Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Das Recovery-Tabu: Kinks, BDSM und authentische Sexualität nach der Sucht
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen zu unserem heutigen Gespräch.
- 0:03Ich freue mich wirklich sehr, dass du dir die Zeit nimmst.
- 0:05Ja, Hallo, auch von mir. Wir tauchen heute mal tiefer in
- 0:08ein Thema ein, das ja viele beschäftigt, aber oft so ein
- 0:12bisschen im Dunkeln bleibt. Genau.
- 0:15Es geht um die komplexe Beziehung zwischen sexuellen
- 0:18Vorlieben, also Kings Fetische, BDSM und dem Weg der Genesung,
- 0:24der Recovery von sucht. Ein Feld voller Fragen,
- 0:28Unsicherheiten. Klar und manchmal auch Scham.
- 0:32Unsere Grundlage heute ist ein sehr, sehr ausführlicher Artikel
- 0:35von der Website nielix Berlin. Stimmt.
- 0:38Und der Autor Gabriel teilt darin nicht nur
- 0:41Rechercheergebnisse, sondern eben auch ganz persönliche
- 0:43Perspektiven. Ja, und das ist ein wichtiger
- 0:46Punkt, den wir gleich zu Beginn vielleicht betonen sollten.
- 0:48Gabriel, der hinter Nielix Berlin steht, ist selbst von
- 0:51sucht und psychischen Themen betroffen.
- 0:54Erteilt auf seiner Webseite sehr offen seine eigenen Erfahrungen.
- 0:58Und er macht das, um eine ehrliche, direkte Verbindung zu
- 1:00dir aufzubauen, um zu zeigen, Hey, du bist mit diesen Fragen,
- 1:04diesen Herausforderungen nicht allein.
- 1:06Seine Arbeit kommt quasi aus eigener Betroffenheit, das Macht
- 1:10den Artikel auch so, na ja, so greifbar finde.
- 1:13Ich absolut. Gabriel gibt für seinen Text
- 1:15auch eine Triggerwarnung raus, die wir hier natürlich
- 1:17weitergeben wollen. Ja, wichtig.
- 1:20Es geht um alternative sexuelle Praktiken, klar, aber eben auch
- 1:23um Schamgefühle, um Verwirrung und die manchmal echt schwierige
- 1:27Grenze zu problematischem verhalten.
- 1:29Genau das ist unser Ziel für die nächste Zeit.
- 1:32Wir wollen versuchen, die Kernbotschaften aus diesem
- 1:34Material für dich rauszufiltern was ist authentische sexuelle
- 1:38Neigung, die vielleicht erst in der Nüchternheit so richtig
- 1:42entdeckt wird, und wo lauert die Gefahr, dass bestimmte Praktiken
- 1:46vielleicht doch zu einer neuen sucht werden?
- 1:49Ja. Wo kippt das?
- 1:51Wir versuchen da mal ein bisschen Klarheit reinzubringen.
- 1:54OK, packen wir es an, fangen wir doch mal mit was an, das
- 1:57vielleicht überrascht, wie verbreitet sind denn Kink
- 2:00Fantasien und Praktiken wirklich?
- 2:03Gabriel zitiert da ja zahlen. Stimmt zum Beispiel aus einer
- 2:06belgischen Studie von 2017 ja, da kam raus fast die Hälfte,
- 2:11also 46,8% der Allgemeinbevölkerung hat schon
- 2:14mal BDSM Aktivitäten ausprobiert, fast die Hälfte,
- 2:18das ist viel. Ja, und andere Studien deuten
- 2:21an, dass 40 bis 70% der Leute regelmäßig King Fantasien haben.
- 2:26Wow, das klingt ja, als wäre das alles viel normaler, als es oft
- 2:29dargestellt wird. Absolut statistisch gesehen sind
- 2:33Kings einfach Teil des breiten menschlichen Spektrums und
- 2:37Gabriels Artikel macht hier einen, wie ich finde
- 2:39entscheidenden Punkt, nämlich die Frage in der Recovery ist
- 2:43nicht, macht mich die Genesung jetzt kinky, sondern eher.
- 2:48Macht sie mich vielleicht ehrlicher, ehrlicher in Bezug
- 2:51auf Neigungen, die schon da waren?
- 2:53Genau Neigungen, die man vielleicht unterdrückt hat.
- 2:57Nüchternheit entfernt ja nicht nur die chemischen Filter von
- 2:59Substanzen. Stimmt.
