Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #14 Folge 8: "Mein Sohn ist süchtig, ich kann nicht mehr": Eine unzensierte Antwort an verzweifelte Eltern
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- 0:00Hallo und herzlich Willkommen bei Neelix Berlin.
- 0:02Ich freue mich wirklich riesig, dass du heute wieder
- 0:04eingeschaltet hast, dass du dir Zeit nimmst für dich und deine
- 0:07Themen, sich diese Zeit für sich selbst zu nehmen.
- 0:11Weißt du, das ist so unglaublich wichtig, gerade dann, wenn das
- 0:14Leben uns vor riesige Herausforderungen stellt.
- 0:18Heute schauen wir uns ein Thema an, das Puh wirklich tief geht.
- 0:23Es geht um den Schmerz und diese, ja fast unerträgliche
- 0:26Hilflosigkeit von Eltern, deren erwachsene Kinder suchtkrank
- 0:30sind. Dieses Gefühl, vielleicht kennst
- 0:32du das ja auch, man ist völlig am Ende, wirklich am Ende der
- 0:36eigenen Kräfte, aber gleichzeitig, man kann dieses
- 0:39Kind doch nicht loslassen, nicht einfach aufgeben, wir wollen uns
- 0:43heute genau diese Zwickmühle mal genauer anschauen, und zwar
- 0:46basierend auf dem Material und den Erfahrungen, die Gabriel auf
- 0:50nielix Berlin geteilt hat. Und bevor wir da jetzt richtig
- 0:53einsteigen, was ganz Wichtiges zu Gabriel selbst, er ist ja der
- 0:57Gründer von Nielix Berlin und erkennt diese Abgründe von sucht
- 1:01und psychischen Herausforderungen aus eigener
- 1:04Erfahrung. Er ist selbst betroffen, oder
- 1:06war es zumindest auf seiner Webseite nielix Berlin teilt er
- 1:11das auch sehr offen und das schafft finde ich ne ganz
- 1:13besondere Authentizität, vielleicht auch ne Verbindung
- 1:16für dich, wenn du ähnliche Erfahrungen machst oder im
- 1:19Umfeld hast. Gabriel möchte damit zeigen,
- 1:22hey, du bist mit diesen echt schweren Themen nicht allein.
- 1:24Er versteht diesen Schmerz wirklich.
- 1:27Der konkrete Anlass für unsere heutige Runde hier ist eine
- 1:30anonymisierte Nachricht, eine Nachricht, die Gabriel von einer
- 1:34Mutter bekommen hat, wir nennen sie einfach mal Susanne, sie hat
- 1:38geschrieben, Hallo, das ist ein Hilferuf einer Mama, mein Sohn
- 1:4229 ist seit 10 Jahren süchtig, immer wieder clean und
- 1:47rückfällig, Ketamin. Hat auch einen Suizidversuch
- 1:50hinter sich. Gerade wieder rückfällig
- 1:52geworden, bin ich jetzt komplett am Ende.
- 1:54Ich kann nicht mehr, ich kann ihn aber auch nicht sich selbst
- 1:57überlassen, bitte, bitte, wie und wo kann ich Unterstützung
- 1:59bekommen? Ich hoffe auf eine Antwort,
- 2:01vielen Lieben dank Puh, besonders dieser eine Satz der
- 2:06halt nach findest du nicht auch? Ja, total.
- 2:09Ich kann nicht mehr, aber ich kann ihn auch nicht loslassen.
- 2:12Das beschreibt so, so eindringlich dieses Dilemma,
- 2:15diesen schrecklichen Knoten aus Liebe, Angst, totaler
- 2:20Erschöpfung und, ja, diesem erdrückenden Gefühl von
- 2:23Verantwortung. Absolut.
- 2:24Das ist der Kern der Sache und Gabriels zentrale Botschaft dazu
- 2:29direkt an Susanne und an alle Eltern in dieser Lage gerichtet.
- 2:32Die ist vielleicht erst mal schockierend, aber sie ist
- 2:36unglaublich wichtig, er sagt. Deine Liebe, so groß sie auch
- 2:40ist, sie kann dein erwachsenes Kind nicht heilen.
