Latest / Schwarze Akte - True Crime / #307 Sie wollte ein Foto und bekommt den Tod - Der Fall Kimberly P.
Transcript
- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Es ist die Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1992. Nördlich von Los Angeles führt der Angeles Forest Highway in die Berge. Die Straße zieht sich in engen Kurven durch dunkles Gelände, vorbei an Felsen, Büschen und dicht im Wald. Es gibt keine Straßenlaternen. Wenn man hier nachts langfährt, sieht man nur das, was im Lichtkegel der eigenen Scheinwerfer liegt. Dahinter ist alles nur schwarz. Stell dir vor, du bist auf dieser Straße unterwegs. Es ist spät, vielleicht willst du einfach nur nach Hause. Es ist niemand sonst zu sehen, nicht mal ein Licht in der Ferne. Die Strecke ist nicht gefährlich, aber trotzdem fühlt es sich anders an als auf einer normalen Landstraße. Es gibt keine Häuser und keine Orte in der Nähe. Wenn dir hier etwas passiert, dann bist du erstmal auf dich alleine gestellt. Und dann taucht plötzlich in einer Kurve am rechten Fahrbahnrand ein Auto auf. Ein schwarzer Sportwagen, abgestellt auf einem schmalen Schotterstreifen. Er steht nicht direkt auf der Straße, aber nah genug, sodass man ihn im Vorbeifahren gar nicht übersehen kann. Kein Warnblinker. Einfach nur dieses dunkle Auto in deinem Scheinwerferlicht. Du nimmst automatisch den Fuß vom Gas und schaust hinüber. Du versuchst zu erkennen, ob jemand in diesem Sportwagen sitzt. Vielleicht hat jemand eine Panne. Vielleicht steht jemand im Dunkeln neben dem Auto und braucht Hilfe. Aber da ist nichts. Die Autofenster sind geschlossen und im Inneren ist alles dunkel. Hinter dem Wagen beginnt sofort der Wald. Es gibt kein Haus, keine Tankstelle. Nichts, was erklärt, warum jemand ausgerechnet hier stehen bleibt. Du fährst also einfach weiter. Eine Streifenpolizistin kommt kurz vor halb zehn genau an dieser Stelle vorbei. Sie sieht den Wagen, wird langsamer und hält kurz an. Sie prüft die Situation, so gut es geht im Dunkeln. Es wirkt nicht wie ein Unfall. Da draußen ist auch niemand zu sehen. Also fährt die Polizistin weiter. Das schwarze Auto bleibt zurück, allein an dieser Straße, während Stunden vergehen. Gegen halb zwei in der Nacht fährt ein Mann die Straße entlang. Auch er ist Polizist und sieht den einsamen Sportwagen schon von Weitem. Als er näher kommt, fällt ihm aber etwas auf. Im Inneren des Fahrzeugs ist jetzt ein Licht zu sehen, aber das ist kein normales Licht. Es flackert, bewegt sich und wird stärker. Als der Polizist auf gleicher Höhe ist, erkennt er, was das für ein komisches Licht ist. Es sind Flammen. Ein Feuer, das sich vom Beifahrersitz aus durch den Innenraum ausbreitet. Der Polizist registriert, dass sich niemand im Auto befindet und fährt weiter, bis er ein Telefon erreicht und Hilfe holen kann. Als die Feuerwehr und die Polizei kurze Zeit später eintreffen, steht der Sportwagen bereits voll in Flammen. Wenige Stunden zuvor stand dieses Auto hier noch unversehrt am Straßenrand. Das bedeutet, dass in der Zwischenzeit jemand hier gewesen sein muss. Irgendwer ist zu diesem Wagen zurückgekehrt, in der Dunkelheit, auf einer Straße, auf der nachts kaum jemand unterwegs ist. Und dieser Mensch hat das Auto angezündet. Warum, ist in diesem Moment noch völlig unklar. Genauso wie die Frage, wem der Wagen überhaupt gehört. Die direkte Antwort darauf liegt nicht auf der Straße, sie liegt irgendwo abseits davon, draußen im Gelände des Angeles National Forest. Der Name der Autobesitzerin ist Kimberly. Und sie liegt an einem Ort, den in dieser Nacht niemand absucht und an dem für lange Zeit niemand nachsehen wird. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strohbosch. Und mit Anne Lückmann. Hello. Wir befinden uns im Süden von Kalifornien, genauer gesagt im Großraum Los Angeles. Eine Region, die die meisten wahrscheinlich aus Film und Serien kennen. Breite Straßen, schöne Vororte und große Filmstudios. Nur wenige Kilometer weiter beginnt eine ganz andere Landschaft. Berge, Wald und abgelegene Straßen, auf denen nachts kaum jemand unterwegs ist. Es ist das Jahr 1992. In den USA ist Wahljahr und wenige Monate später wird Bill Clinton zum Präsidenten gewählt. Gleichzeitig steht Los Angeles selbst vor einer angespannten Zeit. Im Frühjahr kommt es zu schweren Unruhen, nachdem mehrere Polizisten freigesprochen werden, obwohl es ein Video gibt, in dem sie den schwarzen Amerikaner Rodney King brutal schlagen. Nach dem Urteil gehen tausende Menschen auf die Straße. Es kommt zu Gewalt, Plünderungen und Bränden. Während solche Bilder in den Nachrichten laufen, läuft im Alltag vieler Menschen Musik von Whitney Houston mit I Will Always Love You oder Nirvana mit Smells Like Teen Spirit. Filme wie Basic Instinct oder Bodyguard laufen in den Kinos. Viele Filme spielen in Los Angeles und werden auch dort gedreht. Und genau da, in dieser Stadt, gibt es eine Branche, die in den 1990er Jahren besonders groß ist, nämlich Modeln. An viele Jobs kommt man nicht über große Agenturen, sondern über Anzeigen in lokalen Zeitungen. In dieser Zeit zieht Ende 91 eine junge Frau nach Los Angeles. Sie kommt von der Ostküste. Sie ist verheiratet, hat ein kleines Kind und versucht, sich in dieser neuen Umgebung etwas aufzubauen. Nur wenige Wochen später, in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1992, steht ihr Auto einsam am Straßenrand, draußen in den Bergen. Einige Stunden später wird es in Flammen aufgehen. Und damit knüpfen wir direkt an unser heutiges Intro an. Als die Feuerwehr das Feuer unter Kontrolle bringen kann, bleibt vom schwarzen Sportwagen nicht mehr viel übrig. Für die Ermittler ist schnell klar, dass dieser Brand nicht zufällig ausgebrochen ist. Das Feuer geht nicht vom Motorraum aus, sondern aus dem Inneren des Wagens. Der steht an einer abgelegenen Strecke im Angeles National Forest, einem Gebiet mit hunderten Hektar Wildnis. Bis nach Los Angeles sind es etwa 45 Minuten bis eine Stunde Fahrt. Die Polizei sucht als erstes die Umgebung rund um das ausgebrannte Auto ab. Sie findet etwa 15 Meter unterhalb der Straße einen leeren Behälter für Feuerzeugbenzin. In der Nähe finden sie auch ein Feuerzeug. Beides deutet darauf hin, dass der Brand tatsächlich gezielt gelegt wurde. Im Staub entdecken die Beamten dann noch etwas. Einen kleinen, unscheinbaren Schlüssel. Wie für Handschellen gedacht. Er gehört aber nicht zur Standardausrüstung der Polizisten vor Ort. Die Beamten nehmen ihn trotzdem mit. Jahre später wird dieser kleine Schlüssel noch wichtig werden. Im ausgebrannten Wagen selbst ist kaum noch etwas verwertbar. Die Hitze und die Flammen haben fast alle Spuren zerstört. Trotzdem finden die Ermittler etwas, das ihnen einen ersten Anhaltspunkt gibt, nämlich die verkohlten Reste eines Notizbuches. Darüber kommen die Ermittler zwar noch nicht an den Besitzer des Wagens heran, aber über das Kennzeichen und die Fahrzeugdaten geht es doch auch ziemlich schnell. Der Wagen ist auf eine 20-jährige Frau aus Los Angeles County registriert. Ihr Name ist Kimberly. Noch in derselben Nacht fahren Polizisten zu ihrer Adresse in Los Angeles. Dort treffen sie auf Kimberleys Ehemann Peter und eine Babysitterin, die auf Kimberleys und Peters kleines Kind aufpasst. Der kleine Nicholas ist gerade mal 13 Monate alt. Es ist schon sehr spät und eigentlich