Latest / Fadegrad / «Trauer ist keine Krankheit»
Transcript
- 0:00Trauer an sich ist keine Krankheit, das ist eine
- 0:04Lebensaufgabe und ganz normal im Leben.
- 0:07Nur 10% der Trauer überhaupt ist dann pathologisch.
- 0:13Und wenn man das merkt, also zum Beispiel Depression,
- 0:16Angststörungen aus der Trauer gar nicht mehr rauszukommen,
- 0:19dann sollte man professionelle Hilfe aufsuchen.
- 0:29Vater Grad der Podcast, der fragt, warum Menschen tun, was
- 0:33sie tun und wie sie geworden sind, wer sie sind.
- 0:44Willkommen zu einer neuen Fahrrad Podcast Folge.
- 0:47Ich bin die Ines, eure Gastgeberin.
- 0:50Vor etwas mehr als 2 Jahren ist mein Opa an Krebs gestorben, ich
- 0:55hätte wirklich nicht gedacht, wie viele Tränen in mir Platz
- 0:58haben. Eine Zeitlang mußte ich immer
- 1:01weinen, wenn mich irgendetwas an ihn erinnert hat, heute hat mein
- 1:05Opa irgendwie einen anderen Platz in meinem Leben bekommen
- 1:08und ich denk mehr mit. Dankbarkeit als mit Schmerz an
- 1:11ihn zurück. Ich spreche heute mit Ute
- 1:15Latuske RAM. Sie ist reformierte Pfarrerin
- 1:17und leitet die kirchliche Fachstelle Bill Begleitung in
- 1:21der letzten Lebensphase. Sie ist also eine Expertin fürs
- 1:24Abschied nehmen herzlich willkommen.
- 1:27Ja, Hallo Ines. Wir sprechen heute über das
- 1:30Loslassen, ab wann Trauer gefährlich wird und ob Tod und
- 1:34Trauer in unserer Gesellschaft heute überhaupt noch einen Platz
- 1:37haben. Los geht's.
- 1:41Von welcher geliebten Person musstest du dich zuletzt
- 1:44verabschieden? Meine Großmutter, wobei das
- 1:48schon ein bisschen her ist. Aber das war vielleicht das, was
- 1:53für mich jetzt am Einschneidendsten war.
- 1:55Der. Abschied warst du da.
- 1:58Ja, ich war schon jetzt muss ich studieren. 31, glaube ich, als
- 2:04sie gestorben ist. Also ist jetzt auch schon wieder
- 2:06ein bisschen her. Wie alt bist du heute?
- 2:1047 genau und aber das war für mich vielleicht auch ein Tod,
- 2:16der selber für mich auf einer Schwelle war, wo sehr viel sich
- 2:21geändert hat, und deshalb hat mich das auch.
- 2:24Beschäftigt. Es war eigentlich schön, dass
- 2:28sie gestorben ist und auch, wie sie gestorben ist.
- 2:31Und alles ist, so wünscht man sich das eigentlich, und
- 2:34trotzdem fehlst du mir auch heute noch.
- 2:37Also ich hätte sie gerne manchmal so als.
- 2:40Austausch Partnerin. Redest du dann mit ihr?
- 2:43Nicht so, dass ich richtig mit ihr Rede, aber schon manchmal so
- 2:46im Dialog innerlich bin. So was hat sie jetzt gesagt,
- 2:51oder? Also, aber nicht so, das gibt es
- 2:54ja auch manchmal, dass Menschen richtig reden mit Verstorbenen,
- 2:58gibt es häufiger, als man so denkt, das hab ich jetzt nicht,
- 3:01aber schon, dass ich so irgendwie ein bisschen innerlich
- 3:03in Dialog trete. Was hat dir damals geholfen,
- 3:07loszulassen? Ich hatte das.
- 3:09Gefühl sie hatte sich verabschiedet, obwohl ihr Tod.
- 3:11Plötzlich war also meine Großmutter ist gestorben, sehr
- 3:17speziell. Da war sie bei ihrer Schwester
- 3:19zu Besuch und sie hat meine Großmutter, hat einen
- 3:21Spaziergang gemacht und bevor es zu meiner Großtante hoch ging,
- 3:27muss man immer so eine Anhöhe noch hochgehen und da hat sich
- 3:29meine Großmutter nach einem Spaziergang auf die Bank gesetzt
- 3:32und ist auf der Bank verstorben. Ich lache jetzt aber ja, ich
- 3:38glaube, das war ein schöner Tod, sie ist fast wie eingeschlafen
- 3:41und ein Nachbar hat sie gefunden hat.
