Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Kann die AfD den MDR abschaffen?
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- 0:00Wir müssen wegkommen davon, dass wir hier eine vierte Gewalt in diesem
- 0:02Land haben. Diese mediale Desinformation, die uns untereinander ausspielt, das möchte ich
- 0:06nicht. Wir müssen zusammenhalten und deswegen auch weg mit dieser Rundfunkzwangsabgabe, Kündigung
- 0:10des Medienstaatsvertrags. Der Spitzenkandidat der AfD ist das vor gut einem Monat
- 0:18am 14. Juli 2026 in Dessau-Roßlau. Kritiker werten die Aussagen von
- 0:24Ulrich Siegmund als Frontalangriff auf die Pressefreiheit, auf private und öffentlich-rechtliche
- 0:31Medien, insbesondere den MDR. Die AfD stellt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk seit
- 0:37Jahren als einseitig dar, will in Sachsen-Anhalt den Rundfunkbeitrag abschaffen und
- 0:42aus dem MDR austreten. Ihre Idee ist laut Wahlprogramm ein sogenannter Grundfunk
- 0:48mit deutlich weniger Inhalten. Das Ganze soll über Steuern und Werbung finanziert
- 0:54werden. Und damit sind wir auch schon mittendrin im Thema dieser besonderen
- 0:58Ausgabe, denn es geht um die medialen Träume der AfD im Fall
- 1:03einer möglichen Alleinregierung. Schließlich will die Partei in Sachsen-Anhalt, sollte sie
- 1:07die Wahl gewinnen, den MDR-Staatsvertrag kündigen, der die Grundlage ist für
- 1:12die Arbeit des MDR. Im 100-Tage-Programm der Partei ist das
- 1:16direkt der allererste Punkt. Außerdem wird beispielsweise im Wahlprogramm das freie Radio
- 1:21Korax aus Halle explizit von der AfD genannt und deren Förderung in
- 1:26Frage gestellt. Wir schauen uns das in dieser Episode einmal genauer an
- 1:30und dröseln auf: Was wünscht sich die rechtsextreme AfD in Sachsen-Anhalt?
- 1:35Wie sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen? Und was könnte das konkret für den
- 1:39Mitteldeutschen Rundfunk bedeuten? Wir, das sind in dieser Ausgabe Rabea Schlotz, die
- 1:43einige detektor.fm-Hörerinnen und Hörer vielleicht noch vom sehr erfolgreichen Grundgesetz-
- 1:47Podcast kennen. Im Zuge ihrer Arbeit hat sie sich in den letzten
- 1:50Jahren so intensiv wie nur wenige Journalistinnen und Journalisten mit den verfassungsmäßigen
- 1:54Grundlagen beschäftigt und übrigens auch mit den Drohungen der AfD gegen den
- 1:58öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die ja so ähnlich auch schon mal vor zwei
- 2:02Jahren in Thüringen aufgetaucht sind oder aktuell fast identisch auch in Mecklenburg
- 2:06Vorpommern vorgetragen werden. Ich bin Christian Bollert, leite hier beim Podcast Radio
- 2:10detektor.fm das Projekt Dazwischen und beschäftige mich beruflich, das kann man
- 2:14so sagen, wirklich fast jeden Tag mit Medien, Journalismus und Medienpolitik. Es
- 2:19geht also in dieser Episode um sehr große, das Grundgesetz betreffende Fragen
- 2:23und ihr hört Dazwischen. Christian, du beschäftigst dich für diese Episode ja
- 2:37nun seit einigen Wochen schon mit den Drohungen der AfD gegen Medien
- 2:40und insbesondere gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Du hast es schon angesprochen:
- 2:45Im 10-Punkte-Programm der Partei für Sachsen-Anhalt steht direkt an
- 2:48erster Stelle: Rundfunkstaatsverträge kündigen. Eine konkrete Alternative bietet die Partei bisher
- 2:55nicht an. Im Wahlprogramm ist lediglich die Rede von einem modernen, transparenten
- 3:00Mediensystem, das der ursprünglichen Idee der medialen Grundversorgung gerecht wird. Zitat Ende.
- 3:06Wie das genau aussehen soll, bleibt jedoch unklar. Nur so viel ist
- 3:11klar: Die AfD will den Rundfunkbeitrag abschaffen, eine Finanzierung durch Steuergelder prüfen
- 3:16und einen eigenen Grundfunk einführen. Der soll wohl weder Sport noch Unterhaltung
- 3:22enthalten. Gleichzeitig will die AfD in Sachsen-Anhalt aber auch mehr Eigenverantwortung
- 3:27für den Mitteldeutschen Rundfunk. Die Forderungen sind also durchaus widersprüchlich, wie ich
- 3:32finde. Was hat dich bei der Recherche denn am meisten überrascht? Ja,
- 3:36also diese Widersprüchlichkeit in Bezug zum MDR, die fällt wirklich auf, ohne
- 3:39Frage. Zum einen wollen sie aus dem MDR austreten, zum anderen wollen
- 3:42sie aber auch mehr Eigenverantwortung des MDR. Passt irgendwie nicht so ganz
- 3:45zusammen. Und die Verfasser des Wahlprogramms, die lieben ganz offensichtlich Ausrufezeichen. Ich
- 3:50glaube aber, es ist vor allem, was mir aufgefallen ist, die Ernsthaftigkeit
- 3:54und die wirklich intensive Beschäftigung mit dem Thema. Denn niemand, mit dem
- 3:58ich gesprochen habe, nimmt das auf die leichte Schulter. Das mag auch
- 4:01an den medienpolitischen Erfahrungen der letzten Jahre liegen, die wir in den
- 4:04USA, in Polen oder auch in Ungarn erlebt haben und die vermutlich
- 4:07ja auch viele unserer Hörerinnen und Hörer mitbekommen haben. Alle Experten und
- 4:11Akteure, mit denen ich jetzt gesprochen habe, sind wirklich sehr besorgt und
- 4:15sehen in den Wahlkampfdrohungen der AfD eine echte Gefahr für die Medienfreiheit
- 4:19und damit letztendlich, das muss man so sagen, auch für die Demokratie.
