Latest / BZ am Ohr / Warum Kinder die Schule verweigern – und wer dann hilft
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- Ich darf Sie ganz, ganz herzlich begrüßen in unserer Reihe Kindermedizin im Dialog, heute zum Thema Schulabsentismus. Ich darf mich kurz vorstellen, mein Name ist Katharina Mayer, ich bin Redakteurin bei der Badischen Zeitung. Die Reihe Kindermedizin im Dialog gibt es jetzt schon seit mehreren Jahren und sie ist eine Zusammenarbeit von der Badischen Zeitung und Initiative für unsere Kinderkliniken. Die hat sich intensiv dafür eingesetzt, dass wir so einen tollen Neubau bekommen haben wie die Kinderklinik und, strengt sich jetzt sehr mit Fundraising und Aufmerksam machen dafür an, dass es einen Neubau für die Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt. Schulabsentismus fällt da ein bisschen aus dem Rahmen, aber wir Wir werden heute Abend sehen, warum es doch ziemlich viel auch mit psychiatrischen Themen zu tun hat. Es ist ein riesengroßes Thema und ich sehe das auch daran, wie viele heute Abend gekommen sind. Es ist tatsächlich das größte Publikum, was wir bisher hatten. Ich freue mich, dass Sie alle da sind. Wie viele es tatsächlich betrifft, weiß man aber gar nicht, denn es sind keine Zahlen zu bekommen. Vielen Dank. Tenor ist insgesamt, dass es nach der Pandemie die Zahlen rapide angestiegen sind. Zwei Kolleginnen von mir haben vor zwei Jahren versucht, das mal auch für den Freiburger Raum zu rauszufinden. Wie groß ist das Problem denn? Besteht es noch sofort? Und alle damals befragten Fachleute vom Schulamt, der Sprecher der Werk-Realschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen, die haben gesagt, ja, die Zahlen steigen. Und das ist auch die Wahrnehmung von den zwei Fachpersonen, die wir heute hier auf dem Podium haben. Schul-Absentismus, das heißt, ein Kind, ein Jugendlicher geht für Wochen, Monate oder Jahre zum Teil nicht in die Schule. Das hat die vielfältigsten Gründe. Das kann das familiäre System sein, das, den Schüler, die Schülerin nicht unterstützen kann, wegen gesundheitlicher Probleme zum Beispiel oder weil es den Schüler nicht unterstützen will oder sogar zurückhält, möglicherweise aus politischen Gründen. Sehr oft steckt aber auch eine Krankheit des Kindes dahinter, eine psychische Belastung oder eine psychische Störung. Und das wird heute Abend für uns stärker im Fokus stehen. Dann darf ich mein Podium vorstellen. Moment. Sie dürfen auch schon. Das ist Frau Kaiser. Sie ist Kinder- und Jugendpsychotherapeutin an der KJP in Freiburg. Sie befasst sich schon sehr lange und intensiv mit dem Thema Schulabsentismus. Sie war früher auch an der Schulpsychologischen Beratungsstelle tätig. Direkt neben mir ist Frau Müller. Das freut mich besonders, denn sie ist die Mutter einer Tochter, die fast zwei Jahre nicht in die Schule gehen konnte. Und es brauchte immer sehr, sehr viel Mut für Betroffene, aufs Podium zu kommen. Deshalb freue ich mich sehr, dass Sie da sind. Und an dieser Stelle auch die Tochter hat sich gewünscht, dass ihr Fall, wenn man das so nennen möchte, anonym bleibt. Deshalb heißt Frau Müller jetzt auch einfach nur für uns Frau Müller. Das ist nicht ihr richtiger Name. Und ganz außen haben wir Herrn Schwieren. Er ist Lehrer und arbeitet an der, Arbeitsstelle Kooperation des Schulamtes, kurz ASCO, die so eine Art Lotsenfunktion hat im Schulsystem und sie sind da für Gymnasien zuständig. Kurze Werbepause, aber die lohnt sich. 80 Jahre BZ, das feiern wir mit dir. Und jetzt kommt das Beste. Hol dir jetzt ein BZ-Digital-Premium-Abo und sichere dir ein Samsung Galaxy Tab A11 Plus für 0 Euro. Dazu gibt es eine passende Schutzhülle und den Online-Kurs, was dein Tablet alles kann, damit du sofort durchstarten kannst. Bestelle jetzt dein Angebot unter mehr.bz.deal, aber nur bis zum 30.06. Und nur, solange der Vorrat reicht. Werbung Ende. Ich würde interessieren, nachdem es ja so wenig Zahlen gibt, in Ihrer Praxis, welche Störungen oder Diagnosen in Sachen Schulabsentismus begegnen Ihnen denn am häufigsten? Haben Sie eine Vorstellung, was ist Ihr Alltag hauptsächlich? Also in Zahlen kann ich das auch wieder nicht beantworten, sondern das wäre eher von meinem persönlichen Eindruck her. Ganz regelmäßig kommen Kinder mit natürlich, Stimmungsproblem, Depression, aber auch Kinder und Jugendliche mit Ängsten, sozialen Ängsten, Trennungsängsten und viele Kinder haben auch. Oder wird dann diagnostiziert eine Autismus-Spektrum-Störung. Darüber hinaus, wie ich gerade schon auch gesagt habe, Leserechtschreibstörungen, die nicht diagnostiziert sind, die zu Lernproblemen führen. Mich würde interessieren, Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ja schon mal was, da kommt man ja nicht mal eben so hin. Wie finden Sie denn den Weg zu Ihnen, die betroffenen Familien? Und wie geht es dann weiter? Was sind die Schritte, um Ihnen zu helfen? Also die Wege sind unterschiedlich. Teils melden die Eltern ihre Kinder an oder über andere Kolleginnen und Kollegen aus dem ambulanten Setting, also ambulante Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, psychiatrische Praxen, oder auch die ASCO, also die Arbeitsstelle Kooperation, die angegliedert ist an das Schulamt. Oder auch die schulpsychologische Beratungsstelle über das Jugendamt. Das kann sehr unterschiedlich sein. Und wie können Sie denjenigen dann helfen? Was sind die Schritte, die Sie gehen? Diagnostik vermutlich, aber da bleiben Sie ja nicht stehen. Genau, also es geht zum einen darum, eine gute und ausführliche Diagnostik zu machen, um zu verstehen, was liegt denn eigentlich dem Ganzen zugrunde? Was sind die verschiedenen Gründe, die dazu beitragen, dass ein Kind oder ein Jugendlicher nicht mehr zur Schule geht. Und das andere, was Sie schon gesagt haben, das reicht natürlich nicht, ist eine große Vernetzung mit dem Hilfesystem. Das heißt, wir. Gucken erstmal, was wurde denn schon alles gemacht, welche Anlaufstellen wurden schon kontaktiert und welche weiteren brauchen wir. Und es geht immer darum, auch nach Möglichkeit mit den Schulen in Kontakt zu treten, mit dem Jugendamt in Kontakt zu treten, je nachdem, wie die Situation ist, wenn die Familien auch einfach mehr Unterstützung brauchen oder eben auch mit der ASKU in Verbindung zu treten. Und dann nach Möglichkeit schnell Rückkehrpläne zu erstellen, wenn das möglich ist. Darüber hinaus, manchmal ist der Schulabsentismus so chronifiziert, reicht es nicht aus im ambulanten Setting, dann gibt es die Möglichkeit der teilstationären und stationären Behandlung. Da ist wiederum natürlich für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, die große Herausforderung oder auch Belastung, dass wir massive Wartezeiten haben natürlich für die teilstationäre, also die tagesklinische Behandlung und die stationäre Behandlung. Genau, was wie gesagt sehr belastend für die Familien sein kann dann entsprechend. Und Sie haben mir gesagt, meistens, die Fälle sind oft sehr, sehr komplex, aber meistens findet sich eine gute Lösung für die Kinder. Also Sie sehen oft einen Erfolg dann Ihrer Bemühungen? Ja, zum Glück. Deshalb bin ich auch sehr froh, dass Frau Müller heute da ist, weil, wie Sie ja in der Anmoderation gesagt haben, ihre Tochter fast zwei Jahre nicht zur Schule gegangen ist. Und wiederholt machen wir die Erfahrung, dass Kinder und Jugendliche den Weg zurückschaffen in die Schule oder in Lernprojekte oder auf eine andere Schule mit viel Unterstützung. Leider gibt es natürlich manchmal trotzdem Kinder und Jugendliche, die den Weg nicht schaffen. Frau Müller, Sie sind hier... Sozusagen mit einer Erfolgsgeschichte. Wir fangen hinten an. Es gab ein Happy End. Ihre Tochter geht in eine neue Schule oder auf eine neue Schule. Sie ist da gut integriert. Sie hat gute Noten. Sie haben gesagt, sie ist aufgeblüht. Aber dahin war es ein langer Weg. Das stimmt, war es sehr lange. Ich glaube, viele können sich hier das wahrscheinlich gut vorstellen. 