Latest / BZ am Ohr / "Handyverbot" an Schulen? Mediencoach Clemens Beisel erklärt, was das bringt - und was nicht
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- Und das wäre für mich übrigens nochmal ein Argument für Handyverbote an Schule, weil in den Pausen hätten Kinder Zeit für soziale Aktionen mit Gleichaltrigen. Ja, ohne Handy in der Hand. Man sieht ja auch oft diese Grüppchen von Teenagern stehen, wo eigentlich keiner mit dem anderen redet, sondern höchstens sagt, schau mal. Und das Argument für Handyverbote an Schulen wäre für mich zum einen das Thema digitale Ablenkung vermeiden, wenn es nicht sein muss. Und wir hätten dort einen Schutzraum, wo Kinder zusammen lernen können, wo Kinder zusammen spielen können, wo Kinder zusammen auch mal noch ein bisschen bildschirmfreie Zeit verbringen können. Das haben leider viele Kinder zu Hause kaum noch. Zeit ohne Bildschirm. Ich glaube, davon haben wir ehrlich gesagt alle zu wenig. Trotzdem schauen wir heute mal genauer hin, was an Schulen so abgeht. Erstens, weil kürzlich die Kultusministerin von Baden-Württemberg, Theresa Schopper, angekündigt hat, die Handynutzung an Schulen eingrenzen zu wollen. Damit ist kein Handyverbot gemeint, auch wenn das umgangssprachlich so gesagt wird. Es geht darum, so hat es mir ein Pressesprecher des Kultusministeriums gesagt, den Schulleitungen eine Art Backing zu geben, damit sie über ihre Schulordnung strengere oder überhaupt Regeln verhängen. Naja, und zweitens reden wir natürlich darüber, weil wir das alle kennen. Handys lenken uns ab, bei allem, was wir tun, von Social Media ganz zu schweigen. Für Kinder kann das aus unterschiedlichen Gründen fatal sein. Das habt ihr gerade von Clemens Beisel gehört. Er ist Sozialpädagoge und besucht pro Schuljahr 60 bis 70 Schulen aller Art in ganz Baden-Württemberg. Dort redet er mit Schülerinnen und Schülern, mit den Lehrkräften und auch mit den Eltern über Smartphones und Medienkonsum. Übrigens auch eine spannende Folge, wenn ihr keine Kids im Schulkindalter habt. Ihr werdet euch hier und da wiedererkennen und auf jeden Fall was mitnehmen. Schön, dass ihr zuhört. Ich bin Lisa Böttinger und das ist BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. Herzlich willkommen, Clemens Beisel bei BZ am Ohr. Wie schön, dass wir uns wieder mal hören. Herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich. Ja, es geht heute ums Handyverbot, was kein Handyverbot ist. Darüber haben wir gerade schon kurz gesprochen. Jetzt in den letzten Wochen haben wir alle vom Thema Handyverbot in den Medien gelesen. Auch bei der Badischen Zeitung. De facto geht es einfach, sage ich mal, um strengere Regeln an den Schulen, was den Umgang mit Handys angeht. Und da sind sie ja ganz nah dran. Als Trainer und Coach und Mensch, der digitale Elternabende auch gibt und eben auch jeden Tag ja an Schulen unterwegs ist. Das interessiert mich eigentlich so zum Anfang am allermeisten, wenn Sie täglich an Schulen unterwegs sind, ja mit den Schülerinnen und Schülern auch über die eigene Handynutzung reden und auch sehen, wie die LehrerInnen das so hinbekommen, die Handynutzung, sage ich mal, zu reglementieren. Was kriegen Sie da mit? Wie ist der Handyumgang an Schulen? Wo hapert es und was macht das Ganze für einen Eindruck aktuell? Wie lange habe ich Zeit, um diese Frage zu beantworten? Also wir sind so bei einer halben Stunde im Podcast aktuell. Ich hätte aber noch ein paar andere Fragen. Okay, alles klar. Also das Problem ist sehr, sehr vielschichtig. Was denkt die Gesellschaft drüber, was ein Handyverbot ist? Was kann eine Schule als Handyverbot überhaupt umsetzen? Inwiefern sind Eltern und SchülerInnen überhaupt bereit, einem Handyverbot zuzustimmen und sollte man fünf Klässler genauso behandeln wie OberstufenschülerInnen. Also da kommen ganz, ganz viele Sachen aufeinander. Ich bin persönlich auch dafür, dass man es schafft, eine Handynutzung an der Schule zu regulieren. Und ich bin pro Schuljahr an 60 bis 70 verschiedenen Schulen. Also ich mache 250 bis 300 Workshops mit SchülerInnen pro Schuljahr. Und ich sehe da schon sehr, sehr viel. Ich, je älter die Schülerinnen und Schüler sind, desto mehr reflektieren die auch selber ihre Handynutzung und sagen, boah, eigentlich wäre es schon nicht schlecht, wenn wir das Ding weglegen könnten oder wenn wir so ein Safe Space vielleicht auch mal hätten, wo wir nicht ans Handy, wo wir nicht ständig das Gefühl hätten, dass was Neues auf dem Handy sein kann. Also das reflektieren manche Schülerinnen und Schüler schon auch. Bei den Lehrkräften, finde ich, da sprechen sich viele für ein Handyverbot aus, aber wie sieht denn die Umsetzung von einem Handyverbot an der Schule aus? Also ich hatte vor kurzem ein Gespräch mit einer Lehrkraft, die gesagt hat, naja, ich habe eigentlich keine Lust mehr ständig von meinen Schülerinnen belogen zu werden. Ich muss das Handyverbot auf dem Schulhof kontrollieren und dann sehe ich jemanden, der das Handy in der Hand hat und dann spreche ich sie an und dann sagen die, naja, ich war ja nur kurz in der Schul-Cloud oder auf Untis und habe nach dem Stundenplan geguckt, Das heißt, die Lehrkraft hat gesagt, ich habe so tolle Schülerinnen und Schüler und dann werde ich in der großen Pause belogen, weil ich vermute oder weil ich auch oft gesehen habe, dass sie eigentlich was anderes gemacht haben, was sie nicht machen dürfen. Die Fünfklässler berichten mir, dass sie in der