- 2:44Nicht von dieser Krankheit, aber der ständige Versuch ist doch zu
- 2:47tun, dieser aufreibende Kampf, der zerstört dich, deshalb ist
- 2:52der vielleicht radikalste, aber gleichzeitig fürsorglichste Akt,
- 2:55den du setzen kannst. Hör auf, dein Kind retten zu
- 2:58wollen, Fang an, dich selbst zu retten.
- 3:01Das ist ja, das ist ne harte Aussage, lass uns das mal
- 3:04genauer beleuchten. Warum fühlen sich Eltern wie
- 3:07Susanne so dermaßen ausgelaugt, so am Limit?
- 3:11Das ist ja mehr als nur so n subjektives Gefühl, oder?
- 3:16Definitiv. Und diese Belastung, die ist
- 3:18immens, die lässt sich auch objektiv messen.
- 3:21Studien zeigen das immer wieder Eltern von erwachsenen Kindern
- 3:25mit Suchterkrankungen leiden signifikant häufiger unter
- 3:28Depressionen, unter Angststörungen, unter
- 3:31stressbedingten körperlichen Beschwerden.
- 3:34Was zum Beispiel? Na.
- 3:35Ja, Bluthochdruck, Magenprobleme, Schlafstörungen.
- 3:38Du kennst das vielleicht viel häufiger als der Rest der
- 3:41Bevölkerung. Das ist eine massive
- 3:43gesundheitliche Last, die oft so im.
- 3:46Geborgenen getragen wird hm und dann kommt noch ein Phänomen
- 3:49dazu, dass die Psychologin Pauline Boss als Ambigious Loss
- 3:54beschrieben hat. Ambigious loss, was heißt das?
- 3:57Ja, unklarer Verlust. Das beschreibt diesen wirklich
- 4:00zermürbenden Zustand. Wenn dein Kind zwar körperlich
- 4:04da ist, ja, aber durch die sucht psychisch total verändert wirkt,
- 4:09irgendwie abwesend oder wie n Fremder.
- 4:12Es ist ein Verlust, den man betrauert, klar, aber es gibt
- 4:16keinen klaren Abschluss, keinen Tod, keine endgültige Trennung,
- 4:20die so eine normale Trauerarbeit ermöglichen würde.
- 4:23Verstehe. Und dieser Schwebezustand, der
- 4:25ist unglaublich kräftezehrend. Unklarer Verlust das trifft es
- 4:29wirklich gut. Man trauert um jemanden, der
- 4:33noch da ist. Das muss furchtbar sein.
- 4:37Und führt das dann auch zu bestimmten Verhaltensweisen, in
- 4:42die man vielleicht ungewollt so Hineinschlittert?
- 4:44Ja, sehr häufig sogar. Ein ganz klassisches Muster ist
- 4:48das sogenannte Enabling. Enabling.
- 4:51Ja, ermöglichen, unterstützen. Man unterstützt unbewusst die
- 4:55Sucht des Kindes durch das eigene Verhalten und das
- 4:59geschieht fast immer aus Liebe oder aus Angst.
- 5:03Bin nicht aus böser Absicht, das ist wichtig.
- 5:04OK, man gibt zum Beispiel Geld, obwohl man irgendwie ahnt, dass
- 5:07es nicht für die Miete verwendet wird, man übernimmt
- 5:10Verantwortung, die das erwachsene Kind eigentlich
- 5:12selbst tragen müsste, räumt hinter ihm her, lügt für es bei
- 5:16anderen, man versucht halt, die schlimmsten Konsequenzen
- 5:19irgendwie abzufiltern und verlängert damit aber oft ohne
- 5:22es zu wollen, das Problem aber, und das ist jetzt die gute
- 5:26Nachricht, es gibt auch Hoffnung und Hilfe.
- 5:29Selbsthilfe wirkt, das ist erwiesen.
- 5:32Die Teilnahme an Angehörigengruppen so was wie
- 5:34nah anon oder auch spezielle Gruppen für Eltern wie Ehelsa
- 5:38hier in Deutschland ehelsa ja, das sind Selbsthilfegruppen
- 5:42speziell für Eltern und Familienmitglieder von
- 5:45Suchtklanken, das ist nachweislich eine der
- 5:48wirksamsten Unterstützungen, da finden Eltern Verständnis, sie
- 5:52können ihre eigene Geschichte erzählen und lernen vor allem
- 5:56ihre eigene psychische Gesundheit zu schützen und.