20 Monate lang ist Ihre Tochter nicht in die Schule gegangen. Vielleicht schildern Sie uns kurz, was war denn sozusagen von außen betrachtet erst mal der Anlass, die Ursache, wie ging das Ganze los? Ihre Tochter war damals zwölf. Genau, sie war zwölf. Sie ist anfangs tageweise nicht in die Schule. Da habe ich mir noch nicht viel gedacht. Und dann wurde das immer mehr. Und ich habe dann versucht, mit ihr ins Gespräch zu gehen. Also der Tenor war Mobbing, also Kränkungen direkt, indirekt, was für sie einfach sehr schwer zu verkraften war. Ich bin dann mit den Lehrern ins Gespräch, mit der Schulpsychologin und das war wenig fruchtbar. Alle haben ihre Kinder verteidigt, was ich gut verstehe. Das waren jetzt andere Eltern. Andere Eltern, genau. Und es wurde aber nicht besser. Und die Konflikte wurden auch unter den Mitschülern immer mehr. Und wir haben dann vier Mamas und vier Mädchen einen runden Tisch gebildet und wollten darüber sprechen, was man tun kann, wie das miteinander sein kann, Regeln festlegen für den Umgang. Und das ist aber total eskaliert. Also eine Mama hat meine Tochter so angegriffen und angeschrien, dass meine Tochter rausgelaufen ist und seit dem Tag ging sie auch nicht mehr zur Schule. Also Sie waren aktiv, Sie haben es eigentlich wirklich intensiv versucht, aber es hat nicht geklappt. Sie haben auch mir gesagt, in der Schule haben Sie wenig Verständnis bekommen. Das stimmt, ja. Bis zum Schluss. Der Tenor war, das ist halt so unter Mädchen. Die Selberschule, die sollen das alleine regeln, da mussten wir alle durch. Das gibt es seit Jahrhunderten, die regeln das unter sich, daran wächst man. Das waren so die Schlagworte, ja. Sie haben sich dann woanders Hilfe gesucht. Sie sind zur Schulpsychologischen Beratungsstelle gegangen. Genau, also ich habe recherchiert, wie wild, was es an Möglichkeiten gibt. Vor fünf Jahren hatte ich nicht viel Auswahl. Ich habe die Kinder- und Jugendpsychiatoren und Psychologen dreimal durchtelefoniert ohne Erfolg und bin dann auf die Schulpsychologische Beratungsstelle vom Oberschulamt gestoßen. Und die haben gleich beim ersten Telefonat gesagt, ja, kommen Sie vorbei. Und beim ersten Gesprächsson hat meine Tochter total an die Frau Metzger, die Psychologin, dort angedockt und hat sich von ihr, wie soll ich sagen, also die haben miteinander kommuniziert, das war schon mal total außergewöhnlich und sie war dann bereit, jede Woche zu Frau Metzger zu gehen und zu sprechen. Und sechs Monate später, soweit ich das weiß, sind Sie dann auch noch zur KJP, vermittelt worden, nehme ich an? Ich habe dann einen Termin ausgemacht in der KJP. Damals war die Wartezeit sechs Monate. Und wir hatten dann das große Glück, auf Frau Kaiser zu stoßen, wo meine Tochter auch von der ersten Stunde Vertrauen hatte. Sie ist gern zu Frau Kaiser gegangen, war auch immer ganz wichtig, dass wir pünktlich sind und so. Und sie hat mir auch nie erzählt, was sie sprechen. Aber ich war einfach so froh, dass meine Tochter jemand hatte, dem sie vertraut und mit dem sie wirklich schambesetzte Sachen auch aussprechen kann, die man wie der Mama einfach nicht bespricht, wenn man zwölf ist. Und es kam dann auch tatsächlich eine Diagnose für Ihre Tochter, Also da gab es diese Mobbing und soziale Problematik, aber es hat sich dann auch noch eine medizinische Problematik gezeigt. Genau, also wie Frau Kaiser schon gesagt hat, wurde sie durchdiagnostiziert. Sie hat dann, glaube ich, auch zwei Diagnosen gekriegt. Wobei, also ich habe meiner Tochter das immer anders verpackt. Ich habe gesagt, du bist nicht schuld. Wir brauchen das, damit die Krankenkasse das bezahlt und damit Frau Kaiser ihr Geld kriegt und so. Und das fand sie dann ganz gut. Und bis heute kann sie sich mit diesen Diagnosen auch nicht identifizieren. Würden Sie es uns aber sagen? Also das eine war soziale Phobie und das andere war Autismus, Schreckstromstörungen, ja. Also was ja auch, wie Frau Kaiser sagte, wirklich eine ganz häufige Quelle für Schulabsentismus ist. Ihre Tochter ist dann länger in Behandlung gegangen. Sie haben mir gesagt, einmal die Woche bei Frau Kaiser, einmal die Woche Tomtas, so eine Kommunikationsgruppe. Genau, das hat Frau Kaiser vorgeschlagen. Ich weiß gar nicht, was Tomtas heißt. Genau, das heißt Theory of Mind, Autismus oder Autism Spectrum Disorder oder Spektrumstörung. Also Tomtas ist ein wunderschöner Name. Das ist ein soziales Kompetenztraining für ältere Kinder und Jugendliche mit einer diagnostizierten Autismus-Spektrum-Störung. Das Schöne für meine Tochter war, dass sie da Jugendliche getroffen hat, die so sind wie sie. Irgendwann war dann auch nicht mehr der Inhalt im Vordergrund, sondern dass die sich treffen. Also da sind Freundschaften entstanden, die bis heute halten. Aber zurück in die Schule hat sie noch nicht gefunden in dieser Zeit. Nein, über die KJP wurde sie dann in der Tagesklinik angemeldet und das war für uns so ein großer Schritt, so Ups. Aber ich muss sagen, das Team dort, ich sehe welche im Publikum, vielen Dank, das war unser Game Changer. Also meine Tochter hat es wirklich geschafft, dort jeden Tag hinzugehen. Am Anfang war es noch sehr schwierig, da habe ich sie immer gefahren und abgeholt, weil außer Schulbesuch war natürlich Straßenbahn, Fahrrad und sowas. Das war ein absolutes No-Go. Und je länger sie dort war, desto selbstbewusster wurde sie auch wieder. Also sie hat sich dort wirklich wahrgenommen gefühlt, auch in ihren Schurlichkeiten und Eigenarten. Also zum Beispiel beim Essen wollte sie zum Fenster rausschauen, das wurde ermöglicht. Und lauter solche Kleinigkeiten, die für uns nichts bedeuten, waren für sie dann einfach wichtig, dass man sie sieht. Und über die Tagesklinik ging sie dann in die Klinikschule und da war sie am Anfang sehr verhalten und hat dann aber dort richtig Fortschritte gemacht. Und sie wurde dort auch durchgetestet, auf welchem Stand sie ist, wobei wir zu Hause weitergelernt haben. Also sie hat jetzt nicht so große Defizite und es wurde dann zuerst versucht, sie in die alte Schule zu integrieren. Das hat nicht funktioniert, da hat sie Panikentakten entwickelt, sobald sie die Schule nur gesehen hat. Und wir sind dann im Behandlungsunterstützerteam dahin gegangen, eine neue Schule zu suchen. Und das war ja erfolgreich, wie wir eingangs schon gesagt haben. Sie ist jetzt dort in der 10. Klasse? Nein, sie ist jetzt in der 12. Klasse. Also wir haben bei vier Schulen hospitiert. Und bei der 4. Kam dann ein ganz klares Ja, auch von der Schulleitung dort. Und sie war dann eine Woche auf Probe und ist dann dort geblieben. Ist inzwischen in der 12. Klasse, ist eine Einzelschülerin, ist Klassensprecherin, ist in der Schülermitverwaltung, ist außerhalb der Schule im Verein, hat ihren Freundeskreis. Also vieles, was man sich vor Jahren noch überhaupt nicht hat vorstellen können. Und das ist, glaube ich, eine ermutigende Geschichte, wahrscheinlich für viele hier im Publikum. Herr Schwieren, Frau Müller sagt, unterstützt gefühlt hat sie sich eigentlich nicht von der Schule. Die Eltern stehen ja in dem System auch wahnsinnig unter Druck. Das Kind geht nicht in die Schule und erst mal ist ja die Verantwortung bei den Eltern. Und die Schule wird es auch deutlich machen, denke ich. Ist das also ein klassisches Problem, dass Eltern und Schule erstmal irgendwie ein bisschen über Kreuz kommen? So ein bisschen eine Gretchenfrage, wenn ich als Lehrkraft hier sitze. Ja, das ist schon oft eine Ausgangssituation. Natürlich, also wenn das System nicht mehr funktioniert, also das System eigentlich das unterstützen soll, das nicht schafft. Häufig aufgrund fehlender Hintergrundinformationen, Diagnosen und so weiter. Also für Lehrkräfte ist es natürlich doppelt schwer. Die sehen dann die Kinder gar nicht so viel. Für die Eltern ist es wahnsinnig schwer, nicht zu verstehen, was passiert mit meinem Kind. Und das ist für Lehrkräfte natürlich auch oft so und Schulen. Und dann liegt das nahe, dass da oft auch vielleicht falsche Entscheidungen getroffen werden oder nicht die Unterstützung gewährleistet wird, die es eigentlich gebraucht hätte, wie Sie das schildern am Anfang. Dass da einfach Dinge falsch eingeschätzt werden, auch aus Mangel an Informationen. Ich glaube jetzt nicht aus Mangel an gutem Willen. Gibt es denn für Schulen irgendwie so eine Art Masterplan, eine Handlungsanweisung, How-to-Schulabsentismus? Die gibt es so nicht. Es gibt viele inzwischen, also viele Asken, also die Regionalstellen der Asko haben so Pläne inzwischen entwickelt und geben die an Schulen so als Idee. Gerade wird auch auf Landesebene an der Landesstrategie Schulabzidentismus gearbeitet, wo die Ministerien zusammenarbeiten. Also mehrere Ministerien sind gerade involviert. Ich glaube, das Kultusministerium, das Innenministerium und das Sozialministerium. Also da gibt es schon, der Bedarf, der ist, glaube ich, auf politischer Ebene schon angekommen. so richtig, dass man jetzt sagen kann, die Schulen wissen jetzt, was sie machen sollen. So kann man das, glaube ich, nicht formulieren. Und das liegt natürlich auch an dieser Bandbreite, die wir vorhin gesehen haben, an Themen, die ja kaum unter einen Hut passen. Also ganz, ganz unterschiedliche Fälle, immer Einzelfälle, sodass da irgendwie sozusagen die Strategie, die löst das Problem Schulabsentismus, es sich ja nie geben wird. Zum Teil wenden sich ja auch Eltern oder Sie haben gesagt Lehrkräfte, die nicht mehr weiter wissen, direkt an Sie. Ja. Wie gehen Sie dann vor? Was sind so Ihre Schritte? Das sind zum Teil auch ähnliche, wie Frau Kaiser die geschildert hat, dass wir erstmal gucken, was ist die Situation, was wissen wir oder was liegt an Wissen über die Hintergründe schon vor? Welche Systeme sind schon aktiviert, also welche Unterstützungssysteme sind schon im Boot oder können noch aktiviert werden? Wir sind ja ursprünglich eigentlich ein Unterstützungssystem, das insgesamt für Schülerinnen und Schüler da ist, die besondere Förderbedarfe haben. Also der Schulabsentismus kam dann sozusagen als ein Phänomen von besonderen, Problemen immer mehr zu uns oder auf uns zu. Und das ist auch ein Handlungsfeld, in dem wir häufig aktiv werden. Also dass wir die Schulen versuchen zu beraten im Hinblick auf, wie kann man bei diesem besonderen Bedarf, der besonderen Situation jetzt, was für Angebote kann man machen, um das Schulangebot zu verändern. Ich finde das bei dieser, also als Sie den Begriff gezeigt haben, das ist ja immer spannend, wenn jemand versucht, das zu definieren