- 3:42Nicht gewundert, dass sie da immer noch sitzt.
- 3:44Und hat er ein zufriedenes Gesicht und sah ganz glücklich
- 3:47aus und passte zu ihrem Leben. Ich glaube, sie hat es geahnt,
- 3:51dass sie nicht mehr so lange lebt, weil sie vorher noch bei
- 3:54allen irgendwie mal angerufen hat und sich nicht verabschiedet
- 3:57hat, aber mit mir noch lange telefoniert hatte.
- 4:00Und das hat mir geholfen. Das ist für mich nicht so war,
- 4:04ich hab nicht mehr mit ihr reden können.
- 4:06Auch wenn ich nicht vorher bewusst hatte, sie stirbt.
- 4:10Aber irgendwie hab ich sag, es war wichtig, es war gesagt und
- 4:14stand nicht zwischen uns. Und ich wusste, meine Großmutter
- 4:19ist irgendwie zufrieden gestorben.
- 4:23Den. Kannst du dich noch daran
- 4:26erinnern, wann du das erste Mal getraut hast, wann du zum ersten
- 4:30Mal so gemerkt hast, da gibts Tod und das betrifft mich.
- 4:34Also mein Großvater ist gestorben, als ich 4 war.
- 4:37Daran kann ich mich nicht mehr richtig erinnern.
- 4:40Und dann kann ich mich noch an den Tod von einem Freund von mir
- 4:43erinnern. Der ist gestorben, als ich 8
- 4:46war, und der war so Gleichalt aus der Klasse und der ist an
- 4:51Leukämie gestorben. Ich weiß heute, wie man es nicht
- 4:56macht. Würde ich sagen oder wissen.
- 4:59Also also ich finde damals haben sie mit uns Kindern eigentlich
- 5:02alles gemacht, was man heute nicht mehr machen sollte, zum
- 5:06Beispiel, dass wir nicht, das war ja ein Freund aus der Klasse
- 5:10Devid, wir haben das natürlich alle mitgekriegt, der war mal
- 5:13da, mal nicht, also weil er dann in Wilhelm Spital war oder zu
- 5:17Hause und nicht konnte, und wir sind das ja mitgegangen, haben
- 5:21das irgendwie, und dann ist er gestorben, und wir haben
- 5:24eigentlich nur erfahren, dass er gestorben ist.
- 5:26Aber wir dürfen zum Beispiel nicht auf die Abdankung.
- 5:28Damals die Kinder. Ja, so war das früher, das geht
- 5:31irgendwie Kinder nichts an oder man wollte die Kinder nicht dem
- 5:36Aussetzen, keine Ahnung was es war, aber ich hätte es richtig
- 5:41gefunden um irgendwie Abschied nehmen zu dürfen.
- 5:44Also ich würde sagen, da wo Kinder das möchten, also erstmal
- 5:47sollte man mit ihnen reden, so wie es wie es für sie passt.
- 5:52Auch auf Fragen, die Sie haben, eingehen, Sie ernst nehmen, wenn
- 5:56sie möchten auch, dass Sie zur Abdankung dürfen und das
- 5:59irgendwie mitgestalten können, ja.
- 6:02Ich habe Religionspädagogik, Studium gelernt, dass man auch
- 6:05auf keinen Fall irgendwie verklausuliert reden soll.
- 6:09Genau also, dass man mit Kindern ruhig reden kann, wie es ist,
- 6:12gestorben, der ist jetzt fort und nicht irgendwie sagen soll,
- 6:15es für immer eingeschlafen oder so, weil dann eine Angst
- 6:19entstehen kann bei Kindern, dass es jetzt.
- 6:21Wenn ich jetzt. Schlafen gehe.
- 6:23Was mache ich morgen auch nicht mehr auf und so, und das gibt es
- 6:26ja immer wieder. Also ich hatte zum Beispiel auch
- 6:28ne Freundin, die wahnsinnig Angst immer vorm Einschlafen
- 6:31hatte, vielleicht aus dem Grund auch, weil so was ist denn wach
- 6:35ich dann morgen nicht mehr auf. Ute, Was passiert im
- 6:43menschlichen Körper, wenn wir trauern?
- 6:44Was läuft da ab? Also ich bin jetzt keine
- 6:47Medizinerin, aber es gibt so körperliche Signale, die sind
- 6:51natürlich auch nicht bei jedem gleich.
