Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Deutschlands Wahl, Österreichs Déjà-vu: Wie umgehen mit Rechtspopulisten? (mit Florian Klenk)
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- 0:00"Die Begriffsstützmauer gefällt mir viel besser als Brandmauer, weil die Brandmauer ja ein Bild
- 0:04symbolisiert, als würde ein Land abbrennen, wenn die AfD regiert, als würde etwas nachher
- 0:09verkohlt darlegen und so ist es ja nicht. Auch dort wo die FPÖ bei uns regiert hat, ist ja
- 0:13nichts abgebrannt, sondern es ist etwas in Rotschen gegarten, nämlich die Liberale Demokratie."
- 0:18Eine neue Folge von POTS und die Welt. Wir sagen herzlich willkommen. Ich bin Martin Bielecki,
- 0:24Chefadenter der Zeitschrift "Internationalen Politik" und ich bin Katharina Peetz, freie Journalistin.
- 0:29In kurzer, vielleicht auch deshalb besonders aufgeheizter atemloser Wahlkampf liegt hinter
- 0:36uns, sodass manche politische Beobachter diese Bundestagswahl regelrecht herbeigesänt haben,
- 0:41also dass sie vorbei sein wird. Nun liegt ein Wahlergebnis vor, das trotzdem nicht unbedingt die
- 0:46erhoffte Klarheit mit sich bringt. "Die Union ist starke Kraft, obwohl sie unter der 30-Prozent-Marke
- 0:52geblieben ist und kann rechnerisch eine Koalition mit der SPD bilden. Die Verhandlungen durften aber
- 0:57ziemlich schwierig werden. Die FDP ist aus dem Bundestag geflogen, das BSE hat es nicht reingeschafft.
- 1:03Die Grünen haben verloren, die Linken an geradezu raketenhaften Aufstieg hingelegt.
- 1:07Zweitstarkste Kraft und damit Oppositionsführung Bundestag wird aber die in Teilen rechtsextreme AfD."
- 1:13Ja und wir freuen uns, dass wir in der heutigen Folge diese Wahl analysieren können mit dem Blick
- 1:17von außen, nämlich aus dem europäischen Ausland. Wir wollen den Fokus legen auf das starke Abschneidender
- 1:22AfD und die internationale Vernetzung der rechtspopulistischen Parteien und wir freuen uns sehr,
- 1:27dass unser Gast hier ist Florian Klank, Chefredaktor von der österreichischen
- 1:31Wochenzeitung Falta. Schön, dass Sie dabei sind. "Hallo, schön, grüßt ihr uns, Wien."
- 1:34Vielleicht erstmal ganz allgemein, wir gucken natürlich ganz viel gerade auf die deutsche
- 1:43Debatte. Wie blickt man denn in Österreich auf das Ergebnis der deutschen Bundestagswahl?
- 1:47"Naja, für uns ist das ein Blick in unsere eigene Vergangenheit.
- 1:50Der Beginn des Schumpfens der großen, staatstragenden Parteien, wobei man dazu
- 1:54sein muss, dass die Sozialdemokratie sich in Österreich nicht so zusammengebrochen ist wie
- 1:59jetzt in Deutschland. Aber wir sehen diese in Deutschland zwischen Entsetzen, Schicksalshaftigkeit
- 2:06und Naturgesetzlichkeit schwankende Beobachtung der AfD. Also die Kräfte der Mitte stehen vor diesem
- 2:13Phänomen, wie das Kaninchen für der Schlangen wissen nicht so recht, was sie damit tun sollen.
