Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 1: Warum ich so weise bin. 8
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- 0:00Exe, Homo wie man wird, was man ist.
- 0:04Kapitel 1 warum ich so Weise bin Abschnitt 8 Friedrich Nietzsche
- 0:12fragt sich zu Beginn dieses Abschnitts, ob er noch eine
- 0:14letzte Eigenschaft seiner Persönlichkeit verraten soll.
- 0:17Es ist eine Eigenschaft, die ihm den Umgang mit anderen Menschen
- 0:20sehr schwer macht, er besitzt nämlich einen unheimlich starken
- 0:23Instinkt für Reinlichkeit. Mit diesem Reinlichkeitsinstinkt
- 0:27meint er aber nicht das Händewaschen oder Putzen.
- 0:30Er meint eine psychologische und seelische Empfindlichkeit.
- 0:35Nietzsche behauptet, dass er körperlich spüren und sogar
- 0:37riechen kann, wie es tief im Inneren eines anderen Menschen
- 0:40aussieht, er sagt, er riecht gewissermaßen die Eingeweide der
- 0:44fremden Seele, er besitzt feine psychologische Fühler, mit denen
- 0:48er jedes Geheimnis eines anderen Menschen abtasten und erkennen
- 0:52kann. So bemerkt er sofort den vielen
- 0:55verborgenen Schmutz auf dem Grund einer fremden Natur.
- 0:58Dieser Schmutz, so meint Nietzsche, stammt vielleicht von
- 1:01schlechten, ererbten Eigenschaften, die durch eine
- 1:03gute Erziehung nur oberflächlich überdeckt wurden.
- 1:06Nietzsche spürt diesen seelischen Schmutz fast schon
- 1:09bei der ersten Begegnung mit einem Menschen, er hat außerdem
- 1:12beobachtet, dass Menschen, die dieser inneren Reinheit nicht
- 1:15entsprechen, auch seine Abstoßung bemerken, sie spüren
- 1:19seinen Ekel und seine Vorsicht, und weil sie das spüren.
- 1:23Werden sie in ihrem Verhalten oft noch unangenehmer, was
- 1:26Nietzsche mit den Worten beschreibt, dass sie dadurch
- 1:28nicht wohlriechender werden. Für Nietzsche selbst ist eine
- 1:32extreme innere Sauberkeit und Klarheit eine absolute
- 1:35Bedingung, um überhaupt leben zu können.
- 1:38Er sagt, er würde unter unreinen Bedingungen zugrunde gehen, um
- 1:43sich wohlzufühlen, muss er sich in einem völlig durchsichtigen,
- 1:46glänzenden geistigen Element befinden, so als würde er
- 1:49ständig in klarem Wasser baden und schwimmen.
- 1:52Weil er so empfindlich ist, wird der alltägliche Umgang mit
- 1:55Menschen für ihn zu einer großen Geduldsprobe.
- 1:58Normalerweise versteht man unter dem Begriff Humanität die
- 2:02Menschlichkeit, das Mitgefühl oder die Nächstenliebe.
- 2:06Nietzsche erklärt diesen Begriff für sich aber völlig anders,
- 2:09seine Humanität besteht nicht darin, mit anderen Menschen
- 2:12mitzufühlen, seine Humanität besteht vielmehr darin, es
- 2:16überhaupt auszuhalten, dass er das wahre, oft schmutzige Wesen
- 2:19der anderen Menschen so deutlich spürt.
- 2:22Für ihn ist die Liebe zu den Menschen also ein ständiger
- 2:25Kampf gegen sich selbst und eine ständige Selbstüberwindung.
- 2:29Er muss sich immer wieder zwingen, den Kontakt zu ertragen
- 2:32wegen dieser großen Belastung braucht Nietzsche unbedingt die
- 2:35Einsamkeit, die Einsamkeit ist für ihn wie eine Heilung, wenn
- 2:40er allein ist, kann er sich erholen, wieder zu sich selbst
- 2:43finden und die freie, leichte Luft atmen.
