Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / 10# Folge 18: Das Loch in der Seele: Warum du dir ein Leben ohne Drogen (noch) nicht vorstellen kannst
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen. Ich freue mich wirklich sehr,
- 0:02dass du heute wieder eingeschaltet hast, um dir Zeit
- 0:05für dich und deine Themen zu nehmen.
- 0:07Hallo, auch von meiner Seite. Heute geht es um ein Gefühl, das
- 0:12viele kennen, die mit sucht zu tun haben oder ja, vielleicht
- 0:15auch hatten. Diese tiefe Angst, dass ein
- 0:19Leben ohne Drogen irgendwie ja leer sein könnte.
- 0:24Unvorstellbar, als ob Freude, Entspannung, vielleicht sogar
- 0:29Kreativität nur noch mit der Substanz möglich wären.
- 0:32Ein Gefühl, das einen echt lähmen kann.
- 0:34Ja, und unsere Grundlage für die heutige Besprechung ist ein, wie
- 0:38ich finde, sehr persönliche Artikel von Gabriel auf nilix
- 0:41Berlin. Genau, der Titel bringt es schon
- 0:43ziemlich gut auf den Punkt. Das Loch in deiner Seele, warum
- 0:46du dir ein Leben ohne Drogen nicht vorstellen kannst.
- 0:49Ja, der Titel ist stark und wir wollen heute gemeinsam versuchen
- 0:52zu verstehen. Was eigentlich hinter diesem
- 0:55Gefühl steckt? Was passiert da im Gehirn, was
- 0:58sagt die Erfahrung? Wir wollen quasi so n bisschen
- 1:01unter die Haube deines Suchtgedächtnisses schauen.
- 1:04Genau das Betriebssystem hacken sozusagen.
- 1:06Exakt, aber vielleicht ganz wichtig direkt am Anfang.
- 1:10Gabriel, der Gründer von Nielix Berlin und eben der Autor dieses
- 1:13Artikels, der ist selbst betroffen, Mhm.
- 1:16Er schreibt ja von 28 Jahren sucht und Recovery.
- 1:19Also das ist jetzt keine rein theoretische Abhandlung, sondern
- 1:23er teilt da seine eigenen Erfahrungen und das sehr offen
- 1:26und ich glaub das macht es auch so wertvoll und authentisch,
- 1:29oder? Er will damit ja auch zeigen,
- 1:31hey, wenn du diese Ängste kennst.
- 1:33Diese Zweifel, du bist damit nicht allein.
- 1:36Absolut. Vielen Menschen geht es ganz,
- 1:38ganz ähnlich. Und Gabriel beschreibt diese
- 1:40Angst auch sehr eindringlich. Er sagt ja oft, ist gar nicht
- 1:44der körperliche Entzug das Schlimmste, der ist irgendwie,
- 1:48ja, der geht vorbei. Ja, das endlich.
- 1:50Genau. Aber die wirkliche Panik, die
- 1:52kommt bei dem Gedanken an, das danach.
- 1:54Also die Vorstellung, nie wieder so richtig unbeschwert lachen zu
- 1:58können oder tief zu entspannen, kreativ zu sein, ohne die
- 2:02Substanz halt. Das fühlt sich wahrscheinlich
- 2:04an, wieso ne lebenslange Strafe in Grau?
- 2:06Ja, genau das beschreibt er, und das ist n ganz zentraler Punkt.
- 2:10Und wenn du, lieber Zuhörer, dieses Gefühl kennst, diese ja
- 2:14fast schon existenzielle Panik. Das ist eben keine persönliche
- 2:19Schwäche, oder dass du irgendwie verrückt wärst.
- 2:20Nein, es ist eine erlernte Reaktion des Gehirns.
- 2:24Das basiert auf ganz realen Mechanismen.
- 2:27Exakt das ist die Kernbotschaft, die Gabriel auch Rüberbringt.
- 2:31Das Suchthirn, also der Teil deines Gehirns, der durch die
- 2:34Substanzen ja umprogrammiert wurde, der ist ein absoluter
- 2:37Meister der Täuschung. Mhm, es flüstert ja halt ständig
- 2:41ein, die Droge sei die Lösung. Nicht das Problem und diesen
- 2:45Trick zu durchschauen, diesen inneren Betrug, das ist der
- 2:49erste, aber auch ein riesiger Schritt in Richtung Freiheit.