großen Pause nicht aufs Klo gehen können, weil da die oberstuften Schüler auf dem Klo sitzen und die Toiletten blockieren, weil sie dort halt nicht so streng kontrolliert werden, weil keine Lehrkraft Lust hat, jetzt auch noch die Toiletten zu kontrollieren, wer da gerade am Handy ist. Also das ist konkret eine Schule, wo quasi, also weil Handyverbot ist ja eben, haben Schulen ja sozusagen partiell können die das umsetzen. Also die können ja nicht verbieten, dass man das Handy mit in die Schule nimmt, aber die können per Schulordnung ihre eigenen Regeln erlassen. Und das machen sie alle ein bisschen unterschiedlich. Was die jetzt gerade meinen, ist, wenn die sagen, okay, in der Pause ist es verboten und weiß ich nicht, auf dem Gang im Klassenzimmer, dann kommt halt das Klo zum Einsatz. Genau, ja. Ja, und bei den Lehrkräften ist es schon auch so, dass ich ja dann auch ein Lehrerkollegium bräuchte, das an einem Strang zieht. Also wo ich weiß, dass jeder Lehrer die gleiche Regel durchsetzt. Es ist schwierig, wenn ich ein Lehrerkollegium mit 60 bis 80 Lehrkräften habe, mich wirklich auf jeden, also dass ich wirklich bei jedem genau die gleiche Haltung zu dem Thema habe, wie handhaben wir die Handynutzung bei uns an der Schule. Und wo sich aber die meisten Schulen eigentlich sehr, sehr einig sind. Und was ich finde, was in der Öffentlichkeit auch immer wieder zusammengeworfen wird, bloß weil eine Schule sagt, wir wollen eine Handyregelung haben oder ein Handyverbot haben, heißt es ja nicht, dass eine Schule sagt, wir brauchen keine Medienkompetenz oder wir brauchen keine Workshops zum Thema Mediennutzung, zum Thema Medienbildung. Also da sind sich ja alle einig. Das bloß, weil man nicht möchte, dass sich SchülerInnen während dem Unterricht digital ablenken, dass man nicht sinnvolle Sachen mit dem Handy machen kann oder die dann auch einsetzt, wenn Bedarf ist oder wenn man mit den jungen Menschen daran arbeiten möchte, reflektierter und gesünder damit umzugehen. Das ist ein riesiges, komplexes Thema, finde ich, das oft über einen Kamm geschaut wird und dann finde ich es schwierig, wie es manchmal diskutiert wird. Wenn wir jetzt konkret in den Schulalltag schauen, Sie sind ja eben an vielen Schulen unterwegs, auch vielen unterschiedlichen, muss man auch sagen. Also von Grundschule über alle Schulformen, auch eine Werkreal, eine Realschule, ein Gymnasium, ganz egal, privat, staatlich. Was sind denn so aktuell die Regeln, die Ihnen so geläufig sind in Bezug auf Handy an verschiedenen Schulen? Also Holzkästchen, wo man alle Handys abgibt und so weiter. Was gibt es da noch? Und welche erweisen sich vielleicht Ihrer Meinung nach als sinnvoll? Also ein Handyverbot oder so eine Handyregelung, irgendeine Regelung hat jede Schule zu dem Thema. Die Frage ist immer, wie wird es halt umgesetzt? Handyboxen, Handytresore, Handykästen sehe ich in der Praxis tatsächlich nach wie vor relativ wenig. Warum? Weil es oft auch so einen versicherungstechnischen Aspekt hat. Also wer ist dafür verantwortlich, wenn ein Handy kaputt geht? Wenn Schulen das haben, dann machen die das hauptsächlich auf freiwilliger Basis. Also dass die Schülerinnen und Schüler freiwillig entscheiden dürfen, ob das Handy in eine Box gelegt wird oder nicht. Eine richtige Verpflichtung habe ich bisher an dieses Schuljahr, an einer Schule erst erlebt, wo es einen Tresor gibt in ihrem Klassenzimmer, wo die Handys reinkommen. Ansonsten ist es so, ihr könnt es dort vorne reinmachen, ihr müsst es aber nicht zwingend. Das ist so das eine und Handy-Regelungen an sich finde ich zum Beispiel eine coole Regelung, wenn man auch die Fünfklässler nicht genauso behandelt wie die Oberstufen oder die Mittelstufenschüler. Also dass man sagt, naja, die Oberstufe darf in dem Oberstufenaufenthaltsraum in ihren Freistunden am Handy sein, fände ich voll okay oder wäre jetzt was, wo ich eine sinnvolle Lösung finde, aber auf den Gängen und in den Klassenzimmern ist die Handynutzung tabu für alle. Und wenn ich eine Schule sehe, wo das gut funktioniert, dann sind es Schulen, die das sehr, sehr transparent von Anfang an, vom ersten Schultag an, Klasse 5, den Eltern auch so mitgeben, weil wo ich schon ein großes Problem mittlerweile sehe, ist, dass es viele Eltern gibt, die nicht wollen, dass ihr Kind nicht erreichbar ist. Und nicht erreichbar stimmt ja eigentlich nicht, weil es gibt ja überall ein Sekretariat, darüber dass die kinder erreichbar sein könnten wenn was wichtiges ist aber ich erlebe leider auch echt einige unvernünftige eltern die dann trotzdem dem sohn oder dem dem töchterlein eine whatsapp nachricht schicken wann hast du heute schule aus oder was möchtest du heute mittag essen oder wann bist du endlich zu hause und dann ist natürlich super schwierig für ein kind nicht aufs handy zu schauen wenn sie wissen dass mama und papa als auch geschrieben haben könnten genau Also wenn die Regeln gut funktionieren, dann muss es ein Lehrerkollegium sein, das an einem Strang zieht, eine Elternschaft, die auch mitgenommen wird, die weiß, wenn was ist, ist ein Sekretariat erreichbar, wo ich dann mein Kind erreichen kann und wo man mit den Kindern eben auch über den Sinn und den Unsinn von Handynutzung in der Schule schon diskutiert hat. Also denen jetzt von oben herab so diese Regeln aufzudrücken, ab jetzt ist euer Handy für immer tabu. Nee, man muss mit den Kindern schon auch darüber sprechen und mit denen auch