- 2:47Er erwähnt dann sein Buch mit dem Titel, Also sprach
- 2:50Zarathustra Zarathustra ist die Hauptfigur dieses Buches und
- 2:55dient Nietzsche oft als Sprachrohr für seine eigenen
- 2:57Gedanken. Nietzsche nennt dieses Buch
- 3:00einen Dithyrambus auf die Einsamkeit und auf die Reinheit,
- 3:04ein Dithyrambus ist ein antikes, sehr leidenschaftliches Loblied.
- 3:08Wer das Buch wirklich versteht, so sagt Nietzsche, der sieht,
- 3:11dass es wie ein harter, reiner Diamant ist, die allergrößte
- 3:14Gefahr in Nietzsches Leben war immer der Ekel vor den Menschen,
- 3:18besonders der Ekel vor dem Gesindel.
- 3:21Mit dem Wort Gesindel meint er die breite, unreflektierte Masse
- 3:24der Menschen, die keine geistige Größe oder innere Reinheit
- 3:27besitzen. Um zu zeigen, wie er diesen Ekel
- 3:30überwunden hat, zitiert Nietzsche am Ende des Abschnitts
- 3:33einige Zeilen aus seinem Buch. Also sprach Zarathustra in
- 3:37diesem Text fragt Zarathustra, wie er von seinem Ekel erlöst
- 3:40wurde und wie er neue Kraft gefunden hat.
- 3:43Er fand die Lösung, indem er in die allerhöchsten geistigen
- 3:46Höhen geflogen ist. Dort oben gibt es eine reine
- 3:49Quelle der Freude. Das ist ein Leben, an dem das
- 3:52Gesindel nicht teilnehmen und nicht mittrinken kann.
- 3:56Zarathustra beschreibt, wie sehr sich sein Herz nach dieser
- 3:58kühlen, reinen Quelle sehnt. Sein Herz brennt wie in einem
- 4:03heißen, kurzen Sommer, er hat die Trübsal und die schlechten
- 4:06Gefühle hinter sich gelassen und ist nun ganz in diesem Sommer
- 4:10auf den höchsten, kältesten Gipfeln angekommen.
- 4:14Zarathustra ruft seine Freunde zu sich, um diese heilige Stille
- 4:16gemeinsam noch schöner zu machen.
- 4:19Er betont, dass diese Höhe ihre gemeinsame Heimat ist.
- 4:23Sie wohnen dort zu hoch und zu steil, als dass unreine Menschen
- 4:26sie jemals erreichen könnten. Die reinen Freunde sollen in
- 4:30diese Quelle der Freude blicken, denn sie wird dadurch nicht
- 4:33trübe, sondern lacht ihnen rein entgegen, sie bauen ihr Nest
- 4:37gewissermaßen auf dem Baum der Zukunft, Adler sollen ihnen das
- 4:41Essen bringen, es ist eine geistige Nahrung, von der
- 4:44unreine Menschen nicht mitessen dürfen.
- 4:47Wenn unreine Menschen das Essen würden, würden sie denken, sie
- 4:50fressen Feuer und sie würden sich den Mund verbrennen.
- 4:54Für das Gesindel gibt es in diesen Höhen keinen Platz, das
- 4:57Glück der Reinen würde sich für das Gesindel wie eine eiskalte
- 5:00Höhle anfühlen, Zarathustra und seine Freunde wollen wie starke
- 5:05Winde über den normalen Menschen leben, als Nachbarn der Adler,
- 5:08des Schnees und der Sonne. Eines Tages will Zarathustra wie
- 5:13ein starker Wind zwischen die unreinen Menschen blasen.
- 5:16Und ihrem bösen Geist den Atem nehmen, das ist seine Bestimmung
- 5:20für die Zukunft. Der Text endet mit einem
- 5:23Ratschlag Zarathustras an alle Feinde und an alle, die gehässig
- 5:27sind und spucken wollen, er warnt sie davor, gegen diesen
- 5:31starken Wind zu spucken, denn das würde nur auf sie selbst
- 5:34zurückfallen.