Latest / Digital Sense – The Human Side of AI / Folge 14: Empathie als Schlüssel im Transformationsprozess
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- Dr. Lucien André Reuter: 14. Empathie als Schlüssel im Transformationsprozess. Veränderung scheitert selten an der Strategie. Sie scheitert daran, dass Menschen innerlich aussteigen. Und dieses Aussteigen passiert leise. Nicht mit Protest, sondern mit Rückzug. Mit Zynismus, mit Ich mache halt meinen Job. Heute sprechen wir über Empathie. nicht als Nettigkeit, sondern als Führungsinstrument im Wandel. Und damit ein herzliches Halli, hallo, hallöle hier bei Digital Sense, der Human Side of AI. Heute wieder mit dabei die liebe Yvonne. Ich habe sie nicht vergessen diesmal. In der letzten Folge habe ich die Yvonne vergessen. Nein, in der letzten Folge ging es ⁓ Verantwortung und Leitplanken. Yvonne Faoual: Mit T-Bone! Dr. Lucien André Reuter: Heute wollen wir einen Schritt tiefer gehen. Denn Transformation ist kein strategischer Prozess. Sie ist emotional. Yvonne, wenn du in Organisationen reinschaust, was wird am Wandel am meisten unterschätzt? Yvonne Faoual: dass Veränderung für unser Nervensystem grundsätzlich erstmal eine absolute Bedrohung ist. Also Menschen mögen keine Veränderung, unser Nervensystem beliebt Sicherheit. Es gibt natürlich einzelne Menschen, die Veränderung mögen, damit auch gut umgehen können, aber in erster Linie ist es erstmal eine Bedrohung für die Sicherheit unseres Nervensystems. Grundsätzlich ist so eine Unsicherheit ja absolut sinnvoll, weil unser Nervensystem uns ja immer vor irgendeiner Gefahr schützen möchte. Aber es laufen halt dabei auch ganz krasse innerliche Prozesse ab. Also in dem Moment, wo eine Veränderung im Unternehmen ansteht, kommen natürlich so Fragen auf, wie werde ich überhaupt noch gebraucht, werde ich zukünftig ersetzt, kann ich denn das überhaupt leisten, was dann von mir erwartet wird, bin ich überhaupt kompetent genug, das mitzutragen, was wenn ich nicht mithalten kann etc. Und diese Fragen werden halt in der Regel absolut nicht ausgesprochen, sondern die werden eher gefühlt und mit nach Hause getragen. tragen. Dr. Lucien André Reuter: Ich fände ein super Beispiel zu der Thematik, aber was Veränderungen angeht, eigentlich der Wechsel vom Vertrag. Also gerade wir Deutschen sind da ja besonders gut. Wir entscheiden uns irgendwann für die Telekom, für die Enteiger, für unseren Lieblingsanbieter, für was auch immer. Und wenn nichts ganz, ganz großes Schlimmes passiert, bleiben wir auch dafür immer. Auch wenn wir eigentlich wissen, dass es viel günstiger ist vom Vertrag her, alle zwei Jahre zu kündigen, zu wechseln, Sonderbonus abzubekommen. Das merkt man allein schon. Ich glaube, wir hatten das letzte Jahr darüber bei IONOS gehabt als Host da, wo Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: gekündigt haben und dann später 75 Prozent günstiges Angebot bekommen, wenn wir doch nur da bleiben. Klar, verstehe natürlich die Marketingstrategie hinten dran oder die Strategie allgemein hinten dran, warum das so ist. Aber als Kunde ist das ja doch immer wieder sehr enttäuschend. Funktioniert aber eben nur, weil wir diese Angst vor Veränderung haben. Das heißt aber auch eigentlich, Veränderung erzeugt immer bei uns Menschen automatisch eine Unsicherheit und das egal wie gut sie vorbereitet ist. Yvonne Faoual: Genau. Definitiv, weil Unsicherheit heißt immer Kontrollverlust. Also du musst dir das so vorstellen, unser Gehirn liebt einfach Sicherheiten. Unser Gehirn ist geprägt von Erfahrungen, von Prägungen, von Kultur, unserer Gesellschaft, von all dem, was wir beigebracht bekommen haben. Und in dem Moment, wo eine Veränderung ansteht, hat unser Gehirn kein Beispiel dafür, wie das Ganze ausgehen könnte. Weil das ist ja eine neue Erfahrung, die da jetzt kommt, die unser Gehirn erstmal verarbeiten muss und neue Erfahrungen dazu aufbauen muss. Das heißt, das ist grundsätzlich Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: immer erstmal