Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Siebentes Hauptstück - 435-437
Transcript
- 0:00Unterkapitel 435 Macht und Freiheit Nietzsche analysiert
- 0:07hier das Verhältnis von Frauen zur Autorität.
- 0:09Er sagt, dass Frauen ihre Männer zwar ehren, aber sie ehren die
- 0:13gesellschaftlich anerkannten Mächte und Vorstellungen noch
- 0:16viel mehr Frauen sind es seit Jahrtausenden gewohnt, sich vor
- 0:19allem zu beugen, was herrscht, sie gehen sprichwörtlich mit auf
- 0:23die Brust gefalteten Händen vor der Macht einher.
- 0:27Deshalb missbilligen Frauen jeden Aufstand gegen die
- 0:29öffentliche Macht oder den Staat.
- 0:32Sie wollen nicht, dass man sich gegen die Ordnung Auflehnt, ohne
- 0:36es böse zu meinen, sondern fast instinktiv hängen sie sich wie
- 0:40ein Bremsklotz an die Räder des Freigeistes der Freigeist strebt
- 0:44nach Unabhängigkeit und geht oft gegen den Strom, die Frau bremst
- 0:48ihn dabei, das macht die Männer unter Umständen sehr ungeduldig.
- 0:53Besonders schlimm ist es für den Mann, wenn die Frau ihm
- 0:55einredet, sie tue das alles nur aus Liebe.
- 0:59Nietzsche nennt das Vorgehen der Frauen, das Bremsen und
- 1:02anpassen, eine Methode, die Männer oft zur Verzweiflung
- 1:04bringt, auch wenn sie die Motive der Frauen, Sicherheit, Liebe,
- 1:08eigentlich Ehren müssten. Das ist der typische Konflikt
- 1:12des Mannes in dieser Situation. Unterkapitel, 436, Ceterum
- 1:19censeo. In diesem Abschnitt beschäftigt
- 1:23sich Friedrich Nietzsche mit der Frage, wer für welche Aufgaben
- 1:26im Leben geeignet ist und nutzt dafür den lateinischen Titel
- 1:30Ceterum censeo. Dieser Ausdruck stammt von dem
- 1:33römischen Staatsmann Cato, der seine Reden stets mit dem Satz
- 1:36beendete, im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört
- 1:40werden muss. Nietzsche nutzt diesen Titel
- 1:43hier, um eine Feste, immer wiederkehrende Überzeugung
- 1:46auszudrücken. Nietzsche beginnt mit 2
- 1:48Vergleichen, die er als lächerlich oder absurd
- 1:51empfindet. Er sagt, es sei genauso
- 1:54lächerlich, wenn eine Gruppe von Menschen, die gar keinen Besitz
- 1:57hat, also sogenannte Habenichtse, beschließt, dass
- 2:00das Erbrecht abgeschafft werden soll.
- 2:03Genauso unsinnig findet er es, wenn Menschen, die keine Kinder
- 2:05haben, an den Gesetzen eines Landes mitarbeiten, die das
- 2:08praktische Leben betreffen. Er begründet dies mit einem Bild
- 2:12aus der Schifffahrt, er meint, dass kinderlose Menschen nicht
- 2:15genug Schwergewicht. Also nicht genug Ballast oder
- 2:18Ladung in ihrem Lebensschiff haben.
- 2:20Sie sind zu leicht, um sicher in den Ozean der Zukunft zu segeln.
- 2:24Damit meint Nietzsche, dass Menschen ohne Kinder keine
- 2:27direkte persönliche Verbindung zur Zukunft haben und daher
- 2:30nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Vorsicht für
- 2:32kommende Generationen planen. Doch dann dreht Nietzsche den
- 2:36Gedanken um und wendet ihn auf den Philosophen an, er sagt, es
- 2:40erscheine ebenso ungereimt, also unpassend, wenn ein Denker, der
- 2:44sich das allerhöchste Ziel gesetzt hat.
- 2:46Sich mit einer Familie belastet, dieses Ziel beschreibt Nietzsche
- 2:50als die allgemeinste Erkenntnis und die Abschätzung des gesamten
- 2:54Daseins. Ein Philosoph, der versucht, die
- 2:56Welt im Ganzen zu verstehen, sollte sich nicht mit den
- 2:59alltäglichen Sorgen um eine Familie ablenken lassen.