- 2:18Soll man es demonisieren, soll man dieser Partei das Hitlerbärtchen aufkleben, soll man sie
- 2:23rechtsextremen nennen, teilweise rechtsextremen, rechtspopulistisch Russland nahe, destruktiv,
- 2:29radikal. Wir kennen das eigentlich aus dem Jahr 2000. Das ist jetzt ein Vierteljahrhundert her,
- 2:34als sich der bekannte rechtspopulist Jörg Keider angeschickt hat, so ähnlich wie Alice Weidel,
- 2:41einfach mit dem Establishment aufzuräumen, destruktiv zu agieren, frech zu sein, Medien zu
- 2:47beleidigen. Und man ist eben nicht hergeworden. Man wusste eigentlich nicht, wie man damit umgeht,
- 2:52die einen haben die Bildsprache der FPÖ, des Jörg Keider, dieses Fesche oder auch bei Alice Weidel,
- 2:59wenn man sich so ihre TikTok-Videos anschaut. Also diese Mischung hat man in Österreich einmal
- 3:05dafür den Begriff des Faschismus geprägt, am Inturn her. Die fashion-Leute, die so eine faschistische
- 3:11Grundkammerton mit sich tragen, aber eigentlich nicht Nazis sind, so wie man das aus der NPD Zeit
- 3:16kennt, also keine Glatzköpfe, die da durch die Grafen revoltieren sollen. Wir sind sie fashion, cool
- 3:20und hip und brechen. Und ich glaube, da haben wir ein Déjà-vu in Österreich, wenn wir zu euch
- 3:26schauen. Auch die Brandmauer-Debatte, die ich immer gerne lieber als Stützmauer-Debatte
- 3:31geframet hätte. Das Begriff Stützmauer gefällt mir viel besser als Brandmauer, weil die Brandmauer
- 3:35ja ein Bild symbolisiert, als würde ein Land abbrennen, wenn die AfD regiert, als würde etwas
- 3:42nachher verkohlt darliegen und so ist es ja nicht. Auch dort, wo die FPÖ bei uns regiert hat, ist ja
- 3:47nichts abgebrannt, sondern es ist etwas ins Rutschen gegarten, nämlich die Liberale Demokratie.
- 3:52Das waren schon ganz viele Parallelen und Unterschiede zwischen Österreich und
- 3:56Deutschland aus den Rechtspopulismus anbelangt. Die wollen das gleich noch vertiefen, wollen aber
- 4:00gerade noch ein bisschen auf Österreich selbst auch schauen. Da ist ja vor gar nicht allzweiterer
- 4:03Zeit gewählt worden. Die FPÖ hat sich da bei den Nationalratswahlen im September des vergangenen
- 4:09Jahres erstmals als stärkste Kraft durchsetzen können und sie hat dann den Auftrag zur Regierungsbildung
- 4:15bekommen zwischenzeitlich. Dann sind die Gespräche geplatzt. Trotzdem war die FPÖ ja noch nie so
- 4:20nah dran, den Kanzler zu stellen. Es gibt ja die These, Herr Kleng, dass Österreich in dieser
- 4:23Hinsicht Deutschland einige Jahre voraus ist und wir hier in Deutschland bald eine ähnliche
- 4:29Situation erleben könnten. Teilen Sie diese These? Ich weiß nicht, wie sehr man die Länder
- 4:34vergleichen kann. Deutschland ist wesentlich urbamer. Deutschland hat viel mehr städtische Zentren
- 4:40als Österreich. Österreich hat im Grund genommen nur eine wirkliche Großstadt. Das ist Wien,
- 4:44dann kann man auch Linz und Graz dazu zählen, aber Österreich ist eigentlich ein sehr ländliches
- 4:48Land. Deutschland hat eine ganz andere Form der Re-education erlebt nach dem zweiten Welt.
- 4:51Sie kriegen eine ganz andere Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als Österreich.
- 4:55Und Österreich hat nicht so wie Deutschland eine Art Wiedervereinigung erlebt mit zwei
- 5:0040 Jahre lang völlig auseinandergelebten politischen Systemen, die auch die Bevölkerung
- 5:05mehr geprägt haben, als wir es vielleicht vor 35 Jahren oder 36 Jahren mittlerweile geglaubt hätten.
- 5:11Insofern ist das nicht vergleichbar. Was vergleichbar sind, ist natürlich Methoden der Rechtspopulisten.
- 5:16Die Art, wie man mit Journalisten und Medien umgeht, die nicht mehr rufiert, sondern angegriffen
- 5:22werden. Ich glaube, eine der großen Lektionen aus Österreich ist, dass die FPÖ es geschafft
- 5:27hat, sich ein ganz eigene Medienwelt aufzubauen, vor allem auch nach der Corona-Zeit und in
- 5:32dieser Medienwelt eine Gegeneffentlichkeit programmiert hat. Man kann das vielleicht
- 5:37jetzt nicht im Inhalt, aber in den Methoden durchaus vergleichen mit den 68ern, die dort
- 5:43auch begonnen haben, sozusagen eigene Medien zu gründen, eigene Alternative Media. Der
- 5:47Begriff Alternative Media kommt ja eigentlich aus der Linken. Die gesagt haben, wir wollen
- 5:51mit dieser Springerpreise nicht mehr. Wir wollen diese klassischen bürgerlichen Medien
- 5:55nicht, sondern wir brauchen etwas Kritisches, etwas, was ausspricht, was wirklich Sache ist.