hätte Kimberly, oder Kim, wie ihr Mann Peter sie nennt, längst wieder zu Hause sein sollen. Aber die 20-Jährige ist nicht zum Abendessen nach Hause gekommen. Peter sagt, dass er sie zuletzt am Morgen gesehen hat, am Donnerstag, den 27. Februar 1992. Kimberly ist morgens los, dann kam die Babysitterin und anschließend ist auch er zur Arbeit gefahren. Seitdem hat er nichts mehr von seiner Frau gehört. Als Kimberly an diesem Morgen das Haus verlässt, trägt sie ein blaues Kostüm. Dazu eine weiße Bluse und hohe Schuhe. Sie ist schlank, eher zierlich und um die 1,60 groß. Sie hat lange blonde Haare, die ihr bis über die Schultern fallen. Man würde Kimberly als eine enorm schöne Frau beschreiben. Auf Fotos sieht man auch direkt, wie sicher sie vor der Kamera ist. Das ist etwas, das sie sich über die Jahre angeeignet hat. Kimberly arbeitet nämlich als Model in Kalifornien. Aufgewachsen ist sie dort aber nicht. Sie kommt ursprünglich aus Kuba. Kimberley wurde 1971 in Havanna geboren, und zwar eigentlich mit dem Vornamen Hosanna. Ihre Familie verließ das Land Anfang der 80er Jahre und ging in die USA. Kimberley ist damals etwa neun Jahre alt. Die Familie zieht nach Reading in Pennsylvania, und dort wächst Kimberley auf. Es ist eine eher ruhige Gegend, eine Industriestadt und keine Metropole mit einer besonders vielfältigen Bevölkerung. In den 80er Jahren gibt es dort nur wenige Familien mit lateinamerikanischem Hintergrund. Kimberley fällt deswegen in der Schule auf. Nicht nur wegen ihres Namens, sondern auch wegen ihres Aussehens, ihrer Herkunft und am Anfang auch wegen ihrer Sprache. Sie gehört dort zu einer Minderheit. In der Doku Tödliche Verlockung erzählt Kimberleys Schulfreundin Julie, dass Kimberley deswegen gemobbt wird. Laut Julie wird es deswegen für Kimberly wichtig, dazuzugehören, nicht aufzufallen und bloß nicht die zu sein, die anders ist. Sie versucht sich anzupassen. Aus ihrem Vornamen Hosanna wird zum Beispiel Kimberly. Sie färbt ihre Haare heller, später sind sie komplett blond. Sie trägt außerdem blaue Kontaktlinsen und orientiert sich an dem, was für sie typisch amerikanisch ist. In den 80ern ist das ein sehr klares Bild aus MTV-Musikvideos, Werbekampagnen aus dem Fernsehen und in Auto- und Männermagazinen. Die Frauen dort sind schlank, aber kurvig, haben lange Beine, eine schmale Taille, auffälliges Make-up, blonde Haare und tragen enge Jeans, kurze Röcke und freizügige Tops. Auch Playboy-Models prägen zu dieser Zeit ein bestimmtes Ideal. Sie sind nicht nur Models, sondern stehen für ein bestimmtes Lebensgefühl. Sie sind schön, begehrt, erfolgreich und unabhängig. Für viele junge Frauen ist das ein Ziel. Kimberleys Freunde sagen später, dass sie sich genau an solchen Bildern orientiert hat, dass sie sehr viel Zeit in ihr Aussehen investiert hat und dass sie daran geglaubt hat, dass ihr das Türen öffnen kann. In der Highschool funktioniert das auch, denn Kimberley findet Anschluss als Cheerleaderin. Sie wird selbstbewusster und will Model werden. Sie fährt immer wieder in das anderthalb Stunden entfernte Philadelphia um dort professionelle Fotos von sich zu machen. Nach der Schule geht sie erst an die Pennsylvania State University und überlegt, Informatik zu studieren. Aber sie bleibt dort nicht lange. In dieser Zeit lernt sie ihren zukünftigen Mann Peter kennen. Er ist Musiker und spielt als Schlagzeuger in einer Band. Die beiden kommen schnell zusammen. Ihre Schulfreundin Julie beschreibt die Beziehung später als intensiv, vielleicht auch ein bisschen überstürzt. Kimberly wird kurz darauf schwanger und sie und Peter heiraten. Das ist 1991, ein Jahr vor ihrem Verschwinden. Kimberly ist Anfang 20 und ihr Leben verändert sich gerade komplett. Ihr Wunsch, Model zu werden, verschwindet damit aber nicht. Kimberly und Peter ziehen erstmal nach Florida und dann im November 1991 nach Kalifornien. Laut der Los Angeles Times will Kimberly dort als Model und Peter als Musiker arbeiten. Damals wie heute ist Los Angeles genau der Ort, wo solche Träume in Erfüllung gehen können. Kimberly bekommt auch erste Jobs. Sie wird für Fotoshootings gebucht und steht für Bademode und Dessous vor der Kamera. Ihre Freunde glauben, dass sie es weit bringen wird. Allerdings ist das Leben in Los Angeles nicht so einfach, wie Kimberly und Peter gehofft haben. Ihre Freundin Julie erzählt Kimberly, dass das Geld knapp ist und die Jobs nur unregelmäßig kommen. Kimberly überlegt deswegen wieder zu studieren, aber sie gibt ihren Modeltraum nicht auf. Sie sucht nach neuen Aufträgen und Kontakten, die sie weiterbringen. Gerade am Anfang läuft vieles über Anzeigen in den Zeitungen. Fotografen suchen darüber Models und Models suchen Jobs. Auch Kimberley meldet sich auf solche Anzeigen. Einer dieser Kontakte wird am Tag ihres Verschwindens eine Rolle spielen, am Donnerstag, dem 27. Februar 1992. An diesem Tag hat Kimberley einen Termin für ein Fotoshooting. Sie sagt ihrem Mann, dass sie sich mit einem Fotografen treffen will. Was genau an diesem Tag passiert, versuchen die Ermittler nun Stück für Stück zu rekonstruieren. Sie setzen den Tag aus verschiedenen Aussagen zusammen. Aus Gesprächen mit ihrem Mann Peter, mit der Babysitterin, aus Telefonverbindungen und aus späteren Zeugenaussagen. Am Morgen verlässt Kimberley ja das Haus. Ihr Ehemann Peter erinnert sich, dass das etwa gegen halb neun war. So Nicholas bleibt bei der Babysitterin, als Peter kurz danach zur Arbeit fährt. Im Laufe des Tages ist Kimberly dann unterwegs. Einen Teil davon kann die Polizei nachvollziehen. Sie fährt unter anderem in den Stadtteil Sherman Oaks, zu einer Frau, die ein Lifestyle-Magazin für Männer aufbauen will. Laut der Los Angeles Daily News soll Kimberly möglicherweise auf dem ersten Cover erscheinen. Danach führt ihr Weg weiter in ein Salon. Wahrscheinlich ein Friseur, weil sie ja später noch den Termin für das Fotoshooting hat. Der heutige Tag ist für Februar ungewöhnlich warm. Der heißeste Tag des Monats. Fast 30 Grad und strahlender Sonnenschein. Gute Bedingungen für ein Shooting draußen. Irgendwann am frühen Nachmittag meldet sich Kimberley dann noch einmal zu Hause. Gegen 13 Uhr ruft sie zu Hause an und spricht mit der Babysitterin. Sie fragt nach ihrem kleinen Sohn Nicholas und gibt an, dass sie später zurück sein wird. Nichts an diesem Gespräch wirkt ungewöhnlich. Kurz darauf meldet sich auch der Mann, den Kimberley später treffen will. Ein Fotograf namens Paul. Er ruft gegen 14 Uhr bei Kimberly zu Hause an und will den Termin bestätigen. Die Babysitterin nimmt den Anruf wieder entgegen. Kimberly selbst ist zu diesem Zeitpunkt ja nicht da. Und sie wird auch nicht wieder zurückkommen. Normalerweise sollte sie gegen 17 Uhr wieder zu Hause sein. Zu dieser Zeit würde auch die Babysitterin wieder gehen. An diesem Tag aber bleibt sie länger, weil Kimberly noch nicht aufgetaucht ist. Am frühen Abend meldet sich Fotograf Paul noch einmal. Gegen 19 oder 20 Uhr ruft er wieder bei Kimberly zu Hause an. Wieder geht die Babysitterin ans Telefon. Der Fotograf sagt ihr, dass Kimberly ihren Terminplaner bei ihm vergessen habe. Sie solle sich doch bitte bei ihm melden. Und das ist ein Detail, das später noch sehr wichtig werden wird. Als Kimberly auch danach nicht nach Hause kommt, beginnt ihr Mann Peter, sich Sorgen zu machen. Er ruft aber