- 2:52OK, dann lass uns doch mal genau auf diese Mechanismen schauen.
- 2:56Wie kommt es denn zu dieser tiefen Überzeugung, ohne die
- 2:59Substanz quasi nicht leben zu können?
- 3:01Das ist ja nicht nur Einbildung. Absolut nicht.
- 3:04Nein, das hat eine wirklich handfeste neurobiologische
- 3:07Basis, Drogen, die Kappern unser Belohnungssystem im Gehirn.
- 3:12Das sogenannte Mesolimbische Dopaminsystem okay die Sorgen
- 3:16für eine künstliche Dopaminflut, die weit über das hinausgeht,
- 3:20was natürliche Belohnungen wie Gutes Essen oder Sex oder Sport
- 3:24auslösen. Also viel stärker.
- 3:27Viel, viel stärker. Das ist, als würde man dem
- 3:29Gehirn quasi mit dem Vorschlaghammer eintrichtern.
- 3:32Achtung, Diese Substanz hier, die ist überlebenswichtig.
- 3:36Wow, das Nida, das ist ja das führende US Institut für
- 3:39Drogenforschung. Die nennen das auch ganz
- 3:42treffend Gehirn highjacking das Gehirn lernt also auf einer ganz
- 3:46tiefen, unbewussten Ebene substanzgleich überleben, das
- 3:51heißt, das Gehirn wird regelrecht umtrainiert, die
- 3:53Droge als das Allerwichtigste überhaupt anzusehen.
- 3:56Überlebenswichtig sogar. Ganz genau.
- 3:58Und oft kommt ja noch was dazu. Viele Menschen mit
- 4:01Suchterkrankungen leiden ja gleichzeitig unter anderen
- 4:03psychischen Problemen. Stimmt die Komorbidität genau?
- 4:07Depressionen, Angststörungen, Traumata, Statistiken zum
- 4:12Beispiel von Semsa in den USA zeigen ja, dass das weit über
- 4:16die Hälfte der Betroffenen betrifft.
- 4:18Wahnsinn. Und für diese Menschen fühlt
- 4:21sich die Substanz dann vielleicht kurzfristig
- 4:23tatsächlich wie eine Erleichterung an.
- 4:26So ne Art Selbstmedikation gegen den inneren Schmerz, gegen die
- 4:29Angst, gegen die Lehre. Auch wenn sie langfristig alles
- 4:32schlimmer macht, natürlich, langfristig verschlimmert sie
- 4:35alles, aber in dem Moment entsteht halt eine noch stärkere
- 4:37Verknüpfung im Kopf. Nur die Droge hilft mir daraus.
- 4:41OK, das erklärt natürlich auch, warum der Gedanke ans Aufhören
- 4:43so unglaublich beängstigend sein kann.
- 4:45Aber was passiert denn dann konkret, wenn man die Substanz
- 4:48weglässt? Gabriel beschreibt ja diese
- 4:49anfängliche Lehre so eindringlich.
- 4:51Ja, das ist die sogenannte Anhedonie, also die Unfähigkeit,
- 4:56Freude zu empfinden. Gerade in der frühen Phase der
- 4:59Recovery, also der Genesung, ist das sehr, sehr häufig.
- 5:03Das Gehirn ist einfach so an diese künstliche
- 5:06Dopaminüberschwemmung gewöhnt. Dass normale alltägliche Freuden
- 5:11kaum noch oder gar nichts mehr auslösen.
- 5:14Alles fühlt sich grau. An alles wirkt grau, stumpf,
- 5:17mühsam. Gabriel spricht ja von dieser
- 5:20grauen Wüste, und das fühlt sich natürlich furchtbar an.
- 5:23Und für die Betroffenen oft auch so, als würde das nie wieder
- 5:27weggehen, als wäre das permanent.
- 5:29Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber, und das ist wirklich die
- 5:32entscheidende Botschaft, auch im Artikel, dieser Zustand ist
- 5:36vorübergehend temporär. Vorübergehend.
- 5:40Das ist wahrscheinlich schwer zu glauben, wenn man da gerade
- 5:42mittendrin steckt. Total verständlich, aber die
- 5:44Wissenschaft, die gibt uns hier wirklich Hoffnung.