- 5:59Und die Rechten limitieren diese Sprache und schaffen sich ja gegen Welten, in denen
- 6:04ja nicht vordergründig Propaganda betrieben wird, sondern immer so getan wird, als würde
- 6:09man etwas aussprechen, was die anderen nicht aussprechen. Und das ist eine Lektion, die
- 6:14man, glaube ich, aus Österreich mitnehmen kann. Jörg Heider hat sehr früh damit begonnen,
- 6:18zu sagen, wenn ich an der Macht bin, wird in den Redaktionsstuben weniger gelogen und
- 6:21hat gleichzeitig natürlich Lügenmedien aufgebaut, die nur gelogen haben. Auf das muss man,
- 6:26glaube ich, verflucht aufpassen. Man muss es sozusagen auch, für dich fast gesagt,
- 6:30infiltrieren mit journalistischen Inhalten. Man darf diese Gegenwelten nicht einfach
- 6:35sich selbst überlassen. Ich glaube, das ist ein ganz entspringener Punkt. Das heißt,
- 6:39eine Lektion ist sicher, dass der klassische Journalismus und die Journalistinnen und
- 6:44Journalisten die Berührung zu dem Milieu des AfD-Welt nicht verlieren dürfen und keine
- 6:49verächtlich machen und auch keine Auge anzuentwickeln dürfen gegenüber dieser politischen Szene.
- 6:53In Deutschland sagen ja viele, dass man den Wählerwillen ignorieren würde, wenn man die
- 7:02AfD jetzt nicht entsprechend ihres Ergebnisses mit einbeziehen würde in die Diskussionen
- 7:07und auch in die politischen Entscheidungen. Wie wird es in Österreich diskutiert, was
- 7:11die FPÖ anbelangt? Das heißt, ich fahre ein sehr schwaches Argument, weil der Wählerwille
- 7:16heißt ja nur, dass die AfD oder die FPÖ in den Bundestag oder den Nationalrat gewählt
- 7:20wurde und das sitzt sie auch. Ihr habt ja auch nicht den Bundeskanzler gewählt und ihr habt
- 7:24ja auch nicht die Regierung gewählt, sondern so wie in Österreich die präsentativen Vertreter
- 7:28in den gesetzgebenden Körperschaften. Und in Österreich kann man die Antwort eigentlich
- 7:33sehr leicht geben. Die ÖFWB, der damaligen Kanzler Karl Nehammer, hat versprochen, niemals
- 7:39mit der FPÖ zu kollegieren. Das heißt, die Leute, die die ÖFWB gewählt haben, wussten,
- 7:44dass Herrbert Kickel nicht in Amt und Würden kommt. Genauso war es bei der sozialdemokratischen
- 7:49Partei, bei den Grünen und bei uns, bei den Liberalen, bei den Neos. Das heißt, 70%
- 7:54der Wählerinnen und Wähler haben Parteien gewählt, die vor der Wahl ganz klar gesagt
- 7:58haben, wir wollen nicht mit Herrbert Kickel, wir wollen Herrbert Kickel nicht in der Regierung.
- 8:02Das heißt, ich hielt es eher für einen Verrat am Wählermotum, wenn eine dieser Parteien
- 8:06umkippen würde und sagen würde, dass wir vorhin versprochen haben, gilt nachher nicht
- 8:10mehr. Und kurz hat sie danach ausgeschaut, dass die ÖFWB kolliert. Der Wähler-Wähler
- 8:14zu regieren besteht dann, wenn die Partei die absolute Mehrheit hat, dann haben sie die
- 8:18absolute Mehrheit und sonst müssen sie die Mehrheit finden. Und wenn sie die nicht finden,
- 8:22repräsentieren sie eben nicht die Mehrheit der Wähler. Also das ist ein ganz im Plumpes
- 8:25Argument. Da sind wir dann nochmal bei dem Stichwort,
- 8:27was Sie eben schon genannt haben, Brandmauer. Und dass Sie sich an dem Begriff eigentlich
- 8:31so ein bisschen stören, stattdessen lieber die Stützmauer als Begriff nutzen. Können
- 8:36Sie nochmal erklären, was Sie damit genau meinen?