- 3:01Oft fallen auch so Schichten von gesellschaftlichen Normen weg,
- 3:04von Selbstzensur. Und das Faszinierende ist ja die
- 3:07neurologischen und psychologischen Veränderungen in
- 3:10der Recovery spielen da echt eine Rolle.
- 3:12Wie meinst du das? Na ja, Gabriel spricht vom
- 3:15Dopomin Rebalancing. Das Gehirn sucht wieder nach
- 3:18natürlichen Belohnungen, nach intensiven Empfindungen.
- 3:22OK, es. Entsteht oft eine neue
- 3:24Offenheit. Gleichzeitig können aber auch
- 3:26alte Schamgefühle hochkommen. Die Sinne werden vielleicht
- 3:29intensiver und manchmal geht es auch darum, alte Traumata
- 3:33aufzuarbeiten. Recovery deckt oft eine tiefere,
- 3:37vielleicht authentischere Sexualität auf, und die ist eben
- 3:41manchmal nicht vinella. Aber genau da scheint es ja oft
- 3:44zu klemmen. Gabriel beschreibt so ein großes
- 3:47Schweigen in vielen Recovery Communities.
- 3:50Ja, das beobachtet er stark. Er sagt, Kings werden dort
- 3:54schnell pathologisiert. Oder als Symptom abgetan, so
- 3:58nach dem Motto, der ist noch nicht über die Sucht hinweg.
- 4:01Genau. Lass uns mal die Mythen
- 4:02auseinandernehmen, die er da anspricht.
- 4:04Mythos Nummer 1 Kings sind ein Zeichen für Unverarbeitete
- 4:09sucht. Ja, den nennt Gabriel in seinem
- 4:12Text ziemlich direkt. Kompletten Bullshit.
- 4:15Okay klare Ansage. Und er stützt sich dabei auf
- 4:18Forschung, zum Beispiel eine große australische Studie.
- 4:22Die fand raus, dass Menschen, die BDSM praktizieren, psychisch
- 4:27nicht schlechter dastehen. Ach was.
- 4:29Ja, Männer in dieser Gruppe zeigten sogar tendenziell
- 4:33weniger psychische Belastungen. Interessant.
- 4:37Woher kommt denn dieses Stigma in Recovery kreisen das.
- 4:40Gabriel vermutet eine Mischung, also teils wohl religiös
- 4:44geprägte Hintergründe mancher 12 Schritte, Programme, dann diese
- 4:47tiefsitzende Angst vor Suchtverlagerung.
- 4:50Die kenne ich. Generelle Moralvorstellungen
- 4:52natürlich auch und schlicht Unwissenheit.
- 4:55Er schätzt ziemlich provokant, dass über 90% der Recovery
- 4:59Coaches wenig Ahnung von gesunder Kingpraxis haben.
- 5:02Puh, die Folge ist klar. Menschen verstecken diesen Teil
- 5:06ihrer Identität oder denken selbst mit ihnen stimmt was
- 5:09nicht. Das bringt uns direkt zum Mythos
- 5:11Nummer 2. Gesunde Sexualität ist Vanilla,
- 5:16also diese Vorstellung, nur die normale Sexualität sein OK?
- 5:20Na ja. Diese Vorstellung kritisiert
- 5:23Gabriel scharf. Er nennt das Normativ und
- 5:25diskriminierend. Verständlich.
- 5:28Als gäbe es nur einen richtigen Weg, Sexualität zu leben.
- 5:31Meistens halt hetero, monogam, ohne spezielle Vorlieben.
- 5:35Mhm. Aber die Forschung, die Gabriel
- 5:38zitiert, deutet in eine ganz andere Richtung.
- 5:40Sexuelle Vielfalt ist normal eine Studie fand sogar raus,
- 5:44dass 77% der BDSM Praktizierenden sagten, es hätte
- 5:48ihre intimen Beziehungen verbessert. 77%.
- 5:52Ja, der Punkt ist ja nicht, welchen Stil man hat, sondern
- 5:57wie man ihn lebt. Sondern.
- 5:59Einvernehmlichkeit, Kommunikation, Wohlbefinden, das
- 6:03sind die Kriterien für Gesundheit.
- 6:05Nicht, ob's jetzt Vanilla oder Kinki ist.
- 6:08Okay und dann der dritte, sehr hartnäckige Mythos.