- 6:53Also Trauer. Ist ja etwas sehr individuelles,
- 6:58aber was wir so kennen, ist zum Beispiel, dass jemand nicht mehr
- 7:02schlafen kann. Oder jemand anderes ist sehr
- 7:06müde. Oder manche Menschen, die haben
- 7:11Schwindel, andere haben keinen Hunger mehr.
- 7:13Appetitlosigkeit, also solche Sachen, und der Körper, der das
- 7:17da stellt sich ja wirklich einiges um.
- 7:20Also wichtig ist mir noch zu sagen, ganz kurz, dass Trauer ja
- 7:23nicht nur bei einem Todesfall ist.
- 7:26Also wir kennen ja alle, trauern und Trauer auch bei anderen
- 7:30Dingen. Wenn man etwas loslassen muss,
- 7:32einen liebgewonnenen Traum zum Beispiel.
- 7:34Ja, oder? Also ich denke, seitdem wir auf
- 7:37der Welt sind, ist es irgendwie ein Weg der Trauer auch.
- 7:40Also das klingt jetzt vielleicht bisschen hart, aber als das
- 7:45Kind, das in die Spielgruppe kommt, nicht mehr zu Hause ist.
- 7:50Das ist auch eine Trauer, vielleicht manchmal.
- 7:52Oder die die Eltern eben die wahrnehmen.
- 7:56Mein Kind wird älter, es geht jetzt im Kindergarten oder
- 7:59Schwellen, die wir durch das Leben immer wieder begehen, das
- 8:04ist, das hat ja auch mit Trauer zu tun, weil etwas anderes
- 8:07abgeschlossen wird oder auch nicht abgeschlossen wird, aber
- 8:11verlassen wird, und manchmal ist uns gar nicht bewusst.
- 8:15Dass sich da was ändert. Und plötzlich merken wir das
- 8:18jetzt anders und da traurig zu sein, dass das nicht mehr da
- 8:21ist. Also ich denke, das ist im Leben
- 8:24ganz normal. Sollte trauern zu können ist
- 8:27auch ne Fähigkeit. Genau, also ich denke das ist ne
- 8:31Lernaufgabe, vielleicht für unser Leben immer wieder neu und
- 8:35das ist wahrscheinlich bei einem Todesfall dann nochmal.
- 8:38Etwas für uns ist so einfach Unwiderbringlich vor Augen
- 8:42geführt wird. Aber ich denke jetzt auch wenn
- 8:44wenn Beziehungen auseinandergehen oder so, dann
- 8:49dann haben die auch. Also selbst wenn sich jemand
- 8:51jetzt selber trennt. Kann das mit ganz viel Trauer zu
- 8:56tun haben? Oder ich denke an die
- 8:58Pensionierung, zum Beispiel zum Beispiel, wenn ein Arbeitsleben
- 9:01zu Ende geht. Ja, und das ist ja auch
- 9:03unwiederbringlich. Und was ist jetzt also?
- 9:06Es wird auf die das, was nicht mehr ist, geschaut und auf die
- 9:10Zukunft, die dann vielleicht ungewiss ist.
- 9:13Welche Phasen der Trauer macht man doch so durch?
- 9:18Also ich find das immer bisschen fahren zu reden, das ist so.
- 9:22Das alte Modell würde ich jetzt mal sagen.
- 9:24Die von der Verena Kast. Verena Kast und vorher noch
- 9:28Elisabeth Kübler Ross, die kennen ganz viele wahrscheinlich
- 9:31von diesen Interviews mit Sterbenden, und da muss ich
- 9:35sagen, das sind tolle Bücher, die sind aber nicht
- 9:38wissenschaftlich so, wie man, das sind jetzt keine, ist nicht
- 9:42empirisch nachweisbar, dass das jetzt bei allen so sein muss,
- 9:47also das ist manchmal wichtig, wenn dann Leute sagen, ja.
- 9:50Jetzt machst du die Phase durch, oder?
- 9:53Das ist jetzt auch nicht so zu verstehen, dass das eine Phase
- 9:56ist, die nach der anderen kommt es.
- 9:58Gibt gar keine Phasen. Es gibt Phänomene oder so, die
- 10:01man wahrnimmt, aber es ist nicht Phasen, die aufeinander
- 10:04unbedingt aufbauen. Das ist dann gefährlich, wenn du
- 10:07sagst, ja, jetzt musst du unbedingt das und diese, diese
- 10:10Stufe oder das und das noch durchmachen, sonst ist das
- 10:13irgendwie keine. Normale, gesunde Trauer also.