- 5:59Und sie lernen gesündere Bewältigungsstrategien.
- 6:02Das ist entscheidend. Das leuchtet ein, dass
- 6:04Unterstützung da wichtig ist. Aber dieses Loslassen, von dem
- 6:08immer geredet wird, warum fühlt sich das für Eltern so
- 6:10unnatürlich an, so unglaublich schwer, man weiß es vielleicht
- 6:14im Kopf, ja, aber das Herz Mhm. Das hat sehr tiefe Gründe,
- 6:19psychologische und auch biologische.
- 6:23Zum einen ist da die Eltern Kind Bindung.
- 6:26Das ist ja evolutionär bedingt eine der stärksten Bindungen
- 6:29überhaupt. Ja klar oder 25 oder eben 29 wie
- 6:33Susannes Sohn. Man will immer noch beschützen,
- 6:36helfen, retten, das ist einfach da.
- 6:39Und zum anderen kommen fast immer massive Schuldgefühle ins
- 6:42Spiel, Eltern fragen sich quälend.
- 6:45Was habe ich falsch gemacht? War ich zu streng, zu
- 6:48nachsichtig, habe ich die Anzeichen übersehen?
- 6:50Ja, dieser Grübelzwang. Genau.
- 6:53Und diese Suche nach der eigenen Schuld, die bei einer komplexen
- 6:56Krankheit wie sucht meistens wirklich völlig fehl am Platz
- 6:59ist, die führt dann oft zu diesem übersteigerten Drang,
- 7:02alles zu tun, alles, um das vermeintlich versäumte
- 7:05wiedergutzumachen, das Kind um jeden Preis zu retten.
- 7:09Das ergibt Sinn. Dieser Mix aus Instinkt und
- 7:12Schuldgefühl, der muss lähmend sein.
- 7:14Du hattest vorhin diese 3 KS erwähnt, die werden in der
- 7:17Angehörigenhilfe oft genannt, sagtest du, das klingt nach
- 7:20einem wichtigen Werkzeug, um da klarer zu sehen.
- 7:23Absolut. Die 3 KS der Co Abhängigkeit
- 7:27sind ein ganz zentraler Punkt um die eigene Rolle und die eigenen
- 7:31Grenzen zu verstehen. Sie lauten erstens du hast die
- 7:36Krankheit nicht verursacht. Wiederhol das mal für dich, wenn
- 7:40du betroffen bist. Du bist nicht schuld an der
- 7:43Sucht deines Kindes. OK, wichtig.
- 7:46Zweitens, du kannst die Krankheit nicht kontrollieren,
- 7:50egal wie sehr du dich anstrengst.
- 7:52Du kannst nicht steuern, ob, wann oder wieviel dein Kind
- 7:55konsumiert. Du hast keine Kontrolle darüber
- 7:58und drittens, du kannst die Krankheit nicht kurieren.
- 8:02Also nicht heilen. Du kannst dein Kind nicht gesund
- 8:05machen, das kann nur von ihm selbst ausgehen, wenn es dazu
- 8:08bereit ist. Punkt diese 3 Punkte
- 8:11anzuerkennen, das ist unheimlich schwer, ich weiß, aber es ist
- 8:17auch befreiend, jeder Versuch, die Sucht des anderen zu
- 8:21managen, zu überwachen, ihm Vorschriften zu machen,
- 8:24hinterher zu telefonieren, all das gibt einem vielleicht
- 8:27kurzfristig so n trügerisches Gefühl von Kontrolle.
- 8:30Kennst du das? Ja, man denkt, man tut was.
- 8:33Genau. Aber es ist eine Illusion,
- 8:37loslassen in diesem Kontext bedeutet vor allem diese
- 8:40schmerzhafte Machtlosigkeit über die Sucht des anderen zu
- 8:43akzeptieren. Im Kern heißt das, deine Macht
- 8:47liegt nicht darin, die Sucht zu bekämpfen, sondern darin, deine
- 8:52eigene Reaktion zu ändern. Okay die eigene Reaktion ändern,
- 8:56das ist der Hebel. Das ist dein Hebel.