und dann zwangsläufig scheitert. Ich finde sozusagen die spannende Perspektive eigentlich zu sagen, gut, in dem Begriff steckt erstmal Schulabsentismus, erstmal ein Schulproblem und nicht unbedingt ein Problem von Schülern. Das löst jetzt nicht die Probleme für ein einzelnes Kind, aber das macht deutlich, warum das für Schulen Handlungsfeld ist. Und Sie haben das so ganz kurz gezielt, was für Herausforderungen eigentlich Schulen da erleben und wo die auch einfach Entwicklungsaufgaben haben. Die Schulen sind ja immer mehr unterwegs in der Richtung. Es gibt ja jetzt auch in der Schule schon viele Hilfsangebote. Gucken Sie da auch, ob die jeweils mit an Bord sind? Zuallererst. Also das erste Unterstützungsgebot sind natürlich die Lehrkräfte, die da, mit den Kindern arbeiten und viele Lehrkräfte erleben wir in der Arbeitsstelle auch als wahnsinnig engagiert und auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten. Die Schulleitungen auch. Ich sehe ein paar Beratungslehrkräfte hier sitzen zum Beispiel, die dann natürlich auch eines der Unterstützungssysteme sind, das total nahe liegt. In vielen Fällen bekommen wir aber auch mit, dass der Abstand zur Schule schon so groß ist, dass das jetzt schon eine Riesenschwelle ist. Was eigentlich relativ niederschwellige Angebote sein sollten, sind dann für schulabsente Kinder eben keine niederschwelligen mehr. Es geht ja vielleicht auch damit einher, was ich vorhin meinte, dass jeder Tag wirklich zählt und gerade die Frühwarnzeichen, auf die geachtet werden muss. Und gleichzeitig, das System Schule hat ja an sich schon viel zu tun. Also es ist ja auch ein Lernort und da geht es ja viel auch um soziales Lernen und das dann auch mal im Blick zu behalten, stelle ich mir natürlich auch als herausfordernd vor, da jede einzelne Schule, also Fehlzeit zu erfassen, auch wenn es sehr wichtig ist, diese Frühwarnzeichen entsprechend zu erkennen, damit eben die Beratungslehrer schnell Abhilfe leisten können. Jeder Tag zählt, gilt natürlich ja genauso gut, aber auch für das medizinische System. Wenn man, wie Frau Müller, erst irgendwie über Monate einen Kinder- und Jugendpsychologen suchen muss oder es ein Jahr oder so bis zur Diagnose dauert, dann ist ja schon der Schulabsentismus ein Jahr lang. Vorangeschritten. Und Frau Müller, vielleicht können Sie es uns noch sagen. Ich kann mir nur vorstellen, wie schwierig das dann auch ist. Sie werden Ihr Kind am Anfang selbst entschuldigt haben. Haben Sie dann Entschuldigungen vom Kinderarzt bekommen? Oder wie geht man da mit dem System konform? Also anfangs habe ich ganz brav die Entschuldigungen geschrieben, die notwendig waren. Irgendwann hat das nicht mehr gereicht. Da habe ich den Lehrern gesagt, sie bleibt jetzt einfach bis auf weiteres Zuhause. Da gab es dann Riesenärger. und da habe ich über meine Rechtsschutzversicherung Kontakt gesucht zu einem Fachanwalt für Schulrecht. Kann ich nur empfehlen, diese Menschen sind Gold wert. Ich habe den angerufen und der hat mich erst mal beruhigt und hat gesagt, nee, nee, also so schnell passiert da nichts und die Schule hat da überhaupt keine Befugnis. Das entscheidet alles das Regierungspräsidium. Und dann war für die einfach irgendwann klar, also meine Tochter kommt nicht und Punkt. Das bringt wahrscheinlich dann auch die Schule irgendwie in Erklärungsnöte. Also da ist dann einfach viel Not und Druck im System. Ja, wobei ich das bei Diagnosen auch nicht unbedingt einfacher wahrnehme. Also sobald die Kinder entschuldigt werden regulär, was bei ihnen jetzt nicht der Fall wäre, dann ist natürlich die Handlungsnotwendigkeit gar nicht mehr so groß. Im Zweifelsfall nimmt man auch die überhaupt nicht mehr wahr als Schule. Wir können ja gar nichts mehr machen, das Kind ist krank. Das ist auch nicht immer günstig. Aber ich glaube, das, was Sie so beschreiben, das nehme ich zumindest in der Arbeit an der Arbeitsstelle seltener wahr. Also ich glaube, inzwischen haben schon viele Schulen und Schulleitungen verstanden, dass es viele Hintergründe gibt, warum Schülerinnen und Schüler nicht mehr zur Schule kommen und dass da Druck allein, nicht in vielen Fällen hilfreich ist. Ja, ich würde gerne auch nochmal darauf eingehen, was Sie gerade gesagt haben, dass wenn eine Diagnose vorliegt, dass dann die Gefahr besteht, dass man vielleicht als Schule oder als System davon ausgeht, okay, jetzt, wird sich darum gekümmert und ich möchte nicht sagen, man lehnt sich zurück, überhaupt nicht, sondern es gibt jetzt erstmal, ich sage mal, schulrechtlich ist es jetzt gelöst, das Problem. Und gerade bei psychischen Erkrankungen ist es so wichtig, dass man frühzeitig auch wieder in die Schule zurückgeht. Natürlich gibt es bei einer schweren Depression oder bei einer Psychose, bei einer akuten Psychose, da erwartet niemand, dass man einen rechtzeitigen Rückkehrplan erstellt. Aber gerade wenn es darum geht, schnelle oder flexible Lösungen zu finden, Und es ist sehr hilfreich, dass man schnell auch wieder in die Schule zurückkehrt. Und wenn es einzelne Stunden sind oder zwei Stunden am Tag sind, ist es immer noch besser, als wenn man nicht geht. Gerade wenn es auch darum geht, eine Tagesstruktur wieder aufzuwenden, wenn ein Kind depressiv ist, dann ist es umso hilfreicher, in die Schule zu gehen und wenn es zwei Stunden sind. Jetzt gibt es ja Erkrankungen wie Depression oder Magersucht, wo man ja sich auch dann auf den Heilungsweg begibt und dann die Beschulung wieder klappen sollte, so alles gut läuft. Aber es gibt ja auch die Störungen, die sozusagen nicht heilbar sind, wie jetzt Autismus-Spektrum-Störung, wo man ja vielleicht einfach dann neue Skills lernen muss, wie jetzt die Tochter von Frau Müller ja erfolgreich gemacht hat oder vielleicht eine andere Form der Beschulung wählen muss. Gibt es Alternativen? Gibt es Schultypen, wo Kinder vielleicht eher hingehen sollten? Ist manchmal ein Schulwechsel eine gute Lösung? Die Antwort kann ich gar nicht pauschal geben, weil auch hier ist es wieder total individuell. Das ist vielleicht etwas unbefriedigend, aber es braucht wirklich individuelle Lösungen und keine pauschale Lösung. Deshalb ist es auch so wichtig, sich jede Person, jedes Individuum einzeln anzuschauen. Für das eine Kind ist der Schulwechsel bahnbrechend. Ein anderes Kind, da ist es eher hinderlich, die Schule zu wechseln. Ein anderes Kind braucht ein komplett anderes Schul-Setting, also beispielsweise SBBZ, also sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren, wenn es um das Thema soziale, emotionale Entwicklung geht oder massive Lernschwierigkeiten, dass man den Schwerpunkt Lernen wählt. Das heißt, auch da muss man immer individuell schauen. Bei Autismus-Spektrum-Störungen, da ist mir auch noch mal wichtig zu sagen, es gibt auch viele Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen, die den Schulbesuch schaffen. Nicht alle, aber manche kommen irgendwie ganz gut durch. die Schulen. Es ist auch da wieder sehr individuell. Und was wir häufig auch erleben, wenn beispielsweise, wenn wir jetzt. Bei der Autismus-Spektrumstörung bleiben, wenn das früh erkannt wird und es entsprechende Hilfen gibt, wie, autismspezifische Therapien oder eine Schulbegleitung, also das heißt, Eingliederungshilfen parallel installiert werden, wo wir einfach total auf die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern auch angewiesen sind, dann hilft das auch im Sinne der Prävention, dass Kinder eine gute Schullaufbahn machen können und auch sozial lernen können. Denn Schule ist nicht nur Lernen, sondern natürlich auch soziale Kontakte knüpfen, Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen. Trotzdem gibt es ja wirklich Störungen. Wir haben auch so einen Abend zu Autismus-Spektrum-Störungen gemacht. Da war Ian mit auf dem Podium, der gesagt hat, die Pandemie war das Beste. Ich durfte einfach zu Hause lernen, mein Programm machen und dann ein bisschen Zoom, Ich musste nicht diese unglaublich anstrengende Schulsituation durchstehen und wir hatten da auch Leute auf dem Podium, deren Kind unglaublich, stark beeinträchtigt war im Spektrum und die gesagt haben, eigentlich ist mein Kind nicht beschulbar, aber das deutsche System ist ja da sehr rigide. Müsste das vielleicht flexibler sein? Also ich habe gestern meine Tochter noch gefragt, was soll ich hier sagen, was ihr wichtig ist. Und da hat sie gesagt, ich bin nicht schuld. Und wir haben dann darüber gesprochen und sie meint damit, dass, trotz diesen Diagnosen und diesem Mobbing und was auch immer, habe ich auch immer gesagt, es ist Job der Erwachsenen, dafür zu sorgen, dass es dir gut geht in der Schule und wo auch immer. Und habe versucht, sie damit zu entlasten. Und sie hat mir rückgemeldet, dass das auch geholfen hat. Das hat Frau Kaiser gemacht, das hat Frau Metzger gemacht. Also die Kinder, die wollen ja eigentlich. Also meine Tochter wollte immer, aber sie konnte einfach nicht. Und ich habe immer gesagt, es ist Mamas Job, dafür zu sorgen, dass es dir in der Schule wieder gut geht. Und als es klar war, es ging in der Schule halt nicht dann in der anderen. Also Diagnosen hin oder her, die Kinder sind in großer Not. Und alles, was ihre Selbstwert und ihre Person stärkt, ist wichtig. Herr Schwieren. Wollten