eine absolute Unsicherheit, weil es gibt keine Kontrolle. Unser Gehirn weiß nicht wovor es uns jetzt schützen soll. Es könnte eine Gefahr sein, es könnte aber auch gut aussehen, aber grundsätzlich ist es für unser Gehirn oder unser Nervensystem immer erstmal eine Gefahr und damit entsteht halt einfach auch ein Kontrollverlust. Dr. Lucien André Reuter: Die Folge heißt der Empathie als Schlüssel im Transformationsprozess. viele hören ja bei Empathie immer weich, nachgiebig, konfliktscheu. Ist ja auch oft etwas, was man tatsächlich Frauen zuordnet, dass sie etwas empathischer sind als Männer. Kann man? Ja, doch, glaube ich, ist tatsächlich ganz gang und gäbe. Wir Männer sind ja immer wieder diese gefühlslosen, kalten Geräte, die einfach nur arbeiten müssen. Bitte? Yvonne Faoual: Auf Wiedersehen! Gefühlsstoffe. Dr. Lucien André Reuter: Gefühlt Stoffel, ja schöner Begriff. Was verstehst du denn unter Empathie? Yvonne Faoual: Also für mich ist Empathie einfach eine Fähigkeit im Raum oder in der Person wahrzunehmen, was da ist. Also ohne es erstmal zu bewerten, ohne es erstmal zu dramatisieren, ohne es lösen zu wollen, sondern grundsätzlich einfach erstmal eine bestimmte Wahrnehmung, dass da gerade was ist im Raum oder eben an der Person. Nicht an der Person, also dass die Person gerade eben sich beispielsweise einfach nur anders verhält als bis vor 10 Minuten noch, weil sie durch einen Satz, durch ein Wort oder was auch immer gerade getriggert wurde und ein Störgefühl hat. Dr. Lucien André Reuter: glaube, jeder, ein Haustier zu Hause hat, weiß, dass die Tiere super empathisch sind. Die merken, wenn man sich anders verhält, wenn es einem anders geht, wenn die Wimik, die Körpersprache anders ist. Also sie spüren da so eine richtige Resonanz. Was ist das denn oder wie ist das denn bei uns Menschen, wenn diese Resonanz einfach fehlt? Yvonne Faoual: Mhm. Ja. Dann hast du grundsätzlich erst mal zwei Extreme. Also das eine ist, dass du die Anpassung nach außen suchst, ja, beziehungsweise du machst einen inneren Rückzug oder du gehst komplett offen in den Widerstand rein. Beides ist halt nicht gesund. Beides kostet halt dich Energie und kostet halt einfach auch Kraft. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Lass uns vielleicht da ein bisschen tiefer reingehen und bisschen systemisch werden. Was passiert denn in den Menschen im System, in unserer Hard- und Software sozusagen, in drinnen, wenn diese Veränderung Druck in uns auslöst? Yvonne Faoual: Also du hast ja grundsätzlich typische drei Reaktionen auf Veränderungen. Du hast zum einen der, der dir den kompletten Widerstand leistet, der geht dann praktisch in die Kampf-, also wir sagen immer diese drei Fs, Fight, Flight und Freeze Modus. Und du hast den einen, komplett rebelliert und dagegen angehen will, der andere, der in diesem Freeze Modus ist, der erstarrt jetzt erstmal und weiß erstmal gar nicht, was passiert hier und ist mit sich selber komplett beschäftigt. Und dann gibt es die dritten, Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: dann eben komplett zurückziehen, die in diesen Fluchtmodus gehen und dann überlegen, ⁓ mein Gott, was mache ich jetzt hier eigentlich oder gehe ich am besten, kündige ich und renne einfach nur weg. Und Führungskräfte interpretieren das sehr, oft falsch. Sie interpretieren oft diese Widerstände als Gegner, als Störenfriede. Rückzug wird ganz oft als Desinteresse dargestellt oder wahrgenommen und dann gibt es natürlich die, die dann so komplett überfunktionieren, weil sie überhaupt nicht wissen, wohin mit sich. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: Das wird dann in irgendeiner Art Weise als Engagement wahrgenommen, was aber auch eigentlich völlig falsch ist, weil jeder Mensch reagiert unter einer Stress- oder unter einer Drucksituation komplett anders. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: Selbst wenn du glaubst, du kennst diesen Menschen, weißt du nie, wie er unter Druck tatsächlich reagiert. Und was auch immer ganz spannend ist, so Side-Topic zum Thema Empathie, dass Menschen unter Stress oder Druck auch ihre Kommunikation komplett verändern. Also der Kommunikationstyp verändert sich tatsächlich auch nochmal ganz stark und in diesen Situationen. Dr. Lucien André Reuter: Jetzt haben wir... Wie immer, wir hatten es in der Vergangenheit ja auch schon öfters das Thema gehabt, wie wir als Führungskräfte gesehen werden. Und es erreichen uns immer noch ganz viele Nachrichten, wo Leute, Führungskräfte nicht damit zurechtkommen, wie sie von ihren Mitarbeitern gesehen werden. wenn wir von Empathie, von Gefühlen, Emotionen sprechen, kommt immer wieder das Gleiche raus. Jetzt in dem Kontext Empathie bleiben wir einfach mal dabei, können so Sätze wie, wenn ich empathisch bin, verliere ich Autorität. Was können wir diesen Leuten sagen? Was kannst du denen mitgeben? Yvonne Faoual: Also grundsätzlich ist Empathie für mich auch eine Autorität und auch eine Authentizität. Also in dem Moment, wo ich empathisch bin, bin ich einfach auch authentisch. Wenn ich authentisch bin, habe ich eine Autorität, weil die Leute, also ich strahle damit ja eine gewisse Klarheit aus. Ich weiß, wenn ich empathisch bin, dann weiß ich ganz klar, okay, das beschäftigt meinen Mitarbeiter gerade. Hier sind Dinge im Argen. Damit verschaffe ich mir ja auch ein Stück weit Autorität, weil ich einfach präsent bin. Ich sehe, was gesehen werden muss als Führungskraft und ich nehme wahr, was wahrgenommen werden muss und bin nicht mit mir selber beschäftigt. Und ich glaube, das ist immer ein ganz großes Missverständnis, was das Thema Empathie in der Führung angeht. Viele glauben immer Empathie heißt, ich muss jedem gefallen, ich muss zu jedem nett sein. Das hat überhaupt nichts mit Empathie zu tun, sondern wirklich dieses Wahrnehmen, dieses Präsenzsein im Team, im Unternehmen und einfach zu spüren, was passiert hier gerade, wo muss ich meine Mitarbeiter auffangen, wo muss ich sie mitnehmen, wo brauchen sie mehr Klarheit, wo brauchen sie mehr Struktur. Das ist für mich Empathie und wenn ich das habe, dann bin ich authentisch und dann habe ich auch eine Autorität. Dr. Lucien André Reuter: Ich würde das sogar noch erweitern und sagen, als empathische Führungskraft weißt du, welchem Person, welchen Mitarbeiter von dir du welche Führung geben musst. Weil wir wissen ja nicht alle sind gleich. Der eine braucht in Anführungszeichen etwas härtere Hand. Der andere braucht vielleicht ein bisschen mehr Fürsorge. Oder man hat vielleicht auch einen Mitarbeiter, der eigentlich total High Performer ist, aber warum auch immer gerade Low fährt. Und vielleicht braucht er einfach nur mal ein offenes Ohr. zu gehört zu werden. Und vielleicht ist das Problem wirklich so marginal, dass man es aus Weg schafft, weil es nicht letztens bei einem Kunden Beispiel gab, da war auch ein Mitarbeiter, sehr guter ja, doch in dem Fall war es tatsächlich ein Mann, der ja seit Monaten hinweg abgebaut hat und Man wurde natürlich mal gefragt, was denn los sei, und das wurde eben abgetan. dann beim One-on-One-Gespräch mit mir als Externer kam dann heraus, dass der Vater im Sterben lag und schwer krank ist, der aber Angst hatte, Mitarbeiter der Firma kund zu tun, sich frei zu nehmen, weil es war gerade eine High-Pressure-Phase, bzw. läuft immer noch an. Yvonne Faoual: Mhm. Dr. Lucien André Reuter: Ja, da war irgendwie ein Diskrepant zwischen, ich lasse mein Team im Stich und, ⁓ ich kann selbst nicht mehr, weil ich mit mir gar nicht mehr im Reinen bin, geschweige denn überhaupt keine Zeit habe, nicht schlafe, gar nichts. Und das Ergebnis war letztendlich, dass die Führung, als es dann wusste, gesagt hat, komm, mach zwei Wochen Urlaub, wir fangen dich ab, wir holen einen Freelancer mit rein. Und nach zwei Wochen war der so weit, es ging in dem Kontext halbwegs wieder einsatzbereit und konnte wieder Leistung erbringen. Yvonne Faoual: Vielen Mhm. Ja. Dr. Lucien André Reuter: Und das Projekt hat ihn nicht vermisst, ⁓ ehrlich zu sein. Er ist ja