- 5:47Stichwort Neuroplastizität. Ah ja, die Formbarkeit des
- 5:52Gehirns. Genau.
- 5:54Unser Gehirn ist formbar, es kann sich verändern, es kann
- 5:57heilen. Durch neue gesunde
- 5:59Verhaltensweisen, durch Therapie, durch Unterstützung
- 6:02kann das Gehirn lernen, wieder auf natürliche Weise Freude zu
- 6:06empfinden. Es kann buchstäblich neue
- 6:09Verbindungen knüpfen und die alten, schädlichen Muster
- 6:12überschreiben. OK, also zusammenfassend, das
- 6:15Gefühl ist real. Es ist im Gehirn verankert durch
- 6:17dieses Highjacking des Belohnungssystems und eben auch
- 6:20durch die mögliche Anhedonie am Anfang.
- 6:23Aber es ist ja nicht nur Biochemie oder es ist auch ganz
- 6:27stark gelerntes Verhalten dieser Drogenautopilot, von dem Gabriel
- 6:30schreibt. Ja, genau das ist der zweite
- 6:33ganz wichtige Aspekt, die Konditionierung.
- 6:36Du kennst vielleicht das Beispiel mit pavlovs Hunden
- 6:38klar, die Glicke und das Futter genau.
- 6:42Und bei der Sucht ist es ganz ähnlich.
- 6:44Ein bestimmter Auslöser, ein Träger, wie man sagt, das kann
- 6:47Stress sein, Langeweile, Einsamkeit, aber auch n
- 6:51bestimmter Ort, ne Person, sogar ne Uhrzeit, OK.
- 6:55Dieser Trigger führt dann zur erlernten Routine, also zum
- 6:59Konsum, und der bringt dann die vermeintliche Belohnung.
- 7:03Kurzfristige Erleichterung der Dopaminkick und.
- 7:07Und wenn sich das oft genug wiederholt, dann brennt sich das
- 7:10richtig ein. Exakt.
- 7:12Dann baut das Gehirn eine Art neuronale Autobahn zwischen
- 7:15diesem Auslöse und dem Konsumverhalten.
- 7:18Irgendwann reicht der Trigger allein aus, um ein massives
- 7:21Verlangen, den sogenannten Suchtdruck, auszulösen, und das
- 7:25läuft dann automatisch ab, das läuft dann völlig automatisch
- 7:28ab, fast wie ein Reflex, das Gehirn hat halt gelernt.
- 7:32O. Unangenehmes Gefühl, Stress,
- 7:34Angst. Nimm die schnelle Abkürzung über
- 7:37die Substanz und das ist dann keine bewusste Entscheidung mehr
- 7:41in dem Moment, sondern ein ganz tief verankertes Muster.
- 7:45Puh, und dieses Muster, das wird dann ja noch durch bestimmte
- 7:49Gedanken verstärkt, die das Gehirn einem liefert.
- 7:52Richtig, Gabriel nennt das ja die 4 großen Lügen des
- 7:56Suchthirns, das finde ich ein wirklich starkes Bild.
- 7:58Absolut. Das Gehirn sagt ja nicht
- 8:01einfach, ich bin süchtig, hilf mir, sondern es liefert
- 8:04scheinbar total logische Gründe, warum man jetzt konsumieren
- 8:07muss. Ja, es ist wie ein manipuliertes
- 8:10Navi, habe ich vorhin gesagt. Es zeigt dir immer nur den einen
- 8:13Bekannten, aber eben schädlichen Weg und blendet alle gesonnten
- 8:17Alternativen komplett aus. Und der Kern dieser Lügen ist
- 8:20immer derselbe. Im Grunde ja.
- 8:22Es ist immer diese erlernte Verknüpfung zwischen der
- 8:26Substanz und einem bestimmten Bedürfnis, Spaß, Stressabbau,
- 8:32Kreativität, Identität, die als unumstößliche Wahrheit
- 8:37dargestellt wird. Kannst du mal Beispiele nennen,
- 8:39die. Spaßlüge zum Beispiel.
- 8:42Genau, die Spaßlüge. Ohne die Substanz kann ich nie
- 8:45wieder richtigen Spaß haben. Die Wahrheit dahinter ist aber.