- 8:38Ich meine damit, dass man nicht den Eintracht erwecken soll, wenn die Rechtspopulisten in
- 8:42Europa mitregieren. Ich lege jetzt mal den Schwerpunkt darauf. Ich rede jetzt nicht so
- 8:47von Ohrbarn, wo ja absolut regiert wird oder Polen, wo sie mitregieren, dass danach das
- 8:52Chaos ausbricht. Oft ist das ginge der Fall. Und das ist ja sozusagen der große Überraschungseffekt
- 8:57auch bei uns gewesen, dass das Chaos meistens ausgeblicken ist. Und dass sich eigentlich
- 9:02sehr schnell die Parteien, jetzt hätte ich fast schon AfD-Sprech gesagt, an den Futtertrügen
- 9:07der Macht gut eingefunden haben. Ich weiß nicht, ob das bei Herbert Kiekel so gelaufen
- 9:10wäre, aber wir sehen es bei den Regierungen, bei uns in den Bundesländern, in die FPÖ mitregiert,
- 9:15ist sie eigentlich ziemlich langweilig. Sie macht hin und wieder mal einen Rülpser oder
- 9:19irgendeine provokante Bemerkung. Aber es ist nicht so, dass da das Land abbrennt. Und
- 9:24daher ist es eigentlich schwierig, immer den Leuten zu sagen, wenn die Regierenden
- 9:26brennt das Land ab. Also das ist nicht Trump und Musk. Trump und Musk, da kriegt man schon
- 9:31ein bisschen mehr Bauch. Ich verwende lieber das Wort "Stützmauer", weil es ja um
- 9:36safeguards geht. Das geht ja eigentlich, was ist denn die liberale Demokratie? Ist eine
- 9:41nicht autoritäre Demokratie? Das heißt eine Demokratie, die Jackson Balances hat, die
- 9:46eine funktionierende Presse hat, die eine funktionierende Justiz hat, die funktionierende
- 9:51Rechnungshöfe hat, statistische Zentraleimter hat, die ordentliche Untersuchungsausschüsse
- 9:56hat, die eine politische Redenkultur hat. Also in der eben die Partei dirigiert auch die
- 10:03Opposition eingemeinden muss und in der sie ständig in ihrer Ausbildung der Macht kontrolliert
- 10:09wird. Und das ist etwas, das eben den illiberalen Parteien überhaupt nicht schmeckt, weil sie
- 10:13gerne durchregieren wollen. Weil sie auch diese Fantasie des Durchregierens ständig
- 10:17propagieren, das Jagenster anderen. Wenn Alice Weidel sagt, wir jagen unsere Gegner, dann
- 10:22ist es ja die größtmögliche undemokratische Form, zu sagen Leute, die von anderen Leuten
- 10:26gewählt werden, jagen wir. Also was ist denn das für ein Verständnis? Oder wenn Kickel
- 10:30sagt, die anderen Parteien sind die Einheitspartei, die nicht das Volk repräsentieren. Wegzugehen
- 10:34von der Idee einer repräsentativen Demokratie, in dem der einzelne Abgeordnete seine Wähler
- 10:39repräsentiert, aber eben auch kontrolliert wird durch die Institutionen der anderen
- 10:43Wähler. Und das wollen die illiberalen nicht. Und die Stützmauer meine ich damit, dass
- 10:48genau diese Safeguards eben uns davor schützen sollen, dass diese Sicherheiten nicht abrutschen.
- 10:54Und wir haben bei Sebastian Kurz, den ich nur als eine rasierte und eingegählte Variante
- 11:00von Herbert Kickel sehe, erlebt, dass im Grunde genommen die gleiche Politik betreibt,
- 11:05nämlich Sicherungssysteme rausdrehen. Er hat sich an den Sicherungskasten der Demokratie
- 11:10gestellt und hat begonnen an den einzelnen Sicherungen zu drehen. Er hat die Presse versucht
- 11:15zu korrumpieren. Er hat die Justiz und die Staatsanwaltschaft angegriffen. Er hat die
- 11:19Korruptionsbehörden lächerlich gemacht. Er hat die Ur-Ausschüsse als Theaterklamauk
- 11:25lächerlich gemacht, sogar das Parlament hat gesagt, er fühlt sich gar nicht wohl. Er
- 11:28hat rund um in seiner Partei Seniorität und Dissidenz entfernt.