- 4:22Vor ein paar Tagen bin ich beispielsweise beim MDR-Intendanten Ralf Ludwig
- 4:26auf dem MDR-Gelände in Leipzig zu Gast gewesen. Und er zieht
- 4:29eine ziemlich große historische Linie bis zur friedlichen Revolution 1989. Also es
- 4:35ist schon aus meiner Sicht sehr verblüffend, dass 36 Jahre nach einer
- 4:40deutschen Wiedervereinigung eine Partei so radikal die Axt an einen Grundstein der
- 4:46Demokratie legt und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ich nenne es mal so,
- 4:49abschaffen will. Denn nach meiner Wahrnehmung bedeutet genau das, was die AfD
- 4:54angekündigt hat, nämlich im Falle eines Wahlerfolges mit einer absoluten Mehrheit die
- 5:01Rundfunkstaatsverträge, einschließlich des Medienstaatsvertrages und des MDR-Staatsvertrages, kündigen zu wollen. Und
- 5:07nach meiner Wahrnehmung wollen sie ein völlig anderes System errichten und damit,
- 5:15wie gesagt, die Axt wirklich sehr radikal an einen Grundstein der Demokratie
- 5:19legen. Und ohne jetzt ein juristisches Proseminar abzuhalten: Aber der öffentlich-
- 5:24rechtliche Rundfunk ist ja nach dem Zweiten Weltkrieg auch schon in der
- 5:27heutigen Form mit den Rundfunkbeiträgen gegründet worden. Geht also auch noch viel
- 5:30weiter zurück als zur friedlichen Revolution. Und das wurde damals deswegen gemacht,
- 5:35um eine staatliche Kontrolle wie unter den Nationalsozialisten zu verhindern. Deshalb ja
- 5:40auch die Beteiligung der Bundesländer, damit eben nichts einfach so im Alleingang
- 5:43geht. Laut Bundesverfassungsgericht soll die Finanzierung über den Rundfunkbeitrag ermöglichen, dass der
- 5:49Rundfunk nicht ausschließlich von Werbung, Abonnements, Quoten oder einzelnen Eigentümern abhängig ist.
- 5:56So haben sie damals entschieden. Gleichzeitig verpflichtet die Rundfunkfreiheit zu staatsferner journalistischer
- 6:02Unabhängigkeit und Vielfalt. Der Staat soll also nicht bestimmen, was gesendet wird.
- 6:08Das soll die Demokratie schützen. Ja, und die Bedrohung der Demokratie, die
- 6:12fürchtet übrigens auch Lennart Laude. Lennart Laude, muss man sagen, ist Jurist
- 6:16und hat schon im Vorfeld der Thüringen-Wahl 2024 gemeinsam mit seinen
- 6:20Kolleginnen und Kollegen vom Verfassungsblock mal die Bedrohung der Demokratie durch autokratische
- 6:24Parteien untersucht und veröffentlicht haben sie ihre Ergebnisse dann im sogenannten Thüringen-
- 6:29Projekt. Lennart Laude ist damals für die Bedrohung der Medien und insbesondere
- 6:33des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zuständig. Und dabei stößt er darauf, dass der
- 6:37für den MDR zuständige Vertrag in Thüringen vom Ministerpräsidenten sehr einfach mit
- 6:43nur einer Unterschrift gekündigt werden kann. Für ihn damals ein sehr merkwürdiger
- 6:47Moment. Das war eine Mischung aus wissenschaftlicher Freude, dass man da ein
- 6:56Szenario entdeckt hat, was rechtlich möglich ist, und Erschrecken, wie einfach das
- 7:01tatsächlich möglich ist. Weil wir uns angeguckt haben, welche Szenarien bevorstehen könnten,
- 7:09wenn eine autoritäre Partei, und als solche haben wir auch die AfD
- 7:13eingeordnet, in einem deutschen Land staatliche Machtmittel an die Hand bekommt. Und
- 7:18da haben wir dann als eines der Szenarien identifiziert, dass es so
- 7:23ist, dass Staatsverträge zwar im Parlament durch Gesetz auch beschlossen werden müssen,
- 7:29dass es ein Umsetzungsgesetz geben muss, dass aber eine Kündigung eines Staatsvertrages
- 7:35durch die Landesregierung und in den meisten Ländern einfach vertreten durch den
- 7:41Ministerpräsidenten allein entschieden werden kann, ohne Beteiligung des Parlaments. Dass also ein
- 7:46gewählter Ministerpräsident einer autoritären Partei am ersten Tag nach seiner Wahl oder
- 7:53noch am Tag seiner Amtseinführung in der Lage wäre, den Staatsvertrag einseitig
- 7:58zu kündigen. Ich kann mich an die Debatten damals auch noch ganz
- 8:03gut erinnern, weil ich vor zwei Jahren anlässlich des 75-jährigen Jubiläums
- 8:06des Grundgesetzes die zweite Staffel unseres Grundgesetz-Podcasts in guter Verfassung gemacht
- 8:11habe. Und da habe ich unter anderem auch mit zwei Machern und
- 8:14Macherinnen vom Thüringen-Projekt gesprochen. Es hat damals so gewirkt, als ob
- 8:18diese Gefahr vielen Entscheiderinnen und Entscheidern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk bis dahin
- 8:23gar nicht so richtig bewusst gewesen ist. Täuscht der Eindruck? Christian? Nee,
- 8:27ich glaube, da hast du durchaus recht. Und ich habe für diese
- 8:29Episode hier auch mit dem juristischen Direktor des MDR, mit Jens Ole
- 8:32Schröder gesprochen. Und er ist da in diesem Punkt erfrischend offen. Denn
- 8:36ich habe ihn gefragt, ob sie sich denn beim MDR erst durch
- 8:39die Veröffentlichung des Thüringen-Projekts oder auch vorher schon so intensiv mit
- 8:42einer möglichen Kündigung dieser Verträge beschäftigt haben. Nein, wir haben uns seitdem
- 8:47so intensiv damit beschäftigt. Es gab durchaus den Anlass, sich mit Fragen
- 8:53von Staatsvertragskündigungen zu beschäftigen, als der MDR-Staatsvertrag novelliert wurde, weil da
- 9:00Thüringen darauf Wert gelegt hat, unter der damaligen Regierung, dass eine sehr
- 9:05kurze Kündigungsfrist für die erstmals mögliche Kündigung an den Tag gelegt wurde.