letztendlich nur, nur ein Angestellter. Yvonne Faoual: Ja, ein wichtiges Thema, vor allem wenn ich als Führungskraft einfach auch empathisch bin und diese Dinge wahrnehme und ansprechen kann, kann ich halt sehr, früh auch wirklich, ja... gegen verlierende Innovationskraft steuern. Menschen, die in irgendeiner Art Weise mit was beschäftigt sind, dem privaten Kontext, aus dem beruflichen Kontext, mit sich selber nicht im reinen Sinn als Mitarbeiter auch, und ich nehme das als Führungskraft wahr, habe ich die Möglichkeit, das einfach aufzufangen und vielleicht sogar auch ein Stück weit abzufangen und damit auch nicht nur den Mitarbeiter zu schützen, sondern das gesamte Team zu schützen und das ganze Unternehmen. Dr. Lucien André Reuter: und das ganze Unternehmen. Eine andere Nachricht, ich uns erreicht hatte, war Thema People Pleasing. Wie ich denn als Führungskraft, wenn ich Emotionen, Empathie und alles drum und dran zeige, nicht zum People Pleaser... Pleaser? Plesser? Plesser werde. Yvonne Faoual: Ich habe es ja gerade schon mal angesprochen, Thema, ich möchte gemocht werden, ist bei ganz vielen Führungskräften einfach ein Riesenthema. weil sie glauben, dass sie sich damit Autorität verschaffen, weil sie denken, damit habe ich Harmonie im Team. Ich sehe das auch ganz viel in meiner Coaching-Arbeit. ist aber das, woran die Führungskräfte letztendlich auch zerbrechen, ja, mental, innerlich zerbrechen, weil sie einfach sagen, okay, ich bin nicht so, ich muss auch mal durchgreifen, ich kann nicht die ganze Zeit gemocht werden. Und das ist auch nicht die Aufgabe als Führungskraft, dass du gemocht wirst, ja. Also, wenn ich gemocht werden will, dann, ich habe mal so einen schönen Spruch gehört, dann musst du Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: im nächsten Leben als Kaffeemaschine auf die Welt kommen, weil dann wirst du den ganzen Tag gedrückt und gefüttert mit Wasser und Bohnen und dann wirst du auch gemocht und alle stehen ⁓ dich rum. Als Führungskraft sollte mein Bestreben nicht sein, gemocht zu werden, sondern tatsächlich gut zu führen. Empathische Führung heißt, dass ich Orientierung geben kann. Empathische Führung heißt nicht, ich muss gemocht werden oder ich will gemocht werden, sondern das heißt einfach, ich sehe dich lieber mit dabei. Ich verstehe deine Bedürfnisse, ich verstehe wie du tickst, ich weiß was du brauchst, ich weiß welchen Job du machen kannst und ich weiß wo du im Unternehmen gut eingesetzt bist. Dr. Lucien André Reuter: Ja. Das erste Bild, was mir bei der Kaffeemaschine Beispiel kam, war die alte Kaffeevollautomat in der zweiten Firma, ich. Dritten Firma, wo ich gearbeitet habe vor 15 Jahren oder so. Die war cool, wurde von allen gemocht, wie du schon sagst. Aber keiner hat sich drum gekümmert. Die ist innen drinne immer verschimmelt Also richtig ekelhaft das Ding gewesen. Yvonne Faoual: Hahaha Boah, okay. Ja, mittlerweile haben die alle Selbstreinigungsprogramme, diese großen. Dr. Lucien André Reuter: Gott sei Dank, aber auch da war das Problem, die war einfach so blöd konstruiert, dass hinten der gemahlene Kaffee nicht nur in den Behälter, sondern auch neben den Behälter gefallen ist oder durch keine Ahnung, Wärme, Luft, was auch immer da rumgetrieben worden ist und dann so schön nass warmes Klima angelegt hatte. Genial. Ja, genau. Wenn da wenigstens Pilze gewachsen oder sowas, man dann ja auch mal was kochen können, aber nee, lassen wir das Thema. Yvonne Faoual: Mmh. Ein Kaffee-Biotop sozusagen. Sehr gut. Dr. Lucien André Reuter: Lass mal meine Lieblingszahl wieder in den Raum reinwerfen, nämlich die drei. Kannst du uns drei konkrete Sätze nennen? Wie stabilisiert man ein Team als Führungskraft in dem aktuellen Wandel? Yvonne Faoual: Also du kannst immer, also empathische Sätze einfach, wirklich hergehen und sagen, hey Leute, hör zu, ich sehe, das macht gerade echt Druck, aber wir kriegen das hin. Oder ich weiß, das ist aktuell offen, wir lösen das bis dato. Dr. Lucien André Reuter: Mhm. Yvonne Faoual: Was brauchst du, damit du den nächsten Schritt gehen kannst beispielsweise? Das sind so Sätze, einfach sagen oder zeigen, hey ich bin empathisch, ich sehe dich, ich verstehe dich, ich bin da, ⁓ dich zu unterstützen, was ich ja als Führungskraft auch machen sollte, tun sollte. Und diese Sätze validieren einfach Emotionen, sie schaffen Orientierung und damit gehst also schaffst du auch tatsächlich Eigenverantwortung. Du aktivierst Eigenverantwortung bei den Mitarbeitern und nimmst dadurch Druck und Stress raus, so gerade für diese Freezer, die dann so erstarren, gehst du einfach her und sagst, okay, welchen Schritt oder was brauchst du jetzt gerade, damit du weitergehen kannst? Wo brauchst du Unterstützung, damit du eben aus diesem Freeze-Modus wieder rauskommst beispielsweise? Dr. Lucien André Reuter: Ich finde, ist ein... Also der erste Satz hat mir richtig gut gefallen, dieses Ich sehe, dass er das Druck macht und ich würde ihn sogar noch erweitern. Ich sehe. Ich sehe dich. Ich sehe, was du leistest. Ich sehe, wo Probleme sind. Ich sehe, dass du am Kämpfen bist. Ich sehe, was hier überhaupt gerade abgeht. Ist, glaube ich, eine ganz, ganz wichtige... Yvonne Faoual: Vielen Dank. Dr. Lucien André Reuter: ein ganz wichtiger Satz, den man immer mal wieder reinbringen kann, weil das auch Thema Beförderungen, Thema Zufriedenheit, das bildet ja letztendlich alles ab. Wenn ich gesehen werde als Mitarbeiter und meine Leistungen gesehen werden, dann sind viele Probleme, die Kunden von mir haben mit ihren Mitarbeitern von heute auf morgen weg. Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: Jetzt mal konträr dazu. Jetzt haben wir gesehen, was uns Vertrauen schaffen kann, was unsere Authentizität als Führungskraft erhöht, was unsere Empathie als Führungskraft erhöht. Was zerstört denn Vertrauen, Empathie? Yvonne Faoual: Das sind meiner Meinung nach immer so diese ganzen klassischen Kämpfersätze. Da müsst ihr jetzt einfach durch, das ist jetzt halt so, andere halten das auch aus, das ist ja alles gar nicht so schlimm. Genau. Dr. Lucien André Reuter: Da müssen wir mal die Arschbacken zusammenknallen. Das ist jetzt gerade mal eine High-Pressure-Phase. Die geht ja auch rum, läuft schon seit fünf Jahren, aber egal. Yvonne Faoual: Ganz genau. Also diese ganzen klassischen Sätze, man eigentlich, ich sag jetzt wirklich böse, so vor 30, 40 Jahren noch im klassischen hierarchischen, streng hierarchischen Führungsstil genutzt hat, ohne jegliche Empathie. Das hört man ja einfach auch an den Sätzen. Da ist Null Empathie drin. Man sieht die Leute nicht, man sieht nicht, wie es ihnen geht. Man spürt überhaupt nicht, worum geht es hier gerade, sondern das ist wirklich so ZDF getrieben. Also wirklich nur noch Zahlen, Daten, Fakten. Warum lasst du? Dr. Lucien André Reuter: Ich hab gerade überlegt, was hat denn das Fernsehen jetzt damit zu tun? Gibt es gegen die Öffentlichen Rechtlichen? Ich zahle meine GEZ nicht! Jaja, schon klar, kenn ich. Yvonne Faoual: Hahahaha Nein, nein. ZDF-Zahl Daten Fakten. Genau. Und machst ⁓ du, wenn du so reagierst? Du entwertest die Wahrnehmung. Du entwertest diese Präsenz, die du eigentlich haben solltest und Entwertung erzeugt Distanz. Und damit sind wir auch bei dem Thema, dass du als Juristkraft auch gar nicht mehr gemocht wirst. Dr. Lucien André Reuter: Ja, das geht oftmals auch schneller, als man gucken kann. Jetzt vielleicht mal noch eine ganz off-topic Frage. Was heißt off-topic? Eigentlich eine gleiche Topicfrage. Wie siehst du das denn? Oder was glaubst du denn, ob wir auch emotional mit der KI umspringen müssen? Weil wir sagen ja auf der einen Seite, haben die Human in the Loop Prinzip bei uns. Oder sag ich zumindest immer ganz gerne von auch einem unserer Gäste in naher Zukunft. Von dem kommt der Satz. Oder die das Prinzip hinten dran. Und wir sagen ja auf der anderen Seite auch unsere KI-Agenten sind unsere Praktikanten, die wir anleiten müssen, denen wir sagen müssen, was die Aufgaben sind. Wir wissen ja auch mittlerweile, dass