- 8:48Dein Gehirn hat gelernt, die Substanz mit Spaß gleichzusetzen
- 8:53und es nimmt vielleicht natürliche Freude, die ja viel
- 8:56leiser ist, erst mal gar nicht mehr richtig wahr.
- 8:58Freude muss quasi neu erlernt werden, OK, und die Stresslüge
- 9:02ohne die Substanz halte ich diesen Stress nicht aus.
- 9:04Klassiker dabei betäubt die Substanz den Stress ja nur ganz
- 9:07kurzfristig, sie löst aber das eigentliche Problem überhaupt
- 9:10nicht, echte gesunde Stressbewältigungsstrategien,
- 9:14die müssen erst wieder neu gelernt werden, die Substanz ist
- 9:18da nur ein Pflaster auf einer tiefen Wunde.
- 9:21Und was ist mit der Kreativitäts oder Leistungslüge, dass man
- 9:25glaubt, nur mit Substanz gute Ideen zu haben oder Leistung
- 9:28bringen zu können? Meistens eine Illusion, eine
- 9:30Täuschung, die Substanz enthemmt, vielleicht kurzfristig
- 9:34ja, aber echte Kreativität und vor allem nachhaltige
- 9:38Leistungsfähigkeit, die kommen aus ganz anderen Quellen.
- 9:41Und oft folgt ja dann auch der Crash, die Erschöpfung.
- 9:44Genau. Das ist nicht nachhaltig und die
- 9:47subtilste Lüge ist vielleicht die Identitätslüge.
- 9:51Der Konsum gehört einfach zu mir, das bin ich.
- 9:54Exakt die Sucht wird über die Zeit zu einem Teil der eigenen
- 9:58Identität. Man definiert sich darüber und
- 10:01Recovery, also die Genesung, bedeutet dann eben auch, sich
- 10:04selbst neu zu entdecken, herauszufinden.
- 10:07Wer bin ich eigentlich ohne diese Substanz und warum sind
- 10:11diese Lügen so verderbt überzeugend?
- 10:13Na ja, weil sie eben genau die eingefahrenen neuronalen
- 10:16Autobahnen bestätigen und bedienen.
- 10:18Es fühlt sich in dem Moment richtig und vertraut an, ihnen
- 10:21zu folgen, weil der Weg so bekannt ist, so oft gegangen
- 10:24wurde, auch wenn er ins Verderben führt.
- 10:27Das klingt jetzt aber alles ziemlich fest gefahren.
- 10:29Also wenn diese Autobahnen so stark sind und die Lügen so
- 10:32überzeugend. Wie kommt man da überhaupt raus?
- 10:35Wie kann man diesen Autopiloten denn umprogrammieren?
- 10:38Das ist die entscheidende Frage. Klar, der Artikel nennt das
- 10:41aktives Umprogrammieren und das Bild dazu ist ganz gut, du reißt
- 10:46die alten Gleise nicht einfach raus, das geht nicht, aber du
- 10:49lernst die Weichen bewusst umzustellen.
- 10:52Aha und neue gesunde Gleise direkt daneben zu bauen.
- 10:57Es geht darum, diese falschen Verknüpfungen aktiv zu
- 11:01überschreiben. Das ist definitiv Arbeit, das
- 11:04braucht Zeit und Kraft, aber es ist möglich und Gabriel schlägt
- 11:09dazu ja auch ganz konkrete Schritte vor.
- 11:11Ja, lass uns die mal durchgehen. Der erste Schritt ist radikale
- 11:15Detektivarbeit. Klingt spannend, ja, ist es
- 11:18auch, es bedeutet genau hinschauen, ein Triggertagebuch
- 11:22führen zum Beispiel. Wann genau kommt das Verlangen,
- 11:26in welcher Situation und ganz wichtig, was fühle ich wirklich
- 11:30in diesem Moment, also nicht nur ich hab Lust auf, sondern tiefer
- 11:34graben. Genau.
- 11:35Oft steckt ja was ganz anderes dahinter.
- 11:38Einsamkeit, Angst, Stress, Langeweile, Wut, Scham.
- 11:42Das erst mal zu erkennen, die eigenen Muster zu durchschauen,
- 11:46das ist der allererste wichtige Schritt.