- 9:09Aber, und das ist ein ganz wichtiger Unterschied, der rechtlich auch eine
- 9:14enorme Bedeutung hat: Diese Überlegungen zur Kündigung damals waren politisch konstruktiver Art,
- 9:21dergestalt, dass der Freistaat Thüringen bestimmte medienpolitische Überlegungen hatte, diese gegenüber den
- 9:28anderen Ländern mit dieser Positionierung durchsetzen wollte. Das war politisch rational. Das
- 9:33kann man bewerten, wie man mag, aber es ist politisch rational. Und
- 9:36deswegen ist es etwas völlig anderes als das, was jetzt an den
- 9:40Tag gelegt wird. Das, was die AfD ankündigt und umsetzen will, ist
- 9:45eine Tabula Rasa-Kündigung. Die wollen das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem, so wie
- 9:50es gewachsen ist in der Bundesrepublik, wie es auf sicherer verfassungsrechtlicher Grundlage
- 9:56steht, wollen sie torpedieren. Ist es aus Ihrer Sicht irrational? Weil wenn
- 10:00Sie sagen, das andere war rational, es ist vermutlich im Kontext derer,
- 10:07die die Forderungen aufstellen, ein Stück rational, aber im Hinblick auf das,
- 10:11was wir an politischen Spielregeln und ihrer Einhaltung gewohnt sind in diesem
- 10:15Land, ist es nicht rational. Du hast ja vorhin die Gefahr für
- 10:25die Demokratie angesprochen, die nach Einschätzungen ja eigentlich fast aller ernst zu
- 10:29nehmenden Verfassungsrechtlerinnen und Verfassungsrechtler droht, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk so massiv
- 10:34umgebaut wird. Und da ist auch der Aktivist Arne Semsrott von der
- 10:38Informationsplattform Frag den Staat, mit dem ich 2024 vor der Thüringenwahl für
- 10:43den Grundgesetzpodcast auch schon mal über die möglichen Folgen gesprochen habe. Und
- 10:47daran sieht man vielleicht auch, wie lange sich diese Problematik schon zusammenbraut,
- 10:51deswegen erwähne ich das auch nochmal extra. Auf jeden Fall sieht Arne Semsrott
- 10:54in den Drohungen der AfD zwei zentrale Gefahren für die Demokratie.
- 10:59Zum einen ist der subtile Druck natürlich da, und er ist jetzt
- 11:02schon da, dass also die kritische Nachfrage nicht mehr passiert, dass eine
- 11:10nicht normale, verfassungsfeindliche Partei jetzt schon so behandelt wird, als sei sie
- 11:15eine normale Partei. Das ist eine enorme Gefahr, weil dann der kritische
- 11:18Journalismus still und leise unter die Räder gerät. Aber ganz konkret ist
- 11:23natürlich zusätzlich noch die große Gefahr, dass Sachsen-Anhalt dann austritt aus
- 11:29dem Rundfunkstaatsvertrag, dass tatsächlich ein Staatsfunk neu gebildet wird, dass wir dann
- 11:37eben nicht mehr das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben und Leute
- 11:43dann auf eine Art wieder Westfernsehen sehen müssen. Das hat er im
- 11:49Sommer 2026 im Interview für Dazwischen gesagt. Der MDR-Intendant Ralf Ludwig
- 11:54sieht in den Vorschlägen der AfD ja auch Parallelen zu den gesteuerten
- 11:58Medien in der DDR. Und das ist schon wirklich interessant, weil ja
- 12:01die AfD in Sachsen-Anhalt auch gerne mal behauptet, die heutigen Medien
- 12:05seien staatlich gelenkt, so wie in der DDR. Die Fakten sind da
- 12:09übrigens sehr eindeutig. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist nicht ansatzweise
- 12:13mit dem Staatsfunk der DDR vergleichbar. Ralf Ludwig vom MDR sieht aber
- 12:17vor allem auch Parallelen zu Ländern wie Polen oder Ungarn, wo ja
- 12:22autokratische Parteien nach dem Wahlsieg dann sehr schnell den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
- 12:26zu einem Staatsfunk umgebaut haben. Wenn Sie mich fragen, klingt dieses Programm
- 12:31der AfD für mich persönlich genau so. Man will hier ein wirklich
- 12:37über 75 Jahre gelebtes Rundfunksystem hier in Sachsen-Anhalt abschaffen. Man will
- 12:45Tabula Rasa machen, ohne zu wissen, wie ein neues System aussehen kann.
- 12:50Und es geht auch nicht darum, wahrscheinlich ein neues System zu installieren.