- 11:33hat eine Jubelbewegung gemacht, nicht eine Bürgerbewegung, sondern so eine, wir haben
- 11:38immer gesagt, die Bastige Beetzliga. Da hat man gemerkt, wohin die Reise gehen soll,
- 11:43nämlich in eine Machtausübung, die möglichst wenig Widerspruch hat, weil sie diese Fantasie
- 11:48des Durchregierens, der großen Reform, der großen Sprünge endlich einmal durchsetzt.
- 11:54Aber die Demokratie ist ein bisschen komplizierter. Die Demokratie ist, wie es bei uns der Bundespräsident
- 11:58von der Berne gesagt hat, eben der Kompromiss, ist der Kompromiss und das ist, sagen wir mal,
- 12:04eine Message, die ein bisschen zu untergeht.
- 12:06Schauen wir auf die Vernetzung der Rechtspopulisten in Europa und auch transatlantisch. Dann sind
- 12:16ja AfD und FPÖ ziemlich eng verbandelt. Man arbeitet auf ganz, ganz vielen Ebenen miteinander
- 12:21auch, was so Strategien, anmellang den Austausch von Ideen, Frage, welche Rolle spielt denn diese
- 12:28Vernetzung der europäischen Rechten für den aktuellen Siegeszug dieser Bewegung?
- 12:33Ich glaube, dass die Parteien sehr stark voneinander lernen in der Art, wie sie kommunizieren. Also es
- 12:39gibt ja immer wieder, wenn man so durch soziale Medien scrollt, sehr schöne Zusammenstellungen,
- 12:44wie ähnlich Reden aufgebaut sind, wie ähnlich Attacken aufgebaut sind. Also wenn sie Kickel hören
- 12:49und Weidel hören, dann sehen sie ja, dass sie in sehr ähnliche Argumentationsmuster sind. Ich
- 12:52glaube schon, dass sie lernen ihre Crashretorik und ihren Destruktivismus und ihre Zerstörungsreden.
- 12:58Schauen sie sich viel voneinander ab. Sie sind sich, glaube ich, auch einig in der Ablehnung von
- 13:02Einwanderung. Sie wissen, dass die Leute Angst haben vor zu viel Zuwanderung, zwar zu viel
- 13:08muslimischen Einwanderern. Ich glaube, da haben sie Gemeinsamkeiten. Sie sind sich, glaube ich,
- 13:12auch einig in ihrer Nähe zu Korruption. Wir haben ja die drei großen Säulen des Rechtspopulismus,
- 13:18das ist Korruption, das ist bei uns sehr oft Trockenhandel und das ist echt extremismus. Ich
- 13:23glaube, da finden wir immer wieder so seine Gemeinsamkeiten. Aber sie sind interessanterweise
- 13:28zum Beispiel wieder nicht so einig, wenn es um die Ukraine geht. Also wenn man Miloni anschaut,
- 13:33auch Lippen, merkt man, dass es da schon große Unterschiede gibt. Ich glaube, sie sind sich nicht
- 13:39einig, wenn es um die Frage geht, wie Europa letztlich organisiert wird. Da gibt es große
- 13:45Unterschiede. Letztlich sind sie natürlich Nationalisten. Nationalisten haben natürlich immer
- 13:50Eigeninteressen, die die anderen ausschließen. Aber sie lernen voneinander und sie sind natürlich
- 13:57in Zeiten, wo östlich Putin und westlich Trump lauert, sehr verlockt, sich einer dieser
- 14:03Mächte anzuschmieren. Und das war interessant in Österreich, dass sowohl Sebastian Kurz als auch
- 14:07Herbert Kickel nach Trumps Sieg es überhaupt nicht erwarten konnte, so sagen Trump symbolisch die
- 14:13Füße zu küssen, zu gratulieren, so sagen wir toll, das macht. Das hat mich dann schon und
- 14:17verwundert, dass man den Präsidenten, der gerade die transatlantische Kooperation zumindest auf
- 14:23einer symbolischen Ebene infrage stellt, so begeistert begrüßt. Die FPÖ hat ja auch einen
- 14:28Pakt sogar den offiziellen Freundschaftsvertrag mit der partei-erniges Russland von Vladimir Putin
- 14:332016 geschlossen, also noch zwei Jahre nach Einmarsch in der Grimm. Und wir sehen auch,
- 14:38dass, was Sie jetzt beschreiben, mit der FPÖ haben wir bei der AfD auch gesehen, Alice Weidel hat
- 14:42nach der Wahl sich gefreut darüber, dass ein Anruf morgens von Elon Musk sie erwartete. Sehen Sie
- 14:48denn das als dann eine Gemeinsamkeit, dass man sozusagen einen transatlantischen, rechtspopulistischen
- 14:53Sturm erwartet? Es ist schwierig zu sagen. Ich glaube natürlich, dass Weidel sich geschmeißelt,
- 14:58fühlt, wenn jemand will, Musk sie interviewt und ist ein bisschen gewirkt wie so ein Schulmädchen
- 15:03vor der Latein-Madura, so ein bisschen aufgeregt. Also, es hat sich auch ein bisschen überfordert,
- 15:07hatte ich den Eindruck. Ja, meinen Sie jetzt diesen Auftritt bei Ex dieses Livegespräch noch vor der
- 15:12Wahl. Die FPÖ in Österreich habe ich jetzt als große Mask-Bewunderungspartei noch nicht gesehen.