bearbeiten, in welchen Situationen ist es sinnvoll, mal ein Handy zu haben und wo ist es vielleicht aber auch einfach ein Störfaktor. Jetzt haben Sie mir im Vorgespräch gesagt, als wir so ein bisschen über das Für und Wider von einem Handyverbot in Anführungsstrichen gesprochen haben, dass die Debatte, die uns allen noch im Kopf ist, strengere Regeln, Handyverbot, Kultusministerium will. Ja, will da einen Riegel vorschieben, sage ich es mal, sinngemäß. Da habe ich bei Ihnen so ein bisschen Wut rausgehört, sage ich mal, zumindest, also unter den Satz, ich übertrage den jetzt mal in meine Sprache. Die, die da jetzt gerade drüber reden, haben eigentlich keine Ahnung davon, was an den Schulen abgeht. Korrigieren Sie mich bitte, wenn das jetzt zu krass ist, aber was ist genau Ihre Kritik? Also meine Kritik ist, wie kann es im Alltag umgesetzt werden? Und ich bin momentan auch an dem Punkt, dass ich sage, ich würde ein Handyverbot an Schulen unterstützen, weil ich durch meine Workshops, und da gucke ich ja genau mit den Schülerinnen und Schülern drauf, weil ich halt sehe, dass sich viele Kinder und Jugendliche durchs Handy ablenken lassen, auch im Unterricht. Und das kann weder im Sinne der Kinder noch im Sinne der Schule sein. Das ist so das eine, aber man muss sich auch überlegen, wie sieht denn die Realität aus? Also kann ich jetzt von der Lehrkraft wirklich erwarten, in jeder kleinen Pause die Toiletten zu kontrollieren? Unterscheide ich wirklich nicht zwischen Kindern in der 5. Klasse und Kindern in der 10., 11., 12. Klasse, also Jugendlichen dann oder jungen Erwachsenen schon? Gebe ich denen die gleichen Regeln wie in der 5. Klasse oder wie sogar in der Grundschule? Also ich finde, je älter junge Menschen sind, desto mehr muss man auch an ihre Selbstverantwortung und an ihre Selbstkontrolle appellieren und sie da auch mitnehmen. Und dieses große Schild Handyverbot. Da muss man echt mal in die Schule reingehen und sich die ganzen Problemchen, die da dranhängen, anschauen. Und ich finde auch, dass da ein großer Faktor die Eltern sind. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es viele Eltern gibt, mehr oder weniger verlangen, dass ihre Kinder ständig erreichbar zu sein sollen und das ist, das finde ich eine Schwierigkeit. Ich hatte jetzt vor kurzem an der Schule, da haben sich die Lehrkräfte geweigert, mit den Kindern wegzufahren, weil die Eltern unbedingt wollten, dass die Kinder den ganzen Tag ihr Handy haben sollen im Schulantreiben. Das ist ein großes Thema, ja. Ja, genau und die Lehrkräfte haben gesagt, das wollen wir nicht. Also abends eine Stunde, dann sind die Kinder erreichbar und das sollte eigentlich reichen, in der 6. Klasse wäre das glaube ich gewesen. Und dann hat diese Fahrt ins Landschulheim nicht stattgefunden, weil man sich nicht auf eine gemeinsame Regelung einigen konnte. Es gibt so viele Details, auf die man da gucken muss. Handyverbot ist schnell gesagt, aber die praktische Umsetzung ist extrem schwierig. Und es gibt nicht umsonst Pausen. Und wenn dann die Lehrkräfte auch in den Pausen nur noch dabei sind, wie ein Polizist durchs Schulgebäude zu laufen und das zu kontrollieren, ist auch schwierig. Meine Kollegin war vor kurzem auf der Didakta. Da hat sie mit einem Unternehmen gesprochen, die verkaufen Störsender für Schulen. Also dass man einfach keinen Empfang hat an der Schule. Die wirkliche Situation, wenn es um solche Störsender geht, kenne ich nicht, aber das finde ich auch ganz schön gewagt. Die haben gesagt, in ihrem Onlineshop sind die Störsender ausverkauft. Also da kommen echt ganz verrückte Geschichten mittlerweile raus. Ja, ist vielleicht auch für den einen oder anderen Erwachsenen gar keine so dumme Idee. ist es ja nicht so, dass wir als Erwachsene irgendwie weniger Probleme mit der Smartphone-Nutzung hätten, dass die nicht auch ins Toxische geht. Also vielleicht zwei Punkte zu dem, was Sie gesagt haben. Das eine mit der Unterscheidung, was Sie kritisieren würden an dem Vorstoß zwischen Fünftklässlern und zum Teil ja Berufsschülern auch. Also da ist diese Frage habe ich dem Kultusministerium gestellt. Da ist schon eine Unterscheidung auch vorgesehen. Also denen ist klar, dass sie jetzt nicht sagen können, wir scheren euch alle über einen Kamm. Also beispielsweise in einer Berufsschule können wir auch Menschen sitzen haben, die haben schon eigene Also das ist eine ganz andere Dimension. Und das andere Thema sind natürlich die Eltern. Also sie machen ja auch die digitalen Elternabende. Was ist denn die Stimmung, sage ich mal, bei den Eltern, wenn man so ein Thema Handy-Einschränkungen in der Schule anspricht? Weil vielen ist ja durchaus auch bewusst, dass da mit dem Handy viel... Bullshit-Einzug hält in die Gehirne ihrer Kinder? Also auf meinen Elternabend erlebe ich da relativ wenig Gegenwehr. Weil wer kommt denn zu einem Elternabend? Da kommen natürlich die wohlgesonnenen, die Medienbildung möchten. Genau, ja. Und denen ist sehr wohl bewusst, dass es sinnvoll wäre, wenn Kinder nicht in jeder Sekunde digital abgelenkt werden könnten. Das ist so das eine. Aber wenn ich mir jetzt halt alle Eltern in einem Vortrag wünschen könnte und die wären auch alle da, dann wäre das definitiv so, dass wir dort einige Eltern sitzen hätten, die sagen würden, sie können meinem Kind nicht verbieten, ein Handy in der Schule zu nutzen. Das ist Privateigentum und und und. Und deswegen ist die Diskussion auch so schwierig, finde