- 10:17Trauern ist was ganz normales, und es gehört zum Leben dazu.
- 10:23Und das ist keine Krankheit. Also dass man das mal klar hat,
- 10:28so Elisabeth Kübler Ross, das können wir vielleicht von
- 10:32Interviews mit den Sterbenden, die ja auch so etwas wie eine
- 10:35Trauer dann durchmachen. Also ich mach ja nicht erst eine
- 10:37Trauer durch, wenn jemand gestorben ist, sondern wenn ich
- 10:40jetzt zum Beispiel im Sterben bin oder weiß, ich bin sehr
- 10:43schwer krank, dann mach ich ja auch schon ne Trauer durch, dass
- 10:47das, was vorher war, nicht mehr ist.
- 10:50Und das ist dann zum Beispiel, das nicht wahrhaben wollen,
- 10:53zuerst dann. Kommt der Zorn bei ihr, dann das
- 10:59Verhandeln? Geht es nicht vielleicht dann
- 11:01doch oder was so s kennen wir vielleicht aus unserem eigenen
- 11:04Leben auch manchmal die Depressionen und dann eigentlich
- 11:09ne Zustimmung? Wenn man sich damit abfindet,
- 11:12sein ja dazu. Findet ja, dazu gibt viel, das
- 11:15auch immer aussieht, genau, bei Verena Kast sind das eigentlich
- 11:20ähnliche Namen, die sie dem gibt, einmal, dass sie auch das
- 11:24nicht wahrhaben wollen hat, und das können wir vielleicht auch
- 11:28manchmal, wenn jetzt wirklich jemand gestorben ist.
- 11:29Aber auch bei anderen Dingen, wo wir mit Trauer zu tun haben,
- 11:32dass wir das erstmal nicht realisieren können, das können
- 11:35wir uns gar nicht vorstellen, dass.
- 11:39Der oder die jetzt nicht mehr durch die Tür kommt zum Beispiel
- 11:41so. Und dann aufbrechende Emotionen.
- 11:45Das, was du vorhin erzählt hast, als dein Großvater gestorben
- 11:48ist, das Weinen und vielleicht auch nicht mehr aufhören können,
- 11:52das ist so etwas, und dann hat sie so ein Thema suchen finden,
- 12:00also was ist jetzt noch mit dem Verstorbenen, wie gehört er zu
- 12:07mir, wie auch nicht mehr so und so sich dann auch zu trennen und
- 12:12den Menschen oder auch von Dingen.
- 12:15Und dann nachher, dass man selber einen neuen selbst Bezug
- 12:18und Welt Bezug findet. Wo klar ist, jemand gehört zu
- 12:22mir, auch wenn er nicht mehr da ist.
- 12:24Oder ist jetzt anders da als vorher.
- 12:26So also das ist jetzt Verena Kast gewesen und ich finde, dass
- 12:31die Punkte finde ich wichtig, aber eben nicht so, dass sie
- 12:34statisch aufeinander folgen müssen.
- 12:39Oder wenn dass ich sage, ja, wenn das jetzt bei dir nicht so
- 12:41ist, dann hast du was falsch gemacht.
- 12:45Genau. Dieser Podcast ist ein
- 12:50ökumenisches Projekt und wird präsentiert von den
- 12:52evangelischen und katholischen Kirchen, der Kantone St.
- 12:55Gallen und Appenzell. Danke für eure Unterstützung.
- 13:02Ihr Herz, den Förderkreis Podcast, heute mit U.
- 13:05Zeller Turski RAM, reformiert der Pfarrerin und Leiterin der
- 13:09Fachstelle Bill Begleitung in der letzten Lebensphase auf
- 13:13Instagram. Hobby im Vorfeld gefragt, ob ihr
- 13:16Fragen habt zum Thema trauern und da kamen spannende Fragen.
- 13:22Der Eugen wollte wissen, warum wird immer mehr bei Beerdigungen
- 13:26darum gebeten vom Kondolieren abzusehen.
- 13:30Also Eugen, ich glaube, dass die Leute ja Angst haben.
- 13:35Oder selber nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn
- 13:38Ihnen Beileid ausgedrückt wird. Das hat sehr viel mit
- 13:40Unsicherheit zu tun. Wie reagiere ich richtig auf die
- 13:45Trauer von anderen, will die Teresa wissen.
- 13:48Also die Frage ist, gibt es ein richtig und ein falsch?
