 5:34Gedanken an die Vergangenheit und die emotionale Bindung an
- 5:36andere Menschen machen ihn wütend auf sich selbst und seine
- 5:39Gedanken. Am Ende bricht der lachende
- 5:42Zarathustra in Tränen aus, er weint bitterlich.
- 5:46Zerrissen zwischen der Wut über seine eigene schwache Sehnsucht
- 5:49und dem tiefen, schmerzhaften Gefühl des Abschieds.