ich. Das ist keine heterogene Masse, weder in der Elternschaft noch in der Lehrerschaft. Ich hatte letzte Woche auch eine Lehrerin, zu der ich gesagt habe, sie soll bitte nicht durch ihren Instagram-Feed scrollen, während ich mit den Schülern über gesunde Mediennutzung im Unterricht spreche. Also auch solche Situationen erlebe ich. Deswegen habe ich gerade vorhin auch gesagt, auch Lehrerkollegien sind nicht homogen. Auch in einem Lehrerkollegium mit 60 bis 80 Lehrkräften habe ich nicht nur Lehrkräfte, die sagen, wir brauchen jetzt eine strenge Regulierung des Handys. Und ich kann schon auch ein Stück weit Gegenpositionen von Handyverboten verstehen. Zum einen, weil wie ist es denn kontrollierbar? Das ist so das eine. Das ist schwierig. Die Probleme habe ich gerade vorhin schon dargestellt. Das ist kaum kontrollierbar. Und zum anderen ist es, wann lassen sich Schüler, Schülerinnen und Schüler vom Handy ablenken? Wie langweilig ist der Unterricht, dass Schüler ständig zum Handy greifen? Also ich finde schon auch, dass wir insgesamt drauf schauen müssen, dass wir als Lehrkräfte, also ich nehme mich jetzt als Lehrkraft mit rein mit meinen Workshops, ich bin ja aber kein Lehrer, sondern Sozialpädagoge, aber was bieten wir Schülerinnen und Schülern im Unterricht an? Ich glaube auch Unterricht muss sich ein Stück weit verändern, muss auch digitaler werden, muss interessanter werden, muss die Kinder an einem anderen Punkt abholen. Und dann ist das Problem vielleicht auch gar nicht mehr so groß und wir müssen gar nicht mehr so viel über Handyverbote diskutieren. Aber da muss sich jeder auch ein Stück weit an die eigene Nase greifen, wie gut man das in der Praxis dann umsetzen kann. Werbung, Entdeckt die Digitale Badische Zeitung und ihr bekommt das neue iPad für 0 Euro dazu. Mit BZ Digital Premium lest ihr die BZ im Original-Layout und das schon ab 22 Uhr des Vorabends. Dieses Angebot gilt nur für Neukunden bis zum 4. Mai 2025. Unter mehr.bz-angebot findet ihr das Angebot. Das neue iPad gibt es für 0 Euro zur Bestellung dazu. Werbung Ende. Ja, wie geht es denn generell den Kindern und Jugendlichen, weil sie ja mit denen auch Workshops machen, wo es dann darum geht, zum Beispiel zu reflektieren, wie viele Stunden verbringe ich eigentlich am Tag auf TikTok, auf Instagram und so weiter. Über TikTok reden wir gleich noch im Speziellen. Und ich erinnere mich an einen, ich meine, LinkedIn-Post von Ihnen, wo Sie so ein Foto gepostet hatten, wo den Jugendlichen die Frage gestellt wurde, ich weiß es nicht mehr sinngemäß, wie ginge es euch denn, wenn ihr jetzt mal einen Tag ohne Social Media, also ihr wüsstet, niemand ist auf Social Media, ihr habt einen Tag Pause so ungefähr und es ging eigentlich in aller Regel allen viel besser und es war ihnen auch total klar und das haben sie auch genauso kommuniziert. Also gibt es denn eine Meinung, ich kenne die Meinung des. LandesschülerInnenbeirats, die sehen das kritisch, wenn die Handynutzung an Schulen weiter eingeschränkt werden soll, aber so vom Stimmungsbild her, was sie mitbekommen an den Schulen, ist den Kids und den Jugendlichen schon bewusst, dass es ihnen nicht gut tut? Oder nicht? Vielen ist es bewusst. Also ich stelle, das ist das, was sie hinaus möchten. Es ist eine Mentimeter-Umfrage, die ich mit älteren Schulklassen mache. Da frage ich, stell dir vor, du hast seit 14 Tagen kein Social Media mehr. Was glaubst du, wie es dir gehen würde? Deutlich besser, besser, gleich. Schlechter oder deutlich schlechter. Also die haben fünf Auswahlmöglichkeiten. Und es ist meistens so, dass sich zwei Drittel bei besser oder deutlich besser positionieren. Weil sie sagen, ich wäre weniger abgelenkt, ich hätte mehr Zeit, die ich mit Freundinnen und Freunden verbringen könnte. Ich würde wahrscheinlich auch ein bisschen mehr für die Schule machen und vor allem, komme ich, oder was sie dann auch benennen ist, dass sie öfters mal negative Gedanken bekommen durch das, was sie halt auf TikTok oder Instagram sehen, dann kommt man in so ein Vergleichsmechanismus, in so ein Vergleichen rein, warum ist deren Leben so viel besser als meins? Da haben wir jetzt ja gerade den nächsten schlimmen TikTok-Trend, der rumgeht, wo es um Schönheitsideale wieder geht. Also bist du wirklich skinny? Also so ein Skinny-Trend, der jetzt gerade wieder anfängt groß zu werden, wo es wieder um Body Mass Index und um Figur und um wann bist du dünn genug geht. Und natürlich, wenn ich jeden Tag zwei, drei Stunden in einem sozialen Netzwerk verbringe und ich tendenziell Dinge sehe, mit denen ich mich vergleiche gleich und dann merkt, dass ich nicht normschön genug bin, dass ich nicht so schlank bin, wie die schlank sind und und und, dann hat das natürlich auch einen Einfluss auf meine psychische Gesundheit oder kann das einen Einfluss auf meine psychische Gesundheit, mein Wohlbefinden haben. Und das ist tatsächlich ein sehr, sehr wichtiges Thema, das mit Schülerinnen und Schülern auch mal so anzusprechen. Weil ich da schon auch das Gefühl habe, das machen nicht alle Eltern zu Hause mit ihren Kindern, und das finde ich auch ein ganz wichtiger Teil der Medienbildung, der heutzutage in Schulen stattfinden muss, mit Kindern eben da auch drauf zu schauen und zu gucken, was ist da los, wie könnt ihr damit gesund umgehen, was wäre ein besserer Umgang damit, wie könnt ihr das reflektieren, wo könnt ihr euch aber auch Unterstützung holen, wenn ihr Beratung