- 13:54Also richtig ist zumindest da zu sein und empathisch zu sein,
- 14:00aber auch selber echt zu sein und vielleicht auch lieber mal
- 14:05zu sagen du ich bin unsicher, ich weiß gar nicht was dir
- 14:07hilft. Das ist richtig.
- 14:11Also alles, was aufgesetzt ist. Gespielt würde ich sagen, wenn
- 14:15man von falsch reden kann, wäre jetzt falsch.
- 14:18Die Janine will wissen, wie kann man Personen, die in der Trauer
- 14:21sind, als Außenstehende unterstützen und begleiten?
- 14:25Fragen, was hilft dir, was hättest du gern, die können das
- 14:29schon ganz gut benennen und wenn sie es nicht benennen, können
- 14:31sie irgendwann einfach fragen. Die Leute sind selbstständig und
- 14:37sie sind mündig. Die Doris will wissen, hört
- 14:42Trauer, ZB um ein geliebtes Kind jemals auf oder verändert sie
- 14:46sich nur? Ich glaube, Sie verändert sich.
- 14:49Ich glaube, Sie hört nicht auf. Aber sie wird vielleicht
- 14:54integriert ins Leben. Wie gelingt es, der Trauer mehr
- 14:59Platz im Leben einzuräumen? Als wenn es hilft, durch
- 15:03Rituale. Also dann, wenn ich manches
- 15:06Ritualisieren nicht zwanghaft, aber wenn ich mich frage, was
- 15:10sind Dinge, wo ich das leben kann, gibt es Orte, an denen ich
- 15:14trauern kann. Klassisch ist der Friedhof.
- 15:18Oder einen Platz, den ich mit der Person verbinde.
- 15:21Gibt es etwas Jahrestage, also da haben zum Beispiel trauern,
- 15:25Ort und Platz. Und dann wollte noch eine Person
- 15:30wissen, ab wann bekommt Trauer pathologische Züge?
- 15:34Trauer an sich ist keine Krankheit, das ist eine
- 15:38Lebensaufgabe und ganz normal im Leben.
- 15:41Also ich war jetzt gerade letztens bei einem Vortrag, den
- 15:43fand ich ganz interessant von der Ruth Mareikes Meding, die
- 15:48ist ganz wichtig für die Trauer, Arbeit heutzutage eigentlich mit
- 15:52ihrem Modell, die hat nochmal aufgezeigt, dass fand ich jetzt
- 15:56hilfreich 60% der Menschen. Da ist die Trauer normal.
- 16:02Dann gibt es 30%, die brauchen vielleicht Unterstützung,
- 16:06Begleitung und 10%. Ist nur, dass das irgendwie
- 16:13krankhaft ist. Wenn man das merkt, also zum
- 16:16Beispiel Depressionen, Angststörungen aus der Trauer
- 16:19gar nicht mehr rauszukommen, dann sollte man professionelle
- 16:22Hilfe aufsuchen. Was ist, wenn ihr merkt, in
- 16:28meinem Umfeld, da trauert jemand und ich kann der Person wie
- 16:32nicht helfen. Würde gerne.
- 16:35Und irgendwie komme ich nicht ran an diese Person, aber sie
- 16:39hat sie total verändert aufgrund ihrer Trauer.
- 16:42Also ich kann ja schon, was ich jetzt als erstes ich selber
- 16:46machen würde, wäre dann schon sie anzusprechen, die Personen.
- 16:50Und man kann sagen, ich mache mir Sorgen, also immer bei sich
- 16:54selber bleiben. Ich nehme wahr oder du wirkst
- 16:57auf mich so und so, also nie sagen, du brauchst Hilfe, du
- 17:02bist jetzt in Phase so und so stecken geblieben, ja, also das
- 17:06da hätten wir wieder dieses also falsch verstanden, auch mit dem
- 17:08Phasenmodell und so, ich kann nicht etwas den Überstülpen was
- 17:12die nicht wollen. Aber das das zu sagen ich, ich
- 17:16nehme wahr, ich hab das Gefühl dir geht es nicht gut.
- 17:19Ich mache mir Sorgen und so das das kann ich schon ansprechen.
- 17:23Also wichtig ist auch überhaupt begleitet zu sein und zu
- 17:25bleiben. Manchmal machen es Trauernde den
- 17:29Freundinnen und Freunden auch nicht leicht.
- 17:32Weil sie sich so zurückziehen. Ja, oder du?
- 17:35Du kannst ja nicht deren Probleme lösen.