- 6:12Kings kommen immer aus Trauma, das hört man ja wirklich oft.
- 6:17Ja ein sehr verbreitetes Missverständnis.
- 6:19Gabriel stellt das klar, ja, manche Menschen nützen Kings zur
- 6:23Traumaverarbeitung. Sogenanntes Trauma Play.
- 6:26Genau das kann ein Weg sein, Kontrolle zurückzugewinnen oder
- 6:30schmerzhafte Erfahrungen symbolisch neu zu beuten.
- 6:34Aber. Und das ist das Überraschende,
- 6:36was der Artikel betont. Studien deuten darauf hin, dass
- 6:40King Praktizierende, im Schnitt weniger Traumaerfahrungen haben
- 6:44als die Allgemeinbevölkerung. Weniger, nicht mehr.
- 6:48Weniger, ja, man darf also absolut nicht verallgemeinern.
- 6:52Die Ursprünge von King sind total vielfältig und oft eben
- 6:56gar nicht an Trauma gekoppelt. Okay das ist wichtig, wenn
- 7:00Mythen also entlarvt, aber, und hier wird es jetzt ja wirklich
- 7:03knifflig, Gabriel warnt ja auch eindringlich, wann können
- 7:07Kingston tatsächlich zur Ersatzsucht werden, das ist ja
- 7:09die berechtigte Sorge vieler in der Recovery.
- 7:11Das ist der Kern der Sache, absolut, und der Artikel nimmt
- 7:15diese Gefahr auch sehr ernst. Gabriel benennt ganz spezifische
- 7:18Praktiken mit hohem Suchtpotential.
- 7:20Warum? Weil sie Rauschzustände erzeugen
- 7:24können, die denen von Drogen ähneln.
- 7:27Ganz oben auf der Liste steht da breathplay.
- 7:30Atemkontrolle. Genau bis zum Sauerstoffmangel.
- 7:33Das erzeugt einen Rausch. Klar, ist aber extrem gefährlich
- 7:36und hat ein hohes Todesrisiko. Puh, Gabriel sieht Autoerotische
- 7:41Aspixie ganz klar als Suchtverhalten, nicht als
- 7:43gesunden King. Okay was noch?
- 7:46Dann extremes Painplay, wenn der Schmerz so stark wird, dass
- 7:51massive Endophinausschüttungen einen Rausch auslösen, der
- 7:54Opiaten ähneln kann. Ah.
- 7:56Die körpereigenen Drogen. Genau, und hier besteht die
- 8:00Gefahr der Toleranzentwicklung. Man braucht immer mehr für den
- 8:02gleichen Kick, das kann schnell kippen in Selbstverletzung unter
- 8:06dem Deckmantel von BDSM. Verstehe.
- 8:09Auch Subspace sucht wird genannt, also die Flucht in
- 8:12diese tiefen, dissoziativen Zustände, diesen tranceartigen
- 8:16Subspace, um der Realität zu entkommen.
- 8:19Eine Art Fluchtmechanismus. Ne.
- 8:22Und schließlich die Adrenalinjunkies, die extrem
- 8:25riskante Praktiken suchen, Sicherheitsregeln ignorieren,
- 8:29immer den nächsten Kick brauchen.
- 8:31Mhm. Die Faustregel im Artikel ist
- 8:34eigentlich, wenn du BDSM brauchst wie eine Droge um dich
- 8:38OK zu fühlen oder den Alltag zu bewältigen, dann ist es keine
- 8:42gesunde Sexualität mehr, dann ist es potenziell eine Sucht.
- 8:47Und woran genau kann man diese gefährliche Grenze erkennen?
- 8:50Der Artikel listet ja Warnsignale auf diese Red Flags.
- 8:53Ganz genau. Und die ähneln, dass es wichtig
- 8:56stark den klassischen Suchtmerkmalen, nur eben auf ein
- 9:00Verhalten bezogen. OK, zum Beispiel.
- 9:03Zwangschaftigkeit dieses Gefühl, ich muss das tun, nicht nur ich
- 9:07will das. Echte Panik, wenn eine Session
- 9:10ausfällt. OK, zweitens.
- 9:12Toleranz Entwicklung was früher aufregend war, wirkt nichts
- 9:16mehr. Man braucht immer extremere oder
- 9:19riskantere Praktiken, normale Sexualität fühlt sich vielleicht
- 9:22leer an, Mhm, drittens Vernachlässigung anderer
- 9:25Lebensbereiche, der Job leidet, Freundschaften Familie, weil
- 9:30sich alles nur noch um King dreht.