Sie direkt was sagen? Also ich wollte auf Ihre Frage antworten. Sie haben gefragt, ob wir flexiblere Schulen brauchen. Also ich glaube, wenn die Schulen flexibler werden, klar, dann schaffen mehr Kinder einen Schulbesuch. Also in vielen Fällen, Sie haben über Autismus-Spektrum gesprochen. Für viele Schülerinnen im Spektrum und Schüler ist ein Schulbesuch unmöglich, wenn das sozusagen das ganz klassische System ist. Und nur da, wo Schulen sich auf den Weg machen und sagen, wir registrieren, jetzt gibt es einen besonderen Bedarf, wir können nicht unsere standardnormativen Maßstäbe anlegen, wird dann das überhaupt wieder vorstellbar, dass Schüler zurückkehren an die Schule oder auch dauerhaft Teilnehmernunterricht und sei es dann weniger, deutlich weniger häufig. Das ist schon mal eine erste Flexibilisierung und das fällt den Schulen natürlich schwer. Also oft erlebe ich Lehrkräfte und Schulleitungen, die da sehr offen für sind. Das darf aber dann nicht so lange dauern. Also das Eingliederungssetting ist erstmal traumhaft schön und man denkt, super, und dann steht da aber schon, nach zwei Wochen möchten wir aber schon, dass du dann auch doppelt so viele Stunden schaffst. Und wir möchten auch, dass du... Und dann fährt es auch oft wieder gegen die Wand. Und wenn dann die Versetzungen das Thema werden, das sind natürlich alles so systemische Zwänge, die machen es dann für Schulen auch schwer, da so frei zu agieren, wie man vielleicht pädagogisch sagen würde, ist doch klar, jetzt brauchst du auf jeden Fall einen ganz anderen Rahmen hier zum Lernen. Und jetzt geht es auch gar nicht um Noten. Das ist für Schulen schwierig. Sie hatten in unserem Vorgespräch gesagt, es gibt auch die Kinder, die mit dem System einfach gerade in dem Moment so gar nicht klarkommen. Da gibt es auch dann alternativen Projekte, wo die Kinder stattdessen unterkommen können. Wollen Sie kurz ein bisschen erklären, was gibt es da an Möglichkeiten? Das ist jetzt vielleicht eher die Kindergruppe, die so mehr Null Bock und ich hadere mit dem System Schule ist? Nicht nur, auch. Das sind aber dann eher meine Kollegen, die in anderen Schulformen als ich berate. Ich berate ja vor allem im gymnasialen Zusammenhang und in anderen Sekundarschulen gibt es durchaus, genau zum Beispiel das Problem von Schulschwänzen oder Schuldistanz. Da gibt es zum Beispiel die Lernstadt in Freiburg, die auch ein innerschulisches Angebot ist für Schülerinnen und Schüler, die, das ist aber sehr relativ eng von der Zielgruppe, 8. Und 9. Klasse ist es, glaube ich, die überhaupt keine Bereitschaft mehr haben, an einem Regelunterricht teilzunehmen Und nicht aufgrund einer psychiatrischen Diagnose, einer Erkrankung oder einer Störung, sondern so wie wir es uns vorstellen vielleicht. Ich möchte da widersprechen und teilen. Bei den Schulschwänzern, glaube ich, darf man nicht unterschätzen, es gibt auch Kinder mit wirklich schwierigen. Schulbiografien, die auch dadurch geprägt sind, dass die von Beginn an Schwierigkeiten hatten, weil sie sich nicht konzentrieren konnten, weil sie impulsiv sind. Vielleicht auch ein ADHS haben, das aber nie diagnostiziert worden ist, oder eine Störung des Sozialverhaltens, weil sie einfach sehr ungute Prägungen, familiär oder schulisch oder gesellschaftlich gemacht haben und die vielleicht auch, wie ich ja auch immer wieder betont habe, eine Leserechtschreibstörung haben oder eine Rechenstörung und kommt das zusammen oder tritt das zusammen auf, dann denken vielleicht viele Menschen, Da hat einfach jemand keinen Bock, die Person will lieber draußen abhängen und vapen oder so. Aber wenn die alleine vor einem sitzen, diese Kinder und Jugendlichen sehen wir auch bei uns in der Psychiatrischen Institutsambulanz, dann sieht das in der Regel ganz anders aus. Also ich würde sagen, wirklich die große, große Mehrheit sagt zumindest Vordergründig, na eigentlich will ich schon einen Schulabschluss und eigentlich ist es echt scheiße, was gerade passiert in meinem Leben. Und ich will nicht die ganze Zeit auf dem Parkplatz rumhängen, aber es klappt nicht. Und deshalb bin ich froh, dass es eben solche, wie ist es, Lernstadt, die Lernstadt beispielsweise gibt. Gleichzeitig muss ich auch sagen, natürlich ist es auch nicht Aufgabe von Lehrkräften, diese Diagnosen zu erkennen. Das ist vielleicht auch zu viel erwartet, aber dass man zumindest so es im Blick behält. Also es muss nicht von Lehrkräften diagnostiziert werden, aber man muss es im Blick behalten. Ich kann es vielleicht noch ausführen, den Punkt. Also das ist ein Beispiel und viele Beispiele sind dann Maßnahmen der Eingliederungshilfe letztendlich. Also dann, wenn klar ist, dass alle schulischen Mittel, also alle übereinstimmen, Eltern, Häuser, Familien, auch die Diagnostik und auch die Schulen sagen, wir sind am Ende unseres Lateins, dann gibt es noch Maßnahmen, die dann häufig sowas wie eine Online-Beschulung oder ein Fernlernen beinhalten. Das ist aber auch was, was wir auch an der Arbeitsstelle erst als allerletzten Vorschlag so präsentieren. natürlich, weil da soziale Teilhabe in vielen Fällen kaum noch stattfindet. Ich gucke jetzt auf die Uhr. Ich habe eigentlich noch so viele Themen, die ich gerne noch mit Ihnen besprechen würde. Ein Thema, es ist jetzt schon angeklungen, ist die Belastung für Eltern. Die würde ich gerne noch ein bisschen ins Zentrum setzen. Denn ein Kind, das aus diesem System rausfällt, heißt ja immer auch ein Kind, das plötzlich jetzt im Krankheitsfall permanent zu Hause ist. Und wie haben Sie das gemanagt mit Ihrem Kind, das zwei Jahre nicht in die Schule gegangen ist? Also letztlich haben wir die Schule weitergelebt. Wir sind oder meine Tochter ist nach wie vor früh aufgestanden und dann hat sie tagsüber den Schulalltag imitiert, also nach dem Stundenplan. Wir haben den Bildungsplan runtergeladen. Wir haben im Handel ganz viele Arbeitshefte. Wir hatten ja die Schulbücher. Manchmal hat eine Klassenkameradien Materialien vorbeigebracht. Also wir haben im Prinzip versucht, die Struktur beizubehalten, dann eben ganz viel anderes. Entschuldigung, aber Sie waren berufstätig? Ich war berufstätig, ja. Ich bin in der Pflege, im Schichtdienst und ich hatte von meiner Vorgesetzten die Erlaubnis, mein Handy dabei zu haben. Also wir haben so im Prinzip alle zwei Stunden mal kurz getickert und in der Pause haben wir telefoniert und sonst war sie alleine, ja. Herr Schwierin, das ist wahrscheinlich nicht der Standard, dass die schulabsendenden Kinder zu Hause sich hinhocken und durchpowern. Sie haben mir gesagt, die Belastung für die Eltern ist oft riesig, oft sogar so groß, dass es bis in der Arbeitslosigkeit enden kann. Also ich glaube, im Autismus ist die Studienlage ganz gut. Das ist ein sehr verbreitetes Problem, dass der Autismus von Kindern zu Erwerbslosigkeit vor allen Dingen naheliegenderweise wieder bei Müttern führt. Weil das einfach nicht mehr zu leisten ist für viele Familien auf Dauer, gerade wenn sich das über so einen langen Zeitraum hinzieht. Deswegen Chapeau, dass sie das so geschafft haben. Ich glaube auch, da sind sie. Eine Ausnahme. Ich finde auch nochmal so rückblickend Hut ab, wie sie das gemeistert haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn genau wie auch Herr Schwering gesagt hat, ich liebe auch viele Eltern, die verzweifelt sind. Das ist auch einfach für Eltern eine belastende Situation und unglücklicherweise sind uns als Behandler auch so die Hände gebunden, weil wir auch nicht das entsprechende Angebot machen können. Immer aufgrund von Wartezeiten, aufgrund fehlender Kapazitäten. Wenn man sich das nochmal gesundheitspolitisch anguckt, dass gerade auch da viel diskutiert wird, auch bundespolitisch, wie die Kosten, gedämmt werden können. Da frage ich mich auch, ob das eine gute Idee ist, an der Stelle zu sparen. Ich hoffe, an der Stelle wird nicht gespart. Das hat ja auch wirtschaftliche Konsequenzen, wenn ein Kind nicht mehr zur Schule geht und den Schulabschluss nicht schafft. Wenn die Bildungsbiografien so brüchig sind. Ja, also ich finde es aber ganz wichtig, dass die Eltern, dass die Kinder nichts von den Elternproblemen mitkriegen, weil die machen sich genug Stress, die fühlen sich schuldig, die schämen sich, die machen sich selber Druck, die haben Angst und ich habe immer versucht, die Mama Probleme außen vor zu lassen. Ich habe still geheult nachts oder bei einer Freundin, aber nie vorm Kind, weil in dem Moment braucht sie starke Eltern und egal was ist, schützen sie ihre Kinder, würde ich sagen, weil die haben wirklich genug Probleme und wir haben als Erwachsene andere Möglichkeiten, uns Hilfe zu suchen. Sie haben gesagt, die Politik hat das Problem erkannt, so in Teilen zumindest. Also da gibt es jetzt Initiativen, Dinge zu verändern. Vielleicht abschließend, wir müssen jetzt hier auf dem Podium zum Ende kommen. Was würden Sie sich wünschen von der Politik oder von Rahmenbedingungen? Was würden Sie verbessern? Mehr Tageskliniken. Dankeschön. Damit hätte ich auch angeschlossen Sie hatten das ja auch in der Anmoderation gesagt Es geht ja auch um den Bau der neuen Tageskliniken Ich glaube, genau jetzt aus meiner Perspektive gesprochen Da ich in der KJP arbeite, das können wir nur