- 17:40Also du kannst jetzt auch nicht, wenn die jemanden vermissen, du
- 17:43kannst niemanden ersetzen. Du kannst den nicht
- 17:46zurückbringen, geht nicht, aber du kannst da sein und da bist du
- 17:50schon, das ist schon sehr, sehr viel wert.
- 17:53Bei Fifa sind auch so Freunde so verunsichert, zum Beispiel, dass
- 17:58sie sich zurückziehen. Weil.
- 18:01Man will nichts Falsches sagen und sagt dann gar nichts.
- 18:04Was du gesagt hast, die wirken so komisch, die haben sich
- 18:06verändert und dann ist man unsicher und dann die ziehen
- 18:11sich zurück, hat man das Gefühl, dann zieht man sich halt auch
- 18:14zurück in sein Schneckenhaus. Und das ist genau falsch.
- 18:19Also nicht bedrängen, aber schon da sein, treue Freunde sein.
- 18:24So, und das ist mehr wert als jetzt mit Ratschlägen zu kommen,
- 18:29die ja klassischer schöner Spruch Ratschläge sind, Schläge,
- 18:32also das bringt auch nichts. Gibt es sonst noch dones, was
- 18:36man auf keinen Fall tun sollte? Radwege, ja so tolle Sprüche,
- 18:41das Leben geht weiter, Zeit heilt alle Wunden, alles wird
- 18:46gut. Nee, wird es nicht, wird nicht
- 18:49mehr gut. Was auch nicht so sagt.
- 18:52Ja, wenn du Hilfe brauchst, dann sag Bescheid.
- 18:55Weil das ist Vater zu viel Kraft.
- 18:57Das kommt nicht, aber auch nicht bedrängen also.
- 19:00Vielleicht kann sich trotzdem immer mal wieder melden oder
- 19:03sagen du also zum Beispiel kenne ich das, dass Leute, wenn wenn
- 19:08jemand jetzt verstorben ist, es nicht schaffen zu kochen.
- 19:13Also dann und dann hab ich, gab es so Freunde die das übernommen
- 19:17haben und dann jeden Tag was vor die Tür gestellt haben.
- 19:20So kleine Hilfen sind manchmal mehr wert als dann das Riesen
- 19:25Theater und bla bla zu machen das das hilft nicht.
- 19:33Von meinem Opa hat mir wahnsinnig geholfen, dass zum
- 19:36Beispiel bei der Beerdigung auf einmal Menschen da waren, mit
- 19:39denen er nie gerechnet hätte. Zum Beispiel eine Freundin aus
- 19:43der Schulzeit, oder es waren auch Lehrer, Kolleginnen meiner
- 19:47Tante da und durch ihr Dasein haben die uns eine wahnsinnige
- 19:50Sicherheit vermittelt. Jetzt ist es so, dass viele
- 19:53Menschen eine Bestattung, eine Beerdigung im engsten
- 19:56Familienkreis wünschen und nichts in in einem großen Kreis.
- 20:01Verstehst du diesen Wunsch? Ja, den verstehe ich gut.
- 20:04Der hat jetzt nach Corona oder in Corona nochmal wahnsinnig
- 20:07zugenommen. Dass so ein Katalysator gewesen,
- 20:10habe ich das Gefühl, also die Pandemie, weil das ja ne
- 20:13zeitlang dann auch nur möglich war, ich glaube, es hat viel mit
- 20:16Unsicherheit zu tun und Angst, dass die Leute teilweise Angst
- 20:20haben, was ist, wenn ich jetzt Emotionen zeige vor anderen, die
- 20:24mir irgendwie fremd sind, nicht mehr so klar zu haben, welche
- 20:28Rituale sind eigentlich hilfreich, also nicht mehr
- 20:31beheimatet zu sein, auch in so einer.
- 20:35In in Formen und in Sprache. Und dann zu sagen, Ach, dann
- 20:40macht man es doch lieber im kleinen Kreis, da fühlt man sich
- 20:43vielleicht sicherer, aber ich glaube, man nimmt sich ganz
- 20:45viel. Also ich bin eine Anwältin für
- 20:49die großen Abdankung. Warum bist du eine Verfechterin
- 20:52von großen Abdankung? Es, weil du als Pfarrerin mehr
- 20:56Publikum haben. Möchte ja genau so ist es.
- 20:59Nein, weil ich glaube, dass das eine wahnsinnige Kraft ist.