braucht, wenn es euch schlecht geht. Ja, das sagen viele Jugendliche, dass es ihnen besser gehen würde ohne. Ist es denn generell, wenn wir, weil wir immer sagen, Handy, Handy, böses Handy, böses Smartphone, ist denn das Smartphone das Problem oder sind es nicht vielmehr einfach die sozialen Medien. Also der Grund, warum wir darüber reden, dass Handys an Schulen weniger benutzt werden sollten, im Idealfall, da kann man ja viele Gründe nennen. Also die Aufmerksamkeitsspanne generell, Bei Menschen, die Handys nutzen, aber natürlich bei Jugendlichen ganz besonders, weil sie sie viel nutzen, die sinkt, weil wir eben gewohnt sind, kurze, schnell geschnittene Videos zu konsumieren und alles, was ein bisschen mehr neuronalen Aufwand braucht, wird halt eher so, boah, zu lang, zu viel, habe ich keine Kapazität mehr für, wird so wahrgenommen. Es gibt Cybermobbing, es gibt Inhalte zu Gewalt, Pornografie, Rassismus. Da kann man gar nicht mehr aufhören, was sich da alles findet. Was ist denn in der Kombination Schulkind oder Teenager und Smartphone wirklich so schlimm, dass wir jetzt drüber reden müssen? Ist es das Smartphone an sich oder sind es einfach die sozialen Medien? Es ist die Summe aus beidem. Also die Handys haben sich weiterentwickelt und die sozialen Netzwerke haben sich weiterentwickelt. Da arbeiten tagtäglich die besten Psychologinnen und Psychologen Hand in Hand mit den besten IT-Lehrerinnen, um die Apps süchtig machender zu machen, um auch die Performance der Geräte zu steigern. Und ich sage in Elternabenden oft so, geben sie ihrem Kind ein iPhone 6 oder ein Galaxy S5, dann brauchen sie sich keine Sorgen über eine zu hohe Bildschirmzeit machen, weil die Geräte halt nicht so toll sind. Weil die so lame sind. Ja, weil die sind kein Statussymbol, sie sind nicht so beliebt, weil sie halt nicht das Neueste sind und sie funktionieren halt auch nicht so gut wie die neuen Geräte. Und das ist so das eine. Und das andere ist, dass in den Apps unglaublich viele kundenbindende Mechanismen drin sind. Man könnte auch sagen, abhängig machende Mechanismen und die werden von Tag zu Tag besser gemacht. Also ich meine, da muss ja jeder Erwachsene oder fast jeder Erwachsene muss ja nur in sein Handy schauen, auf seine eigene Bildschirmzeit. Wenn die Geräte uns schon fesseln, die ja eigentlich schon. Selbstreflektierter sind und sich auch besser kontrollieren können. Aber wenn das selbst Erwachsene ständig in den Band zieht, was erwarten wir denn von Kindern und Jugendlichen? Wie soll es die denn nicht in den Band ziehen? Und wie soll es die denn nicht stundenlang davor sitzen lassen, wenn es nicht eingeschränkt wird? Also es ist die Kombination an beiden. Und es wird von Tag zu Tag schwieriger und härter. Und die Unternehmen, denen ist das ja egal, aus welchem Grund ein Kind in einem sozialen Netzwerk ist. Also wenn TikTok halt merkt, Und ich halte einen jungen Menschen mit solchen Videos über diesen Skinny-Trend im Feed, also in der App. Dann zeige ich der Person halt mehr Videos aus diesem Feed an. Und wenn ich merke, ich kann sie eher mit Fußball begeistern, dann zeige ich dem Kind halt nur noch Fußball-Videos an. Aber die Bildschirmzeit steigt. Und egal, wie die Bildschirmzeit zustande kommt, das sind alles, wenn ich das zusammenrechne, dann ist es Zeit, in denen der junge Mensch nichts anderes macht. Oder wenig anderes macht. Und wenn wir dann halt über Bildschirmzeiten von 5, 6, 7, 8 Stunden sprechen, heute Morgen komme ich aus zwei fünften Klassen an einem Gymnasium, da war der höchste Wert bei 9 Stunden im Schnitt pro Tag. Wenn ein Kind 9 Stunden im Schnitt pro Tag am Handy ist, dann hat es weniger Zeit für Hobbys, für Freundinnen und Freunde, für rechtzeitig ins Bett gehen, für gemeinsames Essen mit der Familie etc. Pp. für Hausaufgaben, für Lernen, keine Ahnung. Also dann bleibt einfach zu wenig Zeit für andere Dinge, die eben auch wichtig sind. Und das wäre für mich übrigens nochmal ein Argument für Handyverbote an Schule, weil in den Pausen hätten Kinder Zeit für soziale Aktionen mit Gleichaltrigen. Ja, ohne Hände in der Hand. Man sieht ja auch oft diese Grüppchen von Teenagern stehen, wo eigentlich keiner mit dem anderen redet, sondern höchstens sagt, schau mal. Und das Argument für Handyverbote an Schulen wäre für mich zum einen das Thema digitale Ablenkung vermeiden, wenn es nicht sein muss. Und wir hätten dort einen Schutzraum, wo Kinder zusammen lernen können, wo Kinder zusammen spielen können, wo Kinder zusammen auch mal noch ein bisschen nicht bildschirmfreie Zeit verbringen können. Das haben leider viele Kinder zu Hause kaum noch. Weswegen ich gefragt habe in Bezug auf soziale Medien ist, ob wir denn nicht dann die falsche Debatte führen, wenn wir über Handyverbot, Handyeinschränkung an Schulen reden, weil es gibt ja auch Paralleldebatten, die wenig von der Politik angestoßen sind. sondern zum Teil auch von privaten Initiativen. Es gibt Smartphone ab 14, smarter Start, aber es gibt eben insbesondere bei sozialen Medien gerade eine Initiative, die den Zugang zu sozialen Medien ab 16 fordert. Also führen wir nicht eigentlich die falsche Debatte? Wenn wir uns vorstellen, wir hätten Handys an den Schulen, aber kein Social Media, wäre das Problem vermutlich nicht ganz so doll. Das stimmt, klar. Also ich meine, wenn wir keine sozialen Netzwerke auf den Handys hätten, dann wäre die Attraktivität auch nicht so da. Auf der anderen Seite