nicht direkt die Polizei. Er berichtet den Beamten, dass er davon ausging, noch warten zu müssen. Dass man eine vermisste Person doch erst nach 48 Stunden beim Notruf melden kann. Ein Irrtum, will die Ermittler ihm später erklären. Peter wartet aber nicht einfach nur zu Hause auf dem Sofa. In den Tagen nach Kimberleys Verschwinden sucht er nach seiner Frau, fährt mit dem Auto durch die Gegend und hat eigentlich gar kein klares Ziel. Er hat einfach die Hoffnung, sie irgendwo zu finden. Einerseits wirkt das ja total nachvollziehbar. Peters Frau kommt nicht nach Hause, er macht sich Sorgen, will irgendwas tun und fährt los. Andererseits gibt es in den Stunden nach Kimberleys Verschwinden keine klaren Hinweise darauf, wo genau Peter wirklich war. Später wird aber auch berichtet, dass er bei dieser Suche so erschöpft ist, dass er einen Autounfall baut. Das zeigt, wie verzweifelt er gewesen sein muss. Für die Ermittler ist in dieser Phase noch alles offen. Sie müssen in alle Richtungen denken. Kimberly könnte ja auch freiwillig verschwunden sein. Es gibt zu diesem Zeitpunkt allerdings keine Hinweise darauf, dass sie aus ihrem Leben in Los Angeles abhauen wollte. Es gibt keine gepackten Sachen oder Abschiedsnachrichten. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass sie sich etwas antun wollte. Alles deutet eher darauf hin, dass Kimberly an diesem Tag ganz normalen Plänen nachgeht. Termin, Telefonaten und ein möglicher Job. Auch Kimberleys Familie in Pennsylvania glaubt nicht, dass sie einfach abgehauen ist. Ihre Mutter Magalie gibt später an, dass ihre Tochter niemals einfach ihr kleines Kind, ihre Familie und ihr Leben zurückgelassen hätte. Magalie denkt zuerst an einen Unfall. Sie ruft Krankenhäuser, Notaufnahmen und sogar Bestattungsinstitute an. Später sagt sie gegenüber den Medien, sie sei durchgedreht, weil sie einfach nichts wusste. Wir können uns nicht vorstellen, wie grauenvoll das alles für Kimberleys Mutter gewesen sein muss. Während die Ermittler zu diesem Zeitpunkt noch in alle Richtungen denken müssen, ist für ihre Mutter früh klar, hier stimmt etwas ganz und gar nicht. Und statistisch gesehen sind die Personen, die uns am nächsten stehen, die potenziellen Täter. Deswegen rückt für die Ermittler als erstes eine Person in den Fokus, die Kimberley am nächsten stand. Ihr wisst es schon. Ehemann Peter. Denn je mehr die Ermittler über die Beziehung zwischen Kimberly und ihrem Ehemann erfahren, desto mehr Fragen stellen sich. Freunde und Bekannte beschreiben die Ehe der beiden als nicht immer glücklich. Vor allem Kimberlys beste Freundin Julie erzählt später in der Doku Tödliche Verlockung, dass sich die Dynamik zwischen Kimberly und Peter nach der Geburt ihres Sohnes verändert habe. Nach außen hat Kimberly oft so gewirkt, als wäre alles in Ordnung. Aber in längeren Gesprächen merkt ihre Freundin, dass Kimberly unruhig und nicht wirklich zufrieden war. Julie sagt sogar, dass Kimberly nur wenige Tage vor ihrem Verschwinden darüber nachgedacht habe, Peter zu verlassen. In der Doku gibt es eine Szene, die besonders krass ist. Denn während eines Telefonats zwischen Kimberly und Julie kommt Peter nach Hause und Kimberly sagt laut zu Julie, der Arsch ist zu Hause. Solche Aussagen zeigen, dass es offensichtlich Spannungen zwischen Kimberly und ihrem Mann gab. Ein großer Streitpunkt war dabei Kimberleys Model-Karriere. Für sie ist das ihr großer Traum. Sie investiert Zeit und Geld, nimmt Jobs an und versucht, sich in der Branche einen Namen zu machen. Für Peter ist das offenbar schwieriger zu akzeptieren. Freunde berichten, dass es immer wieder Konflikte gibt. Vor allem wegen der Art von Shootings. Kimberly modelt für Bademode und Dessous und denkt darüber nach, irgendwann auch für den Playboy zu arbeiten. Für sie ist das ein nächster großer Schritt. Für ihren Mann Peter eher ein Problem. Er soll eifersüchtig gewesen sein und laut Kimberleys Freunden versucht haben, Einfluss darauf zu nehmen, was für Shootings sie macht. Einige Zeit nach ihrem Verschwinden meldet sich dann noch eine Bekannte von Kimberley und ihrem Mann Peter bei der Polizei. Sie berichtet, dass sie im Haus der Familie mehrere Lebensversicherungsdokumente gesehen hat. Insgesamt sind es drei. Etwa 60.000 Dollar auf Peter, 60.000 Dollar auf den gemeinsamen Sohn Nicholas und rund 100.000 Dollar auf Kimberley. Das wären heute über 200.000 Euro. So eine Lebensversicherung kann natürlich ein Motiv sein. Und als die Ermittler dann noch herausfinden, dass Kimberleys Versicherung erst am 20. Februar 1992 abgeschlossen wurde, da schrillen die Alarmglocken. Denn das sind nur wenige Tage vor ihrem Verschwinden. Das ist auf jeden Fall ein Motiv. Parallel dazu schauen sich die Ermittler auch Peters Verhalten in den Tagen nach Kimberleys Verschwinden an. Bei weiteren Gesprächen mit ihm fällt der Polizei nämlich etwas auf. Peter hat mehrere Verletzungen, Kratzer und Blutergüsse. Wo kommen diese Verletzungen her? Könnten sie womöglich von einem Kampf mit Kimberly stammen? Peter erklärt, dass die Verletzungen von dem Autounfall stammen. Wie ihr schon wisst, ist er nach dem Verschwinden seiner Frau ja selbst losgefahren, um nach ihr zu suchen. Und dabei war er so erschöpft und durcheinander, dass er einen Unfall hatte. Diese Erklärung passt grundsätzlich zu den Verletzungen und der Unfall lässt sich auch bestätigen. Trotzdem schauen die Ermittler genauer hin. Peter wird mit den Vorwürfen konfrontiert und muss zwei Lügendetektortests machen. Beide liefern allerdings kein klares Ergebnis, denn sie sind nicht eindeutig auswertbar. Das bedeutet, sie entlasten ihn nicht, aber sie machen ihn auch nicht verdächtig. Also zusammengefasst, es gibt Hinweise auf Probleme in der Ehe, ein mögliches finanzielles Motiv und offene Fragen zu Peters Verhalten nach Kimberleys Verschwinden. Gleichzeitig gibt es aber keinen direkten Beweis, der ihn mit einem Verbrechen in Verbindung bringt. Mit diesen ersten Ermittlungen vergehen ein paar Wochen. Und dann kommt am 4. April 1992 wieder Bewegung in den Fall. Kimberley ist da schon seit fünf Wochen verschwunden. Es meldet sich ein Wanderer bei der Polizei. Sie haben im Angeles National Forest nämlich etwas gefunden. Nicht weit von der Stelle entfernt, an der Kimberleys Auto ausgebrannt ist. Es ist ein kleines schwarzes Notizbuch, ein Terminplaner. Sie finden den an einer Brücke, nahe eines Bachbettes. Es handelt sich um genau so einen Planer, wie Kimberley ihn laut ihrem Umfeld immer bei sich hatte. Die Polizei zeigt den Fund später ihrem Ehemann. Und Peter erkennt es sofort. Es ist tatsächlich Kimberleys Kalender. Das ist ein wichtiger Moment für die Ermittler, denn dieses Buch könnte Antworten enthalten, Termine, Namen, Telefonnummern und vielleicht auch einen Eintrag zu diesem Fotografen Paul, den sie am Tag ihres Verschwindens treffen wollte. Und genau das passiert leider nicht, denn als die Ermittler das Notizbuch durchgehen, stellen sie fest, dass es ihnen leider kaum weiterhilft. Laut späteren Berichten fehlen sogar Seiten. Die wurden einfacher rausgerissen. Und genau die Seiten könnten entscheidend gewesen sein. Fotograf Paul taucht auf den Seiten, die übrig bleiben, übrigens nicht auf. Vor allem, wenn man bedenkt, was Paul selbst behauptet hat. Er hatte ja am Abend des 27. Februar 92 bei Kimberly zu Hause