- 12:52Man will Bestehendes einfach zerstören. Und wenn Sie mich so fragen, müssten
- 12:57eigentlich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, auch in Sachsen-Anhalt, die Alarmglocken
- 13:01läuten. Und es sieht ja auch so aus, als ob es nicht
- 13:03so einfach ist, so etwas wieder aufzubauen. Das sehen wir in Polen,
- 13:05sehen wir in Ungarn. Geht nicht so schnell, wenn es einmal kaputt
- 13:08ist. Wenn es einmal kaputt ist, kaputt gemacht ist, schnell wieder aufgebaut
- 13:11dauert lange und vor allen Dingen, es kostet dann umso mehr. Und
- 13:16es werden wieder dann die Menschen in Sachsen-Anhalt Schultern antragen müssen.
- 13:20Tabula Rasa ist ganz offensichtlich für die Führungsebene des MDR aus ihrer
- 13:24Sicht die treffendste Beschreibung dieser Bedrohung, denn diesen Begriff hört und liest
- 13:28man immer wieder. Und auch in meinen Gesprächen mit dem juristischen Direktor
- 13:32und dem Intendanten ist dieses Wort immer wieder aufgetaucht. Dann lass uns
- 13:42doch einmal schauen, wie sich die Verantwortlichen beim MDR auf eine mögliche
- 13:46Regierungsbeteiligung der AfD und die Drohungen vorbereiten. Ja, sehr gern, denn die
- 13:51Folgen für die Menschen in Sachsen-Anhalt, die wären ohne Frage ziemlich
- 13:55spürbar. Denn bei einem Austritt aus dem MDR würden beispielsweise Programme wie
- 14:00das Radio MDR Sachsen-Anhalt oder auch die Fernsehsendung Sachsen-Anhalt Heute
- 14:04einfach wegfallen. Und ich habe mir mal den letzten verfügbaren Geschäftsbericht des
- 14:09MDR angeschaut und kommen lassen. Und demnach arbeiten für den MDR allein
- 14:13in Sachsen-Anhalt gut 300 Festangestellte. Da sind die vielen hundert freien
- 14:19Mitarbeitenden noch gar nicht eingerechnet. Wir sprechen hier also über vielleicht mehrere
- 14:23hundert, möglicherweise sogar fast tausend Menschen, die direkt vom MDR leben. Und
- 14:29außerdem ist der MDR ja auch noch mit einem klaren Millionenbudget für
- 14:33viele andere Firmen und Menschen in Sachsen-Anhalt, beispielsweise aus der Kreativwirtschaft,
- 14:37ein echt wichtiger Auftraggeber. Also ein Austritt aus dem MDR, der ja
- 14:43momentan tatsächlich noch für drei Bundesländer Programm macht, der wäre für Sachsen
- 14:47Anhalt wirklich auch wirtschaftlich eine Zäsur. Was viele vermutlich nicht wissen, weil
- 14:52es eher so rundfunkpolitisches Nerdwissen ist: Ende der 70er Jahre hat
- 14:56schon einmal ein Bundesland einen Rundfunkstaatsvertrag gekündigt. Gemacht hat das 1978 der
- 15:02CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Gerhard Stoltenberg. Damals ging es um den
- 15:07Norddeutschen Rundfunk, also den NDR. Und das Bundesverwaltungsgericht hat sich dann 1980
- 15:13mit der Kündigung beschäftigt. Im Urteil heißt es, dass der NDR als
- 15:17Drei-Länder-Anstalt durch die Kündigung eines Landes nicht aufgelöst ist. Und
- 15:22am Ende haben sich Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein nach dem juristischen
- 15:26Druck auf einen neuen NDR-Staatsvertrag geeinigt. Wie ist denn die Lage
- 15:30im Sommer 2026? Da betrifft es auch drei Länder. Ja, und das
- 15:35ist durchaus vergleichbar. Und deswegen gucken sich auch gerade die Juristinnen und
- 15:38Juristen das ziemlich genau an, diesen Fall des Norddeutschen Rundfunks, auch weil
- 15:42es ja auch ein Urteil gibt, das Bundesverwaltungsgericht, so hat es angesprochen,
- 15:46was zumindest in einigen Punkten auch Orientierung geben kann. Die MDR-Führung
- 15:50ist für den Fall einer Kündigung des MDR-Staatsvertrages da sehr klar
- 15:54und deutlich. Denn gegen eine solche Kündigung wird der MDR klagen. Daran
- 15:59lässt MDR-Intendant Ralf Ludwig keine Zweifel. Das werden wir mit großer
- 16:03Wahrscheinlichkeit tun. Es hängt natürlich jetzt davon ab, wie dann eine Kündigung
- 16:07aussieht. Wenn Sie mich fragen, nach dem, was ich so höre und
- 16:12lese, klingt das alles ein bisschen nach Tabula Rasa. Es geht auch
- 16:16nicht darum, hier einzelne Dinge zu verändern. Es geht wirklich darum, ein
- 16:20komplettes Mediensystem abschaffen zu wollen, ohne konkrete Kenntnisse zu haben, wie es
- 16:27eigentlich danach weitergehen soll. Dazu muss man sagen, dass der Landtag von
- 16:31Sachsen-Anhalt im Frühjahr mit den Stimmen aller Parteien außer der AfD
- 16:35die Hürden für eine Kündigung des MDR-Staatsvertrages erhöht hat. Etwas, was
- 16:39in Thüringen zum Beispiel vor der Landtagswahl nicht mehr passiert ist. Und
- 16:42der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt kann dadurch nicht mehr einfach alleine mit
- 16:45einer Unterschrift kündigen. Es braucht dafür die Zustimmung des Parlaments. Was im
- 16:50ersten Moment jetzt vielleicht wie so eine kleine Formalie klingt, weil ja
- 16:53die Regierung in der Regel auch die Mehrheit im Parlament hat, ist
- 16:56für den Juristen Lennart Laude vom Verfassungsblock trotzdem ein wichtiges Zeichen. Das
- 17:02hat den Vorteil, dass das den politischen Parteien, aber auch der Öffentlichkeit
- 17:07letztlich die Bühne öffnet, dass das diskutiert werden kann, dass Vor-
- 17:11und Nachteile abgewogen werden und dass so eine Entscheidung nicht in einer
- 17:15Nacht-und-Nebel-Aktion umgesetzt wird und alle davon überrumpelt sind, sondern
- 17:19dass es einen gewissen Vorlauf gibt, Zeit für Deliberation im Parlament. Zugleich
- 17:26muss man aber auch deutlich sagen: Wenn es eine parlamentarische Mehrheit gibt,
- 17:30die Einschätzung ist, dass die Rundfunkstaatsverträge, insbesondere der Medienstaatsvertrag, in seiner
- 17:37Form gekündigt werden sollte, dann kann diese Mehrheit das auch tun, so
- 17:41wie es jetzt in Sachsen-Anhalt vorgesehen ist. Aber es ist eben
- 17:45ein parlamentarischer Prozess vorgeschaltet. Die Hoffnung von Lennart Laude ist also, dass
- 17:50eine solche Kündigung dann quasi in aller Öffentlichkeit stattfinden würde und nicht
- 17:53einfach nur im Ministerpräsidentenbüro. Ja, genau, das ist sein Argument, also dass
- 17:57dann im Prinzip alle hingucken. Und das muss man vielleicht auch nochmal
- 18:00klarstellen: Keine andere im Landtag vertretende Partei fordert die Abschaffung des öffentlich-
- 18:04rechtlichen Rundfunks, was übrigens gar nicht heißt, dass nicht fast alle anderen
- 18:08Parteien auch Reformideen haben, gerade beispielsweise auch die CDU in Sachsen-Anhalt.