- 8:59Deine Superkraft sozusagen. Verstanden, und das führt uns ja
- 9:03zurück zum Enabling, diesem Unbewussten fördern der Sucht.
- 9:08Du sagtest, das passiert oft aus Liebe, kannst du noch konkreter
- 9:11machen, wie gut gemeinte Hilfe da nach hinten losgehen kann?
- 9:15Ja, das ist das Paradoxe und Schmerzhafte daran.
- 9:19Man will ja helfen, man will die Scherben aufkehren.
- 9:23Aber oft zerbricht man dabei selbst alle Energie, alle
- 9:26Gedanken kreisen nur noch um das suchtkranke Kind und seine
- 9:29Probleme. Es ist wie ein Fass ohne Boden
- 9:33und so hart es klingt, jeder Versuch, die negativen
- 9:36Konsequenzen des Suchtverhaltens vom erwachsenen Kind
- 9:39fernzuhalten, federt genau den Leidensdruck ab, der oft der
- 9:43einzige Anstoß für eine Veränderung sein kann.
- 9:46Ah OK, weil der Druck dann weg ist.
- 9:48Genau. Lass uns mal ein paar typische
- 9:50Beispiele durchgehen. Finanzielle Unterstützung Du
- 9:53gibst immer wieder Geld für Miete, essen, Schulden tief
- 9:57drinnen Angst du vielleicht es landet bei den Dealern, aber die
- 10:01Angst er könnte auf der Straße landen oder kriminell werden,
- 10:04die ist einfach größer, ja. Verständlich.
- 10:07Das Ergebnis ist aber, der Konsum wird weiter finanziert.
- 10:10Mist oder das Hotel Mama dein erwachsenes Kind wohnt noch oder
- 10:15wieder bei dir. Bekommt ein gemachtes Nest essen
- 10:20saubere Wäsche? Das ist bequem, klar, aber es
- 10:23ermöglicht den Konsum ohne echte Alltagsverantwortung und die
- 10:27damit verbindenden Konsequenzen. Ja, die fallen weg.
- 10:30Genau dann lügen und vertuschen. Du rufst beim Arbeitgeber an,
- 10:35meldest ihn krank, du erfindest Ausreden vor Verwandten oder
- 10:39Freunden, warum er schon wieder nicht dabei ist oder sich so
- 10:42seltsam verhält. Du versuchst, die Fassade
- 10:44aufrechtzuerhalten. Das kostet unendlich viel Kraft.
- 10:48Und signalisiert dem Kind. Signalisiert ich decke dich, ich
- 10:52übernehme die Verantwortung für dein Verhalten und dann noch
- 10:56emotionale Rettungsaktionen bei jeder Krise, Jobverlust,
- 11:00Beziehungsprobleme, Streit springst du sofort ein, regelst
- 11:04Tröstest, löst seine Probleme. Dadurch lernt er aber nie, nie
- 11:10selbst Verantwortung zu unternehmen und mit
- 11:12Schwierigkeiten umzugehen. Er lernt Mama macht das schon.
- 11:15Das ist wirklich ernüchternd, wenn man merkt, wie gut gemeinte
- 11:18Hilfe ja zum Teil des Problems werden kann.
- 11:22Wenn wir jetzt Gabriels Rat folgen, sich selbst zu retten.
- 11:26Was heißt das praktisch? Was kann jemand wie Susanne denn
- 11:29jetzt konkret tun? Der wichtigste Leitsatz ist
- 11:31wirklich der aus dem Flugzeug. Setzen Sie zuerst ihre eigene
- 11:35Sauerstoffmaske auf, bevor sie anderen helfen.
- 11:38Ja, ein Helfer, der selbst keine Luft mehr kriegt, der kann
- 11:41niemanden retten, ist einfach so ständige Panik und dieser
- 11:44Krisenmodus, die lähmen dich nur was du brauchst ist n klarer
- 11:48Plan, ein Plan der dir wieder ein Gefühl von
- 11:51Handlungsfähigkeit gibt. Du kannst dein Kind nicht direkt
- 11:54ändern, haben wir gesagt. Aber, und das ist das
- 11:57entscheidende, du kannst deine Reaktion auf sein Verhalten
- 12:01ändern. Das ist die Superkraft.