angerufen und der Babysitterin gesagt, dass Kimberly ihren Terminplaner bei ihm vergessen hat. Das bedeutet, dieses Notizbuch war nachweislich in seinem Besitz. Oder es gab vielleicht noch ein drittes Notizbuch. Wir haben also das verbrannte Notizbuch in Kimberlees Wagen. Notizbuch Nummer 1. Nummer 2, das von den Wanderern gefunden wurde. Und das von Paul. Wobei Nummer 2 und 3 eben auch dasselbe sein könnten. Deswegen versuchen die Ermittler, diesen Fotografen Paul zu finden. Falls es noch ein drittes Notizbuch mit Kimberlees Daten gibt, dann wäre das für die Polizei sehr wichtig. Die Detectives versuchen herauszufinden, woher überhaupt der Kontakt zu dem Fotografen Paul kam. Ermittlungen ergeben, dass Kimberly auf eine Model-Gesucht-Anzeige in einer Zeitung geantwortet hatte. Nur, diese Anzeige kann die Polizei jetzt nicht mehr finden. Die Beamten durchsuchen Archive, sprechen mit Redaktionen und fragen bei verschiedenen Fotografen in L.A. Nach, ob irgendjemand einen Fotografen Paul kennt. Allerdings gibt es keinen entscheidenden Hinweis. Auch die Telefonaufzeichnungen helfen nicht weiter. Zwar gibt es die Aussage der Babysitterin, die die zwei Anrufe von Paul entgegengenommen hat, aber in den Telefonaufzeichnungen taucht kein Eintrag für einen Paul auf. In der Doku Tödliche Verlockung wird genau das später als eines der großen Probleme beschrieben. Die Anrufe sind zwar da, aber sie lassen sich nicht zurückverfolgen. Das heißt, eine der wichtigsten Personen in diesem Fall ist praktisch unsichtbar. Die Ermittler wollen unbedingt mit diesem Paul sprechen, weil er möglicherweise entscheidende Informationen hat. Er gilt offiziell nicht als Verdächtiger, sondern als wichtiger Zeuge. Und trotzdem bleibt er ein Phantom. Vorerst. Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger werden die Ermittlungen. Spuren verschwinden, Erinnerungen werden ungenauer und die Wahrscheinlichkeit, Kimberly Leben zu finden, sinkt mit jedem Tag. In dieser Zeit lebt ihre Familie zwischen Hoffnung und Angst. Vor allem Kimberlees Mutter Magalie klemmert sich lange an die Möglichkeit, dass ihre Tochter noch lebt. Dass es irgendeine Erklärung gibt, die kein Verbrechen ist. Vielleicht ein Unfall. Vielleicht etwas, das sich noch aufklären lässt. Sie erzählt der Presse, dass sie immer wieder verschiedene Szenarien im Kopf durchgeht. An manchen Tagen glaubt sie, dass ihre Tochter noch am Leben ist. An anderen rechnet sie mit dem Schlimmsten. Diese Ungewissheit zieht sich über Monate. Das muss das Schlimmste sein, was Eltern durchmachen müssen. Und genau in dieser Phase, in der die Hoffnung immer kleiner wird, passiert etwas, womit niemand mehr wirklich gerechnet hat. Fast genau ein Jahr vergeht, ohne dass es eine entscheidende Spur gibt. Und dann, am 3. März 1993, machen wieder zwei Wanderer im Angeles National Forest eine Entdeckung. In der Nähe eines kleinen Bachlaufs stoßen sie auf menschliche Überreste. Zuerst sehen sie einen Schädel, kurz darauf finden sie weitere Knochen. Sie verständigen sofort die Polizei. Der Fundort liegt nicht weit von der Stelle entfernt, an der ein Jahr zuvor Kimberleys ausgebranntes Auto entdeckt wurde. Laut der Los Angeles Times liegen beide Orte nur wenige Kilometer auseinander. In einem normalen Stadtgebiet wäre das schnell überblickt, aber dort oben in den Bergen bedeutet das dichtes Gestrüpp, unwegsames Gelände und kaum nutzbare Wege. Für die Ermittler könnte der Fund der Wanderer der Durchbruch sein, aber gleichzeitig auch die schlimmsten Befürchtungen bestätigen. Ein forensisches Team durchsucht das Gebiet rund um den Fundort. Dabei finden sie nicht nur weitere Knochen, sondern auch persönliche Gegenstände. Schmuck, Teile von Kleidung und etwas, das sofort auffällt. Ein BH und Unterwäsche, die offensichtlich mit einem scharfen Gegenstand aufgeschnitten wurden. Laut späteren Gerichtsunterlagen sind die Träger des BHs sauber durchtrennt. So, dass man das Kleidungsstück auch dann entfernen könnte, wenn die Hände der Person gefesselt sind. Denn in unmittelbarer Nähe finden die Ermittler außerdem Handschellen. Das passt zu dem kleinen, aber unscheinbaren Schlüssel, der schon ein Jahr zuvor in der Nähe von Kimberleys Auto gefunden wurde. Ein Schlüssel für Handschellen. Die menschlichen Überreste werden zur Untersuchung ins Labor gebracht. Am Ende ist es ein Zahnvergleich, der traurige Gewissheit bringt. Die Zähne stimmen mit den Unterlagen überein, die Kimberleys Familie zur Verfügung stellt. Es sind Überreste der 20 Jahre alten Kimberley. Für ihre Familie ist das der Moment, in dem jegliche Hoffnung endgültig zusammenbricht. Kimberleys Mutter sagt der Los Angeles Daily News, dass alles, woran sie sich bis dahin festgehalten hat, die Hoffnung, die Theorien, in diesem Moment einfach weg war. Die Untersuchung der Knochen bringt der Polizei neue, aber gleichzeitig auch verstörende Erkenntnisse. Laut forensischen Berichten weist Kimberleys Kieferbrüche auf. Diese könnten durch Schläge mit einem kleinen, harten Gegenstand verursacht worden sein, wahrscheinlich noch zu Lebzeiten oder unmittelbar vor ihrem Tod. Allerdings bleibt die genaue Todesursache unklar. Es gibt keine klassischen Spuren wie Blut oder DNA, die man eindeutig auswerten könnte. Es ist zu viel Zeit vergangen. Was die Ermittler jetzt aber sicher sagen können, Kimberley ist nicht einfach verschwunden. Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein Sexualverbrechen. Der aufgeschnittene BH und die Unterwäsche deuten darauf hin, dass die Kleidungsstücke mit einem Messer oder einem ähnlich scharfen Gegenstand entfernt wurden. Kimberley könnte an dem Ort, an dem später ihr Auto gefunden wurde, auf jemanden getroffen sein. Vielleicht freiwillig, vielleicht im Rahmen des Fotoshootings. Und dann könnte die Situation dort eskaliert sein. Sie wird möglicherweise überwältigt, gefesselt und dann von der Straße weggebracht. Hinein in das unübersichtliche Gelände des Angeles National Forest. Der Fundort ihrer Überreste liegt zwar nur wenige Kilometer von der Straße entfernt, aber in diesem Gebiet ist das der perfekte Ort, an dem man jemanden verstecken kann, ohne entdeckt zu werden. Ob alles genauso abgelaufen ist, das können die Ermittler nicht mit Sicherheit sagen. Dafür fehlen zu viele konkrete Spuren. Aber die Kombination aus den Gegenständen, der Lage des Fundorts und den Verletzungen lässt für sie kaum einen anderen Schluss zu. Kimberly ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Aber wer hat ihr das angetan? Eine neue Spur kommt erst zu Tage, als der Fall öffentlich wird. Nachdem Kimberleys Überreste identifiziert wurden, läuft die News im Fernsehen. Einer der Menschen, die diese Berichte sehen, ist ein Mann namens Brett. Er ist ein leidenschaftlicher Autofahrer, der gerne abseits der Straßen im Gelände unterwegs ist. Als er den Fernsehbeitrag über Kimberley sieht, erinnert er sich plötzlich an eine Beobachtung, die er ein Jahr zuvor gemacht hat. Im Jahr 1992. Brett erzählt der Polizei, dass er am Samstag, dem 29. Februar 1992, im Angeles National Forest unterwegs war. Das war zwei Tage nach Kimberleys Verschwinden. Und zwar in einem Gebiet, das nur wenige Kilometer von der Stelle entfernt ist, an der Kimberleys Auto gefunden wird. Brad kennt die Gegend, fährt dort öfter herum und entdeckt an diesem Samstag im Februar