- 18:12MDR-Intendant Ralf Ludwig skizziert mal die Folgen einer möglichen Kündigung durch
- 18:16den Landtag in Sachsen-Anhalt. Dann würde die Kündigung zum 31.12.
- 18:21mit Wirkung zum 31.12. 2028 wirksam werden. Das heißt, im MDR
- 18:26gäbe es in Sachsen-Anhalt noch mindestens zwei weitere Jahre. Die Kündigung
- 18:32würde eine sogenannte Austrittskündigung bedeuten. Das heißt, das Land Sachsen-Anhalt steigt
- 18:36aus dem Mitteldeutschen Rundfunk aus. Den Mitteldeutschen Rundfunk wird es weiterhin geben,
- 18:41dann allerdings noch getragen von Thüringen und Sachsen. Ganz so schnell
- 18:46wird es dann also nicht gehen. Es würde noch zwei Jahre das
- 18:50bisherige Angebot des MDR geben. Und in diesem Szenario könnte Sachsen-Anhalt
- 18:54also frühestens zum 1. Januar 2029 wirksam aus dem MDR austreten. Gleichzeitig
- 19:01hätte die Landesregierung in einem solchen Fall lediglich zwei Jahre Zeit, um
- 19:04eine Alternative für Sachsen-Anhalt aufzubauen, die den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts entspricht.
- 19:10Wo liegen denn die Knackpunkte eines solchen Szenarios? Ja, da gibt es
- 19:14gleich mehrere Knackpunkte. Also einer ist sicher, dass es garantiert im MDR
- 19:19selbst ordentlich Unruhe geben dürfte, wenn es so eine Kündigung gibt. Und
- 19:22dann muss man aber auch sagen, ist es eine enorm schwierige Aufgabe,
- 19:26in so kurzer Zeit ein neues funktionierendes System aufzubauen, also einen neuen
- 19:30öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur für Sachsen-Anhalt. Denn da gibt es ja
- 19:33wirklich viele, viele Anforderungen. Und viele Experten bezweifeln, dass das günstiger sein
- 19:38kann als der aktuelle Betrieb des MDR. Und es gibt aber auch
- 19:42zwei, ich sag mal, zentrale juristische Knackpunkte, die ziemlich umstritten sind: Der
- 19:46Rundfunkbeitrag und das Recht für Sachsen-Anhalt zu senden. Fangen wir mal
- 19:51mit dem juristischen Direktor des MDR, mit Jens Ole Schröder, und dem
- 19:54für viele ja so emotionalen Rundfunkbeitrag an. Also da haben wir eine
- 19:59ganz besondere Situation, die sich kurioserweise aus der Situation ergeben hat, dass
- 20:062020, als die Länder einen Staatsvertrag über die Anpassung des Rundfunkbeitrages geschlossen
- 20:13haben, Sachsen-Anhalt als einziges Land diesen Staatsvertrag nicht zur Ratifizierung ins
- 20:20Parlament gegeben hat. Damit ist dieser Staatsvertrag nicht zustande gekommen. Und es
- 20:26blieb bei dem Rundfunkbeitrag, wie er von der KEF als nicht mehr
- 20:31ausreichend gesehen wurde. Deswegen sind wir damals, wir die Sender, vor das
- 20:36Bundesverfassungsgericht gegangen. Das Bundesverfassungsgericht hat das Verhalten Sachsen-Anhalts seinerzeit als verfassungswidrig
- 20:42klar klassifiziert und hat etwas ganz Wichtiges getan. Es hat nämlich von
- 20:48einer Möglichkeit Gebrauch gemacht, die es selten in Betracht nimmt, nämlich sich
- 20:53selber an die Stelle des Gesetzgebers zu setzen und durch eine Vollstreckungsanordnung
- 20:58den Beitrag, wie er eigentlich gewesen wäre, wenn Sachsen-Anhalt zugestimmt hätte,
- 21:03mit allen anderen Ländern, wie er dann gewesen wäre, nämlich die 1836
- 21:08in Kraft zu setzen. Und die haben mit dieser Vollstreckungsanordnung auch eine
- 21:12Bedingung verbunden. Wir haben gesagt, diese Vollstreckungsanordnung gilt so lange, bis alle
- 21:16Länder in ihrer Verantwortungsgemeinschaft für die Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einen
- 21:22neuen Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag an die Stelle gesetzt haben. Und das heißt Folgendes für
- 21:26das Szenario, über das wir hier sprechen: Wenn der Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag gekündigt würde,
- 21:32da steht heute noch 1750 drin, nämlich die alte, vor der Entscheidung
- 21:36des Bundesverfassungsgerichts geltende Höhe. Wenn dieser Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag gekündigt würde, könnte der Beitrag
- 21:44damit nicht gekündigt werden, denn die Beitragshöhe ist allein durch das Bundesverfassungsgericht
- 21:49festgesetzt. Und dieser Akt des Bundesverfassungsgerichts kann durch eine Kündigung eines Landes
- 21:55nicht tangiert werden, sodass wir die Situation haben, dass erst einmal dieser
- 22:01Beitrag in der vom Bundesverfassungsgericht festgesetzten Höhe durch eine Kündigung nicht tangiert
- 22:07würde. Das heißt, Ihrer Auffassung nach müssten dann die Menschen, die in
- 22:12Sachsen-Anhalt leben, weiterhin einen Rundfunkbeitrag zahlen? Ja, auch nach der Kündigung.