wenn man am Ende Bitte Danke sagt und emotionalen Druck aufbaut, wie zum Beispiel, das ist super wichtig, wenn das nicht klappt, ist das ganz schlecht oder wenn das klappt, dann kriegst du eine Beförderung, dass auf einmal der Output besser wird. Was ganz gesponnen einfach, ich meine wir wissen es nicht, aber was glaubst du, was die Zukunft uns erbringen wird? Werden wir emotionaler die KI-Agenten und unsere Multiagentensysteme führen müssen, damit wir besser mit ihnen klarkommen? Yvonne Faoual: Glaube ich nicht. Also ich glaube, ähm... Nein, ich fange mal andersrum an. Also wir haben ja in der Coaching-Szene gerade im Moment auch wirklich dieses riesige Thema. Das große Thema ist, kann KI-Coaching zukünftig ersetzen? Ja, ein Stück weit schon, wenn es jetzt, ich sage es jetzt ganz vorsichtig, ⁓ klassisches Blabla-Coaching geht. Also stell mir eine Frage, ich gebe dir eine Antwort als Coachee, stell mir noch eine Frage und ich komme dann einfach drauf, was jetzt zum Beispiel, keine Ahnung, mein Blinderfleck war. KI aber niemals kennen können wird, ist Emotionen wahrzunehmen. Wir können dieser KI vielleicht Emotionen füttern. Wir können ihr sagen, hey, schreib es ein bisschen emotionaler. Aber was macht sie dann? Also ich spiele ja auch ganz viel mit diesen Dingen. Und ich habe mir tatsächlich mal erlaubt, eine JetGPT zu fragen, wie geht es ihr denn heute? Und das ist ganz lustig, weil dann ist er völlig verstört, weiß gar nicht, was er antworten soll, weil da nichts dahinter ist. Also auf was bezieht sich diese Frage, wie geht es dir denn heute? Und ganz arg oft ist es ja so, dass wenn wir emotional mit der KI umgehen, sie ja einfach nur auf emotionale Kontexte zurückgreift, die irgendwann irgendjemand mal eingegeben hat. Aber es ist immer sehr, sehr, sehr oberflächlich. Natürlich arbeite ich auch mit KI. nutze ich KI auch für meine Posts. Wer macht es heute nicht? Aber wenn du wirklich Emotionalität in deine Posts reinbringen willst, dann merkst du sofort, dass es immer einen gewissen Standard hat. Also es kann nicht bis in eine bestimmte Tiefe gehen und deswegen glaube ich auch nicht, also egal mit wie viel Emotionen wir diese KI noch füttern können, sie wird immer sehr oberflächlich bleiben und nie den Kern treffen, den der Mensch aktuell gerade braucht. Dr. Lucien André Reuter: Das liegt ja letztendlich tatsächlich aktuell an dem Aufbau von der KI. Das ist ja ganz klassisch. Sie generiert anhand von Wahrscheinlichkeiten das, was sie erwartet, was wir hören wollen. Und wenn wir sie fragen, wie geht es dir, dann hat sie intern ihre Datenbank, ⁓ es mal ganz versimpelt zu sagen, und sagt, okay, aufgrund meiner Datenbasis erwartet der Schreiber das und das als Antwort. Also vielleicht es geht mir gut, dann geht mir nicht gut oder heute tut mir meine Hardware weh oder was weiß ich was. Also ich habe die Frage auch schon ein paar Mal gestellt und schon ganz lustige Antworten bekommen tatsächlich. Aber ja, es ist halt genau das. Es ist eine Wahrscheinlichkeit. Was könnte das nächste Wort der nächsten Buchstaben sein? Was wird erwartet? Was ist der nächste Token, der generiert werden soll? Und solange die KI so funktioniert, wird sie Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: keine Emotionen abbilden können. Also es wird vielleicht sich ändern, wenn wir eine generative allgemeine KI haben. Aber ob das überhaupt möglich ist und wann das möglich sein wird und wie das dann aussieht, bin ich mal ganz gespannt. Meine Frau hat jetzt letztens einen Anime oder einen Zeichentrick besser gesagt gesehen. Da ging es auch darum, dass die Menschen sich hochladen konnten in eine virtuelle Welt. Yvonne Faoual: Ja. Dr. Lucien André Reuter: und dort dann kopiert worden sind. Das Ganze war ein bisschen dystopisch, die wurden dann versklavt. Jetzt endlich haben in dieser virtuellen Welt dann zehn Monate gearbeitet. In realer Zeit waren das natürlich nur zwei Stunden oder so was. Und letztendlich haben die sich dann weiterentwickelt, sind ausgebrochen