- 12:03Das ist deine Superkraft in dieser verfahrenen Situation.
- 12:06Damit veränderst du die ganze Dynamik.
- 12:09Gabriel schlägt auf nielig Berlin einen persönlichen
- 12:12Notfallplan für Angehörige. Schritte, die nur dir gelten.
- 12:16Erstens, hol dir sofort Hilfe für dich.
- 12:19Recht verhandelbar. Absolut nicht verhandelbar.
- 12:22Das ist keine Option, das ist ein muss.
- 12:24Kontaktiere eine Suchtberatungsstelle, die haben
- 12:27Angebote für Angehörige wirklich oder eine Angehörigengruppe,
- 12:31finde einen geschützten Raum, wo du deinen Schmerz, deine Wut,
- 12:34deine Verzweiflung rauslassen kannst, ohne bewertet zu werden,
- 12:37das ist überlebenswichtig. Okay.
- 12:40Zweitens. Zweitens.
- 12:42Setze liebevolle, aber klare und konsequente Grenzen.
- 12:45Überleg dir eine Sache nur eine einzige, die du ab sofort nicht
- 12:49mehr mittragen willst. Klein anfangen, ja.
- 12:52Klein anfangen, kein Geld mehr geben, nicht mehr Lügen für ihn,
- 12:56keine nächtlichen Krisengespräche mehr, wenn er
- 12:59nicht nüchtern ist. Kommuniziere diese Grenze ruhig
- 13:02und klar. Zum Beispiel Ich liebe dich,
- 13:05aber ich werde dir ab heute kein Geld mehr geben, oder ich bin
- 13:08für dich da, wenn du nüchtern bist, wenn du konsumiert hast,
- 13:11muss ich das Gespräch jetzt beenden.
- 13:13Es geht nicht um Strafe, verstehst du, es geht um deinen
- 13:16Selbstschutz. Ja, und drittens?
- 13:19Drittens entwickle einen klaren Plan für den absoluten Notfall,
- 13:24besonders bei Suizidandrohungen oder Äußerungen, da Susannes
- 13:28Sohn ja schon einen Versuch hinter sich hat, ist das
- 13:30essentiell. Definiere für dich glasklar,
- 13:34wenn er Suizidabsichten äußert, ist deine einzige Aufgabe 112
- 13:38Wählen der Notruf. Sofort.
- 13:41Sofort keine Diskussionen, kein Trösten, keine Verhandlungen.
- 13:45Gib die Verantwortung an die Profis ab, du bist nicht der
- 13:48Therapeut, du kannst diese Last nicht tragen, Punkt.
- 13:51Okay und viertens. Viertens informiere dich.
- 13:56Wissen ist macht. Lies Bücher über Sucht und Co.
- 14:00Abhängigkeit gehe zu Infoveranstaltungen von
- 14:04Beratungsstellen oder eben zu angehörigengruppen.
- 14:07Je mehr du über die Mechanismen der Sucht und die typischen
- 14:10Verhaltensmuster verstehst, desto weniger nimmst du das
- 14:13Verhalten deines Kindes persönlich.
- 14:15Du erkennst dann besser, OK, das ist oft die Krankheit, die da
- 14:19spricht, nicht der Mensch, den du eigentlich liebst.
- 14:21Das sind sehr konkrete, handfeste Schritte.
- 14:24Danke, aber selbst wenn man das jetzt weiß.
- 14:27Bei mir auf diese nagenden fragen, diese Ängste, die einen
- 14:31einfach nicht loslassen. Gabriel geht auf nelix Berlin ja
- 14:35auch auf einige dieser typischen quälenden Fragen ein, lass uns
- 14:38die mal durchgehen, als ob du, liebe Hörerinnen, lieber Hörer,
- 14:42sie uns gerade stellen würdest. Geht das?