- 22:18Ja, denken Sie, dass das möglicherweise auch noch mal Gegenstand von Klagen
- 22:25oder juristischen Auseinandersetzungen sein könnte? Davon gehe ich aus. Und genau hier
- 22:29wird es juristisch knifflig. Lennart Laude vom Verfassungsblock. Da habe ich aus
- 22:34rechtlicher Sicht eine andere Einsetzung. Der Hintergrund ist, dass die Landesparlamente bei
- 22:40der Entscheidung über die letzte Erhöhung der Rundfunkbeiträge, die die Kommission dafür
- 22:46vorgeschlagen hat, nicht zugestimmt haben. Wie Sie eben angesprochen haben, hat Sachsen
- 22:50Anhalt damals schon nicht zugestimmt. Und das Bundesverfassungsgericht hat dann eine Entscheidung
- 22:55getroffen und letztlich diese Erhöhung trotzdem in Kraft gesetzt. Das hat als
- 23:00Übergangsentscheidung gesagt, das ist verfassungsrechtlich angezeigt. Und das Land Sachsen-Anhalt
- 23:04hat nicht in verfassungsrechtlich zulässiger Weise das blockiert. Allerdings, wenn man die
- 23:12Entscheidung liest, ist aus meiner Sicht klar, dass das Bundesverfassungsgericht einen Übergangszustand
- 23:16regeln wollte, nämlich bis es ein neues, wirksam verabschiedetes Gesetz gibt. Und
- 23:24aus meiner Sicht wäre es so, dass wenn Sachsen-Anhalt die Entscheidung
- 23:27treffen würde, neben dem Medienstaatsvertrag auch den Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag zu kündigen und einen
- 23:33Nachfolger schafft, also ein Gesetz, was eine neue Anstalt für das Land
- 23:38schafft und auch die Finanzierung regelt, dann ist dieser Übergangszustand weggefallen. Das
- 23:43Bundesverfassungsgericht hat eine Entscheidung auf eine begrenzte Zeit getroffen. Und
- 23:48wenn dieser Zustand wegfällt, dann meine ich, dass ein Land die Hoheit hat, auch
- 23:53trotz dieser Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts die Rundfunkfinanzierung anders zu regeln. Also das
- 23:59scheint so, als ob es dann wirklich Gerichte entscheiden müssten. Du hast
- 24:03aber noch einen zweiten Punkt angesprochen, nämlich das Recht, weiter Inhalte für
- 24:08Sachsen-Anhalt zu machen. Wie muss ich mir das denn vorstellen? Ja,
- 24:11das ist auch durchaus spannend. Denn nehmen wir mal an, wenn Sachsen
- 24:14Anhalt wirklich zum 1. Januar 2029 aus dem MDR austritt, dann würde
- 24:18der MDR nach Auffassung des MDR alle Mitarbeitenden, alle bestehenden Infrastrukturen, wie
- 24:24zum Beispiel Sendemasten und beispielsweise auch seine Funkhäuser in Magdeburg oder auch
- 24:29in Halle behalten. Da stellt sich ja die Frage, was der MDR
- 24:32dann damit macht. Zu den Überlegungen des MDR, Jens Ole Schröder, der 00:24:36.000 --> 00:24:40.000 Juristische Direktor: In dem Moment, wo die Kündigungsfrist ausläuft und die Kündigung
- 24:40wirksam wird, gäbe es keinen gesetzlichen Auftrag mehr, dass wir verpflichtet wären,
- 24:47in Sachsen-Anhalt für Sachsen-Anhalt ein Programm zu machen. Gleichwohl ist
- 24:51aber im Rahmen der Entscheidungen innerhalb der Rundfunkfreiheit, die uns zustehen, Programme
- 24:57zu machen. Können wir mit Kolleginnen und Kollegen, die wir mit ihrer
- 25:01Kompetenz vor Ort haben, aus Sachsen-Anhalt und auch für Sachsen-Anhalt
- 25:06berichten. Natürlich müsste man das dann anders strukturieren und konstruieren, aber das
- 25:11ist möglich. Das kann uns keiner verbieten. Würden Sie das machen? Das
- 25:14kann uns keiner verbieten. Diese Entscheidungsoption ist da, und die müssten wir
- 25:18dann zu gegebener Zeit treffen. Und auch in diesem Punkt widerspricht übrigens
- 25:22Lennart Laude vom Verfassungsblock. Das ist eine sehr schwierige Frage, wie die
- 25:27Sendeberechtigung eines Rundfunksenders in dem Land aussehen würde, wenn es den Staatsvertrag
- 25:33gekündigt hat. Aus meiner Sicht, bei einer rein rechtlichen Betrachtung, sprechen die
- 25:39besseren Argumente dafür, dass der MDR nicht mehr in Sachsen-Anhalt senden
- 25:43dürfte und jedenfalls sein Programm nicht mehr spezifisch oder fokussiert auf Sachsen
- 25:48Anhalt ausrichten dürfte. Dann fassen wir das doch nochmal zusammen: Die AfD
- 25:58hat für den Fall einer Regierungsbeteiligung die Kündigung des MDR-Staatsvertrags und
- 26:03damit den Austritt aus dem MDR angekündigt. Und das hat die AfD
- 26:07übrigens auch für die anderen Staatsverträge angekündigt, die das ZDF, die ARD