- 15:18Ich glaube, dass den Leuten die FPÖ wählen, Elon Musk irgendwie Unheimliches. Also, die Österreicher
- 15:25sind ja eher gemiertliche Leute, wenn da jemand mit der Motorsäge auf die Bühne kommt und sagt,
- 15:29ich hank jetzt den Staat zusammen, du siehst, ich verstehe es in Österreich, es ist ein Beamtenstaat.
- 15:33Also, ich werde ein bisschen vorsichtig, ob das wirklich so gut ankommt, dass ich bin mir nicht
- 15:39sicher. Und ich meine letztlich, das Wahlergebnis der AfD ist schön, aber man sieht ja auch wiederum,
- 15:45der Einfluss von Musk ist dann auch wieder irgendwo begrenzt. Ja, also bei 20 Prozent,
- 15:50ich bin 5. in Österreich hat die FPÖ 30 Prozent, die Rechtspopulisten hatten in Österreich immer
- 15:5430 Prozent, die waren noch sehr oft in verschiedenen Splitterparteien aufgeschlüsselt. Da gab es dann
- 16:01immer wieder so nachgeburtender FPÖ und Splitterparteien. Also, dass ein 5. der Bevölkerung
- 16:06rechtspopulistisch wählt, das schockiert mich eigentlich gar nicht so, muss ich sagen. Das ist
- 16:10eher beklemmend, dass das in den neuen Bundesländern so stark ist, aber dass in Österreich jeder Dritte
- 16:17eine rechtspopulistische Partei wählt. Das war bei uns seit den 90er Jahren, so seit dem Fall des
- 16:22einzelnen Vorhangs, haben die immer starke Ergebnisse gehabt. Das heißt, man sollte das einfach so
- 16:27akzeptieren oder das wäre meine einigere Frage gewesen, was kann man denn dem entgegensetzen?
- 16:32Naja, ich glaube, dass die Sozialdemokratie, die ja jetzt wirklich eine Krise hat, drei Dinge
- 16:37kennen muss. Einerseits, dass sie eine Ordnungspolitik braucht. Wir hatten ein Interview mit dem ehemaligen
- 16:43SPÖ-Bundeskanzler Alfred Guesenbauer, der ein Berater von René Benko geworden ist, aber der
- 16:47eine sehr gescheite Bewergung, gesagt hat, Sozialdemokratie ist immer auch Ordnungspolitik. Das heißt,
- 16:52nicht, dass man reaktionär oder repressiv sein muss oder lauend ordentlich haben, aber die Leute
- 16:57brauchen eine Ordnung. Gerade Leute, die finanziell schwach dastehen, Leute, die in prekären
- 17:03Verhältnissen leben, die in schlechteren Vierteln leben müssen, die vielleicht länger zur Arbeit
- 17:08pendeln müssen, die vielleicht heute Nacht unterwegs sein müssen, fürchten sich, wenn es
- 17:13Unordnung gibt. Und ich glaube, das ist eine Lektion, die die Linke vergessen hat, auch unter dem Eindruck
- 17:19sehr progressiver kräfte, vielleicht unter Eindruck dessen, was man gerne so ein bisschen
- 17:23spürtisch die "Voke" Bewegung nennt, dass zum Beispiel Polizeipolitik etwas wichtig ist,
- 17:29ist für eine linke Bewegung. Dieser berühmte New Left Realism on Crime, der in den 70er/80er
- 17:35Jahren in der Krimiologie einzugehalten hat zu sagen, Sicherheitspolitik ist auch Sozialpolitik.