- 14:44Ja, gerne. Das sind ja die Fragen, die im
- 14:47Zentrum der Not stehen. Beginnen wir mit einer der
- 14:50schlimmsten Situationen, mein Sohn droht mit Suizid, wenn ich
- 14:53ihm nicht helfe, zum Beispiel ihm Geld gebe.
- 14:56Was soll ich tun? Oh Gott.
- 14:59Ja, das ist emotionale Erpressung in ihrer grausamsten
- 15:02Form. Oft geboren aus der tiefen
- 15:05Verzweiflung der Sucht selbst. Es ist wichtig, das zu erkennen,
- 15:08auch wenn es unglaublich wehtut. Gabriels Rat ist, bleib so ruhig
- 15:13wie möglich, auch wenn es fast unmenschlich erscheint, halte an
- 15:17deiner Grenze fest. Zum Beispiel kein Geld, sage
- 15:21klar und deutlich, ich liebe dich, aber ich finanziere deine
- 15:25sucht nicht. Wenn du dir ernsthaft etwas
- 15:27antun willst, nehme ich das sehr ernst und rufe sofort
- 15:30professionelle Hilfe den Notarzt unter 112 OK, damit
- 15:34signalisierst du zweierlei. Erstens deine Grenze steht und
- 15:38zweitens du nimmst seine Not wahr und handelst
- 15:42verantwortungsvoll, indem du die Profis einschaltest.
- 15:45Du gibst die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört, Weg
- 15:48von dir. Das braucht sicher enorme Kraft.
- 15:52Die nächste Frage betrifft dieses schwierige Konzept des
- 15:55Loslassens. Was bedeutet loslassen wirklich,
- 15:58soll ich ihn auf der Straße sitzen lassen, ihn komplett
- 16:01fallen lassen? Ein ganz wichtiges
- 16:04Missverständnis? Nein, loslassen heißt nicht, die
- 16:07Liebe loszulassen oder das Kind im Stich zu lassen, niemals.
- 16:11Es bedeutet, die Illusion der Kontrolle loszulassen, das
- 16:15hatten wir ja schon. Ah ja.
- 16:17Du lässt die Verantwortung für die Krankheit und ihre Folgen
- 16:19los, nicht den Menschen. Du hörst auf die Probleme zu
- 16:23lösen, die durch die Sucht anstehen.
- 16:25Du erlaubst ihm so schmerzhaft das ist, die natürlichen
- 16:29Konsequenzen seines Handelns zu spüren.
- 16:31Weil das der Anstoß sein kann. Genau, denn oft ist dieser
- 16:35Leidensdruck der einzige Motor für Veränderung.
- 16:38Und ja, im Extremfall kann das auch bedeuten, einem erwachsenen
- 16:43Kind zu sagen, unter diesen Umständen kannst du nicht mehr
- 16:46hier bei uns wohnen. Es geht darum, dass er oder sie
- 16:49Verantwortung übernimmt für sich.
- 16:52Aber genau das fühlt sich doch so falsch an.
- 16:54Die Frage kommt ja fast automatisch, er ist doch mein
- 16:57Kind, wie kann ich nein sagen, wenn ich sehe wie er leidet.
- 17:00Ja, das ist der emotionale Kern des Dilemmas.
- 17:06Absolut. Der Schlüssel liegt darin, und
- 17:08das ist schwer, ich weiß zu versuchen, eine Unterscheidung
- 17:12zu treffen. Dein Nein richtet sich nicht
- 17:15gegen dein Kind. Die Person, die du liebst.
- 17:18Es richtet sich gegen die Krankheit, gegen das
- 17:21zerstörische Suchtverhalten. Personen und Krankheit trennen.
- 17:24Versuche das zu trennen ja, auch wenn es schwer fällt, dein Nein
- 17:30zum Drogengeld ist letztlich ein Ja zur Chance auf Nüchternheit,
- 17:34ein Ja zu seiner Gesundheit, auch wenn es sich im Moment
- 17:37grausam anfühlt. Es ist vielleicht der härteste,
- 17:40aber oft der Notwendigste Akt der Liebe.
- 17:42OK, und dann diese Tiefsitzende Angst, die viele äußern.