hätten wir dann noch Handyspiele auf den Handys. Über die müsste man auch noch nachdenken, weil die haben ja die ähnlichen Mechanismen drin wie die sozialen Netzwerke. Das, was Sie gerade angesprochen haben, Social Media ab 16 oder auch die Initiative Smarter Startup 14, die ich auch für sehr, sehr unterstützenswert halte, da bin ich auch selber engagiert. Die gehen das Thema politisch an und ich finde das wichtig. Und jetzt kommen wieder die GegnerInnen, die dann sagen, ja, aber Social Media ab 16 löst das Problem nicht, gebe ich auch allen vollkommen recht, bloß weil die sozialen Netzwerke ab 16 sind, heißt das nicht, dass Zwölfjährige das in Zukunft nicht nutzen werden, aber Das wäre ein anderes Statement. Also es wäre ein anderes Ding, wenn die Politik sagen würde, hey, wir haben das erkannt und wir nehmen dieses Problem wahr und wir sagen jetzt ganz klar und deutlich, soziale Netzwerke sind für unter 16-Jährige nicht gut. Im Prinzip wie Alkohol und Zigaretten. Ja. Also, dass man halt die Schädlichkeit der Sache auch mit anerkennt. Genau, dass zumindest vorne schon mal die Schädlichkeit draufsteht Und es gäbe vielen Eltern auch eben eine, wenn auch eine relativ platte, aber zumindest eine weitere Argumentationslinie und würde wahrscheinlich manche Eltern auch nochmal ein bisschen anders drüber nachdenken lassen, wann sie ihrem Kind das eine oder das andere erlauben. Dass man das alles umgehen kann und ich bin jetzt gespannt, wie das Australien machen wird, aber auch dort wird es Möglichkeiten geben, Social Media ab 16 zu umgehen. Also VPN, dann lade ich mir eben TikTok nicht im australischen App Store runter, sondern tue so, als wäre ich in Deutschland und lade es aus dem deutschen App Store runter, auch da auf solche Ideen. Das ist kein Geheimnis, das kann ich jetzt schon auf einem iPhone problemlos machen oder auf einem Samsung oder auf einem Android-Gerät. Trotzdem wäre es eine andere Message und ich fände diese wichtig und ich finde, die Politik hat sich viel zu lange da rausgenommen, und ich weiß nicht, ob sie die Frage noch drin haben, ich finde es auch ein Stück weit heuchlerisch, ich sage es jetzt schon, also TikTok macht gerade eine große Werbekampagne mit Jugendschutzfiltern, die ich in der App auch aktivieren kann, ich finde es total heuchlerisch, also ich finde es von jedem sozialen Netzwerk mittlerweile total heuchlerisch. Zu behaupten, wir tun was, dass ihr eure Kinder besser schützen könnt, die haben jetzt zwischen 5 und 10 Jahren mehr oder weniger zugeschaut und haben Kinder ins offene Messer rennen lassen, mit Gewalt, Pornografie, mit Schönheitsidealen, mit Dingen, die nicht kindgerecht waren und es war ihnen egal. Und jetzt, wo langsam dieser politische Druck wächst, jetzt kommen die auf einmal mit Kampagnen um die Ecke. Und ich weiß, dass Instagram so, die machen das alle schon ein paar Jahre länger, aber diese Schutzmechanismen, die es gibt, die sind zum Teil so schlecht. Und da hätte die Politik schon viel, viel früher einschreiten müssen. Ja, Stichwort TikTok, was die Politik ja macht. Also das habe ich beispielsweise auch als Mutter Ende Januar auf meinem Handy gehabt in der Untes-App. Die haben Sie vorhin auch genannt, das ist die Schul-App, über die die Eltern Infos kriegen und die Kinder auch Stundenpläne in Echtzeit quasi checken können. Und da gab es Ende Januar einen Rundbrief und auch so einen Flyer über die Gefahren von TikTok und auch ein Plakat zum Ausdrucken, was man an die Schule hängen kann, wo die Kids vielleicht auch checken können oder halt sensibilisiert werden. Nicht alles, was du da siehst, ist wahr. Check doch mal, ob da irgendwie Themen drin sind, die dir Angst machen sollen, die dir Druck machen sollen. Also so eine Checkliste, die man durchgehen kann, anhand derer man sagen kann, ob dieses TikTok-Video jetzt okay ist oder nicht. Für meinen Eindruck ist das jetzt keine Checkliste, die sich ein 14-Jähriger durchgeht und denkt, ah, check, check, check, okay, dann schaue ich das Video nicht mehr. Ich sehe, dass sie nicken. Was wäre denn da jetzt mal politisch an der Reihe? Also man kann natürlich, TikTok, klar, ist kein deutsches Unternehmen, da kann man nicht einfach so eingreifen, aber man kann ja schon regulieren auf Bundesebene zum Beispiel. Also was wäre da Ihr Vorschlag? Man müsste den Spieß eigentlich rumdrehen und sagen, wenn so ein riesiges Unternehmen in Deutschland Geld verdienen möchte, dann sollte es auch nach den Spielregeln spielen, die es hier in Deutschland gibt oder halt in der Europäischen Union, wenn man es ein bisschen weiter denkt. Und im Endeffekt stellen wir uns jetzt gerade so hin und sagen, es ist schon schwierig, die App so zu regulieren. Ja, aber das ist doch eigentlich nicht unser Problem. Die App müsste doch eigentlich einen Weg finden, dieses Problem zu lösen, wie man junge Menschen in der App schützen kann. Wenn die hier Geld verdienen wollen, dann müssen sich die schlauen, sehr reichen Menschen dieser sozialen Netzwerke hinsetzen und sich Mechanismen überlegen, dass Kinder und Jugendliche geschützt werden. Aber unsere Politik kann das auch. Die können auch sagen, wir verbieten TikTok oder wir machen das ab 16 oder wir zwingen die, was zu ändern, wenn sie auf dem deutschen Markt sein wollen oder oder oder. Also solche Möglichkeiten meine ich. Also genau, der Druck, der politische Druck muss da sein und die sozialen Netzwerke müssen zu einer ethisch-moralischen