- 3:03Nietzsche zählt auf, was diese Ablenkungen sind, die Sorge um
- 3:06Ernährung, um Sicherheit und um das Ansehen von Frau und Kind.
- 3:11Er vergleicht diese familiären Rücksichten mit einem trüben
- 3:14Schleier, den man vor ein Fernrohr spannt, wenn ein
- 3:17Astronom die fernen Sterne beobachten will, darf kein Tuch
- 3:21vor der Linse hängen, genauso kann ein Philosoph die tiefe
- 3:24Wahrheit der Welt, die hier als ferne gestirnwelt bezeichnet
- 3:28wird, nicht erkennen, wenn sein Blick durch die Sorgen um seine
- 3:31Familie getrübt ist. Nietzsche kommt daher zu einem
- 3:34strengen Schluss in Angelegenheiten der höchsten
- 3:37Philosophie sind alle verheirateten Männer verdächtig.
- 3:41Er meint damit, dass man Zweifel haben muss, ob ein verheirateter
- 3:44Mann wirklich frei genug denken kann, um die letzten und
- 3:47tiefsten Wahrheiten zu erforschen, da er zu sehr an das
- 3:50alltägliche Leben und seine Verpflichtungen gebunden ist.
- 3:54Unterkapitel 437 zuletzt dieses kurze Stück bildet den Abschluss
- 4:03des Kapitels über Frauen und Kinder und trägt die Überschrift
- 4:06zuletzt. Nietzsche greift hier auf das
- 4:09Bild des sterbenden Philosophen zurück und bezieht sich direkt
- 4:12auf den antiken griechischen Denker Sokrates.
- 4:16Nietzsche spricht vom Schierling, der Schierling ist
- 4:19eine giftige Pflanze, aus der in der Antike ein tödlicher Trank
- 4:22hergestellt wurde. Mit diesem Schierlingsbecher
- 4:25wurde Sokrates hingerichtet, Nietzsche benutzt dies als ein
- 4:28Bild für das Schicksal eines Freigeistes ein Freigeist ist
- 4:32für Nietzsche ein Mensch, der unabhängig von den Zwängen der
- 4:35Gesellschaft und Religion denkt. Er sagt, dass das Schicksal oft
- 4:39eine Gelegenheit findet, dem freien Denker diesen Giftbecher
- 4:42an die Lippen zu setzen. Die Gesellschaft nennt dies dann
- 4:45eine Strafe für das freie Denken.
- 4:48Dann beschreibt Nietzsche, wie Frauen in einer solchen
- 4:50Situation reagieren, wenn der Denker seinem Ende entgegengeht,
- 4:55fangen die Frauen um ihn herum an zu schreien und zu Wehklagen.
- 4:59Nietzsche beschreibt dies als etwas Störendes, er nennt den
- 5:02Tod des Denkers Sonnenuntergangsruhe.
- 5:05Das ist ein Bild für einen friedlichen Gefasstenabschied
- 5:08vom Leben, den der Weise anstrebt.
- 5:11Das laute Jammern der Frauen stört diese würdevolle Ruhe.
- 5:15Um dies zu verdeutlichen, erzählt er die Szene aus dem
- 5:18Gefängnis von Athen nach, als Sokrates auf seinen Tod wartete.
- 5:22Sokrates war von seinen Freunden und seiner Frau Xanthippe
- 5:26umgeben, als Xanthippe laut klagte, wandte sich Sokrates an
- 5:30seinen Freund Kriton Nietzsche zitiert Sokrates mit den Worten.
- 5:35Okriton heiße doch jemanden diese Weiber da fortführen.
- 5:39Mit diesem Zitat unterstreicht Nietzsche seine Ansicht, dass
- 5:42die emotionale und laute Art der Frauen in diesem Moment nicht
- 5:46zur geistigen Größe und der gefassten Haltung des
- 5:49Philosophen passt. Der Denker möchte in seinem
- 5:52letzten Moment nicht durch weltlichen Jammer, sondern durch
- 5:55geistige Ruhe geprägt sein.