befürworten Und, wir freuen uns über jede Unterstützung Und auch, dass ich glaube auch von der Gesundheitspolitik gesehen wird Was für einen riesigen Bedarf es dort gibt dass die Leistungen nicht eingeschränkt werden, wie es jetzt überlegt wird. Und genau schulisch, glaube ich, würde ich gerne an den Herrn Schwieren weitergeben. Das wäre natürlich auch für die Schulen gut, aber ich würde mir natürlich Ressourcen für Schulen wünschen, um Beziehungsarbeit machen zu können, um in solchen Fällen wirklich mit ganz viel Zeit auch unterstützen zu können. Ich erlebe das immer, dass wenn Eltern an so einem runden Tisch oder bei einem Gespräch sitzen in der Schule und wie oft denen die Kinnlade auch so ein bisschen runterfällt und sie sagen, das ist ja unfassbar, dass, wir hier irgendwie uns austauschen, dass wir gemeinsam überlegen und dass sie sich wahnsinnig entlastet fühlen, wenn das stattfindet. Und in so einem Fall, wie auch bei Ihrer Tochter, muss das dann eben nicht einmal zehn Minuten am Elternsprechtag stattfinden, sondern dann braucht man viel, viel Zeit und viel, viel Menschen am besten, die mitdenken, dass man es auch nicht nur zu zweit macht, deswegen mehr Ressourcen für diese Arbeit an Schulen. Ja, und ich glaube, da brauchen wir, also beide Systeme, mehr Zeit, sich eben zusammenzusetzen. Gerade die runden Tische sind so zielführend, weil man dann die verschiedenen Perspektiven auf einmal hört und nicht einzeln. Und das macht was ganz anderes. Das ist, glaube ich, ein gutes Schlusswort gewesen für uns auf dem Podium. Das ist die Einladung jetzt an Sie, uns Fragen zu stellen, gerne auch... Einen Fall zu schildern, wenn jemand betroffen ist? Ich bin wegen der Enkelin da. Die musste auch die Schule wechseln. Und sie wird jetzt 14. Ihr Bruder ist 18. Schwerstbehindert, hat Epilepsie und auch die andere Krankheit. Ich weiß nicht mehr, was ihre Tochter auch hatte. Er musste am Anfang immer acht Stunden. Und er war wahnsinnig aggressiv, wenn er heimkam. nach zwei, drei Tagen krank, weil sein Immunsystem kaputt ist. Kurzum, die Schwiegertochter hat ihn dann lange zu Hause gelassen. Und dann musste sie vor Gericht wegen Freiheitsentzug. Das war's. Und jetzt ist er 18 und die Schule in Wasser wollte, dass er weiterkommt. Und dann hat sie geschrieben, sie hat das Gefühl, dass er am besten zu Hause. Er will auch manchmal für sich sein, man darf ihn da nicht anfassen. Aber, und Enkelin, ich weiß, dass es ihr auch schwerfällt mit ihrem Bruder, ihr Papa ist vor sechs Jahren gestorben nach einem epileptischen Anfall, ist bewusstlos geworden, sie war dabei und der Krankenwagen kam erst nach 50 Minuten. Was ist Ihre Frage an das Podium? Ja, eben, ich hätte noch gefragt, weil es jetzt die Schule gewechselt hat, aber sie wurde gemobbt, sie wurde gepfetzt, sie wurde, und sie hat lange nichts gesagt zu Hause. Und auch mit der Lehre gesprochen, wie sie gesagt haben, aber es hat zu keinem Ergebnis gefunden. Aber sie geht jetzt in die Schule, aber ich habe auch gesagt, wir haben dann wegen Psychologen Es ist wirklich ein halbes Jahr, aber ich habe jetzt Notizen mitgemacht, wo man sich noch hinwenden könnte. Es hat mir sehr geholfen, das Gespräch mit den zwei Damen. Ich kann Sie nur ermutigen, holen Sie sich Hilfe. Es ist einfach was anderes, wenn eine Frau Kaiser oder eine Psychologin mit dem Mädchen spricht, wie die Mama oder die Oma. Zum einen sind die anders geschult und Mama hat halt einen anderen Job. Ja, schönen guten Abend. Ich komme von so einer Alternative, die da vorher angesprochen wurde, von einer Fernschule. Herr Schwiering, Sie meinten, das ist ja immer eher die letzte Instanz, die empfohlen wird. Auch wir sehen das so, dass wir erstmal alles andere probieren und ausschöpfen wollen, bevor wir tatsächlich tätig werden. Aber eine Sache möchte ich dem entgegensetzen, was Sie vorher genannt haben. Sie hatten gemeint, dass Schule ja auch soziales Lernen bedeutet. Vollkommen richtig. Wir haben aber auch schon ganz häufig die Erfahrung gemacht, dass wenn man das schulische Lernen und das soziale Lernen voneinander trennt. Dass dann schulisches Lernen plötzlich auch wieder stattfinden kann, was vielleicht in der Kombination einfach nicht klappt. Wenn ich große Schwierigkeiten habe, in die Schule zu gehen, weil ich soziale Ängste habe, weil ich eine Schulphobie habe. Dann fällt es mir umso schwerer, auch schulisch noch irgendetwas mitzunehmen, dann bleibe ich von der Schule fern, bin schulabsent. Wenn ich dann aber schaffe, diese beiden Lernfelder voneinander zu trennen, wir sagen, das soziale Lernen muss auf alle Fälle auch stattfinden, aber muss das zwangsläufig in der Schule stattfinden oder kann das auch in Form, von einer Therapie in anderen Gruppensettings und so weiter stattfinden? Könnten Sie ganz kurz sagen, wie funktioniert so eine Fernschule? Ist es Online-Unterricht? Ganz kurz wird schwierig zu sagen, aber ja, kurz zusammengefasst. Sie hatten es vorher ein Beispiel erwähnt aus der Pandemiezeit, wo ein junger Mensch davon auch berichtet hat. Hurra, dann kann ich endlich mal in meiner Geschwindigkeit lernen, ohne abgelenkt zu sein. Unsere Fernschule funktioniert tatsächlich so, dass wir mit Selbstlernmaterial arbeiten, das die jungen Menschen dann zur Verfügung bekommen und aber im regelmäßigen Austausch mit den Lehrkräften stehen. Ich habe nicht gesagt, dass wir es spät empfehlen, sondern die Systeme bewilligen das als letztes. Also die Eingliederungshilfe bewilligt so eine Maßnahme nicht. In der Regel tragen Eltern das nicht selbst, sondern das zeigt die Eingliederungshilfe. Und die macht das erst dann, wenn sozusagen alle schulischen Maßnahmen nachgewiesenermaßen erschöpft sind. Deswegen macht es irgendwie für uns in der Arbeitsstelle dann wenig Sinn, bei einem Schüler oder bei Eltern, die anrufen und sagen, wir wissen nicht mehr, wie es weitergeht, zu sagen, das könnte doch auch eine Idee sein, weil das werden die erstmal nicht bekommen. Im Regelfall. Das war der Hintergrund. Ich unterstütze das total, was Sie gesagt haben, dass diese Trennung von dem Lernen häufig, glaube ich, funktioniert. Und eine wahnsinnig wichtige Perspektive ist, auch für alle Betroffenen. Das erlebe ich oft auch für Schulen manchmal schwierig. Ihr Kind kann jetzt nicht mehr zu uns kommen, es geht nicht mehr. Sie beschreiben, dass es funktioniert gar nicht. Aber es geht ja ins Reiten. Und es will eigentlich auch noch in die Theater-AG kommen. Aber der Unterricht geht gar nicht. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren. Aber kann, glaube ich, ein Riesentüröffner sein. Kann erst mal Teilhabe ermöglichen und dann vielleicht sogar auch wieder eine Rückkehr in ein Regelsystem. Genau, das wollte ich auch gerade sagen. Das heißt ja auch nicht, dass ein Kind bis zum Schulabschluss auf einer Fernflexschule bleibt, sondern auch wieder auf die Regelschule oder eine andere Schulform gehen kann. Denn letztendlich, was passiert denn nach der Schule? Dann geht es ja auch darum, eine Berufsausbildung zu machen, einen Beruf zu erlernen oder irgendwie Teilhabe zu bekommen. Und darum geht es ja auch. Und da ist natürlich die Trennung, wenn man das sehr voneinander separiert, das kann Risiken erbergen, aber gleichzeitig, manche Kinder und Jugendlichen haben von zu Hause her nicht die Unterstützung oder das Setting, dieses Modell zu fahren und die Fernfleckschule zu besuchen. Und das heißt, man muss wirklich, was ich auch vorhin gesagt habe, immer individuelle Fahrpläne machen. Hallo, ich arbeite als sozialpädagogische Familienhelferin und bin jetzt gerade ganz aktuell mit einer Mutter und ihrer zwölfjährigen Tochter in Arbeit, im Prozess. Und die Zwölfjährige, die ist jetzt schon seit November Schulabstinent und wir haben jetzt auch einen Schulwechsel begleitet, weil es einfach gute Gründe auch gab, warum die alte Schule verbrannte Erde war. Jetzt ist es so, dass die Zwölfjährige wieder anfängt, der Schule fern zu bleiben. Wir als Fachkräfte schauen, mit der Schulpsychologischen Beratungsstelle in Kontakt zu sein, mit der Schule natürlich selbst und halt zu schauen, was rundum möglich ist. Allerdings ist es so, dass die Mutter einfach sehr stark belastet ist und jetzt auch noch mit Bußgeldbescheiden zu tun hat, obwohl die Mutter eigentlich auch will, dass ihre Tochter in die Schule geht. Und genau das den Druck meines Erachtens an der falschen Stelle erhöht. Und das Zweite ist, dass ich mich einfach auch nochmal frage, was kann man machen, wenn jetzt in dem Fall eine Zwölfjährige sich allem entzieht, also auch KJP, Schulpsychologische Beratungsstelle und auch Beziehungsangeboten in Form einer Erziehungsbeistandschaft. Und da sind irgendwie ganz viele Ohnmachtsgefühle, wo ich mich einfach frage, was gibt es vielleicht noch für Möglichkeiten, die ich gerade nicht auf dem Schirm habe. Also mein Rat wäre weitermachen. Die erste Lösung ist nicht zwingend die beste. Also wir haben in vier Schulen hospitiert. Und ich denke, es gibt diesen Punkt, wo es für das Kind passt. Und das merken Sie dann auch. Und das, was für Eltern passt, passt nicht für die Kinder. Also ich kann Sie nur ermutigen, suchen Sie weiter. Klappern Sie die Schulen ab in Freiburg, haben wir auch mal gemacht, dass wir in