- 9:32Klassisches Suchtverhalten eigentlich.
- 9:35Realitätsflucht. Kink wird der einzige Weg, um
- 9:38mit Stress oder negativen Gefühlen umzugehen.
- 9:41Die Kink Identität überschattet vielleicht alles andere im
- 9:44Alltag. Und Fünftens?
- 9:46Ink Aufnahme von Schäden, körperliche Warnsignale oder
- 9:49Verletzungen werden ignoriert, psychische Probleme wie
- 9:52Depressionen oder Ängste treten vielleicht zwischen den Sessions
- 9:55auf, Sicherheitsregeln werden über Bord geworfen.
- 9:59Das sind klare Anzeichen. Der Artikel spricht ja auch die
- 10:02Verwirrung an, die entstehen kann, wenn man versucht zu
- 10:04unterscheiden. War das jetzt ne Neigung die
- 10:07durch Drogen nur zum Vorschein kam oder war das Verhalten nur
- 10:10durch die Substanz ausgelöst? Ja, das ist ne zentrale Frage
- 10:14für viele in der frühen Recovery.
- 10:16Gabriel beschreibt dieses Dilemma echt gut.
- 10:18Einerseits können Drogen natürlich Enthemmen klar, sie
- 10:21können zu Experimenten führen, die nüchtern undenkbar werden,
- 10:26Grenzen total verwischen, andererseits können Drogen auch
- 10:30dazu gedient haben, die Scham zu betäuben, Scham über echte, tief
- 10:34verwurzelte Kings, die man sich nüchtern nie erlaubt hätte.
- 10:37Also beides ist möglich. Genau und in der Nüchternheit
- 10:42kommt dann die Frage. War das wirklich ich, der auf
- 10:45Fesseln stand oder war das das Koks oder umgekehrt?
- 10:49Puh, diese extremen Sachen, das waren nur die Drogen, nüchtern
- 10:53bin ich viel normaler und die Antwort Gabriels Antwort ist
- 10:57klar, nur nüchterne Selbsterforschung über Zeit
- 11:01bringt Klarheit, er weist auch auf biologische Faktoren hin,
- 11:05das Hormon und Neurotransmittersystem braucht
- 11:08eben Zeit sich zu normalisieren. Stimmt.
- 11:12Und. Und dann ist dann noch dieser
- 11:13oft schwierige Spagat. Welcher zwischen den, sagen wir
- 11:17mal, eher normativen Recovery werten und der King Szene, die
- 11:22ja manchmal einen sehr lockeren Umgang mit Substanzen pflegt.
- 11:25Was für Genesende natürlich ein Risiko ist.
- 11:28Absolut. Gabriel trifft in seinem Artikel
- 11:30ja auch noch eine wichtige Unterscheidung King Paraphilie
- 11:34und Störung. Auch Neurobiologisch kannst du
- 11:37das kurz erklären. Ja, das ist wichtig für die
- 11:40Einordnung. Also laut Gabriel ist ein King
- 11:42eine einvernehmliche Alternative sexuelle Praxis, sie bereichert
- 11:46das Leben, hat keine negativen Folgen.
- 11:49OK, paraphilie ist der medizinische Oberbegriff für
- 11:53intensive spezifische sexuelle Interessen.
- 11:56Das ist erstmal neutral, nicht automatisch schlecht.
- 11:59Viele Paraphilien sind harmlos. Und wann wird's Zerstörung?
- 12:02Erst wenn diese Interessen beider Personen selbst
- 12:05Leidensdruck verursachen oder wenn andere geschädigt werden,
- 12:09zum Beispiel durch fehlende Zustimmung, dann spricht man von
- 12:13einer paraphilen Störung und die braucht Behandlung.
- 12:17Verstehe und Neurobiologisch. Da argumentiert Gabriel, dass
- 12:23Kings wie BDSM Natürliche Belohnungs und Bindungssysteme
- 12:26aktivieren. Endorphine, Serotonin, Oxytocin,
- 12:30das sind Variationen der menschlichen Sexualität, keine
- 12:34Krankheit an sich. Interessant ist ja auch sein
- 12:36Punkt zum Thema Sensation Seeking.
- 12:38Ja genau. Menschen mit Suchtgeschichte
- 12:41haben oft eine Neigung zu starken Reizen.