Verantwortung gezwungen werden. Weil von selber tun sie es ja scheinbar nicht oder nicht ausreichend. Und ich möchte Ihnen da noch ein Beispiel dazu geben, das mich im Februar extrem geschockt hat. Am 27. Februar war ich an der Realschule in Karlsruhe. Und da berichten mir die Schülerinnen und Schüler, die ich an dem Tag hatte, von ganz vielen Tötungsvideos, schwere Unfälle, Körperverletzungen. Alles mögliche, Autounfälle, die sie am 26. Februar auf Instagram gesehen haben. Und da habe ich gedacht, Mensch, wollen die jetzt angeben, wollen die sich damit profilieren? Aber das sind so viele, die davon berichten, das war irgendwie komisch. Und dann habe ich mittags recherchiert und habe festgestellt, dass Instagram auch eine Pressemitteilung rausgegeben hat. Es kam zu einem großen Datenleck und auf einmal wurden ganz viele Tötungsvideos, und Videos, die eigentlich gesperrt sind, in die Feeds der Menschen gespült. Die Silke Müller hat darüber berichtet. Viele andere Medienschaffende an Schulen, also Medienpädagogisch Schaffende an Schulen, haben darüber berichtet und mir ist es eben auch aufgefallen und ich muss mittlerweile in einem workshop wenn wir über jugendschutz sprechen und wenn ich sage eigentlich sind die apps nix nix für euch oder eigentlich ist es schwierig und da passieren ja echt blöde dinge und ihr seht auch oft blöde dinge dann muss ich meistens nur fragen ihr könnt mir doch am besten sagen was am 26 februar passiert ist, Und dann sagen die Schüler, ja, okay, du hast recht. Da haben wir gesehen, wie Menschen erschossen wurden. Da haben wir ganz viele verstümmelte Leichen aus dem Krieg im Gaza-Streifen gesehen. Da haben wir Kriegsbilder aus der Ukraine gesehen. Und das ist schon nicht cool. Und da habe ich gemeint, okay, sollte man das jungen Menschen einfach so zeigen, wie man das euch gezeigt hat? Und solange wir dem Jugendschutz diesen Unternehmen unterlassen und aus Versehen so ein Datenleck passiert und auf einmal so vielen Menschen so schlimme Dinge ausgestrahlt werden. Die müssen ganz anders zur Verantwortung gezogen werden und zur Rechenschaft auch gezogen werden für das, was sie jungen Menschen, oder für das, was sie überhaupt Menschen antun. Beeinflussung von Wahlen, Demokratie, Zerstörung von Demokratie durch ungleiche Meinungsmache und, und, und. Also da gibt es mittlerweile so viele Belege dafür. Natürlich müssen wir da schon längst politisch aktiv sein. Aber es ist, ich sage immer, ich freue mich total, wenn ich zu einem Podcast oder zu einem Interview oder zu irgendwas eingeladen werde. Aber ich würde mir so wünschen, dass jemand wie ich mal was zu sagen hätte, wenn es um das Thema Politik geht oder wenn es um den direkten Kontakt mit diesen Netzwerken geht. Man muss denen anders beikommen. Das ist so, wir reden alle drüber und wir bewundern die Probleme und wir diskutieren über diese Probleme, aber wir müssen es einschränken. Wir müssen da was verändern. Wir müssen andere Wege finden, diesen Unternehmen auch beizukommen. Und das ist ein riesiges gesamtgesellschaftliches Problem, nicht nur für Schulen. Was zum Thema Umgang mit dem Handy bei uns an Schulen ja auch vorgesehen ist, ist ein Fach Medienbildung. Das gibt es schon, aber das soll nochmal ausgebaut werden und eben auch so ein bisschen in Richtung Medienkompetenz gehen. Das ist ja so ein winziger Move im Vergleich zu dem elefantenmäßigen Problem, was Sie gerade geschildert haben. Also ich frage mal so, um jetzt nicht ganz uns nur nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Also welche Art von, wie kann ein Medienkompetenzunterricht in der Schule tatsächlich funktionieren? Sie machen es ja, wie kann es auf Lehrkräfte übertragen werden? Und gibt es da vielleicht auch Best Practices? Sie haben ja eine Schule angesprochen, in Freiburg beispielsweise, das Troste-Hülshoff-Gymnasium. Die geben ja zum Beispiel von Anfang an Briefe raus an die Eltern und sagen, so liebe Eltern, ihr Kind braucht kein Handy, wenn es in die fünfte kommt. Gibt es da so ein paar vielleicht kleine Lichtblicke? Und was sind die Dinge, wo sie sagen, hey, mach doch mal mehr davon, um den Jugendlichen auch das mitzugeben, was sie brauchen? Also, was mir momentan Hoffnung macht, sind alle Bewegungen, die sich Richtung Social Media ab 16, Smarter Start ab 14 oder jetzt auch dieses Fach Medienbildung, alles was in so eine Richtung geht, das Problem ist jetzt auf dem Schirm und das wird konkret benannt. Also ich finde ja heute auch sehr deutliche Worte hier in dem Podcast. Also ich finde die die auch gerade Smarter Startup 14, die jetzt schon zwei sehr erfolgreiche Petitionen gestartet haben. Eine wird jetzt auch, glaube ich, in den Bundestag, kommt jetzt auch in den Bundestag. Das heißt, wir haben auf einmal eine Elternschaft oder immer mehr Eltern, die sagen, wir haben da ein Problem und wir müssen da was machen. Wir haben jetzt aber auch die Kultusministerien, die sagen, okay, wir haben da ein Problem und wir müssen da was machen. Was mir nach wie vor fehlt, ist die Lehrkräfteausbildung. Also ich hatte letzte Woche wieder zwei Referendare in meinen Workshops drin, wusste schon, dass ich dieses Interview mit ihnen führen werde. Und natürlich ist es nur ein Blitzlicht, weil zwei Referendare repräsentieren nicht alle Referendare in Baden-Württemberg. Aber die konnten mir für die Hochschulen, von denen sie kommen, sagen, zum Thema Umgang mit sozialen Medien, Selbstreflexion, Mediennutzung, haben