- 21:04Also was du gerade erzählt hast, dass bei der Abdankung deines
- 21:07Großvaters ne Schulfreunden gekommen ist, die hast du
- 21:11wahrscheinlich nicht erwartet unbedingt oder Freundinnen
- 21:14deiner Tante, das sind Menschen, die wollen dir den Rücken
- 21:18stärken. Erstmal nimmt man sich dann das,
- 21:21dass man merkt wieviel ist eigentlich anderen Leuten das
- 21:24wichtig, auch uns zu zeigen, dass sie an uns denken und das
- 21:27mittragen und die Leute trauern ja auch.
- 21:31Also ich nehme jetzt mal dein Großvater, der hatte ja auch
- 21:34noch andere soziale Bezüge als jetzt zur inneren Familie.
- 21:38Und das ist ja vielfach so. Also wenn ich jetzt gucke, hier
- 21:41haben manche Menschen vielleicht mehr mit ihren Nachbarn zu tun
- 21:43als mit den eigenen Kindern. Und wenn ich sage, jetzt ist nur
- 21:47engster Familienkreis, dann haben diese Nachbarn zum
- 21:50Beispiel gar keine Möglichkeit mehr, Abschied zu nehmen und man
- 21:55nimmt aber auch ein sich selbst was, also das ist eine Kraft,
- 22:00dass mir der Rücken gestärkt wird, dass ich das Gefühl habe,
- 22:02ich werde getragen von der Trauer Gemeinde, was ich sonst
- 22:07vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte und so einem
- 22:10Sarg oder einer Urne alleine zu stehen, ist doch sehr trostlos,
- 22:15finde ich. Hat der Tod hat die Trauer in
- 22:18unserer Gesellschaft überhaupt noch einen Platz?
- 22:21Heutzutage. Es schien schwieriges Thema.
- 22:27Ich glaube schon wieder mehr als auch schon.
- 22:30Ich merke, dass ich denk so an große, das manchmal dann
- 22:36stellvertretend getrauert wird. Wie meinst du?
- 22:40Das also wenn jetzt die Queen stirbt.
- 22:45Dann ist das ein Wahnsinniges, ein Wahnsinniger.
- 22:49Ich sag jetzt mal event in Anführungsstrichen.
- 22:51Und das ist vielleicht auch ne Stellvertretung, die dann sehen,
- 22:56dass die Leute am Fernsehen und verfolgen das und so.
- 23:01Und dann ist das fast wie eine stellvertretende Trauer oder
- 23:05abdankungs Feier, die sie da miterleben.
- 23:08Also ein Ritual, was irgendwie aus der Zeit gefallen ist.
- 23:13Also ich glaube, dass Menschen das brauchen.
- 23:14Und sie haben eigentlich die Möglichkeiten weniger.
- 23:18Oder? Nicht jeder kann ein Begräbnis.
- 23:20Wie? Nein, nein, nein, nein, nein,
- 23:23das muss es auch nicht, aber ich denke, deshalb sind solche
- 23:27medialen Ereignisse so wahnsinnig, weil wir selber gar
- 23:30nicht mehr haben. Also ich habe manchmal das
- 23:33Gefühl, wir sind doch sehr steril unterwegs.
- 23:36Müssen halt wieder funktionieren.
- 23:37Genau, also wir sind auch überfordert damit.
- 23:40Wir sind überfordert mit Menschen, die plötzlich
- 23:42Emotionen zeigen, wir können keine Briefe mehr schreiben, wo
- 23:47man irgendwie sein Beileid bekundet, Wissen das vielfach
- 23:50nicht mehr, und das hat wahrscheinlich auch damit zu
- 23:53tun, dass in unserer Gesellschaft das wenig Platz
- 23:55hat, wir müssen irgendwie funktionieren.
- 23:58Wirtschaftlich, familiär und so. Und.
- 24:02Also wenn ich jetzt dann überlege, dass früher eben
- 24:05dieses klassische Trauer Jahr war, wo Menschen dann auch die
- 24:09Erlaubnis hatten, dass sie nicht so ganz so ticken wie alle
- 24:13anderen. Auch alle sahen durch die
- 24:15schwarze Kleider. Also ich meine, das kannst du
- 24:17auch. Muss man das jetzt also alles
- 24:19was zwangs finde ich schwierig, aber sie hatten die Erlaubnis
- 24:24und die Frage ist, wo haben wir heutzutage die Erlaubnis zu
- 24:26trauern und das ist ja das interessante, nehmen wir uns die
- 24:30dann an so einem medialen Ereignis, das mit uns.