- 12:44Und Kings können hier ein potenziell gesunder Kanal sein.
- 12:47Können sein. Ja, solange es eben nicht in
- 12:50Impulsives, Selbstschädigendes Risikoverhalten umschlägt.
- 12:53Besonders hilfreich fand ich ja dieses Modell der 4 Phasen der
- 12:56King Identity Recovery, das Gabriel beschreibt.
- 13:00Das macht so deutlich, dass diese Selbstfindung ein Prozess
- 13:03ist, der Echtzeit braucht. Absolut.
- 13:07Dieses Modell kann wirklich helfen zu verstehen, wo man
- 13:10vielleicht gerade steht. Soll ich die kurz durchgehen?
- 13:13Ja, bitte. Also Phase 1 Monate 1 bis 12
- 13:17Verwirrung und Scham direkt nach dem Absetzen tauchen vielleicht
- 13:22nüchterne King Fantasien auf oder Erinnerungen Gedanken wie
- 13:26bin ich pervers, ist das noch die sucht man Google heimlich
- 13:30traut sich nicht zu reden klingt vertraut für viele
- 13:33wahrscheinlich dann Phase 2 Jahre 1 bis 3 vorsichtige
- 13:38Erkundung. Man fängt an, sich online zu
- 13:41informieren, liest King positives Material, probiert
- 13:45vielleicht erste Dinge allein oder sehr vorsichtig aus.
- 13:48Wissen hilft, die Scham langsam abzubauen, aber die Angst vor
- 13:53Verurteilungen ist noch groß. Phase 3 Jahre, 2 bis 5,
- 13:58Integration und Coming Out, langsam gewinnt man Klarheit
- 14:02über die eigenen Neigungen, beginnt vielleicht offener mit
- 14:05Partnern zu kommunizieren, sucht Anschluss an King Communities.
- 14:09Wagt vielleicht sogar ein selektives Coming Out in der
- 14:12Recovery Gruppe bei vertrauten Personen ein großer Schritt und
- 14:16dann Phase 4 ab 5 plus Jahren authentisches Leben und
- 14:20Advocissy die King Identität ist gut mit der Recovery Identität
- 14:25integriert, man lebt offen damit, führt vielleicht stabile
- 14:28King Beziehungen, gibt Erfahrungen weiter oder setzt
- 14:32sich sogar gegen Stigma ein, das zeigt schön den Weg von der
- 14:36anfänglichen Panik zur selbstbewussten Integration das.
- 14:39Genau das ist eine Kernbotschaft von Gabriel.
- 14:43Der Artikel legt dann ja auch großen Wert auf Risiken und das
- 14:47Thema Safer King. Was sind da die wichtigsten
- 14:50Punkte, gerade wenn man in Recovery.
- 14:51Ist Gabriel ist da sehr, sehr klar.
- 14:54Risiken gibt es auf mehreren Ebenen, physisch klar
- 14:58Nervenschäden bei fesselungen, Verletzungen bei Schlägen,
- 15:01Infektionen, psychisch emotional.
- 15:04Alte Traumata können getriggert werden.
- 15:07Oder es kommt zum sogenannten Sub oder Dom Drop, also einem
- 15:11emotionalen Tief nach intensiven Sessions.
- 15:14OK und sozial. Konflikte in Beziehungen, Stigma
- 15:17im Umfeld bis hinzu Job oder Sorgerechtsproblemen.
- 15:20Und die Antwort darauf ist dann Safer King.
- 15:23Genau, die bekannten Prinzipien sind SSC, Safe, sain concentual,
- 15:28also sicher bei Verstand und einvernehmlich Klassiker, oft
- 15:33ergänzt durch Arik Risk Aware, Concentual King also.
- 15:37Risikobewusster einvernehmlicher King und PRIC Personal
- 15:43Responsibility in Concentual King persönliche Verantwortung.
- 15:46Das klingt umfassend. Absolut zentral.
- 15:48Und das betont Gabriel immer wieder.
- 15:51Alle Beteiligten müssen während der Praxis nüchtern sein, völlig
- 15:55nüchtern und voll zustimmungsfähig.
- 15:57Keine Kompromisse da. Nein, und für Menschen in
- 16:00Recovery gilt zusätzlich Recovery First.
- 16:03Die eigene Genesung darf niemals gefährdet werden.