sie in ihrem Studium gar nichts gelernt. Der eine wäre sogar für den Bereich Medienbildung als Schulfach ab dem nächsten Schuljahr zuständig. Er hat gemeint, er weiß bisher noch nicht, was er da in dem Fach unterrichten soll, weil er da noch keine Vorgabe hat. Also das aber die Themen sind da und es wird anders diskutiert und wir bemühen oder es bemühen sich gerade sehr sehr viele da was anders zu machen ich glaube gelingen kann es nur wenn Eltern, Lehrkräfte und Schüler zusammenarbeiten und nicht gegeneinander, und dann finde ich solche Initiativen unterstützenswert. Ja und gerade das Troste-Hülshoff Die informieren die Eltern ab, noch vor dem ersten Schultag in der fünften Klasse, wie die Mediennutzung der Kinder reguliert werden soll oder in welche Bahn sie gelenkt werden soll und wo sie Unterstützung bekommen und regelmäßige Workshops mit mir, Elternvorträge. Das sind die ersten richtigen Schritte, aber wir haben da schon noch einen langen Weg zu gehen. Was mich freut, ist schon, dass meine Vorträge auch mittlerweile eine viel größere Reichweite haben. Also ich habe vor zehn Jahren oder vor zwölf Jahren, als ich damit angefangen habe, hatte ich sehr oft Veranstaltungen, wo fünf bis zehn Eltern saßen und das Thema noch nicht so präsent war. Heute Abend habe ich eine Veranstaltung mit 150 Eltern, die sich fest angemeldet haben und sowas kommt deutlich häufiger vor. Das heißt, es wird besser, es wird mehr. Wir haben das Problem mehr auf dem Schirm. Viele Länder haben dieses Problem mittlerweile auf dem Schirm. Das gibt mir Hoffnung, aber es ist auch noch ein weiter Weg zu gehen. Also es ist auch eine Frage, die ich mir stelle, wie sollen die das denn unterrichten, wenn von denen wahrscheinlich niemand oder ein Prozent TikTok auf dem Handy hat. Also wenn ich gar nicht weiß, was ist die Verlockung von so einer App oder was ist, ja, also wenn ich es einfach nicht aus meinem Leben kenne, dann ist wieder die Tendenz da, dass es ein, ich sag mal, ein Frontalunterricht mit verboten wird. Auch da bin ich der Meinung, da muss mehr in die Lehrerausbildung investiert werden. Das, was ich mitbekomme, ist nach wie vor zu wenig. Wohlwissend, dass ein Landesmedienzentrum bemüht ist und dass es da auch schon Veranstaltungen zu dem Thema gibt. Aber an den Hochschulen selber und auch das, was den Lehrkräften gerade mitgegeben wird, ist es noch zu wenig. Man muss aber auch sagen, dass an Schule gerade sehr, sehr viele Umstrukturierungen und neue Themen herangetragen werden und dass der Unterricht immer herausfordernder wird. Größere Klassen, weniger Lehrkräfte, andere psychische Belastungen, die die Kinder auch mitbringen. Das heißt, es ist keine Anklage an eine einzelne Lehrkraft, wenn sie nichts macht. Aber wir brauchen die Fachkräfte, die vom Studium zu diesem Thema ausgebildet worden sind, weil sich das nebenher als Lehrkraft kurz mal zu erarbeiten, das funktioniert nicht. Also ich habe mich wohlwissend mit diesem Thema selbstständig gemacht, weil es ein komplexes Thema und ein anstrengendes Thema ist, wo man auch immer wieder up-to-date sein muss, was jetzt gerade der neueste Trend ist, welche App gerade am beliebtesten ist, wie die funktioniert. Das ist nichts, was so nebenher geht. Das heißt, wir brauchen die Lehrkräfte, die dazu ausgebildet werden. Und die fehlen nach wie vor. Die sind nicht flächendeckend da. Und deswegen bin ich auch sehr gespannt, wie dieses Schulfach nächstes Jahr überall startet. Was ist eigentlich Ihre persönliche Motivation, sich da so ins Zeug zu legen, wenn ich fragen darf? Ja, also nicht das eigene Kind, weil ich noch keins habe. Ich finde soziale Medien also mich hat die Art und Weise wie soziale Medien, Menschen verändern oder wie sie auch auf Menschen wirken fasziniert ich komme ja eigentlich aus der sozialen Arbeit bin Sozialpädagogin und habe dann geguckt was gibt es denn an Schulen für gute Workshops oder für gute Inhalte um mit Kindern über die gesunde Mediennutzung zu sprechen und mit ihnen daran zu arbeiten und da habe ich damals vor 10, 12 Jahren weniger gefunden als jetzt. Jetzt gibt es schon ein bisschen mehr. Und das war so die Idee, daraus eine Firma entstehen zu lassen und sich da selbstständig zu machen. Und das hat ja auch sehr, sehr gut funktioniert bei mir. Aber es ist jeden Tag anstrengend und jeden Tag. Ich habe auch heute Morgen schon wieder sechs Schulstunden gehabt, habe heute Abend noch eine Abendveranstaltung. Ich habe pro Woche zwei Abendveranstaltungen und acht bis zehn Workshops vormittags. Die Motivation ist, ich arbeite sehr gerne mit Kindern und die Faszination von sozialen Netzwerken und Spielen kann ich sehr gut nachvollziehen. Und es ist mir ein großes Anliegen, dass nicht jedes Kind ans offene Messer rennt. Ja, vielen Dank, Clemens Beisel, dass wir heute im Podcast miteinander reden konnten. Vielen Dank, dass ich nochmal eingeladen wurde. Ja, vielen Dank auch euch fürs Zuhören. Ich packe euch auf jeden Fall noch ein paar Links zur Folge in die Shownotes, zum Beispiel den zur Initiative Smarter Start mit 14, über die wir im Podcast geredet haben. Und wenn ihr mehr darüber wissen wollt, ob und wann eure Kids ein Smartphone bekommen sollten, Hört euch gern auch unser erstes Gespräch mit Clemens Beisel an. Ein Smartphone fürs Kind, was Eltern wissen müssen. Auch diesen Link gibt es in den Shownotes. Danke euch und bis bald bei BZ am Ohr, dem Podcast der Badischen Zeitung.