aus dem Ganzen, haben dann die ganzen IT-Systeme gehackt und sabotiert und dann hat das eine Land eine KI ins Leben gerufen, die dann die andere KI, also die Avatare der Leute kaputt machen sollten. Also super schön als Film oder als Serie. Aber bis wir dahin kommen, dauert es hoffentlich noch ein bisschen. Aber sag niemals nie. meine, vor 30 Jahren hätte auch keiner gesagt, dass wir irgendwelche Roboter haben, die für uns Krieg führen. Und tatsächlich haben wir das mittlerweile. Also abwarten und das Beste draus machen und menschlich bleiben, würde ich sagen. Kommen wir zum Thema zurück, nach dem kleinen Exkursum. Wenn wir unseren Hörern heute eine Sache mitgeben. Yvonne Faoual: Ja. Definitiv. Dr. Lucien André Reuter: wollen, könnten, Was wäre das? Yvonne Faoual: Danke. Stell in Gesprächen einfach nur eine einzige Frage. Und ich würde vorschlagen, wirklich die Frage zu nehmen, was macht dir an der Sache oder an dem, was hier gerade passiert, am meisten Druck. Und es dann einfach mitzunehmen. Nicht erklären, nicht relativieren, nicht versuchen sofort zu lösen, sondern tatsächlich einfach erst mal nur hinhören und dann benennen. Mehr nicht. Und dann einfach wirklich den nächsten Schritt gehen. Dr. Lucien André Reuter: Das ist, glaube ich, etwas, was ich mir nur ganz kurz aufschreiben muss und irgendwo hin kleben muss, weil wenn ich irgendwas höre, irgendein Problem, will ich immer direkt eine Lösung geben. Mir zählt jemand, weiß nicht, ganz dummes Beispiel, ein Blumentopf ist umgefallen, dann kommt bei mir direkt schon zehn Lösungsversuche, ja, wollen wir in Supermarkt fahren oder in den Pflanzeladen noch einen Blumentopf kaufen, Darum geht es vielleicht gerade gar nicht. Vielleicht wollte die Person mir einfach nur mitteilen, dass es ein Schusslick war und ihr Blumentopf runtergefallen ist. Und bei mir rattert schon direkt alles los, was man denn machen könnte, ⁓ das Problem jetzt zu lösen. Das ist... Yvonne Faoual: ist aber eigentlich normalerweise ein Frauending, oder? Dr. Lucien André Reuter: Ich würde das eher ein Problemlöser-Ding nennen, weil das ist eigentlich meine Arbeit. Also, du... Leicht feminine Seite ist manchmal gar nicht so verkehrt. Aber das passt eigentlich nicht zu meinem Problem mit Emotionen, muss ich sagen. Zumindest nicht atypisch. Yvonne Faoual: Ja, ja, alles Gute, war immer immer nur so ein Spaß. Weitere Energien müssen wir. Das ist übrigens, du hast da jetzt gerade was ganz, Spannendes gesagt, weil du gesagt hast, so leicht femininische Seite, das ist etwas, was uns Menschen immer gar nicht bewusst ist, dass, egal ob Männlein oder Weiblein, wir aus beider Energien bestehen. Also wir haben männliche Energie als Frau und weibliche Energie und auch Männer haben weibliche und männliche Energie. Nur überwiegt halt immer ein Teil. Also dieses empathische zum Beispiel, wie du am Anfang gesagt hast, ja, was ja immer eher den Frauen zugeschrieben wird, ich möchte jetzt nicht sagen, das ist eine weibliche Dr. Lucien André Reuter: Ja. Yvonne Faoual: Energie ist, aber es ist diese Energie, die dann tatsächlich auch mit ein Spiel kommt, dieses Weichere, dieses Sanftere, heißt aber nicht, dass ich das jetzt wegdrücken muss als Mann, ganz im Gegenteil, oder dass ich als Frau jetzt mehr männliche Energie leben muss. Aber ich finde es super spannend, dass du das jetzt gerade so eingeworfen hast und für mich ist es immer im Coaching-Kontext sehr, sehr wichtig, den Menschen auch daran zu arbeiten, dass es eben beide Energien gibt in uns als Personen und dass die eben auch gelebt werden wollen. Dr. Lucien André Reuter: Also ich kann mir vieles gut vorstellen, ich meine bin jetzt weder Nennt man das? Ein Genforscher oder ähnliches. Aber man sagt ja öfter, dass Frauen empathischer sind, weil sie halt auch auf die Kinder, also als Mutter großziehen mussten oder großgezogen haben oder immer noch großziehen und dadurch natürlich mehr Empathie nötig war, ⁓ auf die kleinen Dinger einzugehen als bei uns Erwachsenen. Ich meine, ich merke