- 16:06Wichtig sind auch traumainformiertes vorgehen und
- 16:09die Suche nach einer unterstützenden Community.
- 16:11Idealerweise mit Substanzfreien angeboten nehme ich an.
- 16:14Genau. Praktisch heißt das, vorher
- 16:17alles genau aushandeln. Klare Sicherheitswörter, also
- 16:20Safewords vereinbaren, feste Pläne für die Nachsorge, die
- 16:24Aftercare haben. OK, noch ein kurzer Blick auf
- 16:27Recht und Gesellschaft, wie sieht es da in Deutschland aus,
- 16:29laut Artikel? Rechtlich ist die Lage relativ
- 16:32klar. Einvernehmliche BDSM Praktiken
- 16:35zwischen Erwachsenen sind in Deutschland grundsätzlich legal,
- 16:39auch wenn leichte Verletzungen entstehen.
- 16:41Grenzen gibt es aber schon. Ja klar, bei schwerer
- 16:44Körperverletzung in der Öffentlichkeit oder wenn
- 16:47Minderjährige beteiligt sind. Das Problem ist eher das soziale
- 16:51Stigma. Immer noch.
- 16:53Ja, Gabriel verweist auf Studien, wonach etwa 40% der
- 16:57Kingstar Diskriminierung erleben, im Job, beim
- 16:59Sorgerecht, im Gesundheitssystem.
- 17:02Viele Ärzte und Therapeuten sind da leider immer noch schlecht
- 17:04informiert. Traurig, aber wichtig zu wissen.
- 17:09OK, der Artikel schließt ja mit einigen sehr direkten Fragen im
- 17:12FAQ Stil, die sind bestimmt für viele Hörer relevant, gehen wir
- 17:15die mal durch. Gerne.
- 17:18Die erste ganz zentrale Frage sind meine Kings echt oder waren
- 17:23das nur die Drogen? Gabriels Antwort darauf,
- 17:27wahrscheinlich waren die Neigungen schon immer da, Drogen
- 17:30haben eventuell die Hemmschwelle gesenkt oder zu nicht
- 17:33authentischen Experimenten geführt, Gewissheit gibt nur die
- 17:36ehrliche, nüchterne Selbsterkundung über Zeit.
- 17:40OK, nächste Frage ist BDSM eine Ersatzsucht?
- 17:46Nicht automatisch, sagt Gabriel. Kings, sind erst mal sexuelle
- 17:50Präferenzen zur sucht wird es erst, wenn die Warnsignale
- 17:54zutreffen, die wir besprochen haben.
- 17:56Also zwangshaftigkeit, Toleranz, negative Konsequenzen.
- 17:59Genau das Gefühl ist zu brauchen, nicht nur zu wollen,
- 18:03wenn es immer extremer werden muss und das Leben darunter
- 18:06leidet. Kann ich kinky sein und in
- 18:08Recovery bleiben? Ein klares Ja von Gabriel.
- 18:12Argumentiert ja, dass die Kernprinzipien von Safer King,
- 18:15Einvernehmlichkeit, grenzen, Ehrlichkeit, Verantwortung sehr
- 18:20gut zu den Werten der Recovery passen.
- 18:22Man muss halt die richtige Umgebung finden, genau eine
- 18:25Umgebung und Partner, die beides unterstützen und respektieren.
- 18:29Woran erkenne ich, ob meine Kings zur Ersatzsucht werden?
- 18:32An den Red Flags, die wir hatten.
- 18:35Das Gefühl, es zu brauchen, statt nur zu wollen, zwang die
- 18:39Notwendigkeit, die Intensität ständig zu steigern.
- 18:42Toleranz und wenn andere Lebensbereiche nachweislich
- 18:45darunter leiden, Vernachlässigung OK, und dann
- 18:48noch zu 2 spezifischen, oft diskutierten Praktiken erstens.
- 18:53Ist bradplay OK in Recovery hier ist.
- 18:56Die Antwort im Artikel, ein unmissverständliches Fett
- 18:59gedrucktes Nein. Klipp und klar.
- 19:02Absolut zu gefährlich, zu hoher Rausch und Suchtfaktor,
- 19:06signifikantes Todesrisiko Gabriel sieht das klar außerhalb
- 19:09gesunder King Praxis. Kann ich extremes Painplay in
- 19:13Recovery machen? Da rät Gabriel zur äußersten
- 19:16Vorsicht wegen der starken Endorphinausschüttung kann es
- 19:19eben opiatähnliche Rauschzustände erzeugen.