die Schulen nur rein sind und geschaut haben, Was kommt überhaupt in die engere Auswahl? Ich bin sicher, dass das Mädchen einen Punkt hat, wo sie sich wohl fühlt. Ich freue mich sehr, dass Sie das Thema Schulwechsel aufbringen. Das stand nämlich eigentlich noch auf meiner Liste, denn das ist für viele, war für Sie jetzt so ein Teil der Lösung. Für viele Eltern ist es auch so der erste Weg, den sie gehen wollen, höre ich. Da gibt es aber ganz unterschiedliche Meinungen, was das bringen kann. Sie waren eher skeptisch? Das liegt so ein bisschen am systemischen Ort, an dem ich ins Spiel komme. Also wenn wir als arbeitsielle Kooperation eingeschaltet werden, dann läuft das ja gerade nicht gut. Und wenn dann ein Schulwechsel stattgefunden hat, bedeutet das, der ist schiefgegangen. Und dann sind die Privatschulen besonders beliebt, weil die versprechen, auch nachvollziehbarerweise, sehe ich auch so, wenn ich davon außen drauf gucke, mehr Beziehungsarbeit, mehr Individualisierung und so weiter. Und da scheitern bei mir oft Fälle besonders, weil dann die Eltern sagen, jetzt klappt das nicht, jetzt zahle ich das Schulgeld auch nicht mehr, mein Kind geht ja gar nicht mehr hin, nicht 500 Euro im Monat oder so. Und dann sind die Kinder erst mal komplett ohne Schulort oder landen dann, werden dann zwangszugewiesen. Deswegen ist der Moment, wo ich in so Fälle reinkomme, wo Schulwechsel ein Thema sind, sind das eher häufig ungünstige Konstellationen. Und wenn dann der nächste Schulwechsel vielleicht klappt, dann kriege ich es im Zweifelsfall nicht mehr mit. Also deswegen ist das nicht so ganz repräsentativ. Frau Kaiser, Sie zum Beispiel haben es nicht so skeptisch gesehen. Wie bei vielen Dingen, es gibt zwei Seiten oder mehrere. Ich habe auch schon diese Fälle erlebt, wo der Schulwechsel nicht dazu geführt hat, dass das Kind der Jugendlichen zur Schule gegangen ist im Anschluss. Das kann aber auch unterschiedliche Gründe haben. Und vielleicht war es gar nicht hauptsächlich die Schule oder es war nicht die richtige Schule. das ist von Einzelfall, also je nach Einzelfall zu bewerten wahrscheinlich. Jetzt sitze ich natürlich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und da haben wir natürlich noch mal andere Unterstützungsmöglichkeiten als jetzt die ASCO, weil wir haben dann die Möglichkeit, dass die Kinder und Jugendlichen, wenn sie es dann den Weg zu uns geschafft haben, nach langer Wartezeit, dass wir die, wie Frau Müller auch gesagt haben, wir haben die Klinikschule, wir haben damit gut ausgebildet oder Fachpersonen als Lehrkräfte, die sich mit dem Thema auskennen, die auch die Rückkehr in die Schulen begleiten. Wir haben Sozialpädagogen, Sozialarbeiter, also den Sozialdienst. Wir haben die Fachpädagogen, die psychiatrischen Behandler, die Psychotherapeuten. Und dann kann man als gesammeltes Team auch überlegen, welche Schule ist vielleicht auch besser geeignet. Oder braucht es auch ein sonderpädagogisches Gutachten, das erstellt werden muss, Und dass ein Kind dann auf eine Schule geht, was ich vorhin gesagt hatte, SBBZ hat verschiedene Schwerpunkte. Und da kann ein Schulwechsel sehr gut gelingen. Da hat man auch sehr viel Zeit und natürlich haben die Familien auch sehr viel mehr Unterstützung, diesen Weg dann zu schaffen. Und da haben wir tatsächlich. Ich kann jetzt nur aus meiner persönlichen Erfahrung sprechen, viele Kinder, gerade so aus den Tageskliniken, wirklich wieder in eine gute Schullaufbahn bringen können. Jetzt die Dame im schwarzen Oberteil meldet sich schon lange und dann sind Sie dran. Hallo, ich habe mehrere Fragen, aber kleine. Wir nehmen erst mal eine, bitte. Wie lange werden denn Kinder betreut? Also wie lange kann ein Kind aus dem Schulsystem schon draußen sein und es gibt noch Möglichkeiten, dass es wieder zurückkommt? Gibt es da so? Ich glaube, ich habe die Frage nicht komplett verstanden. Wenn man schon richtig lange aus dem Schulsystem draußen ist, kann man überhaupt wieder zurück. Verstehe ich das richtig? Was ist die maximale Anzahl von Jahren, die noch toleriert wird? Ich habe die Zahlen auch nicht erfasst, deshalb kann ich da leider keine Aussage zu treffen. Glücklicherweise haben wir jetzt natürlich ein schönes Beispiel mit der Tochter von Frau Müller. Ich finde fast zwei Jahre, das ist eine sehr lange Zeit, dass ein Kind gar nicht zur Schule gegangen ist. Aber Frau Kaiser, ich glaube, da würde ich gerne kurz mit Herrn Schwieren einhaken, denn er hatte mir im Vorgespräch gesagt, eine Gruppe, die wir jetzt heute Abend noch gar nicht erwähnt haben, nämlich die Kinder, die zum Beispiel an ME-CFS leiden, chronischem Fatigue-Syndrom, die zum Teil über Jahre nicht in die Schule gehen können oder on-off teilweise, dann geht es ja noch, aber manche verpassen halt wirklich über Jahre die Schule bis zum, im Kinder- und Jugendbereich gibt es das ja zum Glück, manchmal eine Besserung eintritt. Ich erinnere mich auch da an Gespräche, dass es ein großes Problem ist im Moment, dass dann Kinder quasi. Ein Alter haben, wo sie eigentlich jetzt nicht mehr beschult werden, aber ja über Jahre Schulkarriere verpasst haben. Ich weiß nicht, Sie haben mir gesagt, das ist gerade eine große Gruppe, die bei Ihnen aufschlägt. Also erstmal gibt es ja eine Schulpflicht bei uns. Solange die Kinder schulpflichtig sind, müssen die ein Bildungsangebot bekommen, wenn die zurückkehren. Also auch wenn die sechs Jahre nicht zur Schule gegangen sind. Das ist jetzt irgendwie ein bisschen platt. Also muss man da natürlich gucken, aber es muss eins geben. Dann gibt es einen Rechtsanspruch. Schwieriger wird es natürlich dann, wenn die Schulpflicht bzw. Die Berufsschulpflicht erfüllt ist. Wobei meine Wahrnehmung ist schon, meine Kollegin von beruflichen Schulen ist auch hier, Wir haben schon eine Bildungslandschaft mit wahnsinnig, also gerade die beruflichen Schulen sind ein wahnsinnig mächtiges System, von meinem Außenblick, mit wahnsinnig vielen unterschiedlichen Angeboten, die für ganz unterschiedliche Bedarfe passend sind. Da erlebe ich, wenn es möglich ist, dass man irgendwie wieder schulisch lernen kann und will, also da gibt es auf jeden Fall keine Jahreszahl. Ich weiß nicht, an welches Szenario Sie denken. Ich denke jetzt eher an Schüler, die zum Beispiel in der fünften Klasse nicht mehr kommen, zum Beispiel mit. Chronischem Fatigue-Syndrom und dann nach zwei, drei Jahren, dann ist es auch schwierig für die irgendwie zu gucken, wo können die gut wieder einsteigen, aber das ist keine Frage, dass sie ein Bildungsangebot bekommen. Dann wäre noch eine Frage. Nein, stopp. Jetzt ist der Herr im Hemd dran. Wir machen eine Frage pro Person. Sie dürfen gerne nachher noch mal, wenn es die Gelegenheit gibt. Aber es melden sich ja viele. Sorry, da bin ich streng, weil wir haben nicht so viel Zeit. Hallo, ich mache es auch kurz. Erst mal Frau Müller, vielen Dank. Das war eine tolle Geschichte und hat mich berührt. Danke dafür. Meine Frage wäre, wir sind in der Überlegung, gerade mit der Stadt als kommunaler Bildungsträger, auch eine Produktionsschule oder einen außerschulischen Begegnungsort aufzubauen, erst mal jetzt mit Mitteln über einen europäischen Sozialfonds. Haben Sie da irgendwie fachlich eine Einsortierung, ob das ein wirklich hilfreiches Angebot ist und was für Tipps können Sie mir dahingehend noch mitgeben? Können Sie es noch ein bisschen skizzieren? Also wir sind draußen auf dem Mundhof, wir haben ein Riesenareal Und wir wollen quasi da einen Ort schaffen, wo einfach handwerkliche Tätigkeiten, Gartenarbeiten für sich selbst umgesetzt werden, also Solarmodule bauen, Hütte bauen, Ofen bauen und so weiter. Immer auch begleitet mit entsprechender Mathematik und so weiter. Dass das auch ein bisschen Inhalte hat und nicht nur spielen wird, aber die Möglichkeit zu schaffen, außerschulisch ein Angebot wahrzunehmen, was den Ort Schule ersetzt und einfach ein komplett anderes Spektrum an Tätigkeiten bietet. Also ein Time-Out-Modell? In die Richtung gehend, ja. Wollen Sie das kurz erklären, was das Time-Out-Modell ist? Es gibt ja mehrere Angebote bei uns in der Region, die vielleicht nicht die gleichen Tätigkeiten jetzt beinhalten, aber sozusagen einen komplett. Erstmal schulfreien Ort anbieten und die an vielen Stellen, ich kriege ja immer nur Einzelfälle mit, aber wahnsinnig gelingende Bildungsbiografien ermöglichen. Also ich freue mich sehr zu hören, dass es einen Ort mehr gibt, der vielleicht demnächst im Köcher ist, wenn man überlegt, was könnte passen. Ich habe noch auf den heutigen Tag einen Podcast gehört in Vorbereitung von SR2. Da ging es auch um das Thema Schulabsentismus und da wurde genau so ein Projekt, was Sie gerade beschrieben haben, aus Berlin vorgestellt, wo auch die Schülerinnen und Schüler interviewt worden sind und die dortigen Lehrkräfte oder Sozialpädagogen. Und die haben auch in höchsten Tönen natürlich davon geschwärmt, gerade auch, dass auch Mathematik mit einbezogen wird und dass man dann, in Anführungszeichen, nebenher lernen kann und da den Druck rausnimmt. Ich glaube, das Mikro war jetzt aus. Fragen Sie die Kinder, hat Frau Müller empfohlen. Jetzt haben wir da hinten noch eine Wortmeldung. Ja, hallo. Ich hätte erstmal eine Anmerkung, was mir