- 11:48Okay Muster erkennen und dann? Dann kommt das, was Gabriel das
- 11:53nur einmal Experiment nennt. Wenn das Verlangen kommt, dieser
- 11:56Automatismus anspringt, dann ganz bewusst entscheiden, nur
- 12:00dieses eine Mal mache ich etwas anderes.
- 12:02Egal, was im Prinzip ja, Hauptsache die Kette wird
- 12:05unterbrochen, geh 15 Minuten spazieren, Ruf einen Freund an,
- 12:09hör deine Lieblingsmusik ganz laut, mach n paar Liegestütze
- 12:12irgendwas um dem Gehirn zu zeigen, Moment mal, es geht auch
- 12:16anders. Und jeder dieser Momente, in
- 12:18denen man es schafft, anders zu reagieren, der baut dann quasi
- 12:22an den neuen Wegen mit. Ganz genau.
- 12:25Das ist der dritte Schritt. Neue Autobahnen bauen jede
- 12:28einzelne gesunde Reaktion auf einen Trigger stärkt einen neuen
- 12:31neuronalen Pfad in deinem Gehirn.
- 12:33Am Anfang ist das wahrscheinlich mühsam.
- 12:35Ja, am Anfang ist das wie ein kleiner Trampelpfad im
- 12:38Dschungel, mühsam. Man muss sich durchkämpfen, aber
- 12:42je öfter du diesen neuen Weg gehst, desto breiter und fester
- 12:45wird er. Wiederholung ist hier absoluter
- 12:48Schlüssel. Und irgendwann wird dieser neue,
- 12:51gesunde Weg dann zur Gewohnheit. Genau.
- 12:54Irgendwann wird der neue Weg zur Standardroute, zur neuen
- 12:57Autobahn. Das ist die Macht der
- 12:59Neuroplastizität. Das klingt aber auch nach etwas,
- 13:02das man wahrscheinlich kaum alleine schafft, oder?
- 13:05Dieser Kampf gegen die alten Muster.
- 13:07Absolut richtig. Deshalb ist der vierte Schritt,
- 13:10den Gabriel nennt, so wichtig. Hol dir einen Co Piloten, also
- 13:14Unterstützung suchen. Unbedingt.
- 13:16Therapeuten, suchtberatungsstellen,
- 13:19Selbsthilfegruppen. Das sind Menschen, die den Weg
- 13:21kennen, die die Mechanismen verstehen, die dir helfen
- 13:24können, deine Muster zu erkennen und die Unterstützung geben,
- 13:27wenn es schwierig wird. Das ist überhaupt keine
- 13:30Schwäche, das ist klug und notwendig Fragen.
- 13:33Die immer wieder aufkommen, wenn man über ein Leben ohne Drogen
- 13:36nachdenkt. Die FAQS aus dem Artikel
- 13:39sozusagen, ja. Lass uns da mal tiefer
- 13:41einsteigen. Eine ganz zentrale Frage ist ja,
- 13:44kommt die Freude wirklich zurück?
- 13:47Kann ich ohne Drogen jemals wieder echte, tiefe Freude
- 13:50empfinden? Die ehrliche Antwort, sowohl aus
- 13:53der Erfahrung vieler Betroffener als auch aus der Wissenschaft
- 13:56lautet Ja absolut, aber, und das ist wichtig, es braucht Geduld,
- 14:02diese Anhedonie, diese anfängliche Phase der
- 14:05Freudlosigkeit, die ist real, und die kann sich furchtbar
- 14:09anfühlen, keine Frage, aber. Aber sie ist eben ein
- 14:12Entzugssymptom, das vorübergeht, weil das Gehirn heilt.
- 14:15Und die Freude, die dann zurückkehrt, ist anders.
- 14:19Ja, sie ist oft anders, häufiger ruhiger, vielleicht nicht so
- 14:23knallig intensiv wie der künstliche Rausch, aber dafür
- 14:26ist sie echter, tiefer und vor allem nachhaltiger.