einen kleinen, ihm bislang unbekannten Pfad. Er fährt ein Stück rein und stößt auf ein improvisiertes Camp. Was er dort sieht, daran erinnert er sich ein Jahr später noch ganz genau. Vor ihm steht ein älterer Van, daneben ein Zelt. In der Nähe eines Feuers sitzt eine junge blonde Frau. Sie ist nicht wie jemand gekleidet, die in der Wildnis übernachtet. Lord Brett trägt sie schicke Kleidung, mit hohen Schuhen, wirkt zurechtgemacht, hat frisierte Haare und ist geschwingt. Brett hat kurz Blickkontakt mit ihr. Dann tauchen wie aus dem Nichts drei Männer auf. Werbung. Werbung Ende. Sie kommen auf sein Auto zu, schlagen dagegen und schreien Brett an. Einer fragt immer wieder aggressiv, was sein Problem sei. Brett bekommt es mit der Angst zu tun und fährt sofort wieder weg. In diesem Moment hält er die Männer nach eigener Aussage nicht für Entführer oder Mörder. Er glaubt, dass sie einfach nur ihr Camp verteidigen wollten. Erst als er später Kimberleys Bild in den Nachrichten sieht, ist er sich sicher, dass die Frau am Lagerfeuer Kimberley gewesen sein muss. Brads Aussage verändert den Fall nochmal. Denn wenn er recht hat, dann wäre Kimberly am Samstagmittag noch am Leben gewesen. Dann ist sie nicht am Tag ihres Verschwindens am Donnerstag getötet worden. Sie wäre möglicherweise über viele Stunden oder sogar mehrere Tage lang festgehalten worden. Genau daraus entwickelt die Polizei eine neue Theorie, die 1995, drei Jahre nach Kimberleys Verschwinden, in der Fernsehsendung Unsolved Mysteries vorgestellt wird. Diese Sendung haben wir ja hier schon öfter in der schwarzen Akte erwähnt. Das ist ähnlich wie bei uns Aktenzeichen XY ungelöst. In der Folge über Kimberley steht Brads Aussage im Mittelpunkt und die Möglichkeit, dass Kimberley von mehreren Männern im Angeles National Forest entführt worden sein könnte. Vielleicht hat sie sich dort für ein Fotoshooting getroffen. In der Sendung wird spekuliert, dass sie dort gefesselt, möglicherweise unter Drogen gesetzt und später getötet worden sein könnte. Wichtig ist aber, dass das nur eine Theorie ist. Die Polizei hofft trotzdem, dass diese öffentliche Rekonstruktion etwas auslöst und sich vor allem Fotograf Paul mit dem möglichen dritten Terminkalender meldet. Denn er könnte ja ein wirklich wichtiger Zeuge sein. Vielleicht kann er der Polizei sagen, wo Kimberly an diesem Tag noch hin wollte. Zeuge Brett kann die Männer zumindest grob beschreiben. Einer soll zwischen Mitte 20 und 30 gewesen sein, um die 1,75 groß, kräftig gebaut, mit langen, hellbraunen Haaren und mehreren Tattoos. Ein anderer habe langes, strähniges, braunes Haar gehabt und ein Tattoo am linken Arm, das ausgesehen habe wie ein Stacheldraht. Aus diesen Beschreibungen werden Phantombilder erstellt. Eins könnt ihr euch über den Link in den Shownotes ansehen. Die Polizei fährt mit Brad sogar nochmal zu der Stelle zurück, wo er das Camp damals gesehen hat. Doch es ist zu viel Zeit vergangen. Das Camp ist längst weg und es gibt keine verwertbaren Spuren, wer diese Männer waren. Und es bleibt sogar eine Unsicherheit, die den ganzen Fall noch komplizierter macht. War die Frau, die Brad gesehen hat, denn wirklich Kimberly? Er selbst ist davon überzeugt, aber beweisen lässt sich das nicht. Auch die Folge Unsouth Mysteries bringt keinen entscheidenden Durchbruch. Und damit passiert das, was in vielen solchen Fällen passiert. Er verschwindet langsam aus der Öffentlichkeit. Und auch bei der Polizei rückt er irgendwann in den Hintergrund. Für Kimberleys Familie ist das besonders schwer. Während die Öffentlichkeit den Fall langsam vergisst, hört ihre Suche ja nicht einfach auf. Vor allem Kimberleys Mutter Magalie meldet sich immer wieder bei den Behörden. Sie fragt nach und drängt darauf, dass weiter ermittelt wird. Sie kann und will nicht akzeptieren, dass es keine Antwort gibt. Aber aus einer Vermisstenmeldung wird schließlich ein Cold Case. Bis das Gleiche fast exakt nochmal passiert. Im Jahr 1995, drei Jahre später. Im November 1995 verschwindet nämlich wieder eine junge Frau im Raum Los Angeles. Ihr Name ist Linda. Linda ist 27 Jahre alt, attraktiv und wie Kimberly in der Modelbranche unterwegs. Die Parallelen zwischen den beiden Fällen fallen der Polizei sofort auf. Auch sie verschwindet, nachdem sie sich mit einem Fotografen treffen wollte. Und auch ihre Überreste werden im Angeles National Forest gefunden. Laut Berichten liegen die Fundorte nur wenige Kilometer auseinander. Für die Ermittler stellt sich damit die Frage, Haben sie es hier mit demselben Täter zu tun? Möglicherweise mit einem Serientäter? Im Fall von Linda gehen die Ermittlungen deutlich schneller. Die Polizei kann relativ schnell ein Verdächtigen ermitteln. Ein Fotografen namens Charles. Er wird festgenommen und verurteilt. Denn Charles gesteht, Linda getötet zu haben. Die Polizei prüft sofort, ob es eine Verbindung zwischen Charles und Kimberly gibt. Laut Berichten wird sogar eine spezielle Ermittlungsgruppe gebildet, um mögliche Zusammenhänge zu untersuchen. Es gibt Hinweise, dass Charles auch andere junge Frauen kontaktiert hat. Teilweise unter ähnlichen Umständen. In einem Bericht der Nachrichtenagentur UPI wird er damals sogar als möglicher Serienmörder bezeichnet. Und sein Name taucht tatsächlich im Zusammenhang mit Kimberleys Fall auf. Ein Zeuge berichtet, die beiden einmal zusammen in einem Restaurant gesehen zu haben. Ermittler überprüfen Charles' Kontakte, seine Fotos und seine Vergangenheit. Aber am Ende reicht das alles nicht. Es gibt keine belastbaren Beweise, die ihn mit Kimberleys Tod in Verbindung bringen. Charles wird im Fall Kimberley schließlich als Verdächtiger ausgeschlossen. Für die Ermittler ist das ein Rückschlag. Denn für einen kurzen Moment sah es wirklich so aus, als könnte dieser Fall endlich aufgeklärt werden. Währenddessen versucht Kimberleys Familie irgendwie weiterzumachen. Ihr Sohn Nicholas wächst bei seinen Großeltern in Pennsylvania auf. Warum nicht bei seinem Vater Peter, ist leider nicht bekannt. Peter kehrt jedenfalls auch an die Ostküste zurück. Aber ein wirkliches Weiterleben ist das für niemanden. Peter sagt den Medien, Zitat, Das ist etwas, worüber ich nie hinwegkommen werde. Ich bin der Mann, dessen Frau ermordet wurde. Das wird immer ein Teil von mir bleiben. Kimberleys Fall wird damit wieder zum Cold Case. Bis im Jahr 2004 plötzlich etwas passiert, das alles nochmal komplett verändert. Denn zwölf Jahre später wird der Fall neu aufgerollt. Eine Cold Case-Einheit des LA County Sheriff's Department schaut sich die alten Akten nochmal genauer an. Solche Einheiten beschäftigen sich gezielt mit ungelösten Fällen und prüfen sie nochmal mit frischem Blick. Dabei geht es oft nicht darum, neue Beweise zu finden, sondern schon gesammelte Infos neu zu bewerten und Zusammenhänge zu erkennen, die vorher vielleicht übersehen wurden. Genau das passiert jetzt auch in Kimberleys Fall. Die Ermittler gehen systematisch alles noch einmal durch. Aussagen, Telefonverbindungen, alte Notizen und Kontakte aus Kimberleys Umfeld. Besonders wichtig ist für sie weiterhin die Frage, mit wem Kimberley am Tag ihres Verschwindens Kontakt hatte. Und wer ist dieser Fotograf Paul? Als die Ermittler die Akten durchschauen, stoßen sie auf einen Namen, der zwar schon früher in den Unterlagen auftaucht, damals aber nicht