- 17:46Was ist, wenn er wegen meiner Grenze, weil ich ihn rauswerfe
- 17:48oder kein Geld mehr gebe, obdachlos wird oder sogar
- 17:51stirbt? Trage ich dann die Schuld?
- 17:53Puh, das ist die Urangst, die Angst, die Eltern in dieser
- 17:58Situation umtreibt und lähmt. Gabriel formuliert die Antwort
- 18:02darauf sehr direkt. Du trägst nicht die
- 18:05Verantwortung für die Entscheidungen und die daraus
- 18:07folgenden Konsequenzen deines erwachsenen Kindes.
- 18:09Das ist hart. Das ist brutal hart, ja, aber
- 18:13die Sucht ist die Krankheit, die ihn obdachlos machen oder töten
- 18:17kann, nicht deine Grenze. Deine Grenze ist ein
- 18:21verzweifelter Versuch, den Teufelskreis zu durchbrechen,
- 18:25ihm vielleicht die einzige Möglichkeit zu geben,
- 18:27aufzuwachen und Hilfe anzunehmen.
- 18:30Die Verantwortung für sein Leben liegt bei ihm, nicht bei dir.
- 18:34Auch wenn er mein Kind ist. Auch dann das anzuerkennen ist
- 18:38brutal, aber notwendig für dein eigenes Überleben.
- 18:42Und genau um diese Schundgefühle auszuhalten und einzuordnen,
- 18:46sind Angehörigengruppen so unendlich wichtig.
- 18:49Dort merkt man, man ist nicht allein mit dieser Angst und
- 18:52dieser vermeintlichen Schuld, das hilft ungemein.
- 18:56Zum Schluss noch ne ganz praktische Frage, die bestimmt
- 18:58viele haben. Die Suchtberatungsstellen, die
- 19:02sind doch in erster Linie für die Süchtigen selbst zuständig,
- 19:04oder? Ah ja, der Klassiker.
- 19:06Ein weit verbreiteter Irrtum. Fast alle Suchtberatungsstellen,
- 19:10egal ob von Caritas, Diakonie, AWO oder anderen Trägern, haben
- 19:15ganz spezielle, meist kostenlose und immer vertrauliche Angebote
- 19:20ausschließlich für Angehörige. Ach, wirklich?
- 19:23Ja. Die wissen um eure Not.
- 19:25Sie sind eine zentrale Anlaufstelle.
- 19:27Dort bekommst du Informationen, Beratung zum Umgang mit der
- 19:31Situation, Unterstützung beim Grenzen setzen und vor allem
- 19:34Hilfe, um dich selbst vor dem totalen Ausbrennen zu schützen.
- 19:39In der Angehörigenberatung bist du der Klient es geht um deine
- 19:42Bedürfnisse und Strategien nutze das unbedingt.
- 19:46Das ist n sehr wichtiger Hinweis.
- 19:47Danke für alle, die jetzt noch tiefer in dieses schwierige
- 19:51Thema eintauchen möchten. Hat Gabriel auf nielix Berlin
- 19:54auch noch einen Buchtipp parat? Genau.
- 19:57Er empfiehlt, das Buch außer Kontrolle.
- 20:00Unsere Kinder und die Süchte von Ulla und Marina Dagel.
- 20:03Dagel OK. Beide Seiten der sucht also aus
- 20:06beiden Perspektiven erlebt haben.
- 20:09Es ist deshalb schonungslos ehrlich, aber gleichzeitig sehr
- 20:12mitfühlend. Es beschreibt genau diese
- 20:14Achterbahn der Gefühle, Verzweiflung, Ohnmacht, schuld.
- 20:18Die Eltern durchmachen die Autorinnen geben aber auch ganz
- 20:21konkrete selbsterprobte Ratschläge, wie man es schaffen
- 20:25kann, loszulassen, ohne den geliebten Menschen aufzugeben
- 20:28und wie eine Familie vielleicht einen Weg aus diesem Suchtchaos
- 20:32finden kann, klingt sehr hilfreich.
- 20:34Klingt absolut lesenswert. Das war jetzt wirklich ne
- 20:38intensive Auseinandersetzung mit einem schweren Thema.