- 14:30Gabriel beschreibt das ja auch sehr schön in seinem Artikel,
- 14:32dieses erste Mal wieder richtig von Herzen lachen, Gänsehaut bei
- 14:36Musik kriegen, ne tiefe Verbindung in einem Gespräch
- 14:40spüren. Das kommt wieder und dieses
- 14:42Gefühl ist unbezahlbar. Das durchhalten lohnt sich
- 14:44dafür, das ist ermutigend. Eine andere große Hürde für
- 14:47viele ist ja das soziale Umfeld, was ist, wenn mein ganzer
- 14:52Freundeskreis mein ganzes soziales Leben auf dem
- 14:54gemeinsamen Konsum basiert hat, verliere ich dann alle meine
- 14:57Freunde? Q ja, das ist oft eine der
- 15:01Schmerzhaftesten, aber auch wichtigsten Konsequenzen, mit
- 15:04denen man sich auseinandersetzen muss.
- 15:06Wenn Freundschaften wirklich primär auf dem gemeinsamen
- 15:10Konsum beruhen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass
- 15:13viele davon nicht halten werden, wenn du diesen Weg verlässt.
- 15:16Das tut weh, da gibt es nichts zu beschönigen.
- 15:19Kann ich mir vorstellen. Aber, und das ist die andere
- 15:22Seite der Medaille, es ist auch eine riesige Chance.
- 15:26Die Chance, neue Beziehungen aufzubauen, die auf echter
- 15:29Verbindung basieren, auf gemeinsamen Werten, auf
- 15:31gegenseitiger Unterstützung und eben nicht mehr auf dem
- 15:34gemeinsamen Rausch. Wo findet man solche Leute?
- 15:37Selbsthilfegruppen sind da zum Beispiel oft ein sehr guter
- 15:40Startpunkt. Da findest du Menschen, die
- 15:42genau verstehen, was du durchmachst, die ähnliche Ziele
- 15:45haben und dich unterstützen können.
- 15:47Es geht darum, Authentizität über die alte Gewohnheit zu
- 15:50stellen. OK und?
- 15:53Und dieser Autopilot, von dem wir sprachen, dieses
- 15:56automatische Verlangen, das fühlt sich ja oft so übermächtig
- 15:59an. Kann man das wirklich ja
- 16:02besiegen? Vielleicht ist ersetzen oder
- 16:04umleiten das passende Wort als besiegen die alte neuronale
- 16:07Autobahn, die bleibt als Spur im Gehirn ja wie eine Narbe, die
- 16:11verschwindet nicht komplett. Ah okay.
- 16:14Aber wenn du sie nicht mehr benutzt, wenn du nicht mehr auf
- 16:16ihr fährst, dann verfällt sie mit der Zeit.
- 16:19Sie wächst quasi zu. Indem du konsequent immer wieder
- 16:22die neue, gesunde Autobahn wählst, wird diese zur neuen
- 16:25Standardroute. Das Gehirn ist da pragmatisch,
- 16:27es nimmt irgendwann den Weg des geringsten Widerstands und das
- 16:30wird mit der Zeit der neue, gesunde Weg sein.
- 16:32Das heißt, es wird mit der Zeit wirklich leichter.
- 16:35Ja, es wird mit jeder Wiederholung, mit jeder
- 16:37bewussten Entscheidung für den neuen Weg leichter.
- 16:41Das ist die gute Nachricht der Neuroplastizität.
- 16:44Eine Frage, die sich dann natürlich stellt, wie lange
- 16:46dauert dieser Prozess des Umlernens ungefähr?
- 16:49Kann man da ne Zeitangabe machen?
- 16:52Das ist wirklich sehr, sehr individuell.
- 16:54Da gibt es keine pauschale Antwort.
- 16:57Es hängt von so vielen Faktoren ab, welche Substanz wurde
- 17:00konsumiert, wie lange gibt es Begleiterkrankungen.
- 17:03Wie stabil ist das soziale Umfeld?