- 17:41Ich glaube, das ist einer der großen Fehler der Linken gewesen, die Polizei sozusagen als eine
- 17:44faschistische Harte zu framing, die nur hineinbrügelte. Und den Wien hätte man immer vorher gesagt,
- 17:50den Rionskiberer oder den Bürgerpolizisten, der Polizist als Teil der Gesellschaft, der nicht
- 17:57irgendwie im Bürgerkriegs-Uniform mit Schnürstiefeln bewaffnet durch das Kreuzelpatuliert,
- 18:02sondern der die Augen und Rohren offenheit und für Sicherheit ist, der ansprechbar ist, der
- 18:05wenn er lauten rädelt, der weiß, was los ist. Ich glaube, das ist zum Beispiel eine ganz wichtige
- 18:09Rungen schafft auch einer Linkensicherheitspolitik. Die Polizei auch als einer der wenigen Jobs,
- 18:13in denen Leute die eher unterprivilegierte Verhältnisse haben, aufsteigen können,
- 18:18in denen sie sehr einfach, sehr niederschwellig Staatsmacht ausüben können, Verhältnismäßigkeits-
- 18:23Grundsätze leben können, erleben können, wie der Staat funktioniert. Ich glaube, das ist ein
- 18:27Punkt. Der zweite Punkt ist, ich glaube, es braucht eine Diskussion über Migrationspolitik, die einerseits
- 18:32klar macht, dass man in einer Zeit, wo immer weniger Kinder geboren werden von der sogenannten
- 18:36Autochtonenbevölkerung, wo die Boomer so langsam aussterben und die Generation bilden, die weiß man,
- 18:42dass man Einwanderung braucht, dass aber auch diese Einwanderung geregelt gehört. Das ist auch
- 18:45keine reaktionäre Forderung, zu sagen, Asylpolitik kann Einwanderungspolitik nicht ersetzen. Und
- 18:51ich glaube, da fehlen vernünftige Linke lautes Stimmen. Ich glaube, dass viele Linke Thinktanks
- 18:58und wenn man mit den Leuten dann gerade so Asylberatungsstellen, wenn man mit denen diskutiert,
- 19:03das ist sehr viele kluge Dinge sagen, aber es fehlt mir so sagen jemand, der das auch glaubwürdig
- 19:07politisch vermarktet. Und wenn Schult dann halt irgendwann mal auf den Boot sorgt und sagt,
- 19:11jetzt müssen wir mehr abschieben, das ist ja eher eine Reaktion als eine Politik. Und ich glaube,
- 19:15das dritte ist zu sagen, was ist ein Sozialstaat eigentlich gewesen? Das war ja nicht nur eine
- 19:20linke Erfindung, es war ja auch eine konservative Erfindung. Ich habe einmal mit großem Interesse
- 19:23von Hans-Jochen Vogel das Buch über Bodenpolitik gelesen, immerige Sozialdemokrat, deutsche,
- 19:29ein wahnsinnig spannendes Buch geschrieben hat über Bodenpolitik, wie sehr Bodenpolitik,
- 19:34nämlich der Aufkauf von Grund und Boden, um darauf Wohnungen zu bauen und dadurch günstige
- 19:38Mieten zu ermögkeln, wie sehr das eine konservative Politik war nach dem Zeitbild geht, wie sehr
- 19:42Christdemokratischparteien auf diese Art von Politik gesetzt haben, anstatt nur die Investoreninteressen
- 19:47einzeln dazu bedienen. Das sind so Kernpfeiler, ja, Sozialpolitik, eine Wohnungspolitik und
- 19:52eine Ordnungspolitik. Der kleinen Schritt, der nicht die großen Ansagen, sondern tatsächlich das
- 19:56Leben der Leute Schritt für Schritt verbessern. Sagt Florian Klenk, Chefproduktur der österreichischen
- 20:01Wochenzeitung der Falter. Ganz herzlichen Dank für ihre Zeit, für ihre Einblicke und Hinweise,
- 20:06lieber Herr Klenk. Danke schön, schön, die Grüße Deutschland.