- 24:33Selber persönlich eigentlich gar nichts zu tun hat.
- 24:35Also bisschen kompliziert, aber ich weiß, verstehst du was ich
- 24:38meine? Ist leichter über die Queen zu
- 24:40weinen als über die eigene Großmutter.
- 24:43Oder über das, was bei mir selbst im Leben nicht mehr, also
- 24:47da, wo ich selber von Dingen Abschied nehmen muss, in meinem
- 24:51eigenen Leben. Was ja eigentlich viel
- 24:54berührender ist. Aber das ist eben.
- 24:58Sie leiht mir, dass es ist fast wie, als ob mir da ein Ritual
- 25:02geliehen wird, was ich dann angucke so.
- 25:05Und also ich glaube, es wäre wichtig.
- 25:07Also mir, das ist mir auch ein Wichtiges, also mir ist ein
- 25:10Anliegen, das eigentlich wieder in unserer Gesellschaft Platz
- 25:13hat. Reicht denke mit mit mit
- 25:16Verletzlichkeit umzugehen. Das ist ja also eine
- 25:22Gesellschaft, wo das keinen Platz hat.
- 25:25Hat die ist eigentlich nicht funktionsfähig.
- 25:30Den. Du leitest seit kurzem die
- 25:34Fachstelle Bill Begleitung in der letzten Lebensphase.
- 25:38Ist das euer Ziel, Tod und Trauer mehr ins Bewusstsein der
- 25:43Menschen zurückging oder was ist euer Ziel?
- 25:46Ja, ein Ziel ist es sicherlich, das bewusst zu machen.
- 25:50Also es ist eine ökumenische Stelle, ist eine schöne Aufgabe,
- 25:54dass die Kirchen das gemeinsam tragen.
- 25:56Also reformierte und katholische Kirche finanzieren das
- 25:58gemeinsam. Finanzieren das gemeinsam zu
- 26:01sagen, Wir wollen Menschen befähigen, selber gute
- 26:06Begleiterin und Begleiter zu werden, um Menschen zu
- 26:10begleiten, die sehr krank sind oder sterben, aber auch um
- 26:14Trauernde gut zu begleiten. Wer wendet sich da an Eure
- 26:17Fachstelle und mit welchen Fragen oder Themen?
- 26:19Zum einen. Biete ich Kurse an, Kurse zur
- 26:24Begleitung von sterbenden Menschen?
- 26:27Das sind dann vielfach Angehörige oder zugehörige.
- 26:30Es müssen ja nicht immer Verwandte sein.
- 26:33O das sind Freiwillige, die sich in dieser zum Beispiel in der
- 26:36Hospizarbeit engagieren, oder Interessierte, die melden sich
- 26:40meistens sind es Menschen, die schon irgendwie die Berührungen
- 26:43haben zu dem Thema, und dann gibt es letzte Hilfe Kurse, das
- 26:48ist so entwickelt wie erste Hilfe Kurse.
- 26:52Auch so kurz, dass alle mal davon gehört haben, was
- 26:56überhaupt sterben. Was kann man tun, wie kann man
- 26:58vorsorgen und so weiter also es ist auch n sind nur 4 Stunden an
- 27:02einem Samstag normalerweise und dann komme ich zu Vorträgen und
- 27:05Beratung, also wenn jetzt Leute sagen, ja ich hab da selber
- 27:08sorgen oder so, die können sich an mich wenden.
- 27:12Die Daten der Kurse und Vorträge findet man auf der Webseite
- 27:16unter WW Punkt Bill-sg.ch. Den Link findet ihr auch in den
- 27:20Show Notes. Dort findet ihr auch
- 27:22Wissenswertes zur letzten Lebensphase, zu Tod, Trauer,
- 27:26Abschied und ja, kann man sich toll informieren.
- 27:30Ebenfalls in den Show Notes findet ihr auch weitere Fahrrad
- 27:33Podcast folgen, die mit dem Thema Sterben, Abschied und Tod
- 27:36zu tun haben. Ich bedanke mich ganz herzlich
- 27:39für das Gespräch, danke, dass du uns aus deiner Perspektive über
- 27:43Tod und über trauern erzählt. Hast sehr gerne.
- 27:46Vielen dank Ines. Wenn euch die Podcast Folge
- 27:49gefallen hat, dann empfiehlt sie gerne weiter auch ein weiter, wo
- 27:52ihr das Gefühl habt, das wird gerade passen für sie so eine
- 27:54Podcast Folge zu hören. Den.
- 28:02Vater Graz.