- 17:06Wieviel Unterstützung hat man? Verstehe, was man sagen kann,
- 17:10ist, dass die intensivste Phase des Umprogrammierens des
- 17:13Neulernens oft in den ersten 6 bis 12 Monaten der Nüchternheit
- 17:17liegt, da passiert am meisten, da ist es oft am
- 17:20Anstrengendsten, aber man muss auch ehrlich sein, Recovery ist
- 17:24ein lebenslanger Prozess, lebenslang ja im Sinne von die
- 17:28alten Träger können auch nach Jahren noch mal die alte Bahn
- 17:31kurz reaktivieren. Es geht darum, eine Haltung der
- 17:34Achtsamkeit zu entwickeln, gut für sich zu sorgen und die
- 17:37neuen, gesunden Strategien immer wieder bewusst anzuwenden und zu
- 17:41pflegen. Es ist keine einmalige
- 17:43Reparatur, sondern eine neue Art zu leben, OK, eine letzte Frage
- 17:48noch aus diesem Bereich, die manchmal vielleicht auch so als
- 17:50Einwand kommt. Ist dieses ganze Gerede von der
- 17:53falschen Verknüpfung im Gehirn vom Highjacking nicht vielleicht
- 17:57doch nur ne schlaue Ausrede? So nach dem Motto, Ich kann ja
- 18:00gar nichts dafür, mein Gehirn ist schuld?
- 18:02Das ist n wichtiger Punkt, aber ich sehe das genau andersherum.
- 18:05Dieses Wissen ist keine Ausrede, sondern eine wissenschaftlich
- 18:09fundierte Erklärung und das ist unglaublich wichtig.
- 18:12Warum? Weil es die schwere moralische
- 18:15Keule wegnimmt. Dieses ich bin willensschwach.
- 18:18Ich bin charakterlich schlecht gefühlt das so unglaublich
- 18:21lähmend ist und oft auch von außen kommt.
- 18:24Stimmt, stattdessen gibt es ein klares Verständnis.
- 18:27OK, mein Gehirn hat über die Zeit ein schädliches Muster
- 18:30gelernt, es wurde quasi fehlprogrammiert und dieses
- 18:34Wissen, das gibt dir macht zurück.
- 18:36Wie meinst du das? Wenn du verstehst, wie es
- 18:38funktioniert, dann weißt du auch, wo du ansetzen kannst.
- 18:42Eben nicht mit purer Willenskraft gegen die Biochemie
- 18:45und die tiefen Muster ankämpfen. Das ist oft aussichtslos,
- 18:49sondern durch aktives Umlernen, durch das Trainieren neuer Wege,
- 18:53durch das bewusste Umstellen der Weichen und ja, auch durch das
- 18:57Suchen und annehmen von Hilfe. Das gibt dir die Kontrolle
- 19:01zurück, weil du das Problem auf der richtigen Ebene angehst.
- 19:05Das leuchtet ein, Gabriel bringt das ja auch in seinem Fazit dem
- 19:08Artikel sehr gut auf den Punkt. Dieser Gedanke an für immer ohne
- 19:13die Substanz, der ist oft viel zu groß, zu erdrückend, ja, der
- 19:17lähmt total. Hilfreicher ist es, den Fokus
- 19:20auf den heutigen Tag zu legen. Nur für heute und erkennt diese
- 19:24Angst vor der Lehre diese Anhedonie ja aus eigener
- 19:28jahrelanger Erfahrung nur zu gut.
- 19:30Er dachte selbst lange Zeit, er würde nie wieder echte Freude
- 19:33finden können und. Er beschreibt ja auch ganz
- 19:35ehrlich, dass die erste Zeit der Recovery für ihn genauso war.
- 19:39Grau, anstrengend, Freudlos, eine echte Wüste, ja.
- 19:43Aber dann. Aber dann kamen diese Momente
- 19:46echter Freude langsam zurück. Zuerst vielleicht nur ganz kurz,
- 19:51wie kleine Oasen, aber dann immer öfter immer stabiler.
- 19:56Das Gehirn heilt eben, es lernt neu.
- 19:58Sein Bild von dieser grauen Wüste, die langsam wieder zu
- 20:01blühen beginnt, und zwar mit Farben, die viel echter und
- 20:04tiefer sind als jeder künstliche Rausch, das finde ich sehr
- 20:08kraftvoll und hoffnungsvoll. Seine Kernaussage ist ja im
- 20:12Grunde die allergrößte Lüge des Suchthirns ist diese Angst ohne
- 20:16Drogen nicht mehr leben zu können, dass das Leben dann
- 20:19vorbei ist? Genau die Wahrheit, so sagt
- 20:22Gabriel aus seiner Erfahrung, ist oft das genaue Gegenteil,
- 20:25Man fängt erst ohne die Drogen an, wirklich zu leben.