weiterverfolgt wurde. David, 42 Jahre alt. Das Besondere an David ist zu diesem Zeitpunkt seine aktuelle Situation. Er sitzt nämlich im Gefängnis. Und zwar wegen Sexualstraftaten. Er hatte eine Beziehung zu einer Minderjährigen und ihr Drogen gegeben. Dafür ist er jetzt mehrere Jahre in Haft. Allein das macht ihn in Kimberlees Fall noch nicht zum Täter. Aber es sorgt dafür, dass die Ermittler ihn mal genauer unter die Lupe nehmen. Sie stellen fest, dass David Anfang der 90er Jahre, damals mit Ende 20, genau in dem Umfeld unterwegs war, in dem auch Kimberly nach Jobs gesucht hat. David schaltete Anzeigen, sprach gezielt junge Frauen an und bewegte sich in einer Szene, in der Modeljobs, private Kontakte und teilweise auch sexuelle Ausbeutung eng miteinander verknüpft waren. Laut späteren Gerichtsunterlagen betrieb David unter anderem eine Art Telefonhotline und vermittelte Kontakte über Anzeigen, bei denen Frauen angeworben wurden. Damit passt er grundsätzlich ins Muster. Jemand, der über Anzeigen Kontakt zu Models herstellt und Treffen organisiert. In den Cold Case Akten taucht Davids Name in alten Telefonverbindungen auf. Ermittler finden damals Hinweise darauf, dass Kimberly versucht hat, ihn zu erreichen. Damals geht die Polizei davon aus, dass sich die beiden aber nie getroffen haben. Aber war das wirklich so? Gerade mit dem Hintergrund seiner Haftstrafe will die Cold Case Einheit das jetzt einmal überprüfen. Dafür sprechen die Ermittler mit Menschen aus Davids Umfeld. Sie machen zuerst mal das Mädchen aus, mit dem David damals eine Beziehung hatte, als sie noch minderjährig war. Sie heißt Manja. Mitte der 90er Jahre ist Manja etwa 15 Jahre alt und mit David zusammen, der damals Anfang 30 ist und damit doppelt so alt wie sie. Manjas Eltern kommen stiegslich dahinter, mit wem ihre Tochter zusammen ist und schalten die Polizei ein. Der Vorwurf, eine sexuelle Beziehung zu einer Minderjährigen und Drogenkonsum. Er hat Manja mit Heroin versorgt. Für beides wird David ja dann verurteilt und kommt ins Gefängnis. Er bekommt eine Haftstrafe von insgesamt zwölf Jahren. Und genau in diesem Zusammenhang erzählt Manja damals schon etwas, das im Rückblick eigentlich unfassbar ist. Sie sagt den Ermittlern, dass David ihr gegenüber behauptet hat, eine junge Frau getötet zu haben. Eine blonde Frau, ein Model. Sie bringt das sogar konkret mit dem Fall Kimberly in Verbindung. Kimberly ist damals schon mehrere Jahre tot. Wenn man das heute hört, dann fragt man sich ja sofort, warum wurde dieser Hinweis damals nicht weiterverfolgt? Laut späteren Berichten könnte es daran gelegen haben, dass die Aussage zu dem Zeitpunkt nicht als belastbar genug eingeschätzt wurde. Manja ist sehr jung, die Situation ist ohnehin kompliziert und es gibt keine weiteren Beweise, die ihre Aussage stützen. Der Anwalt von David gibt an, entweder habe man ihr nicht geglaubt oder die Ermittlungen hätten ergeben, dass es nicht plausibel war. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass die Information da war und dass sie einfach nicht weiterverfolgt wurde. Erst als die Cold Case Ermittler den Fall 2004 neu aufrollen, wird genau diese Aussage wieder wichtig. Sie sprechen nochmal mit Manja. Die ist inzwischen Anfang 20. In diesem Gespräch bestätigt sie nicht nur, was sie damals gesagt hat, sondern erzählt sogar noch mehr. Sie sagt den Ermittlern, dass David oft über Kimberly gesprochen habe. Nicht nur einmal, sondern in verschiedensten Situationen. Ein besonders auffälliger Moment hat sich vor dem Fernseher ereignet, als die beiden zusammen eine Folge von Unsolved Mysteries schauen. Ausgerechnet über den Fall von Kimberly. Laut Manja reagiert David darauf mehr als ungewöhnlich. Er sagt, dass die Theorie der Polizei in der Sendung komplett falsch sei. Die Geschichte mit den drei Männern im Wald stimme nicht. Es wird aber noch gruseliger. Manja erzählt, dass David ihr Gegenüber immer aggressiver wird, vor allem, als sie versucht, sich von ihm zu distanzieren. Bei einem Streit soll er sie dann sogar bedroht haben. Er sagt Manja sinngemäß, dass ihr dasselbe passieren könne wie einer jungen Frau, die er vergewaltigt habe, nachdem sie sich ihm widersetzt hat. Und dann erzählt er Manja schließlich ganz direkt von Kimberly. David sagt, dass er sie über eine Anzeige kennengelernt hat, dass er sie in den Angeles National Forest gelockt und vergewaltigt hat. Kimberly hat offenbar um ihr Leben gebettet. Sie sagt David, dass sie ihn nicht verraten werde, dass sie einfach nach Hause zu ihrem Kind wolle. Aus Angst, dass sie ihn anzeigen könnte, hat David Kimberly deshalb in einem Bach ertränkt. Das erzählt Manja jetzt den Ermittlern. Die müssen komplett geschockt sein. Und dann berichtet Manja auch noch von einer Fahrt mit David in den Angeles National Forest. Das ist lange nach Kimberleys Verschwinden. Sie fahren dorthin, David geht ein Stück in den Wald hinein und kommt nach einiger Zeit zurück. Er erzählt man ja, dass er sich die Stelle angesehen habe, an der er die Frau getötet hat. Und dass er dort sogar noch Knochen gefunden hat. Manja glaubt David erst nicht. Sie hält das für eine Art Einschüchterung oder für übertriebene Geschichten, mit denen er sie kontrollieren will. Erst Jahre später wird ihr klar, wie wahr das alles wirklich ist und dass David wirklich etwas mit dem Mord an Kimberly zu tun haben könnte. Die Ermittler schauen im System nach, ob er noch immer im Gefängnis sitzt. Er hat eigentlich noch sechs Jahre von seiner Strafe abzusitzen, aber exakt zu dem Zeitpunkt, als die Call-Case-Einheit im Fall Kimberly die Arbeit aufnimmt, wird David frühzeitig aus der Haft entlassen. Er ist also wieder auf freiem Fuß. Für eine sofortige Anklage hat die Polizei zu wenig Beweise. Es gibt nur Indizien. Sie brauchen etwas, das nicht nur auf den Erzählungen von Ex-Freundin Manja basiert. Und genau an dieser Stelle kommt eine weitere Person ins Spiel. Eine weitere Frau aus Davids Vergangenheit. Die Ermittler stoßen auf Cynthia. Sie war Anfang der 90er Jahre mit David zusammen, vor Manja und genau in dem Zeitraum, in dem Kimberly verschwunden ist. Und das macht Cynthia für die Polizei extrem wichtig. Denn im Gegensatz zu Manja kennt Cynthia David aus der Zeit, in der die Tat passiert ist und nicht erst danach. Wenn jemand etwas über diese Februarnacht 1992 wissen könnte, dann Cynthia. Als die Ermittler Kontakt zu ihr aufnehmen, ist ihre Reaktion laut späteren Aussagen eindeutig. Sie sagt sinngemäß, sie habe lange darauf gewartet, dass sich jemand bei ihr meldet. Und genau an dieser Stelle stellt sich natürlich sofort die Frage, warum ist sie nicht selbst zur Polizei gegangen? Vielleicht wusste sie damals gar nicht, in was sie da hineingeraten ist. Vielleicht hatte sie Angst. Als die Polizei sie kontaktiert, beginnt sie jedenfalls zu erzählen. Cynthia beschreibt ihren Ex David als jemanden, der nach außen hin ganz normal wirken kann, intelligent, charmant und witzig. Gleichzeitig hat David damals ein Geschäft, bei dem er über Anzeigen und Telefonkontakte junge Frauen anspricht. Eine Art Vorläufer von Chatrooms, nur eben über Telefonleitungen. Frauen rufen dort an, hinterlassen Nachrichten und David ruft zurück. Er nutzt dafür technische Umleitungen, sodass seine Nummer auf keiner Telefonrechnung auftaucht. Laut späteren Berichten nutzt er dabei auch