- 26:11und das Deutschlandradio betreffen. Das würde jedoch den Rahmen dieser Episode hier
- 26:15ein bisschen sprengen. Unabhängige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Leute vom Verfassungsblock
- 26:20und die Führung des MDR, haben sich in den vergangenen Monaten mit
- 26:24den Folgen einer solchen möglichen Kündigung auseinandergesetzt und sich darauf im Fall
- 26:29des MDR vorbereitet. Eine wirklich große Koalition aus CDU, SPD, Linkspartei, Bündnis
- 26:3590, die Grünen und FDP hat im Frühjahr im Landtag dafür gesorgt,
- 26:39dass das Parlament in Magdeburg über eine mögliche Kündigung entscheiden und der
- 26:43Prozess damit öffentlich stattfinden muss. Du hast am Anfang angesprochen, Christian, dass
- 26:49dir die Ernsthaftigkeit aller Beteiligten aufgefallen ist. Wie schauen denn die Leute,
- 26:53mit denen du gesprochen hast, auf den Tag der Landtagswahl? Ja, also
- 26:57ich glaube, alle sind besorgt, dass in Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl
- 27:00möglicherweise zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Teil unserer
- 27:04Demokratie, nämlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk, ernsthaft politisch beschädigt werden könnte. Und
- 27:10Jens Ole Schröder zum Beispiel hat vor seiner Zeit als juristischer Direktor
- 27:13im MDR in der sächsischen Verwaltung und auch in der Medienpolitik Erfahrung
- 27:17gesammelt. Er kennt also hitzige Debatten, harte Auseinandersetzungen über Medienpolitik, den Rundfunkbeitrag
- 27:23logischerweise auch oder auch Einsparungen. Haben Sie jemals solch fundamentale Fragen auf
- 27:30dem Tisch gehabt wie jetzt gerade? Nein, das ist schon ein besonderer
- 27:35Moment. Das ist schon wirklich besonders. Es geht hier nicht um das,
- 27:39was ich in der Tat aus mehreren Perspektiven meiner bisherigen Tätigkeit kenne,
- 27:43dass man medienpolitisch durchaus sehr kontroverse Standpunkte ausverhandelt und dann zu einer
- 27:50gemeinsamen Haltung der Länder kommt. Und ich habe das immer so empfunden,
- 27:54dass das, was manchmal als etwas schwerfällig gesehen wird, diese Einigung von
- 27:5916 Ländern auf Staatsverträge, dass das dazu führt, dass man haltbare Kompromisse
- 28:06findet. Dass man Kompromisse findet, die über ganz unterschiedliche medienpolitische Standpunkte die
- 28:13Länder vereinen und dass die dann tragfähig sind. Dass also das, was
- 28:17staatsvertraglich dann mal vereinbart ist, auch verlässlich hält. Und wir erleben jetzt
- 28:22eben eine Zeit, in der das so nicht mehr gewährleistet scheint. Und
- 28:28das ist natürlich eine Risikolage, mit der wir uns sehr genau auseinandersetzen
- 28:32müssen. Für Lennart Laude vom Verfassungsblock hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine
- 28:37zentrale Aufgabe für das Funktionieren der deutschen Demokratie. Aus meiner Sicht, ja.
- 28:43Und aus meiner Sicht auch gerade in der jetzigen Zeit. Man betont
- 28:48ja immer gern, wie schnelllebig die Medienlandschaft und die Demokratie geworden ist. Und
- 28:53ich glaube, gerade da ist so ein Kontinuum von Sendern, die langjährige
- 28:59Erfahrung haben und auch irgendwie die Fähigkeit haben, dass sie nicht darauf
- 29:04angewiesen sind, aufgrund von Werbefinanzierung möglichst viele Klicks zu generieren und nur
- 29:11auf Aufmerksamkeit zu gehen, sondern die staatsfern finanziert sind über Beiträge und
- 29:16auch die Möglichkeit haben, längerfristige Recherchen zu machen, investigativ zu untersuchen. Dass
- 29:23diese Institution als solche gerade jetzt von elementarer Bedeutung ist. Wobei ich
- 29:29auch der Meinung bin, dass das System als solches und die Ausgestaltung
- 29:34der Anstalten als solches an einigen Stellen reformbedürftig ist, was ja, glaube
- 29:38ich, auch ganz viele Personen in diesem System und in den Anstalten
- 29:42selber sagen. Aber die Institution als solche ist, glaube ich, gerade jetzt
- 29:47essentiell. Dem MDR-Intendanten Ralf Ludwig macht in der aktuellen Situation übrigens
- 29:52vor allem sein persönliches Umfeld Mut. Ich habe noch zu vielen Menschen
- 29:56aus meinem ersten Berufsleben sehr starken Kontakt und bin mit denen im
- 30:00Gespräch. Und das gibt mir immer die Hoffnung, dass man auch solche
- 30:03schweren Zeiten, wie sie jetzt vor uns liegen, wieder neu gestalten kann.