- 20:09Eine sehr wertvolle Außenperspektive auf das Geschehen bei uns in Deutschland und eben auch
- 20:18darüber hinaus. Zum Schluss einer jeden Episode wollen wir noch mal kurz in uns gehen und zusammenfassen,
- 20:23was so besonders hängen geblieben ist. Ich finde direkt ganz am Anfang die Aussage interessant,
- 20:29dass das, was wir jetzt in Deutschland erleben, in Österreich so ein bisschen der Blick in die
- 20:32Vergangenheit ist, dass es einfach sehr viele Parallelen gibt, gerade auch, was die Methoden
- 20:36von rechtspopulistischen Parteien angeht, also wie sie auftreten, welche Attacken sie fahren,
- 20:42wie sie reden aufbauen. Dass es natürlich inhaltliche Schnittmengen gibt, aber dann doch auch
- 20:46Differenzen, zum Beispiel bei Positionen zum Thema Ukrainekrieg. Die Idee der Stützmauer,
- 20:52die finde ich auch sehr interessant, also dass man sich weniger darauf konzentriert zu sagen,
- 20:56wie schlimm alles wird, wenn Rechtspopulisten an der Macht wären, so mal wenn man in Österreich
- 21:00sieht, dass es teilweise dann eben doch eher geräuschlos von Statt und geht, stattdessen
- 21:04sich lieber darauf zu konzentrieren, wie man eine liberale Demokratie absichert. Martin,
- 21:08was waren für dich die entscheidenden Stellen? Ich fand aber ganz, ganz viel in diesem sehr,
- 21:12sehr tollen Gespräch. Ich konnte viel anfangen mit dem Begriff der Gegenöffentlichkeit. Die
- 21:17Rechte, die Rechtspopulisten haben sich eine Gegenöffentlichkeit geschaffen, die man eben
- 21:22nicht sich selber überlassen darf, sondern der man begegnen muss. Und da hat vor allem ein
- 21:26Klänk so Wert gelegt auf Sachlichkeit, auf Ernsthaftigkeit, auf Wissen, auf Fakten in dieser
- 21:31Auseinandersetzung und eben nicht von oben herab oder mit Arroganz diesen Menschen zu begegnen,
- 21:37das war das eine. Das zweite war, wie sehr die Rechtspopulisten eine Sicherung nach der anderen
- 21:43rausdrehen und dass man das manchmal gar nicht so richtig mitbekommt, sondern dass man da sehr
- 21:47wachsam bleiben muss. Das fand ich sehr eindrücklich und ja zum Schluss dann, also ganz konkrete Dinge,
- 21:54Polizeipolitik, Bodenpolitik, diese ganzen Dinge, die in Anfroschinen die Linke, also jetzt nicht
- 21:59die Parteidelinke, sondern Linke, Parteien generell, Linkebewegungen, so ein bisschen allen
- 22:04anderen überlassen haben und das haben sich die Rechtspopulisten eins nach dem anderen angeeignet
- 22:09und das muss man, glaube ich, wenn man dem Rechtspopulismus den Boden wieder entziehen
- 22:13möchte, muss man diesen Boden eben neu besetzen. Das fand ich alles sehr konziesen und sehr, sehr
- 22:18einungsvoll. Die nächste Folge von "Proton TV" kommt in zwei Wochen. Übrigens, wenn Sie sich ein
- 22:27bestimmtes Thema von uns wünschen, dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an ip@dgap.org. Vielen Dank.
- 22:34Neben diesem Podcast, der so ein bisschen ein außenpolitisches Update ist, wollen wir gerne
- 22:39auch noch mal auf unsere Zeitschaft hinweisen auf die internationale Politik. Diese IP ist
- 22:44natürlich auch komplett online zu finden und das ist jetzt mit einer besonderen,
- 22:48mit einer besonders wichtigen Ausgabe kurz nach der Bundestagswahl noch bis einspießig
- 22:52Sonntagzeiten da ausnahmsweise kostenlos, also nichts wie los. Danke fürs Zuhören. Bis zum
- 22:58nächsten Mal, wenn Sie mögen. Ich bin Katharina Peetz. Und ich bin Martin Bielecki. Danke auch
- 23:02von mir und machen dies gut.