ein bisschen zu kurz kommt. Das betrifft mein Arbeitsfeld und das ist die Schulsozialarbeit. Und damit einhergehend die Früherkennung. Wir haben Kinder, die stehen vor der Schule, brauchen sich nicht im Schulgebäude oder sind dann im Schulgebäude, trauen sich nicht ins Klassenzimmer. Da sind keine Lehrer zuständig. Unsere Zeit, der Faktor Zeit, der kam heute auch zu kurz, weil da spielt entscheidende Rolle. Und da ist für mich die Frage, der Schulweg, wer ist da zuständig? Die Eltern, ihre Kinder, gebe ich sie ab aufs Fahrrad, die fahre in die Schule, dann stehen sie vor der Schule. Wir sind eigentlich auch nicht zuständig. Das ist der Bordstein. Und da ist eine große Lücke und da hätte ich eben die Frage, was ist da für ein Angebot? Die Schulbekleidung ist auch nicht, die startet auch erst in der Schule und da ist für mich so eine Lücke, die ich gern gefüllt hätte. Was ist genau die Frage? Also ich kann Ihnen nur recht geben, das ist oft eine schwierige Phase, gerade bei Kindern, die so starten in so eine Schulabsenz oder so absacken in der Schulabsenz. Und ich erlebe da immer, also wenn das irgendwie gelingt, sehr individuelle Modelle, teilweise Lehrkräfte, die Kinder zu Hause abholen. Und das ist am Gymnasium sicherlich ungewöhnlich. Ich finde, das ist auch nicht wirklich die Aufgabe. Also wenn man die Schule schon so kritisiert, boah, das finde ich schon echt hart. Aber ich gebe Ihnen natürlich recht, weil es gibt die natürlich im engeren Sinne nicht, sozusagen das Modell, das man sagen kann, das ist doch jetzt genau eine Frage für. Ich hätte einen Vorschlag, Sie haben Runde Tische und so schon angesprochen und ein großes Hilfeangebot, eine Koordination des Ganzen, wäre wirklich hilfreich, eine Person oder eine Stelle, die zuständig ist für die Fälle und dann koordiniert, wer kann wo entsprechend eingreifen und auch ein Austausch stattfindet, eine Transparenz. Das ist das, was wirklich fehlt. Jeder arbeitet so an seinem Punkt und es wird nicht wirklich geschlossen. Ja, ich glaube, das stimmt. Da können wir Ihnen natürlich nur recht geben, dass das ein großes Problem ist, aber ich glaube, eine einfache Lösung wird es nicht geben, weil es einfach unterschiedliche Trägersysteme gibt und die, müssen sich miteinander koordinieren und das machen die Systeme auch und ich glaube, das ist eine politische Frage, die wir hier gar nicht beantworten können. Hier gibt es noch eine Wortmeldung. Genau, Sie hatten vorher erwähnt, das war der Beitrag von der Frau Müller, auch vielen Dank an Sie hier, sehr mutig, klasse. Kinder nicht unter Druck zu setzen, die haben genug Probleme, genug Druck etc. Ich erlebe das bei meiner Tochter so, wenn ich sie überhaupt nicht unter Druck setze, dann versucht sie nicht in die Schule zu gehen. Also was ist da ein guter Ratschlag, irgendwie auch so eine Tagesstruktur beizubehalten, wenn dann keine Schule stattfindet oder sowas. Im Bett liegen lassen, keine Ahnung, das ist ja eben, also gar kein Druck oder nicht zu sagen, ich möchte, dass du es versuchst oder sowas, das, bleibt dir liegen und also es ist total schwierig, das fällt, weil ich eben weiß, zu viel Druck ist nicht gut, aber ohne irgendwie geht auch nichts und wo hört es auf, wo fängt es an. Gut zu sein oder schlecht zu sein? Ich glaube, das ist wieder so eine typische Einzelfallfrage. Es gibt Kinder, je nachdem, was der Hintergrund ist, die sie schwer tun, ich würde sagen, da gehört die Mehrheit dazu, die morgens sich aufzuraffen und den Weg auszugehen. Und da kann Druck dann vielleicht schon eine Lösung sein. Oder zumindest zu sagen, es ist einfach klar, es ist normal, Schule fängt an, du gehst hin. Aber viele Hintergründe, da verschärfen sich die Schwierigkeiten und die Probleme, ganz offenkundig. Das können Sie, glaube ich, besser noch beschreiben. Da waren ja verschiedene Aspekte drin in Ihrer Frage. Ich würde mal als erstes eingehen, und zwar das Thema Tagesstruktur. Also wir aus klinischer Perspektive empfehlen immer die Beibehaltung der Tagesstruktur. Das ist enorm wichtig. Und dann auch das Thema zu viel Druck. Wie wird denn der Druck ausgelöst? Was für Druck ist das? Das kann ja sehr, sehr unterschiedlich sein. Und das ist jetzt sehr plakativ gesagt, aber wovon wir definitiv abraten, ist, ja, mir geht es nicht gut und dann lege ich mich ins Bett mit dem Handy. Das passiert leider auch natürlich. Und das ist natürlich dann was Aversives, wird aus bestimmten Gründen, sicherlich auch aus sehr guten Gründen, vermieden oder wird umgangen. Und dann kommt aber was sehr Angenehmes dazu. Und das ist natürlich herausfordernd, da den richtigen Mittelweg zu finden und da auch die Kinder nicht zu invalidieren und zu sagen, du gehst jetzt aber und, ganz viel Druck zu machen, da gibt es auch Zwischenlösungen. Aber ich glaube, da liegt klar, dann die Verantwortung bei Erwachsenen zu entscheiden und dass nicht die Kinder komplett entscheiden, bleibe ich hier zu Hause oder nicht und dass sich dann die Eltern entsprechend um Unterstützung kümmern und hoffentlich welche auch bekommen. Das ist immer der Knackpunkt. Gab es noch eine Wortmeldung? Ja. Guten Abend. So eine halbe Anmerkung mit einer halben Frage verknüpft. Unser Sohn konnte auch rund zwei Jahre nicht zur Schule gehen und Sie haben es eben schon gefragt, was mache ich eigentlich? Und wir haben einfach erlebt, das ist jetzt schon ein bisschen her, dass eigentlich die Eltern immer verantwortlich waren, aber nie kompetent in der Außenwahrnehmung. Und das ist ein Riesenhemmschuh. Also wenn die Eltern von behördlichen Stellen oder von fachlichen Stellen erstmal, wenn denen nicht geglaubt wird, wo man erstmal dagegen anarbeiten muss, dass man. Erstmal beweisen muss, dass man hier schon alles tut, was man machen kann, dann wird eine Lösungsfindung extrem schwer. Denn wir Eltern sind in dem Moment auch total überfordert. Wir erleben das in der Regel auch zum ersten Mal und müssen dann erstmal gucken, ja, wo setze ich denn jetzt Grenzen? Also wie viel Druck ist gut, wie viel Druck ist dann schon wieder schädlich. Inzwischen gibt es einen Verfahrenslotsen, glaube ich, von der Stadt Freiburg. Da wäre eine Frage, wie das auch von Ihnen wahrgenommen wird, ob das wirklich hilft, weil man zu Anfang ja auch gar nicht weiß, an wen man sich wenden soll. Und die übergeordnete Frage dazu wäre dann, wie würden Sie sich das vorstellen als ideales System, dass so ein Unterstützungsangebot leicht zugänglich ist, dass es gefunden wird und dann eben auch helfen kann. Das ist ganz einfach. Wer will? Sie sollten eine Antwort geben, selbstverständlich, also abgestimmt. Also ich würde gerne eine wichtige Sache dazu sagen. Wir Eltern, wir lieben mit unseren Möglichkeiten und das ein Maximum und das jeden Tag. Und es darf keiner kommen und sagen, wir machen nicht genug. Und da holen Sie sich in Ihrem Umfeld bitte die Unterstützung, dass Ihnen einer auf die Schulter klopft. oder gehen Sie zu Frau Kaiser, die macht das auch. Ja, also ich denke, es ist ganz wichtig, dass Sie in Ihrer Macht bleiben. Also mir hat, ich habe es schon angesprochen, sehr geholfen, der Schulfachanwalt, der mir immer wieder gesagt hat, juristisch sieht das so aus. Und das hat mich total entlastet. Und ich denke, als Erwachsene haben Sie Möglichkeiten, mit anderen Menschen ins Gespräch zu gehen, sei es jetzt Freunde, sei es Therapeuten oder Selbsthilfegruppen. Und geben sie nicht auf. Und was an Hilfe nötig ist, das weiß ich nicht. Suchen Sie einfach, es gibt. Ich würde auch ergänzen, die Fälle sind so unterschiedlich, das kann ich mir auch nicht vorstellen, den einen Prozess, noch nicht mal theoretisch, wo klar ist, da muss man sich immer dahin gehen und nicht dahin. Solange das noch schulisch möglich ist, das ist jetzt auch sehr pauschal, würde ich auf jeden Fall raten, nehmen Sie die Schule in die Pflicht. Das ist die Aufgabe, das zu begleiten. Und das ist nicht leicht und das scheitert auch in manchen Prozessen oder in manchen Versuchen. Aber ich würde Ihnen raten, haben Sie einen langen Atem und werben Sie immer wieder dafür, wir wollen hier gemeinsam nach Lösungen suchen. Wir wollen, dass unser Kind hier zur Schule geht. Und häufig erlebe ich das auch. Ich weiß aber, dass es für manche, je nachdem, was für die Geschichte man jetzt erlebt hat. Nicht passt als Empfehlung. Ich arbeite in der Beratungsstelle für Autismus hier in Freiburg. Also es ist nur eine kleine Sparte, betrifft nicht alle Kinder natürlich, aber zu uns können oder zu mir können auch Familien kommen, um überhaupt erstmal über das Thema zu sprechen, ob vielleicht Autismus der Grund sein könnte, wie geht es weiter, wo könnte man sich sonst noch Rat suchen. Und was ich oft erlebe ist, als Eltern weiß man manchmal nicht, wie man das formulieren muss, dass andere neurotypische Menschen, also auch die Lehrer, die Schwierigkeiten der Kinder verstehen und da versuche ich dann oft, also mehr Worte zu geben oder Erklärungen zu geben, wie sie das weitergeben können, sodass, hoffentlich dann bessere Lösungen gefunden werden können. Jörg Hofmeister, ich bin Kinder- und Jugendarzt und meine Berufsgruppe kam jetzt auch noch nicht so vor. Wir werden oft damit konfrontiert, das erste Mal, wenn die Eltern oder das Kind einen