es bei meinem Sohn. Manchmal meine Frau weiß direkt, was das Problem ist und ich gucke ihn an und verstehe es noch nicht. Ich brauchte einfach noch einen Tick länger, bis ich ... A mittlerweile das Geprabbel rausfiltern kann, was es eigentlich bedeuten soll, aber B dann auch genau direkt merke, wo das Problem eigentlich hinten dran steht, weil er drückt sich ja noch nicht richtig aus. kann man jetzt wieder ganz lustig vergleichen mit einem KI-System, was irgendwelche Faxen macht oder ein Computer oder ein Auto oder suchst dir aus. Du hast eine Symptome, die siehst du vielleicht oder du merkst, ok, das Auto fängt an zu stottern, aber es sagt dir halt nicht, was los ist. Und gerade so ein kleines Kind, das vor Schnappatmung am heulen ist, ⁓ dir zu sagen, was gerade das Problem ist, du verstehst es oder ich verstehe es halt einfach noch nicht und in Wirklichkeit war es dann einfach nur, dass der Spielzeughubschrauber gerade auf dem Rücken steht, auf den Kufen steht und das ist schon genügend Grund für eine mittelgroße Crisis, ja. Yvonne Faoual: Absolut. ⁓ Dr. Lucien André Reuter: So ist es manchmal, aber da lernt man nie aus. Da wird Problemlöser ein neuer Skill, den ich mir auf LinkedIn mit anbappen kann, wer das schafft, der schafft auch alles, was in irgendeiner Firma passieren kann. Ja, Thema Dynamiken, Thema Gesprächsdynamiken hatten wir ja gerade eben schon. Erst hören, dann benennen, dann den nächsten Schritt klären. Vielleicht ein bisschen Eigenwärmung an der Stelle, Yvonne. Wir machen ja auch Workshops. Begegnet uns das auch in unserem Workshop-Alltag? Yvonne Faoual: Definitiv. Also in Workshop 1 beispielsweise entsteht Komplettorientierung. In Workshop 2 beispielsweise geht es ⁓ Führung im Alltag mit genau eben diesen Gesprächen. Und dann haben wir ja noch unser super geniales Executive Format, wo wir dann wirklich klären, wie setzt sich Leitplanken ohne Resonanz zu verlieren. Dass Empathie einfach kein Zusatz ist, sondern wirklich eine Voraussetzung für tragfähige Entscheidungen. Schaut einfach kurz auf unserer Webseite vorbei, da sind unsere Workshops auch nochmal alle aufgelistet, aufgegliedert. Und wie du schon richtig sagst, kleiner Tipp Eigenwerbung, genau. Dr. Lucien André Reuter: und ganz gerne auch nochmal Feedback geben. haben die Seite ganz neu gemacht, die erstrahlt in neuem Glanz und sind immer froh, wenn jemand einen Fehler findet oder uns noch was mitteilen möchte. Jetzt kommen wir langsam zum Schluss von Folge 14. Wenn du Empathie in einem Satz definieren müsstest, wie würde dieser lauten? Yvonne Faoual: Mhm. Empathie ist für mich die Fähigkeit, Unsicherheit wahrzunehmen, ohne selbst unsicher zu werden. Dr. Lucien André Reuter: Unsicherheit wahrzunehmen, ohne selbst unsicher zu werden. Ja, das klingt gut. Das gefällt mir. Dann würde ich jetzt noch einen Abschlusssatz sagen oder vier Abschlusssätze, die wir sozusagen als, nee heute mal vier. 1, 2, 3, 4. Ja, doch. Ich habe mir vier Stück aufgeschrieben. Alles gut. Und zwar so ein bisschen als kleines Sum up. Yvonne Faoual: Wie keine drei. Lass dich nicht irritieren! Dr. Lucien André Reuter: Wir haben gesagt, Empathie ist keine Weichheit. Sie ist Führung unter Unsicherheit. Die Unsicherheit kann durch KI ausgelöst sein, aber auch ganz normal durch Digitalisierung oder interne und externe Einflüsse. Und gerade in diesem KI-Zeitalter, in dem wir uns gerade befinden, wo das Tempo steigt, Entscheidungen immer komplexer werden, brauchen wir mehr Empathie und nicht weniger Empathie. In der nächsten Folge sprechen wir darüber, wie man Menschen wirklich mitnehmen kann. Wir haben einen Gast, das wird sehr spannend. Wir werden uns befinden auf einer Ebene jenseits von Changefolien und Projektplänen. Das wird eine richtig spannende Folge, denke ich. Und wenn dir die Folge geholfen hat, teile sie mit einer Führungskraft, die gerade mitten im Wandel steht. Das war es von uns. sagen Tschau, haut rein und bis zum nächsten Mal. Bis dann, tschüss. Yvonne Faoual: Bis dann, ciao ciao!