- 20:41Puh. Lass uns zum Abschluss noch
- 20:44einmal die Kernbotschaft aus Gabriels Material
- 20:46zusammenfassen. Was ist das Wichtigste, dass du
- 20:49mitnehmen solltest? Ja, gerne.
- 20:52Das Fazit von Nelix Berlin ist eigentlich sehr deutlich und
- 20:57soll auch Mut machen. Manchmal ist die stärkste Form
- 21:00der Liebe eine klare Grenze, eine Grenze, die kommuniziert.
- 21:04Ich liebe dich zu sehr, um dich weiter dabei zu unterstützen,
- 21:07dich kaputt zu machen und ich liebe mich selbst genug, um
- 21:10nicht mit dir gemeinsam unterzugehen.
- 21:13Das ist stark. Ja, dein Schmerz.
- 21:16Wenn du in Susannes Lage bist, der ist absolut real und
- 21:20nachvollziehbar. Aber vergiss nicht, deine Kraft
- 21:24ist es auch. Du hast vielleicht Jahre für
- 21:26dein Kind gekämpft, jetzt ist es an der Zeit für dich zu kämpfen.
- 21:30Für sich selbst kämpfen. Genau das mag sich anfangs wie
- 21:34Verrat anfühlen, wie aufgeben, aber Gabriel betont, es ist
- 21:39genau das Gegenteil, indem du dir selbst hilfst, indem du die
- 21:43ungesunde Dynamik durchbrichst und gesunde Grenzen setzt.
- 21:47Tust du das einzige, was langfristig vielleicht wirklich
- 21:50eine Veränderung bewirken kann? Du hörst auf, die Krankheit
- 21:54unwissentlich zu nähren und vielleicht der wichtigste
- 21:58Gedanke zum Schluss, die größte Kraft, die du deinem Kind jetzt
- 22:01zeigen kannst, ist das Vorbild einer Person, die sich selbst
- 22:05respektiert, die für ihre Werte einsteht und die sich nicht
- 22:09zerstören lässt. Nicht einmal aus Liebe zum
- 22:11eigenen Kind. Du zeigst ihnen, dass
- 22:14Veränderung möglich ist, indem Du bei dir selbst anfängst.
- 22:17Ein starkes Vorbild sein, in dem man auf sich selbst achtet.
- 22:20Genau das. OK, wenn dir dieser Beitrag hier
- 22:24Denkanstöße gegeben hat, wenn du die Arbeit von Nilix Berlin
- 22:28generell wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über
- 22:31deine Unterstützung freuen. Du kannst ihm helfen, indem du
- 22:35diesen Beitrag vielleicht auf Social Media teilst.
- 22:38Oder diese Gesprächsrunde hier auf Plattformen wie Spotify oder
- 22:42Apple Podcasts positiv bewertest, vielleicht ein Like
- 22:45hinterlässt das Projekt Nielix Berlin wird komplett allein von
- 22:48Gabriel finanziert und erstellt von der Recherche über die Texte
- 22:52bis hin zur Technik, das ist eine Menge Arbeit, jede Form der
- 22:56Unterstützung hilft Gabriel dabei, mit diesem Projekt nicht
- 22:59nur sich selbst auf seinem Weg zu helfen, sondern gleichzeitig
- 23:02auch anderen Betroffenen und Angehörigen eine wichtige Stütze
- 23:05zu sein. Gabriels persönliches Motto, das
- 23:08ihn dabei antreibt, lautet, aus allem schlechten in seinem Leben
- 23:11etwas Gutes zu machen. Und bevor wir uns jetzt
- 23:14verabschieden, noch ein kleiner Gedanke zum Mitnehmen für dich,
- 23:17welche eine kleine Grenze könntest du vielleicht schon
- 23:23heute oder morgen setzen? Nicht in erster Linie, um den
- 23:27anderen zu ändern, sondern um ein kleines Stück deiner eigenen
- 23:31innere Energie und deines inneren Friedens
- 23:33zurückzugewinnen. Denk mal drüber nach.
- 23:36Vielen Dank, dass du dir heute die Zeit genommen und uns
- 23:39zugehört hast. Pass gut auf dich auf.
- 23:42Das ist wirklich das Allerwichtigste.
- 23:45Bis zum nächsten Mal hier bei uns mach es gut.