- 19:22Der Suchtfaktor durch den körpereigenen Rausch.
- 19:25Genau, wenn der Fokus mehr auf diesem Heil liegt als auf der
- 19:29erotischen Interaktion und dem Konsens, dann ist die
- 19:32Suchtgefahr einfach groß. Dann sollte man die Finger davon
- 19:35lassen. So was nehmen wir also mit aus
- 19:37Gabriels sehr persönlichem und ja, detaillierten Artikel.
- 19:42Es ist komplex, keine Frage. Absolut.
- 19:45Kings sind statistisch normal. Sie können Teil einer
- 19:49authentischen, nüchternen Sexualität sein.
- 19:52Die Recovery kann sie sogar erst so richtig ans Licht bringen.
- 19:56Gleichzeitig besteht aber die sehr reale Gefahr, dass
- 19:58bestimmte Praktiken, vor allem die Rauscherzeugenden, zu einer
- 20:02neuen, gefährlichen Sucht werden.
- 20:04Die Werkzeuge, die Gabriel anbietet, sind im Grunde
- 20:07radikale Ehrlichkeit mit sich selbst.
- 20:10Was suche ich da wirklich? Dann wissen über Safer King,
- 20:13einvernehmlichkeit, Kommunikation, Nüchternheit?
- 20:17Genau das ist nicht verhandelbar, man muss lernen,
- 20:20die Warnsignale für Suchtverhalten bei sich selbst
- 20:23zu erkennen und ganz wichtig. Die Suche nach unterstützenden
- 20:26Menschen und Gemeinschaften, die beide Seiten akzeptieren.
- 20:30Ja, die Recovery und die sexuelle Identität respektieren
- 20:34und nicht gegeneinander ausspielen.
- 20:37Scham ist der Feind, betont Gabriel immer wieder, nicht die
- 20:40Präferenz an sich, solange sie einvernehmlich und nicht
- 20:43selbstzerstörisch gelebt wird. Integration ist das Ziel.
- 20:47Bevor wir zum Schluss kommen, noch ein wichtiger Hinweis von
- 20:50unserer Seite. Wenn dir dieser Beitrag hier
- 20:53gefallen hat und du die Arbeit von Neelix Berlin wertvoll
- 20:56findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine Unterstützung
- 21:00freuen. Du kannst ihm helfen, indem du
- 21:03diesen Beitrag vielleicht auf Social Media teilst oder diesen
- 21:06Podcast, den du gerade hörst, auf Plattformen wie Spotify oder
- 21:10Apple Podcasts bewertest und vielleicht ein Like da lässt.
- 21:13Das hilft enorm bei der Sichtbarkeit.
- 21:15Absolut. Das Projekt Neelix Berlin wird
- 21:18komplett allein von Gabriel finanziert und erstellt.
- 21:22Jede Form der Unterstützung hilft ihm dabei, mit diesem
- 21:25Projekt sich selbst und gleichzeitig anderen Betroffenen
- 21:29zu helfen. Sein persönliches Motto, das ihn
- 21:32antreibt, lautet ja, aus allem schlechten in seinem Leben etwas
- 21:36Gutes zu machen, ein starkes Motto.
- 21:39Ja, ein Gedanke, den du als Hörer vielleicht noch mitnehmen
- 21:43kannst. Gabriel beschreibt ja die
- 21:45Herausforderung, Gemeinschaften zu finden, die sowohl King
- 21:48positiv als auch Recovery unterstützend sind.
- 21:51Diese Schnittmenge ist oft klein.
- 21:53Leider ja. Was bedeutet es also für dich
- 21:56oder für andere, in ähnlichen Situationen vielleicht selbst
- 21:59aktiv zu werden, diese Brücken zu bauen oder vielleicht sogar
- 22:03neue Räume zu schaffen, in denen man ganzheitlich authentisch
- 22:06sein kann? Also nüchtern, sexuell
- 22:08selbstbestimmt, ohne einen Teil von sich verstecken zu müssen.
- 22:12Genau darum geht es. Ein wichtiger Gedanke zum
- 22:16Abschluss. Vielen Dank, dass du dir die
- 22:18Zeit genommen und uns zugehört hast bei dieser ja doch
- 22:22intensiven Auseinandersetzung. Ja, danke auch von mir.
- 22:26Pass gut auf dich auf und bis zum nächsten Mal.