Attest bekommen soll, wegen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Symptome, die wir eigentlich gar nicht wirklich objektivieren können. Ich wollte eigentlich ergänzen, was Sie als Schulsozialarbeiter gesagt haben. Wir nehmen es oft so wahr, dass die noch nie was von der schulpsychologischen Beratungsstelle gehört haben, in den Schulen, dass die auch nichts wissen von der tollen Stelle, wo Alexander Schwieren arbeitet. Dass es, glaube ich, schon an den meisten Schulen inzwischen Schulsozialarbeiter gibt, die sich wahrscheinlich sogar engagieren, aber irgendwie die Familien das nicht wahrnehmen und wir kriegen nur, ja, wir haben eine Attestpflicht bekommen. Das mache ich inzwischen fast gar nicht mehr, weil ich sage, die Schule soll sich mit mir in Verbindung setzen und wir wollen dann sprechen und gucken. Mein Appell ist auch, man muss versuchen, trotz aller Zwänge der verschiedenen Systeme miteinander zu sprechen, auch wenn man wenig Zeit hat. Oder ja, sonst, weil mit dem Attest, glaube ich, das führt nur zur Verharrung des aktuellen Zustands, da habe ich, glaube ich, noch nie jemandem mitgeholfen mit dem Attest. Sie hinten haben ja vorhin, ich glaube, den Verfahrenslotsen angesprochen. Ich glaube, das wurde schon in der Stadt Freiburg gemacht, oder? Oder wurde das initiiert? Und ich glaube, dabei ging es, glaube ich, auch darum, dass die Wege besser beschrieben werden können, oder? Und ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt, also was Sie jetzt auch gerade angesprochen haben, dass es zugänglicher ist, niederschwelliger ist, dass Eltern auch wissen, okay, wo kann ich mich hinwenden? Denn viele Eltern, die dann an den unterschiedlichen Stellen angekommen sind, haben schon echt ganz schön viel geleistet, um überhaupt da hinzukommen, wo sie gerade sind. Und das würde natürlich vieles vereinfachen, wenn es da mehr Informationsfluss gäbe. Für mich ist es so ein bisschen die Frage auch, was sind denn so Frühwarnzeichen? Das Kind, das permanent Bauchweh hat, das geht ja in der Regel vermutlich trotzdem dann noch in die Schule oder die Eltern schicken noch. Ist das ein super guter Moment, wo man dann schon reagieren sollte und vielleicht eben einen Kinder- und Jugendpsychologen mal konsultieren oder so, damit man gar nicht erst in so schwierige Fahrwasser kommt? Oder ab wann? Also was sind denn so Warnsignale? Wo man vielleicht als Eltern reagieren sollte? Es ist sicher. Körperliche Symptome sind sicher häufig Warnsignale, gerade wenn das einen langen Zeitraum einnimmt. Und klar ist, das kann jetzt nicht mehr ein Effekt sein. Ganz bestimmt. Aber dann muss man es trotzdem alleine erst mal einordnen. Was ist die familiäre Situation zum Beispiel? Gerade eine Schülerin als Lehrkraft, die ist ganz viel krank. Da ist aber auch ein Todesfall in der Familie gewesen. Die wird jetzt halt einfach ein Jahr lang wahrscheinlich immer wieder krank sein. Die muss man jetzt nicht zum Psychologen erstmal schicken. Sicherlich, aber das ist schwer für die Lehrkräfte. Das wäre jetzt auch sozusagen, meine Replik auf ihn als Kinder- und Jugendarzt. Ist es wirklich dann ein Schulproblem in dem Moment schon? Ist dann die schulpsychologische Beratungsstelle der richtige Ort, wenn das Kind fünfmal sagt, ich habe auch weh, oder eben über Wochen immer wieder sagt, ich habe auch weh. Ich habe die Erfahrung gemacht, die Schulpsychologische Beratungsstelle sagt, das ist ja ein Problem zu Hause, kümmern Sie sich erst mal zu Hause. Die haben sich nicht zuständig gefühlt. Ganz kurz. Also ich würde sagen, Sie hatten mir das erzählt von diesem Fall, aber grundsätzlich ist das das Aufgabenprofil dieser Stelle. Trotzdem. Genau, also gerade mit so einer ganz diffusen Wahrnehmung. Also es gibt kein Problem, wir können das gar nicht greifen. Wir waren jetzt beim Kinder- und Jugendarzt, der kann jetzt erstmal nichts Körperliches feststellen, was auffällig ist. Dann wäre das definitiv ein erster Ort, der auch relativ schnell Beratungen anbieten kann. Mit relativ geringen Wartezeiten und hoffentlich dann mit mehr Aussagekraft und Unterstützung. Ich glaube, die sind einfach auch sehr überlaufend. Das ist sicher auch ein Problem, Frau Müller. Also ich denke, weitere Frühwarnsysteme sind der soziale Rückzug, dass sie zum Beispiel nicht mehr zu Geburtstagen geht, sich weniger mit Freunden treffen, nicht mehr ihn vereinen wollen. Bei meiner Tochter war es, dass sie vermehrt unordentlich wurde, was sonst überhaupt nicht ihre Art war. Also da habe ich schon gemerkt, okay, da ist was im Busch. Ich denke, Sie kennen Ihr Kind, Sie wissen, was aus dem Rahmen fällt. Und das Thema ist fraktal und komplex. Also ich würde das schon ernst nehmen. Und ich denke, Sie vergeben sich nichts, wenn Sie da einfach mal hinschauen und Hilfe holen. Also, wir sind mit unserer Zeit am Ende. Wenn Sie noch eine kurze Frage haben, dann machen wir das zum Abschluss. Ich will niemanden aufhalten. Ich glaube, es ist vielleicht ein bisschen zusammenfassend. Also, was mir jetzt auffällt, erstmal vielen Dank für die vielen Impulse. Und mir fällt auf, dass alle, die hier sitzen, das Gefühl haben, sie machen richtig viel Arbeit, richtig gute Arbeit, investieren Zeit, Expertise. Und ich möchte gerne auf den Punkt zurückkommen. mein Problem ist, was passiert, wenn ich keinen Zugriff auf dieses Kind habe. In 90 Prozent der Fälle, die ich habe, möchte das Kind auch die Schule nicht wechseln, weil sie vor diesem Wechseln auch Angst haben. Die möchten bleiben, sie schaffen es trotzdem nicht. Und irgendwann habe ich Angst, dass bald mal jemand wirklich auf der Autobahn oder der Brücke liegt, weil wir rufen dann auch oft die Polizei an und sagen, Eltern wissen nicht, wo ist das Kind. Das macht die Polizei zwei-, dreimal mit. Dann sagt die Polizei, da haben wir keine Lust mehr drauf. Und es kümmert sich niemand darum, wie kriegt dieses Kind den Weg hin von zu Hause in die Schule. Und da sind alle, die hier sitzen, ziemlich machtlos, finde ich. Und da braucht es jemanden, die koordiniert, da braucht es jemanden in der Stadt, der koordiniert, oder jemanden, der im Regierungspräsidium koordiniert, weil sonst sind alle komplett hilflos, die hier sitzen. Und das finde ich wahnsinnig frustrierend, dass ich aus dem Abend hier rausgehe und immer noch das Gefühl habe, dass mir da eigentlich nicht geholfen wird. Trotz allen guten Sachen, die hier gesagt wurden. Und das hoffe ich, dass vielleicht die Personen, die vorne sitzen, auch da was zu sagen haben, dass die das dann in den steilen Stellen dann auch nochmal wirklich ansprechen. Ja, ich kann da jetzt gar nicht viel zu sagen. Eben das Problem hatten Sie vorhin schon geschildert. Also wenn Sie jetzt konkret auch über den Schulweg sprechen oder wenn es das andere Thema, das Sie jetzt angesprochen hatten, war insgesamt diese Ohnmacht gar keinen Zugriff zu haben oder Kinder, die sozusagen alle Unterstützungsangebote ablehnen, wenn ich das richtig verstanden habe. Das ist natürlich ein schweres Fall. Aus schulischer Sicht würde ich immer dafür werben, alles an Angeboten zu machen. Also nicht nur im Hinblick auf Lernen, sondern auch auf soziale Teilhabe, was möglich ist. Inzwischen gibt es ja deutlich bessere Unterstützungsmöglichkeiten. Was wir viel erleben, ist, dass jetzt Avatare zum Beispiel eingesetzt wird. Ich weiß jetzt überhaupt nicht, ob das zu Ihren Fällen passt. Zu manchen überhaupt nicht. Für viele Schüler sind das aber unter solchen Voraussetzungen auch neue Möglichkeiten. Also ich erlebe da eher, dass die Möglichkeiten in dem Zusammenhang mehr werden und wird immer dafür werben, dass man versucht, das noch stärker auch einzufordern von den Schulen, dass unabhängig vom Lernen versucht wird, Beziehungen aufrecht zu erhalten oder zu gestalten. Auch unter diesen Voraussetzungen, eben in manchen Fällen ist es dann trotzdem unmöglich. Aber da gibt es, glaube ich, auch eine psychiatrische Perspektive, zu dem Thema, wenn alle Unterstützungsangebote, Psychiatrie, Psychotherapie verweigert werden. Also ich kann dann nur die Tagesklinik empfehlen, die so ein Vermittler ist, zwischen Alltag und Schule. Und das Kind erst mal in die Tagesklinik zu bringen, ich denke, das ist möglich. Wir haben das so gemacht, dass ich gesagt habe, wir schauen uns das an und dann entscheiden wir. Und aus dem Anschauen würde dann, ich will das kennenlernen. Aber gerade Einrichtungen wie die Tagesklinik, die haben die Möglichkeit, die Kinder erst mal zu stabilisieren, bevor es wieder ans Schulthema geht. Deswegen plädiere ich schon wieder für mehr Tageskliniken. Aber da ist wirklich Potenzial und Profis, die die Kinder abholen, wo sie stehen und dann diesen ganzen Weg begleiten. Und das können die. Das war jetzt der Werbung. Ich möchte noch kurze Ergenzung machen. Auch noch Werbung machen? Nein, ich habe Frau Müller nicht dazu aufgefordert. Das ist mir ganz, ganz wichtig. Danke. Also mit dieser Empfehlung für mehr Tageskliniken würden wir den Abend jetzt beenden. Ich danke ganz herzlich für Ihr Interesse. Ich hoffe, Sie nehmen immerhin ein paar Ideen mit, wo man sich hinwenden kann oder was es an neuen Entwicklungen gibt. Und sehr gerne sind Sie zur nächsten Veranstaltung eingeladen in drei Monaten.