- 20:28Und er ermutigt dich da draußen ganz direkt, gib dir selbst die
- 20:32Chance, genau das herauszufinden.
- 20:34Und wenn du jetzt beim Zuhören merkst, ja, das spricht mich an,
- 20:36aber ich schaff das nicht allein, ich brauche
- 20:38Unterstützung, dann ist das wichtigste, du bist nicht allein
- 20:41damit, es gibt wirklich viele gute Anlaufstellen.
- 20:44Genau, der Artikel nennt ja auch einige konkrete Beispiele.
- 20:48Online gibt es zum Beispiel gute Informationen bei Drugcom.
- 20:51De oder bei Mindzone. Info.
- 20:55Wenn du direkt mit jemandem sprechen möchtest, gibt es die
- 20:58Nummer gegen Kummer, die 116 111 oder die Telefonseelsorge.
- 21:00Die hat die 0 811 100 0 111 oder die 0 811 100 0 222 das ist
- 21:08anonym, kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar.
- 21:16Sehr wichtige Angebote und natürlich gibt es auch Hilfe vor
- 21:21Ort, lokale Suchtberatungsstellen.
- 21:24Einfach mal im Internet suchen nach Suchtberatung und deiner
- 21:26Stadt auch Ärzte oder Schulpsychologen sind
- 21:29Ansprechpartner und haben Schweigepflicht.
- 21:32Der wichtigste Schritt ist sich zu trauen, Hilfe zu suchen, das
- 21:36ist Stärke, keine Schwäche. Absolut.
- 21:39Der erste Schritt ist oft der schwerste, aber ist der
- 21:42wichtigste und er lohnt sich definitiv so und bevor wir zum
- 21:46Schluss kommen, noch ein Hinweis in eigener Sache von nilix
- 21:49Berlin. Wenn dir dieser Beitrag hier
- 21:51gefallen hat, wenn du die Arbeit von Neelix Berlin wertvoll
- 21:54findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine Unterstützung
- 21:57freuen. Du kannst Gabriel helfen, indem
- 22:00du vielleicht diesen Beitrag auf Social Media teilst oder indem
- 22:04du den Podcast auf Plattformen wie Spotify oder Apple Podcasts
- 22:07bewertest und Likest. Das hilft ungemein bei der
- 22:10Sichtbarkeit. Ja, das stimmt, muss wissen, das
- 22:13Projekt Neelix Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 22:17finanziert und erstellt. Das ist ein ein Mann Projekt mit
- 22:20unglaublich viel Herzblut, Respekt dafür.
- 22:23Ja, finde ich auch, und jede Form der Unterstützung hilft
- 22:26Gabriel dabei, mit diesem Projekt sich selbst auf seinem
- 22:29Weg zu helfen und gleichzeitig eben auch anderen Betroffenen
- 22:33Mut zu machen und Informationen zu geben.
- 22:36Gabriels persönliches Motto, das ihn dabei antreibt, lautet auch
- 22:39aus allem schlechten in seinem Leben etwas Gutes zu machen.
- 22:42Das ist ein tolles Motto und eine wirklich wichtige Arbeit,
- 22:46die jede Unterstützung verdient. Absolut.
- 22:48Ja. Dann sind wir für heute am Ende
- 22:50unserer Besprechung. Vielen Dank, dass du dir die
- 22:53Zeit genommen und zugehört hast. Das war unsere Vertiefung des
- 22:57Neelix Berlin Artikels über die Angst vor einem Leben ohne
- 23:00Drogen. Pass gut auf dich auf und bis
- 23:02zum nächsten Mal mach es gut. Und vielleicht noch ein letzter
- 23:05Gedanke zum Mitnehmen. So für die nächste Zeit.
- 23:07Was glaubst du, was könntest du alles über dich selbst
- 23:10entdecken, wenn du anfängst diese alten gelernten Pfade
- 23:13deines Gehirns bewusst zu hinterfragen und neue Wege
- 23:15auszuprobieren? Welche Farbe hätte dein Leben,
- 23:18wenn es nicht mehr vom Grau der Sucht oder der Angst davor
- 23:21bestimmt wird? Denk mal drüber nach, tschüss.