- 30:07Man kann sich einbringen. Und glauben Sie es mir, der Mensch ist
- 30:10nicht umsonst der Mensch. Menschen reden miteinander. Und ich sage immer, es
- 30:14ist besser, miteinander zu reden, als übereinander zu reden und Vorurteile hinten
- 30:17anzustellen. Und das gelingt meistens im Gespräch. Und deswegen gehen wir auch
- 30:21aus in die Fläche. Ich sage immer meinen Kollegen: Kollegen, wir müssen
- 30:24noch viel, viel mehr vor Ort sein, die Menschen vor Ort abholen,
- 30:27den Menschen vor Ort ein Gehör geben, ein Gesicht geben, sie mit
- 30:30ihren Ängsten und Nöten ernst nehmen, das im Programm widerspiegeln. Denn wenn
- 30:35nicht wir, wer denn sonst, kann der Politik tief Fragen stellen, die
- 30:38die Bürgerinnen und Bürger auch in den tiefen Regionen bewegen? Und deswegen
- 30:43bin ich so optimistisch, dass wir auch hier weiterhin in eine gute
- 30:46demokratische Zukunft schauen können, auch in Sachsen-Anhalt. Bei der Landtagswahl am
- 30:566. September in Sachsen-Anhalt geht es auch um die Zukunft des
- 31:00öffentlich-rechtlichen Rundfunks, vor allem des MDR. Und das darf man nicht
- 31:04unterschätzen. Das ist ein Angriff auf die Demokratie, für die freie Medien
- 31:07einfach unabdingbar sind. Denn wenn der Staat einzelnen Medien den Saft abdreht,
- 31:12ist das ziemlich gefährlich für uns alle. Wer noch mehr über die
- 31:16Drohungen der AfD gegen das von dir am Anfang angesprochene freie Radio
- 31:19Korax aus Halle erfahren will, der sollte unbedingt den aktuellen Dazwischen-Newsletter
- 31:24lesen. Genau so ist es, denn darin gibt es ein Interview mit
- 31:26der Vereinsvorsitzenden von Radio Korax, Feline Lewek. Der Sender steht ja
- 31:31kurioserweise neben dem MDR und der Landesmedienanstalt als einzige Institution namentlich im
- 31:37Wahlprogramm der AfD. Den Weg zum Newsletter verlinken wir euch natürlich in
- 31:42den Shownotes. Regelmäßige Hörerinnen und Hörer unseres Podcasts wissen, dass wir neben
- 31:47dem großen Thema der Woche immer auch eine Heldin oder einen Helden
- 31:51des Alltags oder einen Lieblingsort vorstellen. Nachdem Sven Schulze in der letzten
- 31:56Folge den Leuten bei der Freiwilligen Feuerwehr gedankt hat, ist es diesmal
- 32:00eine Sprachnachricht von Franzi aus Wittenberg. Ich bin Franzi aus Wittenberg. Mein
- 32:05aktueller Lieblingsort in Sachsen-Anhalt ist der Bergwitzsee. Hier verbringen wir als
- 32:10Familie sehr gerne Zeit miteinander und genießen dann das klare Wasser und
- 32:17die vielen Badestellen, die es dort gibt. Und letztens haben wir uns
- 32:21auch den Sonnenuntergang abends angeschaut. Hier kann man auch sehr gut Urlaub
- 32:25machen, wenn man länger bleiben möchte, und kann sich z. B. ein
- 32:28Ferienhaus mieten oder auch campen. Apropos Sprachnachricht: Folgt doch gern auch unserem
- 32:35WhatsApp-Kanal, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Der ist ganz
- 32:38neu und wir werden auch dort immer mehr. Und ihr könnt uns
- 32:41eben beispielsweise Sprachnachrichten schicken, wenn ihr denn wollt. Den direkten Link zum
- 32:45WhatsApp-Kanal findet ihr in den Shownotes und auf detektor.fm. Ich
- 32:51persönlich freue mich ja immer besonders, wenn ihr uns beim dezentralen sozialen
- 32:55Netzwerk Mastodon folgt. Da findet ihr uns als dazwischen@social.detektor.fm. Kommende Woche sind dann auch Marie und Katja wieder zurück. Und
- 33:06nachdem wir uns zuletzt so viel mit der AfD und der CDU
- 33:09beschäftigt haben, schauen wir einmal auf die kleinen Parteien, also Linke, SPD,
- 33:14Grüne und FDP. Den Anfang machen die Grünen und die FDP, die
- 33:18ja beide um den Wiedereinzug in den Landtag kämpfen. Auch das wird
- 33:21sicher eine ganz spannende Episode. Empfehlt dazwischen, egal ob als Podcast, Newsletter,
- 33:26WhatsApp-Kanal oder Mastodon-Account, doch gern einer Freundin oder einem Freund,
- 33:30denn das hilft uns hier als Team am meisten weiter. Bei Fragen,
- 33:34Anmerkungen oder Kritik schreibt uns auch gerne eine Mail an dazwischen@detektor.fm,
- 33:38dazwischen@detektor.fm. Und ganz wichtig, weil es immer
- 33:43mal wieder vorkommt: detektor mit K, detektor.fm. Und dann bleibt mir
- 33:47nur noch, dir Rabia, Danke zu sagen und euch da draußen eine
- 33:51gute Woche zu wünschen. Das wünsche ich euch auch. Und auch dir
- 33:54danke, Christian, für die Einladung. Bis bald. Dieser Podcast ist eine Kooperation
- 34:05von detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast Hosts: Marie Landes
- 34:10und Katja Schmidt. Podcast Redaktion: Leonard Schubert. Cover Design: Claudia Dölling und
- 34:17Anja Krämer von Sisters of Design. Originalmusik: Florian Sievers. Audio Produktion: Benjamin
- 34:24Serdani, Stanley Baldorf und Tim Schmutzle. Projektleitung: Christian Bollert.