verschiedene Namen. Einer davon ist Paul. Damit schließt sich für die Ermittler zum ersten Mal ein Kreis. Der mysteriöse Fotograf von Kimberleys letztem Tag könnte also gar keine eigenständige Person sein. Sondern einfach ein falscher Name. Und auch die verschleierten Nummern auf den Telefonrechnungen würden zu den Ermittlungen passen. Noch entscheidender ist aber das, was Cynthia über eine bestimmte Nacht im Februar 92 erzählt. Sie sagt den Ermittlern, dass David sie irgendwann Anfang der 90er Jahre in einer Februarnacht mit in die Berge genommen hat, in den Angeles National Forest. Sie fahren gemeinsam eine abgelegene Straße entlang, bis David irgendwann anhält. Am Straßenrand steht ein schwarzer Sportwagen. Cynthia sagt, sie habe damals nicht gewusst, wem das Auto gehört. Und dann passiert etwas, das sie nie wieder vergisst. David nimmt einen Behälter mit Feuerzeugbenzin, geht zu dem Auto und gießt die Flüssigkeit in den Innenraum auf die Beifahrerseite. Dann zündet er das Auto an. Cynthia macht das in dem Moment bestimmt total Angst, aber sie bringt es nicht mit einem anderen Verbrechen in Verbindung. Sie steigen wieder ins eigene Auto und fahren davon. Als die Polizei ihr im Jahr 2004 Fotos zeigt, erkennt Cynthia das Fahrzeug wieder. Es ist Kimberleys Auto. Für die Ermittler ist das der Durchbruch. Zum ersten Mal gibt es jemanden, der David direkt mit dem Tatort in Verbindung bringt, als Augenzeugin. Die Polizei bittet Cynthia schließlich um Hilfe. Sie soll noch mal Kontakt zu David aufnehmen und so tun, als würde sie sich als Ex-Freundin nach seiner Haft einfach mal wieder bei ihm melden. Ziel ist es, David in Gespräche zu verwickeln und vielleicht sogar ein Geständnis aufzunehmen. Dafür wird Cynthia mit einem Aufnahmegerät ausgestattet. Die Ermittler schneiden auch Telefonate zwischen den beiden mit. Cynthia erklärt sich bereit. In mehreren Gesprächen spricht sie David gezielt auf die Nacht im Wald an. Auf das Auto, das Feuer und tatsächlich sagt David etwas Entscheidendes. Er gibt zu, dass er das Auto angezündet hat. Was er aber nicht gestillt, ist der Mord an Kimberly. In den aufgezeichneten Gesprächen streitet er ab, Kimberly getötet zu haben. Laut späteren Gerichtsunterlagen sagt er Cynthia, dass es lächerlich sei, ihm das vorzuwerfen. Trotzdem wird er immer nervöser. In einem der letzten Telefonate scheint er fast panisch und bittet Cynthia um ein Treffen. Er müsse ihr erklären, was damals wirklich passiert ist. Die Ermittler ziehen die Reißleine. Sie haben kein vollständiges Geständnis, aber sie wollen Cynthia nicht in Gefahr bringen. Im März 2004 wird David schließlich festgenommen und wegen Mordes an Kimberly angeklagt. Nach mehr als zwölf Jahren ist der Fall damit kein Cold Case mehr, sondern ein aktiver Fall mit einem Prozess vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft muss beweisen, dass David Kimberly tatsächlich getötet hat. Und genau das ist in diesem Fall so schwierig. Es gibt keine DNA oder eindeutige Spuren direkt vom Tatort und ja auch kein Geständnis. Stattdessen basiert der Fall auf einer Kette von Indizien. Die Staatsanwaltschaft baut ihren Fall auf den Aussagen von Davids Ex-Freundinnen Manja und Cynthia auf. Ein weiteres wichtiges Detail ist Kimberleys Terminkalender. Laut Gerichtsakten wird darin ein Teilabdruck einer Hand gefunden, der David zugeordnet werden kann. Das beweist, dass er sich mit ihr getroffen hat. Im Jahr 2006 beginnt der Prozess, mehr als 13 Jahre nach Kimberleys Verschwinden. Vor Gericht entsteht nach und nach ein Bild dessen, was passiert sein könnte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass David Kimberley unter dem Vorwand eines Fotoshootings in den Angeles National Forest gelockt hat. Dort soll er versucht haben, ihr näher zu kommen, aber sie hat ihn zurückgewiesen. Daraufhin soll die Situation eskaliert sein. In der Anklage steht, dass David Kimberley überwältigt, möglicherweise gefesselt, vergewaltigt und schließlich in einem abgelegenen Bereich in einem Bach ertränkt hat. Davids Verteidigung versucht, die beiden zentralen Zeuginnen, seine Ex-Freundinnen, anzugreifen. Davids Anwalt argumentiert, dass Manja als ehemalige Freundin und Drogenabhängige ein Motiv habe, gegen David auszusagen. Laut Verteidigung sei sie eine voreingenommene Zeugin, die ihm die Schuld für ihre Drogensucht gibt. Auch bei Cynthia wird hinterfragt, wie verlässlich ihre Erinnerung nach so vielen Jahren noch ist. Zusätzlich bringt die Verteidigung ein weiteres Argument ein. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, dass Kimberly sofort nach dem Treffen mit David gestorben ist. Davids Anwalt betont die Beobachtung von Brad, der zwei Tage nach Kimberleys Verschwinden eine Frau mit drei Männern in einem Camp gesehen haben will. Der Prozess dauert mehrere Wochen. Am Ende berät die Jury aus acht Männern und vier Frauen mehrere Tage über den Fall. Im Februar 2006 fällt dann das Urteil. Schuldig. Lebenslange Haft ohne die Möglichkeit auf Bewährung. David selbst bestreitet die Tat bis zuletzt. Er legt Berufung ein und versucht später, das Urteil anzufechten. Die Gerichte bestätigen aber die Entscheidung der Jury. Heute sitzt David noch immer im Gefängnis. Für Kimberlees Familie ist das Urteil ein wichtiger Moment. Nach Jahren der Ungewissheit gibt es endlich eine Antwort auf die Frage, was passiert ist. Aber es ist keine Antwort, die irgendetwas leichter macht. Kimberlees Mutter Magalie sagt der Presse, dass sie irgendwann sogar die Todesstrafe für den Täter wollte. Am Ende akzeptiert sie das Urteil trotzdem. Und sie sagt einen Satz, der viel darüber aussagt, wie sie heute auf den Fall blickt. Sie hofft, dass David ihr eines Tages einen Brief schreibt. Ein Brief, in dem er Reue zeigt. Wenn nicht, dann sei er für sie ein Mensch ohne Wert. Ein Mensch ohne Gefühle. Die Los Angeles Daily News beschreibt in einer Repertage, dass Kimberleys Familie nach dem Prozess noch einmal in den Angeles National Forest fährt. Dorthin, wo Kimberleys Überreste gefunden wurden. Ihr Sohn Nicholas ist zu diesem Zeitpunkt ein Teenager. Seine Großmutter Magali legt weiße Rosen an den Bach, an dem Kimberly gefunden wurde. Sie liest ein Gedicht, das Kimberly als Kind geliebt hat, und sie sagt, ich zitiere, »Ich weiß, wie sie geboren wurde. Jetzt weiß ich auch, wie sie gestorben ist. Und ich weiß, dass ihre Seele irgendwo hier ist.«, Dieser Fall zeigt, wie lange es dauern kann, bis die Wahrheit ans Licht kommt und wie wichtig es ist, dass Fälle nicht einfach vergessen werden. Und ich finde, was der Fall noch zeigt, um jetzt mal direkt in den Diskussionsteil zu springen, Frauen sind gefühlt nirgends sicher und das finde ich so krass. Da sagst du was. Ja, ich meine, wer sich mit True Crime beschäftigt, der weiß es leider so. Aber besonders so ein Fall fühlt mir das dann immer noch mal so krass vor Augen. Voll. Wir haben ja so viele Fälle hier in der schwarzen Akte, wo die Frauen einfach am Arsch sind, kann man einfach mal so sagen. Und ich finde es so traurig, dass Kimberly, eine junge, ambitionierte Frau, sich eine Karriere aufbauen wollte. Die hat ja so viel dafür getan, ihrer Familie eine Grundlage zu schaffen mit dem Modeln und hat sich da bemüht. Die sind extra nach Los Angeles gezogen, weil dort die Karrierechancen nicht nur für sie, auch ja für ihren Ehemann ein bisschen besser sind als woanders in den USA. Und ja, dass diese Ambition, die Kimberly hatte, einfach so hart ausgenutzt wurde und dieser Typ ja Jahre später auch offen darüber spricht, dass er eine junge Frau vergewaltigt hat. Also der hat damit ja gar nicht hinterm Berg gehalten, oder wie man sagt. Und ja, hat das ja fast, also zumindest kam es bei mir so rüber oder bei mir so an, so ein bisschen angeberisch fast schon. Ausgeplaudert. Und der wäre ja auch sogar fast damit durchgekommen. Ja, ja. Also, ja, ich, das Ding ist halt auch so, bei solchen Fotografen-Terminen, da bist du der Person halt auch irgendwo ausgeliefert, dann findet sowas oft statt an Plätzen, wo nicht so viele Leute sind. Deswegen, das hat irgendwie so in mir so richtig krass was getriggert, dieser Fall. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Ich meine, das, was du gerade angesprochen hast, das ist ja vielleicht auch ein Ein wichtiger Tipp will ich jetzt gar nicht sagen, aber wenn man sich das erste Mal mit einer unbekannten Person trifft, sei es jetzt im privaten Datingraum zum Beispiel oder ja, wie jetzt hier in diesem Fall Business mit einem Fotografen. Trefft euch in der Öffentlichkeit. Also ich will der Kimberly natürlich gar keinen Vorwurf machen. Das kann wann anders passieren, das kann wem anders passieren, das kann allen passieren so, aber ja, trefft euch in einem Café oder in einem Restaurant, wo eben auch andere Leute sind. Ja, definitiv. Ich meine, ich bin auch immer gar nicht so ein großer Fan davon, dass man so paranoid nach True Crime wird. Nein, das stimmt. So bin ich überhaupt gar kein Fan von, aber ich finde auch, das ist ein guter Tipp, den du gerade jetzt gegeben hast. Ich finde, das war jetzt 1992 noch nicht möglich, aber dank der Technik heutzutage, du kannst auch einfach mit Freunden, mit Freundinnen deinen Standort ständig teilen, wenn du irgendwie sowas hast. Sei es auch ein Date oder so einfach. Habe ich auch früher gemacht. Ich habe auch immer gesagt, wo das Treffen ist und habe nach einem Standort geschickt und mich dann später immer gemeldet. Ja, also ich habe das, ich kenne das mit meinen Freundinnen auch so. Ja, just to be sure. Und ansonsten finde ich es auch krass, wie manipulativ David eigentlich auch unterwegs gewesen ist. Das war ja nicht nur bei Kimberly der Fall, sondern auch bei seinen Ex-Freundinnen, wie du schon vorhin gesagt hast, wo er ja sogar damit angegeben hat. Verstehe ich auch immer noch nicht, dass es dann trotzdem so knapp gewesen ist im Nachgang. Aber ja, ich will gar nicht so viel über ihn jetzt in dem Fall sprechen. Ich finde es einfach nur mal wieder krass, dass er... So viel machen konnte, auch das Leben dieser Ex-Freundin, so wie wir das jetzt besprochen haben, nicht unbedingt schöner gemacht hat. Ja, vielleicht sollten wir mit den Abschlussworten der Mutter hier den Diskussionsteil beenden, die das ja ganz schön gesagt hat, finde ich, dass sie meinte, sie weiß, wie und wo ihre Tochter geboren ist, jetzt weiß sie auch, wo sie gestorben ist und dass die Seele halt noch da ist. Das ist ja irgendwie traurig, aber irgendwie auch ein schöner Gedanke. Genau deswegen, weil auch wenn wir das so ein bisschen besprechen... Wir immer diesen positiven Schwung raus jetzt noch am Ende nehmen wollen. Let's go. Was geht bei dir? Hol dein Handy raus, falls du es gerade nicht weißt. Ich habe vorhin schon mal kurz geguckt. Also es steht gar nicht so viel an, aber ich hatte mir seit Ewigkeiten mal, und das ist jetzt wirklich was ganz anderes, ganz anderes Thema. Ich hatte mir seit Ewigkeiten mal vorgenommen, so einen Teppichreiniger auszuleihen und mal zu Hause die Couch so richtig schön zu reinigen. Das ist also so ein Mitte-30er-Ding wahrscheinlich. Aber nach dem Umzug wollte ich das eigentlich direkt machen. Aber wie das dann halt so ist, hat man ja tausend andere Sachen erstmal zu tun. Aber jetzt habe ich mir vorgenommen, mir mal so ein Ding auszuleihen, diese Couch dann grundzureinigen. Das steht bei mir an. Und ansonsten feiert noch eine ganz liebe Freundin ihren Geburtstag. Da freue ich mich schon sehr drauf. Das ist echt so eine Sache, weil man älter wird, dann freut man sich wirklich über so was. Ja, du, also auf den Prozess freue ich mich nicht, aber ich freue mich auf die saubere Couch am Ende. Also auf sowas bin ich früher wirklich gar nicht klar gekommen. Aber ich habe wirklich letztens, legend, mich mit Freunden auch auf Ernst unterhalten über BUs, über Berufsunfähigkeitsversicherungen. Richtig auf Ernst diskutiert. Ja, du solltest unbedingt eine haben und so. Und irgendwie, wir haben das alle viel zu ernst genommen. Ich glaube, ich vor fünf Jahren alleine schon hätte gedacht, Bro, sicher, dass du da nicht einschläfst bei der Diskussion. Aber ich war richtig into it. Ja, die Themen verändern sich. je älter man wird, ne? Ja, und sie werden überraschend interessant. Naja, gut. Naja. Bei mir, ich werde auf jeden Fall, ja, bei mir steht auch gar nicht so viel die Woche an. Ich habe auch gerade mal reingeguckt. Das Einzige, worauf ich mich sehr, sehr doll freue, ist, ich werde am Wochenende meine Family hoffentlich mal wieder sehen. Ach schön. Durch den ganzen Hustle ist es jetzt echt seltener wieder geworden. Es war auch ein Vorhaben von dir, hast du es im Podcast erzählt. Genau, wollte ich gerade sagen. War ja auch eigentlich ein Vorhaben für dieses Jahr. Und es läuft, würde ich mal behaupten, ganz gut. Meine Eltern hören den Podcast ja auch so ein bisschen, Stimmt, besonders meine Mom. Deswegen Shoutouts an euch, ganz viel Liebe an euch. Und ich freue mich auf euch. Dann habe ich jetzt hier abschließend eigentlich nur noch eine Frage. Und zwar die letzte Folge, die bei uns online ging, war ja die paranormale Folge. Und die war mal ein bisschen anders, würde ich sagen. Da waren keine Geister, keine Biester, keine, ja, also diese typischen Phänomene, die man vielleicht mit einer paranormalen Folge in Verbindung bringen würde. Sondern wir haben, ohne zu viel zu verraten, über das Verschwinden eines Flugzeugs gesprochen, was vor knapp zehn Jahren, ein bisschen über zehn Jahre, ein Megathema war in den Medien. Und da würde uns halt total interessieren, wie ihr diese Art von Fall in den paranormalen Folgen fandet. Also gebt uns doch da gerne mal ein Feedback. Da freuen wir uns, von euch zu lesen, ob wir mehr in diese Richtung gehen sollen, also uns noch breiter aufstellen, was so paranormale Geschichten angeht. Oder ob ihr wirklich diese Geistergeschichten hören wollt. Schreibt uns das doch gerne bei Instagram oder auch in den Kommentaren zur Folge. Und dann hören wir uns doch hier alle wieder nächste Woche Dienstag, würde ich sagen. Genau, weil wir müssen jetzt schnell machen. Wir beide müssen gleich in ein wichtiges Meeting. Ja, das ist gemein, immer dann nichts erzählen zu dürfen. Mehr dürfen wir noch nicht teasen. Hey, aber es ist ja so wichtig. Cliffhanger. Nein, zu gegebener Zeit werden wir da schon drüber sprechen. Aber ja, deswegen müssen wir jetzt ganz schnell los und freuen uns, wenn ihr auch nächste Woche wieder zuhört. Bis dann. Wir sind eure Hosts Anne Luckmann und Patrick Strobusch. Redaktion Johanna Müsiger und wir. Schnitt Anne Luckmann. Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes. Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.